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His Life In Her Hands

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
04.09.2004
04.03.2005
10
50.082
 
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His life in her hands


"Wenn ich laufe, dann bin ich in einer anderen Welt. Dann sehe und höre ich nichts. Dann gibt es nur die Laufbahn und mich. Und ein Ziel. Den Sieg."

"Guten Tag meine Damen und Herren und herzlich willkommen zur Leichathletik-EM aus Barcelona. Wir kommen gerade richtig zum Vorlauf der Damen über die 400 m. In unserem kleinen Vorspann konnten sie schon die Topfavoritin auf den Sieg sehen. Calista Stewart. Unsere deutsche Hoffnung. Die Erwartungen an die erst 17-Jährige sind sehr groß. Eine Medaille ist Pflicht und viele sagen Gold.
Wir schalten nun direkt hinunter an die Bahn wo die Läuferinnen sich bereitmachen. In wenigen Minuten ist es soweit. Dies ist der Erste von vier Vorläufen. Jeweils die besten zwei qualifizieren sich für den Endlauf am Donnerstag. Jetzt ist es gleich soweit, und achten sie auf den Laufstil von Stewart. Den Kopf immer gesenkt. Ich weiß gar nicht wie dieses Mädchen sieht wo es hinrennt. Aber jetzt genug der Dinge. Sie gehen an den Start........
Calista Stewart hat einen tollen Start hingelegt, verschafft sich gleich zu Beginn ein paar Meter Vorsprung. Sie wird den Endlauf locker erreichen. Es sieht aus als wäre dies ein Trainingslauf für sie. Um den zweiten Platz streiten sich die Französin und die Engländerin. Calista Stewart läuft ein einsames Rennen... doch was ist das? Was macht denn dieser Hund auf der Bahn!? Wie kann denn das passieren? Meine Damen und Herren... ich... der muss da weg! Nimmt doch jemand diesen Hund weg! Das Rennen muss abgebrochen werden! Sie muss doch diesen Hund sehen... Calista... Mädchen... Oh Gott!
Calista Stewart liegt am Boden. Sie hält sich das Knie. Der Lauf ist abgebrochen. Na toll, das bringt unserer Calista jetzt auch nichts mehr.... oh das sieht nicht gut aus. Sie hält sich noch immer das Knie...Wollen wir das Beste für sie hoffen. Sie wird jetzt mit einer Bahre weggetragen... Hoffen wir, dass es nichts Schlimmes ist.... Die besten Wünsche von uns allen."

Calista schaltete den Fernseher aus. Das war nun vier Jahre her. Sie nahm die Kassette aus dem Videorekorder. Was hätte alles sein können? Wie hätte ihr Leben jetzt ausgesehen? Aber sie wollte sich nicht beschweren. Sie führte ein tolles Leben. Sie kam viel in der Welt herum. Lernte interessante Menschen kennen. Und doch blieb da etwas Wehmut.

Das Telefon klingelte. Besser gesagt ihr Handy. "Stewart?" "Miss Stewart, wir haben einen neuen Auftrag für sie. Kommen Sie bitte umgehend in unser Büro." Aufgelegt. Wie sie diese ach so netten Anrufe doch liebte. Komm her. Peng. Na ja, das Business ist hart, Gefühle nicht erlaubt. Warum? Weil sie gefährlich sind.

"Hallo Calista, setzen Sie sich. Wie geht es Ihnen?" "Den Umständen entsprechend. Ich dachte ich hätte Urlaub. Doch so wie es aussieht habe ich mich da geirrt." "Tut mir leid, aber wir brauchen Sie."

