Zeit der Erkenntnisse
Kurzbeschreibung
Als zwei hormongesteuerte Teenager aus Versehen einen Zauberspruch auf einen ahnungslosen Tränkemeister abfeuern, gerät Severus Snapes Leben vollkommen aus den Fugen, denn ganz plötzlich kann er Stimmen hören und erfährt Sachen, die er niemals wissen wollte...
GeschichteHumor / P16 / MaleSlash
Draco Malfoy
Harry Potter
Lucius Malfoy
Remus "Moony" Lupin
Severus Snape
Sirius "Tatze" Black
27.12.2004
20.10.2006
10
73.541
2
Alle Kapitel
73 Reviews
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Dieses Kapitel
3 Reviews
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27.12.2004
5.620
Titel: Zeit der Erkenntnisse
Autoren: Mesdames de Desastre
Teil: 1/?
Rating: wird mal PG-18
Warnungen: SLASH (sollte dies nicht in die Kategorie fallen, die du gerne liest, bediene bitte den Zurück-Button), OOC-Momente
Spoiler: Buch 1 bis 5 (wobei wir mal großzügig interpretieren)
Pairings: HP/DM, RW/HG, SF/BZ, SB/LM, (geplant) RL/SS
Kategorie: Humor, Romantik, Slapstick?
Disclaimer: Die Autorinnen bekennen, die Charaktere aus Harry Potter, die eigentlich geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling sind, entführt und so mit Memory Charms modifiziert zu haben, dass diese nun alles tun, was die Autorinnen von ihnen verlangen. Die Autorinnen verweigern des Weiteren jegliche Aussage zu ihrem momentanen Aufenthaltsort und hoffen inständig, dass Mrs. Rowling und Warner Bros. Sinn für Humor besitzen und den Autorinnen keine Anwälte auf den Hals hetzen.
Zusammenfassung: Als zwei Hormongesteuerte Teenager aus Versehen einen Zauberspruch auf einen ahnungslosen Tränkemeister abfeuern, gerät Severus Snapes Leben vollkommen aus den Fugen, denn ganz plötzlich kann er Stimmen hören und erfährt Sachen, die er niemals wissen wollte...
Kommentar: Es ist geschehen, die Apokalypse naht - Serena Malfoy und Luthien haben sich allen Ernstes zusammengeschlossen, um eine Geschichte zu schreiben. Was euch erwartet? Gute Frage, wir wissen es nicht. Humor können wir aber garantieren. Und nun viel Vergnügen!
Viele Leute sind der Ansicht, dass die schlimmsten Sachen immer an einem Vollmond oder Neumond passieren. Bei Vollmond kamen die bösen, bösen Werwölfe aus ihren Ecken und griffen wehrlose Opfer an. Und bei Neumond war die Welt immer derart düster, dass man generell Angst vor seinem eigenen nicht vorhandenen Schatten hatte.
Zwei junge, von ihren Hormonen gesteuerte Zauberer jedoch belehrten zumindest einen gewissen Tränkemeister eines Besseren. Denn es war eine stinknormale Nacht, als sie ein seltsames Buch in einer Nische in den Kerkern entdeckten, was das Leben Severus Snapes vollkommen auf den Kopf stellen sollte.
Doch noch ahnte der Lehrer mit den schulterlangen, schwarzen Haaren und dem düsteren Blick nicht, was auf ihn zu kam, als er in dieser Nacht seine Runden durch das verschlafene Schloss machte, auf der Suche nach Schülern, denen er Punkte abziehen konnte. Hätte er seine Runden auf die Kerker verlegt und es nicht wieder einmal auf die Schüler der anderen Häuser abgesehen, er wäre vielleicht eher über eben diese zwei jungen Zauberer gestolpert, die sich neugierig über das alt aussehende Buch beugten, der eine interessiert lesend, der andere mit eher verständnislosem Blick aber nicht ohne eine gewisse Neugier.
"Ich glaube, ich werde die Gründer nie wieder mit den gleichen Augen sehen können", murmelte da der eine junge Mann mit den rabenschwarzen, vollkommen zerzausten Haaren, die einen an ein Krähennest erinnerten.
"Die Gründer? Was faselst Du da für einen Blödsinn? Was ist an diesem ollen Schinken überhaupt so interessant? Ich wette, mein Vater hat etliche Bücher, die älter sind und die man obendrein sogar noch lesen kann", grummelte der Zauberer mit den blonden Haaren, beleidigt darüber, dass sein Gegenüber dem Buch mit den merkwürdigen Zeichen mehr Aufmerksamkeit widmete als ihm.
Überrascht sah der Schwarzhaarige auf, bereits eine irritierte Frage auf den Lippen. Als er jedoch die geschürzten Lippen und den stechenden Blick seines Begleiters bemerkte, stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht und er fragte in einem neckenden Tonfall: "Schmollst du etwa, Draco?"
Der Blonde zog missmutig seine Augenbrauen zusammen und warf seinem Gegenüber einen Blick zu, der den Schwarzhaarigen früher sicherlich dazu veranlasst hätte, seinen Zauberstab zu zücken. "Ein Malfoy schmollt nicht!", erwiderte er mit bockiger Stimme und kreuzte die Arme vor seiner Brust, den Blick immer noch auf das alte Buch gerichtet.
Harry verspürte sofort den unwiderstehlichen Drang, Draco weiter wegen seiner angeblichen Nicht-Schmollerei zu necken, doch er besann sich rechtzeitig. Nur, weil er seinen Zauberstab nicht mehr bei jeder Kleinigkeit zückte, musste das noch lange nicht heißen, dass Draco es ihm gleich tat.
Also seufzte Harry nur leise, grinste verstohlen auf das Buch hinab und kam auf seine ursprüngliche Frage zurück. "Was meintest du damit, dass du das hier nicht lesen kannst?", wandte er sich schließlich Stirn runzelnd an den Blonden.
Einen Moment lang war Draco geneigt, die Worte des Gryffindors einfach zu ignorieren. Dieses Buch begann bereits jetzt, ihm auf die Nerven zu fallen, und dass Harry auch noch so tat, als müsse jeder diese komischen Zeichen verstehen, setzte dem Ganzen die Krone auf.
Nur gab es leider etwas, was Draco Malfoy schon lange nicht mehr konnte und, wenn er ehrlich war, noch nie gekonnt hatte. Schon damals, als sie mit ihren Streitereien noch für die Unterhaltung der Mitschüler gesorgt hatten, war es Draco unmöglich gewesen, den Schwarzhaarigen zu ignorieren. Die Streitereien gehörten mittlerweile längst der Vergangenheit an, nur ignorieren konnte er Harry immer noch nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn Harry dann noch dieses verschmitzte Grinsen aufsetzte, zerplatzten die Vorsätze des Slytherins wie Seifenblasen und der Gryffindor hatte leichtes Spiel mit ihm. Ganz genau wie in diesem Moment.
"Du willst mir doch nicht etwa erzählen, dass Du dieses merkwürdige Gekritzel da verstehst", entgegnete Draco und zeigte auf das Buch im Schoß des Schwarzhaarigen.
Das Stirnrunzeln vertiefte sich, ehe Harry wieder auf die Seiten hinab blickte, dann wieder zu Draco und wieder zurück auf die Seiten. Schließlich schlug er sich an die Stirn und rief aus: "Na klar! Warum bin ich da nicht eher drauf gekommen?" Im nächsten Moment blätterte er auch schon auf die allererste Seite zurück und fuhr mit seinem Zeigefinger die Seite entlang, bis er mit einem triumphierenden Aufschrei auf einen Namen tippte und ausrief: "Das erklärt alles!"
"Könntest Du jetzt endlich mal aufhören in Rätseln zu sprechen?"
Der Blonde sah auf die Stelle, an der sich Harrys Zeigefinger immer noch befand, und die Falten auf seiner Stirn nahmen wieder eine bedenkliche Tiefe an. "Dieses Ding da erklärt höchstens, dass Du in der letzten Stunde eindeutig zu viele von diesen Dämpfen eingeatmet hast. Ich hab dir bestimmt drei Mal gesagt, dass Du vorsichtig sein sollst."
Noch einmal sah er auf die Stelle die Harry scheinbar so faszinierte und immer noch sah er nur komische Zeichen, die sich schlangenartig über das Papier zu winden schienen. Schlangenartig? Sofort verwarf er den Gedanken wieder. Es gab, soweit er wusste, keine Aufzeichnungen in Parsel.
"Ich schätze deine Sorge um mich wirklich sehr, Draco", begann Harry mit einem kleinen Lächeln, ehe er mit seinen Fingern über die schlangenlinienförmigen Zeichen fuhr und erklärte: "Aber ich habe nichts eingeatmet, was mein Bewusstsein irgendwie beeinflussen würde. Von deiner umwerfenden Anwesenheit einmal abgesehen."
Die einzige Reaktion, die er darauf bekam, war eine erhobene blonde Augenbraue, doch der Blick aus Dracos silbernen Augen wurde eindeutig eine Spur weicher.
"Das hier ist geschriebenes Parsel, Draco", meinte Harry begeistert und fuhr erneut mit seinem Finger über eines der Zeichen, ehe er leise murmelte: "Von niemand anderem geschrieben als Salazar Slytherin!"
