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Verschwundene Pfade

von morgen
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Broots Dr. Sydney Green Jarod Ms. Parker
28.02.2005
10.04.2005
3
12.274
 
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28.02.2005 4.185
 
Short Cut: Miss Parker jagt Jarod und stößt auf unerwartete Hindernisse
Spoiler: spielt nach THE ISLE OF THE HAUNTED
Darsteller: Sydney, Jarod, Miss Parker, Broots
E- mail: <a href="mailto:morgen8@gmx.net">morgen8@gmx.net</a>
Rechtliche Hinweise: Die hier beschriebenen Personen sind das geistige Eigentum von TNT, NBC und 20th Century Fox, gehören somit leider nicht mir, sondern den genannten Firmen. Die folgende Geschichte verfolgt keine kommerzielle Ziele.
Bemerkung: So da hätten wir den zweiten Teil. Ich hoffe, er gefällt euch. Und wenn, dann würde ich mich jederzeit über Feedback freuen. *g* Also lest und schreibt.

VERSCHWUNDENE PFADE

Teil 2



27. Mai; 02:34
Massachusetts, Boston
Miss Parkers Hotelzimmer

"Engelchen?" Engelchen, wenn sie das schon hörte, so nannte er sie immer. Aber besonders, wenn er etwas von ihr wollte war sie sein Engelchen. "Ja, Daddy?" Seit dem Tod ihrer Mutter(2) redeten sie auf diese Weise. Stets in Andeutungen, ihre Gefühle verbergend ... hilflos. Eine Art Teufelskreis umgab sie. Wann immer sie mit einander sprachen. Es stand stets etwas zwischen ihnen und keiner ... keiner von ihnen beiden suchte diese Mauer einzureißen und den Graben zu überspringen. Sie hatten Angst. Angst die Mauer könnte zu hoch sein. Angst sie könnten in dem Graben ertrinken und ... und der andere würde nicht zur Rettung erscheinen. Daher ging das Spielchen weiter. Doch beide waren einander fremd trotz der Liebesbekundungen. Jeder von ihnen hoffte der andere meine es ernst ... und hinterfragte gleichzeitig seine eigenen Absichten. Meinte man es selbst überhaupt ernst? Die Frage nach dem WARUM war greifbar, aber sie waren blind und taub, trauten sich nicht zu fragen. Aus Angst. Angst einander zu verlieren ... einander zu finden. Sie war allein ...

Miss Parker erwachte und musste schlucken. Das Zimmer war dunkel. Es war Nacht. Sie war allein ... der Traum kam ihr in die Erinnerung zurück. Ihr Vater ... Mr. Parker ... ihr Onkel ... Miss Parker schluckte erneut, als sie an ihren Vater dachte. Ihr Vater war Tod, der letzte aus ihrer Familie, der ihr etwas bedeutete. Sie war allein. Was hält dich noch im Centre ... Ein Geräusch weckt sie endgültig.

Verschlafen nahm sie das Telephon zur Hand. "Was?" Einzelne Strähnen fielen ihr ins Gesicht, umständlich strich sie die vereinzelten Haare zur Seite.
"Hatten Sie einen angenehmen Traum?" Woher? ... Egal! Schlagartig kam sie vollständig zu Bewusstsein.  
Sich im Bett aufrichtend gab sie ihrer Wut nach. "Wo sind Sydney und Broots?" Stumpf klangen die Worte in ihrem Kopf nach. Sie kam ihr töricht, bedeutungslos ... hohl vor.
"Das weiß ich nicht. Sind sie nicht bei Ihnen?" Seine Antwort klang ehrlich verwundert, doch darüber wollte sie nicht nachdenken.
"Nein, würde ich sonst fragen?" Genervt spie sie die Worte in den Hörer. "Warum haben Sie diesen Typen engagiert? Wieso sollte er die beiden entführen?" Sie war froh, dass sie bei den Fragen nicht stotterte ... dass er sie nicht sehen konnte. "Wollten Sie mir vor Augen halten, wie es ist allein zu sein?" Unhörbar fluchte sie. Das hatte sie eigentlich nicht sagen wollen, es war ihr einfach rausgerutscht. Sie hoffte, er habe es überhört.
"Sie müssen nicht allein sein Miss Parker. Keiner muss allein sein." Wieder solche kryptischen Sätze. In ihr höhnte es, 'Keiner muss allein sein.'. Sicherlich! Oder besaßen diese Worte eine andere Bedeutung? Sie unterdrückte ihre Zweifel und Hoffnungen.
"Selbst das Center kann Freundschaft und Liebe nichts entgegen setzen."
"Außer den Tod!" Entfuhr es ihr mehr als sarkastisch. Hatte sie das wirklich gesagt? Weshalb hatte sie nur das Gefühl bei jedem Gespräch mehr von sich Preis zu geben? Sogar mehr, als in dem kurzen Moment ...

