Das Twin Projekt

von la Ella
GeschichteAllgemein / P12
Jarod Mr. Lyle Ms. Parker
28.03.2005
28.03.2005
1
8.300
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
28.03.2005 8.300
 
Das Twin Projekt




By Ella

mail-to-ella@web.de

Disclaimer: (C) liegt bei MTM Entertainment, TNT und NBC, als auch den Pretender Productions. Nicht bei MIR! =)




>>
Jemand spielte Klavier als Jarod den Knopf drückte um bei der Familie Burton zu
klingeln. Zwei Sekunden später verstummte die Musik und eilige Schritte hasteten
in Richtung Tür. Eine Frau mittleren Alters lugte vorsichtig durch den Türspalt bevor
sie die Tür vollständig aufschwang. Jarod blickte in müde, vom vielen Weinen
gerötete Augen und wies sich schnell aus.
"Miss Burton? Officer Logan."
Die Frau nickte.
"Kommen sie herein."






Miss Parker stürmte in ihr Büro und ließ sich auf der Couch nieder. Sie konnte nicht glauben wie sie bei der Aufgabe Jarod zurück ins Center zu
bringen immer und immer wieder versagte. Ihr Vater war sehr enttäuscht von ihr, das
wusste sie. Herrgott, was erwartete er eigentlich von ihr? Er war das Genie, der
Wunderjunge, der für internationale Organisationen, Projekte und wer weiß was
noch Probleme lösen sollte für die deren ausgebildeten Angestellten zu dumm
waren... Nicht das sie ihn für cleverer als sich selbst hielt, aber er war durch seine
langjährige, durchaus hochwertige Ausbildung, die er in dieser Anstalt ausnahmslos
alle Tage seines Lebens genießen durfte, deutlich im Vorteil.

Zur Hölle mit ihnen allen.

Broots lugte schüchtern durch die Tür und räusperte sich, um so unauffällig wie
möglich ihre Aufmerksam zu erbeten.
"Was ist denn?" murrte sie ohne die Augen zu öffnen oder sonst eine Regung zu
zeigen, die ihr Interesse an dem was Broots ihr zu erzählen hatte, signalisiert hätte.
"Wir, ah, haben eine neue Spur Jarod betreffend."
"Aha."

"Er hat ihnen von einem Internet- Café aus Perks in Iowa eine Nachricht zukommen
lassen."

"Hat er das."

"Umm... ja."

Miss Parker öffnete schließlich die Augen und fixierte Broots mit einem Blick der ihn
auf einer Gala von 1 bis 10 betrachtet mit einer Intensität von circa... 10 ganz schwer
Schlucken ließ.

"Broots, es erstaunt mich immer wieder wie eloquent sie sein können wenn sie
sich nur Mühe geben."

Sie stand auf und folgte Broots zu einem der Rechner an denen er gerade gearbeitet hatte.

"Los ich will die Nachricht sehen."

"Es ist eine Video-Mail Miss Parker. Allerdings muss sie noch decodiert werden,
damit wollte ich warten bis sie dabei sind."

Miss Parker rollte genervt mit den Augen. "Jarod und ich sollten uns Walkie- Talkies
zulegen, das würde mir eine Menge Vereinfachung verschaffen, ihnen Arbeit
ersparen und Jarod hätte ein neues aufregendes Spielzeug."

"Äh, sicher Miss Parker..."
Broot's Finger flogen in einem atemberaubenden Tempo über die Tastatur des Computers vor dem Ms.Parker sich mit verschränkten Armen postiert hatte.

"Da haben wir es." Broots drückte "Enter" und wich eine Schritt zurück
um Ms.Parker eine bessere Sicht auf den Monitor zu verschaffen.

Jarod erschien, und überrascht stellte Ms.Parker fest dass er eine Waffe trug und ein
Ausweis an seiner Brusttasche klemmte welcher ihn als einen gewissen James
Logan auswies, Officer in Perks, der Stadt von der Broots bereits herausgefunden
hatte, das Jarod die Nachricht von dort abgesandt hatte.

"Guten Tag Miss Parker, ich habe interessante Entdeckungen in den Tiefen des
Center- Sees ausfindig machen können von denen ich denke sie würden mächtig
stinken wenn sie sie an Land holen würden."

Ms.Parker rollte genervt die Augen. Immer dieser Hang zur Dramatik! Alles könnte
viel schneller gehen wenn Jarod einmal in seinem Leben zum Punkt kommen würde.
"Hören Sie zu." Jarod wurde plötzlich sehr ernst. Ms.Parker runzelte die Stirn.
"Diesmal fürchte ich betrifft die Angelegenheit direkt Sie. Sehen Sie sich vor Lyle und
Mr. Raines vor und werfen sie mal einen Blick in Video- Aufzeichnungen vom 3.
August von vor drei Jahren. Behalten Sie Ihren Twin im Auge, Parker. Und eins noch, wird die Gefahr zu groß, vertrauen Sie der Polizei ihrem Freund und Helfer, sie wird Ihnen immer helfen. Sie wissen wo Sie sie finden können..."

Dann verschwand Jarod und der Bildschirm wurde schwarz. In Ms. Parkers Kopf
arbeitete es. Nun... Lyle war nicht gerade ein Unschuldsengel, aber das für sie
ernsthafte Gefahr von ihm ausging war ihr neu. Sie musste sich auf jeden Fall die
von Jarod erwähnten Videos ansehen.

"Broots. Besorgen sie mir diese Videos von denen das Wunderkind meinte dass ich
mich für sie interessieren könnte."

"Mach ich." Broots wechselte unschlüssig von einem Bein aufs andere.

"Schnell, Broots."

"Oh ja... natürlich."

Während Broots davoneilte setzte Ms. Parker sich an den PC und ließ das Video
noch einmal abspielen. "Twin"... was hatte Jarod damit gemeint?
Ms.Parker löschte das Video und ließ alle Spuren, die darauf zurückführten,
verschwinden. Müde erhob sie sich und ging langsam zurück in ihr Büro.







Jarod konnte nicht glauben was er sah, als er die Tür der Lagerhalle öffnete. Der
Dreckskerl hatten den 6jährigen Davie tatsächlich gefesselt, geknebelt und wie
Jarod mit einem leichten Gefühl von Ekel fest stellen musste, auch nicht auf Toilette
gehen lassen. Er wandte sich an seine Kollegen die den überwältigten Kidnapper
bereits an Handschellen hinter sich herzogen. Nach dem kleinen Psychospiel das
die Beamten mit ihm gespielt hatten war er nur noch ein kleiner wimmernder Wurm
in einem zu kleinen Armani-Anzug.