"Bist Du sicher, das es von Slytherin ist?", fragte Draco mit leiser, fast schon ehrfurchtsvoller Stimme. Der Name des Gründers, der bei vielen anderen Zauberern noch heute Furcht auslöste, ließ ihn vergessen, dass er eigentlich beleidigt war.
Salazar Slytherin war der Namensgeber des Hauses, in dem Draco seit seinem ersten Schuljahr lebte und auf das er immer stolz gewesen war. Aber vor allem war Salazar Slytherin nach Dracos Meinung einer der bedeutendsten Magier aller Zeiten, auch wenn viele Hexen und Zauberer da ganz anderer Ansicht waren. Wenn dieses Buch wirklich von ihm war, dann war es nicht nur sehr wertvoll, sondern enthielt ganz bestimmt Zaubersprüche, die in Hogwarts sicherlich nicht im Standardunterrichtsplan standen und das machte es für Draco besonders interessant.
Aber auch wenn Salazar Slytherin für Draco fast schon so etwas wie ein Idol war, es gab jemanden, der war noch wichtiger. Eben dieser Jemand hatte gerade etwas gesagt, was Draco gerne noch einmal hören wollte. "Ach, und könntest Du den Teil mit 'umwerfend' vielleicht noch einmal wiederholen?", forderte er somit sein Gegenüber auf, das Buch für einen kurzen Moment doch zu vergessen und sich den wichtigeren Dingen des Lebens zu widmen.
Das ließ sich Harry natürlich nicht zweimal sagen. Eingedenk der Reaktion, die Draco jedes Mal dann zeigte, wenn er Parsel sprach, legte Harry das Buch beiseite, beugte sich zu seinem blonden Geliebten vor und zischte leise an dessen Ohr: "Du bissst einfach umwerfend, Draco. Du gehssst mir einfach nicht ausss dem Kopf..." Und damit presste er seine weichen Lippen auf Dracos Ohrläppchen, ehe seine Zungenspitze in Imitation einer Schlange in dessen Ohrmuschel fuhr.
Die Worte des Schwarzhaarigen, gesprochen in der Schlangensprache, die Draco immer wieder aufs Neue faszinierte, verfehlten wie so oft ihre Wirkung auch dieses Mal nicht und Draco schloss genussvoll seine Augen, leise in sich hinein lächelnd, dass er am Ende doch gegen das Buch gewonnen hatte. Er löste die verschränkten Arme und seine linke Hand suchte sich zielstrebig ihren Weg in das ohnehin schon zerzauste Haar seines Freundes, während seine rechte Hand nach der Krawatte des Gryffindor griff. Die Bewegungen von Harrys Zunge in seinem Ohr ließen den Slytherin leise aufseufzen und er vergaß, dass sie sich in einem kalten Klassenraum befanden, durch dessen Tür jederzeit ein Mitschüler oder Severus Snape persönlich kommen konnte.
Harry, auf der anderen Seite, vergaß jedoch absolut nicht, wo sie sich befanden und wie groß die Entdeckungsgefahr war, sollte einer der Vertrauensschüler - oder noch schlimmer, Severus Snape höchstpersönlich - beschließen, seinen Kontrollgang in verlassenen Klassenzimmern durchzuführen.
Deshalb löste er sich langsam und mit leichtem Bedauern von dem Blonden und lächelte sanft auf ihn hinab, während er mit Befriedigung die leicht geröteten Wangen und den schwereren Atem registrierte. Plötzlich hoben sich Dracos Lider und ein fragender Blick traf den Gryffindor.
Mit Bedauern seufzte Harry und murmelte: "Wir setzen das zu einem späteren Zeitpunkt an einem geeigneteren Ort fort, okay?"
Draco schien jedoch gar nicht begeistert. Und noch weniger begeistert war er, als Harry dieses vermaledeite Buch wieder in seinen Schoß legte.
"Wie wäre es mit jetzt und hier", grummelte der Slytherin und warf dem Buch einen fast schon eifersüchtigen Blick zu. Am Liebsten hätte er seinen Zauberstab gezückt und das in schwarzes Leder gebundene Buch mit einem kurzen 'Incendio' in Flammen aufgehen lassen. Einzig die Tatsache, dass es vermutlich von Salazar Slytherin geschrieben worden war, hielt den jungen Zauberer davon ab. Außerdem hatte Harry seine Versprechen bisher noch nie gebrochen, und über ein langweiliges Liebesleben konnte Draco sich nun wirklich nicht beschweren.
Leise seufzend brachte der Blonde seine Haare wieder in Ordnung und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Buch, mit dem er jetzt gerne die Plätze getauscht hätte. "Also, Meister der Schlangensprache, was steht denn nun in dem Teil?", fragte Draco und konnte den leichten Anflug von Neid nicht unterdrücken, den er immer verspürte, wenn ihm bewusst wurde, dass der Gryffindor eine Sprache verstand und scheinbar sogar lesen konnte, die so gar nicht zu einem Gryffindor passte.
Um Draco ein wenig versöhnlicher zu stimmen - denn trotz anders lautender Gedanken des Slytherins entging Harry nicht im Mindesten, dass Draco das Buch inzwischen verfluchte - schlang er ihm einen Arm um die Schulter und zog den Blonden an sich.
Fast sofort schmolz Draco in diese halbe Umarmung und kuschelte sich mit seiner Wange an Harrys Schulter, während er auf das Gekrakel hinab blickte, welches schon viel zu lange Harrys Aufmerksamkeit gefangen hielt.
Harry lächelte leicht, als er seinen Blick über etwas gleiten ließ, was man wohl für ein Inhaltsverzeichnis halten konnte, ehe er ein paar Seiten übersprang. Im nächsten Moment musste er unkontrolliert kichern. Erst Dracos genervter Blick stoppte diesen Anfall und der Gryffindor seufzte, ehe er mit einem breiten Grinsen eröffnete: "Dieses Buch scheint das persönliche Kama Sutra von Salazar Slytherin zu sein. Also was dieser Kerl mit Magie alles anstellen konnte..."
Ziemlich verständnislos blickte Draco auf die sich windenden Zeichen in dem Buch und betrachtete dann seinen Freund, den Kopf immer noch an Harrys Schulter geschmiegt. Er kannte dieses Kichern nur zu gut, allerdings eher aus Situationen, die verdammt wenig mit Büchern zu tun hatten und schon gar nicht mit kalten, ungemütlichen Klassenräumen. Er versuchte, die Bilder zu verdrängen, die es sich gerade vor seinem inneren Auge bequem machen wollten und dem Slytherin einen Schimmer von Rot ins Gesicht zauberten. Das Bild eines unbekleideten Harry war ganz genau das, was er jetzt und hier überhaupt nicht brauchen konnte und was ihm überhaupt nicht half, sich auf die Worte des Schwarzhaarigen zu konzentrieren, die er wie so oft mal wieder nur zum Teil verstanden hatte.
"Sama Kutra? Ist das schon wieder so ein Muggelzeug?", fragte er den Gryffindor, während er noch immer mit den Bildern um die Vormacht in seinem Kopf kämpfte. "Spann mich nicht länger auf die Folter, da steht doch bestimmt etwas drin, womit wir deine Gryffindor Löwen ein bisschen ärgern können", forderte er Harry auf, endlich mal Klartext mit ihm zu sprechen.
Womit Draco am Allerwenigsten gerechnet hatte war ein furchtbarer Lachanfall des Gryffindors. So klar wie eine Bergquelle sprudelte es aus Harry hervor, bis er sich den Bauch halten musste. Erst Dracos mehr als stechender Blick brachte ihn wieder halbwegs zur Vernunft. Nach Luft ringend griff Harry mit seinen Händen nach denen Dracos und verschränkte ihre Finger ineinander, ehe er etwas außer Atem erklärte: "Es tut mir Leid, Draco, wirklich! Aber deine Vermutung, dass wir damit meine Hausangehörigen ärgern könnten, das war einfach nur..."
Trotz Dracos warnendem Blick brach Harry erneut in Gelächter aus und hielt gleichzeitig eisern Dracos Hände umklammert, damit der Slytherin nicht beleidigt davon rauschte, was - ging Harry von dessen Gesichtsausdruck aus - dieser auch vorgehabt hatte.
Er atmete einmal tief durch, unterdrückte jegliche weiteren Heiterkeitsausbrüche und zog den widerstrebenden Blonden an sich, um mit leichtem Amüsement in seiner Stimme in dessen Ohr zu hauchen: "Wir können mein Haus nur dann wirklich ärgern, wenn wir unser Sexleben vor ihnen offen legen. Das Kama Sutra ist nämlich so eine Art Anleitung zu diversen Sexpraktiken. Und unser lieber Salazar...", bei diesem Wort hauchte Harry seinem Geliebten einen zarten Kuss auf die Halsbeuge und verwandelte den Blonden in seinen Armen in eine erwartungsvoll zitternde Masse, "... hat mit seinem Partner gemeinsam die in meinen Augen interessantesten Zaubersprüche entwickelt, um das normale Kama Sutra der indischen Muggelbevölkerung noch um einiges aufzupeppen."
