Alle lieben Leo

GeschichteHumor / P12
Leonard Kraft Nina Metz
11.05.2005
16.07.2005
5
19620
 
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Alles neu, alles beim alten!


"Du, nicht! Und du auch nicht! Und du erst recht nicht! Und du aber so was von nicht! Und du schon mal gar nicht! Und du bist hier ganz falsch!"
"Nina? Alles in Ordnung?" -Leo kam gerade aus der A.K. zurück ins Büro und fand Nina lustig plappernd und Akten um sich schmeißend  vor. Wie meistens, hatte sie Ihre Beine wieder auf den Tisch geschwungen und neben sich eine offene Tüte Chips.
"Leoooo! Alles bestens! Ich sortiere gerade unsere Vertretungen aus." -Nina schien bester Laune und flötete geradezu vor sich hin. Seit sie mit Florian zusammen wohnte, war sie ständig gut gelaunt, musste wohl an den nächtlichen Aktivitäten liegen, dachte sich Leo.
"Muss Ich das verstehen? Was für Vertretungen?" -In Leo stiegen Sorgen hoch.
"Na unsere Vertretung, wenn wir auf dem Seminar sind!"
"Ach so!" -Leo atmete erleichtert aus. -"Und Ich dachte schon du hättest die Therapie doch zu früh beendet." -das hätte Leo besser nicht gesagt, als Antwort flog Ihm nämlich der Locher entgegen. Leo konnte gerade noch ausweichen. Die Wand nicht, und büßte so etwas Putz ein.
"DAS WAR KEINE THERAPIE!" -das war zur Zeit Ninas wunder Punkt -"Das waren Beratungsgespräche, wie Ich meinen Stress besser bewältigen kann!" -Leo liebte es Nina damit aufzuziehen.
"Ah, ja sicher! Und haben sie geholfen?"
"Ja, Ich bin bei dir ausgezogen!" -Nina schnappte sich die Tüte vom Tisch und ließ Ihren Ärger an den unschuldigen Knabberzeug aus. Gerade hatte sie noch so gute Laune gehabt.
"Touche!" - Leo legte ein paar Kopien in eine Akte, womit der letzte Fall auch abgeschlossen war. -"Aber sag mal, das Seminar ist doch erst in 3 Wochen und kümmert sich darum nicht die Hubrecht?"
Leo und Nina würden in 3 Wochen zu einem Seminar zum Thema "Die neuesten Verhaltensweisen von Polizeibeamten in Extrem Situationen" fahren. Normalerweise dauerten Seminare nur 2-3 Tage und in der Zeit kümmerten sich eigentlich Wacker und Schulz um die Abteilung, aber diesmal würde das Seminar 2 Wochen dauern und somit war eine Vertretung nötig.
"Wo denkst du hin? So was entscheidet doch jetzt unser aller Liebling, Leo Kraft alias Herzog Leonard von Sternenfels zu Eckberg Plätscherbach!" -Nina fand es nur fair auch Leos wunden Punkt ab und zu, zu kitzeln.
"Oh, Frau Metz hat heute wieder einen Clown gefrühstückt." -Leo grinste Nina gekünstelt an. Treffer!
Aber sie hatte nicht Unrecht. Seit Leo die Geiseln befreit, die Entführer dingfest gemacht (zumindest die, die noch lebten) und auch noch das gesamte Lösegeld sichergestellt hatte, war er von der Presse als Held gefeiert worden. Frau Hubrecht ließ natürlich keine Gelegenheit aus, um ihn anzupreisen und sie sorgte stets dafür das in jedem Artikel auch "Ihr" Revier erwähnt wurde. Daher auch das Seminar, denn normalerweise wurde so ein langes und kostspieliges (und eigentlich überflüssiges) Seminar nicht gerne gesehen, aber für Leo war Frau Hubrecht in letzter Zeit nichts gut genug. Natürlich viel von dem ganzen Licht auch etwas auf Nina.
