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Hops und Purzel

von Aelea
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor / P6 / Gen
29.05.2005
29.05.2005
1
8.425
 
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29.05.2005 8.425
 
Der kleine Lebkuchenwichtel Purzel öffnete neugierig die Augen und sah sich um. Rings um ihn herum lagen gelbe und braune große Flecken, fast so groß wie Purzel selbst.
"Was bist du denn?", hörte er neben sich eine piepsige Stimme fragen.
Er drehte sich um und sah ein weiteres goldbraunes Teigwichtelchen neben sich stehen.
"Ich bin Purzel", erwiderte er stolz. "Und ich bin ein Lebkuchenwichtel."
"Das kann gar nicht sein", sagte das Männchen und guckte böse. Seine kugelrunden Fäuste bohrten sich ganz fest in die Seite und drückten zwei kleine Dellen in den Teig. "Ich bin nämlich der Lebkuchenwichtel, Hops."
"Dann sind wir beide Lebkuchenwichtel", erklärte Purzel großzügig und reichte Hops eine Hand, dessen eingedrückte Faust hervorragend hineinpasste.
"Warum bist du so hell?", fragte Hops neugierig.
"Ich bin ein Mürbteigwichtel", erklärte das Männchen stolz und legte sich das runde Fäustchen auf die Brust. "Aber warum bist du so dunkel?"
Zimtpulver sammelte sich in den Wangen von Hops und er scharrte mit runden Füßchen im Boden. "Ich bin ein Weihnachtskeks, deswegen habe ich ganz viele Geh-würze."
"Was sind denn Würze?"
"Dass sind ganz kleine braune Würstchen, die einen ganz tollen Geschmack machen", erklärte Hops und kam sich sehr schlau vor.
Das Mürbemännchen sah ihn beeindruckt an. "Und wo sind wir hier?"
"Ich weiß nicht. Aber wenn ich auf deine Schultern steige kann ich bestimmt sehen, wo wir sind."
Purzel nickte begeistert und machte den Rücken ganz krumm, damit Hops hinaufspringen konnte. Dann legte er die hellen Arme ganz fest um die Füße des Weihnachtskekses.
"Ooohhhh", rief Hops entzückt.
"Was siehst du denn?", fragte Purzel neugierig.
"Da sind ganz viele Herzen und Sterne und Bäume und Sternschnuppen und Glocken und", das Weihnachtsmännchen hopste aufgeregt auf seinen Schulter herum. "Und Schneeflocken und Kreise und Äpfel und ...", plötzlich trat Hops Purzel auf die Hand, Purzel zog erschrocken die Hand zurück und Hops stürzte von seinen Schultern.
"Meine Hand ist platt!", jammerte Purzel und hielt einen ganz platten Teiglappen auf der verbliebenen runden Faust.
"Mein Fuß ist verknickt", klagte auch Hops und humpelte ganz schief auf Purzel zu.
Purzel wedelte betrübt mit seiner viel zu großen Faust und ein kleiner Riss entstand. "Oh weh!", rief er und hielt ganz still.
Hops stützte sich auf Purzels Schultern und sah auf seine schlappe Hand. "Ich weiß, wie wir das wieder ganz machen können", sagte er eifrig. "Aber erst muss mein Fuß wieder ganz."
"Und dann machst du meine Hand wieder ganz, ja?"
Hops hob die Hand. "Ganz großes Weihnachtswichtelehrenwort." Dann fiel er um.
Purzel kicherte und beugte sich über den schiefen Fuß. Erst versuchte er nur mit einer Hand den verbogenen Rand wieder gerade zu biegen, dann nahm er sogar die platte mit dazu, aber Hops war zu fest.
Purzel schnaufte.
"Oh nein, jetzt kann ich nie mehr richtig gehen", jammerte Hops.
Purzel versuchte sich am Kopf zu kratzen, aber dafür war seine Hand zu rund. Vielleicht konnte er den Fuß geradepusten?
Also setzte er sich vor den Fuß und pustete ganz doll mit aufgeblähten Backen und holte noch mal ganz tief Luft, aber der Fuß blieb krumm. Hops jammerte.
Da hatte Purzel die rettende Idee und setzte sich auf das Bein und ruckelte solange, bis Hops wieder einen geraden Fuß hatte.
"Jetzt ist er aber ganz verbeult", maulte Hops und drückte von beiden Seiten, um ihn wieder glatt zu machen. Dann nickte er zufrieden.
"Und jetzt kümmere ich mich um deine Hand", versprach er und hopste zwischen glänzenden Herzen, Sternen, Bäumen, Kreisen, Schneeflocken und Glocken hindurch.
Purzel sah sich um und ließ sich schließlich kurzerhand auf den Boden plumpsen. Traurig schob er seine runde Hand unter die Platte und schniefte, als er sie wieder wegzog und seine helle platte Hand schlapp nach unten fiel. Das Lebkuchenmännchen hoffte ganz doll, dass Hops eine wirklich gute Idee hatte.
Nach Meinung des ungeh-würzten Wichtels verging viel zu viel Zeit, bis Hops wieder zurückkam, aber immerhin hopste das Würzel jetzt auch nicht mehr. Über seinem Kopf trug es nämlich eine lange runde Stange, an deren Ende ganz viele Haare waren, in denen eine dunkelbraune Sauce klebte. Hops wankte unter der schweren Last und in seinen Händen hatte sich schon eine kleine Delle gebildet. Purzel nickte. Geschah ihm recht.
Hops torkelte, als er fast bei Purzel war und ein ganz großer Tropfen Braun fiel auf seine hellen Füße.
"Pass doch auf", fing das Wichtelchen gerade an sich zu beschweren, als es plötzlich schnupperte. Das komische braune Zeug roch richtig gut. Purzel beugte sich ganz weit vor und schleckte seine Füße ab, was so sehr kitzelte, dass es zwischendurch selbst lachen musste.
Als er sich dann mit der gesunden Hand den Mund abwischte leckte er seinen Arm gleich wieder sauber, so gut schmeckte ihm die Sauce.
"Was ist denn das?", fragte er mit glitzernden Augen auf die ganz mit Braun bedeckte Stange in Hops' Händen.