Mit diesen letzten sinnlich gesprochenen Worten bahnten sich Harrys Lippen ihren Weg über Dracos Wangenknochen zu dem weichen, warmen, mehr als einladenden Mund des Slytherins.
Harrys Lippen auf seinen ließen den Slytherin nicht nur das kalte Klassenzimmer, sondern vor allem auch seine Fluchtgedanken vergessen, mit denen der Blonde bereits bei dem ersten Lachanfall des Gryffindors gespielt hatte. Es gab kaum etwas, was Draco mehr hasste, als ausgelacht zu werden und exakt danach hatte es sich gerade angehört. Nur gab es eben auch nichts, was Draco mehr liebte als diesen unmöglichen, anmaßenden Gryffindor der ihm gerade in diesem Moment wieder einmal demonstrierte, wie machtlos der angeblich gefühlskalte Slytherin gegen die zärtlichen Berührungen seines Liebhabers war.
Längst jenseits der Grenze, an der Draco noch in der Lage war, sich auf das Gesagte zu konzentrieren, erwiderte er den Kuss des Gryffindors, drängte sich dichter an den warmen Körper des Schwarzhaarigen und ließ das Buch einfach Buch sein.
Erst als ihn die Luft zum Atmen dazu zwang, sich von Harry zu lösen, drangen die Worte des Gryffindors wirklich bis zu seinem Gehirn durch und ließen sein Gesicht in einem noch dunkleren Rot erscheinen als ohnehin schon. "Das ist jetzt nicht dein Ernst, Harry", fragte er den Gryffindor mit ungläubigem Gesichtsausdruck, konnte aber auch seine Neugier nicht unterdrücken.
"Glaubst Du wirklich, dass Salazar Slytherin die Sachen da drin wirklich ausprobiert hat?" Dem Blonden viel es schwer, sich den großen Salazar Slytherin als einen Mann mit Liebesleben vorzustellen, der sogar noch versucht haben sollte, eben dieses mit Zaubersprüchen interessanter zu gestalten.
Harrys Grinsen jedoch sagte ihm schon alles, bevor der Gryffindor auch nur begonnen hatte zu sprechen. Mit einem letzten kurzen Kuss auf Dracos wunderbar weiche Lippen sagte der Schwarzhaarige: "Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass er sie ausprobiert hat. Wie sonst könnte er zu jeder heterosexuellen Stellung eine Anleitung für homosexuelle Paare schreiben? Und außerdem hat er noch etwas äußerst Interessantes entwickelt..."
Damit blätterte Harry zu einer der letzten Seiten, fuhr mit seinem Finger über die Seite und kräuselte kurz die Stirn, ehe er murmelte: "Salazar Slytherin hat einen Zauberspruch entwickelt, der es zwei Männern ermöglicht, die ganze Zeit über... na ja... feucht zu sein. Verstehst du?"
"Eigentlich nicht", erwiderte Draco trocken, grinste jedoch diabolisch, als er die Röte in Harrys Wangen aufsteigen sah. Es gab nicht mehr viele Dinge, die den Gryffindor verlegen machten. Deshalb freute es den Slytherin ungemein, es - wenn auch unabsichtlich - geschafft zu haben.
Harry räusperte sich umständlich, heftete seinen Blick auf die Seite und begann stockend zu übersetzen: "'Um beim Sex zwischen Männern die ständige Gefahr, zu trocken für die anale Penetration zu sein, zu umgehen, habe ich in Selbstexperimenten und in Zusammenarbeit mit meinem Partner einen Zauberspruch entwickelt, der dem vorbeugt. Den Zauberspruch etwa eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Geschlechtsakt ausführen. Wirkt circa 5 Stunden.'"
"Fünf Stunden?" Der Blonde riss die Augen auf.
Seit er und Harry ihre Auseinandersetzungen von der Großen Halle ins Bett verlegt hatten, war er immer wieder erstaunt über die Ausdauer seines schwarzhaarigen Gryffindors gewesen. Keiner seiner bisherigen Liebhaber hatte ihm auch nur annähernd das Wasser reichen können. So war er meist zwar befriedigt, aber gelangweilt wieder von dannen gezogen, um sich alsbald ein neues Opfer zu suchen.
Bis zu dem Zeitpunkt, da er das Opfer wurde.
Harry hatte ihm ziemlich schnell bewiesen, dass die Kondition des Blonden zwar gut, aber doch durchaus noch verbesserungswürdig war. Nur scheinbar gab es da jemanden in der Vergangenheit, der selbst seinen schwarzhaarigen Liebhaber noch zu übertrumpfen schien und Draco konnte nicht abstreiten, dass dieses Buch anfing, ihm zu gefallen.
Wie oft hatte er sich schon darüber aufgeregt, dass er gerade dann, wenn es am Schönsten war, sich auf die Suche nach seinem Zauberstab machen musste, um für die - wie Harry es nannte - entsprechende Feuchtigkeit zu sorgen. Aber viel mehr als das interessierte es den Blonden, wieso der Zauberspruch ganze fünf Stunden halten sollte.
Und hatte Slytherin mehr entwickelt als nur diesen einen Zauberspruch? Der Gedanke an ein fünfstündiges Liebesspiel mit seinem Geliebten ließ den Blonden nicht mehr los und wieder einmal mehr beneidete Harry um seine Fähigkeit, Parsel zu sprechen.
"Ich nehme alles zurück. Ich glaube nicht, dass die Bibliothek meines alten Herrn hier mithalten kann", sagte Draco mit einer Neugier im Gesicht, an der auch Harry nicht vorbei konnte. "Los, lies schon weiter, was steht da noch drin?", fing der Blonde ungeduldig zu drängeln an.
Ein kleines Lächeln zupfte an Harrys Mundwinkeln, ehe er seinen Finger erneut über die Seite wandern ließ und schließlich bei einem interessant klingenden Zauberspruch stoppte.
Nachdem er ihn kurz überflogen hatte, warf er Draco ein kurzes Lächeln zu und meinte amüsiert: "Offenbar war Salazar auch ein Meister der Legillimentik. Dieser Spruch hier lässt ein Paar die Gefühle voneinander spüren. Das heißt, wenn der eine Partner diesen Spruch ausführt, kann er die Gefühle und Emotionen seines Partners spüren und umgekehrt. Allerdings hat der Spruch auch ein Zeitlimit. Er dauert nur etwa 2 Stunden."
Einen Moment las Harry still weiter, ehe sich seine Stirn in tiefe Falten legte und er murmelte: "Allerdings gibt es da auch gewisse Risiken. Zum einen muss das Paar sich wirklich lieben und sich das auch sagen. Und zum anderen kann es gravierende Auswirkungen haben, sollte der Spruch jemand anderen treffen. Hat das Opfer jemanden, den es liebt und dem er oder sie das auch sagt, dann ist alles in Ordnung. Doch sollte das Opfer niemanden haben, den es liebt, dann ist es dazu verdammt, sämtliche Gedanken all jener um sich herum zu hören, die Liebeskummer haben, selbst verliebt sind, eine Entscheidung in Fragen der Liebe bereuen oder jemanden abgrundtief hassen."
Draco wurde sichtlich blasser, ehe er murmelte: "Aber doch nicht für immer, oder?"
"Nein", erwiderte Harry ebenso leise. "Der Bann ist gebrochen, wenn das Opfer jemanden findet, den es liebt. Derjenige muss das Opfer allerdings auch lieben und sie müssen es sich sagen und zeigen."
Eine andächtige Stille senkte sich über das Paar, ehe Harry demonstrativ das Buch zu klappte, sich zu seinem Geliebten wandte und ihn schelmisch angrinste, ehe er mit den Augenbrauen wackelte und provokativ fragte: "Na, wollen wir einen der Sprüche ausprobieren?"
Draco zögerte einen Moment. Neugierde war ja gut und schön, aber jetzt fühlte der Blonde sich irgendwie unwohl. Es war nicht so, dass er den Fähigkeiten von Salazar Slytherin misstraute, aber einer der Gründer Hogwarts als Fachmann in Liebesdingen? Daran hatte der Blonde seine, wie er glaubte, berechtigten Zweifel. Auf keinen Fall war er jetzt und hier bereit, einen Zauberspruch auszuprobieren, der irgendwelche noch so geartete Feuchtigkeit auf Stellen seines Körpers zauberte, die nur ihn und Harry etwas angingen. Allerdings musste er zugeben, dass der andere Spruch durchaus seinen Reiz hatte, wären da nicht diese klitzekleinen Risiken. Er hatte keinen Zweifel daran, dass er Harry liebte und gesagt hatte er es ihm schon mehr als einmal, wenn er auch immer darauf geachtet hatte, es dem Gryffindor nie in Gegenwart irgendwelcher Zeugen zu sagen. Schließlich war und blieb er ein Malfoy.
Auch der Schwarzhaarige hatte ihm seine Liebe bereits mehrfach gestanden und Draco weigerte sich einfach zu glauben, dass der Schwarzhaarige ihn in diesen Momenten belogen hatte, dazu war sein Freund viel zu sehr Gryffindor. Die Aussicht, nicht nur die Worte seines Geliebten zu hören, sondern zu erfahren, was Harry wirklich fühlte, ließ den Blonden die anderen Risiken schnell vergessen. Überhaupt waren sie alleine, wen sollte der Spruch schon treffen, außer vielleicht eine der kahlen Wände des Klassenraumes? Und zwei Stunden waren durchaus lange genug, um vom Klassenraum in sein eigenes Zimmer zu kommen. Dort könnte man dann ja durchaus in Erwägung ziehen, den anderen Spruch auszuprobieren, wenn der Erste funktioniert hatte.
