Bet The Lion And Tame The Beast {Regency Romance}

von Panthera
GeschichteDrama, Romanze / P12
24.05.2005
02.11.2005
8
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BET THE LION AND TAME THE BEAST

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London, Februar 1817




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Die vier eleganten Herren, die in dem exklusiven Club „Brooks“ gemeinsam zu Abend aßen, feierten mit viel Champagner die unerwartete Erbschaft ihres Freundes, Lord Leonard Morland, der nun der achte Earl of Henley war. Lord Morland hatte vor vier Monaten den Titel von seinem älteren Cousin geerbt. Dieser war mit seiner Frau und seinem einzigen Sohn bei einem Kutschunfall ums Leben gekommen, und da er keinen näheren Verwandten hatte, fiel der Titel an Leonard, was ihm eigentlich nicht sonderlich behagt hatte, da er vorher schon sehr wohlhabend gewesen war und der neue Titel eigentlich nur eine zusätzliche Belastung darstellte, auf die er gut und gerne hätte verzichten können.
Die Feier galt auch Lord Morlands Rückkehr in die Gesellschaft, da er diverse geschäftliche Angelegenheiten auf dem Landsitz der Henleys zu erledigen gehabt hatte. Die vier Freunde verbrachten seit der gemeinsamen Studienzeit in Oxford oft ihre Zeit miteinander, so dass sie in Londons Beau Monde nur als das „Kleeblatt“ bekannt waren. Zum „Kleeblatt“ gehörten Lord Robert Allenby, genannt „Paris“, weil ihn die Damen für die Verkörperung eines griechischen Gottes hielten, er war der jüngste mit 28 Jahren und der zukünftige Erbe des Earl of Bedford, Lord Richard Lawrence Baron Devonham („Joker“), der Spaßvogel unter ihnen, Charles Deverell Viscount Stratton („Beast“), ein provozierender Charakter und Lord Leonard Morland („Lion“), ihr unangefochtener Anführer, wegen seiner dunkelblonden Lockenpracht und den honigfarbenen Augen hatte er von seinen Freunden den Beinamen „Lion“ erhalten.

„Stellt euch vor, meine Nachbarn haben schon angefangen, mir ihre unverheirateten Töchter aufzudrängen! Deshalb bin ich schon etwas früher aufgebrochen. Ich muss mit euch Kriegsrat abhalten, Freunde. Als Träger des Earl-Titels werde ich mich um die Erbfolge kümmern müssen.“

Leonard sah seine Freunde durch halbgesenkte Lider an, da er zu Recht einen Heiterkeitsausbruch ihrerseits erwartete. Schließlich galten die vier als erfahrene Lebemänner mit beachtlichen Erfolgen in der leichtlebigen Damenwelt und als entsprechend ehescheu.

Charles erfreute sich innerlich an Lions misslicher Lage und lachte am lautesten. „Es geschieht dir recht! Du hast uns schon zu oft eine begehrenswerte Dame vor unserer Nase weggeschnappt. Das ist die Strafe Gottes.“

Robert hingegen drückte sein tiefstes Mitgefühl aus, weil er selbst durch seine Jugend nicht unter dem Druck stand, allzu schnell in den Stand der Ehe zu treten, auch wenn er früher oder später eine Verbindung einzugehen gedachte.

„Was wird dann aus unserem „Kleeblatt“? Ehefrauen sehen es nicht gerne, wenn ihre Ehemänner sich mit Junggesellen herumtreiben.“ Richards Einwand war durchaus berechtigt.

„Deswegen wollte ich mich mit euch zusammensetzen, vielleicht fällt uns gemeinsam eine Lösung für dieses Problem ein.“, antwortete Leonard, dessen Blick sich mit dem seines besten Freundes und zugleich größten Konkurrenten kreuzte.

Charles grinste spöttisch. „Sicher! Du brauchst eine ehrbare Frau, die dir Erben schenkt und uns - und nicht zu vergessen die göttliche Séraphine - sozusagen als Beigabe akzeptiert. Das ist unmöglich!“

Wieder lachten alle und der diensteifrige Kellner goss ihnen Champagner nach. Lady Séraphine, die den Beinamen die „Göttliche“ seit ihrer Einführung in die Gesellschaft trug und ihn auch nicht durch die Heirat mit dem viel älteren Duke of Hamilton abgelegt hatte, war mit Lord Morland seit mehreren Jahren in einer Art Hassliebe gefangen. Die beiden eigensinnigen Persönlichkeiten kamen nicht voneinander los, obwohl Séraphine jetzt seit zwei Jahren mit dem Duke verheiratet war, der sich allerdings wenig um seine junge und anspruchsvolle Frau kümmerte.

