Wie der Vater, so der Sohn

GeschichteAllgemein / P18 Slash
Draco Malfoy Harry Potter Lucius Malfoy Severus Snape
31.08.2005
29.10.2005
5
27.291
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Dieses Kapitel
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31.08.2005 4.493
 
Titel: Wie der Vater, so der Sohn

Autorin: KrissyNightwish

Pairing: HP/DM

Kapitel: 1/5

Altersfreigabe: P18- Slash

Disclaimer: Sämtliche Charaktere gehören ihrer Schöpferin JKRowling

Warnings:  Mehrere klitzekleine Anspielungen auf HP 6; OoC

Betaleserin:  Alexia! Danke *knuddel*

Anm.:  Ihr habt euch übrigens nicht verlesen. Harry hat auch einen Vater. Wer das ist? Ich sag nichts. Lasst euch überraschen. *zwinker*
Ach ja noch was. Die FF ist NC- 17, da es noch Lemon geben wird. Alle Lemonverrückten dürfen sich also schon mal freuen. Die Idee zu dieser FF ist mir gekommen, als ich die Inhaltsangabe von irgend so einem TV- Schnulzfilm gelesen habe. Ich habe den Film nicht gesehen, sondern meine eigene Fantasie walten lassen. (Das klingt jetzt wie ´ne Drohung *g*)





Kapitel 1

"Ich habe ziemlich Angst es ihm zu sagen, Draco!", flüsterte Harry leise und strich sanft durch die blonden Haare seines Geliebten. Die Sonne beschien ihre Gesichter und nur das grüne Laub des Baumes, unter dem sie saßen, spendete ein wenig Schatten.

Der Sommer war in all seiner Schöne in diesen zurückgekehrt und verwandelte die Welt in einen sommerlichen Urlaubsort. Die beiden Zauberer saßen entspannt unter dem Baum und lauschten dem Gezwitscher der Vögel. Draco hatte sich an Harry gelehnt, der Halt an dem Baum gefunden hatte und nun seinen Schatz, der sich mit geschlossenen Augen an ihn lehnte, betrachtete.

"Du weißt doch, wie mein Vater ist.", fügte Harry schließlich hinzu. "Das hitzige Temperament und dann auch noch die Tatsache, das er sich mit Lucius seit meiner Adoption tierisch verkracht hat." Harry seufzte. "Der wird mich auseinander reißen." Draco öffnete die Augen und setzte sich aufrecht vor Harry hin. Tief schaute er ihm in die Augen.

"Aber irgendwann musst du es ihm sagen. Ich will mich nicht länger verstecken müssen." Die grauen Augen Dracos nahmen einen unglaublich zärtlichen Ausdruck an. Wer konnte da schon widerstehen? Harry auf jeden Fall nicht. Ergebend seufzte er abermals.

"Ich höre schon jetzt seine Stimme: Wie kannst du dich mit einem Malfoy einlassen, diesem verlogenen Pack! Aber für dich werde ich das auch in Kauf nehmen, mein blonder Engel.", sagte Harry und seine Lippen fanden ihren Weg zu dem süßen Mund seines Gegenübers. Draco lachte in den Kuss hinein und schaute dann Harry grinsend an.

"Ich wäre zu gern dabei, wenn du Severus von uns erzählst.", neckte er Harry. Dieser verzog maulend das Gesicht.

"Na vielen Dank für dein Mitgefühl. Hoffe eher, dass du mich in ganzen Stücken wieder kriegst."

"Hauptsache dein Mund ist noch da, denn dieser kann mir so wunderbare Freuden bereiten.", neckte Draco weiter.

"Ja zum Beispiel dich zu beißen.", fuhr Harry fort und schlug seine Zähne wie ein Vampir in Dracos Halsbeuge. Dieser lachte auf.

"Hey, das kitzelt. Ich denke zur Not würden auch die Hände reichen, um meinen Schwa..."

"...um deine Kehle zusammenzudrücken", beendete Harry den Satz und stopfte Draco den Mund mit einem Kuss.      