Draco beugte sich leicht vor und sah Harry in diese grünen Augen, die es immer wieder schafften, den Slytherin in ihren Bann zu ziehen. "Du bist aber schon sicher, dass Du mich liebst, oder?"
"So sicher wie du es bist, dass du mich liebst", murmelte Harry sanft und nur wenige Zentimeter von Dracos Lippen entfernt.
Der Slytherin grinste und hauchte dem Gryffindor einen kurzen Kuss auf die Lippen. Ohne den Kontakt zu unterbrechen murmelte Harry an Dracos Lippen: "Möchtest du es versuchen? Ich würde es dir auch übersetzen..."
"Du meinst...?" Draco stutzte, war er sich doch sicher gewesen, dass Harry sich es nicht würde nehmen lassen, den Spruch zu sprechen. Wieder einmal musste der Blonde feststellen wie unterschiedlich sie doch eigentlich waren und wie sehr sie sich dadurch ergänzten. Dem Blonden bedeutete es viel, einen Zauberspruch auszuprobieren, der von niemand geringerem als Salazar Slytherin entwickelt worden war.
"Ja, möchte ich, aber kann man das denn so einfach übersetzen? Nicht, dass du nachher als Kaninchen durch das Schloss hoppeln musst." Draco konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
Harry ebenfalls nicht. Dennoch warf er Draco einen gespielt beleidigten Blick zu, ehe er murmelte: "Wenn ich alles so fließend beherrschen würde wie Parsel, dann hätte die Welt weniger Probleme."
Damit griff er nach dem Buch, schlug die entsprechende Seite auf und übersetzte: "'Was ich fühle, sollst du fühlen. Was mein ist, soll dein sein. Ich liebe dich, und du liebst mich, teile mit mir, was ich teile mit dir.'"
Draco seufzte leise. "Wunderschön, aber auch verdammt lang", stellte er fest, während er versuchte, sich die Worte des Gryffindors zu merken.
Einen kurzen Augenblick dachte er an die Risiken, von denen Harry gesprochen hatte. Wären sie jetzt nicht allein, sondern in der Großen Halle, es wäre unvermeidlich, dass der Spruch jemand anderen treffen würde.
Draco atmete tief durch, während er seinen Zauberstab aus dem Umhang holte und sich einredete, dass hier nichts passieren konnte. Sie waren schließlich alleine und das ausgerechnet jetzt jemand auftauchte war doch eher unwahrscheinlich.
Ein wenig zögernd richtete er seinen Zauberstab auf den Geliebten und hielt einen Moment inne. Es war sehr lange her, dass die Spitze seines Zauberstabes auf Harry gezeigt hatte und in den letzten Monaten waren die Erinnerungen an diese Zeit mehr und mehr verblasst, bis sie nicht viel mehr als eine neblige Erinnerung waren, die die beiden jungen Zauberer teilten und über die sie heute sogar lachen konnten.
Das letzte Mal, als er seinen Zauberstab auf den Schwarzhaarigen gerichtet hatte, wollte er ihn in die Ecke drängen, ihn provozieren, was ihm schlussendlich sogar gelungen war. Er hatte Harry provoziert, er hatte ihn so sehr provoziert, dass der Gryffindor am Ende seinen eigenen Zauberstab beiseite geworfen hatte und mit den bloßen Fäusten auf ihn losgegangen war. Irgendwann in diesem Faustkampf, den die beiden ehemaligen Rivalen bald auf der Erde fortgeführt hatten, war etwas passiert, was keiner der Beiden heute erklären konnte.
Irgendwann in diesem Faustkampf hatten sie plötzlich inne gehalten und sich nur noch in die Augen gestarrt. Graue Augen hatten grüne Augen gefunden und sie die Fäuste vergessen lassen. Draco konnte heute nicht einmal mehr sagen, wie lange sie sich angesehen hatten, er wusste nur, dass es dieser Augenblick gewesen war, der sie bis hier her gebracht hatte.
Noch einmal sah er in die grünen Augen, die er über alles liebte, bevor er mit leiser Stimme begann, Harrys Worte zu wiederholen.
"Was ich fühle, sollst du fühlen. Was mein ist, soll dein sein. Ich liebe dich, und du liebst mich, teile mit mir, was ich teile mit..."
Ein lautes Krachen ließ den Blonden zusammen zucken. Sein Kopf schnellte herum zu der Tür, die das Krachen verursacht hatte, und ohne darüber nachzudenken sprach Draco das letzte Wort des Spruches laut aus. In dem Moment, in dem das "dir" seine Lippen verlassen hatte, wurde dem Blonden bewusst, was er getan hatte und er sah entsetzt in ein wütendes Gesicht, dass von schulterlangen, schwarzen Haaren umrahmt wurde.
Man konnte nicht sagen, wer entsetzter war: Draco, der noch immer mit gezücktem Zauberstab auf seinen Hauslehrer zielte, Harry, der noch immer das Buch in Händen hielt, oder Snape, der nicht so recht zu wissen schien, ob er überrascht oder wütend sein sollte, dass ihn ein ihm unbekannter Zauberspruch mitten in die Brust getroffen hatte.
Nun, zumindest konnte man nur einen Moment später mit Sicherheit sagen, wer von ihnen in Schwierigkeiten steckte, als Severus Snapes Augen sich plötzlich verdrehten und er seltsam elegant zu Boden fiel, wo er bewusstlos liegen blieb.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Harry auf den Haufen schwarzer Roben, bis ihn Dracos schrille Stimme aus seinen Gedanken riss: "Was zum Teufel hat er hier zu suchen gehabt?"
"Er ist ein Lehrer!", erinnerte Harry den schon fast hysterischen Slytherin mit ruhiger Stimme. "Er kann um diese Uhrzeit dort hingehen, wo auch immer er will."
"Aber nicht, wenn ich einen Zauberspruch aussprechen will!", wetterte Draco irrational, während seine Hand, die noch immer seinen Zauberstab umklammerte, furchtbar zu zittern begann.
Bei diesem Anblick zog sich Harrys Herz zusammen und er umarmte seinen Geliebten ohne größere Vorreden. Sofort schlang Draco seine Arme um Harrys Taille und vergrub sein Gesicht an dessen Brust.
Harry strich dem Slytherin beruhigend durchs Haar, während er noch immer auf das bewusstlose Bündel namens Severus Snape blickte. Schließlich meinte er in einem unsicheren Tonfall: "Wir könnten ihm ja... einen Gedächtniszauber geben. Dann erinnert er sich wenigstens nicht an... na ja, an das hier."
"Mach, was Du meinst, aber mach was", flehte Draco seinen Freund an, während er sich noch immer zitternd an den Gryffindor drängte und sich zwang, nicht auf den Haufen zu sehen, der sein Hauslehrer sein sollte. Er schwankte gefährlich zwischen Hysterie und Panik und war nicht in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Er wusste nur, dass dort auf dem Boden sein Lehrer, Hauslehrer und - was noch viel schlimmer war - der beste Freund seines Vaters lag.
Und er lag dort nicht rein zufällig, weil vielleicht Severus Snape beschlossen hatte, neuerdings den harten Kerkerboden seinem eigenen Bett vorzuziehen.
Nein, er lag dort, weil Draco sich hatte aus der Ruhe bringen lassen, weil er, Draco Malfoy, einen Fehler gemacht hatte. Draco wollte nur noch weg aus diesem Klassenzimmer, weg von Severus Snape. Um das zu erreichen war er auch bereit, eine weitere Schulregel zu brechen, die - sollte Severus Snape je erfahren, wer ihm das angetan hatte - ohnehin nicht mehr sein Problem sein würden, denn dann wäre seine Zeit in Hogwarts wohl beendet.
Fast schon den Tränen nah sah Draco in das Gesicht seines Freundes und ein kleines Nicken sollte dem Schwarzhaarigen zu verstehen geben, dass der Slytherin mit seinem Vorschlag einverstanden war.
Mit einem sanften, beruhigenden Lächeln strich Harry seinem Geliebten über die Wange, ehe er seinen eigenen Zauberstab zückte, noch einmal tief seufzte und dann ein leises "Obliviate" murmelte. Sofort schoss ein hellblaues Licht aus seinem Zauberstab hervor und traf Severus Snapes bewusstlosen Körper.
Etwas benommen starrten die beiden Jungen auf ihren Lehrer für Zaubertränke, ehe Harry sich räusperte und dann scherzhaft meinte: "Na ja, wenigstens haben wir jetzt beide ein Verbrechen begangen. Du hast ihn mit einem Zauberspruch belegt und ich... hab ihm die Erinnerung daran geklaut."
Blind tastete Dracos Hand nach jener Harrys und umklammerte sie, sobald er sie gefunden hatte. Dann murmelte er monoton: "Wir sitzen tief in der Tinte."
