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Interessante Zeiten

von Inrah
GeschichteHumor / P12 / Gen
22.09.2005
22.09.2005
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Es war Abend, als sie eine kleine, grasbewachsene Lichtung fanden. Nachdem sich Aulaire argwöhnisch nach verdächtigen Bäumen und Steinen umgesehen hatte, schlugen sie dort ihr Lager auf und entfachten ein kleines Feuer, das sie wärmen und allzu aufdringliche hölzerne Geschöpfe fernhalten würde.
"Das ist alles vollkommen wahnsinnig", entfuhr es Aulaire, als sie am Feuer Platz nahm. "Das muß einfach ein Traum sein! In Wirklichkeit passiert so etwas nicht!"
Derian stocherte mit einem Ast in der Glut - was seltsame Gedanken in der jungen Frau weckte - und antwortete schließlich leise: "Nach all dem, was ich weiß, ist in diesem Wald einiges anders als in... nun, normalen Wäldern. Die Grenze zur Feenwelt soll hier besonders dünn sein, und daher kommt es zu so merkwürdigen Phänomenen wie paarungswütigen Bäumen. Aber im Großen und Ganzen ist es hier ungefährlich. Wenn man kein weiblicher Baum ist, meine ich."
Die Bardin schwieg, dann fragte sie: "Und dieser Ort, zu dem du mich bringen willst..."
"Niederorklingen?" unterbrach der Ex-Soldat sie. "Das ist ein ganz normales kleines Dorf. Meine Tante lebt dort, es gibt eine Kneipe und einen Traviatempel. Ab und zu kommen Händler aus Garetien vorbei, die dich bestimmt mitnehmen könnten."
Wieder kehrte Stille ein, dann hob Aulaire erneut die Stimme: "Warum lebst du in so einem verrückten Wald? Kannst du dir nicht einfach einen anderen suchen?"
Derian schüttelte grinsend den Kopf. "Ich finde es hier aufregend. Man weiß nie, was am nächsten Tag geschieht. Außerdem hätte Stein ohne mich überhaupt niemanden zum Reden, und er ist ein wirklich netter Kerl, wenn man ihn erst einmal besser kennt."
"Das heißt, wenn du mich abgeliefert hast, wirst du hierbleiben?" Aulaire bemühte sich, in einem neutralen Tonfall zu sprechen, aber der attraktive junge Mann faszinierte sie immer mehr und weckte... gewisse Gedanken, die sie lieber beiseite schob.
Als habe er telepathische Fähigkeiten, schmunzelte Derian wissend und entgegnete: "Nun, es täte mir schon ganz gut, mal wieder unter Menschen zu kommen. Ich kann ja immer noch auf Besuche hierhin zurückkehren, nicht wahr?"
Die Bardin erwiderte das Lächeln still und versunken. In dieser Nacht widmeten sich die beiden einer Tätigkeit, die die Autorin aus Gründen des Jugendschutzes mit... nun ja... einer Kombination aus dem anatomischen Äquivalent von Astlöchern und einer der beiden männlichen Gehirnhälften umschreiben will.

Aulaire erwachte davon, daß ihr ein Käfer über das Gesicht krabbelte. Sie stieß einen entsetzten Schrei aus und fuchtelte ziellos mit den Armen, was Derian neben ihr weckte. "Wsn?" murrte der Jäger verschlafen und rieb sich die Augen.
"Da... da... war ein Viech auf meinem Gesicht!" kreischte die Bardin.
Derian musterte sie schlaftrunken. "Jetzt ist es aber nicht mehr da." Er gähnte und blinzelte mehrmals, dann erhob er sich schwankend. "Was meinst du, bist du wach genug, um aufzubrechen?"
Aulaire nickte und ignorierte trotzig ihre bleierne Müdigkeit und ihre protestierenden Muskeln. Wovon schmerzten die überhaupt so? Als jäh die Erinnerung an die letzte Nacht zurückkehrte, errötete sie und beeilte sich, ihre Sachen zusammenzupacken und nicht allzu viel nachzudenken.
