Sie haben Post!

GeschichteRomanze / P12 Slash
16.09.2004
16.09.2004
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Titel: Sie haben Post!
Teil: 1 / 1
Warnung: ZUCKA! Vielleicht.. na ja.. ein wenig Rumgefluche .. das macht der gute Mike irgendwie sehr oft.. *grübel* na ja.. irgendwas musste er ja von mir haben...

Kommentar: das kam irgendwie.. sehr spontan.. eigentlich hatte ich in der Schule schon was angefangen, aber.. das hab ich verworfen und noch mal neu begonnen... das Ende ist wieder etwas.. na ja.. mich verlässt immer die Energie zum Ende hin.

Beta Dank geht an: Nuri-Hasi.. ^_^
Beta-Kommentar: Very nicely ^-^` a bit short isn't it? Ich  meine ja nur so ehm etwas übereilte ehm...ANMACHEN!!! Aber knuffig und du machst dich mit deinen Fehlern sie werden weniger ich kann mich jetzt gut auf den Inhalt konzentrieren ^^`

Let's go... face the fear and do it anyway ^^

~~~~~~~~*~~~~~~~~
Seit wann hatte der Hausflur so viele Treppen? Mir kam es vor als würde ich schon ewig Stufe für Stufe dem Himmel entgegen steigen. Eigentlich müsste hier schon alles voller Wolken sein. Schwerfällig, sehr, sehr, sehr schwerfällig hob ich ein weiteres Mal mein linkes Bein, hiefte meinen Körper auf die nächste Stufe. Dort blieb ich stehen und sah eine Weile aus dem Fenster. Man, wenn ich weiter so ein Tempo vorlegte, würde ich nächste Woche noch hier stehen. Und spätestens in einer Stunde wird ist es nicht mehr so lustig sein, denn ein Hausflur erscheint im Dunkeln noch weniger einladend als jetzt schon. Verdammte Winterzeit! Meine Stimmung sank uniform mit der Sonne um 17 Uhr, was zusätzlich meinen Tagesrhythmus durcheinander brachte.
10 Minuten später stand ich endlich im warmen und beleuchteten Flur meiner Wohnung. Meine Jacke warf ich, ohne genau zu zielen, in Richtung wo ich die Gaederobe vermutete. Meine Tasche glitt von meiner Schulter auf den Boden, nicht weit entfernt von meinen Schuhen. In meiner Linken hielt ich immer noch die Post, als ich  mich auf meinem Sofa "nieder legte". So wie ich gefallen war, blieb ich liegen, griff blind nach der Fernbedienung und schaltete die Flimmerkiste an. Nicht das es irgendwas spannendes zu sehen gab, aber ich konnte es einfach nicht ab, wenn es total leise um mich herum war. Mit so wenig Kraftaufwand wie möglich versuchte ich mich auf den Rücken zu drehen. Im ziemlich mageren Licht des TV's sah ich meine Post durch. Die Werbung warf ich, so schwungvoll wie möglich, durch die Tür auf den Flur. Irgendwo dort stand ein Behälter für diese Art von Müll. So wie ich mich grade fühlte, blieben die Teile bestimmt kurz nach dem Sofa, auf dem ich lag, liegen. Was solls'?!  
Ich stockte mitten im Wurf, sodass das Werbeprospekt aus meinen Händen rutschte und mir auf den Kopf fiel, als mein Blick an dem Namen Khai Liebetrau hängen blieb. Wer zur Hölle war das? Nun, jedenfalls war das nicht mein Name der da als Adressat angegeben war, soviel stand fest. Verwirrt stellte ich fest, dass Khai Liebetrau am anderen Ende der Stadt wohnte. Wie zur Hölle also kamen die Typen von der hiesigen Post darauf, dass der Brief sein Ziel erreichen würde, wenn sie ihn hier einschmissen? Hat der Stellenabbau das Postamt schon so schwer getroffen, dass sie nicht mal genug Personal hatten um die Briefe bis zu ihrem Bestimmungsort zu bringen?  Oder war das so eine "Bürger helfen Bürgern" Aktion?
So ein Schwachsinn. Ich besah  mir den Brief genauer: es stand kein Absender drauf, er roch nicht auffällig und war auch nicht besonders dick. Kurz kam mir der Gedanke, dass er bestimmt nicht so wichtig war, als dass es auffallen würde, wenn er nicht ankäme. Aber dann plagte mich mein Gewissen... schreckliches Teil... Mir kommt es immer so vor als hätte kein anderer Mensch auf der Welt ein Gewissen, nur ich natürlich. Also gut, also musste ich morgen ein mal durch den Großstadtdschungel von Berlin tingeln. OK, das S-Bahn netz machte das zwar recht einfach, aber trotzdem würde das einige Zeit in Anspruch nehmen...