"Mächtig tief", nickte Harry benommen, ehe er Dracos Finger fester umklammerte und den Slytherin zur Tür zog. "Lass uns lieber verschwinden", murmelte er als Erklärung, ehe er - mit Draco im Schlepptau - über den bewusstlosen Leib des Tränkemeisters hinweg stieg und eilig den Gang hinunter verschwand.
Autoren: Mesdames de Desastre
Teil: 1/?
Rating: wird mal PG-18
Warnungen: SLASH (sollte dies nicht in die Kategorie fallen, die du gerne liest, bediene bitte den Zurück-Button), OOC-Momente
Spoiler: Buch 1 bis 5 (wobei wir mal großzügig interpretieren)
Pairings: HP/DM, RW/HG, SF/BZ, SB/LM, (geplant) RL/SS
Kategorie: Humor, Romantik, Slapstick?
Disclaimer: Die Autorinnen bekennen, die Charaktere aus Harry Potter, die eigentlich geistiges Eigentum von Joanne K. Rowling sind, entführt und so mit Memory Charms modifiziert zu haben, dass diese nun alles tun, was die Autorinnen von ihnen verlangen. Die Autorinnen verweigern des Weiteren jegliche Aussage zu ihrem momentanen Aufenthaltsort und hoffen inständig, dass Mrs. Rowling und Warner Bros. Sinn für Humor besitzen und den Autorinnen keine Anwälte auf den Hals hetzen.
Zusammenfassung: Als zwei Hormongesteuerte Teenager aus Versehen einen Zauberspruch auf einen ahnungslosen Tränkemeister abfeuern, gerät Severus Snapes Leben vollkommen aus den Fugen, denn ganz plötzlich kann er Stimmen hören und erfährt Sachen, die er niemals wissen wollte...
Kommentar: Es ist geschehen, die Apokalypse naht - Serena Malfoy und Luthien haben sich allen Ernstes zusammengeschlossen, um eine Geschichte zu schreiben. Was euch erwartet? Gute Frage, wir wissen es nicht. Humor können wir aber garantieren. Und nun viel Vergnügen!
==========
Viele Leute sind der Ansicht, dass die schlimmsten Sachen immer an einem Vollmond oder Neumond passieren. Bei Vollmond kamen die bösen, bösen Werwölfe aus ihren Ecken und griffen wehrlose Opfer an. Und bei Neumond war die Welt immer derart düster, dass man generell Angst vor seinem eigenen nicht vorhandenen Schatten hatte.
Zwei junge, von ihren Hormonen gesteuerte Zauberer jedoch belehrten zumindest einen gewissen Tränkemeister eines Besseren. Denn es war eine stinknormale Nacht, als sie ein seltsames Buch in einer Nische in den Kerkern entdeckten, was das Leben Severus Snapes vollkommen auf den Kopf stellen sollte.
Doch noch ahnte der Lehrer mit den schulterlangen, schwarzen Haaren und dem düsteren Blick nicht, was auf ihn zu kam, als er in dieser Nacht seine Runden durch das verschlafene Schloss machte, auf der Suche nach Schülern, denen er Punkte abziehen konnte. Hätte er seine Runden auf die Kerker verlegt und es nicht wieder einmal auf die Schüler der anderen Häuser abgesehen, er wäre vielleicht eher über eben diese zwei jungen Zauberer gestolpert, die sich neugierig über das alt aussehende Buch beugten, der eine interessiert lesend, der andere mit eher verständnislosem Blick aber nicht ohne eine gewisse Neugier.
"Ich glaube, ich werde die Gründer nie wieder mit den gleichen Augen sehen können", murmelte da der eine junge Mann mit den rabenschwarzen, vollkommen zerzausten Haaren, die einen an ein Krähennest erinnerten.
"Die Gründer? Was faselst Du da für einen Blödsinn? Was ist an diesem ollen Schinken überhaupt so interessant? Ich wette, mein Vater hat etliche Bücher, die älter sind und die man obendrein sogar noch lesen kann", grummelte der Zauberer mit den blonden Haaren, beleidigt darüber, dass sein Gegenüber dem Buch mit den merkwürdigen Zeichen mehr Aufmerksamkeit widmete als ihm.
Überrascht sah der Schwarzhaarige auf, bereits eine irritierte Frage auf den Lippen. Als er jedoch die geschürzten Lippen und den stechenden Blick seines Begleiters bemerkte, stahl sich ein Grinsen auf sein Gesicht und er fragte in einem neckenden Tonfall: "Schmollst du etwa, Draco?"
Der Blonde zog missmutig seine Augenbrauen zusammen und warf seinem Gegenüber einen Blick zu, der den Schwarzhaarigen früher sicherlich dazu veranlasst hätte, seinen Zauberstab zu zücken. "Ein Malfoy schmollt nicht!", erwiderte er mit bockiger Stimme und kreuzte die Arme vor seiner Brust, den Blick immer noch auf das alte Buch gerichtet.
Harry verspürte sofort den unwiderstehlichen Drang, Draco weiter wegen seiner angeblichen Nicht-Schmollerei zu necken, doch er besann sich rechtzeitig. Nur, weil er seinen Zauberstab nicht mehr bei jeder Kleinigkeit zückte, musste das noch lange nicht heißen, dass Draco es ihm gleich tat.
Also seufzte Harry nur leise, grinste verstohlen auf das Buch hinab und kam auf seine ursprüngliche Frage zurück. "Was meintest du damit, dass du das hier nicht lesen kannst?", wandte er sich schließlich Stirn runzelnd an den Blonden.
Einen Moment lang war Draco geneigt, die Worte des Gryffindors einfach zu ignorieren. Dieses Buch begann bereits jetzt, ihm auf die Nerven zu fallen, und dass Harry auch noch so tat, als müsse jeder diese komischen Zeichen verstehen, setzte dem Ganzen die Krone auf.
Nur gab es leider etwas, was Draco Malfoy schon lange nicht mehr konnte und, wenn er ehrlich war, noch nie gekonnt hatte. Schon damals, als sie mit ihren Streitereien noch für die Unterhaltung der Mitschüler gesorgt hatten, war es Draco unmöglich gewesen, den Schwarzhaarigen zu ignorieren. Die Streitereien gehörten mittlerweile längst der Vergangenheit an, nur ignorieren konnte er Harry immer noch nicht. Ganz im Gegenteil. Wenn Harry dann noch dieses verschmitzte Grinsen aufsetzte, zerplatzten die Vorsätze des Slytherins wie Seifenblasen und der Gryffindor hatte leichtes Spiel mit ihm. Ganz genau wie in diesem Moment.
"Du willst mir doch nicht etwa erzählen, dass Du dieses merkwürdige Gekritzel da verstehst", entgegnete Draco und zeigte auf das Buch im Schoß des Schwarzhaarigen.
Das Stirnrunzeln vertiefte sich, ehe Harry wieder auf die Seiten hinab blickte, dann wieder zu Draco und wieder zurück auf die Seiten. Schließlich schlug er sich an die Stirn und rief aus: "Na klar! Warum bin ich da nicht eher drauf gekommen?" Im nächsten Moment blätterte er auch schon auf die allererste Seite zurück und fuhr mit seinem Zeigefinger die Seite entlang, bis er mit einem triumphierenden Aufschrei auf einen Namen tippte und ausrief: "Das erklärt alles!"
"Könntest Du jetzt endlich mal aufhören in Rätseln zu sprechen?"
Der Blonde sah auf die Stelle, an der sich Harrys Zeigefinger immer noch befand, und die Falten auf seiner Stirn nahmen wieder eine bedenkliche Tiefe an. "Dieses Ding da erklärt höchstens, dass Du in der letzten Stunde eindeutig zu viele von diesen Dämpfen eingeatmet hast. Ich hab dir bestimmt drei Mal gesagt, dass Du vorsichtig sein sollst."
Noch einmal sah er auf die Stelle die Harry scheinbar so faszinierte und immer noch sah er nur komische Zeichen, die sich schlangenartig über das Papier zu winden schienen. Schlangenartig? Sofort verwarf er den Gedanken wieder. Es gab, soweit er wusste, keine Aufzeichnungen in Parsel.
"Ich schätze deine Sorge um mich wirklich sehr, Draco", begann Harry mit einem kleinen Lächeln, ehe er mit seinen Fingern über die schlangenlinienförmigen Zeichen fuhr und erklärte: "Aber ich habe nichts eingeatmet, was mein Bewusstsein irgendwie beeinflussen würde. Von deiner umwerfenden Anwesenheit einmal abgesehen."
Die einzige Reaktion, die er darauf bekam, war eine erhobene blonde Augenbraue, doch der Blick aus Dracos silbernen Augen wurde eindeutig eine Spur weicher.
"Das hier ist geschriebenes Parsel, Draco", meinte Harry begeistert und fuhr erneut mit seinem Finger über eines der Zeichen, ehe er leise murmelte: "Von niemand anderem geschrieben als Salazar Slytherin!"
"Bist Du sicher, das es von Slytherin ist?", fragte Draco mit leiser, fast schon ehrfurchtsvoller Stimme. Der Name des Gründers, der bei vielen anderen Zauberern noch heute Furcht auslöste, ließ ihn vergessen, dass er eigentlich beleidigt war.
