Omoide ga ippai. Full of memories

von Feliz
GeschichteRomanze / P6
28.08.2004
28.08.2004
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Omoide ga Ippai (Full of memories)


Autor:           Feliz
Disclaimer:      Die Charaktere gehören mir!  ^-^
     Nur Kira (den Hund) gibt es wirklich, ne, Shenen? *Shenen und Kira knuddel*. Ist allerdings kein Welpe mehr, sondern auch schon... ähm... fünf, oder so.
Kommentare:      Öhm, nur zum besseren Verständnis: Daisuke nennt Seishiro Dad und Yukito Daddy.
Date:     25.01.2003 - 26.01.2003


"..." Gesprochen
>>...<< Gedacht



Daisuke
Ich wollte so schnell wie möglich nach Hause. Heute war der Hochzeitstag meiner Eltern und ich hatte ihnen versprochen auf Kira, unseren Welpen aufzupassen, damit die beiden ausgehen konnten, ohne sich dauernd Sorgen machen zu müssen, dass unser Kleiner ein Häufchen auf den neuen Teppich setzte. Und damit sie sich keine Sorgen um mich machten kamen meine Freundin und ihr Bruder auch zu uns.
Ich rief meinem besten Freund noch ein "Ja ne" zu und rannte dann aus dem Zimmer. Von einigen meiner Klassenkameraden wurden mir noch ein paar Schimpfwörter hinterher gerufen, aber ich ignorierte sie. Ich war nicht sehr beliebt was wohl an meinen Eltern lag, aber das machte mir nichts aus. Ich liebte meine Eltern, denn obwohl ich nur adoptiert war, hatten sie mich immer so behandelt, als sei ich ihr eigenes Kind und daher interessierte es mich nicht im geringsten, wenn mich solche ignoranten Typen dumm anmachten.
Ich glaube, so schnell wie an diesem Tag, war ich noch nie daheim. Mit Schwung öffnete ich die Tür und stürmte in die Wohnung. Dad sah mich erschrocken an, als ich in das Wohnzimmer stürzte und ihn stürmisch umarmte.
"Na hoppla, was ist denn mit dir los?", fragte er mich lachend und drückte mir einen Kuss auf die Wange.
Eigentlich mochte ich so etwas nicht, schließlich war ich schon Vierzehn, aber es war ja niemand da der es sehen konnte. "Nichts, was soll denn sein?" Erst jetzt fiel mir auf, dass er ziemlich chic angezogen war. "Oha, das sieht ja ziemlich vielversprechend aus!"
Er errötete leicht. "Ähm... nun ja... man tut was man kann!"
"Vergiss aber die Schlüssel vom Ferienhaus nicht."
Nickend schaltete er den Fernseher aus. "Ist schon in meiner Jackentasche verstaut."
Ich wuschelte ihm noch durch seine seidig weichen, schwarzen Haare und ging dann nach oben in mein Zimmer. Kira lag in meinem Bett und blinzelte mich verschlafen an.
"Du weißt, dass du das nicht darfst?!" Ich hob mahnend den Zeigefinger und sah den kleinen Welpen böse an, was ihn allerdings nicht sonderlich zu beeindrucken schien.
Seufzend lies ich meine Schultasche auf den Boden fallen und setzte mich an meinen Schreibtisch. Ich hatte keine Lust meine Hausaufgaben zu machen, Hunger hatte ich auch keinen, im Fernsehen lief um diese Zeit nichts was mich interessierte und ins Internet wollte ich auch nicht. Kurz gesagt: Mir war langweilig!
"Schatz?"
Ah... Daddy war jetzt also auch zu Hause... Langsam stand ich auf und ging wieder nach unten.
"Hallo Daisuke!" Daddy lächelte mich fröhlich an und hängte seine Jacke an den Kleiderhacken. "Wie war die Schule?"
"Wie immer!", antwortete ich knapp und zuckte mit den Achseln.
Er sah mich mitfühlend an. Er wusste genau, dass ich in der Schule immer geärgert wurde. Vorsichtig nahm er mich in den Arm und küsste mich dann auf die Stirn.
