Verschwundene Pfade

von morgen
GeschichteAbenteuer / P12
Broots Dr. Sydney Green Jarod Ms. Parker
28.02.2005
10.04.2005
3
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Short Cut: Miss Parker jagt Jarod und stößt auf unerwartete Hindernisse
Spoiler: spielt nach THE ISLE OF THE HAUNTED
Darsteller: Sydney, Jarod, Miss Parker, Broots
E- mail: morgen8@gmx.net
Rechtliche Hinweise: Die hier beschriebenen Personen sind das geistige Eigentum von TNT, NBC und 20th Century Fox, gehören somit leider nicht mir, sondern den genannten Firmen. Die folgende Geschichte verfolgt keine kommerzielle Ziele.
Bemerkung: Dies ist mein erster Fanfic, daher hoffe ich auf tapferes Feedback eurerseits. Schreibt mir eure Kritiken, Änderungsvorschläge oder einfach was euch aufgefallen ist. Denkt dran, nur wenn ihr mir meine Fehler aufzeigt, kann ich sie ändern und euch bessere Geschichten präsentieren. Viel Spaß beim Lesen.


VERSCHWUNDENE PFADE

Teil 1


26. Mai; 02:55
Delaware, Blue Cove
Miss Parkers Haus

Den Raum, in dem sie stand, erkannte Miss Parker nur mühsam. Das schummrige Licht verzerrte ihre Wahrnehmung. "Engelchen. Ich habe dich immer geliebt." Sagte der Mann vor ihr. Er hatte kein Gesicht. Waren es seine Worte? Als wenn sich ein Nebel verzog erkannte sie ihren Vater vor sich. Meinte er die Worte, die er sprach oder war es wieder nur eine ... Nein, sie konnte die Wahrheit in seinen Augen lesen. Sie glaubte ihm. "Daddy!" Nur zittrig und weinerlich verließen die Worte ihren Mund. "Was hast Du mein Engelchen?" Er stand immer noch vor ihr. Sie blickt erneut zu ihm hoch ... sein Gesicht ... vor ihr stand Mr. Raines.

Ein Geräusch machte sich bemerkbar, sie hörte es wie durch einen Schleier. Das Geräusch wurde immer lauter. Wo kam es her? Sie wachte auf. Verdammt, Sie hatte doch Anweisung gegeben sie nicht anzurufen. Hätte ich doch nur den Stecker gezogen. Das allerdings brachte jetzt auch nichts mehr. Typisch Centre sie zu einer Zeit zu stören zu der normale Menschen meist bereits schliefen. Normale Menschen gab es die überhaupt noch in ihrem Umfeld? Sie stand müde auf und ging Richtung Telefon und nahm ab. "Was?"
"Sie klingen ein wenig, aggressiv Miss Parker." Meldete sich eine ihr gut bekannte Stimme.
"Kein Wunder wenn Sie einen um diese Zeit noch stören! Was wollen Sie denn diesmal?" Knurrte sie in den Hörer.
"Nur mit Ihnen reden." Reden, wenn sie das schon hörte, der wollte doch sonst nie reden'.
"Ach wollten Sie das. Na dann schießen Sie mal los."
"Kann ein Engel auch mit gestutzten Flügeln fliegen?"
"Wollen Sie mich verar..." Es klickte in der Leitung, bevor sie den Satz beenden konnte. Verdammt, was hatte das schon wieder zu bedeuten. War ihr Tag denn nicht schwer genug gewesen? Sie schmiss sich erneut auf das Bett. Sie versucht die Worte, ihren Traum aus ihren Gedanken zu verbannen und wieder einzuschlafen. Der Traum. Hing er mit den Ereignissen gestern zusammen? Jarod hatte wirklich ein Talent dazu sie immer dann zustören, wenn sie die Ruhe brauchte. Warum musste er ihr das immer wieder antun. Unruhig schlief sie wieder ein.

