Die Wahrheit

GeschichteAllgemein / P12
30.11.2004
02.12.2004
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-Rückblende anfang-

Mit weiten Schritten lief Jolly über den Ozean. Ihre nackten Füße versanken fingerbreit im Wasser. Unter ihr gähnte der tintenblaue Abgrund der See, bis zum Meeresboden mochten es einige hundert Mannslängen sein.
Flink sprang sie von einer Woge zur nächsten und wich den schaumigen Wellenkämmen aus, die manchmal zu tückischen Stolperfallen wurden.
Um sie herum tobte eine Seeschlacht.
Kanonenkugeln pfiffen um ihre Ohren, aber selten kam ihr eine so nahe, dass sie den Luftzug spürte. Beißender Rauch trieb über das Wasser zwischen den beiden Segelschiffen und vernebelte Jollys Sicht. Das Knarren der Planken und Flattern der großen Segel mischte sich mit dem Geschützdonner. Der Qualm des Entzündeten Schwarzpulvers brannte in ihren Augen. Sie hatte diesen Geruch noch nie gemocht, ganz im Gegensatz zu den anderen Piraten: Ihre Freunde von der Mageren Marry sagten, nichts rieche so gut wie der Duft abgefeuerter Kanonen....

-Rückblende ende-

Dieser Tag hatte das Leben der Piratin sehr verändert.
Damals wusste sie noch nichts von Munk, Aelenium, dem Mahlstrom und von dem Mare Tenebrosum.
Eigentlich könnte man sagen, dass sie noch nichts von ihrem Schicksal wusste.

Doch nun saß das 14 jährige Mädchen gemeinsam mit Munk und Griffin auf der Veranda ihrer neuen Heimat.
Es mag einem vielleicht komisch vorkommen, dass sich ein Pirat - nein, eine Piratin! - auf einer Insel ansiedelt, um dort für längere Zeit zu wohnen, doch Jolly hatte sich so entschieden.
Für Munk und seine Familie.
Für das Leben mit ihnen auf einer der vielen kleinen Inseln in der Karibik.

"Morgen kommt der Geisterhändler wieder", erzählte Munk, "er will sehen, wie es uns und vor allem Mum und Dad geht...." - "Echt? Schon morgen? Aber ich wollte doch noch die Geister zählen!", rief Jolly etwas hektisch.

Auf der Insel gab es Geister, die auf den vielen Tabakfelder arbeiteten, denn für vier oder fünf Personen wäre das zu viel Arbeit gewesen.

Schnell sprang sie auf und lief von dem Haus davon. Als Griffin ihr nachlaufen wollte, hielt Munk ihn zurück. "Nicht... Sie möchte das alleine machen", sagte er. Dabei betonte er "alleine" besonders stark.
Er hat es noch nicht überwunden, dass Jolly in ihm nur einen Freund sieht..... Armer Munk!', dachte Griffin und entspannte sich wieder.

Inzwischen war das Mädchen bei den Feldern angekommen. Sie meinte, sie hätte sich schon an diesen Anblick gewöhnt, doch es überkam sie immer wieder ein gruseliges aber auch tolles Gefühl, wenn sie die Nebelschwaden stumm herumfliegen sah.
Wenn man es fliegen nennen konnte.....

Schnell sprach Jolly die Worte, die sie schon so oft wiederholt hatte, manches mal aus Spaß, hin und wieder aber auch, um herauszufinden, wie viele Geister noch auf der Insel waren.
Denn obwohl es treue und willenslose Wesen waren, konnte es vorkommen, dass sich ein Geist von einer Sekunde zur nächsten in Luft auflöste. Einfach so. Puff - weg war er!

Ungefähr zwei Stunden später kam die Piratin zurück zum Haus. Die zwei Jungen waren nicht mehr auf der Veranda, das hatte Jolly aber auch nicht erwartet.
Dafür saß Munks Mutter dort und rauchte Pfeife. Als sie das Mädchen sah, winkte sie ihr freundlich zu und lächelte.
"Hallo! Wie geht's dir, Jolly?", fragte sie, als die 14 jährige sich zu ihr gesetzt hatte. Erschöpft antwortete diese: "Danke, mir geht es gut, außer dass ich etwas erschöpft bin. Kann diese Geisterzählen nicht einfacher sein?" Die Frau lachte. Mit ihrer freien Hand ergriff sie die von Jolly. "Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie froh wir sind, dich hier zu haben!", meinte sie mit einem lächelndem Gesichtsausdruck.

Jolly fand, dass Munks Mutter eine sehr hübsche Frau war. Obwohl sie auf der rechten Hand nur noch drei Finger besaß. Die anderen zwei hatte ihr ein Piratenkapitän abhacken lassen, nachdem sie ihre Ringe nicht schnell genug hergegeben hatte...

Da das Mädchen merkte, dass sie rot wurde, schaute sie schnell in Richtung Strand.
"Ich werde ein bisschen zum Strand gehen", dachte sie schließlich laut und stand auf.

-------

Langsam schländerte sie den Strand entlang. So viele Male war sie schon hier gegangen.
Und genausoviele Male war sie verzaubert gewesen von dem Anblick, der sich ihr bot:
Auf der einen Seite dichtester Jungel, auf der anderen die weite See.
Und dazwischen, wie drei Wächter über die Grenze, standen zwei dünne, hohe Palmen. Es waren ein Mal drei gewesen, doch die hatten Jolly und Munk vor alnger Zeit umgeschossen.

Das Mädchen liebte es, ihren Gedanken freien lauf zu lassen, obwohl ihr auchdie grausamen Erlebnisse von früher durch den Kopf zogen.
Oft schon hatte sie den grausamen Tod von Munks Eltern gesehen.
Doch dann erinnerte sie sich an die Geister.
An diese selbstlosen Geister, die getan hatten, was niemand von ihnen erwartet hätte.
Jolly war sich sicher, dass nicht einmal der großherzigste Mensch auf Erden soetwas tun würde,
Genau 359 Geister, die "damals" auf der Insel gearbeitet hatten, hatten sich zusammengeschlossen und gaben ihr bisschen Leben für das ihres Herren und ihrer Herrin.
Selbst der Geisterhändler war erstaunt und seit dem behandelte er die Geister nicht mehr nur wie eine Ware, die zum Verkauf angeboten wurde.
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