"War es heute sehr schlimm?"
"Nein, das nicht gerade...," ich befreite mich aus seiner Umarmung und grinste Dad, der gerade aus dem Wohnzimmer kam, an.
"Lan!", flüsterte Daddy und das Leuchten, welches seine Augen immer bekamen wenn er seinen Schatz sah flammte wieder auf. Eigentlich hieß Dad Subaru, aber Daddy nannte ihn immer Lan, weil die Schriftzeichen die selben wie für die Farbe Tiefblau waren. Tiefblau... genau wie Dads Augen. Allerdings ließen sich die Schriftzeichen auch wie "Ai", also Liebe lesen. Ich musste unwillkürlich lächeln. Die beiden waren so süß!
"Schönen Hochzeitstag, Yukito!"
Daddy lächelte und nahm Seishiro in den Arm. "Dir auch, Schatz!"
Die beiden waren schon seit neunzehn Jahren ein Paar und hatten vor vierzehn Jahren geheiratet. Kurz darauf hatten sie mich adoptiert. Ich zwinkerte Dad noch einmal zu und verschwand dann noch oben.


Yukito
Ich konnte mich heute überhaupt nicht auf meine Arbeit konzentrieren, was wohl hauptsächlich daran lag, dass heute mein Hochzeitstag war. Seishiro hatte mir versprochen, dass wir erst essen gehen und dann noch etwas unternehmen würden. Was, wollte er mir allerdings nicht verraten. Ich hatte zwar schon eine gewisse Ahnung, aber in diesen Dingen konnte ich meinen Mann noch immer nicht genau einschätzen. Seishiro war alles andere als ein Romantiker, aber er hatte mir schon mehr als nur einmal bewiesen, dass er über sich hinauswachsen konnte. Daher war es auch so schwer zu wissen was er vorhatte.
Seufzend sah ich wieder auf meinen Computerbildschirm und überzeugte mich davon, dass ich keine Rechtschreib- und Grammatikfehler in meinem Artikel hatte.
"Yukito, könnten Sie sich das mal kurz ansehen?"
Haru, eine Kollegin von mir klimperte mich mit ihren langen Wimpern an und beugte sich so weit vor, dass ihr die Brüste fast aus der Bluse fielen.
Ich lächelte sie müde an und ging zu ihrem Tisch hinüber. "Was gibt es denn?"
"Ach, ich weiß auch nicht. Irgendwie funktioniert mein Computer nicht."
Schon wieder dieses Augengeklimpere... warum verstand sie eigentlich nicht dass ich schon vergeben war? Hatte sie den Ring denn immer noch nicht bemerkt? Außerdem wusste so ziemlich jeder im Büro dass ich schwul war.
Ich setzte mich auf ihren Schreibtischstuhl und erkannte mit einem Blick warum ihr Computer nicht startet. "Sie dürfen beim hochfahren doch keine Diskette im Laufwerk lassen!" Ich holte die Diskette heraus und legte sie auf den Tisch.
"Oh... danke Yukito-san! Sagen Sie, wollen Sie heute Abend nicht mit mir ausgehen? Ich habe zwei Karten für das Theater geschenkt bekommen."
"Tut mir leid, aber heute ist mein Hochzeitstag.", antwortete ich knapp und stand auf.
"Ho... Hochzeitstag?"
Ich nickte.
"Oh...," sie sah mich irritiert an. "Ihre... Ihre Frau kann sehr froh sein einen Mann wie Sie zu haben!"
"Meine... Frau?", fragte ich leicht irritiert. Sie hatte es also wirklich nicht mitbekommen...
"Sag mal...," Aki, mein Arbeitskollege stand grinsend hinter ihr. "Wusstest du nicht dass Yukito-san schwul ist?"
Haru errötete und wendete sich ihrem Computer zu. Sie hatte sich zwar gut unter Kontrolle, aber ich bemerkte trotzdem dass sie wütend war. Ich zuckte mit den Achseln und drehte mich um. "Aki, gut dass du da bist. Ich wollte sowieso noch mit dir reden... wegen dem Yoshita-Artikel."