"Schoko-Lade. Wie eine Schublade, nur nicht zum Rausziehen", erklärte der Weihnachtswicht wichtigtuerisch und fügte hinzu: "Jetzt musst du ganz still halten, ich muss mich konzentrieren."
Purzel wollte seine Hand unbedingt wieder ganz, deswegen bewegte er sich wirklich nicht mehr.
Hops faltete das schlappe Ende seines Armes vorsichtig dreimal und dann nocheinmal und fuchtelte dann umständlich mit dem langen Stiel in seinen Händen herum, bevor er es schaffte, etwas von dem Braunen auf Purzels Hand zu klecksen.
"Das darfst du nicht aufessen", sagte er streng. "Sonst fällt dir bestimmt bald die Hand ab."
"Das ist nur, weil du draufgetreten bist", verteidigte sich der helle Mürbteigwichtel und schielte unauffällig zu den braunen Tropfen, die Hops hatte herabkleckern lassen.
"Ich habe jetzt jedenfalls Hunger", sagte Hops und sprang zu einem der großen dunklen Flecken neben ihnen und zog mit seinen kleinen Fäustchen so lange an einer Ecke, bis er das ganze Stück hinter sich herschleifen konnte. Dann setzte er sich auf das abgebrochene Stück eines Zuckerwürfels und biss mit winzig kleinen Zähnchen ein großes Stück ab.
"Mmmhmm, ist das lecker", schmatzte er und biss noch ein Stück ab, das fast so groß war wie seine Hand.
"Ich will auch was", beschwerte sich Purzel und ergriff kurzerhand ein helles Sternchen neben sich und schleifte es zu Hops.
"Darf ich mich auch mitraufsetzen?", fragte es in seinem nettesten Ton.
"Mn gndn", nickte Hops mit vollem Mund und biss noch mehr ab.
Purzel kostete jetzt auch und er fand, dass er gerade das Leckerste aß, was er jemals geschmeckt hatte. Aber er hatte ja vorher auch noch nie etwas gegessen. "Dssbr wgl gnd", versuchte er das Hops zu erklären.
"Wsgnht?", fragte Hops noch immer mit vollem Mund, was sich so komisch anhörte, dass Purzel anfing zu lachen, bis auch Hops miteinstimmte und beide kleine Teigflocken versprühten.
Purzel aß noch eine weitere Zacke seines Sternes und fühlte sich, als würde sein Bauch gleich so schwer werden, dass er vornüberkippte, deshalb legte er den Rest besser schnell beiseite.
"Das war köstlich", seufzte er glücklich und rieb sich mit seiner jetzt dunkelbraunen Hand den ausgebeulten Bauch.
"Oh ja", stimmte Hops zu und betrachtete sein kugelrundes Bäuchlein.
Purzel sah ihn erstaunt an. "Hast du das ganze Herz aufgegessen?"
Hops nickte. "Ich bin doch ein großes Weihnachtswichtelmännchen und muss noch wachsen."
Purzel nickte und fragte sich, ob er auch noch wachsen würde.
"Du-uh? Woraus bist du eigentlich?", fragte Hops neugierig.
"Ich bin ein ganz gewöhnliches Plätzchen aus Mehl und Eiern und Zucker. Aber ich habe ganz viel Aroma bekommen, damit ich nämlich später ganz viel Aroma habe." Purzel fand das sehr logisch.
"A-Rom-A? Was ist denn das?"
"Das heißt ich schmecke ganz lecker nach Rum und Vanille und Orange und Mandel."
Hops musterte ihn erstaunt. "Das ist alles in dir drin? Ich seh aber gar nichts Oranges."
"Das macht nichts, das ist das Aroma."
"Ach so ..." Hops hatte nichts verstanden, aber das wollte er Purzel nicht zeigen. "Sag mal findest du es hier eigentlich auch so kalt?", fragte er schließlich unauffällig.
"Ja. Einige von den anderen oben haben richtige Sachen bekommen, rote und blaue und grüne und gelbe und braune Hosen und Jacken und Schuhe, sogar mit richtigen glänzenden Knöpfen und Gürteln und ...", Purzel nickte so heftig zu seinen Worten, dass er einen kleinen Riss zwischen seinem Kopf und Hals fühlte und hielt erschrocken inne. Ganz schnell klopfte er mit seinen runden Händen über die Stelle und drückte sie wieder fest.
Die rettende Idee kam ihm, als er wieder die Schoko-Lade ansah. Er lief so schnell zu den Haaren mit dem Braunen drin, dass er über seine kugeligen Füße stolperte und das letzte Stück des Weges purzelte, bevor er an der Stange liegen blieb. Als er aufstand trat er direkt in die flüssige Schoko-Lade und rutschte wieder zurück, aber direkt in die braune Pfütze, deswegen fand er das nicht schlimm, sondern kicherte zusammen mit Hops.
Dann zappelte er solange in der Schoko-Lade, bis er überhaupt nichts mehr von seinem Orangen-Rum-Vanille-Mandel-Aroma-Teig mehr sah, sondern komplett aus Schoko-Lade bestand. Er schleckte sich über die Lippen und wenn er nicht gerade drei Sternzacken verspeist hätte, wäre die braune Farbe bestimmt schon nach ganz weniger Zeit wieder abgewesen.
"Jetzt bist du ja dunkler als ich!", sagte Hops empört und kam auf ihn zugehopst, um sich auch in den kleinen See zu stürzen.
"Das war meine Idee!", protestierte Purzel und versuchte Hops zurückzuziehen, aber erstens war seine Hand dafür viel zu glitschig und zweitens strampelte Hops so doll, dass die Schoko-Lade sich in der ganzen Umgebung verteilte.
"War es nicht!", wiedersprach Hops und patschte auf die Schokolade, sodass sie in Purzels Gesicht sprang und ihm ganz lustige Punkte verpasste.
Purzel zog immer noch, aber jetzt zog Hops zurück und Purzel purzelte noch einmal in die leckere Schoko-Lade und eigentlich war es ihm jetzt egal, wie viel er schon gegessen hatte.
Als der dunkelbraune See nur noch eine Pfütze und der Haarteil der Stange abgeleckt war fiel Hops etwas auf. Etwas sehr Seltsames.
