Schwarze Rosen

von Chris
GeschichteAbenteuer / P18
Mac Gyver Pete Thorton
07.09.2005
07.09.2005
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Mac Gyver durchquerte die Eingangshalle der Phoenix Foundation und lief zu den Fahrstühlen. Er hatte sich gerade am Empfangsbereich eingetragen und war nun auf dem Weg in das Büro von Peter Thorton, dem Direktor dieser Organisation. Er hatte Glück. Er brauchte nicht lange auf einen Fahrstuhl zu warten. Ein klingelnder Ton kündigte die Ankunft einer Kabine an. Die Türen öffneten sich und einige Leute eilten heraus. Er betrat den Fahrstuhl und nachdem er die Taste für das gewünschte Stockwerk gedrückt hatte, schlossen sich die Türen. Er war allein. Er gähnte ausgiebig und lehnte sich mit geschlossenen Augen gegen die verspiegelte Wand.
>Einen Tag ausschlafen, nach meinem letzten Auftrag, hat wohl doch nicht gereicht<, dachte er und gähnte nochmals. >Ich bräuchte dringend mal wieder Urlaub. Ich könnte fischen gehen, oder...<
Bevor er jedoch seinen Gedankengang zu ende führen konnte, ertönte erneut der klingelnde Ton und die Türen des Fahrstuhls öffneten sich. Er trat hinaus auf einen Gang.
Einige Mitarbeiter der Denkfabrik, wie die Phoenix Foundation auch genannt wurde, kamen ihm entgegen. Hier und da grüßte er jemanden, den er vom sehen kannte. Schließlich ging er durch eine sich automatisch öffnende Tür und betrat das Vorzimmer von Peter Thortons Büro. Er blinzelte verwundert als er eine ihm unbekannte Frau hinter dem hölzernen Schreibtisch sah, an dem normalerweise Thortons Sekretärin saß, die er mittlerweile recht gut kannte. Die junge Frau, mit dem kurzen schwarzem Haar, stand gebeugt über dem Schreibtisch und wühlte hektisch in irgendwelchen Papieren.  
"Guten Morgen.", grüßte Mac Gyver sie freundlich, aber auch etwas neugierig.
Aufgeschreckt hob sie ihren Kopf und zwei sehr dunkle Augen blickten ihn überrascht an. Sie lächelte ihn offen an. "Guten Morgen. Kann ich etwas für sie tun?"
"Mein Name ist Mac Gyver. Ich wollte zu Mr. Thorton."
"Ach ja, ich glaube er hat sie erwähnt.", erwiderte sie freundlich. "Doch im Moment hat er noch eine Besprechung. Aber ich denke, dass es nicht mehr all zu lange dauern wird. Wenn Sie solange warten wollen?"
"Kein Problem. Wo ist denn Helen abgeblieben?"
"Sie meinen Mr. Thortons eigentliche Sekretärin?"
Er nickte.
"Dumme Geschichte," sie verzog für einen Moment ihr Gesicht, "sie hatte einen Autounfall und dabei ein Schleudertrauma erlitten."
"Wie schlimm ist es?", wollte er besorgt wissen.
"Sie ist schon wieder Zuhause, aber der Arzt hat ihr strikte Bettruhe verordnet. Was ja auch vernünftig ist. Und weil Helens eigentliche Vertretung derzeit jemand anderen vertritt, spiele ich hier momentan die Sekretärin."
Mac Gyver grinste als Antwort. Er hatte das Gefühl, dass ihr der Job nicht unbedingt zusagte. Er wollte ihr gerade eine weitere Frage stellen, als die Tür von Thortons Büro geöffnet wurde und zwei Männer sprechend heraustraten. Der untersetzte Mann mit der fast vollständigen Glatze war Peter Thorton. Er war Mac Gyvers Chef und zugleich bester Freund. Der Herr an Thortons Seite war Mac Gyver unbekannt. Dieser trug sein  dunkelbraunes Haar sehr kurz, war etwa so groß wie Mac Gyver, also etwas über 1 Meter 80, und schien sehr sportlich zu sein. Sein schwarzer Anzug wirkte wie maßgeschneidert. Frauen hätten ihn wahrscheinlich als attraktiv empfunden.
Doch Mac Gyver waren diese Anzug-Typen niemals sonderlich sympathisch gewesen.
Mac Gyver rügte sich in Gedanken selbst: >Seit wann hast du solche Vorurteile?<
Die beiden Männer verabschiedeten sich mit einigen Worten und einem kurzen Händedruck. Danach nickte der Unbekannte der Sekretärin und ihm kurz zu und verließ den Raum. Mac Gyver sah ihm nach. Doch noch bevor er weiter über den Unbekannten nachdenken konnte, kam Thorton auf ihn zugeeilt und gab ihm die Hand.
"Hallo Mac, komm doch rein."
"Hallo Pete."
Thorton wandte sich an die Sekretärin: "Bitte im Moment keine Anrufe, Karen."
"Alles klar." Sie hatte nur kurz aufgesehen und widmete sich dann sofort wieder ihrem Papierstapel.