Genervt schlug ich die Autotür hinter mir zu und steckte den Schlüssel ins Zündschloss. Es regnete, ich war patschnass und zudem war ich heute erst um fünf aus der Redaktion gekommen, dabei machte ich normalerweise schon um vier Uhr Schluss. Heute hatte es aber ständig noch etwas anderes gegeben, das unmöglich bis Montag warten konnte. Ich war ja normalerweise nicht so ungeduldig, aber heute wollte ich eben so schnell wie möglich nach Hause... zu meinem Schatz. Nur gut, dass jetzt alles geklärt war und ich endlich heim konnte. Plötzlich klopfte es an die Beifahrerseite.
"Yukito!"
Ich stöhnte innerlich auf. Das war Sharon, eine frühere Freundin von mir. So wie es aussah hatte sie hier auf mich gewartet. "Was ist denn?"
Sie öffnete die Beifahrertür und sah herein. "Yukito, könntest du mich nicht ein Stück mitnehmen?"
"Meinetwegen."
Sie setzte sich neben mich und strahlte mich dann mit ihren dunkelblauen Augen an. Ihre rabenschwarzen Haare fielen ihr locker in die Stirn. Irgendwie erinnerte sie mich an Seishiro, weshalb ich mir ein Lächeln nicht ganz verkneifen konnte. Ich fuhr los.
"Yukito, hast du noch ein wenig Zeit? Ich würde mich gerne noch ein wenig mit dir unterhalten."
"Eigentlich habe ich es eilig."
"Es dauert auch bestimmt nicht lange. Fahr bitte kurz an die Seite, ja?"
Seufzend fuhr ich den Parkplatz eines Supermarktes an und stellte den Motor ab. "Also?"
"Ich...," sie legte mir eine Hand auf den Oberschenkel. Ich konnte die Wärme die von ihr ausging durch den Stoff meiner Hose hindurch spüren.
"Aishiteru!" Sie beugte sich langsam zu mir hinüber und legte mir dann eine Hand an die Wange. "Ich würde dich jetzt gerne küssen!"
Ich zuckte leicht zusammen und sah ihr dann in die Augen. Sie schien es wirklich ernst zu meinen. "Sharon, ich bin verheiratet."
Sie lächelte. "Na und? Das ist ein Grund, aber kein Hindernis!"
"Für mich schon. Ich liebe meinen Mann und ich bin ihm treu. Das müsstest du eigentlich wissen!"
Sie seufzte, öffnete die Tür und stieg aus. "Tja, kann man wohl nichts machen!" Sie schloss die Tür geräuschvoll und stapfte dann davon.
>>Sie wird sich schon wieder einkriegen... aber wenn ich daran denke, dass es mit Seishiro und mir ähnlich angefangen hat...<<


Flashback
Ich lies den Wagen an und wollte gerade losfahren, als ich Seishiro, der im strömenden Regen, ohne Schirm, an einer Bushaltestelle stand, erblickte. Er sah total süß aus, wie er mit nassen Haaren und genervtem Blick dastand und ins Leere starrte.
Ich hupte zweimal kurz und winkte ihm, als er zu mir herüber sah. Er winkte zurück und lief dann zu meinem Wagen herüber. "Komm, spring rein. Ich fahr dich."
Er schüttelte traurig den Kopf, setzte sich aber trotzdem in den Wagen. "Meine Freundin hat mich rausgeworfen. Ich kann nirgendwo hin."
"Oh... das tut mir leid!"
"Kann man nichts machen!"
Ich sah verlegen zur Seite. "Weist du was? Du kannst ja, bis du etwas gefunden hast, zu mir ziehen!"
"Nein, ich will dir keine Umstände bereiten."
"Ach was, das macht gar keine Umstände!" Ich fuhr los.
