Peddar Kunskje

von Enno
GeschichteAbenteuer / P12
26.04.2005
27.04.2005
10
15401
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Nun, so begab es sich, dass ich mit 16 Jahren einen Auftrag der Diebesgilde bekam, der mich zum ersten Mal aus der Stadt Norburg herausführte. Olkor, mein Mentor, wurde zu dieser Zeit von Flinkem Difar und Wundfieber geplagt, er wurde bei seiner Arbeit von einem Schurken überrascht, so dass er sich nur in einen Brunnen retten konnte und dort mehrere Stunden verbrachte.
Reisen sollte ich zusammen mit Nadjeschda, die mich bis nach Firunen begleiten würde. Blonde Haare, blaue Augen, ein richtiges Schätzchen. Die Reise selbst führte über ein Dutzend Dörfer, halt die Bornstrasse südwärts. Nichts Besonderes.
Nun, Firunen ist eine Stadt mit über 1000 Einwohnern und ist ein wichtiger Handelsplatz an der Bornstrasse. Es gibt hier mehrere Tempel, einen Posten der Beilunker Reiter und sogar eine Niederlassung der Nordlandbank. Davon habe ich schon immer geträumt, einmal der Nordlandbank und den Bronnjaren ihr Geld zu nehmen ...
Der größte Teil der Menschen hier lebt vom regen Handel, den von hier führt die Bornstrasse bis nach Norburg, aber südwärts ist der Transport per Schiff auf dem Born leichter. Allerdings werden auf dem Markt nur Waren (hauptsächlich Felle und Pelze) in große Mengen verkauft, so dass der normale Bürger hier eher wenig fündig wird.
Die Leute hier sind weitgereister und erzählfreudiger als in Norburg, und so werden in den Tavernen viele schaurige Geschichten feil geboten: wie der Riese Milzensis, der die Bornschiffer hasst und schon mehrere Schiffe versenkt hat; oder die Irrlichter, die die Jäger und Wanderer in den Sumpf führen und in Sumpfrantzen verwandeln.
Wir kamen in der Taverne "Zum Lustigen Fuhrmann" unter, welches dafür bekannt ist, den "Rantzentod" auszuschenken. Dieser berüchtigte Kräuterlikör erzeugt einen Mundgeruch, der nicht nur Affen verscheucht. Der Wirt hatte schon häufig mit der Diebesgilde Norburg zusammengearbeitet, so dass wir mit dem Auftragsschreiben und einem Beutelchen Silbergroschen auf unsere Zusammenarbeit anstoßen konnten.
In einer stürmischen Nacht machten wir uns daran, unseren Auftrag zu erfüllen. Des Nachts sind die Lagerhäuser der Händler fast immer verwaist, nur ganz selten schläft ein Händler bei seinen Waren. Und die Nachtwächter machen in einer Nacht nur alle 2 Stunden ihren Rundgang, so dass genug Zeit blieb, unseren Plan durchzuführen. In das Lagerhaus des Händlers Persjew einzudringen war kein großes Problem. Mit geschwärzten Gesichtern und dunklen Umhängen drangen wir kurz nach Mitternacht in das besagte Lagerhaus ein. Das Haupttor war zwar mit einer schweren Eisenkette mit Schloss versehen, dafür war die Hintertür von innen nur mit einem Holzriegel versehen, der sich mit einem dünnen Metallspatel hochheben ließ. Die Ware von Persjew stand genau dort, wo es uns unser Informant beschrieben hat. Nun, Persjew ist ein Fellhändler, er kauft hier in Firunen die Felle der naheliegenden Jäger und verkauft sie in Festum an andere Fernhändler weiter. Nun, wir behandelten seine Felle mit einem Extrakt aus Phosphorpilz. Und nur ein klein bisschen auf jedes Fell (jedenfalls auf die, die oben liegen) verteilt. Und schon war unsere Arbeit getan.
Auf dem Rückweg gab es ein kleines Problem, einer der Nachtwächter machte unvermutet seine Runde, und sein Hund (ein Bornländer, ein eigentlich gutmütiger Hund, der aber, auf jemanden gehetzt, einige Probleme bereiten kann) bemerkte uns. Zeit für eine Flucht: Der Nachtwächter war kein Problem, das gute Essen und seine Hellebarde ließen ihn schnell außer Atem kommen. Und der Hund wurde mit einem kleinen Fläschchen Katzenminze-Essenz getäuscht.
Nadjeschda verabschiedete sich am nächsten Morgen von mir, sie hatte noch einen anderen Auftrag bekommen, über den ich nichts wusste. Phex sei Dank regnete es. Jetzt musste ich Meljow Bescheid geben, ein Schmuggler, der für die Diebesgilde hin und wieder riskante Aufträge übernahm.

Meljow versuchte am Morgen, bei Persjew die größere Ladung Felle zu erstehen. Nach einer eingehenden Untersuchung der Felle (natürlich am Tageslicht) wurde erst einmal der Zustand reklamiert. So habe ich (ich war als ein Arbeiter von Meljow dabei) noch nie jemanden lamentieren hören. Denn das Extrakt aus diesem Pilz lies die Pelze leuchten! Weiterhin sahen die Felle in dem bleichen Licht so schäbig aus, als hätte man jeden einzeln durch den Dreck ins Lagerhaus gezerrt. Meljow bot an, die Felle trotzdem zu kaufen, allerdings zu einem Spottpreis. Eine Stunde später (ich habe Schimpfwörter gehört, wo ich mir nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt) war das Geschäft abgeschlossen. Persjew verkaufte Meljow die Felle (die ich schon mal aufladen musste), und Persjew lieferte dafür eine Fuhre Schafskäse nach Festum. Später erfuhr ich dann von Meljow, dass in dem Käse Elixierfläschchen mit dem Gift des Sumpfknöterich (der Besitz ist im Bornland strafbar) eingearbeitet waren. Diese Ladung (also der Käse) wurde dann von einem eingeweihten Käufer in Festum aufgekauft und weiterverschifft.
So, die Rückreise gestaltete sich recht problemlos. Mit dem Schiff "Borndorn" ging es dann Bornaufwärts bis ins Dorf Ask. Der Besitzer des Schiffes ist die Familie Brinnske, eine der typischen "Bornflüsser"-Familien. Mit diesen sollte man es sich auch nicht verscherzen, den die Flüsserrache ist so gefürchtet, dass die Flussschiffer sogar vom Adel und seinen Bütteln unbehelligt bleiben.
Während der Fahrt erfuhren wir von den Schiffern die Geschichte von Mjesko Einhand, einem grauhaarigen Bornländer, dem das Schicksal wiederfahren ist, von welchem ich in einige Jahre verschont werden würde - er wurde wegen Diebstahls mit der rechten Hand an einen Baum genagelt. Und er trennte sich bei vollem Bewusstsein seine Hand vom Arm ab. Seitdem sinnt er auf Rache und unterstützt alles, was Notmark und dem Adel schaden könnte. Er gehört mit seinem Schiff "Rache" zu den Flussdämonen, Piraten, die den Walsach unsicher machen.
Die Felle wurden von uns während der Flussfahrt von den Pilzsudresten besäubert, so dass sie wieder wie frisch abgezogen aussahen.
Für die Strecke von Ask nach Norburg benutzten wir dann ein Fuhrwerk, welches für uns bereit stand. Und in Norburg wurden die Felle dann mit einem satten Gewinn verkauft. Und Olkor hatte sich von seiner Krankheit auch erholt.

Wie es natürlich der Ehrenkodex der Diebesgilde erfordert, werde ich die Details zu dieser Reise niemandem jemals verraten.
Review schreiben