*****

Diesen Abend ging der inzwischen einundzwanzigjährige Harry Potter mit einem mulmigen Gefühl nach Hause. Er hatte Draco versprochen seinem Vater von ihnen zu erzählen und das würde er heute tun. Es war nicht so, als brauchte Harry die Erlaubnis seines Vaters, doch Draco nur immer irgendwo zu treffen, wo sie keiner entdecken konnte war auf die Dauer nicht wirklich schön. Er wollte ihn endlich mal mit nach Hause nehmen oder wenigstens dieses ewige Versteckspiel sein lassen.

Harry wohnte noch zu Hause, da er mitten in der Ausbildung zum Lehrer für Verteidigung gegen die Dunklen Künste und Zaubertränke war. Auror hatte er nicht mehr werden wollen, da die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nach Voldemorts Sturz auf Null gesunken war. Die noch lebenden Auroren waren völlig ausreichend um die wenigen Zwischenfälle zu beseitigen. Dieser Job war glücklicherweise ein Auslaufmodell. So hatte Harry sich entschieden Lehrer und schließlich Professor zu werden um später in Hogwarts unterrichten zu können.

Harry ging die letzten Schritte zu ihrem Haus auf dem Land in der Nähe von Oxford. Vor drei Jahren waren sie hier eingezogen. Harry dachte gerne an die Zeit zurück, wie alles mit ihnen begonnen hatte.

Sein furchtbarer Fehler Severus zu Misstrauen und ihn dadurch beinahe umgebracht zu haben. Im nachhinein konnte er über seine damalige Dummheit nur den Kopf schütteln, doch zum Glück war alles anders gekommen.

Harry hatte das Gute in Severus erkannt und das sie nur gemeinsam fähig waren Voldemort zu besiegen. In dieser Zeit hatten sie sich näher kennengelernt- zwangsweise zugegebenermaßen, aber sie hatten sich kennen gelernt.

Und schließlich hatten sie festgestellt, dass sie sich sehr ähnlich waren.

Ihr Hass hatte sich aufgelöst und war in Liebe und Zuneigung, Fürsorge und Wohlwollen umgeschlagen. Kurz gesagt, sie fühlten sich wie Vater und Sohn, was dann auch schließlich ausschlaggebend für die Adoption wurde, der Harry nur zu gern zugestimmt hatte.

Vor einigen Jahren hätte er das noch für unmöglich gehalten, aber die Zeiten hatten sich geändert.

Seinen Gedanken nachhängend bemerkte Harry nicht, dass er einige Zeit vor seiner Haustür gestanden hatte. Diese wurde schließlich etwas unwirsch aufgerissen. Severus streckte sein Gesicht raus.

"Wo bist du gewesen? Ich habe mir Sorgen gemacht."

Ein Lächeln huschte über Harrys Gesicht. Ja, vor ein paar Jahren war ein solcher Satz aus dem Munde Severus Snapes völlig undenkbar gewesen. Zumindest in Gegenwart von Harry.

"Ich bin kein Kind mehr, Papa.", gab Harry zurück und trat ein. "Aber schön, dass du dir Sorgen machst.", fügte er hinzu und küsste Severus auf die Wange, so wie er es immer tat. Severus schaute seinen Sohn etwas missmutig an.

"So hab ich dich nicht erzogen. Müssen diese verdammten Gene sein.", murmelte er leise und ging voran in die Küche. Harry konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, sein Vater war wirklich ein Original. Nicht einfach, aber liebenswert.

Der Duft von Kartoffelgratin stieg ihm in die Nase und als er in die Küche trat, sah er den dampfenden Auflauf auf dem Esstisch stehen.

"Mein Lieblingsessen!", rief Harry erfreut aus und setzte sich auf seinen Platz. Severus holte noch eine Flasche Wasser und setzte sich zu ihm. Gemeinsam nahmen sie ihr Essen ein, doch so wirklich Appetit hatte Harry keinen.

Ihm war wieder eingefallen, was er heute Abend zu tun gedachte. Severus fiel das Verhalten seines Sohnes auf. Zu viel hatten sie schon erlebt, als das er es nicht gemerkt hätte.