Nachdem Jarod den Zustand des Jungen als unbedenklich eingestuft hatte, fuhr er
mit ihm zu dessen Zuhause. Er wusste seine Eltern warteten bereits eine halbe
Stunde auf ihre Rückkehr, und er wollte sie nicht noch mehr beunruhigen.

Noch bevor er Davie abgeschnallt und aus dem Auto gehoben hatte, war dessen
Mutter nach draussen gestürmt und lief mit ausgebreiteten Armen auf ihren Sohn zu.
Dieser lächelte müde aber glücklich.

"Mummy..." er legte seinen Kopf auf ihre Schulter und schloss die Augen. Erschöpft
wie er war, schlief er fast augenblicklich ein und Jarod und Mrs. Burton gingen
langsam ins Haus wo Mr. Burton schon mit Decken und Tee wartete.
Jarod war während der circa anderthalb- wöchigen Zusammenarbeit mit ihnen ein
Freund der Familie geworden und setzte sich auf die Couch in der Mitte des
Raumes.

"Was werden Sie jetzt tun?" Jarod nahm mit einem dankbaren Kopfnicken dass ihm
angebotene Glas Tee entgegen.

"Ich denke wir haben uns eine Auszeit verdient." Mr. Burton strich sanft über den
Kopf seines schlafenden Sohnes.

"Davie, Mary und wir werden für ein Jahr in unser Sommerhaus in Florida ziehen.
Mary kann dort auf die Highschool gehen, sie war bereits vor einem halben Jahr für
3 Monate dort bei ihrer Großmutter. Und Davie lassen wir sowieso erst in einem Jahr
einschulen. Ich denke uns wird ein wenig Abstand vom Job und der ganzen
Umgebung gut tun."

Jarod nickte. "Ich denke das ist eine großartige Idee. Nehmen sie sich Zeit für ihre
Familie, es gibt nichts schöneres."

Mrs.Burton lächelte ihn dankbar an. "Mr. Logan wir möchten Ihnen danken für Ihre
Hilfe. Wir wissen nicht was wir ohne Sie getan hätten. Wenn sie... eventuell auch ein
paar freie Tage für sich und ihre Familie brauchen, steht ihnen dieses Haus für das
ganze nächste Jahr jederzeit zur Verfügung. Sie wissen ja wo der Ersatzschlüssel
liegt."

"Ich werde darauf zurückkommen."

Jarod lachte und verabschiedete sich. Was für ein guter Tag!







Miss Parker war zutiefst frustriert. Die letzten 2 Stunden hatte sie damit zugebracht
Videos vom 3. August vor 3 Jahren anzuschauen, aber ausser der Tatsache das Mr.
Raines seinen Tee am liebsten schwarz trank und das es an diesem Tag so heiß
war das Broots sich im Anflug eines Hitzschlags sein Mineralwasser über den Kopf
gegossen hatte, wurde sie aus nichts von diesem Material um irgendwas schlauer.

Genervt schaltete sie ihren Computer aus und rief Broots an, mit dem Order er solle
seine Hintern sofort zu ihr bewegen.

"Broots, ich habe in diesen Videos, mit deren Beschäftigung ich mir mit Sicherheit
den ganzen Nachmittag versaut habe, nicht einen winzigen Hinweis auf irgendetwas
verdächtiges gefunden. Langsam gehen mir Jarods Scherze auf den Geist."

"Miss Parker, ich habe mir gerade vorhin etwas überlegt", sagte Broots eifrig und
wedelte mit seinen Händen.

"Wenn wir bei den Videos unter diesem Datum nichts finden, dann wollte Jarod uns
eventuell mit dem Datum einen Zahlencode übermitteln. 3. August vor 3 Jahren... -
3-8-1997!"

"Sicher, eine Akte... und ich denke ich weiß auch schon wie sie heißt. Broots warum
in Gottes Namen sagen Sie mir das jetzt? Im Hauptrechner nach "Twin" suchen und
Akte mit dem dazugehörigen Video Nummer 381997 herbringen, los doch!"







Miss Parker war gespannt was sie erwartete als sie die 1.234.543. CD an diesem Tag in ihr Laufwerk schob. Sie hoffte es würde die letzte für heute sein.

Die Akte die Broots tatsächlich unter dem Namen "Twin" gefunden hatte enthielt im
Grunde nicht weiter als dieses Video und Kopien ihrer und Lyles persönlicher Akten.
Als das Video begann konnte sie sehen das es von der Überwachungskamera in
Raine's Büro aufgenommen worden war.
Ihr Vater schien gerade hereingekommen zu sein.

"Das Projekt ist von äusserst dringender Notwendigkeit, das wissen Sie, Mr. Parker."

"Ich weiß. Aber ich kann Ihnen nicht erlauben meine Tochter für ihre Zwecke derartig
zu missbrauchen. Wir lassen das Kind von einer Leihmutter austragen."

"Und wie bitte wollen Sie das tun, ohne das Ms. Parker etwas davon mitbekommt?
Im übrigen erfordert das Projekt das Ms.Parker ihr Kind persönlich großzieht."

Ms. Parker saß kerzengerade vor dem Monitor. Ihr Kind? Was bitte hatte "ihr Kind"
zu bedeuten?


"Im übrigen werde ich das Projekt ohnehin erstmal auf Eis legen müssen, oder wie
soll ich bitte eine Spermaprobe von Lyle bekommen wenn er nirgends aufzutreiben
ist?" Raines schnaufte ärgerlich.

"Ich bin dafür das Projekt einzustellen und das wissen Sie, Raines."

Raines beugte sich mit zu Schlitzen verengten Augen vor und zischte: "Bitte, dann
reisen sie aber auch persönlich nach Afrika und überbringen die Hiobsbotschaft,
Parker, ich habe dazu nämlich keine Lust."
Er verließ, seine quietschende Sauerstoffflasche hinter sich her ziehend, den Raum.
Das musste sie sich gleich noch einmal ansehen! Doch sie wurde von ihrem Telefon unterbrochen.

"Was ist?"

"Hi Miss Parker."

"Jarod!"

"Sie haben meinen kleinen Hinweis entschlüsseln können?"

"Broots. Wirklich sehr unterhaltsam was Sie mir dort hinterlegt haben. Wo haben Sie
das her in Gottes..."

"Das ist nicht alles was ich Ihnen darüber sagen kann. Es existiert ein weiteres
Video, aufgenommen 3 Tage nachdem Lyle wieder bei Ihnen eingezogen ist."

"Und das sagt uns...?"