Dahinten lag nämlich ein ganz langer Metallstab mit einer Kugel vorne dran, die zwar glänzte und fest zu sein schien, aber trotzdem durchsichtig war. Neugierig sprang er über Purzel, wandte über ein Tannenbaumplätzchen und hinterließ dabei fröhlich eine Spur, die wie ein Fuß aussah, bis er vor dem komischen Ding stand. In der Kugel war etwas Weißes, was ganz fein durch die Luft wirbelte und süß schmeckte, aber Hops niesen ließ, als es ihm in die Nase geriet.
Energisch rieb er sich mit der runden Hand die Nase und ging neugierig näher auf die Kugel zu.
"Sieh mal, Hops, was ich gefunden habe", krähte da fröhlich Purzel und als Hops sich umdrehte, sah er das Lebkuchenmännchen auf einer Haselnuss balancieren, die vor und zurück wackelte und Purzel lustig auf der Kugel herumwackeln ließ.
"Sieh mal was ich gefunden hab", strahlte auch Hops und strengte sich ganz doll an, um den Metallstab hochzuheben und die Kugel über Purzels Kopf zu halten. Dann wackelte er vorsichtig und das weiße Pulver rieselte aus der Kugel heraus auf Purzel.
"Guck mal es schneit", rief Hops fröhlich und wackelte noch mehr, sodass ihm fast der Stab aus der Hand gefallen wäre.
"Ist das schön", sagte Purzel glückselig und blieb stehen um nach oben zu schauen. Hops fand das eine sehr dumme Idee, denn die Haselnuss rollte trotzdem weiter und Purzel purzelte wieder herunter. Trotzdem freute sich das Lebkuchenwichtelchen über den Schnee, der jetzt auf der Schokolade kleben blieb und ihn wieder ganz weiß machte.
Hops hörte erst auf den Schnee über Purzel auszuschütten, als er alle war. Eigentlich war noch welcher in der Kugel, aber Hops' Hände waren schon ziemlich verbogen und er wollte nicht noch mal, dass Purzel sich auf ihn drauf setzte. Außerdem war Purzel mittlerweile schon ziemlich weiß und eine Schicht süßer Schnee fiel von ihm ab als er aufstand und sich schüttelte. Weiß blieb er trotzdem.
"Das war schön", strahlte der Mürbeteigwichtel und ging zu Hops. Bei jedem Schritt fiel weißer Staub von ihm ab und hüllte ihn in eine Wolke, sodass beide Teigwichtel husteten, als Purzel wieder bei Hops war. Beide fanden, dass das Husten sehr lästig war, weil die Schokolade jetzt Rissen bekam und am Hals und an den Armen abbröckelte und deswegen gingen sie ein Stück weiter.
"Guck mal dahinten!", rief Purzel plötzlich und stürmte los.
Hops sah erst später das rote Leuchten hinter einem hohen bunten Klotz und rannte erst los, als Purzel schon fast das Rote erreicht hatte, trotzdem holte er den Lebkuchenwicht noch ein, weil der sich wegen der dicken Schokoladenschicht kaum noch bewegen konnte. Trotzdem versuchte er noch vor Hops dazusein, was dazu führte, dass er schließlich zusammen mit Hops das letzte Stück des Weges purzelnd zurücklegte.
Trotzdem, immerhin waren sie genau dahin gekommen, wo sie hingewollt hatten, fand Purzel und klopfte sich abgebröckelte Schokolade von den Knien. Hops stand schon staunend da und starrte auf große leuchtend rote Kugeln direkt vor ihnen. Hops legte den Kopf auf die Seite und hörte ein leises Knacken, als auch unter seinem Kopf die Schokolade aufbrach. Ihm kam eine sehr gute Idee und er zog sich die braune Schicht ab und biss probehalber hinein. Strahlend biss er noch einmal ab. Während nun Hops seinerseits die Kiste einer aufmerksamen Musterung unterzog, brach Purzel eine besonders große Schoko-Ladenplatte ab und hielt sie so fest in seinen Händen, dass sich der Teig spaltete, bevor er ein ganz besonders großes Stück abbiss.
"Ooohhh", schleckte er und versuchte sich den Rest auf einmal in den Mund zu stecken. "Wie köstlich."
"Ma-rasch-i-nokir-sche", las Hops angestrengt und legte den Kopf auf die andere Seite.
"Mara-schi-noki-rsch-e", versuchte er es noch einmal.
"Mar-aschi-nok-irs-che", las er das schwere Wort ein weiteres mal.
"M-ara-..."
"Egal, auf jeden Fall sieht es lecker aus", fand Purzel, der, nachdem er alle Schokolade aufgegessen hatte, fand, dass es Zeit wurde für einen Nachtisch. Überhaupt erschien ihm ein leuchtender, roter Nachtisch jetzt ideal. Trotzdem knetete er erst seine Hände zurück in die richtige Form, bevor er sich an die große Kiste stellte und versuchte, eine der großen Kugeln herunterzuziehen, aber seine Arme waren zu kurz. Er strengte sich noch einmal ganz doll an und hatte sogar das Gefühl, ein großes Stück zu wachsen, aber seine Hände reichten nicht an die roten Bälle.
"Ho-ops? Ich bin zu klein, um da ranzukommen."
Hops erwachte aus seiner faszinierten Betrachtung und sah Purzel aus großen Augen an. "Aber wie soll ich dir denn da rauf helfen?" Dann kam ihm die fantastische Idee und er stellte sich stolz vor die Kiste und legte die beiden Hände aneinander, aber als Purzel den Fuß darauf setzte, ließ Hops aus Versehen los und Purzel purzelte wieder zu Boden. Hops hopste auf und ab; das half ihm beim Nachdenken, wie er fand. Beim Hopsen kamen ihm die besten Ideen.
"Stell du dich mal hier hin", sagte er dann und schob Purzel ganz dicht an die Kiste. Dann sprang er auf seine Schultern und von dort aus in die Kiste.
Es war wundervoll. Ganz viele bunte, große, leuchtend, rote, weiche, glänzende und unglaublich gut duftende Mar-aschino-kirs-chen. Hops überlegte, ob Purzel ihm wohl glauben würde, es wären keine mehr da, damit er sie alle allein essen konnte, aber dann fand er, dass Purzel auch welche verdient hatte.