Die Unterhaltung kreiste nun mehr oder weniger ernsthaft um Leonards zukünftige Braut und als der Cognac gereicht wurde gipfelte Charles das Ganze, indem er eine Wette vorschlug, wie sie es oft taten, wenn eine neue Schönheit in ihren Wirkungskreis trat. Nur diesmal waren nicht alle vier zur „Jagd“ zugelassen, und es würde nicht um eine von ihnen begehrte Schönheit gehen.

„Ich setze 5000 Guineen, dass unser lieber Lion es nicht schafft, innerhalb von vier Wochen nach Beginn der Saison eine ehrbare junge Dame zu seiner Gattin zu machen!“, ließ er die Bombe detonieren.

Leonard stellte sein Glas ab und maß seinen Freund mit stechendem Blick. Charles hatte schon lange auf eine solche Gelegenheit zur Revanche gewartet, ihm die Sache mit einer gewissen Tänzerin heimzuzahlen.

Robert hätte sich vor Schreck beinahe verschluckt. „Charles! Es geht um Leos Zukunft! Wir sollten darüber nicht ...“

Leos erhobene Hand brachte ihn zum Schweigen.
„Lass gut sein Rob! Ich nehme die Wette gerne an, aber nur unter zwei Bedingungen. Erstens beginnt die Wette mit dem Eröffnungsball des „Almack´s“ und zweitens werdet ihr mich bei der Suche unterstützen.“

So wurde die Wette angenommen und in das Wettbuch des Clubs eingetragen, obwohl die Aussicht sich mit unerfahrenen Backfischen abgeben zu müssen, keinem der Freunde sonderlich behagte.


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Zur gleichen Zeit als die Herren die Wette abschlossen und das Schicksal herausforderten, saß in einem kleinen Häuschen am Meer in Littlehampton, westlich von Brighton, eine junge Frau in ihrem gemütlichen Salon und las zum wiederholten Mal einen Brief durch, den sie heute erhalten hatte.

Meine liebe Leonore!

Du wirst Dich nicht an mich erinnern, aber ich bin Deine Tante Hermione, die jüngere Schwester Deiner verstorbenen Mutter.
Als Kind warst Du oft bei uns auf dem Land zu Besuch und als Deine Eltern starben, wollte ich Dich zu mir nehmen, aber Dein Onkel war zum Vormund bestimmt worden und wollte Dich nicht in meine Obhut geben, obwohl ich ihn eindringlich darum gebeten habe. Du wirst selbst am besten wissen, dass er mich und meine Familie für leichtfertig hielt und nicht für würdig, Dich angemessen zu erziehen.
Als du achtzehn wurdest schrieb ich ihm nochmals mit der Bitte, Dich in die Gesellschaft einführen zu dürfen, was er leider wiederum abschlug. Auch meine Briefe an Dich wurden nie beantwortet, so dass ich den Verdacht hege, dass Du sie nie erhalten hast.

Ich bedaure zutiefst, dass ich mich nicht persönlich in die Cotswolds begeben habe, um Dich dort herauszuholen, aber mein Ehemann wurde krank und bedurfte der ständigen Pflege. Nun bin ich dabei mit meiner ältesten Tochter in die Stadt überzusiedeln, da Alexia im Dezember achtzehn geworden ist und ich sie in die Gesellschaft einführen möchte. Es würde mich sehr freuen, wenn Du Dich uns anschließen würdest, da ich zugebe, dass ich Deine Hilfe bei der Aufsicht von Alexia gut gebrauchen könnte. Und sie hat mir versichert, dass sie lieber von einem jungen Familienmitglied Begleitung wünscht als von der ältlichen Tante, die ich ihr vorgeschlagen habe.

Nun, es wäre für Dich eine etwas verspätete Einführung, aber durchaus nicht unüblich, es wird andere junge Damen geben, die aufgrund familiärer Probleme nicht mit 18 eingeführt wurden.
Natürlich bist Du in Burnham House auch nur für einen kurzen Besuch willkommen. Schließlich kannst Du Dich kaum an uns erinnern und Du magst Deine Gründe haben, warum Du so abgelegen in Littlehampton wohnst. Bitte schreibe uns bald nach Burnham House. Alexia und ich würden uns sehr über Deine Gesellschaft freuen.