"Das Raines durchaus noch vorhat sein Projekt ins Rollen zu bringen. Natürlich kann
er jetzt, da Lyle ein Mitarbeiter des Centers ist, nicht so einfach eine Spermaprobe
von ihm bekommen, aber er ist durchaus nicht abgeneigt es über andere Wege zu
versuchen, wenn ich ihn mal rezitieren darf."

"Und welche Wege wäre das?"

"Miss Parker ich weiß es nicht, aber ich will, dass Sie sich vorsehen. Was auch
immer Sie tun, seien Sie auf der Hut. Ach und Miss Parker- wenn Sie Hilfe
benötigen, Sie wissen wo Sie mich finden."

Das Piepen am anderen Ende der Leitung beendete abrupt die Unterhaltung obwohl
sie brennend interessiert gewesen wäre wie er das alles herausbekommen hatte.
Auf jeden Fall wusste sie jetzt vor wem sie sich in Acht nehmen musste und wem sie
lieber aus dem Weg ging.

Ihr Kopf dröhnte, obwohl es erst Nachmittag war und sie hatte noch eine Menge
Papierkram zu erledigen. Sie ging los um sich ein paar Akten aus dem Archiv zu
holen als Mr. Lyle ihren Weg kreuzte.
"Können wir uns einen Moment in meinem Büro unterhalten?"







Ms. Parker war innerlich total aufgewühlt als Lyle die Tür hinter sich zuzog, ließ sich
aber in keinster Weise irgendeine Unsicherheit anmerken.
"Aufregende Neuigkeiten Jarod betreffend, Parker?"

"Nicht das ich wüsste."

"Nun..." Lyle ging um seinen Schreibtisch und kam mit einem Zettel in der Hand
zurück welchen er ihr vor die Nase hielt.

Miss Parker atmete auf. Wenigstens hatte er keine Ahnung von dem Projekt,
sondern wollte mit ihr einfach nur über ihre unkooperative Art was Jarod anging,
sprechen.

"Dann habe ich interessante Neuigkeiten für Sie. Ein Anruf von Jarod aus Perks. Von
der örtlichen Polizeistation. Von heute morgen. Na ja das kann man bei dem
ganzen Stress und dem Wirbel um Jarod schon mal vergessen."

"Sie konnten den zurückverfolgen?" Miss Parker entschied sich die Beleidigte zu
spielen. Mit Erfolg. "Und das sagen Sie mir jetzt erst?"

Sie mochte den Gedanken zwar nicht ihre Recherche über "Twin" unterbrechen zu müssen, aber um unauffällig zu bleiben blieb ihr wohl keine andere Wahl als den Blut riechenden Spürhund zu
mimen. Sie mochte aber auch den Gedanken nicht Jarod so rücklings zu überfallen, wo er
ihr im Vertrauen seinen Aufenthaltsort mitgeteilt hatte um ihr seine Hilfe anzubieten.
Und die würde sie noch brauchen wenn sie weiterkommen wollte, das wusste sie. Er
hatte weitaus besseren Zugriff auf einige Dinge die ihr noch nützlich sein konnten.

"Rufen sie den Helikopter an. Sie wissen wo wir hinfliegen... Ach wo ist eigentlich
Sydney wenn man ihn braucht?"

"Hat zu tun..." murmelte Ms. Parker abwesend als Lyle ohne eine Antwort
abzuwarten den Raum verließ.

"Verdammt!", Jarods Unterstützung dürfte mit dieser Aktion wohl gelaufen sein,
dachte sie und machte sich missmutig für den Abflug bereit.







Miss Parker saß auf dem Beifahrersitz des schwarzen Mietwagens und fasste ein
Gebäude einige Häuser weiter die Straße runter ins Auge.

"Da vorne!" Sie deutete mit dem Finger darauf. "Das sieht aus wie eine
Polizeiwache."

"Sehr gute Arbeit, Sis!"

Ms. Parker rollte mit den Augen. "Danke sehr." Lyle war während der ganzen Reise
komisch gewesen. So ruhig und gelassen und nett, ja fast schon zuvorkommend
hätte sie gesagt, würde sie ihn nicht besser kennen.

Sie gingen nebeneinander auf die Tür der schäbigen kleinen Bude zu und
entdeckten im noch viel schäbigeren Inneren der Wache einen Schreibtisch hinter
dem eine ca. 50jährige Frau auf einer Tastatur umher hämmerte und alle 2
Sekunden ihre Brille höher schob. Das war wohl so etwas wie die Rezeption hier.

"Entschuldigen Sie, ist Ihnen dieser Mann hier bekannt?" Lyle hielt ein Foto von
Jarod hoch.

"Das ist Officer Logan, der neue aus New York. Netter Kerl, hat schon ne Menge für
unsere kleine Stadt getan. Was wollen Sie von ihm?"

"Könnten Sie uns bitte zu ihm bringen? Wir möchten mit ihm über eine Suchanzeige
reden die er vor Jahren mal in unserer Agentur abgegeben hatte."

"Ich kann Ihnen sein Büro zeigen."

"Also das wäre so was von nett, Ma'm."

Die alte Dame lächelte ihn an und begann auf die Treppe zu zusteuern. Sie gingen
eine Flur entlang und hielten schließlich vor einer Tür. Energisch klopfte sie daran.
Keine Regung.
Sie öffnete die Tür einen Spalt breit und lugte in den Raum.

"Niemand drin."

"Würde es Ihnen etwas ausmachen wenn wir hier auf Mr. Logan warten? Er kommt
doch sicher gleich wieder."

Die Frau begutachtete die zwei eindringlich, dann nickte sie kurz. "In Ordnung. Aber
keine Dummheiten! Unsere Überwachungskameras sehen alles, junger Mann!"

Lyle lachte charmant. "Würde es Ihnen etwas ausmachen mir den Weg zu den
Toiletten zu beschreiben?"

"Kein Problem. Kommen Sie, kommen Sie."

Lyle drehte sich zu Ms. Parker um. "Bleiben Sie solange hier, ich bin gleich wieder
da."







Nach wenigen Minuten kam Lyle zurück. Er zog die Tür hinter sich zu und Ms.
Parker sah einen eigenartigen Wahn in seinen Augen. Sie fühlte sich von dieser
Geste sofort bedroht.
Warum starrte er sie so an? Langsam ging er auf sie zu.

"Was soll das werden?"

Lyle lachte auf eine angsteinflößende Art und zog sein Jackett aus. "Es wird auf
jeden Fall lustig werden."

