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Wir Sind Wir

von Hibiki
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama / P6 / Gen
30.09.2004
30.09.2004
1
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Dieses Kapitel
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30.09.2004 1.583
 
Wir Sind Wir
By Hibiki


Serie: Rockman.Exe
Genre: Drama/Songfic

Hinweis: Dies alles ist keinem bestimmten Navi zugedacht, hat also nichts mit Lan und Co. zu tun.

Inhalt: Die Gefühlswelt eines NetNavis, der nach dem Tod seines Operators alleine durch das Internet reist.


­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­­ Tag um Tag, Jahr um Jahr,
Wenn ich durch diese Straßen geh',
Seh ich wie die Ruinen dieser Stadt
Wieder zu Häusern auferstehen.


Der Wiederaufbau seit dem letzten Netz-Krieg war nun schon seit über fünf Jahren im Gange und aus Schutthaufen erstanden nun so langsam wieder beachtbare Gebilde, die sich gen Cyberhimmel ragen.
Und ich werde nie mehr als diese künstlich mit Code hergestellten Wolken sehen dürfen, von nun an wird mein Leben in dieser Welt aus Zahlen gefangen sein. Ein riesiges Gefängnis, dass soviel Freiheit bietet und uns doch genau dieser einen Sache beraubt.
Viele von unseren Freunden sind auch nicht zurückgekehrt.

Doch bleiben viele Fenster leer,
Für viele gab es keine Wiederkehr.
Und über das, was grad noch war,
Spricht man heute lieber gar nicht mehr.


Weißt du, dass ich die Tage gezählt habe, selbst die Stunden? Auch die Sekunden weiß ich, denn es ist schließlich meine Pflicht, Dinge im Auge zu behalten. Oder gehört das nicht dazu? Sicherlich wüsstest du die Antwort auf all meine Fragen.
Aber ich kann dir ja jetzt keine mehr stellen. Aber warum konntest du mir nie verraten, was unsere Bestimmung ist? Du hattest mir doch immer versichert, dass ich mehr als nur ein Werkzeug bin, dass ich mehr kann als kämpfen und mich im Internet zurechtfinden. Warum habe ich dann aber genaugenommen nichts anderes getan?

Doch ich frag, ich frag mich wer wir sind.

Hast du es vielleicht selbst nicht gewusst? All die Jahre über, in denen du mir geholfen hast mich zurechtzufinden? Am Ende vielleicht sogar nur genausoviel gewusst hast wie ich es jetzt tue?
Nein!
Das darfst du mir nicht antun. Du wusstest soviel, dass ich es nie schaffen würde auch nur einen Umriss deines Gemeinwissens in mir zu beherbergen. Aber ich möchte es doch schaffen. Schließlich kann ich dich nichts mehr fragen, wenn ich etwas wissen möchte. Denn du bist gegangen, ohne dich von mir verabschieden zu können, ohne mir dein wahres Wissen mitteilen zu können. Man hat dich mir weggenommen - mit einer Kugel. Und als man uns trennte war ich das erste Mal in meinem Leben von Grund auf besiegt.

Wir sind wir! Wir stehen hier!
Aufgeteilt, besiegt und doch,
Schließlich leben wir ja noch.

Wir sind wir! Wir stehen hier!
Das kanns noch nicht gewesen sein.
Keine Zeit zum Traurigsein.
Wir sind wir! Wir stehn' hier!
Wir sind wir!


Hinter mir kann ich drei Mettool-Viren Version 3 aufmarschieren hören. Ja, mein Gehör ist immer noch so gut wie zu Anfang und ich muss mich immer mehr darauf verlassen. Nachdem mir ein Spike Hund-Virus mit einem Feuerstoß mein virtuelles Gesicht versengte waren meine Augen das einzige was ich nicht mehr reparieren konnte.
Okay, der vorderste macht sich bereit die Axt zu schwingen, das bedeutet er muss seine sonst perfekte Verteidigung aufgeben ...
Du solltest meinen, diese Viren würden es langsam kapieren mir nicht zu Nahe zu kommen, nicht? Schließlich ... hat ja nicht mal eine Sekunden gedauert bis ich sie erwischt hatte.
Aber obwohl es mir immer noch wehtut über dich nachzudenken, versuche ich damit zurechtzukommen so gut es mir möglich ist. Wir müssen einfach nur damit fertigwerden und wir selbst bleiben, denn dann kann uns niemand wirklich etwas antun.
Ich glaube, ich habe jetzt unsere Bestimmung gefunden. Wir müssen nur wir selbst bleiben.
Wir sind WIR!

Auferstanden aus Ruinen dachten wir,
Wir hätten einen Traum vollbracht.
40 Jahre zogen wir an einem Strang.
Aus Asche haben wir Gold gemacht.


Immer noch ist es keine Schwierigkeiten mich an die Zeiten zu entsinnen in denen wir zusammen gekämpft haben und manchmal wünsche ich mir, diese alten Zeiten wieder lebendig werden zu lassen. Wenn wir kämpften waren wir in unserem Element, Seite an Seite zogen wir in die Schlacht. Es waren glorreiche Zeiten und wir haben das unmögliche geschafft, weil wir immer zusammenhielten. Das war, was wir beide am besten konnten.