In Liebe, Deine Tante Hermione, Countess of Burnham

Lady Leonore Harper, an die der Brief adressiert war, ließ ihn nachdenklich sinken und starrte abwesend in die Kaminflammen, deren Wärme ihr Innerstes nicht erreichte.
Tante Hermione hatte sie zu sich nehmen wollen!
Es hätte eine Rettung gegeben vor dem strengen Onkel mit seinem religiösen Wahn, doch sie war schon 25 Jahre alt, was nützte da eine Saison in London?

Sie hatte zwar ein beträchtliches Vermögen geerbt und war eine Lady von Geburt, aber das würde bei ihrem mäßigen Aussehen wohl nur Mitgiftjäger anlocken oder Witwer, die eine billige Gouvernante für ihre Kinder suchten. Aber London bot auch Museen, Bibliotheken und Theater sowie viele andere Sehenswürdigkeiten, von denen Leonore in den kalten Wintertagen in den Cotswolds im kargen Norden Englands geträumt hatte.

Nachdem ihr Onkel im letzten Sommer verstorben war, hatte Leonore sich aber erst einmal den Wunsch erfüllt, am Meer zu leben, nach London konnte eine alleinstehende junge Frau ohne eine passende Anstandsdame nicht reisen, und Leonore wollte keine fremde Frau dafür engagieren. Nun hatte sie die Möglichkeit, sich einen weiteren Traum zu erfüllen und sie würde endlich ihre Verwandten kennenlernen. Spontan griff sie zu Feder und Papier und schrieb ihrer Tante, dass sie gern käme und ihr beim Debüt ihrer Cousine helfen würde. Anfang März versprach sie, würde sie kurz vor Beginn der Saison in London ankommen.


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An einem sonnigen Mittwochnachmittag kam Leonore am Burnham House am Berkeley Square im feinen Stadtteil Mayfair an. Auf ihr Klopfen am Hauptportal des imposanten Stadthauses öffnete ein livrierter Butler, der Leonores ländliche Erscheinung argwöhnisch abschätzte.

„Meine Tante, die Countess of Burnham erwartet mich. Ich bin Lady Harper.“, stellte sie sich vor.

Sofort wurde die Miene des ehrfurchteinflößenden Butlers freundlicher und er veranlasste einen Lakaien, ihr Gepäck auf das für sie vorgesehene Zimmer zu bringen.

„Treten Sie ein, Mylady! Ihre Gnaden und die junge Lady sind außer Haus, werden aber zum Dinner zurückerwartet. Die Haushälterin Mrs. Banks wird Ihnen Ihr Zimmer zeigen, wenn Sie etwas wünschen sollten, brauchen Sie nur zu läuten.“

Leonore neigte dankend den Kopf und folgte dann der schwarz gekleideten Haushälterin, die sie ins obere Stockwerk führte und ihr eine Zimmerflucht zuwies, von der sie nicht einmal gewusst hatte, dass so etwas Exquisites existierte.
Alles leuchtete in Beige-, Gold- und Rosétönen, die Möbel waren aus edlen Hölzern gearbeitet und ein Strauß weißer Rosen auf einem Beistelltischchen vollendete das Bild. Leonore dankte der Haushälterin herzlich für das wunderschöne Zimmer und bat um eine kleine Erfrischung. Als die Haushälterin sich zurückgezogen hatte, wanderte Leonore durch das Boudoir, das Schlafzimmer und das kleine Ankleidezimmer und strich ehrfürchtig über das kostbare Inventar.

Ihr Onkel Samuel hatte in einem alten Kloster gewohnt, das er nur spärlich eingerichtet hatte, da er weltlichen Tand verabscheute, sein beachtliches Vermögen hatte er lieber für das Veröffentlichen religiöser Schriften verwendet. Ihr Vormund hatte düstere Farben bevorzugt und verlangte auch von seinem Mündel, dass es sich nur in gedeckten Farben wie Schwarz, Grau oder Braun kleidete. Sie blickte an ihrem dunkelbraunen Reisekostüm herunter und seufzte, sie brauchte nicht nur Farbe, sondern auch eine helfende Hand bei der Auswahl der Schnitte für neue Kleider, denn sie wollte ihrer Tante schließlich keine Schande bereiten.