"Hast du keinen Hunger, Harry?" Angesprochener schaute von seinen Teller auf. Dann schüttelte er den Kopf.

"Du Papa...", begann er leise.

"Ohoh, was willst du beichten.", gab Severus zurück. Wenn sein Harry schon so anfing konnte nichts Gutes dahinterstecken. "Ich müsste mal mit dir reden." Abwartend sah er in das Gesicht seines Vaters. Die Falten hatten sich tief in seine Haut gegraben und um seinen Mund zuckte es missbilligend. Doch er nickte.

"Lass uns ins Wohnzimmer gehen." Harry folgte Severus und als sie sich auf Sofa und Sessel gegenübersaßen, schaute Harry verlegen und rutschte ungeduldig hin und her. Auf Grund dieses Verhaltend hob Severus eine Braue in die Höhe und sah furchteinflößend wie eh und je aus, was Harry die Sache nicht wirklich einfacher machte.

"Ich.." begann er, musste jedoch sofort wieder abbrechen. Severus´ Finger trommelten ungeduldig auf die Lehne des Sessels. "Ich habe mich verliebt.", gab Harry zu, doch damit war erst der einfache Teil dieses Gespräches erledigt. Severus´ Gesicht ließ keine Regung zu. Er schaute Harry nur abwartend. Fast so, als ahne er, dass der dicke Hund er noch kommen würde. Das dieser dicke Hund jedoch Draco sein würde, wusste er sicherlich nicht.

"Es ist ein er.", fuhr Harry fort. Doch auch bei diesem Geständnis bekam er keinerlei Regung von Severus. Seinen ganzen Gryffindormut zusammennehmend, sprach er die Worte vor denen er sich so fürchtete.

"Ich bin mit Draco Malfoy zusammen."

Zu Recht hatte er sich vor diesen Worten gefürchtet. Severus verkrampfte augenblicklich in seinem Sessel, die Hände zu Fäusten geballt. Seine Zähne knirschten und an seiner Schläfe pochte eine Ader mit größter Heftigkeit.

Harry wusste, dass Severus sich aufs äußerste anstrengte nicht auszurasten, nachdem ihm ein Arzt mal gesagt hatte, er würde bald sterben, wenn er so weiter machte und bei jeder Kleinigkeit an die Decke ging.

Harry schaute Severus weiter aufmerksam an. Schwarze Augen trafen grüne und Harry erschrak. Hass. Hasserfüllte Augen trafen ihn und durchbohrten seinen Körper. So hatte Severus ihn seit seiner Schulzeit nicht mehr angeblickt. Severus zu Fäusten geballte Hände zitterten und auch seine Stimme tat es, als er sie wieder benutzte.

"Wie kannst du es wagen, dich mit einem Malfoy einzulassen. Das ist ein verlogenes, heuchlerisches, betrügerisches Pack."

Wäre die Situation nicht so Ernst gewesen, hätte Harry gelacht. Severus benutzte doch tatsächlich die Worte, die er gedacht hatte, er würde sie benutzen.

Severus hatte versucht ruhig zu sprechen, doch die letzten Worte wurden mit einer Aggressivität und mit einem Hass ausgesprochen, dass Harry sich wunderte. Lucius und er waren doch einmal Freunde gewesen. Wie hatte es zu so einer Entwicklung kommen können?

Severus erhob sich und ging einige Schritte auf und ab. Harry folgte ihm mit seinen Blicken.

"Papa", sagte Harry leise, doch Angesprochener reagierte nicht. "Es tut mir leid, aber ich kann doch nichts dafür. Ich habe mich verliebt."

Severus blieb bei diesen Worten stehen und sah Harry einfach nur an. Und Harry glaubte zu vergehen.

Mitleidige schwarze Augen schienen ihn bis auf den Grund seiner Seele zu betrachten. Trauer und Schmerz spiegelten sich in ihnen wider und etwas anderes Unerklärliches.

"Pass auf, dass du nicht zu tief fällst." Und Severus verschwand.