26.Mai; 06:00
Massachusetts, Boston
Flughafen

Eine nette Dame überreichte ihm das Ticket.
"Ihr Ticket!"
"Oh. Danke"
"Ich wünsche Ihnen noch eine angenehme Reise."
Sie wunderte sich schon lange nicht mehr über die Leute, die an ihren Stand kamen. Doch dieser Mann war wirklich seltsam. Er war wie ... weggetreten.

Beinahe hätte er sein Ticket vergessen. Das wäre wohl der Höhepunkt dieses chaotischen Tages geworden. Übermüdet ging er durch die Sicherheitsschranke und ... es piepste. Natürlich das musste ja sein! Nachdem er alle Taschen gelehrt hatte, konnte er unbehelligt ein weiteres mal hindurch gehen. Langsam sammelte er die einzelnen Gegenstände wieder ein.

26. Mai; 07:37
Delaware, Blue Cove
Centre, Technikraum

Unruhig, fast nervös fummelte Broots an seinem Hemd. Die quietsch bunten Farben stachen einem in den Augen, allerdings schien Broots das nicht zu irritieren. "Kann ich Ihnen irgendwie helfen Broots?"
"Nein. Es ist nur ... " Noch immer zupfte er an seinem Hemd. "Es ist nur ... Debbie. Seit einiger Zeit ... ist sie ... ist sie so ... gereizt, unausgeglichen ... "
" ... geladen, fuchsig, zänkisch? Machen Sie sich nichts draus Broots. Sie wird erwachsen. Sie ist ein Teenanger, die durchlaufen seit Generationen solch eine Phase der ... "
Mit einem plötzlichen Stoß flog die Tür auf.  "Gibt es was neues von Jarod?" Allein durch ihr Auftreten schrumpfte Broots um einige Zentimeter. Diese Frau beängstigte ihn. In einem Moment konnte sie mitfühlend und hilflos sein, im nächsten besaß sie einen unzerstörbaren Panzer aus Eis. Und in beiden Zuständen war sie unerträglich.
"Nein Miss Parker." Antwortete Sydney, der sich von ihr nicht so schnell einschüchtern ließ.
"Dann arbeiten Sie gefälligst und halten hier kein Kaffeekränzchen ab." Genauso ruckartig wie sie erschienen war, verschwand Miss Parker wieder.
"Was sollte das denn?" Wand sich der Techniker an Sydney.
"Vermutlich hängt das mit Ihrem Besuch bei ihrem neuen Vater(1)," Unbewusst musste er schmunzeln. "wenn man das so nennen darf, zusammen. Sie wissen doch, was sich Raines gestern geleistet hat. Miss Parker wird sich schon wieder einkriegen." Das Treffen mit ihrer neuen Familie' musste Miss Parker schwer genug gefallen sein, doch die Form, die Raines ihr gegenüber angeschlagen hatte, brachte das Fass offensichtlich zum Überlaufen.
"Hoffentlich." Hörte er Broots stöhnen. Sie hatten alle unter der neuen Ordnung im Centre zu leiden.

26. Mai; 05:45
Colorado, Denver
Vor dem Flughafen

Der Flug verlief entspannend und Jarod hatte sich etwas ausruhen können. Die letzten Tage hatten jedoch deutliche Spuren hinterlassen, er brauchte dringend Schlaf. "Kluger Mann sorgt vor." Sagte er leise sich selbst. Er winkte ein Taxi herbei, nannte dem Fahrer die Adresse und ließ sich entspannt in den Rücksitz fallen.

Das Hotel, welches er schon vorher gebucht hatte, lag direkt im Grünen, ideal um neue Kraft zu tanken. Das Zimmer hatte eine gute Aussicht, Täler und sanft Bergkuppen umschlossen einander, flossen in einander über. Erschöpft ging er in das kleine Bad.

