Reflexionen

GeschichteRomanze / P12
Akira Touya Hikaru Shindou
09.01.2005
09.01.2005
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Hika*Aki only


Reflexionen


1.Tsuki
 
Man sagt, der Vollmond bringe Wahnsinn.
 
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Ihr erster Kuss fand in vollkommener Dunkelheit statt.
Immer, wenn Akira später versuchte, sich daran zu erinnern, konnte er in seinem Kopf nur einzelne Bruchstücke finden. Als ob es kein zusammenhängendes Geschehen gewesen wäre, mit einem ordentlichen Anfang und einem richtigen Ende, sondern Teile eines Ringes, den man zerbrochen hat. Daraus ergeben sich Fragen, obwohl dieser Zustand durchaus etwas Tröstliches an sich hat.
Wie kam es, dass er bei Hikaru übernachtet hat, obwohl er normalerweise eine sehr distanzierte Person ist?
Wie kam es, dass es in Hikarus Zimmer so dunkel war? Es war bewölkt, deshalb war der Mond nicht zu sehen, aber was war mit den Straßenlaternen, die doch durch das Fenster hätten hineinscheinen müssen?
 
Aber,
diese Fragen kamen erst später,
denn in dem Moment-
Als Hikaru Akira am Arm packte und ihn fast gewaltsam zu sich zog-
In all der Verwirrung und Angst und - anderen Dingen -
 
Da war es ihm sehr recht, dass es dunkel war.
Denn wenn man sieht, macht man Zugeständnisse, dass alles bewusst abläuft. Man hat es wahrgenommen, verstanden, ist verantwortlich für sein Tun. Doch wenn es dunkel ist, überlässt man sich selbst anderen Sinnen, die eher Instinkten ähneln. Und später
-danach-
wird der Zeitabschnitt, in dem es dunkel war, zu etwas, das man aus seinen rationalen Gedanken wegstreicht.
Als wäre nichts passiert.
Dinge verschwinden.
Erinnerungen werden zersplittert.
 
Aber während es geschieht -
Fühlt man seltsamerweise das Gegenteil.
Als wäre man ergänzt.
Vollständig.
Erfüllt.
 
Es war sozusagen ihr erster 'intimer' Kontakt. Nachdem Hikaru ihn so plötzlich zu sich gezogen hat, fürchtete Akira im ersten Moment fast, er würde gleich auf das Bett geworfen und überwältigt werden. Doch es kam ganz anders. Hikarus Lippen kamen fast zaghaft näher. Akira konnte in der Dunkelheit seinen Gesichtsausdruck natürlich nicht sehen, aber sehr wohl die Atemzüge hören, die schneller waren als normal, und spüren, wie sie heiß und feucht seinem eigenen Mund näherkamen. Akira konnte nichts sehen, aber um so besser Hikarus Duft wahrnehmen, der dem Geruch vom Gras, das in der Sonne warm geworden ist, ähnelte, und es war ein so tröstlicher Duft, dass Akira fast zu lächeln anfing. Seine Angst verschwand, und er neigte sich langsam dem heißen Atem entgegen.
Die erste Berührung hinterlässt immer den tiefsten Eindruck, doch konnte Akira sie in diesem Fall nicht wirklich ausfindig machen. Hikarus Kuss bestand nicht aus einer einzigen Berührung, sondern ist die Summe vieler, vieler winzigen Bewegungen. Ungeschickt, ja, und seine Lippen waren etwas rauh, aber gleichzeitig unendlich vorsichtig: Eine Erinnerung erwachte in Akira, die Erinnerung an eine chinesische Vase, die er als Kind einmal gesehen hat. Das Porzellan war so dünn und glatt, dass man hindurchsehen konnte, und Akira erinnerte sich an ein Verlangen, das sie in ihm weckte. Verlangen nach Berührung und gleichzeitig Angst vor Zerstörung.
War es das, was Hikaru empfand? Hielt er Akira für so zerbrechlich? Oder sogar - unwirklich?
Das soll er doch nicht.
Akira zeigte ihm, dass er eine wirkliche Person ist, mit genauso warmem Blut in seinen Venen, eine Person, die das gleiche Verlangen fühlt. Dasselbe Sich-danach-sehnen. Er öffnete langsam seinen Mund, erlaubte Hikaru, Gebiete zu erkunden, die kein anderer Mensch je gefühlt hat, und gleichzeitig startete er seine eigene Invasion, markierte damit Hikaru genauso, wie er selbst markiert wurde, denn sie waren einander ebenbürtig. Ein Gefühl des Erfülltseins breitete sich aus, ließ Akira aufkeuchen, war realer als alles andere, was er bis jetzt jemals kennengelernt hatte - es reichte über alles hinaus, bildete ein paralleles Universum des Begehrens, und Akira war ein kleiner Stern, der darin eingebettet lag.
Das alles vermag ein einziger Kuss.
 
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Frage: Wie kam es dazu, dass Niemand sich gegen solche unmoralische Wünsche wehrte?
Antwort: Die Dunkelheit nahm ihnen ihre Hemmungen, indem die ordinäre Realität auf einer gnädigen Art verwischt wurde.
 
Frage: Was wäre passiert, wenn der Mond plötzlich hinter den Wolken hervorgebrochen wäre?
 
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Hikaru no Go gehört, wem immer es gehört. Das heißt, nicht mir. Ansonsten würde der Manga nicht plötzlich abbrechen, sondern irgendwann nach 50 heißen, vor lauter Liebe knisternden Bänder mit HikaAki's Hochzeit enden >.<
 
 
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