Also packte er eine der großen Kullern und presste sie so fest zwischen seine Hände, dass die Schokolade wieder ganz weich wurde. Er wankte bedenklich von einer Seite auf die andere, als er die große dicke Kugel schleppte, aber am Rand ließ er sie dann einfach auf Purzel fallen, der gerade rechtzeitig noch zur Seite sprang.
Dann nahm auch er selbst sich eine und betrachtete sie auf der Suche nach einer wirklich prallen und besonders roten Stelle um hineinzubeißen, als von unten schon der Ruf Purzels erschall: "Noch eine, bitte."
Hops' Augen wurden fast größer als sein Gesicht, als er zu Purzel hinuntersah, der in diesem Moment seine roten Hände ableckte. So heftig mit dem Kopf wackelnd, dass er die dünne Schokoladenhülle knacken hörte, warf er eine weitere Kirs-che herab und zur Sicherheit gleich noch eine und noch eine, damit er auch eine von diesen leuchtenden Kugeln essen konnte.
Diesmal machte er es einfach wie Purzel, dessen Schmatzen und Schlecken bis zu ihm herauf erklang, er nahm die Kugel in beide Hände und biss ein sehr großes Stück davon ab. Er kaute andächtig und schmatzte schließlich begeistert. Was für ein Hochgenuss für einen Lebkuchenweihnachtswichtel! Voller Begeisterung steckte er den gesamten Kopf in die glänzende Kugel und aß weiter.
Ungefähr zehn bunte Kugeln später rief auch Purzel nicht mehr bei jedem dritten Bissen Hops' nach Nachschub und der Würzwichtel hatte sich gesetzt, da es ihm sehr schwergefallen war, mit einer der dicken süßen Kugeln in den Händen und einem sehr dicken Bauch aufrecht stehen zu bleiben. Jetzt aber klopfte er zufrieden den Teig platt, von dem die Schokolade längst abgebrochen war und auch Purzel ließ nur ein zufriedenes Seufzen hören.
Hops' Beine waren weit von ihm gestreckt, trotzdem schleckte er noch immer seine leuchtend roten Hände ab. Dann aber fiel ihm etwas auf, was ihn dazu veranlasste, sich sehr mühsam auf seine plötzlich viel zu dünnen Beinchen zu erheben.
"Purzel?"
"Ja?"
Hops überlegte schweigend, wie er seine sehr komplizierte Lage erklären konnte.
"Ich komme hier nicht mehr raus."
Verblüfft richtete Purzel sich auf und hielt sich dabei an der Wand fest, um nicht umzupurzeln. Dann verstand er, was Hops meinte und fing an zu lachen, so sehr, dass er doch umfiel und sich lachend mit kugelrunden Fäustchen den nicht weniger kugelrunden Bauch hielt.
Hops allerdings fand das gar nicht lustig und sah Purzel sehr böse an. "Wenn du nicht aufhörst zu lachen rolle ich dir keine Kirs-Chen mehr runter", drohte er.
Purzel richtete sich auf. "Na gut. Am besten wir schieben die Kiste einfach um."
Auch Hops hielt das für eine sehr gute Idee. Also stellten sich die beiden Lebkuchenwichtel gegenüber an die Wand und drückten so fest sie konnten dagegen, aber die Kiste fiel einfach nicht um. Hops, der das sehr gemein fand, sah ratlos nach oben, bevor er der Kiste wütend einen tritt gab, sodass er sich den Fuß abknickte. "Oh weh!", jammerte er und beugte sich schnell herab, um ihn wieder gerade zu biegen.
"Ich habe noch eine Idee. Eine ganz gute", sagte jetzt Purzel schnell.
"Was denn für eine?", fragte Hops und gab sich sehr viel Mühe, einen argwöhnischen Ausdruck in sein rundes Gesicht zu bringen.
"Du musst nur die Kugeln so stapeln, dass du darauf nach draußen klettern kannst ... ich fange dich dann auf."
Also machte sich der kleine Hops an die Arbeit und schob schnaufend mit seinen kleinen kugeligen Händen die roten Kugeln zusammen. Trotzdem wuchs der Berg nur sehr langsam in die Höhe, weil Hops sich nach den großen Anstrengungen nach jeder zweiten Kirs-Che eine Pause und eine kleine Stärkung gönnte.
Als er dann direkt vor dem Rand der Kiste stand, bekam das Lebkuchenmännchen doch ein bisschen angst. Immerhin war er sehr weich und die Kiste sehr hoch und der Boden sehr hart. Ganz vorsichtig sah er nach unten und wäre vor Überraschung fast heruntergefallen. Da unten schob Purzel gerade ein winziges Häufchen weißen Staub zu einem großen Haufen weißem Staub unter ihm. Außerdem war er bis zu den Knien ganz weiß und er schnaufte auch ziemlich laut dabei, trotzdem machte er den Haufen noch ein bisschen größer, bevor er stolz strahlend zu Hops hinaufsah.
"Jetzt kannst du springen!", rief er strahlend hinauf.
Hops nahm all seinen Mut zusammen und hüpfte über die Kante und fiel wie etwas noch viel Schwereres sehr schnell hinunter und so heftig mit dem Gesicht voran in den weißen süßen Puder, dass es bis zu Purzels Hals staubte.
"Haptschi!", nieste Purzel und hielt sich die Faust vor die Nase.
"Gesundheit", erwiderte Hops und versuchte sich den Staub von seiner Vorderseite abzuklopfen, als er aufstand, aber er klebte an ihm fest.
"Ich muss jetzt was finden, womit ich mich waschen kann", brummte er und die beiden machten sich auf den Weg.
Nach einem sehr anstrengenden Marsch, weil ihre Kullerfüße und -händchen sich nur sehr schlecht dazu eigneten über alles mögliche Seltsame zu klettern und über sehr komische Sachen zu gehen, kamen sie schließlich zu einigen Fläschchen. Purzel humpelte immer noch, weil er unterwegs in Körner getreten war, die ihm den Fuß verbogen hatten und die er nicht hatte herausziehen können.
"Wasser!", rief Hops fröhlich und hopste auf die Fläschchen zu. Auf seinem Rücken klebte eine süße grüne Wurst, weil Purzel unterwegs aus Versehen über eine grüne Tube gekullert war, die daraufhin grünen flüssigen Zucker auf Hops gesprüht hatte.
"Das ist Aroma", erklärte Purzel glücklich, weil er einmal mehr wusste als Hops.