~~~~~~~*~~~~~~~

Ich lief noch gut 30 Minuten durch die Gegend bevor ich den Namen Liebetrau endlich irgendwo fand. Zu meiner Überraschung schien das hier eine Gegend zu sein für Leute die mehr Geld hatten als unser eins. Das Gebäude war recht groß, trotzdem fand ich nur einen Briefkasten und einen Klingelknopf. Mich wunderte das dieser Herr Liebetrau keinen eigenen Postboten hatte!
Schnaufend und mittlerweile total durchgefroren, ließ ich den Brief in den antikwirkenden Briefkasten fallen. Man, wenn sich dieser Kerl jetzt nicht echt krass über diesen scheiß Brief freute, dann kann er mich mal gern haben. Bin ich doch echt 2 Stunden unterwegs gewesen nur damit dieses Stück Papier hier ankam.
Jetzt, da der Brief im Kästchen war, überkam mich der Gedanke, dass ich wenigstens mal hätte nachschauen können was da nun eigentlich drin war. Aber OK, das hätte mich wieder zu einer Erklärung, und damit zum persönlichen Kontakt mit dem fremden Herrn Liebetrau, gezwungen.
Ich zog den Schal zurecht und versteckte mich so gut es ging dahinter. Na gut... zurück nach Hause.

~~~~~~~*~~~~~~~

Samstagmorgen riss mich das Klingeln an der Tür aus dem Schlaf. Fluchend erhob ich mich, als ein weiteres Mal dieser schreckliche Ton "erklang".  Wer immer das auch war, er hatte mich grade aus einem meiner Johnny-Depp-Träume gerissen und das würde ich sogar meiner Mutter übel nehmen. Jetzt lag der lecka Kerl ganz allein in dem großen, weichen Bett meines Traumes und langweilte sich. Wie verantwortungslos...
In Shirt und Shorts stolperte ich durch den Flur. Eigentlich schlief ich ja noch und musste demnach ziemlich scheiße aussehen, dachte ich mir jedenfalls.
Nun, so wie die Postfrau geguckt hatte, musste sie diesen Gedanken auch gehabt haben. Sie reichte mir ein Paket... für meinen Nachbarn der entweder nicht da oder nicht wach zu bekommen war. Wie auch immer, diese Frau hat mich also wach gemacht um mir ein Paket zu geben das mir noch  nicht mal die Freuden des Öffnens ließ, da es ja nicht für mich war. Der Tag fing ja schon mal gut an.
Die Frau verschwand grade wieder gutgelaunt (da sie einen Idioten gefunden hatte, der ihr die "Last" abnahm) als mich die Idee überkam auch noch nach der anderen Post zu schauen. Da ich ja schon mal wach war und auf einen Brief von der Uni wartete, schien mir der weg die Treppen hinab gar nicht mehr sooooooo schlimm.

Wieder in der warmen Wohnung verschwand ich sofort in meinem Bett, die Post noch in der Hand. Schnell sah ich alles durch, denn Johnny wartete bestimmt noch.... dachte ich, bis ich ein.. nein zwei (!) Briefe mit dem Namen Khai Liebetrau in den Händen hatte. Déjà vue...
Verwirrt blinzelte ich. Was zur Hölle??????? Nein! Nicht schon wieder! Wie zurückgeblieben waren die Postboten von heute? Bekam denn jeder Depp (nein Johnny.. nichts gegen dich) diesen Job? Konnten die da überhaupt lesen?????
Wütend schmiss ich den Brief und.. oh... eine Postkarte aus Italien... durch mein Schlafzimmer und verkroch mich unter meiner Decke. Das konnte doch nicht wahr sein! So, jetzt war ich bockig und verkroch mich tief in Bettdecke und Kissen, wollte schlafen und zwar möglichst ohne wieder aufzuwachen.

