Niam

GeschichteHumor / P6
27.01.2005
27.01.2005
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Prolog:
Mein Name ist Niam, ich bin das einzigste Kind von Piara und Isuahl Groderian. Eigentlich war es der Wunsch meiner Mutter gewesen, viele Kinder zu haben und dann die Großstadt zu verlassen. Wie gesagt, es war der Wunsch meiner Mutter, in meinem elften Sommer wurde sie zum Opfer eines verheerendes Brandes. Mit ihr starb auch mein Vater. Da ich keine weiteren Verwandten in Al'Anfar hatte, musste ich das Lebensnotwendige zusammen klauen. Das war anfangs zwar ungewohnt und ich hatte immer mit meinem Gewissen zu kämpfen, aber mit der Zeit habe ich mich daran gewöhnt und ich wurde immer besser. Ich arbeitete mich zu einer der meist gesuchtesten Diebe in der ganzen Stadt hoch. Wie sooft saß ich mit ein paar meiner wenigen Freunde im Wirtshaus, das gleichzeitig auch Schlafräume für Reisende bot. Wir saßen wie immer in der hintersten Ecke. Ich hatte meine braunen Haare blond gefärbt und meine grünen Augen mit Hilfe eines bestimmten Krautes in helles blau verwandelt, hätte ich dies nicht getan, würden sofort mehrere Gardisten über mich herfallen. "Es soll eine neue Reisetruppe hier hausen." Sagte mir der junge Mann gegenüber. "Ich habe noch genug, deswegen werde ich sie nicht bestehlen, aber wie sieht es mit euch aus?" Das Mädchen zu meiner rechten zuckte mit den Achseln, sie sah traurig aus. "Was ist?" Sie holte tief Luft. "Ich werde die Stadt noch in dieser Nacht verlassen. Ich habe jemanden gefunden, der mir mehr zu bieten hat als diese Stadt!" Trauer und Ungläubigkeit nahmen von mir besitz. "Du... du willst Alles aufgeben?" Sie nickte. "Ja! Alles' ist in Al'Anfar für eine Diebin nicht viel!" Auch ich hatte schon mehr als einmal mit dem Gedanken gespielt zu fliehen und mir irgendwo ein besseren Ort zu suchen, dennoch hielt mich hier immer etwas zurück. Die Wirtsfrau brachte uns unseren Met. Obwohl ich erst 15 war, konnte mein Magen schon viel vertragen und nur selten fiel ich beim Wettsaufen mit den Männern um. Da fiel mein Blick auf einen Zwerg, der einen Felsspalter über der Schulter trug. Hinter ihm ging ein 2 Fuß hoher Barbar, der sich ducken musste um nicht gegen die Decke zu laufen. Ein komisches Gespann. Meine Argusaugen beobachteten genau was geschah, erst setzten sie sich, dann bestellten sie und wenig später setzte sich ein Elf an den Tisch. Auch die anderen beiden an meinem Tisch schien das ungewöhnliche Trio auf gefallen zu sein. "Ich werde nun gehen! Lebt wohl!" Ich nahm meine beste Freundin mit Tränen in den Augen in meine Arme. Vielleicht wollte ich gar nicht verstehen, warum sie ging, aber ich musste es akzeptieren. Auch der junge Mann in meiner Begleitung wollte nun gehen. Ich blieb noch ein wenig um zu beobachten, was noch geschehen würde, aber etwas besonderes passierte nicht. Der Zwerg starrte nur ständig auf die Hinterteile der jungen Frauen und auch der Barbar und der Elf waren nicht wirklich besser. Ein Glück, das sie mich nicht wahrnahmen. Als die Sonne bereits untergegangen war und sich das Wirtshaus leerte, gingen sie durch eine Tür und wahrscheinlich nach oben. Das musste die reisende Truppe sein. Wer im Tanzkessel' übernachten konnte musste sicher viel Geld haben. Ich wusste was zu tun war. Auf leisen Sohlen schlich ich hinter den dreien her und beobachtete wie sie in eines der vier Zimmer gingen. Ein schwaches Licht fiel durch den Türschlitz und irgendwann war es komplett dunkel auf dem Flur. Meine Zeit war gekommen. Mit einem Dietrich in der Hand schlich ich über den Dielenboden zu der Tür. Ein paar gekonnte Handgriffe und schon war die Tür geöffnet. Ebenso leise schlich ich hinein und sah mich im matten Mondlicht um. In einer Ecke erkannte ich eine wahrscheinlich aus Holz geschnitzte Truhe, zu der es mich magisch hinzog. Ein kaum vernehmbares Knarren erfüllte den Raum, als ich den Deckel abhob. Doch bevor ich auch nur einen Blick in die geheimnisvolle Truhe werfen konnte, spürte ich die kalte Klinge eines Dolches an meiner Kehle. "Was tut ihr hier?" fragte eine angenehme Männerstimme in mein Ohr. Mir sträubten sich die