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Mr. Monk und der Drehbuchautor

GeschichteKrimi / P12 / Gen
19.05.2005
29.12.2005
6
6.173
 
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Mr. Monk und der Drehbuchautor




1. Kapitel: Der Tote im Esszimmer


Sonntag, 9.47 Uhr


"Lassen Sie die beiden herein. Das sind Monk und Sharona." Ungeduldig winkte der Captain in Richtung Eingangstür, wo ein Polizist den beiden den Eintritt versperrte und sich fragend umsah.

"Kommen Sie her", rief Stottlemeyer ihnen entgegen.

Monk ging vorsichtig den großen Flur des Penthouses entlang bis er an die Tür zum Esszimmer kam, wo der Captain und Disher warteten. Sharona, die Monk gefolgt war, stieß einen leisen Schrei aus, als sie einen kurzen Blick an den anderen vorbei in den Raum warf. Im Esszimmer lag neben einem großen Esstisch ein Mann mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden. In seinem Rücken steckte ein großes Küchenmesser. Das Blut hatte sein weißes Hemd rot gefärbt.

"Das ist Frank Carpenter, Drehbuchautor der bekannten TV-Krimiserie >Mrs. Dexter und die unlösbaren Mordfälle<."

Monk beugte sich über den Leichnam von Carpenter. "Ich glaube, das Küchenmesser könnte ihn getötet haben. Also ist die Aussage, dass dies Frank Carpenter ist, nicht mehr ganz korrekt."

Randy schaute verschämt auf seinen kleinen Notizblock, den er immer bei sich führte und stotterte: "Also gut, das hier war Frank Carpenter."

Unwirsch fauchte ihn Stottlemeyer an. "Meinen Sie wir haben den ganzen Tag Zeit. Fahren Sie schon fort und berichten Mr. Monk, was wir bis jetzt rausgefunden haben."

"Mr. Carpenter wurde heute Morgen von seiner Bekannten Mrs. Lisa Bonelli und dem Portier tot aufgefunden. Der Portier hatte die Tür für sie aufgeschlossen, nachdem Mrs. Bonelli vergeblich versucht hatte, in das Penthouse zu gelangen. Heute Morgen war sie hergekommen, um nach dem Rechten zu sehen. Sie hatte gestern Abend um exakt 21.34 Uhr einen Anruf von Mr. Carpenter erhalten. Da Mrs. Bonelli auf einem Empfang im Hilton war, wurde der Anruf auf ihrem Anrufbeantworter aufgenommen. Der Ermordete hatte folgende Nachricht zurückgelassen: > Hier ist Frank Carpenter. Kommen Sie ganz schnell zu mir. Hier ist gerade Not am Mann. Ich brauche Sie ganz dringend.<" Randy holte kurz Luft.

Diese Pause nutzte Monk, um Disher zu korrigieren. "Nicht der ermordete, sondern der noch lebende Carpenter wird die Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen haben."

"Natürlich, natürlich, Mr. Monk. Zu dem Zeitpunkt, als er die Nachricht gesprochen hat, wird er noch nicht tot gewesen sein. Das muss erst danach geschehen sein. Der Arzt meinte, dass der Tod zwischen 18.00 Uhr und Mitternacht eingetreten sei. Also muss der Mord zwischen 21.34 und 24.00 Uhr passiert sein, da er ja zuvor noch telefoniert hatte. Vielleicht sprach Carpenter auf dem Anrufbeantworter vom Notfall, weil der Mörder gerade in seine Wohnung einbrechen wollte. Der Drehbuchautor muss telefoniert haben, um Hilfe herbeizuholen."

"Wohnt Mrs. Bonelli denn hier in der Nähe", warf Sharona als Frage ein.