Seishiro schien irgendetwas zu bedrücken, doch er sagte nichts. Erst als wir etwa zehn Minuten gefahren waren, bat er mich anzuhalten. Als ich an einem kleinen Wendeplatz im Wald gehalten und den Motor abgestellt hatte, sah mich Seishiro nervös an. "Weist du... ich glaube nicht dass es so gut wäre, wenn ich bei dir wohne."
"Warum denn nicht?", frage ich verständnislos. Ich hatte mich schon damals in ihn verliebt und befürchtete nun dass er es irgendwie mitbekommen hatte und deshalb nicht wollte.
"Deine Freundin... was wird sie davon halten, wenn ein wildfremder Mann bei euch einzieht?!"
"Mach dir darüber mal keine Sorgen. Sharon und ich... wir haben uns vor fünf Monaten getrennt. Ich lebe also wieder alleine." Irgendwie schien ihn das nicht im geringsten zu beruhigen, denn jetzt rutschte er noch unruhig als zuvor auf dem Sitz herum.
"Ja aber..."
Ich schüttelte den Kopf und legte ihm dann eine Hand auf die Schulter. "Ich kann es dir nur anbieten. Zur Zeit findest du nämlich kein freies Hotel mehr. Die Kirschblüten ziehen ziemlich viele Leute an."
"Ja, stimmt," er lies niedergeschlagen den Kopf hängen. "Das hatte ich ganz vergessen...," eine kurze Pause entstand, in der nur das Prasseln des Regens davon zeugte dass die Zeit nicht einfach angehalten hatte. "Aber... ich kann trotzdem nicht bei dir einziehen."
Ich sah ihn bekümmert an und zog meine Hand weg. Hatte er es etwa wirklich bemerkt? Ich wüste allerdings nicht wie. Ich hatte niemandem erzählt was ich für Seishiro empfand und ihm gegenüber anders benommen hatte ich mich auch nicht. Ich war ein wirklich guter Schauspieler wenn es darauf ankam.
"Es gibt da nämlich etwas, das du nicht von mir weist." Fuhr er fort. "Und wenn du es weist wirst du sicher nichts mehr mit mir zu tun haben wollen."
Jetzt war ich wirklich erstaunt. Ich sollte mit ihm nichts mehr zu tun haben wollen? Wieso denn das? "Die einzigen Leute mit denen ich nichts zu tun haben will sind Mörder, Diebe, oder Vergewaltiger." Sagte ich frei heraus. Ich war in solchen Dingen immer sehr direkt.
Seishiro sah mich erstaunt an. Er wusste nicht dass ich kein Blatt vor den Mund nahm wenn ich privat unterwegs war. Er kannte mich nur von Geschäftsbesprechungen und da war ich schließlich nur ein kleiner Lehrling der nichts zu sagen hatte und immer schön den Mund hielt, um nicht aufzufallen.
"Also gut, ich sage es dir. Du wirst es sowieso schon bald erfahren, meine Ex kann nämlich bestimmt ihren Mund nicht halten und wird es jedem erzählen der es hören will. Und wahrscheinlich auch jedem anderen sonst!" Er lies mutlos den Kopf sinken und rieb sich nervös die Hände. "Ich... unsere Beziehung ist auseinander gegangen, weil ich mich in jemand anderes verliebt habe."
"Aha." Sagte ich kurz. Diese Worte hatten mich schwer getroffen. Ich wusste zwar ganz genau dass ich keine Chancen bei ihm hatte, aber trotzdem hatten mich diese Worte irgendwie verletzt. "Aber... aber das ist doch nichts schlimmes. Ich meine, klar ist sie sauer, aber wenigstens warst du ehrlich zu ihr."
"Ja schon, aber ich..."
"Hm?"
"Ich habe mich in... in jemanden verliebt, der...," er brach ab und strich sich mit einer Hand durch seine rabenschwarzen Haare.
Seufzend löste ich meinen Gurt und griff in meine Manteltasche. Ich wusste dass Seishiro rauchte und es sah ganz danach aus, als könnte er jetzt eine Zigarette brauchen. Wortlos reichte ich ihm die Schachtel und ein Feuerzeug. "Du kannst die Schachtel behalten, wenn du willst. Ich versuche aufzuhören."