"Jetzt mal ernsthaft, Nina." -Leo wollte wenigstens so tun, als würde in diesem Büro ab und zu gearbeitet. Nina verdrehte die Augen, fügte sich aber.
"Die Hubrecht war gerade hier und hat mir ein paar Akten, von möglichen Vertretungen da gelassen und Ich hab schon mal eine Vorauswahl getroffen." -Nina lächelte Ihn strahlend an, Ihre gute Laune war wieder da.
"So viel Aufwand für eine Vertretung? Soll sie doch einfach einen nehmen und gut." -Leo wusste wirklich nicht, was das jetzt wieder sollte.
"Leo! Sag mal spinnst du? Die beste Abteilung des Reviers, mit fast 100%iger Aufklärungsquote und dann auch noch der Sitz des deutschen Nationalhelden Nr. 1! Die kann man doch nicht in irgendwelche Hände legen!" -auf Ninas Gesicht, spiegelte sich gespieltes Entsetzen wieder.
"Ah, ja natürlich. Entschuldige, wie konnte Ich das vergessen. Und warum schmeißt du hier mit den Akten um dich?" -Leo blickte auf den Boden, wo schon so an die 10 Akten lagen, auf  Ninas Tisch lagen noch ca. 20.
"Du Leo, die sind alle unfähig! Die können uns doch nicht vertreten! Guck mal der hier. Viel zu dick und der hier, der hat ja eine Glatze! Wie sieht das den in der Zeitung aus!" -Nina zeigte Leo die Fotos, die jeweils auf der ersten Seite der Akten waren. Jetzt bemerkte er, das die Akten eher wie Bewerbungsschreiben aussahen und Nina schien sie genau dafür zu halten.
"Nina ist das dein Ernst? Du kannst doch nicht nach dem Aussehen gehen. Wie wäre es wenn du dir mal alles durchliest und nach Kompetenz entscheidest." - Leo versuchte ein verständnisvolles Gesicht zu machen, aber Nina sah Ihn an als wäre Er eine kleine bemitleidenswerte Nacktschnecke.
"Was ist den mit dir los? Die hat die Hubrecht extra ausgewählt, die haben alle was drauf! Von daher kann meine Entscheidung ruhig etwas oberflächlich sein!" -sprachs und wandte sich wieder den Akten zu. Leo war so ein Spielverderber, es hatte Nina soviel Spaß gemacht Freischnauze über die Anwärter zu entscheiden und jetzt kam der mit seiner Moralpredigt an.
"Ich dachte du triffst gerade die Vorentscheidung? Das geht doch nicht, wenn die Hubrecht das schon getan hat. Ist das jetzt so was wie die 2. Runde auf der Besetzungscouch? Müssen sich jetzt alle bei dir "persönlich" auszieh äh Ich meine vorstellen?" -Leo versuchte das Ganze etwas lockerer zu sehen um Nina wieder versöhnlicher zu stimmen. Es klappte.
"Nö, Ich würde eher sagen, das ist die Finalrunde. Es geht um die Million und Ich bin Günther Jauch." -Leo musste sich zusammenreißen, um nicht laut los zu lachen.
"Warte, wo war Sie denn? Ah hier!" -Nina bückte sich zum Boden und hob eine Akte auf-
"Guck dir mal die an! Die lag ganz oben,  Frau Hubrechts Favoritin." -Nina zeigte Leo das Foto einer Frau, ungefähr so alt wie Nina, lange braune Haare und hübsches Gesicht. Auf den ersten Blick, ganz sympathisch.
"Jasmin Meier." -las Nina vor -"Ne, die geht gar nicht!" - Meinte Nina knapp und wollte die Akte gerade wieder rücklings auf den Boden fallen lassen.
"Aha? Warum denn nicht? Die ist nicht dick, Haare hat sie auch und wenn sie Frau Hubrechts Favoritin ist, muss Sie auch gut sein." -Nina machte genau das Gesicht, das Leo erwartet hatte.