Die ungewöhnliche Ruhe versetzte ihm einen Schlag. "Parker? Parker sind Sie noch dran?" Sie hatte doch nicht aufgelegt?
"Ja Jarod." Sie klang zerknirscht und abwesend.
"Der Tod wird von vielen als letzter Ausweg angesehen, er ist jedoch immer der falsche Weg." Er wusste, dass der Tod der beiden, der drei(3) wichtigsten Menschen in ihrem Leben sie mehr gegen das Center arbeiten ließen, als dafür.
"Das Center braucht Sie, es will Sie an sich binden, wie es mich an sich binden will. Sie müssen nicht in diesem Spiel gefangen bleiben. Sie können jederzeit gehen, Schluss machen." Unwillkürlich musste er an ihre letzte Zusammenkunft denken(4). An ihre Suche, ihre Entdeckungen. Mit der Erinnerung tauchten die Bilder, die Gefühle wieder auf. Die Enttäuschung, die Beklemmung, die Angst ... die Hoffnung ... Die Stimme von Miss Parker riss in die Gegenwart zurück.
"Und so enden wie meine Mutter(5)?" Die Schärfe ihrer Worte überraschte ihn. "Sie haben mir vorhin nicht geantwortet. Wo sind Sydney und Broots?"
"Ich sagte doch bereits, ich wisse es nicht. Sind sie denn nicht bei Ihnen?" Da stimmte etwas nicht! Wieso wusste sie nicht, wo die beiden stecken?
"Aber Ihr Anruf." Hörte er da Verzweiflung heraus. Verzweiflung bei Miss Parker? Nein, dass konnte nicht sein.
"Was für ein Anruf?"
"Hören sie auf mit Ihren Spielchen! Sie haben mich letzte Nacht angerufen, dass sollten Sie nun wirklich wissen." Er hatte sie nicht angerufen, schon gar nicht letzte Nacht. Wie kam sie nur darauf? Was hatte das zu bedeuten? Er begann sich um Syd zu sorgen.
"Jarod!" War das Sorge in ihrer Stimme?
"Ich werd sehen, was ich tun kann." Er legte auf, um kurz darauf erneut zum Hörer zu greifen. Diesmal wählte er eine andere Nummer. Jarod kam nicht durch. Das Handy musste ausgeschaltet sein.  Miss Parkers Worte hallten in ihm nach 'Wo sind Sydney und Broots?'. Er schrieb Sydney eine Nachricht, für den Fall, dieser käme morgen in sein Büro und lediglich der Akku seines Telephons war leer. Etwas in Miss Parkers Stimme ließ ihn jedoch stark daran zweifeln.

27. Mai; 04:28
Delaware, Blue Cove
Centre

Ein Schatten huschte durch die schwach erleuchteten Korridore. Es war absolut still, lediglich eine leise Stimme ging durch die Flure. "Miss Parker ... besorgt." Die Gestalt eines Mannes schlich um die Ecke Richtung Techroom. "Broots ... Angst." Die Stimme blieb ruhig, ohne eine Regung. Während die Gestalt einen Code in das Zahlenschloss eingab, hörte man ihn abgehackt weiter sprechen. Sein Gesicht verzog sich in Schmerz und Trauer, aber auch Hoffnungslosigkeit stand in seinen Zügen. "Jarod ... in Sorge ..." Der Mann verschwand im Inneren des Raumes. In dem Licht der Monitore spiegelte sein Gesicht die Gefühle, welche er empfand. "Sydney ... " Sein Gesicht entspannte sich und er begann zu tippen.