Nackenhaare und ich bekam eine Gänsehaut. Ich wurde zum zweiten Male bei einem Einbruch erwischt. Dennoch schwieg ich und die Klinge drückte sich härter an meine Kehle. Eine Kerze wurde angezündet und mir vor mein Gesicht gehalten. "Kennt die einer?" fragte der Zwerg, der nun auch auf den Beinen war. Ich sah in vier Gesichter, drei davon hatte ich schon gesehen. Das andere war eine Frau mit Mahagonifarbenen Haaren, die ihr bis zu den Hüften reichten. Den hinter mir Stehenden konnte ich nicht erkennen. "Ich frage noch einmal: Wer seid ihr?" Ich holte tief Luft und überlegte, ob ich wirklich antworten sollte. "Ihr haltet eure Klinge an den Hals von Niam!" sagte ich stolz. "Niam wer?" Jetzt sagte ich nichts mehr. Mein Angreifer schubste mich nach vorne, dass ich hart auf den Bohlen aufschlug. Ich lag zu Füßen des Zwerges. "Darf ich die behalten?" Entsetzt rappelte ich mich auf. "Mich behält niemand!" "Seid ihr die Niam, die überall auf den Plakaten der Stadt hängt und als gesucht gemeldet ist!" Nun betrachtete ich den, der mir noch vor wenigen Atemzügen sein Dolch an die Kehle gedrückt hatte. Er war hoch gewachsen und hatte dunkles Haar und helle Augen. "Wer will das wissen?" fragte ich und mein Blick wanderte von ihm zu der Frau, die eine Amazone sein musste. Sonst zeigen keine Frauen soviel Haut wie sie und tragen doch eine so starke Rüstung. "Wir stellen hier die Fragen!" der Elf mischte sich ein. Er erntete einen giftigen Blick der Amazone. "Mein Name ist Silvana. Nun antwortet, seid ihr die Gesuchte?" Würde ich jetzt ja sagen, würden sie mich bestimmt verpfeifen. "Nein!" log ich. "Du bist eine miserable Lügnerin, aber eine gute Diebin." Der Mensch zwang mich ihm in die Augen zu sehen. Er hob mein Kinn an und ich fühlte mich wehrlos, wie nie zuvor. "Es steht die Strafe auf dem Haupte, wenn man dich laufen lässt und eine beträchtliche Summe, wenn man dich den Gardisten ausliefert!" Mein Herz pochte so laut gegen meinen Brustkorb, das ich fürchtete, es würde zu hören sein, wenn nur jemand schweigen würde. "Was sollen wir tun?" Irgendetwas faszinierte mich an diesem jungen Mann, der mich vollkommen in seiner Hand hatte. "Mitnehmen!" sagte der Zwerg, aber ich wusste, dass das für mich nicht zum Spaß sein würde. "Lasst sie laufen!" sagte Silvana, die sich auf eines der Strohbetten gesetzt hatte. "Wie wäre es mit einem Kampf?" nun meldete sich auch der Barbar zu Wort. "Dein Gegner wird fair ausgewählt. Gewinnt er, schicken wir dich zu der Stadtwache. Gewinnst du kannst du gehen und es ist nie etwas passiert!" Im Kämpfen war ich eigentlich nicht sehr gut, weil ich nur selten kämpfen musste, doch was blieb mir anderes übrig? "Ich nehme an!" Ich schüttelte also die mir entgegen gestreckte Hand des Menschen. "Eine Bedingung, wir kämpfen beide mit Dolchen!" Der Mensch nickte nur kurz. Dann legte er sein Messer auf den Boden, drehte es und die Spitze blieb bei Silvana stehen. "Nun dann, viel Spaß!" Ein letzter, tiefer Atemzug und ich zog meinen Dolch. Auch Silvana trug einen bei sich und der Kampf konnte beginnen. Wir gingen aufeinander los und ich bemerkte neben bei, wie der Elf seine Augen aufgerissen hatte und sich nun am Frauenkampf ergötzte. Dieser Augenblick Unachtsamkeit, bescherte mir eine Wunde auf der rechten Hand. Doch Silvana blieb nicht unverwundet. Meine Klinge traf sie an der Schulter und ich hatte das Gefühl, als würde ich ihr den halben Arm abschneiden. Sie lies geschockt den Dolch fallen und wollte ihn gerade aufheben, da stürmten zwei Gardisten in das kleine Zimmer und rissen mich an Armen und Kleidern zurück. Nun musste ich auch meinen Dolch fallen lassen. Ich schrie, schlug und trat um mich und rammte einen der Gardisten mehrmals meinen Ellebogen in den Magen. Trotzdem ließen sie nicht locker und schleppten mich aus dem Raum ich hörte nur noch einen dritten Gardisten, der die komische Truppe für ihren Fang lobte und ihnen die versprochenen 100 Dukaten gab. Ich tobte wie ein aufgebrachter Stier und mir gelang es einmal sogar fast zu entkommen. Mit vier Mann mussten sie mich in die Zelle sperren, da ich mich immer noch mit Händen und Füßen wehrte.