"Ach? Sooo, findest du? Na dann gucken wir mal genauer hin." -Nina überflog schnell die Zettel in der Akte -"Stimmt! Du hat Recht. Ganz große Klasse unsere Frau Meier. Tja, jetzt fliegt Sie erst recht raus!" -Wieder war Nina im Begriff die Akte rücklings fallen zu lasen, wieder hielt Leo Sie zurück.
"Nina, so kenn Ich dich ja gar nicht, Ich dachte Ihr Frauen müsst zusammen  halten? Hauptkommissarinnen gibt´s nicht gerade wie Sand am Meer." -Leo merkte schon, mit arbeiten war heute nichts mehr.
"Leo, jetzt schau doch mal." -Nina versuchte es mal mit Einsicht und Verständnis -"Die ist doch viel zu hübsch! Denk mal an Wacker, das hält der doch gar nicht aus."
"Na ja, bei dem was er sich in letzter Zeit so geleistet hat, würde Ihn das mal ganz gut tun." -Leo lehnte sich in "seinen" Stuhl zurück, der ihn jedes Mal an die Geschichte erinnerte.
"Ja, aber er gehört zu unserer Abteilung und verdient unseren Schutz."
"Schutz vor hübschen Frauen? Ah, Ich verstehe, Du machst dir Sorgen um deinen Ruf als hübscheste Kommissarin des Reviers."
"Oh Leo Ich bitte dich! Als hätte Ich so was nötig!" -verführerisch warf Nina sich in Pose und strich Ihre Rundungen nach. Leo lächelte Sie verschmitzt an.
"Du glaubst Mir nicht? Okay, Okay geben wir Frau Meier eine faire Chance!
Frau Meier, finale Frage! Sie haben freie Wahl, für wen entscheiden sie sich? A) der gutaussehende, charmante, liebenswerte Arzt, der mit Ihnen eine Familie gründen will, oder B) der unglaublich sexy, muskelbepackte, kompetente, zuverlässige, aber leider unerreichbare, da" -Nina warf Leo einen abschätzigen Blick zu - "gleichgeschlechtlichorientierte, Kollege? Neeep!! Falsche Antwort! Frau Meier, Sie fallen leider auf 0 Euro zurück und sind raus! Rufen sie uns nicht an, wir rufen sie an!" -und somit segelte die Akte entgültig zu Boden.
Leo konnte ein Lachen nicht unterdrücken. -"Nina, gib ´s zu. Du hast Angst um dein Revier!"
"Leo, Schätzchen, glaubst du , die könnte mich ersetzten? Wer bitte schön, käme denn auf so eine verrückte Idee?" -Nina verschränkte die Arme und lächelte siegessicher.
"Ja, wer käme schon auf so eine verrückte Idee? -wiederholte Leo und erwiderte Ihr Lächeln.


Auch anders wo, war die Laune bestens, wenn auch aus anderen Gründen. Tamara stand vor Ihrem Spiegel und begutachteten ihre neueste Errungenschaft an sich. Ein sündhaft teures Designerkleid! Sie hatte es gesehen und sofort gewusst, das sie es haben musste! Es war ein Sommerkleid, pastellfarbend, aus leichtem, fast durchsichtigen Stoff und einen unerhört hohen Beinausschnitt. Na ja, aber solche Beine muss man eben zeigen, dachte sich Tamara, vor allem wenn die Füße in solch edlen weißen, mit kleinen Edelsteinen besetzten Riemchensandalen   stecken. Auch Ihre Frisur brachte nur Wohlwollen hervor. Sie trug, wie am liebsten, einen Zopf aus dem vereinzelt Strähnen ins Gesicht vielen, gewollt natürlich. In Ihrem Zopf blitzten die eisblauen Strähnchen hervor, die Sie sich erst neulich hatte einflechten lassen. Die passten perfekt zu den Pastelltönen des Kleid. Oh ja, dieser Sommer würde heiß werden!
