A Happy Tru Year

von Afaim
GeschichteAbenteuer / P12
13.09.2005
27.11.2005
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13.09.2005 2.217
 
II.

"Ich will sie sofort sehen!" Tru stürmte durch die Leichenhalle. "Miss, Sie müssen noch warten. Sie können nicht einfach..." Doch Tru beachtete die Einwände gar nicht. Auch ihren Vater, der ihr hinterher rannte und ihren Namen rief beachtete sie nicht, genauso wenig wie Harrison, Davis und Carrie (was wollte die eigentlich hier?), die wiederum ihren Vater hinterher rannten.
Da lag sie. Da lag Meredith auf dem Obduktionstisch. Tru blieb stehen und starrte sie an. Es ist also wahr. "Schätzchen, du solltest dir das wirklich nicht ansehen", meinte ihr Vater hinter ihr. Tru trat näher an den Tisch heran. Unvermittelt wandte Meredith ihr den Kopf zu. "Tru, hilf mir."
~~ ~~~

Tru erwachte in ihrem Bett. "Na dann mal los", murmelte sie.

8:27

"Ah, Tru, da bist du ja!" Tru nahm gegenüber von ihrem Bruder Platz. "Harri...."
Harrison sah sie misstrauisch an. "Oh, nein, es ist einer dieser Tage, oder nicht? Wer ist gestorben? Sag mir nicht, dass ich es war!", platzte es aus ihm heraus. "Nein. Es...Harri, es war Meredith", erklärte Tru.
"Meredith ist tot?! Auf diesen Schock muss ist erst mal was essen." Mit diesen Worten griff der junge Mann zur Speisekarte. "Wie sind die Eier hier?"
"Die würde ich nicht essen. Hab ich gestern getan und hatte den ganzen Tag über Bauchschmerzen", entgegnete Tru, "Auf jeden Fall ist sie bei einem Autounfall gestorben. Ich hab mir gedacht, wenn du sie für die Party heute mit deinem Wagen abholst dann..."
Harrison sah von der Karte auf. "Geht nicht, mein Auto ist bei der Reparatur. Und wir können uns nur schwer das von Dad leihen, oder? Er würde sicher merkwürdige Fragen stellen. Bist du sicher, dass ich die Eier nicht essen soll?"
Tru stöhnte. "Harrison, du bist keine Hilfe." "Ich weiß, ich stehe unter Schock..."
Tru erhob sich. "Also gut. Verdau das erst mal. Ich muss los und versuchen einen Weg zu finden Merediths Leben zu retten und trotzdem meine Silvester-Party zu veranstalten. Ich kann doch auf dich zählen, oder?" Harrison hob die Hand. "Aber immer. Vielleicht kann ich Dad den Wagen doch abschwatzen."

8:40

"Ja, Mery, ich bin´s. Ich wollte dich nur an die Party heute Abend erinnern", erklang Trus Stimme aus dem Handy.
"Tru, reg dich ab. Ich werde es schon schaffen. Traust du mir denn gar nichts zu?" Meredith schüttelte den Kopf als könnte ihre Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung dies sehen. "Ich werde kommen. Versprochen."
"Daran zweifle ich ja gar nicht. Ich meine nur, es wäre vielleicht sicherer, wenn du erst gar nicht zu dieser Geschäftsbesprechung heute fahren würdest..."
Meredith seufzte. "Tru, das ist mein Job. Es war schwer genug ihn zu bekommen. In meiner Position, mit meinen Problemen....Ich kann das jetzt nicht so einfach absagen."
"Das verstehe ich, aber....aber sieh zu, dass du rechtzeitig von dort wegfährst. Und fahr vorsichtig, ja?"
Meredith verdrehte die Augen angesichts der Sturheit ihrer Schwester. "Keine Sorge. Ich werde rechtzeitig wegfahren." Sie legte auf und schüttelte erneut den Kopf. Tru wird wirklich immer merkwürdiger. Wenn sie sich nur nicht ständig so viele Sorgen machen würde. Sie führt sich auf, als würde sie das Gewicht der Welt auf ihren Schultern tragen.
Immer noch kopfschüttelnd stieg die blonde Davies-Tochter in ihr Auto.