Harry blickte ihm nach. Verwirrt, aufgewühlt, niedergeschlagen. Wie gern hätte er sich jetzt in die Arme seines Liebsten gekuschelt, doch dieser war Meilen weit entfernt und hatte gerade die nicht weniger schwere Aufgabe Lucius Malfoy von seinem Freund Harry Potter zu erzählen.

In schmerzhaftem Verstehen verbunden, welch schwierige Aufgabe Draco hatte, ging Harry in sein Zimmer im ersten Stock. Severus schien sich in seinem eigenen Zimmer verkrochen zu haben, denn Harry hörte das leise Rascheln seines Umhanges, als er sich bewegte.

Nachdenklich schloss Harry seine Zimmertür und ließ sich auf sein Bett fallen. Morgen musste er unbedingt mit Draco reden.

Doch heute wollte er nur noch eines: schlafen.

*****

"Er hat nicht rumgeschrieen?", fragte Draco erstaunt und schaute Harry ungläubig an, als sie sich am nächsten Tag wieder in dem kleinen abgelegenen Waldstück unter ihrem Baum trafen. "Du willst mir ehrlich sagen, Severus Snape the devil himself -au", rief Draco, nachdem Harry ihm bei der Bemerkung über seinen Vater in die Hand gebissen hatte, die er zuvor noch mit seinen Lippen liebkost hatte.

"Er hat wirklich nicht laut geschimpft, welche Schande du wärst und so weiter?" Harry schüttelte abermals den Kopf.

"Wenn ich es dir doch sage. Nichts davon." Draco lächelte.

"Dann passt es genau zu dem, was ich erfahren habe." Harry horchte auf.

"Was?", fragte er neugierig.

"Zuerst will ich einen Kuss."

"Mieser Erpresser", gab Harry beleidigt zurück und dachte nicht daran Draco auch nur einen Kuss zu geben.

"Du bist so süß, wenn du beleidigt bist", lachte Draco und wuschelte Harry durch die Haare. "Ich erzähle es dir aber auch so." Interessiert wendete Harry sich wieder Draco zu und rutsche ein Stückchen näher an ihn heran.

"Mein Vater unterstellte mir nämlich, welch eine Schande ich sei. Er hat mich richtig zur Sau gemacht. So außer sich habe ich ihn seit Jahren nicht erlebt. Er meinte, er würde mich rausschmeißen, sollte ich deinen Namen noch mal erwähnen oder den von Severus. Er war richtig unheimlich."

Draco machte eine Pause und blickte einen Moment ins Leere. Harry spürte, dass es ihm ziemlich zu schaffen machte, sich anscheinend mit seinem Vater verkracht zu haben. Schützend nahm ihn Harry in die Arme und gestattete Draco die Pause, die er brauchte. Liebvoll fuhr er mit seinen Fingern durch die blonden Haare und über Dracos Gesicht.

"Ich fand das Verhalten meines Vaters zu merkwürdig. Schließlich waren Severus und er ja mal wirklich gute Freunde gewesen. Was ich dann jedoch nach einigen Nachforschungen entdeckte, als mein Vater das Haus verließ, war unglaublich."

Draco griff in seine Tasche und holte eine vergilbtes Pergament raus. Er hielt es Harry hin.

"Lies", forderte er ihn auf. Harry nahm das Kuvert und fingerte vorsichtig den Brief aus dem Umschlag. Sofort erkannte Harry die Schrift seines Vaters.

Mein blonder Engel, meine bessere Hälfte,
ich verzehre mich vor Sehnsucht nach dir. Unsere letzte Begegnung liegt erst einen Tag zurück und ich habe bereits das Gefühl nicht mehr atmen zu können ohne dich. Der Duft deiner Haut nach Rosen, dein weiches Haar, welches so seidig auf deine nackten Schultern fiel, die Schweißperlen in deinem Gesicht, die glitzerten wie Diamanten nachdem wir uns geliebt hatten und deine leuchtenden grauen Augen, als du mir wieder und wieder deine Liebe beteuertest. Ich sehne mich so nach dir. Wann werde ich dich wieder sehen können?
In Liebe,
in alle Ewigkeit Dein!
Severus  

Mit offen stehendem Mund ließ Harry den Brief sinken. Er kannte seinen Vater, aber solche Worte hatte er nie aus dessen Mund gehört. Wieder und wieder überflog er den Brief, nicht fassend, was er da las. Dann blickte er Draco an.