"Aa... danke."
Nervös öffnete er die Schachtel und versuchte eine Zigarette herauszuholen, aber aus irgendwelchen Gründen zitterte er wie Espenlaub und schaffte es daher nicht.
Seufzend nahm ich ihm die Schachtel und das Feuerzeug aus der Hand, wobei ich kurz seine Hand berührte. Sie war eiskalt. >>Klar,<< dachte ich. >>Er ist ja auch total durchnässt!<< Ich schaltete die Heizung ein und zündete dann eine Zigarette für ihn an. "Wie wäre es, wenn wir trotzdem erst einmal zu mir fahren? Da kannst du dann duschen und dich umziehen. In diesen Klamotten erkältest du dich nur. Reden können wir später auch noch!" Im nachhinein fragte ich mich warum er eigentlich so rot geworden war, jetzt achtete ich aber nicht weiter darauf.
"Warte!" Er legte seine Hand auf meinen Oberschenkel, was einen kalten Schauer durch meinen Körper laufen lies. "Ich muss es dir vorher sagen!" Er beugte sich zu mir herüber legte mir eine Hand an die Wange. "Ich habe mich... ich habe mich in dich verliebt."
Ich starrte ihn einfach nur an und war nicht fähig irgendetwas zu sagen.
Langsam nahm er seine Hände wieder von meiner Wange und meinem Schenkel und öffnete die Wagentür. "Danke dass du mich mitgenommen hast.", sagte er ohne sich zu mir umzudrehen. Dann stieg er aus.
Erst als die Tür ins Schloss fiel konnte ich mich wieder aus meiner Erstarrung lösen. Mit einem lauten "Kuso", öffnete ich die Fahrertür und sprang in den kalten Regen hinaus. "Seishiro, warte!"
Er blieb tatsächlich stehen, drehte sich aber nicht zu mir um.
"Seishiro, hast du das eben ernst gemeint?"
Er nickte.
"Du... du liebst mich..."
"Ich sagte doch dass du nichts mehr mit mir zu tun haben willst wenn du es weißt!"
Ich ging langsam auf ihn zu und legte ihm dann eine Hand auf die Schulter. "Ich habe mich von Sharon aus den selben Gründen getrennt. Ich liebe jemand anderes und zwar dich!"
Seishiro versteifte sich. "Mach dich nicht über mich lustig!"
"Tu ich nicht!" Ich zwang ihn dazu sich zu mir umzudrehen und sah ihm dann fest in die Augen. Diese wunderschönen tiefblauen Augen. "Ich liebe dich!" Ich näherte mich ihm vorsichtig und küsste ihn dann auf die Lippen. Seine Lippen waren weich und zart... genauso wie ich es mir immer vorgestellt hatte, wenn ich von ihm geträumt hatte.
Flashback Ende


Ich startete das Auto wieder und fuhr weiter. Ja, ich hatte Sharon genau vor neunzehn Jahren und fünf Monaten verlassen. Wahrscheinlich hatte sie deshalb versucht mich noch einmal herumzukriegen. Sie hatte es nie ganz überwunden dass ich sie wegen einem Mann verlassen hatte. Na ja, ich hätte es wahrscheinlich auch nie wirklich überwunden wenn sie mich wegen einer Frau verlassen hätte. Es reichte dass sie damals ein Verhältnis mit ihrem Chef hatte.

Als ich daheim ankam war alles totenstill. Also schien Daisuke noch nicht dazusein. Aber wo war dann Lan? "Schatz?", rief ich und hörte kurz darauf wie oben eine Tür geöffnet wurde und Daisuke herunter kam. Also war er doch zu Hause. Komisch... warum war er so still? Normalerweise hörte man seine Musik doch schon wenn man fünf Häuserblocks entfernt war...
"Hallo Daisuke!", begrüßte ich ihn während ich meine Jacke an den Kleiderhacken hängte. "Wie war die Schule?"