"Kommen Sie mir einen Schritt zu nahe, Lyle, und Sie dürfen Ihren Hausarzt mit
etwas weitaus unansehnlicherem beglücken als nur mit einen fehlenden Daumen!"

Lyle lachte noch einmal humorlos.
"Alles zu seiner Zeit, nicht wahr."

Miss Parker's Kopf arbeitete auf Hochtouren. Was hatte das zu bedeuten? Die Art
und Weise wie Lyle sie ansah ließ Übelkeit in ihr hochsteigen. Plötzlich tief
beunruhigt suchte sie hinter dem im Raum befindlichen Schreibtisch Zuflucht und
griff sich ans Holster um ihre Waffe zu ziehen.

"Oops, Schwesterlein, wo hast du nur deine Waffe gelassen?" Lyle zog die 9mm die
sie als ihre erkannte aus seinem Hosenbund und zielte damit auf ihren Kopf.

Wie hatte er die denn bekommen?

"Was wollen Sie von mir, Sie Schwachkopf? Meinen Sie die Überwachungskameras
die überall in diesem stinkenden Rattenloch installiert sind werden von blinden, von der Evolution vergessenen Menschenaffen bedient?"

"Nein, es reicht das sie unterbezahlt sind... Das Überleben der Reicheren, wenn Sie
verstehen was ich meine...?"

"Ich muss träumen...." Parker starrte Lyle entgeistert in die Augen.

"Was wollen Sie von mir Lyle?"

"Ich will nichts von Ihnen. Ich werde Ihnen einen Gefallen tun."

"Ja, bitte jagen Sie mir eine Kugel in den Kopf, ich wäre Ihnen auf ewig dankbar."

"Nein ich dachte da eher an etwas, dass Ihnen zeigt, wie tief die Geschwisterliebe
gehen kann."

"Was wissen Sie schon von der Liebe, sie kranker kleiner Mann. Ein paar
dunkelhaarige Mädchen umzulegen, ist es das was sie Liebe nennen?"

Lyle's Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. Verärgert zischte er: "Das war
aber gar nicht nett, Miss Parker. Keine Angst, bei Ihnen wird es alles ganz anders
Sie sind viel hübscher als die anderen."

Damit schloss er den Abstand zwischen ihnen und griff nach ihrer Jacke.

"Hände weg!" Miss Parker schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht, wovon
dieser sich jedoch keineswegs beirren ließ. Er zerrte nun mit beiden Händen an ihr
und versuchte sie von ihrer Kleidung zu befreien. Miss Parker wand und schlug wild
um sich, bis es Lyle zu viel wurde. Er schlug ihr den Lauf ihrer eigenen Pistole gegen
die Schläfe und Miss Parker sank zu Boden. Noch bevor sie den Linoleumbelag
erreicht hatte, saß Lyle auf ihr und presste einen wütenden Kuss auf ihren Mund.
Miss Parker, zwar leicht schwindlig aber keineswegs ausser Gefecht, schrie kurz auf
als sie merkte wie Lyle sie ihres Pullovers entledigte indem er ihn einfach zeriss und
dabei mit seinem Lederhandschuh einige unschöne Schrammen auf ihrer weichen
Haut hinterließ. Wütende Tränen stiegen in ihren Augen hoch.

"Geh runter von mir, du Bastard!"

Lyle verpasste ihr einen Fausthieb ins Gesicht. "Nenn mich nicht Bastard, du
Schlampe!"

Genau in diesem Moment betrat Jarod das Zimmer. Der Schock Miss Parker und Mr.
Lyle in seinem Büro zu finden ließ ihn stocksteif in der Tür stehen bleiben.
Sie hatten ihn noch nicht gesehen, doch Jarod wusste binnen einer Sekunde was hier vor sich ging.
Da Lyle mit dem Rücken zu ihm auf Miss Parker hockte hatte Jarod leichtes Spiel. Getrieben
von Wut und Angst um Miss Parker ging er auf ihn los kickte ihn von ihr herunter.

"Miss Parker, hier her!" befahl er und streckte ihr die Hand entgegen. Als sie sie
ergriff zog er sie blitzschnell hoch und hinter sich um sie aus Lyles Angriffsfeld zu
befördern. Nach ein paar wenigen Kampfsekunden mehr war Lyle bewusstlos eine
Wand hinunter gesunken.

Jarod drehte sich um und sah Miss Parker völlig verstört, zitternd und noch immer
halb ausgezogen hinter ihm stehend. Schnell ging er zu ihr, schloss sie in seine
Arme und legte seine Jacke über ihren geschundenen Rücken. Lyle hatte sie
wirklich ganz schön zugerichtet.

"Shh... es ist jetzt vorbei, er kann Ihnen nicht mehr wehtun, ich bin da, es ist alles in
Ordnung..."

Er fühlte wie Miss Parker sich anfangs versteifte, doch dann immer mehr in seine
Umarmung sank und schließlich, zögernd, schluchzend ihre Arme um
seinen Körper schlang und gegen ihn sank.
Sanft strich er über ihr Haar und ihren Rücken.

"Ich kann nicht glauben das er das getan hat, Parker. Hat er... ich meine gab es
vorher schon Anzeichen..."

Parker zog sich aus seiner Umarmung und fuhr sich durch die Haare um die
Fassung wiederzuerlangen.

"Lassen Sie uns das nicht jetzt ausdiskutieren, Jarod."

"Miss Parker, was..."

"Wir haben jetzt keine Zeit darüber zu reden, ok. Lassen Sie uns hier verschwinden."

Sie griff nach ihrem Blazer der noch immer auf dem Boden lag und zog ihn fest um
sich. Dann ging sie zügig aus dem Raum und dem Gebäude- wo war eigentlich die
Frau von der Rezeption?- und sah sich auf dem Parkplatz um.

"Haben Sie ein Auto hier irgendwo geparkt? Wir sind nur mit einem Mietwagen hier,
die Schlüssel hat Lyle..."

Jarod ging an ihr vorbei und strebte auf seinen schwarzen Firmenwagen zu.

"Steigen Sie ein."

"Wohin fahren wir?"

Jarod bog nach einer längeren Fahrt in der Stadt auf den Highway und gab Gas.

"Wo es sicher ist."








"Ich wusste nicht, dass Sie ein Haus besitzen." Miss Parkers Blick schweifte über
den einladenden Garten über eine kleine Terrasse zu dem großen Familienhaus vor
dem Jarod angehalten hatte.

"Es ist nicht mein Haus." Jarod nahm einen Ersatzschlüssel aus einem Versteck im
Blumenbeet vor der Veranda und entriegelte die Tür. "Sagen wir das Eigentum von
guten Freunden. Bitte..."