Ein Dienstmädchen trat nach kurzem Klopfen ein und brachte ein Tablett mit Tee und Sandwiches, das sie auf den Tisch vor einem Setté abstellte. Hungrig und durstig von der langen Reise setzte sich Leonore und genoss ihre Mahlzeit. Anschließend machte sie sich frisch und zog ein einfaches Tageskleid aus tristem, hellgrauen Linon an, da sie ihre Verwandten bald zurückerwartete. Beim Abräumen des Tabletts teilte ihr das Dienstmädchen mit, dass die Kutsche der Herrschaften soeben vorgefahren sei. Mit klopfendem Herzen trat Leonore aus ihrem Zimmer und begab sich ins Vestibül.

An der untersten Treppenstufe ausharrend wartete sie auf das Eintreten ihrer Angehörigen. Derrow, der Butler, ließ sie gerade eintreten. Leonore erblickte zuerst eine hochgewachsene junge Dame in einem Cape aus dunkelblauem Samt, das hervorragend zu der kecken Schute auf ihren hellblonden Locken passte. Derrow nahm ihr das Cape ab und enthüllte ein kostbares Gewand aus himmelblauem Musselin, das eine perfekte Figur umschmeichelte. Ihre Tante dahinter war ganz in violetter Seide gekleidet, sie war etwas kleiner als ihre Tochter aber dennoch eine beeindruckende Erscheinung.

„Tante Hermione? Cousine Alexia?“ Sie trat zögernd auf die beiden zu.

„Leonore? Du bist schon angekommen, wenn ich das gewusst hätte, wären wir heute daheim geblieben. Lass Dich umarmen, Kind!“, sagte Lady Burnham und kam mit ausgebreiteten Armen auf sie zu.

Leonore erwiderte die herzliche Umarmung erleichtert, sie hatte schon befürchtet, dass ihre Tante sie möglicherweise ablehnen könnte. Alexia gab ihr zur Begrüßung sogar einen Kuss auf die Wange.

„Es freut mich, dass Du kommen konntest und mich vor meiner strengen Tante gerettet hast. Die Saison mit ihr durchzustehen, hätte mich nervös gemacht und ich bin aufgeregt genug.“
Alexias feines Herzgesicht mit den blauen Augen strahlte ehrliche Freude aus.

„Du musst bestimmt nicht nervös sein, Du bist das schönste Mädchen, das ich je gesehen habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in London jemanden Hübscheres geben soll.“, erwiderte Leonore mit ehrlicher Bewunderung.

Alexia bedankte sich errötend für das Kompliment und ihre Mutter bat sie alle, dass man sich im Salon weiter unterhalten sollte.

Bestimmt wird es mir in London gefallen, dachte Leonore bei sich, da sie ihre Verwandten ihr auf Anhieb sympathisch gefunden hatte. Im Verlauf des Gesprächs bat Leonore die Damen bei ihrer Garderobe um Hilfe und es wurde beschlossen, gleich am nächsten Tag die beste Londoner Modistin aufzusuchen.
Schließlich stand der Beginn der Saison kurz bevor und der Eröffnungsball des „Almack´s“, dem berühmten Ballsaal der Patronessen der Londoner Gesellschaft, wollte in angemessenem Rahmen begangen werden.
Dafür würden die Familien der Debütantinnen sich in immense Unkosten stürzen, denn dort hoffte man, die Aufmerksamkeit seines zukünftigen Gatten zu erwecken. Im „Almack´s“ verkehrten nur die Mitglieder der besten Gesellschaft und die Debütantinnen waren von den Schirmherrinnen handverlesen, die Zukunft von jungen Ladies stand und fiel mit der Einladung zum wichtigsten Ball der Saison.




Fortsetzung folgt ...




Anmerkung des Autors:

Brooks = Berühmter Londoner Club, in den natürlich nur Gentlemen Zutritt hatten. Gegründet wurde er 1764 von 27 Herren, unter denen sich vier Herzöge befanden. Ursprünglich war der Club in Almack's Coffee House an der Pall Mall beheimatet, seit 1778 residiert er indes in einem von Henry Holland entworfenen klassizistischen Bau in der St. James's Street.

Beau Monde = Die tonangebende Gesellschaft der Adligen
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