27. Mai; 06:06
Colorado, RMNP
Jarods Blockhütte

Die Dämmerung brach herein, als er aus seinem unruhigen Schlaf erwachte. Das Gespräch mit Miss Parker ging ihm erneut durch den Kopf. Er stand auf und noch vor dem Frühstück startete er den Laptop. Während der Computer hochfuhr, stellte er Milch auf. Er hatte gestutzt, als er das erste mal Apfelmus mit Vanillesauce auf der Speiskarte eines Cafes sah, doch es schmeckte. Außerdem war es ein guter Start in den Tag. "Sie haben Post!" Ertönte eine Stimme im Raum. Das Saucenpulver beiseite legend ging Jarod zum Computer und öffnete die Nachricht.

Sydney und Broots okay. CJ(6)

Er lächelte. Unter der kurzen Nachricht befand sich eine angehangene Datei. Er klickte auf den Button um sie zu öffnen. Unvermittelt klang eine weitere Stimme aus den Lautsprechern.

"Haben Sie die beiden?"
"Ja, war nicht so schwer sie festzusetzen. Hab gehört, die Frau habe die Leute in der Uni ganz schön auf Trapp gehalten."
"Das ist typisch für sie, wenn sie nicht weis, was los ist, wird sie ungemütlich."
"Wann soll ich die beiden wieder laufen lassen?"
"Ich ruf in ein paar Tagen erneut an. Bis dahin verhalten Sie sich ruhig."

Er konnte es nicht fassen, Miss Parker hatte recht. Broots und Syd waren entführt worden. Aber warum? Wiederholt spielte er das Gespräch ab. Die Stimme; er kannte diese Stimme. Jarod hatte die Stimme schon einmal gehört, er konnte nur nicht sagen woher. Tief einatmend versuchte er sich zu konzentrieren. Plötzlich stieg ihm ein unangenehmer, ekliger Geruch in die Nase. Es roch irgendwie angebrannt. Die Milch ... er hatte die Milch ganz vergessen. Zur Küchenzeile gehend sah er die Bescherung. Die Milch schäumte aus den Topf auf die heiße Herdplatte.

27. Mai; 08:57
Massachusetts, Boston
Miss Parkers Hotelzimmer

"Bring mir Jarod." Wie oft hatte sie diesen Satz gehört. Er konnte ihn auch abwandeln, es blieb stets eine Forderung seinerseits, die sie zu erfüllen hatte. Er hatte viel verlangt. Sogar vor Mord war er nicht zurückgeschreckt(7). Er liebte sie, dessen war sie sich immer sicher gewesen. Keiner konnte sie von dieser Überzeugung abbringen. Denn ... denn sie liebte ihn auch. "Daddy! Daddy, wer bin ich?" Warum verweigerte er ihr immer die Antworten? Antworten auf Fragen. Auf Fragen über sie ... ihre Mutter ... ihre Vergangenheit. Ihre Vergangenheit, die so eng mit Jarods verknüpft zu sein schien. Dennoch fühlte sie sich einsam ... allein ...