Jetzt ist mal wieder alles anders
Und was vorher war, ist heute nichts mehr wert.
Jetzt können wir haben was wir wollen,
Aber wollten wir nicht eigentlich viel mehr?


Unser erstes Zusammentreffen war etwas, dass ich nie vergessen werde, denn es war mein wichtigstes und schönstes Erlebnis zugleich. Denn von diesem Zeitpunkt an habe ich jemanden gefunden, den ich beschützen wollte. Ich hatte die Person gefunden, die mir mehr bedeutete als mein eigenes Leben, jemanden für den ich ohne zu zögern töten und ohne zu denken sterben würde. Soviel bedeutest du mir noch heute, am fünften Jahrestag deines Todes.
Ich hatte mich vorgestellt und du warst einfach nur stolz und glücklich, deinen eigenen NetNavi zu haben. Du hast mir immer vertraut. Und ich wollte mich immer diesem Vertrauen als würdig erweisen, egal wie lange wir es zusammen aushalten müssten.
Als du dann mit etwas mehr als dreißig Jahren Alter an deiner Schusswunde starbst fand ich mir selbst einen Weg um ins Netz zu fliehen.
Hätte ich es nicht getan, wäre ich wahrscheinlich zu einem fremden Kind gekommen, meine Erinnerungen an das was zuvor gewesen war gelöscht worden.
Wir hätten sovieles haben können, das Universum hätte ich dir zu Füßen gelegt, aber du warst mit dem zufrieden was du gehabt hattest. Und so war ich es auch.

Und ich frag, ich frag mich wo wir stehen.

Wir sind wir! Wir stehen hier!
Wieder Eins in einem Land,
Superreich und abgebrannt.


Ich bin mir sicher, dass du im Himmel bist, im ewigen Paradies. Wohin komme ich denn, wenn ich gelöscht werde? Haben NetNavis sowas wie ein Leben nach dem Tod oder verschwinden wir einfach für immer? Oder wandern unsere voneinander gelösten Datenstränge auf alle Ewigkeit durch das Netz, ohne wirklich etwas tun zu können und immer nur beobachten?
Weiß denn überhaupt jemand eine Antwort auf diese Frage?
Vielleicht nur die Navis, die gelöscht worden sind.

Wir sind wir! Wir stehen hier!
So schnell kriegt man uns nicht klein,
Keine Zeit zum bitter sein.
Wir sind wir! Wir stehn' hier!
Wir sind wir!

Wir sind Wir!
Aufgeteilt, besiegt und doch,
Schließlich gibt es uns ja immer noch.


Ich stehe nun über deinem Grab, welches ich in der Nähe von Yoka Square angelegt habe, ein altenglisches Kreuz rühmt deine Ruhestätte im Netz. Virtuelle Bäume und Blumen stehen hier um uns herum und schmücken die keineswegs triste Umgebung geschmackvoll aus.
Langsam zünde ich eine Kerze an, die fünfte ist es bereits. Jedes Jahr bin ich hierher gekommen und habe eine Kerze angezündet, zwar nichts Besonderes aber es ist der Wille der am meisten zählt. Solange bis ich gelöscht werde, schwörte ich, würde ich hierherkommen und jedes Jahr eine Kerze für dich anzünden, nur damit du weißt, dass ich dich nicht vergessen habe.
Denn in meinen Gedanken leben wir immer noch zusammen, schließlich können wir nicht voneinander loslassen.

Wir sind wir!
Und wir werden's überstehen,
Denn das Leben muss ja weitergehen.


Ich drehe mich langsam um und wende mich jetzt dem Ausgang des provisorischen Friedhofes zu, welchen ich errichtet hatte. Nur einige wenige wussten um diesen Ort Bescheid und kümmerten sich zumeist in meiner Abwesenheit darum, dass nichts diese Anlage verwüsten konnte. Dafür danke ich ihnen.
Wenn ich das nächstemal vorbeikomme, werde ich etwas für dich dabeihaben, das schwöre ich. Und auch dann werde ich wieder eine Kerze anzünden und meine Gedanken mit dir teilen, wenn du es immer noch zulässt.

Wir sind wir!
Das ist doch nur ein schlechter Lauf.
So schnell geben wir doch jetzt nicht auf.


Nun hatte ich das Tor zurück zum normalen Netz erreicht und drehte mich noch einmal um. Obwohl ich innerlich viel zu sehr aufgewühlt war, musste ich noch etwas loswerden, denn wer weiß ob wir uns noch einmal wiedersehen.
"Ich danke dir."
Und damit ließ ich dein Grab für ein weiteres Jahr hinter mir. Aber wir beide wissen, dass zwei Hälften immer zueinander streben, egal was auch passiert. Und nur aus diesem Grund werden wir uns wiedersehen.
Das verspreche ich.


ENDE
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