Einmal Chaos - ohne Rückfahrschein...

von leo
GeschichteKrimi / P6
Dr. Florian Gassner Frau Hubrecht Leonard Kraft Nina Metz
03.04.2005
19.04.2005
7
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03.04.2005 1.430
 
Stille in Leos Wohnung - ein mehr oder weniger leises Rumpeln aus Richtung Treppe vermischte sich mit stillem Fluchen Leos. Auf Zehenspitzen in die Küche schleichend versuchte er noch ein paar "Überbleibsel" des letzten Abends aufzuräumen: Halb ausgetrunkene Weingläser und Ninas "Lieblingsrezepte" wie Pizza und Chinesisch, von denen nur noch Pizzakartons und Plastik-Nudelschälchen zeugten, sowie Chipstüten und mehrere leere Wein- und Sektflaschen.
Als Leo es nach einer halben Stunde endlich geschafft hatte die Wohnung in einen bewohnbaren Zustand zu bringen und gerade die letzten Bestellservicezettel zwischen die, wohl noch nie genutzten (und auf Grund dessen auch "leicht" verstaubten), Kochbücher Ninas steckte, viel ihm eines der Bücher ins Auge - es erinnerte ihn an irgendetwas...aber an was?
"Aber natürlich", dachte Leo und musste grinsen, "das hatte Nina in den Müll geschmissen, gleich nachdem sie bei ihm eingezogen war - der klägliche Rest einer gescheiterten Beziehungen (von welchen Nina eine Zeit lang nicht gerade wenig hatte...)." Leo hatte es damals unter heftigem Protest von Nina wieder aus dem Müll geholt, um dort ein paar Bilder von Nina und ihrem damaligen Freund zu finden. Als Leo das Buch jetzt öffnete fiel noch ein einziges Bild heraus, welches Nina zeigte, die dem Ring in der Hand ihres Freundes (und ihrem Blick) nach zu schließen, gerade eine Heiratsantrag  bekommen hatte. Jetzt war Leo ein bisschen erstaunt, allerdings klingelte in diesem Moment sein Handy und er vergaß das Bild.  Er drückte den Anrufer weg, zog seine Jacke an und ging leise nach draußen, schloss die Tür ab und eilte zum Auto. Gerade als er losfahren wollte klingelte das Handy - im Haus! Leo sprintete zur Tür, fluchte bei dem Gedanken an den Krach den der Schlüssel verursachte schlich erneut in die Küche und fand dort schnell das Handy - "Ja", flüsterte er, "was denn?" - obwohl er leise sprach war sein Ton bestimmt und Wacker war erstmal zu verdutzt um die richtigen Worte zu finden - "Ich...also...Sie sollen kommen weil...also...da ist einer tot...Schulz...also der ist natürlich nicht tot...der ist schon am Tatort...also auf dem Weg" - Leo hatte es endlich zum Auto geschafft und grinste auf Grund des offensichtlich leicht verwirrten Kollegen: "Wissen Sie was Wacker", antwortete er - bemüht nicht zu klingen als ob er ihn gerne verarschen würde, "es ist wahrscheinlich deutlich einfacher wenn sie mir sagen wer, wo tot ist als mir zu sagen wer nicht tot und schon auf dem Weg wohin auch immer ist - aber ich lasse ihnen da absolute Entscheidungsfreiheit."
"Haha", kam es trocken von Wacker zurück, "wie witzig sie doch schon am Morgen sind." Er nannte noch den Ort und eine einigermaßen konfuse Wegerläuterung um dann noch etwas herum zu drucksen aus dem Leo in etwa "Frau Hubrecht", "Frau Metz" und "übliche Verdächtige" heraushören konnte. "Wacker jetzt spucken Sie es aus!", Leo unterdrückte erneut ein Grinsen. "Ich - Herr Kraft...also...naja nicht so wichtig..."
Leo wunderte sich zwar noch einen Moment und fuhr dann los in der Hoffnung bald auf jemanden zu treffen, der ihm den Weg so erläutern konnte, dass er noch vor dem nächsten Monatsende ankommen würde. Dieser "Jemand" war schnell gefunden und nahm sich dann auch noch die Zeit zu erklären über welche Felder, Käffer und Kuhweiden  er perfekt um die Autobahn herumgefahren wäre. Leo nahm sich vor, sich das für eventuelle Kommissariatsfeiern auf zu sparen.