Er bat Miss Parker herein und schloss die Tür hinter ihnen zu. Sie sah sich um. Eine
Treppe schien in ein zweites Stockwerk zu führen und ein paar Stufen direkt vor ihr
führten in eine Art großes Wohnzimmer in dem eine Sitzgarnitur, eine Klavier und
eine Bar standen.

"Ich brauche einen Drink..." Miss Parker ging schnellen Schrittes auf die Bar zu und
goß sich ein gutes Glas Scotch ein. Sie nahm einen langen Schluck. "Herrlich."

"Jarod?" Sie drehte sich um, nur um den Platzt verlassen zu finden an dem er
gerade noch gestanden hatte.

"Jarod?" Sie begann durch das untere Stockwerk zu laufen, schaute in jeden Raum,
doch er war nirgends zu finden. Wo war er? Hatte er sie etwas nur hier abgesetzt
und war wieder gegangen? Es hätte zu ihm gepasst.

Etwas beunruhigt begann sie lauter nach ihm zu rufen und rannte die Treppe hinauf.

"Jarod?!" sie bog um die Ecke in einen Raum und wäre beinahe mit ihm
zusammengestoßen.

"Woha, langsam Miss Parker!" lächelte er. Diese lächelt gezwungen zurück und
räusperte sich.

"Ich wollte nur fragen wo das Bad ist?"

Jarod machte eine Handbewegung in den Raum hinein vor dessen Tür sie standen.

"Sie stehen schon fast drin. Ich wollte Ihnen gerade diese Handtücher und ein wenig
Kleidung von hier oben bringen. Unten neben der Küche ist auch noch ein Bad.
Kommen Sie mit ich zeige Ihnen wo Sie schlafen können."

Damit drehte er sich um und ging die Treppe wieder herunter. Er führte sie in einen
Raum neben dem Wohnzimmer von welchem man annehmen hätte können das es
ein Kinderzimmer war. Nun, ein Kinderzimmer eines Jugendlichen wenn sie genauer
hinsah. Ein Poster von Madonna am Kleiderschrank hätte wohl ein Kleinkind
weniger interessiert als eine junge Heranwachsende. Ausser diesem Schrank und
einem Bett besaß das Zimmer kein weiteres Inventar.

"Jarod wer wohnte hier? Und warum lag immer noch ein Ersatzschlüssel unter dem
Fußabtreter?"

"Freunde von mir, hatte ich Ihnen doch schon gesagt. Sie sind weggezogen, vor
einigen Monaten. Den Schlüssel haben sie wohl hier vergessen."

Miss Parker seufzte innerlich und gab es auf. Klar. Was Jarod nicht preisgeben
wollte, das würde sie nicht aus ihm herausbekommen, diese Lektion hatte sie schon
mit 11 Jahren gelernt.

Jarod strich über die Bettwäsche die er soeben aufgezogen hatte und drapierte das
Kopfkissen am Ende des Bettes zu einem Kegel. Ms. Parker musste schmunzeln.
Als Zimmerservice schien er auch schon einmal gearbeitet zu haben. "Brauchen Sie
noch irgendwas?"

"Eine eigene kleine Minibar wäre schön." Sie lächelte ihn unschuldig an.

Jarod lächelte nur ahnungsvoll zurück und verließ den Raum. "In der Küche sind ein
paar Nahrungmittelkonserven, denke ich. Wärmen Sie sich etwas auf wenn Sie
hungrig sind. Ich schlafe oben, falls Sie mich suchen."

Jarod hatte sich schon wieder umgedreht als sie ihm hinterher rief: "Danke Jarod!"

Er drehte sich lächelnd zu ihr um. " Es gibt nichts wofür Sie mir danken müssten." Er
sah sie einen Moment länger als nötig an. "Sind Sie ansonsten ok?" fragte er leise.

"Sicher."

Als Jarod gegangen war ließ sich Miss Parker schwer auf ihr Bett fallen. Die frisch
bezogenen Decken und Kissen bauschten sich an zu ihren Seiten auf. Sie atmete tief ein und schloß die Augen.








Miss Parker stand vor dem Fenster und starrte in die Dunkelheit. In den letzten 2
Stunden hatte sie abwechselnd im Bett gelegen und vor dem Fenster gestanden,
dann war sie in die Küche gegangen, doch als sie die Konservendosen gesehen
hatte, war ihr schlecht geworden. Daraufhin hatte sie eine dreiviertel Stunde auf dem
Klodeckel sitzend verbracht und war 2 mal duschen gegangen weil sie einfach nicht
müde wurde. Jetzt war sie zwar sauberer als der Quarantäneflügel des Centers, aber
schlafen konnte sie noch immer nicht. Ein Blick auf ihre Armbanduhr verriet ihr das
es kurz vor 3 Uhr nachts war.

Ein paar mal war es ihr passiert das sie geweint hatte, schrecklich, sie war ja selbst
schuld. Wie hatte sie Volltrottel ihn ihre Waffe stehlen lassen können? Warum war
sie nicht schlau genug gewesen ihrem Vater nicht zu trauen? Weshalb konnte sie
sich nicht mit dem Tod der Menschen die sie liebte abfinden?

Weil sie sich so alleine fühlte.

Wieder flossen Tränen, wieder war es ein Gefühl der Leere welches sie durch die
ebenso leeren Räume dieses Hauses wandern ließ.
Ihr Blick fiel auf das Klavier in der Mitte des Raumes.

"Mummy, ich habe aber keine Lust zum üben..."

"Das weiß ich aber ich werde nicht länger Ruhe geben bis du es tust."

"Gut." Das kleine braunhaarige Mädchen lehnte sich in ihrem Sessel zurück und
verschränkte die Arme. "Ich habe Zeit."

"Ich habe ein ganz schön freches kleines Baby."

Ihre Mutter ging zu ihr und kitzelte sie bis sie japsend nachgab. "Ok ok... ich werde
üben, ich versprech's."

Kichernd setzte sie sich an den kleinen Flügel und schlug die Ersten Töne an.


Miss Parker setzte sich langsam auf den kleinen Hocker und ließ ihre Finger
sanft über die Tasten gleiten. Sie schlug das tiefe E an, einen Ton den sie immer
als besonders traurig klingend empfunden hatte. Ehe sie sich versah spielte sie das
Lied das ihre Mutter immer so sehr gefallen hatte ein langsames, harmonisches
Stück in a-Moll.