Salazar Slytherin war der Namensgeber des Hauses, in dem Draco seit seinem ersten Schuljahr lebte und auf das er immer stolz gewesen war. Aber vor allem war Salazar Slytherin nach Dracos Meinung einer der bedeutendsten Magier aller Zeiten, auch wenn viele Hexen und Zauberer da ganz anderer Ansicht waren. Wenn dieses Buch wirklich von ihm war, dann war es nicht nur sehr wertvoll, sondern enthielt ganz bestimmt Zaubersprüche, die in Hogwarts sicherlich nicht im Standardunterrichtsplan standen und das machte es für Draco besonders interessant.
Aber auch wenn Salazar Slytherin für Draco fast schon so etwas wie ein Idol war, es gab jemanden, der war noch wichtiger. Eben dieser Jemand hatte gerade etwas gesagt, was Draco gerne noch einmal hören wollte. "Ach, und könntest Du den Teil mit 'umwerfend' vielleicht noch einmal wiederholen?", forderte er somit sein Gegenüber auf, das Buch für einen kurzen Moment doch zu vergessen und sich den wichtigeren Dingen des Lebens zu widmen.
Das ließ sich Harry natürlich nicht zweimal sagen. Eingedenk der Reaktion, die Draco jedes Mal dann zeigte, wenn er Parsel sprach, legte Harry das Buch beiseite, beugte sich zu seinem blonden Geliebten vor und zischte leise an dessen Ohr: "Du bissst einfach umwerfend, Draco. Du gehssst mir einfach nicht ausss dem Kopf..." Und damit presste er seine weichen Lippen auf Dracos Ohrläppchen, ehe seine Zungenspitze in Imitation einer Schlange in dessen Ohrmuschel fuhr.
Die Worte des Schwarzhaarigen, gesprochen in der Schlangensprache, die Draco immer wieder aufs Neue faszinierte, verfehlten wie so oft ihre Wirkung auch dieses Mal nicht und Draco schloss genussvoll seine Augen, leise in sich hinein lächelnd, dass er am Ende doch gegen das Buch gewonnen hatte. Er löste die verschränkten Arme und seine linke Hand suchte sich zielstrebig ihren Weg in das ohnehin schon zerzauste Haar seines Freundes, während seine rechte Hand nach der Krawatte des Gryffindor griff. Die Bewegungen von Harrys Zunge in seinem Ohr ließen den Slytherin leise aufseufzen und er vergaß, dass sie sich in einem kalten Klassenraum befanden, durch dessen Tür jederzeit ein Mitschüler oder Severus Snape persönlich kommen konnte.
Harry, auf der anderen Seite, vergaß jedoch absolut nicht, wo sie sich befanden und wie groß die Entdeckungsgefahr war, sollte einer der Vertrauensschüler - oder noch schlimmer, Severus Snape höchstpersönlich - beschließen, seinen Kontrollgang in verlassenen Klassenzimmern durchzuführen.
Deshalb löste er sich langsam und mit leichtem Bedauern von dem Blonden und lächelte sanft auf ihn hinab, während er mit Befriedigung die leicht geröteten Wangen und den schwereren Atem registrierte. Plötzlich hoben sich Dracos Lider und ein fragender Blick traf den Gryffindor.
Mit Bedauern seufzte Harry und murmelte: "Wir setzen das zu einem späteren Zeitpunkt an einem geeigneteren Ort fort, okay?"
Draco schien jedoch gar nicht begeistert. Und noch weniger begeistert war er, als Harry dieses vermaledeite Buch wieder in seinen Schoß legte.
"Wie wäre es mit jetzt und hier", grummelte der Slytherin und warf dem Buch einen fast schon eifersüchtigen Blick zu. Am Liebsten hätte er seinen Zauberstab gezückt und das in schwarzes Leder gebundene Buch mit einem kurzen 'Incendio' in Flammen aufgehen lassen. Einzig die Tatsache, dass es vermutlich von Salazar Slytherin geschrieben worden war, hielt den jungen Zauberer davon ab. Außerdem hatte Harry seine Versprechen bisher noch nie gebrochen, und über ein langweiliges Liebesleben konnte Draco sich nun wirklich nicht beschweren.
Leise seufzend brachte der Blonde seine Haare wieder in Ordnung und richtete seine Aufmerksamkeit auf das Buch, mit dem er jetzt gerne die Plätze getauscht hätte. "Also, Meister der Schlangensprache, was steht denn nun in dem Teil?", fragte Draco und konnte den leichten Anflug von Neid nicht unterdrücken, den er immer verspürte, wenn ihm bewusst wurde, dass der Gryffindor eine Sprache verstand und scheinbar sogar lesen konnte, die so gar nicht zu einem Gryffindor passte.
Um Draco ein wenig versöhnlicher zu stimmen - denn trotz anders lautender Gedanken des Slytherins entging Harry nicht im Mindesten, dass Draco das Buch inzwischen verfluchte - schlang er ihm einen Arm um die Schulter und zog den Blonden an sich.
Fast sofort schmolz Draco in diese halbe Umarmung und kuschelte sich mit seiner Wange an Harrys Schulter, während er auf das Gekrakel hinab blickte, welches schon viel zu lange Harrys Aufmerksamkeit gefangen hielt.
Harry lächelte leicht, als er seinen Blick über etwas gleiten ließ, was man wohl für ein Inhaltsverzeichnis halten konnte, ehe er ein paar Seiten übersprang. Im nächsten Moment musste er unkontrolliert kichern. Erst Dracos genervter Blick stoppte diesen Anfall und der Gryffindor seufzte, ehe er mit einem breiten Grinsen eröffnete: "Dieses Buch scheint das persönliche Kama Sutra von Salazar Slytherin zu sein. Also was dieser Kerl mit Magie alles anstellen konnte..."
Ziemlich verständnislos blickte Draco auf die sich windenden Zeichen in dem Buch und betrachtete dann seinen Freund, den Kopf immer noch an Harrys Schulter geschmiegt. Er kannte dieses Kichern nur zu gut, allerdings eher aus Situationen, die verdammt wenig mit Büchern zu tun hatten und schon gar nicht mit kalten, ungemütlichen Klassenräumen. Er versuchte, die Bilder zu verdrängen, die es sich gerade vor seinem inneren Auge bequem machen wollten und dem Slytherin einen Schimmer von Rot ins Gesicht zauberten. Das Bild eines unbekleideten Harry war ganz genau das, was er jetzt und hier überhaupt nicht brauchen konnte und was ihm überhaupt nicht half, sich auf die Worte des Schwarzhaarigen zu konzentrieren, die er wie so oft mal wieder nur zum Teil verstanden hatte.
"Sama Kutra? Ist das schon wieder so ein Muggelzeug?", fragte er den Gryffindor, während er noch immer mit den Bildern um die Vormacht in seinem Kopf kämpfte. "Spann mich nicht länger auf die Folter, da steht doch bestimmt etwas drin, womit wir deine Gryffindor Löwen ein bisschen ärgern können", forderte er Harry auf, endlich mal Klartext mit ihm zu sprechen.
Womit Draco am Allerwenigsten gerechnet hatte war ein furchtbarer Lachanfall des Gryffindors. So klar wie eine Bergquelle sprudelte es aus Harry hervor, bis er sich den Bauch halten musste. Erst Dracos mehr als stechender Blick brachte ihn wieder halbwegs zur Vernunft. Nach Luft ringend griff Harry mit seinen Händen nach denen Dracos und verschränkte ihre Finger ineinander, ehe er etwas außer Atem erklärte: "Es tut mir Leid, Draco, wirklich! Aber deine Vermutung, dass wir damit meine Hausangehörigen ärgern könnten, das war einfach nur..."
Trotz Dracos warnendem Blick brach Harry erneut in Gelächter aus und hielt gleichzeitig eisern Dracos Hände umklammert, damit der Slytherin nicht beleidigt davon rauschte, was - ging Harry von dessen Gesichtsausdruck aus - dieser auch vorgehabt hatte.
Er atmete einmal tief durch, unterdrückte jegliche weiteren Heiterkeitsausbrüche und zog den widerstrebenden Blonden an sich, um mit leichtem Amüsement in seiner Stimme in dessen Ohr zu hauchen: "Wir können mein Haus nur dann wirklich ärgern, wenn wir unser Sexleben vor ihnen offen legen. Das Kama Sutra ist nämlich so eine Art Anleitung zu diversen Sexpraktiken. Und unser lieber Salazar...", bei diesem Wort hauchte Harry seinem Geliebten einen zarten Kuss auf die Halsbeuge und verwandelte den Blonden in seinen Armen in eine erwartungsvoll zitternde Masse, "... hat mit seinem Partner gemeinsam die in meinen Augen interessantesten Zaubersprüche entwickelt, um das normale Kama Sutra der indischen Muggelbevölkerung noch um einiges aufzupeppen."
Mit diesen letzten sinnlich gesprochenen Worten bahnten sich Harrys Lippen ihren Weg über Dracos Wangenknochen zu dem weichen, warmen, mehr als einladenden Mund des Slytherins.
