Tag der Entscheidung

von Ankari
GeschichteAbenteuer / P12
01.04.2005
15.06.2007
5
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TAG DER ENTSCHEIDUNG  
by Ankari






TEIL I   - WENN ES DUNKEL WIRD ........


"Verdammter Transgenetischer Abschaum! Denen werden wir schon noch den Garaus machen!", murmelte Leo Raykins kampflustig vor sich hin, während er eine einsame Straße entlangfuhr.

Er hasste die Transgenos für das, was sie ihm angetan hatten und er würde nicht eher ruhen, bevor sie nicht bis auf den letzten ausgerottet waren. Diese Monster!

Und gerade eben hatte er einen sehr guten Schritt in diese Richtung gemacht: er hatte auf einer Sitzung mit einigen einflussreichen Politikern eine sehr eindringliche Rede gehalten, die so ziemlich jeden Anwesenden zu der Überzeugung gebracht  haben dürfte, dass ein Angriff auf Terminal City die einzig richtige Lösung war.

Während er sich schon ausmalte, wie die Soldaten Terminal City stürmen und jedem einzelnen dieser widerwärtigen Transgenetischen ein blutiges Ende bereiten würden, fing sein Wagen plötzlich an zu knattern und blieb schließlich mit einem Ruck stehen.

Ein Blick auf die Tankuhr, verriet Leo auch gleich den Grund des unfreiwilligen Stopps: Er hatte kein Benzin mehr. Resignierend zog er den Zündschlüssel ab und lehnte sich genervt im Sitz zurück. Leo schloss die Augen und atmete erst mal ein paar Sekunden tief durch; dann stieg er aus dem Wagen und knallte wütend die Fahrertür zu. Am liebsten hätte er noch mit dem Fuß dagegen geschlagen, aber er beherrschte sich.

Und jetzt? Ausgerechnet heute war - wie unglückliche Zufälle eben so zusammentrafen - auch noch sein Handyaku leer. Er hätte natürlich im Wagen warten können, bis jemand vorbeifuhr, der ihn mitnehmen konnte, aber Leo hasste es zu warten und in dieser abgelegenen Gegend konnte es  wenn er Pech hatte bis morgen Früh dauern, bis mal jemand hier vorbeikam. Er schaute auf die Uhr - es war noch nicht ganz  halb Sechs. Wenn er gleich loslaufen würde,  müsste er schätzungsweise spätestens um halb Sieben zur Autobahn kommen und könnte dann per Anhalter zur nächsten Tankstelle weiterfahren. So weit konnte das doch nicht sein! Und alles war besser als stundenlang zu warten. Einen Moment zögerte Leo noch, dann fischte er kurz entschlossen seinen Schlüssel wieder aus der Manteltasche und sperrte den Wagen ab. Was sollte schon passieren?

***********

Über eine Stunde später bereute Leo seine Entscheidung schon wieder. Es war fast stockdunkel und der einzige Grund, warum er überhaupt noch irgendetwas sehen konnte, war der schwache Mondschein und der Strahl der kleinen Taschenlampe, die er zum Glück wenigstens noch mitgenommen hatte.

Leo war ein typischer Büromensch und hatte eine angeborenen Abneigung gegen Sport. Er war es daher alles andere als gewohnt so lange zu laufen und seine Beine fühlten sich schon ganz taub an. Leo hatte zudem nicht gerade das Gefühl ernsthaft der Autobahn näher zu kommen und was das Schlimmste war: Er musste sich eingestehen, dass er keine Ahnung hatte, wo er war. Mittlerweile war es offensichtlich, dass er sich wohl verlaufen hatte. Die Straße war mit der Zeit immer schlechter geworden und tausende Abzweigungen, die beim Hinweg eindeutig nicht dagewesen waren, führten nach allen Seiten .

Erschöpft setzte er sich an den Straßenrand und stützte den Kopf in die Hände. Was zum Teufel nochmal sollte er jetzt tun?!? Er war ein Politiker und kein Pfadfinder!!!

Aus seinem Selbstmitleid herausgerissen hob Leo plötzlich erschrocken den Kopf. Da war doch etwas. Er wagte es nicht sich zu bewegen und horchte statt dessen angestrengt.