Eigentliche hatte sie heute frei, da die Vorlesungen ausfielen, aber Prof. Dr. Jordan hatte sie zum  Essen eingeladen. Die beiden würden bald zusammen nach Brüssel fliegen, Er war von einer dortigen Universität gebeten worden, einen Vortrag zu halten und da wollte Er noch die Einzelheiten mit Ihr klären. Sie besprachen solche Dinge oft beim Essen und Tamara hatte da überhaupt nichts gegen. Es war schön jemanden zu kennen, der auch die angenehmen Seiten des Lebens zu schätzen wusste. Für Leonard gab es immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit. Normalerweise war das ja auch O.K, aber ab und zu musste man sich doch auch mal was gönnen. Wie ein chices Designerkleid mit den passenden Schuhen z.B. oder ein nettes Essen in einem noblen Restaurant. Bei Leonard, wurde es höchstens mal der Italiener um die Ecke. Reich zu sein war doch kein Verbrechen! Sollte Leonard doch sein Erbanteil verschimmeln lassen, deswegen musste sie das doch nicht tun, es war ja nicht so, das sie den ganzen Tag ein auf gelangweiltes Luxus Gör machte und Daddys Geld verpulvert. Na ja, wie auch immer.
Prof. Dr. Jordan war jedenfalls nicht so. Sie genoss es sehr mit ihm zusammen zu sein. Sie lernte nicht nur viel von ihm, er war auch ein sehr netter, charmanter Mann. Natürlich war er das, er war für sie ja auch unerreichbar. Na ja, aber aus dieser Sicht, war er eh nicht wirklich ihr Typ und außerdem ihr Professor  und überhaupt war das ganze sowieso absurd, also lohnte es sich auch nicht darüber zu grübeln. Trotzdem war es immer wieder eine Gelegenheit sich aufzustylen.
Schwungvoll lief sie die Treppe runter und Zack! weg war die gute Laune!
Da stand er! Ihr wahrgewordener Alptraum! Der Mann den sie wie kein Zweiten, absolut nicht leiden konnte! Der Mann namens Bernd Fabrius! Dieser kleine, schleimige, unglaublich hässliche und einer Made nicht unähnliche Typ! Das dumme war nur, das Ihr Bruder den süß, charmant, unheimlich geistreich und Brad Pitt nicht unähnlich fand. Aber was wusste der schon?! Still und heimlich hatte er sich in ihr Leben geschlichen und machte keine Anstallten wieder zu gehen. Na gut in Leonards Leben, aber wo war da der Unterschied?
Eigentlich war es ihre eigene Schuld gewesen. Es war einfach noch zu früh gewesen! Sie hätte nicht dieses verlängerte Wochenende bei ihrem Vater verbringen sollen. Da war sie mal ein paar Tage nicht da, und schon bricht hier das Chaos los. Das Leo wegen Wacker fast in die Luft geflogen wäre, damit konnte sie leben, aber nicht mit Bernd Fabrius!
"Guten Morgen Tamara." - begrüßte er sie freundlich, was Tamara überhaupt nicht zur Geltung nahm.
"Miriam!" -warf sie Ihm kühl entgegen.
"Oh, ´tschuldige, natürlich." -Bernd machte ein etwas bedröppeltes Gesicht -"Ähm, es ist zwar schon ein bisschen spät, aber es sind noch Brötchen und Eier da, wenn du also noch frühstücken möchtest?"
"Boris machen wir-"
"Bernd."
"Oh, sorry. Wie auch immer! Mein Bruder ist nicht hier, wir brauchen also nicht so zu tun als könnten wir uns irgendwie leiden, O.K.?" -Sie hatte es kaum ausgesprochen, da viel das Lächeln von Bernds Gesicht wie eine Maske.
"Weißt du was? Du manövrierst dich selbst ins Aus, mit deinem ewigen Rumgezicke. Zwischen mir und Leo -"
"...ist rein gar nichts und so sehr du dich auch anstrengst, da wird auch nie was sein. Du hattest deine Chance und hast sie vertan! Tja Pech."
"Ach? Und das trifft auf Thorsten nicht zu oder wie?" -hämisch grinste er sie an.
"Was hat Thorsten denn mit der Sache zu tun?" -Tamara tat unschuldig wie ein Lamm.
