Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Horror / Horror / -W-

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von Cain
GeschichteThriller / P12 / Gen
27.09.2004
27.09.2004
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732
 
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27.09.2004 732
 
Ich schaue hinaus aus dem kleinen Fenster. Über mir leuchtet der Mond, voll und rund, silbern. Ich will meine Augen schließen, weg schauen, mich abwenden, aber ich kann nicht. Er fesselt mich, er hypnotisiert mich, lässt mich nicht entkommen. Der Mond. Ich spüre, wie es mich zu jucken beginnt, am ganzen Körper, ich merke, wie meine Augen leer werden, anfangen zu glühen. Einige Sekunden bleiben mir noch, dann spüre ich den ersten Ruck. Wie ein Zittern, das durch meinen Körper läuft, meinen Rücken krümmt, mir Fell wachsen lässt, mein Gesicht in die Länge zieht. Kaum eine Sekunde später folgt der nächste Ruck, mein Fell wachst weiter, mein Gesicht wird noch einmal länger; meine Wirbelsäule wächst plötzlich nach hinten, ich bekomme einen Schwanz. Meine Gelenke verbiegen sich, ich falle vorne über. Ich keuche vor Schmerz, doch der nächste, der letzte Ruck kommt trotzdem, aus meinen Händen werden Pfoten, mein Gesicht formt sich endgültig um, ich bekomme scharfe Reißzähne, mein Schwanz streckt sich zu seiner vollen Länge, mein ganzer Körper... -verändert- sich, bis ich fertig bin. Ein Wolf. Größer, stärker, als Wölfe normalerweise sind, denn ich... bin anders. Ich bin ein Werwolf. Verdammt dazu, jeden Monat aufs neue Menschen zu töten, ohne etwas dagegen tun zu können. Ich habe den Wolf nicht unter Kontrolle, er kontrolliert mich, der Mond kontrolliert ihn, ich kann nichts machen, als mich in eine Ecke des Bewusstseins, das einmal mir gehört hat, zurückzuziehen. Ich spüre, wie der Wolf meinen, -seinen- Kopf hebt, schnüffelt. Er nimmt eine Witterung auf. Er zwängt sich durch das kleine Fenster und macht einen Satz in die Nacht hinaus.
Nein, kann ich nur noch stumm rufen, dann....
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Der Wolf läuft die Straßen entlang, dem Geruch nach Fleisch, Blut, -Leben- folgend. Er ist schnell, er kennt seine Stärke und macht sich nicht einmal die Mühe, sich anzuschleichen. Er springt, als er sein Opfer erblickt hat, drückt es zu Boden und vergrabt seine Zähne in den Nacken, noch bevor es Zeit zum Schreien hat. Er wartet nicht einmal den Tod seines Opfers ab, er beginnt schnell und gierig zu fressen.
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Langsam trotte ich vor mich hin. Ich bin noch immer in dem Wolfskörper, jedoch kann ich ihn wieder kontrollieren. Er hat seinen Hunger gestillt und der Mond  hat das Blut, das er wollte. Ich weiß nicht, wie viele ich Menschen heute wieder getötet habe, doch es wird morgen oder übermorgen  in den Zeitungen stehen. Bei mir Zuhause angekommen klettere ich wieder durch das Fenster, schleiche mich in mein Bett und rolle mich unter der Decke zusammen.
Am nächsten Morgen wache ich auf, ich weis, dass ich mich in dieser Nacht wieder unter Alpträumen zurückverwandelt habe. Meine Eltern erzählen mir dann, das ich in der Nacht geschrieen habe, meinen, ich würde in letzter Zeit oft schlecht Träumen. Völlig matt gehe ich in die Schule, bringe einen weiteren Tag meines Lebens hinter mich. Diese Nacht träume ich wieder, am Morgen danach blättere ich durch die Zeitung, auf dem Titelbild sind drei Leichen zu sehen, unter der Überschrift, Mordserie geht weiter! Erneut drei Tote gefunden!', ich überfliege den Bericht dazu, nichts neues steht da, das selbe wie jeden Monat; werfe einen Blick auf den Namen des Journalisten und merke im selben Moment, dass das ein Fehler war-  Ihn als nächstes,  höre ich die Stimme des Wolfes in meinem Kopf,  Er wird unser nächstes Opfer.  Selbst jetzt hat der Wolf noch genug Kontrolle über mich, er verzieht meinen Mund zu einem bösen Grinsen.
Ja..., das wird ein Spaß,  denkt er, und lässt mein Augen kurz aufleuchten,  nicht wahr?
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