Sie lag schief im Bett. Verschlafen wälzte sich Miss Parker zur Bettkante. Sie wusste, dass sie unruhig geschlafen haben musste. Sie hatte schon lange keinen sanften, ruhigen Schlaf mehr. Die letzte Nacht war sie noch aufgewühlter als sonst und genauso sah ihr Bett aus. Die nächtlichen Gedanken und Gefühle kamen wider hoch. Der Traum ... die Träume. Das Verschwinden von Sydney und Broots. Jarods Anruf. Jarod! Gestern war sie dazu bereit ihm die Schuld an allem zu geben. Er hatte sie angerufen. Ihr diese Frage gestellt. Wie immer, wenn er seine Spielchen mit ihr trieb. Sie war sich dessen sicher gewesen, vollkommen sicher. Wenn da nicht ... Wenn da nicht diese Überraschung in seiner Stimme gelegen hätte. Warum sollte er so tun, als käme diese Nachricht unerwartet. In Miss Parker arbeitete es. Hatte er sie überhaupt angerufen? In diesem Punkt war sie sich nicht mehr so sicher. Es war seine Stimme gewesen. Spielte er nur wieder? Nein. Er reagierte nicht einstudiert, es war echte Verwirrung, als sie den Anruf erwähnte. Aber wenn er sie nicht angerufen hatte, wer dann ...

Die Dusche half Miss Parker die vergangen Erlebnisse zu ordnen. Das Handtuch um sich schlingend nahm sie einen der Blöcke, die vom Hotel bereitgestellt wurden, und notierte sich die Geschehnisse des letzten Tages. Sie hatte einen nächtlichen Anruf bekommen. Vermutlich von Jarod, doch der stritt es ab. Also ein Unbekannter? Aber warum? Im Centre war eine E- mail aus Harvard eingegangen. Die Nachricht war nicht unterschrieben. Nichts kennzeichnete sie. Nichts wies darauf hin, dass Jarod sie verfasst hatte. Zumindest in diesem Punkt war sich Miss Parker allerdings sicher. Die Mail kam von Jarod. Ein Hausmeister ...  zumindest hatte er sich als ein solcher ausgegeben, führte sie über den Campus. Mit ihm verschwanden Syd und Broots. Die unverständlichen Botschaften waren die einzige Verbindung zwischen den einzelnen Ereignissen. Bei seinem letzten Anruf stritt Jarod ab von Syds Verbleiben zu wissen. Hatte er sie belogen? Spielte er ihr etwas vor?
Mit diesen Gedanken zog sich Miss Parker die Angestelltenakten, welche sie von dem Verwalter bekommen hatte, hervor. Sie schlug den ersten Hefter auf. Der Mann arbeitete seit über dreißig Jahren für die Uni. Es war nicht Jarods Art Unschuldige zu entführen. Er war seit zwanzig Jahren verheiratet. Syd in Gefahr zu bringen. Hatte drei Kinder. Behalt die Nerven Parker! Du musst sie behalten. Nur wenn sie sich nicht ablenken ließ konnte sie ihren Freunden helfen. Freunde? Habe ich überhaupt Freunde? Ja. Sydney und Broots waren ihre Freunde. Sie hatte die beiden bisher nie als Freunde gesehen, doch bei genauerem Hinsehen waren sie genau das. Ihre Freunde.