Nichts.

Misstrauisch stand er auf und suchte mit seiner Taschenlampe sorgfältig die gesamte Umgebung ab. Es blieb bei dem Ergebnis:

Absolut nichts.

Leo atmete erleichtert auf. Wahrscheinlich  hatte er nur das Rauschen des Windes gehört oder es war einfach irgendein Tier oder ein knackender Ast gewesen. Schließlich war auf beiden Seiten der Straße ein Wald.

Er entspannte sich wieder.

Doch dann plötzlich war das Geräusch wieder da. Und dieses Mal wiederholte es sich im Abstand einiger Sekunden. Es hörte sich an wie vorsichtige Schritte - als würde sich jemand anschleichen. Bei diesem Gedanken lief es Leo eiskalt den Buckel herunter. Er versuchte deshalb ihn so schnell wie möglich zu verdrängen und statt dessen zu lokalisieren aus welcher Richtung die Geräusche kamen. Ersteres wollte ihm jedoch einfach nicht gelingen. Dafür stellte Leo nach einigen Minuten fest, dass das Geräusch wohl aus dem Wald hinter ihm kommen musste und machte einen hastigen Schritt von diesem weg.

Er lauschte, aber jetzt war nichts mehr zu hören. Zögerlich leuchtete er ein zweites Mal den Wald ab. Die kahlen Bäume auf die der schwache Lichtstrahl fiel wirkten irgendwie gespenstisch. Leo konnte nicht sagen warum, aber sie wirkten .......unecht.

Er schluckte hart.

Unsinn! Seine Fantasie fing schon an ihn zum Narren zu halten! Das war doch lächerlich. Er war ein erwachsener Mann, kein ängstliches Kind, das sich im Dunkeln fürchtete!!!

Hallo? Ist da jemand?  seine Stimme klang rauh und hallte in der Stille unheimlich nach.

Aber er bekam keine Antwort. Auch die Schritte waren nicht mehr zu hören. Doch die Stille war fast schlimmer als diese unheimlichen Geräusche.

Leo spürte wie sein eigenes Herz schmerzhaft gegen seine Rippen schlug. Er wusste, dass er sich wie ein Kind verhielt, das pfeifend in den Keller geht, doch dieses Wissen half ihm nicht die Furcht zu verdrängen, die sich mehr und mehr in ihm breitmachte. Die Taschenlampe hatte er ausgeschaltet und stand nun regungslos da und beobachtete den Wald. Doch es dauerte nur wenige Sekunden bis der Horror weiterging.

Es begann mit einem leisen  - unter normalen Umständen kaum hörbaren - Knacken. Dann ertönten plötzlich wieder Schritte, dieses Mal aber aus einer etwas anderen Richtung.

Und dann Stille. Vor Leos innerem Auge erschien absurderweise das Bild eines lauernden Raubtiers, das seine Beute beobachtet.

Dann noch ein Knacken und plötzlich ohne irgendeine Vorwarnung hörte er einen dumpfen Laut, als wäre irgendetwas mit ziemlicher Wucht getroffen worden. Und kurz darauf drang ein lautes Geräusch und das Knacken mehrere Äste aus dem Wald. Es klang als wäre etwas ziemlich Schweres auf dem Waldboden aufgeschlagen.

Dann raschelte Laub.

Noch ein vereinzeltes leises Rascheln und lange Zeit Stille.

Leo wagte es nicht  die Taschenlampe wieder einzuschalten. Statt dessen ging er vorsichtig und möglichst lautlos auf die andere Straßenseite um sich im Schatten der Bäume wenigstens etwas zu verstecken.

Plötzlich hielt Leo mitten im Schritt inne. Er fühlte sich beobachtet. Es war nur ein Gefühl, aber es war zu intensiv um es einfach zu ignorieren. Unsichtbare Augen schienen ihn aus dem Wald heraus anzustarren. Leo hatte das Gefühl als würde ihm das Blut in den Adern gefrieren. Er war sich mittlerweile sicher, dass irgendjemand in dem Wald da drüben war und dieser jemand oder - Leo schauderte bei dem Gedanken - dieses Etwas hatte ganz sicher keine guten Absichten!!! Ansonsten hätte er sich längst gezeigt.