Die Augen meines Sohnes verdüsterten sich einen Moment bevor er sein übliches "wie immer" antwortete. Ich seufzte innerlich. Daisuke war nie richtig akzeptiert worden, weil er das Kind von zwei Schwulen war und dementsprechend oft gab es auch Ärger in der Schule. Ich war nur froh, dass er wenigstens ein paar Freunde gefunden hatte. Ich nahm ihn vorsichtig in den Arm, küsste ihn auf die Stirn und fragte ihn ob es heute sehr schlimm gewesen sei, doch er verneinte und löste sich aus meiner Umarmung, damit ich Seishiro begrüßen konnte, der gerade aus dem Wohnzimmer kam.
"Lan!", flüsterte ich und mein Herz machte einen kleinen freudigen Hüpfer. Ich liebte ihn noch immer wie am ersten Tag und war für jede Sekunde, die ich mit ihm verbringen konnte, dankbar. Anfangs war es für uns beide zwar ziemlich schwer gewesen, aber mittlerweile waren wir bei den meisten Leuten in der Nachbarschaft und bei unserer Arbeit akzeptiert worden. Das erleichterte vieles.
"Schönen Hochzeitstag, Yukito!" Er strich mir über das Haar und sah mir fest in die Augen.
Ich lächelte und nahm Seishiro in den Arm. "Dir auch, Schatz!", flüsterte ich und küsste ihn dann zärtlich. Es tat gut die Lippen meines Geliebten auf den Meinen zu spüren. Ich war glücklich.


Seishiro
Ich hatte mir heute extra frei genommen um alles arrangieren zu können. Ich hatte vor mit Yukito in dem Restaurant essen zu gehen, in dem wir uns bei einer Geschäftsbesprechung kennen gelernt hatten und das wir auch später noch sehr oft zusammen besucht hatten. Das Ambiente dort war eine Wucht und genau das Richtige für festliche Anlässe wie diesen. Das Essen war auch ausgezeichnet und die Kellner höflich. Außerdem wusste ich dass wir dort nicht schief angesehen werden würden, weil wir zwei ein Paar waren. Ich kannte den Besitzer des Restaurants aus meiner Studienzeit. Ich glaube er war eine Zeit lang in mich verliebt, hatte aber gedacht dass  ich hetero wäre und hatte es mir daher nicht gestanden.
Nun ja, im Restaurant war jedenfalls nichts mehr zu regeln. Ich hatte dort bereits alles geklärt. Aber in unserem Ferienhaus hatte ich noch einige Vorkehrungen treffen müssen, schließlich hatte ich keine Lust mir den Arsch abzufrieren, weil die Heizung fast zehn Stunden brauchte um warm zu werden. Außerdem hatten die Betten frisch bezogen werden müssen und das Bad machte sich (leider) auch nicht von alleine sauber.
Jetzt war ich allerdings wieder daheim, hatte geduscht und hatte mich umgezogen. Ich sah auf die Uhr und stellte fest, dass ich noch mindestens zwei Stunden Zeit hatte bis Daisuke aus der Schule und Yukito vom Geschäft kommen würden. Müde lies ich mich auf das Sofa fallen und schaltete den Fernseher an. Talkshows, Richterserien, Quizshows, Soaps, Kochsendungen... also nichts interessantes! Auf einem Musiksender blieb ich dann doch noch hängen. Es wurde gerade das Lied Unbreakable gespielt. Den Namen der Gruppe hatte ich leider vergessen, aber ich wusste, dass Yukito dieses Lied besonders gerne hörte und mich dann immer mit diesem süßen Blick ansah...
Ich seufzte lächelnd. Yukito war mein Ein und Alles und solange er glücklich war, war ich es auch! Es hatte am Anfang unserer Beziehung jede Menge Streit gegeben, da es für uns beide etwas Neues war nicht nur Sex mit einem Mann zu haben, sondern eine richtige Beziehung. Also, eigentlich wusste ich gar nicht ob Yukito zuvor schon einmal mit einem Mann zusammengewesen war. Für mich war es allerdings nichts Neues gewesen. Mir war es eigentlich immer ziemlich egal ob ich eine Frau, oder einen Mann im Bett gehabt habe. Sicher, das klingt jetzt ziemlich hart, aber so war es nun einmal.