"Solange man sich damit waschen kann von mir aus auch das", gab Hops großzügig nach und hob mühsam eine der vollen Flaschen auf. Dann legte er seine Hände ganz fest um den Deckel und zog so fest daran, dass ihm fast die Hand abgebrochen wäre. Aber der Deckel blieb frech in der Flasche sitzen.
"Purzel!", rief Hops beleidigt. "Das A-Rom-A will nicht aus der Flasche."
Der Mürbeteigwicht  kam näher und sah sich die Flasche neugierig von allen Seiten an. "Vielleicht gefällt es ihm dadrin", gab er zu bedenken.
"Es soll aber da raus. Ich bin ganz weiß und auf dem Rücken grün und ich will wieder meine richtige Farbe haben."
Also stemmte sich jetzt auch Purzel gegen den Deckel. Beide legten ihren Kugelhände so fest um den Deckel, dass die Muster darin zurückblieben und Hops drückte außerdem seine Füße in den Spalt zwischen Deckel und Flasche, bis sich der Deckel ganz langsam löste.
Purzel beugte sich über den Hals und schnupperte. "Oh wie lecker", rief er entzückt. "Das ist Rumaroma."
Hops sah ihn sehr verwirrt an. "Rum-A-Rom-A? Was denn nun? Rum oder Rom?"
"Beides", erklärte Purzel ernst.
Hops beschloss, so zu tun als hielte er Purzels Antwort für sehr schlau und umfasste das Fläschchen mit beiden Händen. Dann hob er es an und bevor er es sich über den Rücken goss trank er einen ordentlichen Schluck.
"Mmhmm ... und daraus bist du gemacht?", fragte er Purzel neugierig.
"Ja", erwiderte der Lebkuchenwicht stolz.
Hops nahm noch einen tüchtigen Schluck, bevor er sich das A-Rom-A über Vorder- und Rückseite goss und sich gründlich wusch. Er fad, dass er jetzt noch besser roch, nur waren seine Hände und überhaupt auch seine Beine und sein Bauch sehr glitschig, aber wenigstens klebte er jetzt nicht mehr so.
"Hops! Ich hab noch was entdeckt!", rief da Purzel und diesmal überlegte Hops sehr gut, ob er nicht lieber dableiben sollte. Trotzdem war er so neugierig, dass er doch zu Purzel lief, aber seine Füße blieben jetzt am Boden kleben, sodass er nur sehr langsam vorwärts kam.
Purzel saß vor einem krummen Block, der fast genau die gleiche Farbe hatte wie der Lebkuchenwichtel selbst, sodass Hops ihn erst gar nicht sah. Er saß nämlich genau davor, hatte mit den Armen eine Ecke umklammert und sperrte den Mund so weit auf wie es nur ging, um ein Stück abbeißen zu können.
"Was ist denn das?", fragte Hops neugierig und näherte sich dem Block vorsichtig, um nicht daran kleben zu bleiben.
"Marsipan", erklärte das hellere Lebkuchenmännchen mit vollen Backen. "Mars ist nämlich ein Planet. Bestimmt sind wir hier in einem ganz anderen Land."
Dann biss er noch eine Ecke von dem Marsipan ab und Hops sah erstaunt auf das große Loch, das Purzel schon gegessen hatte.
Dann kam dem Weihnachtsmännchen eine Idee. Eine sehr gute Idee sogar.
"Wir könnten uns doch hier ein Haus bauen", schlug er vor und betrachtete Purzel. Seine Idee war natürlich nur möglich, wenn der A-Rom-A-Wicht nicht alles aufaß.
"Warum denn ein Haus?", fragte er neugierig und wandte seine Aufmerksamkeit vorübergehend vom Marsipan ab.
"Dann können wir da drin wohnen und es ist uns immer warm und wir haben immer was zu essen und wir haben ein zuhause", erklärte Hops.
"Was ist denn das? Ein Zuhause?"
"Das ist ... das ist ... das ist da, wo man wohnt. Da gehört man hin", erklärte Hops und hoffte, Purzel würde nicht weiter nachfragen.
Der rieb sich nur abwechselnd das Bäuchlein, das mittlerweile schon ziemlich groß geworden war, und den Kopf. Dann nickte er schließlich eifrig. "Aber nur wenn wir Schoko-Lade dazuholen. Und Marsipan. Und Kirs-Chen. Und ganz viel Schnee."
Hops nickte so heftig, dass sein Kopf am Hals kleben blieb und er ganz vorsichtig die Faust dagegen drückte, damit sein Kopf wieder abging. Aber jetzt blieb auch seine Faust zwischen Hals und Kopf kleben.
"Purzel!", jammerte das Weihnachtswichtelmännchen.
Ein nachdenklicher Mürbteigkopf wanderte eine Runde um ihn herum, bevor er seine kullerige Schneehand gegen Hops' drückte und genug Schnee kleben blieb, damit Hops sich mit einem leisen Plop' wieder auseinanderziehen konnte.
Dann betrachteten sie beide das Marzipan und fanden, dass sie sich einen sehr guten Platz ausgesucht hatten und machten sich an die Arbeit.
Hops hopste solange auf einem Stück Marzipan herum, das fast so groß war wie er selbst, bis es ganz platt war und schon ganz fest an seinen Füßen klebte, sodass er kaum noch gehen konnte. Mit einem sehr angestrengten Gesicht zog er erst das eine kurze Beinchen aus dem Marzipan, dann das andere und dann wieder das andere, weil das auch schon wieder festklebte. Als er dann von der breitgehopsten Fläche herunter war stellte er fest, dass er auch hier auf dem Boden kleben blieb.
"Purzel!!!", rief es ganz laut, aber der Mürbteigwichtel hörte ihn nicht und Hops wankte ziemlich stark hin und her, weil seine Füße jetzt beide festklebten. Er ruderte mit den Armen, aber dann fiel er doch um.
Mühsam zog er sich wieder auf die Marzipanfüße und setzte seinen sehr anstrengenden und klebrigen Weg fort in die Richtung, in die Purzel verschwunden war.
Er fand ihn schließlich fröhlich auf einer umgefallenen Kiste sitzen, fröhlich mit den Beinchen wackeln an denen immer noch Schokolade klebte und in den runden Händen ein großes dunkles Herz, von dem schon das obere Stück fehlte.