Jarod stand am Fuß der Treppe und sah überrascht Miss Parker zu. Als er mitten in
der Nacht von einem Geräusch geweckt worden war, dass ja nur von Miss Parker
hätte kommen können, war er neugierig die Treppe hinunter geschlichen. Er hatte
keine Ahnung gehabt dass sie Klavier spielen konnte, sie hatte es nie erwähnt. Nun
bemerkte er dass das Klavierspielen sehr gut zu ihr passte. Sie saß anmutig und mit
geradem Rücken auf dem Klavierschemel und schlug mit ihren langen Fingern
sicher und geschmeidig die Töne an. Sie trug ein Neckholder-Top aus den Sachen
die er ihr vorhin gegeben hatte, welches ihr wirklich gut stand. Das Lied was sie
spielte war traurig und Jarod fühlte dass sie sich ganz damit identifizierte.

Nach ein paar Minuten beugte sie leicht ihren Kopf zur Seite, ließ mitten im Stück
ihre Hände in den Schoß fallen und saß danach ruhig vor dem Klavier.

"Schön, Miss Parker!"

Erschrocken drehte Parker sich zu ihm um. An der Art wie das hereinscheinende
Mondlicht auf ihren Wangen reflektiert wurde, sah er das Tränen flossen. Sie stand
auf und lehnte sich gegen das Klavier. Hastig wurden die Anzeichen ihrer Trauer
weggewischt.

"Was wollen Sie Jarod?" fragte sie scharf.

"Reine Neugierde." Er lächelte sie an. "Ihr Klavierspiel hat mich geweckt." Langsam ging er auf sie zu.

"Nun, das tut mir leid ich..."

Jarod unterbrach sie hastig. "Nein, nein das ist ok. Ich fand es sehr schön. Hatten
Sie Unterricht?" Er lächelte sie so unschuldig und teilnahmsvoll an.

Jarod beobachtete Miss Parker. Ihr Mund zog sich langsam zu diesem traurigen
Lächeln, welches er nun schon so gut kannte, während ihre Augen, diese eisblauen,
und schmerzhaft traurigen Augen, nass von unvergossenen Tränen,
glänzten wie Saphire. Ihr Lächeln fiel in sich zusammen als Miss Parker um ihre
Fassung kämpfte, sich an sie klammerte als ginge es ums nackte Überleben.

"Ja, meine Mutter... hat darauf bestanden."

Miss Parker drehte ihm den Rücken zu und fuhr mit einem Finger leicht über die
spiegelglatte Oberfläche des Flügels.

"Parker was ist los?"

"Nichts, nur müde."

"Dann verstehe ich nicht weshalb Sie nicht schlafen gehen. Kommen Sie, Sie
können mir doch nicht erzählen, dass..."

"Sparen Sie sich das Jarod! Ich bin keine ihrer Studien, und alles was mir fehlt ist
eine Zigarette und mein Bett. Die Konversation ist beendet." Mit perfekt aufgesetzter,
Gleichgültigkeit ausstrahlender Mine bewegte sie sich wieder auf ihr Zimmer zu.

"Es tut mir leid um all den Schmerz den Sie in Ihrem Leben ertragen mussten,
Parker." brach er plötzlich aus Jarod heraus.

Stille...

"Ach ja?" Sie war kurz vor ihrer Tür stehen geblieben, drehte sich jedoch nicht zu
ihm um. "Warum haben Sie mir dann so viel Schmerz gebracht? Warum haben Sie
Tommy ungebremst in sein Verderben rennen lassen, warum haben Sie mich
abhängig von ihm gemacht? Und warum haben Sie mich damals zurückgelassen?
Alles aus guter Absicht?" Ihr Stimme, wenn auch hart und verteidigend, zitterte.


"Ich wollte Sie nicht verletzen und noch weniger wollte ich Sie zurücklassen. Ich
wollte auch Thomas nicht weh tun. Ich habe einen guten Freund verloren, denken
Sie daran. Es tut mir leid Parker. Ich wollte nur etwas Gutes tun. Ich wollte helfen."

Er wusste nicht was er noch sagen sollte. Er war noch nie so hilflos gewesen, konnte
einfach nicht die Worte finden um auszudrücken was er meinte.

Miss Parker verschwand in ihrem Zimmer doch Jarod hörte die unterdrückten Schluchzer und
folgte ihr. Er sah sie vor dem Bett kniend, den Kopf zur Seite gelegt auf ihren Armen
ruhend und wie sie langsam und monoton schluchzte, die Tränen die sie frei fallen
ließ und ihre vom Schmerz verzerrten Gesichtszüge.

Vorsichtig hockte er sich neben sie. Er strich ihr sanft mit der Hand über den Kopf,
die durcheinander gebrachten Haare und legte seine Kopf nahe neben den ihrigen.
Er beobachtete sie, doch sie schien ihn gar nicht richtig wahrzunehmen, blickte ins
Leere und zerknüllte mit fest zusammengepressten Fäusten die Bettdecke.

"Es tut mir leid Parker. Ich schwöre ich wollte Sie nicht verletzen."

"Gehen sie weg, Jarod", wimmerte sie halbherzig.

"Warum?"

Sie antwortete nicht.

"Warum Parker?"

"Gehen Sie einfach."

"Nein. Ich kann nicht."

"Es ist gefährlich in meiner Nähe, wissen Sie. Jeder der mir zu nahe kommt wird
früher oder später ermordet. Meine Mutter..." Miss Parker weinte heftiger.
"Thommy... Das Center hat sie mir genommen. Ich ertrage das nicht mehr Jarod. Ich
werde niemanden mehr lieben."

Jarod ließ eine sanften Kuss in ihr Haar fallen und zog sie in seine Arme. Als sie
nicht protestierte, begann er langsam über ihren Rücken zu streichen.

"Sie werden mich nicht verlieren, Parker. Ich verspreche ich werde für Sie da sein,
hören Sie. Gemeinsam werden wir es gut machen."

"So sehr wir es uns auch einreden, wir werden nie aufholen können was uns fehlt,
nie ersetzten was uns genommen wurde, nie reparieren können was sie zerstört
haben. Das Center ist zu mächtig. Es wird gewinnen. Es gewinnt immer." flüsterte
sie mit einer von Tränen gedämpften Stimme und klammerte sich hilflos an ihn.
Jarod überlegte einen Moment bevor er antwortete.

"Nein das ist nicht wahr, Parker. Mich konnten sie nicht kriegen, weil ich nicht
aufgegeben habe für mein eigenes Leben zu kämpfen. Sie müssen das gleiche tun,
Parker. Sie dürfen nicht aufhören um ihr Leben zu kämpfen, hören Sie?"