Yukito und ich redeten nicht mehr über dieses Thema, weil es eindeutig zur Vergangenheit gehörte und nicht mehr relevant war. Das war vor unserer Zeit gewesen.
Wenn ich jetzt daran denke wie sehr Yukito gelitten hat als ich mich geweigert hatte anderen zu zeigen dass wir ein Paar waren, tut es mir leid. Er hatte wahrscheinlich gedacht dass ich mich wegen ihm schämen würde. Das war natürlich Unsinn, aber ich hatte Angst davor abgelehnt zu werden, denn ich kannte die Ansichten unserer Nachbarn und Geschäftskollegen nur zu gut. Nach einem Monat hatte ich aber dann auch genug von der ewigen Versteckerei und hatte ihn einfach mitten auf der Straße geküsst. Ich kann mich noch ziemlich genau an das Gesicht unserer alten Nachbarin erinnern. Ich habe für einen Moment echt geglaubt sie würde in Ohnmacht fallen.
Mir war es zwar schon irgendwie unangenehm gewesen von den Leuten angestarrt zu werden, als wären wir  Tiere im Zoo, aber Yukito hatte recht gehabt: man gewöhnte sich an alles. Eigentlich hatte ich es sogar ziemlich komisch gefunden wie wir manchmal angesehen wurden. Einmal wäre ein älterer Herr fast gegen einen Laternenpfahl gelaufen und ein anderer hätte fast die Bahngleise von nahem betrachten können, weil sie uns zu sehr angestarrt hatten. Bei dem Gedanken an damals musste ich unwillkürlich grinsen. Auch heute passierte es noch gelegentlich dass wir wie Marsmenschen angestarrt wurden, aber die meisten Leute hatten sich an uns gewöhnt.
Das Lied war zuende und Britney Spears trällerte inzwischen irgendetwas von wegen <Ups, I did it again>. Genervt schaltete ich um. Bei einer der Richterserien ging es gerade darum ob ein Mann seine Frau verprügelt hatte, oder nicht, bei der Kochsendung gab es Burgunderbraten und in der Quizshow waren sie bereits bei der siebten Frage. Zur Auswahl hatte der Kandidat dann noch Geschichte, Erdkunde und Sport. Alles Rubriken, bei denen ich nicht sehr viel wusste.
Plötzlich klingelte das Telefon. Wer rief denn um diese Zeit an? Im Normalfall war doch mittags um drei keiner bei uns zu Hause und das wussten eigentlich alles unsere Freunde und Verwandten. "Ja?", meldete ich mich.
"Seishiro? Ich bin es, Mutter!"
Meine Mutter? Sie rief mich doch sonst nur abends an... "Oh, Hallo! Was gibt es?", fragte ich erstaunt.
"Ich wollte fragen ob ich heute vielleicht auf Daisuke aufpassen soll, damit ihr den Abend für euch habt. Ich weiß, das kommt etwas spät, aber ich hatte mich im Datum geirrt."
Ich lachte. "Danka Ôka-san, aber Daisuke hat heute Abend zwei Freunde eingeladen. Die Drei passen dann auf das Haus und den Hund auf."
"Ach so. Aber wenn du irgendwelche Probleme hast, dann sag es ruhig. Ich nehme den Jungen immer gerne zu mir."
"Danke, Mutter!"
Meine Mutter war wirklich eine liebe Frau. Sie war auch nicht erschrocken als ich ihr Yukito als meinen Lebensgefährten vorgestellt hatte. Sie meinte lediglich dass er besser zu mir passen würde als Miyako. Irgendwie hat mich das erstaunt. Ich wusste zwar dass meine Mutter tolerant war, aber wenn es ihren eigenen Sohn betraf... ich hatte schon Angst es ihr zu sagen. Zum Glück zu unrecht.