Chester Blair war ein toller Chef. Er war Mitte 50, hatte leicht ergrautes Haar und war etwas... nun ja, sagen wir so... er hätte eine leichte Hungersnot locker überstanden. Ihr Verhältnis war sehr freundschaftlich... fast schon familiär. Er hatte keine Kinder, hatte nicht mehr geheiratet seit seine Frau gestorben war. Autounfall. Calista war so etwas wie seine rechte Hand im Alltagsleben. Sie kam zu ihm wenn er krank war, obwohl er ein Dienstmädchen hatte. Sie war ihm einfach dankbar. Trotz dieser Freundschaft siezten sie sich. Der Respekt und die Autorität durften nicht darunter leiden. Das war nicht gut in ihrer Branche. Aber tief in ihrem Innern... sie hatte diesem Mann so viel zu verdanken. Er hatte ihr diese Chance gegeben.
Er war ein Jugendfreund ihres Vaters. Aus alten Armyzeiten. Ihre Eltern lebten in Deutschland. Ihr Vater war Amerikaner. Er war als junger Soldat nach Deutschland gekommen. Er war fünf Jahre in der Nähe von Stuttgart stationiert gewesen. Und da hatte er ihre Mutter kennen gelernt. Ihr Vater war nach diesen fünf Jahren versetzt worden und arbeitete seither für die Amerikanische Botschaft in Berlin. Dort arbeitete auch Mr. Blair, bis er sich vor etwa sechs Jahren selbständig gemacht hatte. Er hatte klein angefangen und besaß nun eine der besten und bekanntesten Personenschutz-Agenturen in Europa. Ihr Sitz war in London. Dort lebte sie auch. Und sie arbeitete für ihn. Nach ihrem Un... nach dieser Sache war sie in ein tiefes Loch gefallen... bis Mr. Blair ihr das Angebot gemacht hatte, für ihn zu arbeiten.
Die Ausbildung hatte zwei Jahre gedauert. Sie war sehr umfangreich gewesen. Kampfsportarten, Fahrtraining, Nahkampf, Schusswaffentraining. Aber auch der Umgang mit Computern und das Umgehen von Sicherheitsschranken und Alarmanlagen war ihr beigebracht worden.
Und heute? Heute war sie eine der gefragtesten Damen in ihrem Beruf. Und das mit 21 Jahren. Am Anfang hatte sie Frauen vor ihren gewalttätigen Männern beschützt.
Sie hatte dabei gute Arbeit geleistet und inzwischen gehörten zu ihren Kunden Politiker, Schauspieler, Sportler...
Es war immer häufiger zu hören, dass weibliche Bodyguards benötigt wurden. Es war unauffälliger. Sie konnte als Schwester, Tochter, Nichte, Freundin, Ehefrau oder einfach nur als Bekannte durchgehen. Natürlich hatte sie auch mit Vorurteilen zu kämpfen. Ein weiblicher Bodyguard? Viele waren da etwas skeptisch. Doch damit konnte sie leben. Bisher hatte sich noch nie jemand über ihre Arbeit beschwert. Sie liebte ihren Beruf. Er machte ihr Spaß... bis auf wenige Ausnahmen. Zum Beispiel wenn man einige Tage frei hatte und dann doch arbeiten musste.

"Um was geht es?" "Irgendein Verrückter hat es mal wieder auf Sportler abgesehen. Ein Opfer gibt es bereits." "Was ist geschehen?" "Er wurde beim Training mit einer Eisenstange niedergeschlagen. Liegt jetzt im Krankenhaus mit Brüchen. Er kann froh sein, wenn er seine Karriere fortsetzen kann." "Oh." Das war alles was sie dazu sagte.

Calista hatte in diesen vier Jahren gelernt ihre Gefühle zurückzustellen. Sie waren in ihrem Beruf nur hinderlich. Man musste völlig objektiv und emotionslos an einen Fall herangehen. Ansonsten konnte es sein, dass einem Fehler unterliefen... und diese konnten in diesem Beruf tödlich sein.

"Also ein ganz normaler Fall. Nichts besonderes. Kann das nicht jemand anderes machen?" "Es wurde ausdrücklich die Beste verlangt... und das sind Sie Calista." Na toll... das hatte man von einem Beruf, in dem die Männer dominieren.
In ihrer Agentur arbeiteten zur Zeit nur zehn Frauen. Sie gab nach und stimmte zu... welche Wahl hatte sie schon? "Na gut. Geben Sie mir die Akte." Chester Blair überreichte ihr eine Akte. Dort standen die wichtigsten Dinge über ihren Fall... ähm... über die Person die sie zu beschützen hatte. "Ich werde sie mir zu Hause durchlesen. Wann geht es los?" "Sie werden die Akte wohl im Flugzeug lesen müssen. Es geht nämlich schon heute Nacht los." "Wie? Na toll. Wann geht das Flugzeug? Und wohin überhaupt?" "Ihr Flieger geht um 23 Uhr. Sie werden von uns natürlich zum Flughafen gebracht, alles wie immer. Erste Klasse Flug. Ziel ist Boston, Connecticut. Sie werden am Flughafen abgeholt , nach Newington gebracht und Sie übernachten in einem Hotel. Am nächsten Tag werden Sie zu unserem Kunden gebracht. Alles weitere steht in der Akte." "Alles klar. Dann werde ich jetzt gehen und packen."
Calista stand auf, Chester erhob sich ebenfalls aus seinem Sessel und ging auf sie zu. "Viel Erfolg und passen Sie auf sich auf." "Chester, Sie kennen mich. Ich bin immer vorsichtig." Er umarmte sie kurz und Calista ging dann zur Tür. "Calista..." Sie drehte sich um und sah ihn fragend an. "Ich würde mich ab und zu über einen Anruf freuen." Sie lächelte. "Natürlich Chester. Wie immer eben."