Ich fand mich in einer kleinen Zelle ohne Fenster wieder, in der es stark nach Verwesung roch und die Kälte ein unerbittehrlicher Feind war. Ich ließ mich an der feuchten Steinwand hinunter gleiten und legte die Arme um meine angewinkelten Knie. Kalte Luft füllte meine Lunge und mir war schlecht. Sollte so das Leben von Niam Groderian sein Ende finden? Wahrscheinlich schon. Ich dachte nach, bis mir irgendwann  die Sinne schwanden und ich im Reich der Träume war.
Ich wurde von einen lauten Geräusch geweckt. Ich konnte nicht ausmachen was es war oder woher es kam. Ich blickte nur in die unendliche Dunkelheit. Selbst die Gitterstäbe und den Gardisten, der über mich wachen sollte, konnte ich nicht mehr sehen. Ein lauter Schrei und dann Gekicher. "Aua, Zwerg, du stehst auf meinem Fuß!" "'Tschuldigung!" Dann wurde eine Kerze angemacht und ich blickte in das Gesicht von dem Elfen, der die Kerze hielt. "Ihr Kinder, haltet doch mal die Klappe. Sonst erwischt man uns noch und wir teilen uns dann diese Zelle!" sagte eine mir vertraute Stimme, das musste der Mensch sein, der mir vorhin das Angebot gemacht hatte, was ich nicht hatte ablehnen können. "Wenn ihr eine Diebin seit, müsst ihr auch eure eigene Zelle aufbekommen können!" sagte der Elf. "Ja, aber nur mit meinem Werkzeug..." Er hielt mir meine lederne Werkzeugtasche unter die Nase. Der Mensch kam näher. "Immerhin habt ihr vorhin gewonnen. Silvana hat ihre Waffe fallen lassen." Meine Sinne mussten mich täuschen, denn ich wurde gerade von einer Horde ungehobelter... hmm ungehobelter, halt ein Elf, ein Mensch, ein Zwerg, ein Barbar und eine Amazone, gerettet. Das Schloss knackte und ich war frei. "Los!" wir gingen hinter dem Elfen her, der die Kerze immer noch hielt und ich stolperte über den bewusstlosen Gardisten, der langgestreckt auf dem kalten Steinboden lag. "Er wird sich noch erkälten!" Ich trat in die eigentlich kalte Nachtluft, doch für mich schien sie angenehm warm, da die Zelle fiel kälter gewesen war. Einige Gardisten kamen aus dem Gefängnis gelaufen und wir rannten was das Zeug hielt in den nahegelegenen Wald. Völlig außer Atem blieben wir stehen und ich lehnte mich gegen einen Baum. "Ich bin euch zu Dank verpflichtet!" sagte ich und richtete mich wieder auf. "Nein, eigentlich nicht!" Silvana lächelte, was man nur schlecht im Mondlicht erkennen konnte, das durch die Baumwipfel fiel. "Mein Name ist Rank!" Der Mensch hielt mir seine Hand hin. "Branchan, mein Name!" grummelte der Barbar mit seiner tiefen Stimme. "Faruk, Sohn des Fanderam!" Zu letzt stellte sich der Elf vor, er hieß Felandel. Silvana zog Rank am Arm zur Seite. Sie flüsterten und auch der Zwerg, Felandel und Branchan rückten näher. "Wollt ihr uns nicht auf unserer Reise begleiten?" fragte der Zwerg und sah zu mir hoch! "Ähm..." Eigentlich wusste ich gar nicht was das heißen sollte und ich wusste ja nicht, was sie auf ihrer Reise' erlebten, doch zurück nach Al'Anfar konnte ich nun sicher nicht mehr. Der Zwerg grinste und ich konnte einfach nicht anders als zustimmen. So wurde aus der merkwürdigen Truppe aus fünf komischen Gestalten eine Truppe aus sechs komischen Gestalten.
Prolog: Ende
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