"Purzel!", rief Hops und winkte so heftig, dass er fast wieder umgefallen wäre.
Purzel sperrte erst noch einmal den Mund ganz weit auf und nahm einen großen Haps, bevor er sich genüsslich kauend Hops zuwandte.
"Was ist denn?"
"Ich klebe überall fest", klagte Hops sein Leid und ließ sich auch auf die Kiste plumpsen.
Purzel biss noch einmal ab und kaute mit runden Backen.
"Mffnd", erklärte er schließlich strahlend.
"Was?"
Purzel schluckte angestrengt und wiederholte: "Ich hab eine Idee."
"Was denn?"
"Moment." Purzel sprang von der Kiste, stolperte dabei aber über seine Füße und purzelte noch ein ganzes Stück weiter, bevor er wieder auf die Füße sprang und sich gründlich die letzten Schokoladensplitter mit den runden Hände abklopfte. Dann rannte er weiter.
Purzel suchte die Herzchen und Sternchen, die noch ganz weich waren, weil die hatten auf der Rückseite weißes Pulver, dass auch gut gegen Klebrigkeit half. Trotzdem dauerte es ziemlich lange, bis Purzel endlich ein Sternchen fand, das noch richtig doll glänzte und noch länger, bis er es geschafft hatte, es umzudrehen, weil er riss erst alle sechs Ecken ab, bevor er seine Arme so darum wickeln konnte, dass er es auch rumziehen konnte.
Dann fuhr er so lange mit den Ärmchen über den Stern und stapfte hinterher, bis er in der Mitte des Sterns ein kleines Häufchen weißes Pulver zusammengeschoben hatte, das er dann ganz vorsichtig auf die runden Fäustchen legte und damit zurückging und diesmal war er besonders vorsichtig, um nicht umzupurzeln.
Als er zu Hops zurückkam hätte er fast das weiße Pulver fallen gelassen, weil er sich so gern die Hände in die Seite gestemmt hätte. Der Weihnachtswicht hatte nämlich sein ganzes schönes Herz aufgegessen. "Ho-ops!", sagte er in seinem bösesten Ton.
"Tut mir leid", entschuldigte sich Hops bei dem A-Rom-A-Wicht. "Aber ich hatte so großen Hunger und ich hab hier festgeklebt."
"Na gut", sagte Purzel und gab sich wirklich alle Mühe, immer noch beleidigt zu klingen. Trotzdem ging er zu Hops und blies ganz vorsichtig in das Pulver in seinen Händen, das daraufhin auf den Weihnachtswürzelwicht rieselte.
"Jetzt musst du da noch mit den Füßen reintreten", erklärte er wichtig und freute sich so sehr, als Hops auf ihn hörte, dass er das Herz sogar vergaß.
Hops hopste derweil schon in dem Staub herum und versuchte, es überall auf seiner Marzipan- und Rum-Aroma-Haut zu verteilen.
"So", sagte er schließlich zufrieden und klopfte sich mit den Ärmchen auf die sehr weißen Beinchen. "Jetzt müssen wir aber an unserem Haus weiterbauen."
Purzel nickte eifrig und zusammen zogen sie ganze drei Sterne und ein Herzchen zu dem platten Marsipan, die aber alle schon hart waren und nicht mehr so schön glänzten. Hops betrachtete die vier Wände nachdenklich und rieb sich so sehr mit der Hand am Kopf, das weißes Pulver zu Boden rieselte.
"Zwei brauchen wir noch, sonst fällt uns ja der ganze Schnee ins Haus."
"Aber das ist doch schön", meinte Purzel verständnislos.
"Aber wenn der Schnee dann so hoch liegt, können wir nicht mehr in unser Haus rein." Das sah Purzel dann doch ein und weil er dem Würzelmännchen vorhin geholfen hatte, erbot sich Hops freiwillig, die restlichen beiden Herzen zu holen.
Als die beiden dunklen Herzen bei dem Marzipan waren hatte Purzel die übrigen schon zu einem Viereck aneinandergeklebt, aber die Sterne hatten plötzlich alle nur noch vier Zacken.
"Purzel!"
Das A-Rom-A-Männchen steckte mit ganz tiefen Falten im Gesicht, die es sehr zerknirscht verlegen aussehen ließen, den Kopf zwischen zwei Zacken hervor. Hops sah trotzdem sein rundes Bäuchlein.
"Ich hatte so einen Hunger und sonst hätten wir die gar nicht zusammenbauen können", erklärte er ganz schnell und nickte so heftig, dass er sich den Kopf an eine Sternchenzacke stieß und eine Delle in seinem Kopf blieb, die er mit seinen Kullerhändchen schnell wieder zusammenschob.
"Na gut", sagte Hops und als Purzel daraufhin fröhlich aus dem Haus lief, kletterte er vorsichtig an den Zacken die Wand hoch und legte das neue Herz schräg auf die Wände und das zweite Herzchen genau daneben.
"Jetzt sieht das aber alles sehr unordentlich aus", fand Purzel.
"Das kommt nur von den abgebissenen Sternenzacken", brummte Hops, hatte aber eine sehr gute Idee. "Ich bin gleich wieder da", rief er und war schon fast hinter einer hohen Röhre verschwunden, gegen die er aus Versehen hopste, bevor er endgültig um die nächste Ecke bog. Purzel bekam sehr große angst, als er sah, dass die Röhre ziemlich stark anfing zu wackeln und damit nicht aufhörte, sondern weiterwackelte, und schließlich umplumpste.
Sie fiel zwar nicht in Purzels Richtung, trotzdem bekam er einen ziemlichen Schrecken und stolperte rückwärts über das Marsipan. So fiel er dann rückwärts in das sorgfältig plattgehopste Marsipan und beobachtete im Sitzen wie ein Stück von der Röhre abbrach und ganz viele kleine bunte Dinger herausfielen. Purzel zählte die Farben mit seiner runden Faust und kam auf gelb, orange, rot, rosa, blau, grün und braun und fand diese ganzen Farben so schön, dass er eins von den Dingern probieren wollte.
Als er eins der grünen aufhob und sehr vorsichtig hineinbiss, weil es wirklich sehr hart, sah er hinüber zu dem Marsipan, in das er gefallen war und in dem jetzt ein rundes, flaches Loch war und während er noch ganz verzückt war über den schoko-ladigen Geschmack des Grünen hatte er eine noch viel famosere Idee.