Nachdem ich mich von meine Mutter verabschiedet hatte setzte ich mich wieder vor den Fernseher. Der Koch bereitete gerade Schokoladencrepe zu. Mir lief das Wasser im Mund zusammen. Ich liebte Crepe und noch viel mehr liebte ich Schokolade!
Plötzlich wurde die Eingangstür aufgerissen und Daisuke stürmte ins Zimmer. Er umarmte mich stürmisch und grinste mich breit an. Es kam selten vor dass er so gut gelaunt von der Schule kam. "Na hoppla, was ist denn mit dir los?", fragte ich lachend und küsste ihn auf die Wange. Ich wusste dass er das eigentlich nicht mochte, mit seinen vierzehn Jahren war er schließlich kein kleines Kind mehr, aber solange niemand anderes da war machte es ihm nichts aus.
"Nichts, was soll denn sein?", fragte er mich grinsend. Dann musterte er mich erstaunt von oben bis unten. "Oha, das sieht ja ziemlich vielversprechend aus!"
Ich errötete leicht als ich daran dachte was ich mit Yukito noch so alles vorhatte und stammelte dann irgendetwas vor mich hin. Gottseidank ging Daisuke nicht näher darauf ein.
"Vergiss aber die Schlüssel vom Ferienhaus nicht."
Ich schaltete nickend den Fernseher aus. "Ist schon in meiner Jackentasche verstaut."
Mein Sohnemann nickte zufrieden und verschwand wieder nach oben. Ich war wirklich stolz auf ihn. Er hatte respektable Noten in der Schule, hatte eine nette Freundin und Freunde die zu ihm standen. Ich hatte mir oft Vorwürfe gemacht, weil es Daisuke ziemlich schwer hatte. Ich hatte mir vor seiner Adoption nie Gedanken darüber gemacht dass er Probleme bekommen könnte, weil er der Sohn von zwei Männern war, aber es sah ganz so aus, als würde er das alles ganz gut schaffen.
Ich war total in Gedanken versunken und hörte deshalb nicht wie die Haustür geöffnet wurde und Yukito heim kam. Erst als er nach mir rief schreckte ich aus meinen Gedanken hoch. Als ich in den Gang hinaustrat löste sich Daisuke gerade aus Yukitos Umarmung und grinste mich frech an.
"Lan!", flüsterte mein Schatz und schenkte mir sein süßestes Lächeln.
Ich blickte in seine wunderschönen grünen Augen und trat dann auf ihn zu.  "Schönen Hochzeitstag, Yukito!", sagte ich und strich ihm über seine seidigen blonden Haare, worauf er mich lächelnd in den Arm nahm.
"Dir auch, Schatz!", flüsterte er und küsste mich zärtlich.
Als wir uns wieder voneinander lösten sah mich Yukito erwartend an. "Also was hast du heute mit mir vor?"
Ich lachte. "Du glaubst doch wohl nicht im ernst dass ich dir das jetzt schon verraten werde?!"
"Na ja... also..."
Ich schüttelte den Kopf und brachte ihn damit zum verstummen. "Das wirst du noch früh genug erfahren!", flüsterte ich ihm ins Ohr und strich dabei mit meinen Fingerspitzen seinen Rücken entlang. Dann küsste ich ihn sanft auf den Hals. Yukito versteifte sich leicht und zwickte mich in die Seite.
"Du solltest damit lieber aufhören!"
Ich konnte mir ein boshaftes Lachen nicht ganz verkneifen, was dazu führte, dass mich Yukito noch einmal kniff.
"Frechdachs!", flüsterte er mir zu und schob mich von sich. Er warf mir noch einen bösen Blick zu und verschwand dann nach oben ins Bad. In einer halben Stunde mussten wir ja schon wieder los.
Ich sah ihm verträumt nach und ging dann ins Wohnzimmer zurück. Dieser Abend würde noch großartig werden. Da war ich mir sicher!

~OWARI~



Soooo das war's!

Omoide ga Ippai:      Full of memories
Aishiteru:     Ich liebe dich
Aa:     Ja
Kuso:     Scheiße
Ôka-san:     Mutter
Owari:          Ende
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