Calista war zurück in ihrem Apartment und packte ihre Koffer.
Newington, Connecticut. Mal was Neues. Da war sie bisher noch nie gewesen. Sie stand vor ihrem Kleiderschrank als das Telefon klingelte. "Calista Stewart?" "Cal Süße, ich bin´s Linda."
Linda, das war Linda van Hofen. Eine alte Freundin aus Leichtathletikzeiten. "Linda! Hey, wie geht´s dir? Wir haben ja schon ewig nichts mehr voneinander gehört." "Ja ich weiß. Du düst die ganze Zeit in der Weltgeschichte herum und ich..." "Du ebenfalls." Beide mussten lachen.

Linda war Holländerin. Sie lebte in Amsterdam... wenn sie mal zu Hause war. Calista hatte sie bei den Junioreneuropameisterschaften als sie 14 war kennen gelernt. Und seither waren sie befreundet. Linda hatte sich schon früh entschieden, den Sport aufzugeben. Ihre Leidenschaft gehörte dem Journalismus. Sie arbeitete für ein großes und bekanntes Onlinemagazin und jettete wegen irgendwelchen Berichten durch die halbe Welt.

"Du, weshalb ich anrufe... wir haben uns schon sooooooooooo lange nicht mehr gesehen. Hast du nicht Lust für ein paar Tage nach Amsterdam zu kommen? Ich hab die nächsten zwei Wochen frei." "Oh Linda! Ich würde so gerne kommen. Und normal wäre das auch kein Problem... wenn nicht vor etwa drei Stunden mein Chef angerufen hätte und mir diesen neuen Auftrag gegeben hätte. Tut mir echt leid." "Schade. Da kann man nichts machen. Sieht wohl ganz so aus, als würde es noch mal eine Ewigkeit dauern, bis wir uns mal wieder sehen. Scheiß Arbeit, oder?" "Das kannst du laut sagen." "Wann musst du denn los?" "He he, heut Abend geht mein Flieger." "Und wo geht´s hin?" "USA. Mehr darf ich dir nicht erzählen. Weißt du ja." "Ja ja, ich weiß. Na dann will ich dich nicht länger aufhalten. Schick mir ne Karte... dann weiß ich auch wo du bist. He he." "Witzbold. Ich meld mich mal bei dir." "Mach das. Ich würde mich freuen. Bis dann Cal. Und pass auf dich auf." "Hey, du kennst mich doch." "Na gerade deswegen!" "Ich pass auf. Bye Süße." "Bye Cal."
Damit hatte sie jetzt echt nicht gerechnet. Aber das war typisch für Linda. Sie rief immer zu den unmöglichsten Zeiten an... oder stand plötzlich unangemeldet vor deiner Tür. Aber das liebte sie an ihr. Sie liebte dieses Mädchen wie ihre eigene Schwester.
Ok, wo waren wir? Ach ja.. Koffer packen. Was sollte sie mitnehmen?  Und für wie lange sollte sie packen? Die Akte... Sie nahm sie zur Hand und schlug die erste Seite auf.
Auftraggeber: Tatiana Tarasova
Auftragsort: Newington, Connecticut, USA
Auftragsdauer: nicht vorhersehbar.
Na toll. Das hieß, dass sie sich wahrscheinlich irgendwann ein paar Klamotten nachschicken lassen musste. Es war sehr ungewöhnlich, dass ein Auftrag nicht zeitlich begrenzt war. Viele Schauspieler und Sportler wollten zum Beispiel während Großereignissen beschützt werden. Weltmeisterschaften oder Preisverleihungen. Politiker nahmen meistens bei Staatsbesuchen die Arbeit der Agentur in Anspruch.
Nicht vorhersehbar. Das machte sie neugierig. Aber sie hatte keine Zeit sich jetzt dieser Akte zu widmen. In einer Stunde würde sie abgeholt werden. Und in ihrem Reisekoffer herrschte noch immer gähnende Leere.