"Das kann doch nicht sein!", flüsterte er und wunderte sich über seine raue Stimme.

"Doch das kann!", antwortete Draco. "Ich habe massig von diesen Briefen mit eigenen Augen gesehen." Harry konnte es nicht begreifen. Nochmals las er den Brief durch.

"Warum haben sie sich getrennt? Diese Beziehung schien ja auch noch anzuhalten, während deine Mutter seine Frau war.", sagte Harry mit einem Blick auf das Datum des Briefes.

Draco nickte. Die Erwähnung seiner Mutter ließ alte Gefühle wieder aufleben. Seit vier Jahren war sie schon tot. Sie war am selben Tag gestorben wie Voldemort. Harry hielt Dracos Hand. Gab ihm die Kraft, die er brauchte. Dankbar lächelte er Harry an und erwiderte den warmen Händedruck.

"Ich bin Severus nicht böse. Ich weiß, dass mein Vater und er sich wirklich liebten..."

"Und deshalb verstehe ich nicht wieso sie sich trennten.", unterbrach ihn Harry. Draco sah ihn mitleidig an, fast so als hätte er Angst.

"Ist das nicht offensichtlich?", flüsterte er kaum hörbar und wirkte seltsam schwach. Harry schüttelte den Kopf.

"Sag es mir." Traurige graue Augen sahen ihn an.

"Wegen dir, Harry!" Ein Eimer mit eiskaltem Wasser wurde über Harry ausgeschüttet und nahm sein Herz gefangen.

Er? Er war der Grund, warum Severus die Liebe seines Lebens verloren hatte? Deshalb auch seine Worte: Pass auf, dass du nicht zu tief fällst. Sein Vater war von Lucius fallen gelassen worden, als er Harry adoptierte. Er war der Grund!

Harrys Kopf sank auf seine Brust. Er wollte nicht, dass Draco seine Tränen sah, die ihm in die Augen gestiegen waren. Doch eine Hand schob sich unter sein Kinn und zwang ihn seinen Kopf zu heben. Dracos mitfühlende Augen machten es nicht besser.

Er fühlte sich schuldig. Severus hatte die Liebe seines Lebens für ihn geopfert? Warum hatte er das getan und auch nie nur ein Wort der Beschwerde verlauten lassen? Nie hatte er Harry spüren lassen, dass er der Grund für seine Einsamkeit war. Warum hatte Severus das getan?

Ein Finger streichelte sachte über seine Wange und wischte die nasse Perle hinfort. Harry hatte gar nicht bemerkt, dass die Tränen seine Augen verlassen hatten.

"Was soll ich tun?", fragte Harry heiser. Ein wissender Blick aus grauen Augen ließ sein Herz mit Hoffnung überschwemmen.

"Wie wäre es, wenn wir die beiden wieder zusammenbringen? Und ich habe auch schon eine Idee, wie wir das anstellen können", sagte Draco verschwörerisch und Harry konnte nicht anders, als zu lächeln.

"Mein listiger Slytherin." Ein Lächeln bekam er von Draco zurück.

"Danke", sagte Harry leise und presste seine Lippen mit einer solchen Kraft auf die des anderen, das beide nach hinten wegkippten und knutschend im weichen Gras liegen blieben.

*****

An diesem Nachmittag fand Harry seinen Vater im Wohnzimmer sitzend und lesend. Ein großes Buch hatte Severus auf seinen Beinen abgelegt, die er auf einen kleinen Hocker hochgelegt hatte. Seine Hände lagen ruhig auf dem Polster des Sessels.

"Hallo", begrüßte ihn Harry, ging auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange, wie er es immer tat. Severus schaute nur kurz auf, sagte aber keine weiteren Ton und schien sich wieder ganz auf sein Buch konzentrieren zu wollen.

Harry hielt das nicht aus. Er musste mit Severus reden. Aber wie?