~~~~~~~~~*~~~~~~~~

Sonntag
Okey, ich gebe zu, das war ganz schön blöd... Nur wegen diesem Khai L. so einen ungesunden Blutdruck zu provozieren. Aber... aber... mir war halt so. Da ich sowieso in einer Depressiven-Winter-Phase bin, überspringe ich den "ein wenig Unmut"-Zustand immer und ging sofort in den "Ich bring euch um"-Modus. Ihr meint dass ist eine schlechte Angewohnheit? Ja, das sehe ich auch so, aber leider ließ sich das genauso wenig wie der Winter selbst umgehen.
Also machte ich mich wieder auf den Weg quer durch Berlin, zu Mr. "Ich habe ein großes Haus und lasse mir die Post bringen". Dann könnte ich gleich noch mal ne Runde einkaufen gehen, denn in meinem Kühlschrank fand es nicht mal mehr der Schimmel lustig.
Ich warf Brief und Postkarte, die übrigens von "Mutti" kam, in den Kasten und bedachte das Haus mit einem bösen Blick. Keine Reaktion, wie ich erwartet hatte. Da war aber jemand cool.
Kopfschüttelnd machte ich  mich abermals auf dem Heimweg, mit einem Abstecher durch eines der uniformen Kaufhäuser in Berlin.

~~~~~~~~*~~~~~~~~

Dienstag
Ich muss mich ziemlich zusammennehmen um nicht das ganze Haus zusammen zu schreien. Im Augenblick stehe ich im Hausflur und halte einen Brief an meinen Freund Khai Liebetrau in der Hand. Verdammt noch mal! Wieso immer ich??? Wieso??? Dieser scheiß Kerl ist schon jetzt bei mir unten durch... aber so was von unten... Aus diesem Keller kommt er nie wieder raus! In meiner Wut schmeiß ich diesen scheiß Papierfetzen auf den Steinboden des Altbaus und springe darauf rum. Es ist mir so was von EGAL wie bescheuert ich dabei aussehe, aber was zu viel ist, ist zu viel!!!
Mit meiner Energie fliege ich den Weg nach oben förmlich, werfe meine Tasche ab und mache mich auf den Weg zu Mr. Liebetrau um mein Lohn für die private Postzustellungen der letzten Tage abzuholen.

Draußen ist es ARSCH-kalt und ich bin nun wirklich nicht zimperlich. Der Schnee tut sein übriges. Mein Gang ist so energiegeladen, dass ich mich fast 3 mal auf dem Gehweg hingepackt hätte. DAS wär' die absolute Krönung für den heutigen Tag. Meine Finger hatten sich in das, leicht verbeulte, Papier gekrallt und waren dementsprechend kalt und in einem Dauer-Krampf-Zustand! Wäre es nicht so kühl, würde mein Köpfchen wohl glühen. Energisch streiche ich mir meine dunklen Haare aus dem Gesicht als DAS Haus in Sichtweite kam.

Ich hielt mich gar nicht lange am Gartentor auf, ging, mutig wie ich heute war, sofort zur Tür und drückte fest auf die Klingel. Es war mir egal was dieser Mensch gleich von mir denken würde, da ich hier auf keinen Fall noch mal vorbei kommen würde!
Man, wo war der Typ denn!  Ich stand  bestimmt schon Ewigkeiten da rum bevor ich ein Geräusch hinter der Tür hörte.

Ein älterer Mann, Ende 40 würde ich schätzen, sah mich an und lächelte... total verlogen wie ich fand. Bevor er irgendwas sagen konnte, machte ich meiner Wut endlich Luft.....