Harrys Lippen auf seinen ließen den Slytherin nicht nur das kalte Klassenzimmer, sondern vor allem auch seine Fluchtgedanken vergessen, mit denen der Blonde bereits bei dem ersten Lachanfall des Gryffindors gespielt hatte. Es gab kaum etwas, was Draco mehr hasste, als ausgelacht zu werden und exakt danach hatte es sich gerade angehört. Nur gab es eben auch nichts, was Draco mehr liebte als diesen unmöglichen, anmaßenden Gryffindor der ihm gerade in diesem Moment wieder einmal demonstrierte, wie machtlos der angeblich gefühlskalte Slytherin gegen die zärtlichen Berührungen seines Liebhabers war.
Längst jenseits der Grenze, an der Draco noch in der Lage war, sich auf das Gesagte zu konzentrieren, erwiderte er den Kuss des Gryffindors, drängte sich dichter an den warmen Körper des Schwarzhaarigen und ließ das Buch einfach Buch sein.
Erst als ihn die Luft zum Atmen dazu zwang, sich von Harry zu lösen, drangen die Worte des Gryffindors wirklich bis zu seinem Gehirn durch und ließen sein Gesicht in einem noch dunkleren Rot erscheinen als ohnehin schon. "Das ist jetzt nicht dein Ernst, Harry", fragte er den Gryffindor mit ungläubigem Gesichtsausdruck, konnte aber auch seine Neugier nicht unterdrücken.
"Glaubst Du wirklich, dass Salazar Slytherin die Sachen da drin wirklich ausprobiert hat?" Dem Blonden viel es schwer, sich den großen Salazar Slytherin als einen Mann mit Liebesleben vorzustellen, der sogar noch versucht haben sollte, eben dieses mit Zaubersprüchen interessanter zu gestalten.
Harrys Grinsen jedoch sagte ihm schon alles, bevor der Gryffindor auch nur begonnen hatte zu sprechen. Mit einem letzten kurzen Kuss auf Dracos wunderbar weiche Lippen sagte der Schwarzhaarige: "Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass er sie ausprobiert hat. Wie sonst könnte er zu jeder heterosexuellen Stellung eine Anleitung für homosexuelle Paare schreiben? Und außerdem hat er noch etwas äußerst Interessantes entwickelt..."
Damit blätterte Harry zu einer der letzten Seiten, fuhr mit seinem Finger über die Seite und kräuselte kurz die Stirn, ehe er murmelte: "Salazar Slytherin hat einen Zauberspruch entwickelt, der es zwei Männern ermöglicht, die ganze Zeit über... na ja... feucht zu sein. Verstehst du?"
"Eigentlich nicht", erwiderte Draco trocken, grinste jedoch diabolisch, als er die Röte in Harrys Wangen aufsteigen sah. Es gab nicht mehr viele Dinge, die den Gryffindor verlegen machten. Deshalb freute es den Slytherin ungemein, es - wenn auch unabsichtlich - geschafft zu haben.
Harry räusperte sich umständlich, heftete seinen Blick auf die Seite und begann stockend zu übersetzen: "'Um beim Sex zwischen Männern die ständige Gefahr, zu trocken für die anale Penetration zu sein, zu umgehen, habe ich in Selbstexperimenten und in Zusammenarbeit mit meinem Partner einen Zauberspruch entwickelt, der dem vorbeugt. Den Zauberspruch etwa eine halbe Stunde vor dem eigentlichen Geschlechtsakt ausführen. Wirkt circa 5 Stunden.'"
"Fünf Stunden?" Der Blonde riss die Augen auf.
Seit er und Harry ihre Auseinandersetzungen von der Großen Halle ins Bett verlegt hatten, war er immer wieder erstaunt über die Ausdauer seines schwarzhaarigen Gryffindors gewesen. Keiner seiner bisherigen Liebhaber hatte ihm auch nur annähernd das Wasser reichen können. So war er meist zwar befriedigt, aber gelangweilt wieder von dannen gezogen, um sich alsbald ein neues Opfer zu suchen.
Bis zu dem Zeitpunkt, da er das Opfer wurde.
Harry hatte ihm ziemlich schnell bewiesen, dass die Kondition des Blonden zwar gut, aber doch durchaus noch verbesserungswürdig war. Nur scheinbar gab es da jemanden in der Vergangenheit, der selbst seinen schwarzhaarigen Liebhaber noch zu übertrumpfen schien und Draco konnte nicht abstreiten, dass dieses Buch anfing, ihm zu gefallen.
Wie oft hatte er sich schon darüber aufgeregt, dass er gerade dann, wenn es am Schönsten war, sich auf die Suche nach seinem Zauberstab machen musste, um für die - wie Harry es nannte - entsprechende Feuchtigkeit zu sorgen. Aber viel mehr als das interessierte es den Blonden, wieso der Zauberspruch ganze fünf Stunden halten sollte.
Und hatte Slytherin mehr entwickelt als nur diesen einen Zauberspruch? Der Gedanke an ein fünfstündiges Liebesspiel mit seinem Geliebten ließ den Blonden nicht mehr los und wieder einmal mehr beneidete Harry um seine Fähigkeit, Parsel zu sprechen.
"Ich nehme alles zurück. Ich glaube nicht, dass die Bibliothek meines alten Herrn hier mithalten kann", sagte Draco mit einer Neugier im Gesicht, an der auch Harry nicht vorbei konnte. "Los, lies schon weiter, was steht da noch drin?", fing der Blonde ungeduldig zu drängeln an.
Ein kleines Lächeln zupfte an Harrys Mundwinkeln, ehe er seinen Finger erneut über die Seite wandern ließ und schließlich bei einem interessant klingenden Zauberspruch stoppte.
Nachdem er ihn kurz überflogen hatte, warf er Draco ein kurzes Lächeln zu und meinte amüsiert: "Offenbar war Salazar auch ein Meister der Legillimentik. Dieser Spruch hier lässt ein Paar die Gefühle voneinander spüren. Das heißt, wenn der eine Partner diesen Spruch ausführt, kann er die Gefühle und Emotionen seines Partners spüren und umgekehrt. Allerdings hat der Spruch auch ein Zeitlimit. Er dauert nur etwa 2 Stunden."
Einen Moment las Harry still weiter, ehe sich seine Stirn in tiefe Falten legte und er murmelte: "Allerdings gibt es da auch gewisse Risiken. Zum einen muss das Paar sich wirklich lieben und sich das auch sagen. Und zum anderen kann es gravierende Auswirkungen haben, sollte der Spruch jemand anderen treffen. Hat das Opfer jemanden, den es liebt und dem er oder sie das auch sagt, dann ist alles in Ordnung. Doch sollte das Opfer niemanden haben, den es liebt, dann ist es dazu verdammt, sämtliche Gedanken all jener um sich herum zu hören, die Liebeskummer haben, selbst verliebt sind, eine Entscheidung in Fragen der Liebe bereuen oder jemanden abgrundtief hassen."
Draco wurde sichtlich blasser, ehe er murmelte: "Aber doch nicht für immer, oder?"
"Nein", erwiderte Harry ebenso leise. "Der Bann ist gebrochen, wenn das Opfer jemanden findet, den es liebt. Derjenige muss das Opfer allerdings auch lieben und sie müssen es sich sagen und zeigen."
Eine andächtige Stille senkte sich über das Paar, ehe Harry demonstrativ das Buch zu klappte, sich zu seinem Geliebten wandte und ihn schelmisch angrinste, ehe er mit den Augenbrauen wackelte und provokativ fragte: "Na, wollen wir einen der Sprüche ausprobieren?"
Draco zögerte einen Moment. Neugierde war ja gut und schön, aber jetzt fühlte der Blonde sich irgendwie unwohl. Es war nicht so, dass er den Fähigkeiten von Salazar Slytherin misstraute, aber einer der Gründer Hogwarts als Fachmann in Liebesdingen? Daran hatte der Blonde seine, wie er glaubte, berechtigten Zweifel. Auf keinen Fall war er jetzt und hier bereit, einen Zauberspruch auszuprobieren, der irgendwelche noch so geartete Feuchtigkeit auf Stellen seines Körpers zauberte, die nur ihn und Harry etwas angingen. Allerdings musste er zugeben, dass der andere Spruch durchaus seinen Reiz hatte, wären da nicht diese klitzekleinen Risiken. Er hatte keinen Zweifel daran, dass er Harry liebte und gesagt hatte er es ihm schon mehr als einmal, wenn er auch immer darauf geachtet hatte, es dem Gryffindor nie in Gegenwart irgendwelcher Zeugen zu sagen. Schließlich war und blieb er ein Malfoy.
Auch der Schwarzhaarige hatte ihm seine Liebe bereits mehrfach gestanden und Draco weigerte sich einfach zu glauben, dass der Schwarzhaarige ihn in diesen Momenten belogen hatte, dazu war sein Freund viel zu sehr Gryffindor. Die Aussicht, nicht nur die Worte seines Geliebten zu hören, sondern zu erfahren, was Harry wirklich fühlte, ließ den Blonden die anderen Risiken schnell vergessen. Überhaupt waren sie alleine, wen sollte der Spruch schon treffen, außer vielleicht eine der kahlen Wände des Klassenraumes? Und zwei Stunden waren durchaus lange genug, um vom Klassenraum in sein eigenes Zimmer zu kommen. Dort könnte man dann ja durchaus in Erwägung ziehen, den anderen Spruch auszuprobieren, wenn der Erste funktioniert hatte.