"Ach komm schon. Leo hat mir alles erzählt. Ich weiß das er dein bester Freund ist und das du es gerne hättest wenn Sie wieder zusammen kämen. Deswegen zickst du immer rum und kannst mich nicht leiden. Das ist ziemlich kindisch, findest du nicht? Es ist immerhin Leos Leben und nicht deins!" -Bernd hatte sich richtig in Rage geredet.
"Tja weißt du, Ich kann mir das aussuchen! Im Gegensatz zu dir ist in Leonards Leben nämlich Platz für mich!" -Tamara fühlte sich haushoch überlegen! Sie wusste das sie in einer besseren Position war als Bernd. Zwar gefiel es Leo ganz und gar nicht, wie sie sich Bernd gegenüber verhielt, aber sie war seine Schwester er konnte sie schlecht aus seinem Leben kicken, ihn allerdings schon. Außerdem war Tamara größer als Bernd! Sie war eh für eine Frau sehr groß und er für einen Mann eher klein und die Riemchensandalen mit dem hohen Absätzen taten ihr übriges. Sie war fast einen Kopf  über ihn und wie sie so zu ihm runterschaute, konnte sie ihn einfach nicht ernst nehme. Hätte sie aber auch so nicht! Ihn schien das aber nicht zu beeindrucken.
"Immerhin hab Ich heute hier übernachtet!" -wieder grinste er sie hämisch an.
"Ja -Auf der Couch!" -Tamara grinste zurück. Das wusste sie natürlich genau, nicht umsonst hatte sie die halbe Nacht oben am Treppengeländer gekauert. Und hätte Bernd auch nur einen Schritt in Richtung Leonards Zimmer gemacht, hätte sie sich notfalls die Treppe runtergestürzt oder sonst was um Leonard abzulenken.
"Ja, weil wir die ganze nacht durch geredet haben. Und das war sehr schön!"
"Tja Bertram"
"Bernd!"
"Oh sorry. Wie auch immer! Die einen reden und die anderen haben heißen Sex! Ich würde gerne noch weiter mit dir diskutieren, aber Ich hab wichtigeres zu tun, mein Schuh ist nämlich auf!" -Tamara bückte sich und zog den Verschluss wieder fest -" So und jetzt muss Ich leider gehen, Ich habe eine Verabredung zum Essen. Weißt Du, Ich habe hier in München eine Menge neue Freunde gefunden. Das solltest du auch mal probieren, ist viel besser als sich wieder bei den alten anzubiedern!" -sprach `s und war zur Tür raus.
Bernd schaute Ihr eine Weile hinterher. Was für ein Miststück! Aber leider saß sie, als Leos Schwester, am längeren Hebel, das letzte was Er tun sollte, war Leo vor die Wahl, zwischen ihm und seiner Schwester, zu stellen, da konnte er nur verlieren. Aber wenn er wollte das zwischen ihm und Leo wieder was läuft, musste er irgendwie an ihr vorbei! Und das würde weiß Gott nicht leicht!


Tamara stieg in Ihren Wagen und fuhr, viel zu schnell, los. Gott dieser Kerl! Wagte der es doch tatsächlich sich mit Thorsten auf eine Stufe zu stellen. Sie konnte einfach nicht anders, dieser Typ war Ihr durch und durch unsympathisch!
Dabei hatte Sie es wirklich versucht, ganz ernsthaft! Sie hatte all Ihre Vorliebe für Thorsten beiseite geschoben und Ihm eine ehrliche und faire Chance gegeben.
Die ersten 5 Sekunden.
"Hi, Ich bin Bernd, Ich bin ein alter Freund von deinem Bruder!"
"Hi, Ich bin Miriam. Stirb!" -hätte Sie am liebsten gesagt, aber Ihrem Bruder schien dieser Kerl sehr wichtig und so versuchte Sie sich zusammenzureißen. Was mehr schlecht als recht klappte. Egal wie fest sie es sich auch vornahm, sobald Er vor ihr stand, zog sich irgendwas in ihr zusammen und sie konnte nicht anders als ihn zu hassen. Es war nicht nur, das er ihren Plänen bezüglich Leonard und Thorsten im Weg stand, da war noch was anderes. So was hatte sie noch nie erlebt. Sicher war es schon vorgekommen das ihr jemand auf anhieb unsympathisch war, aber nicht so extrem. Und diese Gefühl wollte einfach nicht abflauen, im Gegenteil, es wurde immer stärker.