Derian hatte zum Glück noch Trockenfleisch in seinem Proviantbeutel, das wie Schuhleder aussah und auch so schmeckte, aber zumindest hielt es die Zähne beschäftigt. Dazu gab es etwas, das entfernt an Mohrrüben erinnerte. Aulaire beschloß, nicht weiter nachzufragen, und hoffte nur, daß das Essen nicht plötzlich anfangen würde, mit ihr zu reden. Sie verdrückte hastig alles bis auf den letzten Bissen, betastete dann verärgert ihre wirren Haare und entschloß sich letztendlich, diese mit Hilfe einiger Haarnadeln hochzustecken. Das sah sicherlich nicht gerade ausgehtauglich aus, erfüllte aber seinen Zweck und verhinderte, daß die langen schwarzen Strähnen ihr ins Gesicht fielen.
"Hast du gut geschlafen?" erkundigte Derian sich. Die Bardin sah ihn mißtrauisch an, erkannte in seinem Gesicht aber nur Aufrichtigkeit - und Müdigkeit. Sie nickte und schenkte ihm ein leichtes Lächeln, bevor sie sich ihre Laute umhängte und ihm weiter durch den Wald folgte.
Der Jäger drehte sich gerade um und wollte etwas sagen, als er davon unterbrochen wurde, daß ein Bär von einem Baum fiel. Und zwar genau auf seine Begleiterin.
Nun ergab sich ein Problem für den Bären. Wie es für seine Spezies üblich war, verfügte er über ein dickes Fell, auch an gewissen peripheren Körperteilen. Darunter verbarg sich auch eine nicht unbeträchtliche Fettschicht, wodurch es für einen Fallbären, der auf einen Menschen fiel, nicht ganz so unangenehm wurde wie für die betreffende Person.
Diese Person allerdings trug eine Steckfrisur mit vielen spitzen Haarnadeln.
Der Fallbär fiepte jämmerlich, stürzte von Aulaires Kopf und trottete in merkwürdig gekrümmter Haltung fort. Die nächsten Tage würde er damit verbringen, sich in Selbstmitleid zu ergehen und sich ein Sitzkissen zu wünschen. Eine Haltung, für die Frau Fallbär übrigens nicht viel Verständnis aufbrachte.
Die junge Menschenfrau hingegen war kaum noch durch solche Zwischenfälle zu erschüttern, so daß sie nur halblaut beklagte, daß ihre ganze Frisur ruiniert sei. Derian seufzte, bestätigte, daß dieser Umstand sie keineswegs unansehnlicher mache, und stapfte weiter voraus. Aulaire folgte ihm auf dem Fuß und zupfte dann und wann an ihren Haaren, gab es aber irgendwann auf.
Schließlich erreichten sie, wie von Stein beschrieben, die vom Blitz gespaltene Eiche. Ein schmaler Pfad führte gen Osten, was Bardin und Jäger zu einem synchronen erleichterten Aufatmen bewegte. Sie waren unterwegs von einem Grasbüschel beschimpft worden, das sich beschwert hatte, alle würden auf es hinabsehen, auf ihm herumtrampeln und es mit Füßen treten. Derians schüchterner Einwurf, das könne bei Grasbüscheln nun einmal vorkommen, hatte ihm den Vorwurf des Speziesismus eingebracht - oder genauer gesagt des Anti-Grasbüschelionismus. So etwas konnte einem die schönste Stimmung verderben, und so waren die beiden mehr als froh, auf den Weg nach Niederorklingen zu stoßen.
Zum Glück blieben sie in den darauffolgenden Stunden von weiteren Zwischenfällen verschont, auch wenn manch ein junger, schlanker Baum seine Äste auffällig weit über den Weg neigte, was von Aulaire jedes Mal mit einem empörten Blick und dem Griff zur Zunderbüchse beantwortet wurde. Endlich hatten sie den Waldrand erreicht, und vor ihnen erstreckte sich die dörfliche Idylle, von der Derian erzählt hatte.
"Zivilisation..." hauchte Aulaire glücklich und umarmte ihren Begleiter. Sie purzelten ins Moos, dessen schwache Proteste vom glücklichen Gelächter der beiden Menschen erstickt wurden.
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