27. Mai; 10:34
Colorado, RMNP
Rockvalley (erfunden)

Auf der Rangerstation herrschte steter Betrieb. Es war Hochsaison für Wanderer, dementsprechend viele verliefen sich in den Bergen oder wurden als vermisst gemeldet. Jarod schlängelte sich durch die wartenden Menschen; zielstrebig bewegte er sich auf die Schaltstelle zu. Hier liefen alle Suchaktionen zusammen, von hier aus wurden die Informationen weitergeleitet. Von hier aus wurden die einzelnen Rettungsteams koordiniert. Tief durchatmend, sich auf seine Rolle besinnend drückte er die Klinke der Tür hinunter. Als sich die Tür öffnete sah er einen ähnliches Durcheinander wie in der Empfangshalle. Doch in diesem scheinbaren Chaos lag eine tiefere Ordnung. Eine Frau mittleren Alters kam auf ihn zu. "Sie müssen der neue Ranger sein." Sie streckte ihm die Hand entgegen. "Simon meinte Sie würden im Laufe des Tages vorbei kommen."
Den Handschlag erwidernd trat er auf die Frau zu. "Ja ich wollte mich mit den Örtlichkeiten bekannt machen."
"Und um ihre Ausrüstung abzuholen." Lachte sie auf.
Seine Augen streiften durch den Raum, fragend schaute er sie an,  und blieben an dem Kartenpult. Mit einem Lächeln erhellte sich sein Blick. "Ach ja, die habe ich gestern vergessen." Ihr folgend sah er sich weiter um.
"Lassen Sie das nicht Simon hören. Der mag es überhaupt nicht, wenn Leute ihre Dinge verschlampen oder ihre Aufgabe nicht erfüllen." Vor einer weiteren Tür zu diesem Raum machte sie halt.
"So wie die Ranger bei diesem Unfall?"
Er studierte genau die Reaktionen der Frau. "Das war ein schreckliches Unglück. Die Leute haben tatsächlich ihr bestes gegeben. Doch" Sie senkte den Kopf. "der Mann war unauffindbar. Keiner weiß was da draußen passiert ist." Den Griff in der Hand drückte sie die Tür auf. "Das waren erfahrene Männer, sie hätten den Bergsteiger vor der Zeit finden müssen." Sie nahm einen Karton aus dem Regal.
Noch immer stand Jarod hinter der Frau. "Aber wie konnte ihnen dann solch ein Fehler unterlaufen?" Mit der Kiste drehte sie sich um.
Unvermittelt schaute sie ihn an. Er sah die Traurigkeit in ihren fragenden Augen. "Das ist die Frage. Keiner kann sich erklären, warum sie ihn nicht gefunden haben." Verwirrt schüttelte sie den Kopf. "Warum sie ihn dort draußen haben sterben lassen."

26. Mai; 13:57
Massachusetts
Harvard University

"Die Akten haben Sie also nicht weiter gebracht?" Der amüsierte Unterton in der Stimme des Mannes lies die Wut in ihr aufsteigen. Sein unverschämtes Lächeln brachte sie beinahe um ihre Beherrschung. Beruhige dich, Parker, du brauchst ihn vielleicht noch.
"Es sieht so aus," Ein eisiger Blick streifte den Mann vor ihr. "als arbeite der Unbekannte zumindest nicht offiziell für die Uni." Vermutlich hatte auch die Uni Personal, das keine eigene Akte besaß. "Können Sie mir sagen, wie ich zum Rechenzentrum komme?"
"Immer den grünen Pfeilen hinterher." Kontrolliert und unterkühlt verlies sie den Raum.

Die Verwirrung der Frau vor ihr war geradezu greifbar. Ihre Finger gingen immer wieder über die Tastatur um herauszufinden, was an ihren Daten falsch war. Was in ihrem Programm schief lief. "Sie sind sich sicher, dass die Adresse stimmt?" Die Frage kam verschüchtert, als schäme sie sich dafür.
Mit funkelnden Augen betrachtete sie die Person vor sich. "Hören Sie, ich habe hier den Ausdruck der E- Mail." Gereizt trat sie näher an die Theke. "Meinen Sie ernsthaft ich hätte den Absender gefälscht. Nur um Sie zu ärgern?" Die Laune von Miss Parker hatte den Tiefpunkt längst unterschritten. "Ich habe nun wirklich besseres zu tun." Setzte sich selbst beruhigend hinzu. "Können Sie nun sagen, zu wem die Adresse gehört?"
"Nein, Ma' am. Die Daten zu dieser Adresse sind alle gelöscht. Es benötigt einen Tag oder auch mehr sie zu reaktivieren." Na also, endlich eine Antwort.
"Dann tun Sie das!" Die Frau zuckte bei diesem erneuten Ausbruch zusammen. "Zwei Menschen sind verschwunden, falls Ihnen der ernst der Lage nicht begreiflich sein sollte, kann ich auch nachhelfen." Die Augen von Miss Parker blitzten gefährlich auf. Wäre Miss Parker ein Vulkan, man hätte längstens alle Menschen aus ihrer Umgebung evakuiert. Sie war sich ihrer Wirkung auf diese Frau bewusst und nutzte das in diesem Fall aus. Sie musste wissen, wer der Urheber der Mail war.
"Melden Sie sich unter dieser Nummer," Sie gab der Frau ihre Visitenkarte. "wenn Sie den Besitzer der Adresse wiedergefunden haben." Verdammt, warum musste der Entführer auch Broots mitnehmen.