9:00

Jack Harper spazierte gelassen in Richard Davies Büro. "Jack! Du sollst doch nicht her kommen! Was wenn Harrison uns zusammen sieht?!", empörte sich Richard und schloss, während er sich vorsichtig umsah, die Türe hinter dem jüngeren Mann.
"Reg dich ab. Wir wurden uns auf der Weihnachtsparty offiziell vorgestellt. Wenn Tru oder Harrison mich hier sehen würden, würden sie einfach annehmen, dass ich durch dich an deine Tochter herankommen will", erwiderte Jack ruhig und verstummte dann nachdenklich.
"Was führt dich also her?", erkundigte sich Richard Davies und musterte den anderen Mann abschätzend, "Ist dies ein sich wiederholender Tag? Irgendetwas stimmt doch nicht. Was ist los?"
"Es ist eine Wiederholung", gab Jack zu. "Wer ist gestorben?" Jack sah ihn ernst an. "Deine Tochter." Richard blinzelte und schien für einen Augenblick wie vom Donner gerührt. "Tru ist gestorben?!", vergewisserte er sich geschockt. Jack verdrehte die Augen.
"Nicht Tru. Wenn Tru gestorben wäre, wäre ich jetzt nicht hier. Dann würde sich meine Tage nicht mehr wiederholen. Das solltest du eigentlich wissen." Er konnte seinen Sarkasmus nicht länger zurückhalten und fuhr fort: "Vielleicht sollte ich spezifischer werden. Deine andere blonde erwachsene Tochter, von der du ein Bild auf deinen Schreibtisch hast, ist gestorben."
"Meredith." Richard schwieg. In ihm schien es zu arbeiten. Dann meinte er kühl: "Nun, das ändert gar nichts. Tu deinen Job."
Jack sah ihn ungläubig an. "Das ist doch nicht dein Ernst, oder?!", meinte er langsam. Richard maß ihn kühl. "Natürlich ist das mein Ernst. Du trägst eine große Verantwortung. Die kannst du nicht einfach ignorieren, nur weil persönliche Gefühle ins Spiel kommen. Dafür ist deine Aufgabe zu wichtig. Wenn die Zeit von jemandem abgelaufen ist, ist sie abgelaufen. Auch wenn es meine eigene Tochter ist", erklärte er ruhig.
Jack starrte ihn an. Dann drehte er sich am Absatz um und ging zur Türe. "Ich werd´s tun", verkündete er und drehte sich noch einmal zu Trus Vater um, "Aber eins noch, Richard: Ich hoffe, ich werde niemals so kalt wie du." Nach diesen Worten verließ er das Büro.
Richard Davies starrte ihm kurz hinterher. Dann schritt er um seinen Schreibtisch herum und nahm das Bild seiner Tochter Meredith in die Hand und sah es an.
Kalt. Was weiß der denn schon.

9:10

Sie hetzten neben einander durch die Leichenhalle. "Meredith ist gestorben? Das tut mir schrecklich Leid", murmelte Davis. "Es ist zu früh für Beileidsbekundungen, Davis. Ich habe nicht vor, sie noch einmal sterben zu lassen", erwiderte Tru und sah sich suchend in der Leichenhalle um.
"Ähm, Tru...suchst du etwas Bestimmtes?", erkundigte sich Davis leicht perplex. "Carrie. Sie ist nicht hier, oder?" Davis schüttelte den Kopf. "Nein, wieso..." "Gut."
Tru rannte in Richtung Davis Büro. Davis folgte ihr. "Aber, wenn es ein Autounfall war. Was willst du tun um es zu verhindern?", wollte er wissen. "Ganz einfach. Verhindern, dass sie in das Auto steigt. Und dafür brauche einen Fahrer, der sie abholt", erklärte Tru.
Sie untersuchte den Schreibtisch. "Keine Autoschlüssel?" Davis sah sie verwirrt an. Dann erhellte sich seine Miene. "Oh, nein. Nein, ich hab keinen Führerschein und kein Auto." Tru starrte ihn an. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass es auch nur einen erwachsenen Menschen auf dieser Welt gab, der nicht in China lebte und keinen Führerschein hatte. Andrerseits wenn es einen gab, dann war dieser natürlich niemand anderer als Davis.
Davis räusperte sich. "Nun, ich nehme an, Carrie hat ein Auto. Wir könnten sie fragen und..."
"Und was für einen Grund sollen wir ihr nennen? Nein, da frag ich schon lieber meinen Vater oder Jensen." Tru sah auf die Uhr. "Mal sehen. Ich treffe mich noch mit Avery zum einkaufen, dann muss ich alles vorbereiten und rechtzeitig losfahren um Meredith abzuholen..."
"Aber Carrie...", begann Davis. Tru sah ihn fragend an. "Ja?" Davis verstummte. "Nicht so wichtig", meinte er, sah zu Boden und verließ fluchtartig das Büro. Tru blinzelte verwirrt. Sie konnte sich nur wundern.

