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Ozeane der Zeit

GeschichteMystery / P18
15.09.2005
19.01.2006
46
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15.09.2005 669
 
Die Musen wurden einst ihrer Aufgabe - der Inspiration - überdrüssig. Sie wollten das Verbot, selbst zu schaffen, nicht mehr befolgen. So trafen sich die neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne an einem Quell um zu beraten.
"Schwestern." sprach Klio "Lasst uns Schöpfer sein."
"Ja." sprach Melpomene "Die Pfade des Prometheus wollen wir wandeln."
"Nun." wandte Terpsichore sich an Thalia "Was wollen wir erschaffen?"
"Einen Menschen!" rief Euterpe "Einen Menschen aus Fleisch und Blut!"
"Nein, aus Kunst!" sprach Erato.
"Und den Elementen der Welt." ergänzte Urania.
"Einen Geist, den wir binden an den Leib des schönsten Kindes!" rief Polyhymnia.
"So sei es denn." schloss Kalliope. "Ich suche ein Kind, den Geist zu binden. Findet euch morgen in der tiefsten Nacht wieder ein, dann soll die Schöpfung beginnen."
So trafen sich die Musen unter bestirntem Himmel am Quell. Dort beschworen sie über dem Leib des Kindes die vier Elemente: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Und in den Reigen der Vier mischten sie jene Geister, mit denen ihr Kuss die Künstler beseelte: Klio den Geist der Geschichte, Melpomene die Trauer der Tragödie, Terpsichore die Freude des Tanzes, Thalia das Lachen der Komödie, Euterpe den Klang des Flötenspiels, Erato das Sehnen der Liebesdichtung, Urania den Sternenblick, Polyhymnia den Schall der Hymne und Kalliope den Geist der Wissenschaft.
"Seht unseren Sohn!" jauchzte Thalia nachdem der Zauber vollbracht.
"Der schönste und klügste und schöpferischste Jüngling wird er werden." seufzte Erato.
"Man wird sich an ihn erinnern, auch in fernsten Zeiten noch." pflichtete Klio ihr bei.
"Seine Kunst wird die Welt aus jeder Trauer erheben." flüsterte Melpomene.
"Und tanzen werden die Menschen, ihn zu ehren!" flohlockte Terpsichore.
"Der strahlendste unter ihnen wird er sein." verkündete Polyhymnia.
"Denn die Rätsel der Welt werden sich ihm nicht verschließen." ergänzte Kalliope.
"Der Wind wird seine Lieder singen." sprach Euterpe zu Urania "Und Akakios soll sein Name sein."
Da trat die Göttin Kybele aus dem Gebüsch, hinter dem verborgen sie das Treiben der Musen beobachtet hatte. Sie war von Zorn beseelt auf Attis, der ihre Liebe verschmäht und sie gedemütigt hatte.
"Töchter der Mnemosyne!" rief sie schallend "Ist es euch nicht verboten, zu erschaffen und die Welt in neue Form zu prägen?"
Erschrocken knieten die Musen nieder, den Leib ihres Sohnes hinter sich verborgen.
"Kybele, wir bitten dich, verrate nicht, was wir getan! Er wird getötet werden und wir bestraft!"
Der Mund der Kybele verzerrte sich in grausamer Lust.
"Was gebt ihr mir für mein Schweigen, Schwestern der Künste? Ich will ein Blutopfer, wie es einer Göttin geziemt."
"Es ist kein Blut in uns, Kybele!"
"Doch in eurem Sohn."
Da schrien die Musen auf vor Angst und drängten sich um ihr Kind.
"Töte ihn nicht, Kybele, wir flehen dich an! Ewig wollen wir dir zu Diensten sein, aber töte nicht unser Kind!"
Und Kybele lachte zufrieden.
"So sei es. Ihr seid mein, Schwestern der Künste. Und euer Sohn ist es ebenso." Damit entriss sie Akakios den Musen und gab ihn zu schlechten Menschen, die ihn grausam erzogen. Denn musste sie auch seinen Körper am Leben erhalten, so wollte sie doch die Geister der Musen in ihm töten. Dennoch wurde Akakios schön und stark, und was die Musen für ihn prophezeit hatten, traf ein.
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