27. Mai; 16:12
Colorado, RMNP

Die auf seiner Karte als unbewohnt eingetragene Hütte lag unmittelbar vor ihm, da hörte er einen Schuss. Nur knapp neben Jarod schlug die Kugel in einen Baum. Instinktiv ging er in Deckung und lies seinen Blick über das Gelände streifen.  
"Die Zweite trifft, wenn Sie nicht sofort umdrehen!" Rief eine laute Stimme von der Hütte zu ihm herüber. Jetzt sah er auch den dazugehörigen Mann. Der braungebrannte, kräftige Mann hielt sein Gewehr immer noch auf ihn gerichtet. Der Gefahr, welche das Gewehr bedeutete, bewusst, ging Jarod weiter. Er würde später noch mal herkommen. Dann allerdings unauffälliger und mit einem aufmerksamen Blick auf die Umgebung.

Der Anblick, der sich ihm bot, war wunderschön.
Das grüne Tal ... der Bach, welcher einen groben Schnitt durch die Landschaft verursachte ... die bewaldeten Hügel ... im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel der höheren Berge ... Das gesamte Bild besaß eine ungeheure Dynamik und strahlte gleichzeitig solch eine unendliche Ruhe aus. Warum nicht für immer hier bleiben?
"Ein herrlicher Ausblick, nicht wahr." Die tiefe Stimme irritierte ihn kurzzeitig. Jarod drehte sich um, das sonnengewöhnte Gesicht des Mannes, der auf ihn geschossen hatte, blickte ihn an. Der etwa Fünfzigjährige stellte sich neben ihn. Kein  Wort fiel zwischen den beiden. Sie blickten stumm auf die sich vor ihnen erstreckende Landschaft. Es kam Jarod wie eine Ewigkeit vor, in der er den Anblick in sich aufsog. Ihm gingen gleichzeitig Broots und Sydney, Miss Parker, sein bisheriges Leben und ... nichts durch den Kopf. Seine Gedanken waren frei und doch gefangen. Es war ein angenehmes leichtes Gefühl in ihm, während er auf das Tal herab sah.

"Er lässt einen alles negative vergessen."
"Was?" Verwundert, da aus seinen Gedanken gerissen, sah er den Mann neben sich an.
"Der Anblick, er lässt einen das schlechte in der Welt vergessen."
"Er verwirrt die Gedanken."
"Sie sehen bedrückt aus." Jarod lächelte, scheinbar war der Mann ungefährlich, so lange man seiner Hütte fernblieb.
"Vor kurzem hat man auf mich geschossen."
Der Mann lachte mit seiner brummigen Stimme auf. "Ich schieße auf jeden der sich meiner Hütte nähert. Hat man Ihnen das denn nicht gesagt? Ich bin schließlich nicht neu in der Gegend."
"Das hat man bei der Einweisung wohl vergessen."

27. Mai; 21:27
Massachusetts, Boston
Hotel

Schlecht gelaunt verließ Miss Parker das Restaurant. Eigentlich hatte sie keinen Hunger gehabt, doch ihr Verstand sagte ihr, dass sie etwas essen müsse. Mit der Hoffnung der Appetit käme beim Essen, doch sie hatte kaum einen Bissen angerührt. Als sie den Fahrstuhl bestieg, blickte sie unwillkürlich in den Spiegel. Der schlechte Witz der letzten Stunden hatte sine Spuren hinterlassen. Nicht nur ihre Nerven waren dem End nahe. Sie war bleicher als sonst, ihre Augen waren rot unterlaufen. Konnten Syd und Broots ihr so wichtig sein, konnten ihr verschwinden ihr wirklich so an die Nieren gehen? Eine leise Stimme sagte ihr, dass da mehr war. Die Emotionen und Ereignisse der vergangenen Jahre stürzten auf sie ein. Das Verschwinden ihrer einzigen Verbündeten war nur eine neuerlicher Auslöser, der ihren Gefühlen den Weg nach oben bahnte. Warum hatte man Syd und Broots gekidnaped? Warum? Seit einiger Zeit stellte sie sich diese Frage häufiger, als es ihr lieb war. Warum? Warum all dieser Schmerz ... all diese Lügen ... all dieses Blut?