Eine Hand berührte ihn. Sie lag auf seiner Wange, als gehörte sie dort hin, als wäre sie ein Teil von ihm. Er konnte nicht sehen, woher die Hand kam. Nebel legte sich über seine Augen. Er genoss diese Berührung. Sie war warm. Vertraut. ...  Er versuchte seine Umgebung zu erfassen, doch es war vollkommen still. Keine Bewegung ging durch den Raum. Nicht einmal ein Lufthauch war zu spüren. Nur die Hand auf seiner Wange. ... Ein warmer Hauch näherte sich ihm. Er öffnete die Augen ...

Mit aufgerissenen Augen starrte er die Decke an. Was war das? Es war keiner seiner üblichen Alpträume. Er verspürte keine Angst, der Traum erdrückte ihn nicht wie sonst. Nur die Erinnerung an den Traum sagte ihm, dass er nicht einfach nur aufgewacht war. Er konnte die Wärme, das brennende Gefühl auf seiner Wange noch spüren. ... Jarod versucht sich die Szene noch einmal vor die Augen zu holen. Die Berührung löste etwas in ihm aus. Ein Gefühl, dessen er sich lange nicht mehr bewusst war ... Etwas vertrautes, wie aus einer anderen Zeit.

26. Mai; 13:56
Delaware, Blue Cove
Centre, Miss Parkers Büro

Sie konnte den Anruf von Jarod nicht vergessen. Was bezweckte er mit dem seiner Frage. Miss Parker stand auf und schaute aus dem Fenster. Sie nahm den Ausblick nicht wahr. Ihre Gedanken kreisten noch immer um die letzte Nacht. Den Traum. Den Anruf. Sie wusste, was den Alptraum verursacht hatte. Der Tod ihres Vaters ... ihres Onkels hatte sie mehr mitgenommen, als sie jemals zugeben würde. Raines und ihr Bruderherz waren da keine große Hilfe. Ihr liebenswerte Familie schien sogar Gefallen daran zu haben sie noch zusätzlich zu belasten. So wie Jarod. Er liebte es sie nächtens aus dem Bett zu klingeln und ihr Fragen zu stellen. Oder offenbar sinnlose Sätze. Was bezweckte er mit seinem letzten Anruf. Welche Bedeutung hatte seine Worte diesmal. Langsam hatte sie diese Spielchen satt. Konnte er sich nicht einen anderen dafür suchen? Sie musste zugeben, dass die nächtlichen Anrufe ein Ziel besaßen. Seine Spielchen brachten immer Licht in das Dunkel ihrer Vergangenheit. Doch warum konnte er nicht einfach sagen was er wusste. Diese Spielchen belasteten sie. Sie würde es nicht unter der schlimmsten Folter gestehen, doch die Mitternachtsgespräche befreiten unterdrückte Gefühle und Gedanken. Erinnerungen, die sie vergessen wollte stiegen wieder auf. Brachen sich ihren Weg. Ich hasse ihn! Ging ihr durch den Kopf. Ein Klopfen an der Tür machte ihren Gedankengängen ein Ende.
"Was?" Sie drehte sich Richtung Tür.
"Miss Parker?" Broots trat schüchtern ins Büro. "Wir haben eine Nachricht von Jarod."
"Wo ist dieser Mistkerl?" Fragte Miss Parker schroff, als wäre Broots an allem Schuld. Sie war einfach nur wütend auf Jarod ... Sich selbst.
"Wir bekamen eine Mail aus Harvard, anscheinend ist Jarod dort Professor."
"Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er immer noch da ist?"
"Eher gering, wie es aussieht war es ein Programm, das die Mail automatisch zu einem bestimmten Zeitpunkt abgeschickt hat."
"Sagen Sie der Flugbereitschaft bescheid, wir brauchen einen Jet."
"Ähm Miss Parker?"
"Was?" Ihre schlechte Laune wurde durch Broots nicht unbedingt gehoben.
"Sie sollten sich folgendes ansehen." Broots gab ihr ein Blatt Papier.
"Was soll ich damit?" Erst da sah sie, dass es der E- Mail- Ausdruck war. Unter dem kurzen Text erkannte sie das Bild ihres Vaters. Sie las die Botschaft. Fliegt Engelchen auch ohne Schutz von Oben? Was sollte das? Sie überlegte kurz ... Der Anruf! Konnte es sein ... Nein, dass war nur wieder eines seiner Spielchen. Ihr Vater war ... Sie nahm sich zusammen. "Geben Sie die Abflugszeit an Sydney weiter."
"Was soll er an mich weitergeben?" Erkundigte sich der genannte den Raum betretend.