"Papa, wieso hast du mir nie gesagt, dass du Lucius einmal geliebt hast?" Harrys direkte Art veranlasst Severus wenigstens von seinem Buch aufzuschauen.

"Das geht dich nichts an.", antwortete Severus kurz angebunden und mit einem gefährlichen Knurren in der Stimme.

Harry zitterte. Er wusste nicht, warum. Vor Wut, das sein Vater ihm nichts sagte, vor Trauer, weil er genau wusste, dass er der Grund für die Trennung gewesen war oder vor Rührung, da Severus ihn anscheinend nicht belasten wollte.

"Doch es geht mich etwas an.", gab Harry zurück und seine Stimme zitterte stärker, als er selber. Severus sah ihn mit einem undeutbaren Blick an.

Plötzlich klingelte etwas.

"Zeit zum Trainieren.", kommentierte Severus das Geräusch und erhob sich aus seinem Sessel.

"Papa", schrie Harry hinter ihm her. "So kommst du mir nicht davon", flüsterte er leise und setzte seinem Vater nach.

Durch eine geheime Tür im Flur des Hauses kam man in einen Keller, in dem Harry und Severus ihre Übungsräume hatten. Zweimal pro Woche immer zur selben Zeit trafen sie sich hier und übten die verschiedensten Dinge. Meist waren es Zauber zur Verteidigung, denn auch in Zeiten ohne Voldemort war es wichtig sich selbst verteidigen zu können.

Außerdem war Harry in der Ausbildung und sein Vater war in dieser Zeit neben der Schule sein bester Lehrer. VgdDK übten sie in einem Raum, der mit vielen Gummimatten an Wänden und Böden ausgestattet war. Hinzu kam ein kleines Zaubertränkelabor, welches beide einmal die Woche gemeinsam nutzten.

Es war nicht so, als hätte Harry diese Trainings unbedingt nötig. Voldemort hatte er schließlich auch nicht nur durch ein bisschen Zauberstabwedeln besiegt. Die schwarze Magie war für ihn schon lange kein undurchsichtiger Schleier mehr. Vielmehr vermied er es Magie einzusetzen, wenn sie nicht unbedingt nötig war. Die wöchentlichen Trainings galten daher mehr der Instandhaltung seiner Fähigkeiten.

Heute standen mal wieder Flüche auf dem Programm. Mit erhobenen Zauberstäben standen sie sich gegenüber. Die Kunst war es Flüche loszulassen ohne sie zu sprechen. Der Partner musste diese durch Legilimentik schon vorher erkennen um sie zu blocken. Sollte das mal nicht gelingen, tat es meistens auch ein einfacher Protego um sich selbst zu schützen.

Still schweigend übten sie und feuerten nach einander verschiedenste Flüche aufeinander ab, doch Harry wollte etwas anderes. Wenn sein Vater schon nicht mit ihm sprach, musste er versuchen wenigstens in Gedanken mit ihm zu kommunizieren. Doch bei einem solch begabten Okklumentiker, wie Severus es war, war das mehr als schwierig.

Eine Sekunde Unaufmerksamkeit und Harry schleuderte es mit voller Wucht zurück. Hart schlug er gegen eine Matte an der Wand und blieb erschöpft am Boden liegen.

Severus schaute ihn mit einer hochgezogenen Braue an. Harry konnte förmlich dessen Stimme in seinem Kopf hören. Das war mies. Deine Verteidigung. Du weißt doch, was ich dir gesagt habe: volle Konzentration.

Harry schnaubte und enthielt sich jeglichen Kommentars. Das war seine Chance. Ein gedachter Stupor und Severus lag nun seinerseits erstarrt auf dem Boden.

Harry lächelte leicht. Seine Reflexe waren nicht von schlechten Eltern.

Mit einem lässigen Schwung seines Zauberstabes entließ Harry seinen Vater aus dem Schockzauber und schaute ihn aufmerksam an. Beide waren ziemlich außer Atem und mehrere Verletzungen zierten ihre Körper, aber das waren sie von ihren wöchentlichen Übungen gewöhnt.