Als er keine Antwort bekam, drehte er vorsichtig seine Kopf um sie ansehen zu
können. Ihr erschöpfter Körper hatte den Kampf gegen ihrer Verstand gewonnen
und sie war in seinen Armen eingeschlafen.
Vorsichtig um sie nicht zu wecken hob er sie in seine Arme und trug sie die Treppe
rauf in sein eigenes Zimmer, wo er zuerst sie in sein Bett legte und dann selbst unter
seine Decken kroch um sie wieder an sich zu ziehen. Er atmete den Duft ihrer Haare
ein und fuhr leicht mit seine Fingern hindurch.

Er sank in eine zufriedenen Schlaf, mit der beruhigenden Gewissheit dass Miss
Parker hier bei ihm war, sicher und wohlbehalten.
Morgen würden sie alles besprechen, würden Lösungen finden. Morgen würden sie
alles ändern.







Es war 5.34 als Jarod bemerkte wie Miss Parker in seinen Armen unruhig wurde. Sie
schmiss den Kopf von einer Seite auf die andere und gab unwillige Geräusche von
sich. Dann wieder lag sie still, doch Jarod sah wie eine Träne ihre Wange hinunter
lief. Sie wimmerte und trat mit den Beinen ins Leere.

"Nicht Daddy..."

Jarod wischte sanft die Träne von ihrer Wange und sagte leise ihren Namen. Als er
sie beruhigend näher an sich zog, runzelte sie die Stirn und begann sich
freizukämpfen. Schweiß trat auf ihre Stirn und plötzlich schreckte sie mit einem
lautlosen Schrei auf den Lippen auf. Schwer atmend schaute sie im Raum umher.

"Wo bin ich?"

"Keine Sorge, wir sind noch immer in demselben Haus. Das hier ist mein Zimmer."
Miss Parker schien eine Moment zu überlegen. Dann nickte sie schwach.

"Legen Sie sich wieder hin, Miss Parker, Sie brauchen jetzt ein wenig Schlaf, Sie
haben ein paar anstrengende Tage hinter sich."

Miss Parker legte sich langsam zurück und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
Ihr Hand zitterte und als Jarod den Arm um ihren Bauch legte um sie wieder an sich
zu ziehen, merkte er das sie am ganzen Leib zitterte.

"Was ist los? Ein Alptraum?"

"Ja..." sie lachte leise. "Könnte man wohl sagen."

"Es ist ok. Ich bin da."

Miss Parker drehte sich unerwartet in seinen Armen so dass sie ihm in die Augen
blicken konnte.

"Ich weiß. Das ist... schön, Jarod."

Jarod realisierte mal wieder aufs neue wie wunderschön Miss Parker war. Doch er
wollte den Moment nicht dadurch zerstören dass er ihre Gefühle überreizte, daher
schloss er sie einfach in seine Arme. Beide wussten, dass Worte hier unnötig waren.
Er begann leicht über ihren Rücken zu streichen, über ihre nackten Arme und ihren
Nacken, und schließlich fuhr er mit seine Finger durch ihre Haare. Sie hatte sich
noch nie so entspannt gefühlt und schloss mit einem leisen Seufzer die Augen.
Während Jarod mit ihren Haaren spielte schlief Miss Parker leicht noch einmal ein
und auch Jarod verfiel noch einmal seiner Müdigkeit.








Miss Parker lag schon eine Weile wach, als Jarod ebenfalls endlich die Augen
öffnete. Sie hatte das Gefühl genossen, sicher zu sein, denn das fühlte sie solange
er da war.
Jarod lächelte sie an.

"Gut geruht?"

"Hervorragend. Schon alleine überhaupt geschlafen zu haben ist ein Genuss."

"Du schläfst wohl nicht besonders gut. Da haben wir etwas gemeinsam. Allerdings
kommt es mir so vor als würdest du in letzter Zeit auch nicht zum Essen kommen."

"Wie meinst du das?"

"Na ja..." Jarod fuhr mit einem Finger leicht über ihren Rücken. "Ich kann deine
Rippen fühlen. Das ist nicht gut. Wenn du weiter abnimmst, dann bist du bald...
weg."

Miss Parker lachte leise. Jarod lachte mit, und küsste ihre Stirn.

"Das müssen wir ändern, einverstanden?"

"Wenn du das sagst, Genie." Miss Parker befreite sich aus Jarod's Armen.

"Ich gehe duschen."

"Ich mache Frühstück. Wir sehen uns in der Küche."

"Gib mir 15 Minuten."

Jarod sah sie im Bad verschwinden und strahlte übers ganze Gesicht.






Genau 24 Minuten später waren Jarods Pancake durch und Miss Parker's Haare
trocken. Miss Parker ass auf Jarod's Anweisung 4 von den goldgelben perfekten
Kuchen mit Sirup, was sie das letzte mal getan hatte als sie 14 war.

Jarod hatte seinen Laptop im Wohnraum auf dem Tisch plaziert. Als eine neue eMail
mit einem Piepen auf seinem Bildschirm erschien war er gerade bis zu den
Ellenbogen im Abwasch versunken.

Als er sich die Hände abgetrocknet hatte, ging er zu seinem PC und öffnete das
blinkende Fenster. Es war eine eMail aus dem Center, von Angelo wie er festellte,
ohne Text aber mit einer Videodatei im Anhang.

Er klickte darauf und ein offensichtlich von Angelo per Digitalkamera
aufgenommenes Video erschien. Durch die Gitterstäbe des Lüftungsschachts, in
dem Angelo oft zu sitzen pflegte, sah er Ms. Parker und Mr. Lyle in einem Büro
welches Jarod als Lyle's vermutete.

Schnell drückte er auf Pause.

"Parker!"

In wenigen Sekunden stand sie hinter ihm und schaute neugierig auf den Bildschirm.

"Gibt's was neues?"

"Werden wir sehen."

Er ließ das Video weiterlaufen.

"Hey das war der Tag an dem Lyle und ich nach Iowa los geflogen sind. Ich wusste
nicht dass Angelo da war..."

"Man weiß nie wann Angelo da ist."


"Aufregende Neuigkeiten Jarod betreffend, Parker?"

"Nicht das ich wüsste."

"Nun..." Lyle verschwand für einige Sekunden hinter seinem Schreibtisch und aus
dem Bild, tauchte aber gleich wieder auf mit einem Zettel in der Hand.

"Der Anruf..." sagte Miss Parker. "Er hatte ihn zurückverfolgt. Ich weiß auch nicht
wie."