Ohne sich von dem leckeren Grünen in seinen pummeligen Händchen trennen zu können lief er eilig zu den Aroma-Fläschchen und nahm zwischendurch große Hapse als Wegzehrung. Außerdem brauchte er beide Hände.
Er warf das Fläschchen mit Bitteren-Mandeln-Aroma um und stellte sich vorsichtig darauf, um dann ganz vorsichtig mit der Flasche loszurollen und darauf hin und her zu wackeln. Das letzte Stück des Wegs legte er purzelnd zurück, aber er fand es trotzdem lustig, weil er lachend in dem hellen Marsipan stecken blieb und außerdem der Deckel gleich von den Bittermandeln sprang. Purzel war sehr stolz auf seine gute Idee.
Er hob jetzt mühsam die schwere Flasche an und ließ das Aroma in die Mulde tropfen, von der auch gleich ein ganz wundervoller Geruch ausging. Purzel schnupperte entzückt und ließ den kleinen See noch voller laufen. Dann rannte er ganz begeistert zurück zu den bunten, von denen er immer zwei auf einmal zum Marsipan brachte, wo er eins schnell aufaß und dann das andere in das Marsipan um den See drückte, natürlich in ganz vielen verschiedenen Farben. Je bunter, desto besser, fand Purzel.
Als Hops wieder mit einer großen Stange in den Händen zurückkam, sah er den Mürbteigwicht an die Wand gelehnt und das Bäuchlein unter seinen Händen so kugelrund, dass er die Beine ganz weit von sich wegstrecken musste, um sie nicht platt zu machen.
Purzel winkte fröhlich als er den Lebkuchenwürzel sah und dann sah auch Hops den See vor dem Haus, der von vier Reihen bunter Kreise umgeben war.
"Das ist ja hübsch", fand er und hätte fast die tropfende Stange fallen lassen. Purzels Augen glänzten als er die braune Sauce wiedererkannte, aber Hops schüttelte sehr streng den Kopf, während er hin und her wankte, um nicht umzufallen.
"Purzel! Hilf mir doch mal!"
Der A-Rom-A-Wicht stand auch gleich sehr mühsam auf und kam auf sehr dünnen Beinchen zu Hops und hielt die Stange mit fest.
"Und jetzt?", fragte er mit sehr wackeliger Stimme?"
"Jetzt machen wir das Dach oben drauf dicht", erklärte Hops und drückte den tropfenden Teil auf die Herzen, wo ganz viel Schokolade kleben blieb, aber ein paar Tropfen fielen auch nach unten.
"Ich muss mal schnell weg!", krähte Purzel und rannte ins Haus, wo er sich mit ganz weit aufgesperrtem Mund unter die Tropfen stellte.
"Mmhmm-mhmm", schmatzte Purzel von drinnen, während Hops erst das Dach ganz mit Schokolade abdichtete und dann auch fast die Wände, nur ein Stück blieb frei, damit sie noch rein und raus kamen.
Als keine Schokolade mehr ins Haus fiel kam auch Purzel wieder zurück und musterte das Haus mit sehr vielen Schokoladenflecken überall. Es knackte ganz leise, als er sich am Kopf kratzte und kleine Schokoladenplättchen zerbrachen. "Irgendwie sieht das ganz schön langweilig aus", fand der gefleckte Mürbteigwicht.
"Mach es doch erst mal besser", maulte der Würzwicht und streckte Purzel die Zunge heraus.
"Hmm", machte der Fleckenwichtel und dachte sehr angestrengt nach. Dann strahlte er und lief schnell davon, während in alle Richtungen kleine Schokoladenflecken von ihm abfielen.
Hops sah ihm nach und machte auch "Hmm." Er allerdings hatte eine Idee, für die er gar nicht so weit laufen musste. Wirklich eigentlich überhaupt gar nicht weit.
Er hatte auch wirklich erst ein ganz kleines Stück gegessen, als hinter ihm Purzel rief: "Hops!!"
"Wfffdnn?", fragte der Würzelwicht mit vollen Backen und setzte sein überzeugendstes unschuldiges Gesicht auf.
"Du hast ein Loch in die Wand gegessen!", erklärte das scheckige Lebkuchenmännchen empört und stampfte so doll mit dem Fuß auf, dass das Bein jetzt ein Stück kürzer war als das andere und er umfiel. Hops kicherte, bevor er dann sehr ernst sagte: "Das sind Fenster, weil wir doch auch rausgucken können müssen."
Purzel drückte solange auf seinem Bein herum, bis es wieder genauso lang war wie das andere, nur ein bisschen eingedellter. "Wirklich?", fragte es nachdenklich und kratzte sich ein Stück Schokolade vom Kopf.
"Ganz wirklich", nickte Hops heftig.
Purzel strahlte, als er wieder auf den Füßen stand. "Dann können wir das weiße Pulver runterfallen lassen und von drinnen zugucken."
Hops nickte auch weiter heftig.
"Und ich hab was für das Dach mitgebracht, damit es nicht mehr so braun ist", sagte Purzel stolz und schleppte ein riesiges Stück Papier herbei, das er an drei Zipfeln hinter sich her zog. "Ich habe nämlich", schnaufte er, "ganz viele ganz schöne bunte Sachen gefunden", erklärte er und hielt zwei von den Zipfeln so hoch, dass lauter bunte Kugeln und Scheiben und Punkte und Plättchen und Sternchen und Herzen und Kreise und Krümel und Streusel und Zacken herausfielen und im Marsipan stecken blieben.
Während Purzel ein Auge zukniff und einen Arm mit einer Kugel nach hinten kugelte und dann den glänzenden Ball mitten aufs Dach warf, hatte jetzt auch Hops eine sehr gute Idee.
Als er nur ganz kurze Zeit später wiederkam war die Schokolade kaum noch zu sehen unter bunten Kugeln, Scheiben, Punkten, Plättchen, Sternchen, Herzen, Kreisen, Krümeln, Streuseln und Zacken, allerdings nur auf einer Seite und nicht ganz bis nach oben, weil Purzel nicht so hoch werfen konnte. Hops jedenfalls hatte die Ärmchen ganz fest um eine große rote Tube gewickelt und wankte jetzt zurück zum Häuschen.