Mac Gyver folgte Thorton in sein Büro und schloss die Tür hinter sich. Pete, wie er von seinen Freunden genannt wurde, nahm hinter einem dunklen, wuchtigen, hölzernen Schreibtisch Platz und Mac Gyver ließ sich auf einen der zwei Stühlen davor nieder.
"Wer war denn das da eben?", wollte Mac Gyver wissen.
"Ein neuer Mitarbeiter, er kommt in die Auslandsabteilung und wird dort verschiedene Aufgaben übernehmen. Sein Name ist Goodwell."
"Aha.", war Mac Gyvers Kommentar, wechselte aber daraufhin das Thema. "Weshalb hast Du mich nach einem Tag Pause hierher zitiert?"
Thorton zog kurz die Augenbrauen hoch und zeigte ihm seine Handinnenflächen. "Tut mir leid, dass ich dich so schnell wieder benachrichtigen musste, aber es ist enorm wichtig."
Mac Gyver seufzte. "Das ist es immer." Er sah Thorton an. "Worum geht es?"
Thorton öffnete eine Schublade seines Tisches und holte eine Akte hervor. Er wusste, dass Mac Gyver Papierkram nicht ausstehen konnte, deshalb machte er keine Anstalten ihm die Akte hinüber zu reichen. Er  benötigte sie selbst nur als Informationsquelle. Er schlug den Aktendeckel auf.
"Es handelt sich um eine heikle Sache und ich hoffe, du nimmst den Auftrag an. Denn ich möchte möglichst nur dir diese Angelegenheit anvertrauen."
Mac Gyvers Neugierde war geweckt. "Schieß los, Pete."
"Es geht um eine neue Terroistengruppe, die erst vor kurzem im Nahen Osten aufgetaucht ist. Sie nennen sich übersetzt die Schwarze Rose."
"Ein seltsamer Name," warf Mac Gyver ein, "ich habe noch nie was von dieser Gruppe gehört."
"Wie gesagt, sie ist neu. Es wird vermutet, dass sie eine Splittergruppe der Hamas ist, aber das ist nur spekulativ." Thorton blätterte in der Akte. "Jedenfalls ist sie wohl für einige Anschläge im Nahen Osten verantwortlich und es scheint, dass sie nun bis in die USA vorgedrungen sind."
"Gibt es Anzeichen für geplante Anschläge?"
Thorton schüttelte den Kopf. "Bisher noch nicht. Wir glauben eher, dass sie versuchen werden hier Waffen zu kaufen."
"Erlaube mir eine kurze Zwischenfrage,", unterbrach ihn Mac Gyver. "Was hat die Phoenix Foundation mit dieser Sache zu tun? Dafür gibt es doch die Polizei oder Anti-Terror-Einheiten."
"Natürlich. Die sind auch schon dran. Wir sind lediglich als wissenschaftliche Berater hinzugezogen worden. Wir sollen herausfinden, welche Art von Waffen diese Terroristen benötigen und wie sie beim Erwerb vorgehen könnten. Ein Team von uns ist bereits bei der Analyse."
Mac Gyver sah ihn irritiert an. "Und wozu brauchst du mich dann?"
"Ich brauche dich für das drum herum. Durch unsere Analysen sind wir bereits auf einen Mann gestoßen, der ein potentieller Waffenschieber sein könnte."
"Wieso hast du das denn nicht den zuständigen Behörden mitgeteilt?"
Thorton machte eine Geste des Unverständnisses. "Das habe ich ja! Aber die Indizien waren ihnen zu Fadenscheinig."
"Was heißt das?"
Thorton zog einige aneinander geheftete DIN A4 Blätter aus der Akte und reichte sie Mac Gyver. Oben auf war ein schwarz-weiß Foto mit einer Büroklammer befestigt. Darauf war in Nahaufnahme ein älterer Mann in einem dunklen Abzug abgebildet. Die Aufnahme schien ohne Wissen des Mannes gemacht worden zu sein, denn er stieg gerade aus einem Auto.
Thorton deutete auf das Foto. "Der Mann heißt Simon Smith. Ihm gehört eine Firma, die sich zum größten Teil mit der Entwicklung von Mikrochips beschäftigt."
"Und wie kommst du darauf, dass er was mit Waffenhandel zu tun hat?"
"Er stellt unter anderem auch Mikrochips für die Leitsysteme von Boden-Boden- und Boden-Luft-Raketen für unser Militär her. Jetzt hat sich der Verdacht erhärtet, dass er einiges mehr herstellt, um sich ein Zubrot zu verdienen. Und so versorgt er anscheinend die Terroristen mit Chips, um ihre Raketenleitsysteme auszurüsten."
"Da klingt fast so als ob sie ihre Raketen als Einzelteile kaufen und sie anschließend wie ein Puzzle zusammensetzen würden.", warf Mac Gyver ein. "Kommt mir irgendwie bekannt vor."
"So wie es aussieht hast du damit völlig recht. Doch die Mikrochips sind das wichtigste. Ohne die sind die Raketen praktisch wertlos."