"Hören sie mir mal zu: Wenn sie nicht sofort beim Postamt anrufen und den Idioten da endlich verklickern, dass auch dieses Haus einen Briefkasten hat, dann vergesse ich mich, wenn ich das nächste mal einen von diesen hier in meiner Post finde!" Ich drückte dem verwirrt dreinschauenden Mann den zerknitterten Brief in die Hand. Sogar der Abdruck meiner Schuhe war zu erkennen. "Ich bin jetzt schon zum 3. Mal in 5 Tagen hier und nur weil ihre dämliche Post bei mir landet. Wissen sie, ich habe keinen Bock und keine Zeit ihnen ihre Post immer persönlich zu bringen, zumal ich auch kein Geld dafür bekomme"

Nun musste ich wirklich Luft holen. Diese Pause nutzte mein Gegenüber um sich zu räuspern. Hinter ihm tauchte nun eine Frau auf. "Schatz, wer ist denn da?" "Ehm... Ich glaube... er möchte... zu Khai." Er zeigte seiner Frau den Brief. "Oh... ich glaube er wollte sich hinlegen, wegen... wegen der Erkältung." Der Mann nickte und sah mich dann verwirrt an. Ich sah verwirrt zurück. "Ähm...."
"Aber du kannst ruhig hoch gehen und ihn wach machen, es gibt sowieso gleich Essen. Keine Angst, einfach ganz nach oben. Da ist nur eine Tür." Ehe ich auch nur meine Schuhe abtreten konnte, packte mich die Frau am Arm und zog mich in den Flur.
Was sollte ich jetzt bitte tun? Hallooohooo! Wieso hörte mir denn niemand zu? Es ging doch nur um den Brief... und nun stand ich in einem Flur mit grüner Tapete und einer ziemlich großen Treppe. Aus Gewohnheit zog ich meine Schuhe aus. Ich kann doch nicht einfach... da hoch gehen. Meine Wut war irgendwie... einer Panik gewichen. Ein fremdes Haus, fremde Leute und jetzt sollte ich auch noch... da hoch gehen und diesen Kerl wach machen? Hallo, ich kenne den doch gar nicht? Genauso wenig wie die Frau die vor mir steht und mir meine Jacke abnehmen will.
Was, was, was, was, was..????  Ich will doch nicht bleiben!
Verlegen versuchte ich mich an einem Lächeln, bevor ich unter dem aufmunternden Blick der fremden Frau die Treppe hinauf stieg. Oben angekommen.... war da noch eine Treppe.
Mein Gott, ich gehe wirklich in einem fremden Haus rum und werde behandelt wie ein Freund der Familie. Das kann doch nur ein schlechter Witz sein!

Am Ende der Treppe ist wirklich nur eine Tür. Schade, die Ausrede, dass ich mich verlaufen habe, war schon mal unbrauchbar. Ich ging ein paar Stufen zurück und lauschte. Mist, da waren Stimmen zu hören und auch der Staubsauger. Also konnte ich auch schlecht einfach wieder ungesehen verschwinden.
Ruhig bleiben, ganz ruhig bleiben.... Ich werde jetzt einfach da rein gehen und diesem Menschen sagen was ich von ihm halte, so!

Scheiße, scheiße, scheiße! Wieso muss mir so was immer passieren. Das Zimmer war irgendwie... riesig und schien den ganzen Dachboden einzunehmen. Da war sogar noch eine Treppe.... aber das war alles völlig unwichtig, denn in dem recht großen Futon-Bett, vor dem ich stand, sahen mich grad 2 unglaublich braune Augen an. Verschlafen, irritiert und total daneben aber so was von süß... WWWWAAAAAAAHHHH!
Wie war das mit dem Keller, aus dem Khai nicht mehr rauskam da er "so was von unten durch" bei mir war?
Er zwinkerte und allein mit diesem Augenaufschlag war er quasi völlig rehabilitiert. So viel zu der konsequenten Durchsetzung meiner Vorhaben.

"Ähm... hi!" Die Bambi-Augen sahen mich immer noch leicht verstört an. Er fuhr sich durch die Haare sah sich kurz um, wahrscheinlich auf der Suche nach einer Uhr. Was tue ich hier überhaupt? "Das Essen ist fertig... soll ich sagen."  