26. Mai; 15:23
Massachusetts
Harvard University

"Jarod erwähnte, dass jemand hier erscheinen und nach ihm fragen würde." Erklärte ein ziemlich großer dunkelhaariger Mann, der Miss Parker, Sydney und Broots über den Campus führte.
"Er war hier einer der Hausmeister."
"Scheint, als würde ihr Wunderknabe sich neuerdings für Dreck interessieren." Stellte Miss Parker trocken fest.
Verwundert schaute er sie an. "Vielleicht verfolgt er aber auch ein Ziel, wie sich in eine bestimmte Gesellschaftsschicht zu versetzen." Miss Parkers Gereiztheit konnte nicht nur von Raines Wortwahl herrühren. Sie musste noch eine andere Ursache haben. Eine die mit Jarod zu tun hatte.
"Natürlich, Dr. Freud muss gleich wieder einen tieferen Sinn in dem allen erkennen können."
"Ich soll Ihnen das hier geben." Mischte sich, einen Zettel aus der Jackentasche ziehend, ihr Begleiter ein. "Er meinte Sie wüssten etwas damit anzufangen."
Miss Parker riss ihm den Zettel aus den Händen. "Können Sie noch fliegen?" Diese Worte kamen ihr bekannt vor. Wie sollte Sie die Worte deuten? Hatte es etwas mit ihr oder ihrem Vater zu tun? Verstand sie die Worte falsch. Mach dir nichts vor! Du verstehst die Worte nicht mal annähernd. Sie versuchte die Gedanken herunter zu schlucken. Und wenn, was machte das jetzt noch? Sie reichte Sydney den Zettel und meinte so kalt sie konnte. "Scheint, als hätte die Laborratte Ihnen ein Rätsel hinterlassen."
Dieser ließ sich nicht irritieren. "Ich denke das Rätsel bezieht sich eher auf Sie Miss Parker." Unbeeindruckt von ihrem Blick wandt er seine Aufmerksamkeit wieder ihrem Führer zu. "Können Sie uns den Bereich zeigen, an dem Jarod hauptsächlich gearbeit hat?"
"Oh, die Uni war sein Beschäftigungsfeld. Wissen Sie er war hier nur Aushilfe, doch wenn Sie wollen zeige ich Ihnen seinen Spind. Folgen Sie mir." Der Mann geleitete die Gruppe zu einem Raum. Miss Parker drückte gerade die Klinke herunter, als er sie etwas unsicher unterbrach.
"Ähm? Miss, das ist der Herrenumkleideraum," Er zeigte auf Piktogramm auf der Tür. "sie dürfen da nicht rein."
Mit einem kalten Lächeln sah sie den Mann an. Es hatte vermutlich keinen Sinn sich zu streiten. "Okay, Broots, Syd sehen Sie nach was Sie finden. Ich werde solange hier draußen warten."

"Wozu brauchen die solange?" Fluchte Miss Parker auf dem Flur wartend. "Schon über eine Stunde sind die da drin!" Unbeherrscht klopfte sie an die Tür und ging rein. Der Raum war leer, kein Mensch zu sehen. "Was zu Teufel wird hier gespielt?" Sie öffnete die Tür, die sich am anderen Ende des Raumes befand.