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"Willkommen an Bord, Miss Stewart. Wir wünschen ihnen einen angenehmen Aufenthalt." "Vielen Dank." Calista nahm ihren Platz in der ersten Klasse ein. Bei Überseeflügen flogen die Angestellten immer erster Klaase. Zum Einen war es angenehmer und zum Anderen konnte man sich dort in Ruhe auf den Fall vorbereiten.
"Also gut, dann machen wir uns mal an die Arbeit." Calista bestellte sich ein Glas Rotwein und nahm sich dann die Akte vor. Während der Arbeitszeit war Alkohol strikt verboten... aber die Arbeit würde ja erst Morgen beginnen. Ok, um wen ging es? Name: Alexei Konstantinovich Yagudin.
"Hm... kenn ich nicht. Weiter im Text." In jeder Akte war ein kurzer Lebenslauf des Klienten enthalten. Man musste ja schließlich wissen mit wem man es zu tun hatte.
Geburtsdatum: 18. März, 1980
Geburtsort: St. Petersburg, Russland.
Wohnort: Newington, Connecticut, USA
Familie: Mutter und Großmutter leben in St. Petersburg.
               Vater lebt in Deutschland; hat die Familie verlassen; kein Kontakt
Familienstand: ledig; keine Freundin
Beruf: Eiskunstläufer
"Aha, Eiskunstlaufen also. Nicht schlecht, mal etwas Abwechslung."
Trainerin: Tatiana Tarasova
Erfolge: unter anderem dreimaliger Europa - und viermaliger Weltmeister;             Olympiasieger

"Wow. Wie alt ist der...bald 24. Wahnsinn. Beeindruckende Karriere. Wo würde ich heute..." Hör auf damit, rügte sie sich selbst. Konzentrier dich auf deine Arbeit. Du darfst dir keine Fehler leisten. Sie las den aktuellen Bericht, was passiert war.
Bei den Europameisterschaften vor einigen Tagen war der Läufer Dimitri Chevalov während dem Training von einem maskierten Mann mit einer Eisenstange niedergeschlagen worden. Sein Bein war mehrmals gebrochen. Das Karriereende war sehr wahrscheinlich. Ihm waren bei der EM Medaillenchancen eingeräumt worden. Ein anderer Läufer, Alexander Abt, hatte Drohbriefe erhalten. Falls er bei der kommenden WM teilnehmen würde, würde ihm das Selbe zustoßen. "Man man man... was für ein krankes Hirn muss das sein?" Verständlich dass die Trainerin Angst um ihren Schützling hatte. Nun gut, dann wollen wir uns diesen... sie blätterte ein paar Seiten vor... diesen Yagudin einmal ansehen. Jeder Akte war ein Foto des Klienten beigefügt. Calista zog das Foto aus der Akte... und war sprachlos. Sie blickte in ein Paar stahlblaue Augen. Sie war wie gefesselt. Sie hatte noch nie zuvor solche Augen gesehen. Ok Mädchen, ganz ruhig. Das ist nur ein Foto, dachte sie sich. Er hatte hellbraunes kurzes Haar und blonde Strähnen. Und ein wahnsinnig sympathisches Lächeln. Es steckte direkt an. "Oh Cal... mach keinen Scheiß. Wie soll das dann erst werden, wenn du dem gegenüberstehst? Reiß dich zusammen. Das ist bestimmt ein ganz eingebildeter Schnösel." Sie ließ sich noch ein Glas Wein bringen und machte sich dann an die Arbeit. Die Ausarbeitung eines Konzeptes zum Schutz ihres Klienten stand auf dem Plan.

Um 18 Uhr Ortszeit landete die Maschine in Boston. Wie vereinbart wurde sie am Flughafen abgeholt. Chester hatte genügend Freunde in den USA, die einem den Aufenthalt angenehm erleichterten. Mit einer Privatmaschine wurde sie dann nach Newington gebracht. Ein erstklassiges 5-Sterne-Hotel war ihre Unterkunft.
Calista ließ sich sofort ins Bett fallen. Sie war hundemüde. Morgen früh um 10 Uhr würde sie ihren Klienten treffen.
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