Wie intelligent. Deswegen sollte ich unbedingt studieren....
Er... Khai.. sah mich an und kratzte sich an der Stirn. "Entschuldige wenn ich das Frage aber: Wer..." Hier musste er abbrechen da ein ziemlich schlimmer Hustenanfall ihn fast aus dem Bett warf. Das tat mir sogar weh und ich stand nur daneben.
Rein aus Reflex hockte ich mich neben ihn und hielt ihn soweit es ging fest damit er sich sein hübsches Näschen nicht noch verletzte.
Es dauerte eine Weile bis er wieder zur Ruhe kam. "Sorry.. also...... wer... bist du, wenn man fragen darf? Und was machst du in meinem Zimmer?"
"Vielleicht träumst du ja immer noch?"
"Ich glaube nicht...." Was für ein schlauer Kerl.. ein schlauer, süßer Kerl.. hmmm..
"Ehm ich bin Mike  ... das Essen... ja.. es gibt Essen. Und... du hast Post." Ich reichte ihm den Brief und erhob mich. Naja.. eigentlich war meine Aufgabe ja erledigt. Meine Wut hatte ich schließlich schon an der Tür entladen.
"Warum... bringst du mir einen Brief ans Bett?"  Wie konnte man in dieser Situation noch halbwegs intelligente Fragen stellen? Respekt... Mein Sinn für Raum, Zeit und geistreiche Antworten war nämlich auf den Weg hierher irgendwie verloren gegangen.
"Weil.. weil ich ehm... es zu unpersönlich fand ihn schon wieder in den Briefkasten zu tun?"
"Du siehst nicht aus wie ein Postbote." Kurz sah ich an mir runter. Stimmt... ich war geschmackvoller gekleidet und das garantiert nicht in Gelb. "Ja ich war auch nur so was wie.. eine zwischen Station." Zwei braune Augen musterten mich irritiert und stempelten mich wohl gerade als totalen Idioten ab. "Deine Post... kam.. seit Freitag bei mir an. Ich.. hab sie dann her gebracht."
"Wieso hast du nicht geklingelt oder.... du wohnst doch gar nicht nebenan oder?" Khai wirkte inzwischen schon recht wach, hustete nur ab und zu und rieb sich die Stirn.
"Nein... nicht ganz, eher 2 Stunden in der entgegengesetzten Richtung."
"Was? Dann bist du hierher gefahren und hast meine Post hier abgeliefert?" Wieso war mir das nur auf einem mal so peinlich? Trotzdem nickte ich. "Ich bin jetzt das 3. Mal hier.. seit Freitag." Khai erhob sich und stand nur in Shorts vor mir, mit verwuschelten Haaren. Schnell räusperte ich  mich. Raus hier.. ich musste so schnell wie möglich raus hier! Ich beschloss die Sache entschieden zu verkürzen. "Und ich wollte eben nur sagen das ich keine Lust  und Zeit mehr habe um Postbote zu spielen... Wenn du irgendwelche wichtigen Briefe erwartest: Hier ist meine Adresse.", entschlossen legte ich den kleinen Zettel auf den Schreibtisch in meiner Nähe. "Komm vorbei und hol sie dir ab." Damit griff ich nach der Klinke und entzog mich dem Bann dieser fremden Person. "Ach so, gute Besserung." Dann war ich weg.

Ich stürzte mich mutig die Stufen hinab, suchte Schuhe und Jacke zusammen und verabschiedete mich mit "schönen Tag noch" bei Mutter und Vater Liebetrau, die aufgrund meines Gepolters aus der Küche getreten waren.
Mein Weg nach Hause brauchte ich ziemlich hastig hinter mich. Seufzend fiel ich auf mein Sofa und war froh, das dieser Tag so gut wie geschafft war. Jetzt mussten  nur noch diese Bambi-Augen aus meinem Gedächtnis verschwinden...