Draco beugte sich leicht vor und sah Harry in diese grünen Augen, die es immer wieder schafften, den Slytherin in ihren Bann zu ziehen. "Du bist aber schon sicher, dass Du mich liebst, oder?"
"So sicher wie du es bist, dass du mich liebst", murmelte Harry sanft und nur wenige Zentimeter von Dracos Lippen entfernt.
Der Slytherin grinste und hauchte dem Gryffindor einen kurzen Kuss auf die Lippen. Ohne den Kontakt zu unterbrechen murmelte Harry an Dracos Lippen: "Möchtest du es versuchen? Ich würde es dir auch übersetzen..."
"Du meinst...?" Draco stutzte, war er sich doch sicher gewesen, dass Harry sich es nicht würde nehmen lassen, den Spruch zu sprechen. Wieder einmal musste der Blonde feststellen wie unterschiedlich sie doch eigentlich waren und wie sehr sie sich dadurch ergänzten. Dem Blonden bedeutete es viel, einen Zauberspruch auszuprobieren, der von niemand geringerem als Salazar Slytherin entwickelt worden war.
"Ja, möchte ich, aber kann man das denn so einfach übersetzen? Nicht, dass du nachher als Kaninchen durch das Schloss hoppeln musst." Draco konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen.
Harry ebenfalls nicht. Dennoch warf er Draco einen gespielt beleidigten Blick zu, ehe er murmelte: "Wenn ich alles so fließend beherrschen würde wie Parsel, dann hätte die Welt weniger Probleme."
Damit griff er nach dem Buch, schlug die entsprechende Seite auf und übersetzte: "'Was ich fühle, sollst du fühlen. Was mein ist, soll dein sein. Ich liebe dich, und du liebst mich, teile mit mir, was ich teile mit dir.'"
Draco seufzte leise. "Wunderschön, aber auch verdammt lang", stellte er fest, während er versuchte, sich die Worte des Gryffindors zu merken.
Einen kurzen Augenblick dachte er an die Risiken, von denen Harry gesprochen hatte. Wären sie jetzt nicht allein, sondern in der Großen Halle, es wäre unvermeidlich, dass der Spruch jemand anderen treffen würde.
Draco atmete tief durch, während er seinen Zauberstab aus dem Umhang holte und sich einredete, dass hier nichts passieren konnte. Sie waren schließlich alleine und das ausgerechnet jetzt jemand auftauchte war doch eher unwahrscheinlich.
Ein wenig zögernd richtete er seinen Zauberstab auf den Geliebten und hielt einen Moment inne. Es war sehr lange her, dass die Spitze seines Zauberstabes auf Harry gezeigt hatte und in den letzten Monaten waren die Erinnerungen an diese Zeit mehr und mehr verblasst, bis sie nicht viel mehr als eine neblige Erinnerung waren, die die beiden jungen Zauberer teilten und über die sie heute sogar lachen konnten.
Das letzte Mal, als er seinen Zauberstab auf den Schwarzhaarigen gerichtet hatte, wollte er ihn in die Ecke drängen, ihn provozieren, was ihm schlussendlich sogar gelungen war. Er hatte Harry provoziert, er hatte ihn so sehr provoziert, dass der Gryffindor am Ende seinen eigenen Zauberstab beiseite geworfen hatte und mit den bloßen Fäusten auf ihn losgegangen war. Irgendwann in diesem Faustkampf, den die beiden ehemaligen Rivalen bald auf der Erde fortgeführt hatten, war etwas passiert, was keiner der Beiden heute erklären konnte.
Irgendwann in diesem Faustkampf hatten sie plötzlich inne gehalten und sich nur noch in die Augen gestarrt. Graue Augen hatten grüne Augen gefunden und sie die Fäuste vergessen lassen. Draco konnte heute nicht einmal mehr sagen, wie lange sie sich angesehen hatten, er wusste nur, dass es dieser Augenblick gewesen war, der sie bis hier her gebracht hatte.
Noch einmal sah er in die grünen Augen, die er über alles liebte, bevor er mit leiser Stimme begann, Harrys Worte zu wiederholen.
"Was ich fühle, sollst du fühlen. Was mein ist, soll dein sein. Ich liebe dich, und du liebst mich, teile mit mir, was ich teile mit..."
Ein lautes Krachen ließ den Blonden zusammen zucken. Sein Kopf schnellte herum zu der Tür, die das Krachen verursacht hatte, und ohne darüber nachzudenken sprach Draco das letzte Wort des Spruches laut aus. In dem Moment, in dem das "dir" seine Lippen verlassen hatte, wurde dem Blonden bewusst, was er getan hatte und er sah entsetzt in ein wütendes Gesicht, dass von schulterlangen, schwarzen Haaren umrahmt wurde.
Man konnte nicht sagen, wer entsetzter war: Draco, der noch immer mit gezücktem Zauberstab auf seinen Hauslehrer zielte, Harry, der noch immer das Buch in Händen hielt, oder Snape, der nicht so recht zu wissen schien, ob er überrascht oder wütend sein sollte, dass ihn ein ihm unbekannter Zauberspruch mitten in die Brust getroffen hatte.
Nun, zumindest konnte man nur einen Moment später mit Sicherheit sagen, wer von ihnen in Schwierigkeiten steckte, als Severus Snapes Augen sich plötzlich verdrehten und er seltsam elegant zu Boden fiel, wo er bewusstlos liegen blieb.
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Harry auf den Haufen schwarzer Roben, bis ihn Dracos schrille Stimme aus seinen Gedanken riss: "Was zum Teufel hat er hier zu suchen gehabt?"
"Er ist ein Lehrer!", erinnerte Harry den schon fast hysterischen Slytherin mit ruhiger Stimme. "Er kann um diese Uhrzeit dort hingehen, wo auch immer er will."
"Aber nicht, wenn ich einen Zauberspruch aussprechen will!", wetterte Draco irrational, während seine Hand, die noch immer seinen Zauberstab umklammerte, furchtbar zu zittern begann.
Bei diesem Anblick zog sich Harrys Herz zusammen und er umarmte seinen Geliebten ohne größere Vorreden. Sofort schlang Draco seine Arme um Harrys Taille und vergrub sein Gesicht an dessen Brust.
Harry strich dem Slytherin beruhigend durchs Haar, während er noch immer auf das bewusstlose Bündel namens Severus Snape blickte. Schließlich meinte er in einem unsicheren Tonfall: "Wir könnten ihm ja... einen Gedächtniszauber geben. Dann erinnert er sich wenigstens nicht an... na ja, an das hier."
"Mach, was Du meinst, aber mach was", flehte Draco seinen Freund an, während er sich noch immer zitternd an den Gryffindor drängte und sich zwang, nicht auf den Haufen zu sehen, der sein Hauslehrer sein sollte. Er schwankte gefährlich zwischen Hysterie und Panik und war nicht in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Er wusste nur, dass dort auf dem Boden sein Lehrer, Hauslehrer und - was noch viel schlimmer war - der beste Freund seines Vaters lag.
Und er lag dort nicht rein zufällig, weil vielleicht Severus Snape beschlossen hatte, neuerdings den harten Kerkerboden seinem eigenen Bett vorzuziehen.
Nein, er lag dort, weil Draco sich hatte aus der Ruhe bringen lassen, weil er, Draco Malfoy, einen Fehler gemacht hatte. Draco wollte nur noch weg aus diesem Klassenzimmer, weg von Severus Snape. Um das zu erreichen war er auch bereit, eine weitere Schulregel zu brechen, die - sollte Severus Snape je erfahren, wer ihm das angetan hatte - ohnehin nicht mehr sein Problem sein würden, denn dann wäre seine Zeit in Hogwarts wohl beendet.
Fast schon den Tränen nah sah Draco in das Gesicht seines Freundes und ein kleines Nicken sollte dem Schwarzhaarigen zu verstehen geben, dass der Slytherin mit seinem Vorschlag einverstanden war.
Mit einem sanften, beruhigenden Lächeln strich Harry seinem Geliebten über die Wange, ehe er seinen eigenen Zauberstab zückte, noch einmal tief seufzte und dann ein leises "Obliviate" murmelte. Sofort schoss ein hellblaues Licht aus seinem Zauberstab hervor und traf Severus Snapes bewusstlosen Körper.
Etwas benommen starrten die beiden Jungen auf ihren Lehrer für Zaubertränke, ehe Harry sich räusperte und dann scherzhaft meinte: "Na ja, wenigstens haben wir jetzt beide ein Verbrechen begangen. Du hast ihn mit einem Zauberspruch belegt und ich... hab ihm die Erinnerung daran geklaut."
Blind tastete Dracos Hand nach jener Harrys und umklammerte sie, sobald er sie gefunden hatte. Dann murmelte er monoton: "Wir sitzen tief in der Tinte."
"Mächtig tief", nickte Harry benommen, ehe er Dracos Finger fester umklammerte und den Slytherin zur Tür zog. "Lass uns lieber verschwinden", murmelte er als Erklärung, ehe er - mit Draco im Schlepptau - über den bewusstlosen Leib des Tränkemeisters hinweg stieg und eilig den Gang hinunter verschwand.