"Das ist eine gute Idee!", verkündete Purzel als Hops die Tube ablegte und bevor der Würzwicht auch nur irgendwas sagen oder wenigstens weggehen konnte sprang Purzel auf die Tube und ganz viel rote Farbe spritzte auf Hops.
"Oh", sagte der mittlerweile nicht mehr ganz so gefleckte A-Rom-A-wichtel verlegen und ging wieder herunter. "Ich kann das restliche Dach bestimmt auch irgendwie anders ... tut mir leid."
Weil Purzels Backen jetzt auch so rot waren als wäre Hops auf die Tube gesprungen war das Lebkuchenmännchen gnädig und schleckte sich bloß schnell die rote Farbe ab.
Dann bauten sie weiter. Purzel warf so lange Kugeln, Scheiben, Punkte, Plättchen, Sternchen, Herzen, Kreise, Krümel, Streusel und Zacken nach oben und auf die andere Seite des Hauses, bis das ganze Dach darunter verschwunden war, auch wenn er dafür neuneinhalb mal das Haus umrundete, weil er immer alles, was auf der anderen Seite gelandet war, wieder verwendete, und dann zum Schluss ganz erschöpft war.
Hops sprang unterdessen so lange auf grünen, roten und gelben Tuben herum, bis man die Bissspuren an den Fenstern fast gar nicht mehr erkennen konnte und dann schleppten sie noch gemeinsam sieben helle und vier dunkle Tannenbäumchen zu ihrem Marsipan, von denen sie aber nur sechs aufstellten, weil sie die anderen alle vorher schon aufgegessen hatten.
Als Hops dann winzig kleine bunte Fischchen in den Teich setzte, Purzel kleine Blumen aus dem Marsipan knetete und bunt anmalte und sie zusammen aus allem, was sie gefunden hatten, einen krummen und schiefen, aber sehr lecker aussehenden Zaun zusammengebaut hatten, waren sie sich darin einig, dass eigentlich nur noch eines fehlte.
"Aber ich steige nicht noch mal zu den Kirs-Chen", erklärte Hops und verschränkte die Arme so fest, dass er befürchtete, sie würden aneinander kleben bleiben.
"Aber ich komme doch da gar nicht rein", bettelte Purzel und es knackte leise.
Hops sah ihn sehr streng an.
"Dann möchte ich es aber auch mal über mir schneien haben."
Jetzt knackte es wirklich sehr laut, als Purzel so doll nickte, dass die Flecken von seinem Kopf abfielen.
"Na gut", stimmte Hops dann seufzend zu und beide machten sich auf den Weg; Hops zu den Kirs-Chen und Purzel zu dem weißen Staub.
Aber als der Würzwichtel gerade wieder vor der wirklich sehr hohen Kiste mit den ganzen leckeren Kirs-Chen stand fragte er sich, wie er sie aus der Kiste herausbekommen sollte. Probehalber trat er einmal gegen die Kiste, aber die wackelte nur ein bisschen im Gegensatz zu Hops' Fuß, der jetzt sehr platt war. Und als der Lebkuchenwicht ihn gerade wieder in die normale runde Form zurückgeknetet hatte hörte er von ganz weit weg Purzel rufen:
"Ho-ops! Ich hab mich verlaufen! Hops!"
"Wo bist du denn?", schrie das dunkle Männchen zurück und versuchte sich auf die Zehenspitzen zu stellen, aber dazu waren seine Füße zu rund.
"Ich weiß nicht, aber hier sind ganz viele Kisten und ... ich weiß nicht, aber ich bin mir fast ganz sicher, dass wir hier noch nicht waren."
Hops dachte sehr angestrengt nach. "Dann rufe ich jetzt die ganze Zeit und du kommst auf mich zu und ich dir entgegen, dann finden wir uns vielleicht."
Der Würzwicht fand, dass er eigentlich ziemlich genau den gleichen Weg wieder zurück ging, auf dem er hergekommen war, aber er rief trotzdem weiter nach Purzel, er hatte nämlich wirklich angst, dass dem A-Rom-A-männchen etwas passiert war. Wenn er jetzt in eine Kiste mit Kirs-Chen fiel und nicht mehr hinauskam!
Aber dann schließlich war Purzels Stimme wirklich ganz nah und Hops stand wieder am Knusperhaus.
Aber jetzt schrie das Scheckenmännchen auf einmal nicht mehr weiter.
Jetzt wirklich sehr besorgt schaute Hops auch um die Ecken und bedauerte auch nur ganz kurz, dass es jetzt über ihm nicht auch schneien würde, als er Purzel wiederfand.
"Sieh mal", sagte das kleine kaum noch gefleckte Männchen ganz ehrfürchtig und zeigte mit einer schon weißen Kullerfaust hinter eine Kiste.
Hops sah ihn sehr verwirrt an, sah dann aber doch in die Richtung - und bekam ganz kullergroße Augen.
"Es schneit", flüsterte er und sah hinaus in etwas ganz Dunkles, in dem ganz viele ganz kleine ganz weiße Flocken herumtanzten. "Ist das schön ...", fand er und Purzel neben ihm nickte heftig knackend.
"Das möchte ich immer sehen", verkündete Hops nach einer Weile und Purzel stimmte ihm zwar eigentlich auch zu, aber er warf einen sehr langen und sehr nachdenklichen Blick auf die vielen Kisten um sie herum und nickte dann nur so wenig, dass es kaum knackte.
Hops sah das als ein ja an und so stemmten sie sich gemeinsam gegen eine der Kisten, die auch fast sofort umfiel.
Auch gut, fand Purzel.
Als sie dann zu ihrem Marsipanhäuschen auf der einen und den Schneeflöckchen auf der anderen Seite sehen konnten waren sie schließlich zufrieden und hopsten und purzelten glücklich zu ihrem kleinen Wäldchen zurück.
Dort fanden sie, dass ein Haus eigentlich gar nicht genug Fenster haben konnte und setzten sich mit kugelrunden Backen an den Bunte-Kullern-Teich und sahen hinaus in den Schnee.
Und als es zu schneien aufhörte, fanden sie, dass ihnen die Bäume eigentlich nur die Sicht nahmen
und warteten auf den nächsten Schnee.
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