"Dann habe ich interessante Neuigkeiten für Sie. Ein Anruf von Jarod aus Perks.
Von heute morgen. Na ja das kann man bei dem ganzen Stress und dem Wirbel
um Jarod schon mal vergessen."
"Sie konnten den zurückverfolgen?" Miss Parker log wirklich ohne mit der Wimper zu
zucken! "Und das sagen Sie mir jetzt erst?"

"Rufen Sie den Helikopter an. Sie wissen wo wir hinfliegen... Ach wo ist eigentlich
Sydney wenn man ihn braucht?"

"Hat zu tun..." murmelte Ms. Parker abwesend als Lyle ohne eine Antwort
abzuwarten den Raum verließ.

"Verdammt!"


Ms. Parker wollte schon wieder aufstehen als der Bildschirm schwarz wurde, doch
Jarod hielt sie zurück. Der Film war noch nicht am Ende.
Mit einem Blick auf die Datum- und Zeitangabe im unteren Teil des Bildes sagte sie:
"Das ist nur 20 Minuten vor dem Abflug aufgenommen!"

Sie sahen Mr. Lyle und Raines in seinem Büro. Nachdem Raines Lyle etwas zu
trinken angeboten hatte setzten sich beide und unterhielten sich wenige Minuten
über belanglose Dinge. Dann sah es aus als würde Lyle plötzlich sehr müde werden.
Er gähnte. Er rutschte in seinem Stuhl etwas tiefer. Schließlich antwortete er auch
nicht mehr auf Raines Fragen. Apathisch starrte er vor sich hin.

"Der Drink..." zischte Jarod. "Da war was drin."

"Wie hätte er auch ahnen können, dass sein bester Freund ihn vergiften würde."
bemerkte Ms.Parker trocken.

Plötzlich stellte sich Raines auf und holte aus seiner Jackentasche eine Spritze,
welche er unsanft in Lyles Oberarm rammte. Lyle schien das nicht weiter zu stören,
im Gegenteil er lächelte sogar ein wenig.
Raines leuchtete ihm mit einem Taschenlämpchen ins Auge und setzte sich
zufrieden in eine Stuhl gegenüber von Lyles.


"Sie werden in kürze einige Zeit allein mit Miss Parker verbringen, Lyle. Das gefällt
Ihnen doch?"

Lyle nickte mit einem irren Lächeln auf dem Gesicht blöde auf und ab.

"Hübsch nicht wahr? Hören Sie... Wenn sich die beste Gelegenheit ergibt mit ihr
allein zu sein, dann dürfen Sie etwas tun wovon Sie schon lange Zeit träumen..."

Er beugte sich vor und sprach lange Zeit so leise auf Lyle ein dass man auf dem
Video nur Raines regelmäßiges Schnappen nach Luft hörte.

Miss Parker konnte nicht glauben was sie sah. Mit großen Augen und innerlich
kochend verfolgte sie fassungslos das weitere Geschehen.

"Gut." Mr. Raines schien zufrieden als er sich wieder zurücklehnte. Mit einem
Schnipsen vor Lyles Brust beförderte er diesen wieder ins Diesseits und lächelte ihn
verheißungsvoll an.

"Was?" Lyle sah ihn verwirrt an, mit dem dumpfen Gefühl irgendwas verpasst zu
haben.

"Ich sagte Gute Reise!"


"Das kann nicht wahr sein. Raines beherrscht die Hypnose? ... Ok, warum wundert mich das jetzt noch?"

Jarod sah Miss Parker besorgt an. Diese blickte mit leerem Blick auf den Bildschirm
auf dem noch immer Raines Kopf prangte.

"Das erklärt Lyle's Übergriff im Büro." sagte Jarod sanft.

"Allerdings. Was, ... was hatte Raines vor mit Lyle zu tun wenn er erfolgreich
gewesen wäre... ich meine hätte er ihn von der Bildfläche verschwinden lassen oder
den Teil seines Gedächtnisses gelöscht...?"

"Ich weiß es nicht. Aber mit Sicherheit hätte er das mit dir gemacht, Parker."

"Er hat uns beide benutzt für sein widerliches Projekt. Raines ist ein Tier, oder ein
Monster, aber auf jeden Fall ist er weit davon ab ein Mensch zu sein. Mach das
Video auf eine Disk, ich werde meinen Vater damit konfrontieren und dann wird ihm
nichts anderes übrig bleiben als Raines zur Rede zu stellen und das Projekt zu
stoppen."

"Parker... warum verschwindest du nicht einfach von da? Was hat dir das Center bis
jetzt in deinem Leben gegeben? Angst. Immer nur Angst. Ich kann dir helfen dich zu
verstecken. Warum kein Neuanfang?"

"Du weißt es ist nicht so leicht einfach zu "verschwinden." Sie ging langsam zu
einem Fenster, lehnte ihren Kopf gegen die kühle Scheibe und schloss die Augen.
"Ich würde die Freiheit immer vorziehen. Aber ich kann nicht frei sein, ohne die
Wahrheit."

Er ging zu ihr und strich mit einem Finger sanft über die Kurve ihrer Schultern.
Behutsam umfasste er sie von hinten und zog sie an sich.

"Ich verstehe dich mehr als jeder andere. Aber ich kann nicht mehr zuschauen wie
du verletzt wirst", flüsterte er ihr leise zu.

Schweigend standen sie noch eine Weile am Fenster und sahen gemeinsam dem
Regen zu.



Als Jarod später von einer Fahrt zu einem Lebensmittelladen wiederkam, hatte er
schon erwartet, dass Ms. Parker nicht mehr da sein würde, auch wenn er sich
wünschte sie wäre geblieben. Abschiede waren nicht ihre Stärke.

Ruhelos wanderte er durch die leeren Räumen, berührte sanft die Tasten des Klaviers und
lächelte über den Gedanken wie die Musik sie in dieser Nacht zusammengeführt
hatte.

Parker hatte einen kleinen Zettel auf der Notenablage für ihn hinterlassen wie
er fest stellte, und er setzte sich auf den Klavierhocker während er ihn auseinander
faltete und laß.



"Jarod,
Danke für alles. Ich hoffe es wird alles gut werden für uns. Die
Suche ist noch lange nicht beendet, und ich werde nicht eher
ruhen können bis wir das Spiel was unser Leben heißt
vollständig verstehen können. Ich hoffe am Ende sind wir beide
Gewinner. Dann ist noch genug Zeit um gemeinsam zu
feiern....Aber jetzt dreh dich um und renne so schnell du kannst,
denn ich habe einen Job zu erledigen. M.P."




Vorhang^^
Review schreiben