"Das ist es ja. Sie wohnt am anderen Ende der Stadt", schnaubte Captain Stottlemeyer, "sie hätte viel zu lange gebraucht, etwa eine dreiviertel Stunde, um hier zu sein. Das hätte sie außerdem nur dann geschafft, wenn sie denn zu Hause gewesen wäre. Sie war aber auf einem Empfang im Hilton und betreute dort die Gäste einer Comicausstellung. Sie wissen schon, Superhelden wie Spider-Man, Superman oder die X-Men. Wäre sie Supergirl, dann hätte sie es vielleicht geschafft, aus dem Hilton mit ihrem sensiblen Gehör den Anrufbeantworter abzuhören und dann per Flugeinlage à la Superman hierher zu kommen. Aber sie war nach ihrer Aussage die ganze Zeit dort und hat noch nicht einmal kurz das Hotel verlassen bis die Ausstellung dann um 1.00 Uhr nachts geschlossen wurde." Stottlemeyer kaute wie wild auf seinem Zahnstocher herum. "Warum müssen diese Fälle auch immer so kompliziert sein", dachte Stottlemeyer. "Kann es nicht mal einen simplen Mord geben, wo der Täter direkt neben der Leiche erwischt wird. Immer diese mühsamen Ermittlungen und dann muss er auch noch seinen geliebten Supercop hinzuziehen. Der kuckt sich einmal am Tatort um und schon präsentiert er den Mörder samt Motiv und seiner Lebensgeschichte und was er am Abend gegessen hat. Als ob es ein Kinderspiel sei und sie alle im Sandkasten säßen. Man, so was ist nur noch frustrierend. Wäre ich doch nur reich und berühmt geworden und nicht so ein schlecht bezahlter Cop", dachte Stottlemeyer bei sich. Laut fragte er den Supercop: "Nun Monk, was meinen Sie dazu?"

"Gibt es irgendwelche Spuren für einen Einbruch? Die Tür sah mir vorhin so unversehrt aus, als wir von diesem pflichtbewussten Officer  aufgehalten worden waren. Ist der Officer neu? Ich habe gedacht, man kennt mich im ganzen Department."

"Hören Sie auf zu Grummeln, Adrian. Er hat nur seinen Job gemacht. Was wäre, wenn jeder den Tatort zertrampeln würde, bevor Sie ihn gesehen haben."

"Da haben Sie natürlich vollkommen Recht, Sharona. Wenn jeder da rumlaufen könnte." Schmunzelnd sah Monk zu Disher und zwinkerte dann Sharona zu, so dass auch Randy es mitbekam.

"Es muss ja nicht jeder sein. Nur die besten Cops dürfen zum Tatort... So wie ich", fügte Randy mit leicht beleidigtem Ton noch hinzu.

"Und gibt es nun irgendwelche Einbruchspuren," wiederholte Sharona die Frage ihres Chefs.

Randy blätterte wieder einmal in seinem Notizblock, als müsste er sich noch einmal vergewissern. Dann sagte er mit großer Bestimmtheit: "Nein! Keine Spuren vorhanden."

Stottlemeyer ergänzte die Ausführungen von Disher: "Die Tür war sogar abgeschlossen, als Mrs. Bonelli mit dem Portier herkam und der Portier mit seinem Generalschlüssel öffnete. Ein gewaltsamer Einbruch scheidet definitiv aus. Der Täter muss einen Schlüssel gehabt haben."

Monk zog seine linke Schulter hoch. Irgendwas passte da nicht zusammen. "Hat der Portier unten am Eingang jemanden reinkommen sehen?" fragte Monk.

"Nein, sein Dienst begann erst um 6.00 Uhr heute in der Früh. Zuvor hatten zwei ein Kollegen Dienst, und zwar von 14.00 bis 22.00 Uhr bzw. ab 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr", listete Disher umständlich auf. "Es gab keine besonderen Vorkommnisse.
Monk schaute sich schweigend im Raum um. Dominiert wurde das Zimmer durch den großen Esstisch aus Eichenholz, auf dem für eine Person eingedeckt war. Es war alles fein säuberlich vorbereitet. Auf der Anrichte am Rande des Raumes stand noch ein silbernes, leeres Tablett, mit dem wahrscheinlich das Gedeck aus der Küche rübergebracht wurde. Ansonsten war es so ordentlich, als hätte Monk zuvor aufgeräumt.