26. Mai; 16:30
Colorado, irgendwo im Rocky- Mountain- National- Park (RMNP)

Die Blockhütte, vor welcher der Pickup hielt, hätte gut und gerne als Postkartenmotiv herhalten können. Jarod fand die Gegend einfach malerisch. Die hohen Tannen gaben dem Ganzen ein beruhigendes Licht, hier konnte man sich wirklich frei fühlen.
"Willkommen! Sie müssen der neue Ranger sein." Ein mittelgroßer Mann kam auf ihn zu, als er aus dem Wagen stieg.
"Japp, Jarod, Jarod Hillary."
"Freut mich Hank. Ich bin hier in der Parkverwaltung das Mädchen für alles."
"Sie kommen mir nicht wie ein Mädchen vor." Erwiderte Jarod etwas verwundert.
"Das ist ein Sprichwort. Sagen Sie nicht, Sie hätten das noch nie gehört."
Leicht beschämt, lächelt Jarod den Mann an. "Ich bin ziemlich isoliert aufgewachsen, da waren Sprichwörter nicht gerade an der Tagesordnung." Mit festen Schritten gingen sie gemeinsam auf die Hütte zu.
"Die Hütte bekommen Sie während Ihrer Tätigkeiten hier gestellt." Hank schloss die Tür auf. "Sie ist nicht sonderlich groß, aber bisher hat sich niemand beschwert."
"Danke. Sieht gemütlich aus." Die Einrichtung machte einen abgenutzten Eindruck, das Bett war durchgelegen und die Gardinen waren schmutzig grau, dennoch freute er sich hier einige Zeit bleiben zu können. Er mochte verlebte Räume, sie waren nicht so steril, so wie im Centre.
"Zum Erholen reicht es." Es traf anscheinend nicht Hanks Geschmack von schöner Wohnen.
"Gibt es viele Touristen, die sich in dieser Gegend verirren?"
"Fast jeder dritte, der raus geht, bekommt früher oder später Orientierungsprobleme, doch die meisten finden wieder zurück." Kopfschüttelnd übergab er ihm den Schlüssel. "Das liegt daran, dass die Leute nicht lesen können. Überall steht sie sollen die Wege nicht verlassen, aber sie können es einfach nicht lassen." Erklärte ihm Hank etwas verärgert, aber auch machtlos.
"Was ist mit denen, die nicht zurückfinden?"
"Die haben nur zwei Chancen. Entweder werden Sie von den Rangern früh genug gefunden, oder ... Denken Sie an Ihre restlichen Papiere, wenn Sie nachher Ihre Ausrüstung abholen."
"Könnte ich nicht auch gleich mitkommen, auspacken kann ich auch später."
"Okay, Folgen Sie mir unauffällig." Wenn er Jarod dabei nicht den Rücken zugedreht hätte, wäre ihm erneut ein großes Fragezeichen entgegen gesprungen.

Die Tür zum Büro des Leiters der Parkverwaltung stand offen, dennoch klopfte Jarod.
"Kommen Sie rein." Als er eintrat, sah er einen grauhaarigen, drahtigen Mann am Schreibtisch. Der Mann wirkte fremd in dem Raum, passte nicht in das Bild. Er wusste aus seinen Informationen über den Nationalpark und dessen Angestellten, das der Mann hinter dem Schreibtisch selbst einmal Ranger gewesen war. Das erklärte wohl sein deplacierte Wirkung. Jarod registrierte, dass er sich mit Bewerbungsformularen für Rettungssanitätern beschäftigte.
"Ich wollte nur die fehlenden Unterlagen für meine Einstellung abgeben."
"Und sie sind?" Der Mann schien etwas irritiert, fast ratlos.
"Oh, ähm. Entschuldigen Sie, ich hätte mich erst vorstellen sollen. Jarod Hillary." In dem Blick des Verwalters erkannte er Erinnerung aufflammen.
"Ich bitte um ihr Verständnis. Simon Niklas. Sie sind der neue Parkranger? Legen Sie ihre Papiere einfach dort hin." Er zeigte auf die einzige leere Ablage auf seinem Tisch. "In ihren Bewerbungsunterlagen stand, sie hätten eine medizinische Ausbildung. Wir haben zur Zeit nicht genügend Leute. Trauen Sie sich zu eine Weile ohne Sanitäter auszukommen?"
"Ja, doch benötige ich in Notfallsituationen einen zweiten Mann."
"Den bekommen Sie." Niklas nickte ihm zu. "Sie können die Tür auflassen."