~~~~~~~~*~~~~~~~~

Donnerstag

Matsch.. überall. Wie ich das hasste. Das Wasser, das heute morgen noch als Schnee rumlag und mir so wesentlich besser gefallen hat, wurde immer weiter in meine Hosenbeine aufgesogen. Diese waren inzwischen schon bis zu den Knien nass und ich hatte das blöde Gefühl, mir würden die Beine gleich abfallen. Ich hastete nach Hause. Im Hausflur öffnete ich schnell meinen Briefkasten, nahm die Post und versuchte beim Treppensteigen den Kontakt meiner Hose mit meiner Haut so gut es ging zu vermeiden. Das klappte natürlich überhaupt nicht und sah bestimmt noch total bescheuert aus.

Als erste Amtshandlung nachdem sich die Tür hinter mir geschlossen hatte, entledigte ich mich meiner Jacke und Hose. Letztere warf ich ins Bad.
So wie ich war, setzte ich Wasser für einen Tee auf. Vom Sofa nahm ich eines meiner Tücher, einem Strandtuch nicht sehr unähnlich,  und band es mir um die Hüfte. Die Leute von Gegenüber waren seeeeeehhhr neugierig.
Draußen dämmerte es bereits und irgendwie war ich in einer komischen Stimmung. Folglich entflammte ich einige Kerzen... ja mit einem Feuerzeug. Mit dem Tee in der Hand saß ich auf dem Sofa und besah mir den Stapel Post auf dem Tisch. Gestern hab ich meinen Briefkasten nicht mal angeguckt, aber irgendwann musste ich das Teil ja mal leeren. Der Inhalt der letzten 2 Tage lag nun auf dem Tisch.

Ich war nun schon fast durch, als der schicksalhafte Name auftauchte.
Atmen.. Atmen... und den Brief beiseite legen, was ich dann auch tat. Während ich meine Post weiter durchsah, blickte ich ihn verstohlen aus dem Augenwinkel an.
Bis ich einen roten Umschlag in meinen Händen hielt. Hey, es stand meine Adresse drauf, aber er war nicht abgestempelt... bzw. die Briefmarke fehlte ganz. Hä?
Hastig öffnete ich den Umschlag und zog ein gefaltetes Blatt Papier heraus.

"Entschuldigung."
Und 2 Zeilen tiefer:
"Es klingelt an der Tür. Nicht erschrecken."
Was zur Hölle sollte das? Es klingelt an der Tür? Was war das für ein Unsinn?
Rein aus Interesse natürlich, erhob ich mich um nachzusehen was für ein dummer Witz das mit der Tür sein sollte.
In der Erwartung eines Babys auf der Türschwelle öffnete ich und... sah nichts.
Klasse. Was für ein Reinfall. Ich bin doch ein totaler Idiot...

Ich war schon wieder auf den Weg in meine Wohnung als....
"Hi!" Erschrocken fuhr ich herum. Khai saß auf der Treppe und lächelte mich an. Sofort war ich in dem Bann dieser Augen. So ein Mist!
"Ich glaube deine Klingel ist kaputt." Er erhob sich und stand nun, verlegen auf den Boden schauend, vor mir.
Meine Klingel ist kaputt? Oh.. ja.. richtig, nach der Erfahrung mit der Postfrau hab ich das Teil außer Kraft gesetzt. Also nickte ich...

"Darf ich reinkommen?"
"Wieso?" Für die Frage hätte ich mich selbst schlagen können. Toll gemacht. Gottes Meisterwerk steht vor deiner Tür und will sich zusammen mit dir in dein 18 m² Wohnzimmer zwängen und du fragst wieso.
"Es ist recht kühl im Flur." Dabei sah er mich irgendwie komisch an. Ein Luftzug umspielte meine Beine und mir wurde bewusst, dass nur das rote Tuch meine Beine "verhüllte". Es war wirklich etwas kalt hier. "Und ich habe meine Erkältung grade erst überwunden..." sprach er weiter, als ich nicht antwortete.
"Komm rein." Er folgte meiner Aufforderung.