Nur ein Straßenräuber. Du gibst ihm einfach widerstandslos alles, das du bei dir hast und er verschwindet wieder. versuchte sein Verstand ein letztes Mal ihn zu beruhigen. Doch sein Herz schlug unberirrt weiter, wie das eines Marathonläufers.

Er hörte ein Geräusch, als würde jemand einen Reißverschluss öffnen und gleich darauf ein Rascheln, das nun eindeutig nicht mehr so klang als wäre es natürlichen Ursprunges. Dann ein Klicken. Noch bevor Leo bewusst wurde, was dieses Klicken bedeutete hörte er einen dumpfen Schlag und dann noch einen und ein Geräusch, als würde irgendetwas mit ziemlicher Wucht gegen einen Baum krachen.

Was folgte waren eindeutig Kampfgeräusche.

Was war hier nur los?

Leo dachte nicht länger nach, sondern rannte los, so schnell er konnte. Immer die Straße entlang. Plötzlich trat ein Schatten etwa 20 Meter vor ihm aus dem Wald heraus. Leo blieb wie erstarrt stehen und starrte die Gestalt an, von der er in dem schwachen Mondlicht nur die Umrisse erkennen konnte.
Er hielt den Atem an.
Obwohl nichts genaueres erkennen konnte, wusste Leo mit Sicherheit, dass vor ihm kein Mensch stand.  

In diesem Moment erklang aus demWald auf der anderen Straßenseite ein Schuss, dicht gefolgt von einem Schrei. Und Leo sah sich erschrocken um, konnte jedoch nichts erkennen. Es herrschte auch wieder vollkommene Stille. Als Leo nur eine Sekunde später wieder zu der Gestalt vor ihm zurückblickte, war sie spurlos verschwunden.

Er erinnerte sich an die Schlagzeile in der Tageszeitung Spaziergänger spurlos verschwunden - Entführen die Freaks jetzt Menschen? und er fühlte wie sich die feinen Haare in seinem Nacken aufstellten. Leo spürte wie die Panik in ihm hochkam.

Er musste so schnell wie möglich hier weg, oder sich irgendwo verstecken. Aber wo? Im Wald vielleicht?  Doch da war dieses Vieh vermutlich verschwunden! Auf der Straße konnte man ihn von alle Weitem erkennen und er bot ein gutes Ziel für jeden im Wald versteckten Schützen.

Ein weiterer Schuss und erneute Kampfgeräusche unterbrachen Leos panische Überlegungen. Dieses Mal klangen sie irgendwie, als wären sie näher bei ihm.

Leos Herz schlug schneller. Er musste schnellstens abhauen, egal wohin!

Ohne weiter darüber nachzudenken rannte er in den Wald. Kurz darauf umgab ihn vollkommene Dunkelheit.

Leo rannte einfach weiter durch den Wald. Er brach rücksichtslos durch das Unterholz, die Arme vors Gesicht gehoben, um dies wenigsten notdürftig zu schützen. Peitschende Äste zerschrammte ihm die Arme und zerfetzten den teuren Designeranzug.

Doch in diesem Moment war ihm das alles völlig egal. In seinem Kopf war nur noch ein Gedanke:
Renn um dein Leben!!!

Da er im Dunkeln nicht sehen konnte stolperte Leo alle paar Meter über irgendeine Wurzel oder weiß Gott was und fiel hin. Aber er sprang immer sofort wieder auf. Von weitem waren noch immer entfernte Kampfgeräusche und zwischen durch auch Schüsse zu hören.

Sein eigener Atem erschien ihm unnatürlich laut und sein Herzschlag erfüllte seinen ganzen Körper, wie der Beat auf einem Rockkonzert. Seine Seiten brannten und er bekam kaum noch Luft. Lange würde er das nicht mehr durchhalten, aber  Leo hatte das sichere Gefühl, das ihm Irgendjemand oder Irgendetwas folgte.

Vielleicht waren die eiligen Schritte hinter ihm ja auch nur ein Produkt seiner überspannten Fantasie, doch Leo blieb nicht stehen um es herauszufinden.  


Fortsetzung folgt
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