Severus gab den Blick zurück, während sich sein Brustkorb schnell hob und senkte. Kleine Schweißperlen standen ihm auf der Stirn.

"Bitte erzähl es mir.", sagte Harry leise.

"Du willst nicht in meinen Gedanken wühlen?", fragte Severus zurück. "Du weißt, dass ich bei einer Erzählung lügen könnte." Harry nickte.

"Ich will es von dir selbst hören und nicht in deinem Kopf wühlen. Außerdem würdest du mir das wohl kaum gestatten.", sagte Harry und ein wissendes Lächeln huschte über seine Lippen. Severus nickte, nicht ohne Stolz.

"Das ist mein Sohn."

Doch augenblicklich erlosch Severus angedeutetes Lächeln. Schmerz trat an diese Stelle und Harry konnte es nicht mit ansehen. Doch er verhielt sich ruhig.

"Lucius konnte es nicht ertragen, dass ich dich adoptiere. Er hasste dich und tut es wahrscheinlich noch immer. Er stellte mich vor die Wahl: entweder er oder du!"

Harry schnappte hörbar nach Luft und obwohl er wusste, dass Severus es hasste unterbrochen zu werden, tat er es.

"Wieso hast du dich dann für mich entschieden? Du hast mich doch gehasst. Warum hast du ihn für mich aufgegeben?" Harry bekam die erwartete Reaktion.

"Lass mich ausreden!", bellte Severus zurück und Harry schwieg. "Was willst du hören, Harry?", fuhr er mit einer unglaublich sanften Stimme fort. "Willst du hören, ich sei dein leiblicher Vater? Ist es das was du willst? Aber ich kann dich beruhigen, das bin ich nicht." Harry wusste nicht, ob er fröhlich oder traurig sein sollte.

"Und es tobten widerstrebenden Gefühle in ihm.", kommentierte Severus Harrys Gedanken. "Du musst deine Gedanken immer schützen." Harry lächelte leicht.

"Nicht, wenn ich will, dass du sie kennst.", gab er triumphierend zurück, woraufhin Severus ein wenig pikiert schaute.

"Wie auch immer", fuhr er fort. "Ich liebte dich inzwischen so sehr, dass ich dich nicht hätte fallen lassen können. Du warst meine Familie und bist es auch noch heute. Lucius wollte das nicht verstehen. Er verließ mich, als ich mich für dich entschied. Du siehst, es steckt kein großartiges Geheimnis dahinter." Harry blickte ihn an.

"Aber das bin ich nicht wert. Ich will nicht der Grund dafür sein, dass du die Liebe deines Lebens verloren hast."

"Da spricht der noble Gryffindor.", gab Severus nicht ohne sarkastischen Unteron zurück.

"Nein", sagte Harry. "Du hast Gryffindor- mäßig gehandelt." Daraufhin musste Harry lachen, was Severus nicht wirklich witzig fand. Verständlicherweise. Missmutig zog er eine Schnute, was Harry nur noch mehr zum Lachen brachte.

"Papa, ich denke wir sollten Urlaub machen. Einfach ganz weit weg, wo wir ein wenig Abstand finden können und alles in Ruhe aufarbeiten können. Was meinst du? Ich hätte auch schon eine Idee." Severus blickte einen Moment verwirrt, dann nickte er.

"Warum eigentlich nicht." Harry sprang auf.

"Super! Lass uns Koffer packen."

Der Stimmungsumschwung seines Sohnes war ihm nicht ganz geheuer, aber er hätte alles getan um seinen Sohn wieder glücklich zu machen. Und ihm das Gefühl zu nehmen, er sei der Grund, weshalb er die Liebe seines Lebens verloren hatte, obwohl es stimmte.

*****

Fortsetzung folgt...

So liebe Leutchen, dass war das erste Kapitel meiner neuen FF. Und??? Was haltet ihr davon? Ich seh ja schon manche von euch kreischen, wie ich es denn wagen könnte Severus als Harrys Vater hinzustellen. Ich weiß selber, dass das ziemlich OoC ist. Deshalb kam ich wahrscheinlich auf die Idee *grins* Und nun immer her mit den Kommis!
Eure Krissy
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