"Mr. Carpenter scheint ein ordentlicher Mann gewesen zu sein. Sogar ich könnte mich hier wohl fühlen."

Sharona blickte auf den Toten und wollte gerade einwenden, dass der Leichnam schon etwas störend für ein angenehmes Wohngefühl sei. Da hörten sie laute Stimmen vom Eingangsbereich. Eine resolute Frau versuchte in die Wohnung zu gelangen.

"Einen Augenblick bitte, meine Dame. Sie können hier nicht so ohne weiteres herein", rief der Captain. Mit einigen schnellen Schritten war er an der Eingangstür, so dass Monk, Sharona und Disher kaum folgen konnten. "Wer sind Sie? Was wollen Sie hier", fragte Captain Stottlemeyer.

Die Dame, die etwa Mitte vierzig war und elegant gekleidet war, hielt inne, um dem Captain Zeit zum Luftholen zu lassen. Dieser pustete noch ein wenig, bis die Dame begann. "Ich bin die Haushälterin von Mr. Carpenter, Mrs. Karen Holder. Die Polizisten wollen mich nicht hereinlassen, weil sie sagen, dass hier ein Mord passiert sei. Was hat das zu bedeuten? Ist Mr. Carpenter etwas passiert?" Neugierig reckte Mrs. Holder ihren Hals, um einen Blick in die Wohnung zu erhaschen.

Doch schon stellte sich der Captain so vor sie hin, dass ihre Sicht wieder versperrt war."Ich habe eine schlechte Nachricht für sie. Mr. Carpenter wurde ermordet." Stottlemeyer legte eine kurze Pause ein, um die Reaktion von der Haushälterin abzuwarten.

"Oh, mein Gott. Wie furchtbar. Wie konnte denn das passieren? Gibt es schon einen Verdacht? Oder haben Sie sogar schon den Täter?"

"Weder noch. Wir sind noch bei der Spurensuche. Darf ich ihnen Mr. Monk und seine Assistentin Mrs. Fleming vorstellen. Sie helfen bei verzwickten Fällen dem Police-Department."

Mrs. Holder musterte die beiden. "Ich glaube, ich habe von ihnen bereits einiges gelesen. Sie sind ganz berühmt, wie Sie vielleicht noch gar nicht wissen."

Sharona konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Fast triumphierend erwähnte sie, während sie auf Disher blickte, dass erst ihr letzter Fall für viel Aufsehen gesorgt hätte, als sie den Mörder anhand einer defekten Kaffeemaschine und einer leeren Konservendose entlarven konnten.

"Nein, ihre wahren Fälle sagen mir nichts. Mr. Carpenter plante, eine neue Serie an den Fernsehsender Kabel Five zu verkaufen. Er schrieb bereits an einem ersten Drehbuch. Sie müssen wissen, er war Drehbuchautor."

"Aber er war doch Autor für die Serie >Mrs. Dexter und die unlösbaren Mordfälle<, die auf dem Pay-Kanal von Channel 2 läuft", warf Disher ein, nachdem er verzweifelt in seinem Notizbüchlein gestöbert hatte. "Wollen Sie etwa sagen, dass er mit dieser erfolgreichen Serie aufhören wollte?" fragte der ratlose Randy.

"Ach, die Krimiserie kennen Sie wohl gut, Randy?! Sharona schaute leicht ironisch auf Disher, als sie amüsiert sagte: "Daher haben Sie also all ihre guten Mordtheorien. Und ich dachte immer, die seien auf ihrem eigenen Mist gewachsen."

"Mr. Carpenter befürchtete, dass ihm sein Produzent, Mr. Mick Laverdure Ärger machen würde, wenn er mit der Erfolgsserie aufhören würde und zum anderen Kanal wechseln würde. Er hatte ihm sogar gedroht", raunzte Mrs. Holder.

"Also machen wir uns auf den Weg zu Mr. Laverdure", schlug Monk vor.
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