27. Mai; 21:43
Colorado, RMNP
Jarods Hütte

Die Männer auf der Veranda verstanden sich offensichtlich. Bereits seit Stunden unterhielten sie sich unter dem klaren Himmel. Jarod hatte darüber ganz seine Sorgen vergessen, nur noch verschwommen meldete sich in ihm die Sorge.
"Ich werd mal verschwinden, bevor ich den Weg nicht mehr finde." Meinte sein Gegenüber.
"Sie könnten auch ..."
"Danke Jarod. Nein ich fühle mich nicht wohl unter anderer Leute Dächer. Und das mit dem Sie hatten wir bereits vor Stunden erledigt. Dachte ich zumindest." Er lächelte Jarod an, so dass dieser nicht anders konnte, als auch zu lächeln.
"Natürlich. Ich bin es halt einfach nicht gewohnt."
"Sie scheinen ein noch einsamerer Mann zu sein, als ich es je war. Gute Nacht Jarod."
"Nacht Bob." Jarod sah dem Mann noch hinterher, bis er schließlich hinter den Bäumen verschwand. Erst jetzt erfasste er die Worte, die Bob zuletzt sagte. Wie kam er darauf ... Sie hatte über nicht bestimmtes gesprochen. Nicht über seine Zeit im Centre, nicht über seine Familie oder Sydney, nicht über Miss Parker. Nur über Gott und die Welt, wie es so schön hieß.
Seinen Gedanken nachhängend begab er sich zurück in die Hütte. Nachdem er Teewasser aufgestellt hatte ließ er den Laptop zum zweitenmal an diesem Tag hochfahren. Er hoffte inständig ein Lebenszeichen von Sydney zu erhalten. Das Wasser begann zu kochen. Kein Ton vom Computer. Er goss das Wasser in die Tassen. Kein Ton vom Notebook. Er ging zurück zum Laptop. Kein Ton. Nicht einmal eine aufmunternde Nachricht von Angelo. Nichts. Er griff zum Handy.

(02) Catherine Parker ist offiziell seit dem 13. 04. 1970 tot.
(03) Eigentlich sogar vier. Catherine Parker - I2; IV19, (Faith - III14,) Tommy Gates - III 18 und der verschwundene Mr. Parker - IotH.
(04) IotH - Jarod und Miss Parker sind wegen einem Sturm auf Carthis gefangen. Eine Insel bei Schottland. Dabei stoßen sie auf mehrere Geheimnisse der Familie Parker.
(05) I 02 - Catherine Parker soll Selbstmord begangen haben. Miss Parker findet jedoch heraus, dass sie ermordet wurde, weil sie die Kinder (Miss Parker, Jarod, Angelo/Timmy) aus dem Centre befreien wollte. IV 19 - Miss Parkers Mutter wurde nach der Geburt von Ethan erschossen. Ethan ist der gemeinsame Bruder von Miss Parker und Jarod.
(06) I 21 - Jarod entdeckt, dass er und Kyle von dem gleichen Unbekannten E- mail erhielten. Bei der Befreiung von Kyle erfährt er, wer sich hinter CJ steckt. CJ - Abkürzung für Cracker Jack, Angelos Lieblingssüßigkeit.
(07) II 13 - Lyle überfällt eine Centre- Außenstelle und stiehlt einen Chip, mit dem er Informationen über Jarod aus dem Mainframe laden kann um sie an dritte zu verkaufen. Mr. Parker beauftragt MP mit der "Beseitigung" von Lyle.
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