Zurück in seinem Wagen zog Jarod ein rotes Notizheft aus seiner Jackentasche. Als er es öffnete, las er ein weiteres mal die Schlagzeilen. Rettungsteam suchte in falschem Gebiet! Fahrlässigkeit tötet Bergsteiger

26. Mai; 18:52
Massachusetts
Harvard University

Miss Parker war mehr als geladen. Sie hatte versucht Sydney und Broots ausfindig zu machen, hatte die Sweeper an den Campusausgängen postieren lassen, auf Sydneys Handy angerufen. Jedoch hatte sie nur die Mailbox erreicht, niemanden ausfindig machen können. Nichts. Die beiden waren wie vom Erdboden verschwunden. Sollte Jarod etwa dahinter stecken. Unwillkürlich unterdrückte sie den Gedanken. Jarod war alles zuzutrauen, aber die Entführung seines Mentors ...
Sie kämpfte sich zum Dekan durch. Irgendwie musste sie herausbekommen, wer dieser Typ war, der sich ihnen vorgestellt hatte, was Jarod mit dieser Sache zu tun hatte.
Ihre aufkommende Panik überspielte sie mit einem eisigen Lächeln. Eine Maske aus Stein setzte sich auf ihrem Gesicht fest. Es gelang ihr nicht vollständig die aufströmenden Gefühle unter Kontrolle zu bekommen, doch schrie sie den Dekan wenigstens nicht an. Blieb ruhig und versuchte sich ihm gegenüber zu beherrschen. Sie war auf ihn angewiesen, auf seine Unterstützung in diesem Fall. "Meine Kollegen und ich suchen nach einem Mann namens Jarod. Hat dieser zufällig hier gearbeitet?"
"Ein Jarod White war bei uns als Hausmeister angestellt. Wenn sie allerdings mehr wissen wollen müssen Sie mit Sam sprechen. Warten Sie ich lasse ihn kommen."

Ein untersetzter Endfünfziger betrat das Büro des Dekans, der gelassen an seinem Schreibtisch saß und sie die letzten Minuten geflissentlich ignoriert hatte.
"Sie wollten mich sprechen Professor Klausen?"
"Nicht direkt, diese Dame möchte Ihnen einige Fragen zu Jarod stellen."
"Was genau hat Jarod hier gemacht?" Setzte Miss Parker gleich an, so unterkühlt und gleichgültig sie eben konnte.
"Warum interessieren Sie sich für Jarod? Der arbeitet schon seit über drei Monaten nicht mehr hier."
Miss Parkers Augen begannen zu funkeln. "Beantworten Sie meine Frage!"
Der Hausmeister betrachtete sie verwirrt, fuhr aber in ruhigen Ton weiter. "Er war von Beginn an nur als Übergangslösung gedacht, dennoch hat er überall Hand angelegt, wo Not am Mann war. Sonst kann ich Ihnen nicht viel sagen, außer, dass ihn wohl etwas bedrückt haben muss. Er war trotz seiner Offenheit anderen gegenüber immer in sich verschlossen."
"Der Mann, welcher für das Verschwinden meiner Männer verantwortlich sein dürfte, erwähnt etwas von einem Raumsystem. Jarod habe es erfunden?"
"Wir haben vor kurzem eine Nachricht von ihm bekommen, in der ein neues System bei der Raumplanung skizziert wurde. Es ist wie eine Wanderkarte angelegt, mit der Bemerkung ein Campus sei wie ein unübersichtliches Gelände."
"Kann es sein, dass der Entführer einer von ihren Leuten war?"
"Sie können mit ihnen reden, wenn Sie wollen, auch wenn ich mir nicht ... "
" ...Sie sich nicht vorstellen können, dass sie etwas mit der Entführung zu tun haben." Ein falsches Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie auf den Mann zu trat. "Ein Unbekannter hat meine Kollegen gekidnappt." Sie kam ihm gefährlich nahe, instinktiv ging der Hausmeister einen Schritt zurück. "Ich werde keine Spur ungeprüft lassen und die einzige Fährte, die ich bisher habe, sind ihr Leute. Wir könnten das ganze abkürzen, in dem Sie mir deren Akten geben."