Und das gerade jetzt, wo sie es endlich geschafft hatte, Thorstens Hintern wieder nach München zu bewegen. Wochenlang hatte sie ihn stundenlang am Telefon angefleht, bedroht und erpresst und schließlich hatte er endlich zugesagt.
Es war eh lächerlich gewesen. Die Konzertreihe von Thorstens Orchester würde bald auslaufen und wo sollte er dann denn hin? Zurück nach Eckberg Plätscherbach? Nach München und London wohl kaum! Außerdem waren auch alle seine Freunde, Tamara inklusive, hier in München. Hier hatte er jahrelang gelebt, nur weil es mit Leonard nicht geklappt hatte, musste Er doch nicht gleich flüchten.
In 4 Wochen würde er also wiederkommen. Das war natürlich Absicht. Da würde Leonard noch eine Woche auf seinem Seminar sein, so hatte sie noch ein paar Tage Zeit ihn zu "bearbeiten". Ganz ungestört, so zu sagen.
"O.K. Tamara!" -sagte sie zu sich selber -"4 Wochen um Bernd los zu werden. Das schaffst Du!" -Tamara schüttelte sich ihr Haar, das wild im Fahrtwind ihres Cabrio wehte, aus dem Gesicht, setzte ihre Sonnenbrille auf und drückte das Gaspedal noch mal ein ganzes Stück runter.


Ein paar Stunden später, der Tag neigte sich schon dem Ende zu, hielt Leo mit seinem 911er vor seinem Haus. Er stieg nicht aus, sondern blieb noch eine Weile sitzen um nachzudenken.
So viel war in der kurzen Zeit passiert. Das Leben mit Tamara hatte sich eigentlich sehr gut entwickelt. Erst jetzt hatte er bemerkt, wie sehr sie ihm eigentlich gefehlt hatte. Sie war ganz anders als Nina, viel aufgedrehter und spontaner,. Es war manchmal schwer mit ihr mitzuhalten. Sie hatte zwar auch ihre ruhigen Momente, aber meistens brauchte sie Action und Trubel um sich herum. Nicht selten kam Leo sich neben ihr schon uralt vor, aber Tamara hielt immer einen Moment inne um ihn aufholen zu lassen.
Bis Bernd dann kam. Das machte alles so kompliziert. Leo wusste doch selbst nicht wie er damit umgehen sollte. Er empfand noch was für Bernd, aber liebte er ihn noch? Die Beziehung damals war alles andere als leicht gewesen und so was wollte er sich auf keinen Fall noch mal antun. Aber das war lange her, er und Bernd hatten sich weiter entwickelt. Aber würde das reichen? Gott, so viel Rumgrübelei war gar nicht sein Ding, er verlies sich lieber auf sein Bauchgefühl, das hatte ihn noch nie getäuscht . Aber er hörte nichts! Er war viel zu sehr damit beschäftigt Ringrichter bei Bernd und Tamara zu spielen. Sie bemühte sich, aber ihre Abneigung gegen ihn war mehr als deutlich. Das war so typisch für sie, Thorsten würde auf ewig ihre Nummer eins bleiben. Das selbe hatte er auch mal gedacht, aber jetzt? Mit Thorsten war das was ganz Anderes gewesen, die Beziehung war immer sehr harmonisch gewesen, fest und sicher. Genau wie er es sich immer gewünscht hatte. Und dann von einem Tag auf den anderen war es vorbei und er war außer Stande gewesen, das zu verhindern. Es war einfach so passiert. Thorsten war gegangen, nicht weil sie sich nicht mehr liebten sondern weil... Ja, warum eigentlich? Leo wusste es auch nicht mehr. Thorsten war weg und er hatte sich einfach in die Arbeit gestürzt und Abends war Nina da und hatte für Abwechslung gesorgt. Er hatte nie groß darüber nachdenken können und hatte es auch nicht gewollt. Und nun zwang ihn die Umstände genau dazu. Wenn er an Thorsten dachte hatte er immer ein warmes Gefühl in sich, das würde er vermutlich immer haben. Das war wahrscheinlich auch der Grund, warum er Tamara nicht härter in die Schranken weißte. Wünschte er sich insgeheim nicht auch das Thorsten wiederkam?