9:30

"Nein?! Warum nicht?!"
Harrison Davies sah seinen Vater herausfordernd an. "Weil ich mein Auto brauche, deswegen nicht. Ich muss Jordan und die Kinder besuchen fahren und rechtzeitig wieder hier sein um Trus Party besuchen zu können. Im Übrigen, ich habe einen Auftrag für dich", meinte Richard.
Harrison sah ihn entsetzt an. "Heute?" "Ja, heute", bestätigte Richard. Harrison lachte trocken. "Dad, heute ist Silvester", argumentierte er leicht entsetzt. Richard hielt ihm eine Mappe mit Dokumenten darin hin. "Und ich bin sicher, du hast das bis zur Silvester-Party deiner Schwester erledigt." Harrison nahm die Mappe stumm entgegen.

11:30

"Das heißt du kannst das machen? Super, danke, Jensen. Bis dann." Tru legte auf und seufzte erleichtert. "Jensen kann dich also fahren? Hier sind die Nüsse." Avery stellte die Nusssäcke in den Einkaufswagen und sah Tru fragend an. "Ja, kann er. Wir brauchen noch Obst." Sie fuhren den Einkaufswagen zur Obstabteilung.
"Aber, ich verstehe immer noch nicht, wieso deine Schwester nicht einfach mit dem Abschleppdienst fahren kann. Oder einem Taxi", erklärte die Blonde. Tru zuckte die Schultern. "Wir sind eben eine fürsorgliche Familie", meinte sie und reichte Avery die Einkaufsliste.
"Orangen?" Jack hielt ihr ein Netz voller Orangen unter die Nase.
"Jack", stöhnte Tru.
"Und so sehen wir uns doch noch vor dem Jahreswechsel. Findest du diese der-Tag-wiederholt-sich-Sache nicht manchmal auch einfach wundervoll?" Jack seufzte glücklich.
"Manchmal schon, ja", erwiderte Tru und schob den Einkaufswagen ein Stück weiter. Jack folgte ihr. "Ich hoffe, du kommst nicht auf irgendwelche dummen Gedanken, Tru. Wie zu Beispiel darauf den Lauf des Schicksals zu verändern..." Tru blieb stehen und sah Jack todernst. "Hör zu, Jack, ich sage das nur einmal: Ich werde sie nicht sterben lassen. Niemals!!", zischte sie und schob ihren Wagen einfach.
"Frohes neues Jahr!", rief ihr Jack hinterher.
"Kommt er nicht zu deiner Party?", erkundigte sich Avery.
"Nein, er ist nicht eingeladen."

16:00

"Sind wir nicht ein wenig früh dran?", erkundigte sich Jensen. "Ich will einfach nur sicher sein, dass alles glatt geht", meinte Tru und starrte auf die Straße.
Jensens Wagen quälte sich die Straße entlang. "Ich find´s gut, dass wir zwei einen gemeinsamen Ausflug machen. Auch wenn´s nur darum geht deine Schwester abzuholen", meinte Jensen, "Wir zwei. Alleine in einem Auto."
Er warf ihr einen viel sagenden Seitenblick zu. "Konzentrier dich lieber auf die Straße", warnte Tru.
Fünf Minuten später wanderte seine Hand an ihrem Knie empor. "Jensen! Ich meine es ernst!" Sie schlug seine Hand weg und sah ihn mit gespielter Empörung an. "Oh, komm schon, Tru. Nur ein kleiner Kuss." Jensen wandte sich ihr zu und bettelte sie förmlich um einen Kuss an. "Jensen, du solltest wirklich. Ich..." Ihr Blick glitt zufällig auf die Straße.
"Oh, mein Gott, Jensen! Pass auf!!"
Aber es war zu spät. Die junge Frau auf der Straße starrte das Auto mit aufgerissenen Augen an und wurde auch schon vom bremsenden Vehikel zurückgestoßen.
Tru sprang aus dem zum stehen gekommenen Wagen und rannte zu der Frau hin.
"Wieso war sie plötzlich auf der Straße? Ich wollte nicht...ich.....", murmelte Jensen verstört.
Tru hatte die Frau erreicht und wollte den Puls fühlen, da wandte sich deren Kopf ihr zu und bat leise: "Tru, hilf mir!"

A/N: Langsam wird es so richtig interessant.
Es war eine Herausforderung Richards Reaktion auf den Tod seiner Tochter zu schreiben, aber ich glaube, ich hab´s ganz gut hingekriegt. So wie ich ihn einschätze, ist das etwas das er hinnehmen würde, weil es sein muss, da es schon so gewesen ist. (War das verständlich?)
Mir gefiel Jack in dieser Szene im Übrigen sehr gut (ich weiß, ich weiß, Eigenlob stinkt)- ich fürchte ich mag ihn einfach zu sehr.

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