Was zum Teufel sollte diese Show? Wer entführt schon einen Psychiater und einen Computerfreak? Was hatte das alles zu bedeuten? Welche Rolle spielte Jarod in diesem Theaterstück? Jarod! Das war nicht sein Stil. Aber warum dann diese Andeutungen? Sie versuchte sich auf die vor ihr liegenden Bilder der Uniangestellten zu konzentrieren. Ihre Gedanken schweiften erneut ab. Hatte Jarod wirklich etwas mit dem Verschwinden von Broots und Syd zu tun. Aber warum? Damit du ihn nicht verfolgen kannst. Ohne Hinweise könnte ich das auch mit den beiden nicht. Also warum? Warum sollte Jarod sie entführen lassen? Sie konnte sich einfach nicht drüber klar werden.

27. Mai; 02:34
Massachusetts, Boston
Miss Parkers Hotelzimmer

"Engelchen?" Engelchen, wenn sie das schon hörte, so nannte er sie immer. Aber besonders, wenn er etwas von ihr wollte war sie sein Engelchen. "Ja, Daddy?" Seit dem Tod ihrer Mutter(2) redeten sie auf diese Weise. Stets in Andeutungen, ihre Gefühle verbergend ... hilflos. Eine Art Teufelskreis umgab sie. Wann immer sie mit einander sprachen. Es stand stets etwas zwischen ihnen und keiner ... keiner von ihnen beiden suchte diese Mauer einzureißen und den Graben zu überspringen. Sie hatten Angst. Angst die Mauer könnte zu hoch sein. Angst sie könnten in dem Graben ertrinken und ... und der andere würde nicht zur Rettung erscheinen. Daher ging das Spielchen weiter. Doch beide waren einander fremd trotz der Liebesbekundungen. Jeder von ihnen hoffte der andere meine es ernst ... und hinterfragte gleichzeitig seine eigenen Absichten. Meinte man es selbst überhaupt ernst? Die Frage nach dem WARUM war greifbar, aber sie waren blind und taub, trauten sich nicht zu fragen. Aus Angst. Angst einander zu verlieren ... einander zu finden. Sie war allein ...

Miss Parker erwachte und musste schlucken. Das Zimmer war dunkel. Es war Nacht. Sie war allein ... der Traum kam ihr in die Erinnerung zurück. Ihr Vater ... Mr. Parker ... ihr Onkel ... Miss Parker schluckte erneut, als sie an ihren Vater dachte. Ihr Vater war Tod, der letzte aus ihrer Familie, der ihr etwas bedeutete. Sie war allein. Was hält dich noch im Centre ... Ein Geräusch weckt sie endgültig.

(1)IotH - Miss Parker nimmt sich selbst Blut ab, später vergleichen Sydney und Broots ihre Blutprobe mit dem Sperma ihres Vaters. Dabei stellt sich heraus, Mr. Parker kann nicht ihr Vater sein , sie aber dennoch mit ihm verwandt ist. Bei weiteren Nachforschungen entdecken sie in alten Centrearchiven, das Mr. Parker einen Zwillingsbruder hatte - Mr. Raines.
(2)Catherine Parker ist offiziell seit dem 13. 04. 1970 tot.
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