Leo legte sich die Hände auf die Augen und fing dann an sich grob die Stirn zu massieren.
"Aaarrg! Leo was machst du da. Thorsten ist schon lange weg und Bernd ist da und was sich daraus entwickelt, wird sich zeigen! Denk nicht so viel und lass es einfach auf dich zukommen!"
Leo atmete tief durch. Das alles sah ihm so gar nicht ähnlich. Es hatte sich so viel verändert, aber irgendwie rückwärts statt vorwärts. Tamara war wieder da und versuchte angestrengt Thorsten zurück zu holen, Bernd war wieder da, Nina wohnte nicht mehr bei ihm. Alles war anders, aber doch irgendwie vertraut und doch total verwirrend.
Mist! Jetzt machte er das schon wieder! Schluss jetzt! Er war Jemand der handelte und kein Denker!
Leo stieg aus dem Wagen und ging zur Tür, schon einige Meter entfernt bemerkte er einen eigenartigen Geruch. Tamara hatte mal wieder gekocht! Alle paar Tage kam sie auf die Idee ihn mit einem Abendessen zu überraschen, was eigentlich immer total in die Hose ging. Meistens war es angebrannt, hin und wieder roh und ab und zu auch irgendwas dazwischen. Dann machte Tamara ein enttäuschtes Gesicht und gelobte feierlich nie wieder einen Kochlöffel anzurühren, nur um es dann ein paar Tage später wieder zu versuchen. Na ja, engagiert war sie, das musste man ihr lassen.
Als er zur Tür rein war und gerade seine Jacke aufhängen wollte, hörte er laute Stimmen aus der Küche.
"Da ist zu wenig Öl drin, kein Wunder dass, das anbrennt."
"Nimm die Hände da weg! Ich weiß wie man etwas anbrät!"
"Na offensichtlich nicht! Da! Die Soße kocht über!"
"Kein Wunder, wenn du mich die ganze Zeit ablenkst!"
"Lass mich das machen und du kümmerst dich um die Kartoffeln."
"Verzieh dich! Das ist mein Essen, das kann Ich alleine machen!"
"Jetzt stell dich nicht so kindisch an!"
"Dann benimm Du dich nicht wie ein Arschloch!"
"Ich will nur sicher gehen, das wir alle das Abendessen überleben!"
"Es würde mir überhaupt nichts ausmachen, wenn das bei dir nicht der Fall wäre!"
Leo verdrehte die Augen und quälte sich ein Lächeln ab. Er atmete tief durch und ging dann Richtung Küche.
Ring frei für Runde 385, die Achte!




So, da bin Ich wieder. Ich hoffe Ihr seid auch alle wieder da. In dieser FF wird es ein bisschen anders zugehen, als in der letzten. Die Geschichte wird in Episoden erzählt. Also mehrere kleine Geschichten aus dem Alltag von Leo und Co. Als roter Faden, wird sich natürlich die Frage: Wer bekommt Leo? durch die ganzen Handlung ziehen. Am Ende wird´s dann eine mehrteilige finale Episode geben. Ich denke  dieses Konzept lässt sich besser mit meiner Schreibweise vereinbaren, da Ich so neue Ideen auch noch im späteren Verlauf einbauen kann und überhaupt ein bisschen spontaner sein kann. Na ja man wird sehen wie das funktioniert. Über Reviews und konstruktive Kritik würde Ich mich natürlich wieder sehr freuen. Bis dann.
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