Mac Gyver musterte das Gesicht des Mannes auf dem Bild. "Also müssen wir nur Mr. Smith daran hindern diese Chips an die Schwarze Rose oder an irgend jemanden zu verkaufen. Aber wieso bist du so sicher, dass dieser Mensch diese Chips illegal verkauft?"
"Wir haben routinemäßig sämtliche Firmen überprüft, die in irgendeiner weise etwas mit Waffen zu tun haben und dabei sind wir bei Smith Systems Technologies Inc. auf Ungereimtheiten gestoßen."
"Wie hast Du ihn denn ohne Hilfe der Polizei überprüfen können? Normalerweise braucht man dafür doch eine richterliche Genehmigung."
"Wir haben erweiterte Befugnisse erhalten, ohne die wir ansonsten diese Untersuchungen gar nicht durchführen könnten. Allerdings...," Thorton unterbrach sich selber und kratzte sich am Kopf, "allerdings ist Willis ein wenig über diese Befugnisse hinausgegangen."
Mac Gyver musste grinsen. "Na sowas." Bei Willis - dem Computer-Genie der Foundation - wunderte ihn das nicht. Wenn er sich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, war er nicht zu bremsen.
Ohne auf die Bemerkung einzugehen, setzte Thorton fort: "Willis hat Einblick auf Smiths Kontoführung  erhalten - sowohl die Geschäftlichen als auch die Privaten. Dabei hat er Konten entdeckt, die zwar unter anderem Namen geführt werden, wohl aber eindeutig Smith zu zuordnen sind."
"Aber ihr könnt es ihm nicht genau nachweisen und die gefundenen Indizien würden als Beweise nie anerkannt," schloss Mac Gyver.
"Du hast es erfasst. Aber das ist nicht das einzige, das wir entdeckt haben. Er hat hier in den Staaten zwar eine weiße Weste, in den arabischen Staaten ist er jedoch bekannt. Er soll an verschiedenen illegalen Aktivitäten beteiligt gewesen sein. Natürlich unter falschem Namen und er hat Mittelsmänner eingesetzt. Er ist selbst nie bei Verkäufen persönlich anwesend gewesen. Wenn es zu Verhaftungen kam, wurden nur die Mittelsmänner verhaftet und die wussten selber nicht wie ihr Boss nun eigentlich aussah beziehungsweise wer er überhaupt war. Doch wenn wir jede Spur verfolgen, steuert man unweigerlich in seine Richtung. Er ist bisher so geschickt vorgegangen, dass es niemand wagte auch nur einen Verdacht gegen Smith zu äußern."
Mac Gyver rieb sich mit einer Hand durch das Gesicht. "Bis dahin ist alles klar, aber ich verstehe immer noch nicht warum du ihn speziell in Verdacht hast. Ich meine, es gibt sicherlich einige Firmen in den USA die solche Chips für die Leitsysteme herstellen."
Thorton lehnte sich in seinen Stuhl zurück. "Das mag sein, doch in letzter Zeit haben wir verstärkt Aktivitäten in seiner Umgebung festgestellt. Es werden Leute eingestellt, die offiziell nicht auf der Gehaltsliste von Smith Systems Technologies Inc. stehen. Es wurden mehr Rohstoffe gekauft, etc."
Mac Gyver sah Thorton etwas ungläubig an. "Vielleicht hat der Mann nur eine größere Auftragslage."
Thorton lehnte sich ein Stück nach vorne. "Nein, eben  nicht."
Mac Gyver´s Reaktion war ein Augenbrauenzucken, dann sagte er: "Na schön Pete. Was erwartest Du jetzt von mir?"
"Ich möchte, dass Du Dich an Smiths Fersen hängst und versuchst Beweise für unsere Vermutungen zu finden," antwortete Thorton eindringlich. "Wenn ich mich geirrt haben sollte, dann entschuldige ich mich. Aber wenn ich recht habe, haben wir einen der gefährlichsten Waffenlieferanten in unserem eigenen Land, der nicht mal davor zurück schrecken würde sie zu verkaufen, wenn er wüsste, dass die Waffen eventuell gegen sein eigenes Land eingesetzt würden."
"Schon klar, Pete. Ich werde es tun."
Thorton atmete erleichtert auf. Er wusste, dass er seinem Freund damit eigentlich viel zumutete, war Mac Gyver doch gerade von einem schwierigen Auftrag aus dem Ausland heim gekehrt. Und er wusste, dass er jederzeit ablehnen konnte, da er nur freier Mitarbeiter war.
"Danke Mac. Ich wusste, dass ich mich auf dich verlassen kann."
Mac Gyver zuckte gelassen mit den Schultern. "So bin ich nun mal." Er stand auf und griff sich die Akte auf Thortons Tisch. "Ich werde als erstes mal ein paar Informationen über diesen Smith und seine Firma sammeln."
"Sehr gut." Thorton fühlte sich enthusiastisch, er wusste, dass er mit Mac Gyver den richtigen Mann für die Sache hatte.
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