Nach 15 Minuten war er am Tatort angelangt und kämpfte sich durch die üblichen Schaulustigenmassen. Schulz war schon bei der Spurensicherung - der Leichenwagen fuhr gerade ab. "Wo haben Sie denn die Frau Metz gelassen?", in seinem Blick und seiner Stimme lagen mehr Bewunderung und Neugierde als Fragendes. Leo sah ihn verwundert an "Zu hause - aber ich wüsste gerade nicht was Sie das angeht", er hat gar nicht so abweisend antworten wollen aber es wunderte ihn schon - schließlich war Nina oft schon anderweitig unterwegs gewesen - unabhängig von ihm. Warum verhielten sich heute alle nur so eigenartig - Wacker Ok. aber jetzt auch noch Schulz?
Als Leo zurück am Auto die Tür öffnete fiel im auf, dass das Handschuhfach leicht geöffnet war - er öffnete es ganz und prompt rutschte ein Brief heraus. In dem Kuvert  befand sich allerdings kein Brief sondern eine Karte, auf die vorne ein Bild von Nina und Leo auf Ninas Einweihungsfeier im letzten Jahr, gedruckt war: "Ich möchte mich", stand da in Ninas Handschrift, "für ein tolles Jahr, mit einem genialen Partner, für einen wunderbaren Freund und all die aufmunternden Worte - für einfach jeden Tag bedanken, den ich mit dir verbracht habe und freue mich auf ein weiteres Jahr voller Höhen und Tiefen." Leo musste grinsen, obwohl ihm gleichzeitig sein Gewissen einen Stich versetzte - er hätte den ersten Jahrestag glatt verpennt - und fragte sich wer Nina bei dem Verfassen der Karte geholfen hatte - das Bild war schief genug um von Nina selbst zu stammen aber der Text: "Das ist nicht mein Mädchen..." er freute sich trotzdem und fuhr mit einem freudigen Gefühl ins Präsidium.
Eben in diesem Moment wachte Nina auf, schlug die Augen auf um sie gleich wieder zuzumachen..."Es blendet, Leo warum hast du nur die Vorhänge aufgemacht" rief Nina vom Bett aus in die leere Wohnung. Keine Antwort - Leo war schließlich schon ins Büro gefahren und wartete auf den Bericht der Spurensicherung.  
Als Nina schließlich im Büro ankam hatte sie schlechte Laune: Sie hatte verschlafen, Leo hatte sie nicht geweckt, keine Karte, keine Nachricht auf dem Handy oder dem Anrufbeantworter, Kaffee war auch keiner mehr da - ein toller Morgen für einen Jahrestag.
Ein "Guten Morgen, Frau Metz!" nahm sie noch war, was ihre Laune allerdings nicht  besserte. "Von wegen "Guten Morgen", was weiß denn die schon!?", dachte sich Nina und unterbrach Leo der mit einem Grinsen auf dem Gesicht zu einem Guten Morgen angesetzt hatte: "Jaja Guten Morgen ich weiß", sagte sie aufgebracht, "sag mal was denkst du dir dabei mich einfach nicht zu wecken, mich so vorzuführen und verschlafen zu lassen? Und -", setzte sie noch dazu, "es gibt keinen Kaffee mehr!" "Hmm", antwortete Leo, der nur schwer ein Lächeln unterdrücken konnte, "kein Kaffee, den du gestern besorgt haben wolltest?"
"Aber", setzte Nina erneut an, "du hättest mich trotzdem wecken können!"
Sie schmollte - aber eigentlich nur (das wusste Leo) um zu vertuschen, dass auch sie gleich grinsen musste.
"Ich wollte euch nicht stören - dich und", hier setzte er eine künstliche Pause ein und grinste, "Flori".
Ninas Lächeln fiel augenblicklich ein: "Herr Dr. Gassner ist bereits um 23 Uhr gegangen."
"Oh", sagte Leo bemüht nicht gleich loszulachen - er kannte Ninas Launen in diesem Zusammenhang zur genüge und wusste, dass sich das alles wieder legen würde, "Herr Dr. Gassner...soso. Weißt du was Nina, ich geh uns mal einen Kaffee holen oder?"
Als er aus dem Zimmer zum Automaten ging, kam ihm Frau Hubrecht entgegen, die mit nicht all zu glücklichem Gesicht auf Nina zuging, die sich gegen den Türrahmen gelehnt hatte.
"Frau Metz? Ich dachte ich hätte mich klar ausgedrückt?", etwas drohendes lag in ihrer Stimme, "Herr Kraft ich hatte erwartet sie würden die Sachlage erfassen und die notwendigen Schritte einleiten? Es scheint als hätte ich mich getäuscht. Frau Metz, Sie sind vom Dienst suspendiert."
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