Kurze Zeit später saßen wir im Wohnzimmer.
"Ist ja richtig gemütlich  hier. Habe ich dich irgendwie gestört?" Khai lächelte mich an und sofort war mir der Funke romantischer Stimmung, welcher mich vorhin zum anzünden der Kerzen GEZWUNGEN(!) hatte, peinlich.
"Nein ich habe... meine Post durchgesehen." Schnell griff ich  nach meiner Tasse um etwas in den Händen zu haben, dass mich von meiner Nervosität ablenkt  
"Und? War was für mich dabei?"
"Ja... liegt da. Möchtest du auch einen Tee?" Er nickte und griff nach dem Brief.
Als ich mit der Tasse ins Wohnzimmer kam, sah Khai mich an, lächelte und wuselte in seinen Haaren rum.
Gott, dieser Anblick war einfach.... krass. Habe ich schon erwähnt das er blonde Haare hat? Das Kerzenlicht verfängt sich in seinen langen Pony-Strähnen, zwischen welchen diese unbeschreiblich braunen Bambi-Augen hervor sahen. Man konnte sich diesem Anblick gar nicht entziehen. Mein beschleunigter Puls und das "Party-Gefühl" in meinem Magen waren eindeutige Zeichen dafür, dass hier etwas nicht so lief wie ich das wollte.

"Du wolltest also deine Post abholen?" Ich konnte mir zwar grade noch das 'nur' verkneifen, gegen den etwas traurigen Unterton konnte ich jedoch gar nichts tun. Das läuft schief... aber total!
"Nein. Ich bin wegen dir hier." Schock. Da war aber jemand direkt... das gefiel mir! Vielleicht lief es ja doch nicht so schief?
Khai sah mich weiterhin durchdringend an, nahm mir, ohne den Blick abzuwenden, die Tasse aus der Hand und stellte sie auf dem Tisch ab. Als er dann ein Stück zu mir heranrutschte überflutete ein "Party-Gefühl" Welle meinen Körper, vom Bauch ausgehend.
Ich zitterte vor Spannung bis sich unsere Lippen berührten. Mein Herz schlug bis zum Hals und ich konnte quasi fühlen wie meine Hormone durch meinen Körper schossen.
Er legte eine Hand an meine Wange und drückte seine Lippen bestimmter auf die Meinen, jetzt da er sich sicher war, dass ich nicht fliehen würde.

Es drängte mich eher in die andere Richtung. Meine Hände legten sich auf seine Taille. Ich konnte nackte Haut an einigen Fingern spüren und begann diese leicht zu bewegen.
Zwischenzeitlich zwar er zum Angriff übergegangen, plünderte meinen Mund mit seiner Zunge, bis ich ebenfalls aktiv wurde.
Keine Ahnung wie lang wir die Verbindung durch den Kuss aufrecht erhielten, aber es war eindeutig zu kurz gewesen.
Seine Wangen waren gerötet. "Normalerweise mache ich so was nicht einfach.. aber... ich konnte nicht anders."
"Na Gott sei dank. Holst du deine Post jetzt immer persönlich ab?" Ich beugte mich vor und knabberte an seinem Ohrläppchen. Das entlockte Khai ein paar sehr angenehme Laute, wie ich fand.
"Gern. Der Weg von deinem Bett bis zum Briefkasten ist ja nicht weit." Sein warmer Atem streichelte meinen Hals und ich beschloss der Postfrau noch eine Chance zu geben. Das hier war ja schließlich irgendwie auf ihren Mist gewachsen.

~~~~~~~~~~~* Ende *~~~~~~~~~~

Wie schreibt Nao-kun immer so schön? *umarmung*
*kicher* Gott ich liebe Japaner... ^^'

bye Vampirekiss

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