Geschichte: Freie Arbeiten / Prosa / Liebe / Dark / Der Job

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Der Job

von Niemue
Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
19.08.2004
05.03.2005
4
24.972
11
Alle Kapitel
24 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
19.08.2004 5.217
 
Schon wieder eine etwas älere, abgeschlossene Story von mir. Im Gegensatz zu 'Wer braucht schon Psychologie?!' fehlt mir hier der Schreibstil ein wenig. Das war nämlich anfangs nur Vorlage für einen Dojinshi einer Freundin gedacht. ^^ Entschuldigt die Fehler.
Ich hoffe es macht Spaß und ihr schreibt mir Reviews!
Gruß Niemue!

Jay verließ das Krankenzimmer, ließ seinen alten Freund und Beschützer zurück. Er trat an eines der großen Fenster heran und lehnte seine Stirn an das kühle Glas. Er schloss die Augen und vergrub seine Finger in dem Stoff seines dreckigen, zerlöcherten Pullovers. Er hat dieses Schicksal nicht verdient. Es hätte mich treffen sollen. Ich hätte an seiner Stelle sterben sollen!" Er presste die Augenlieder zu und eine einzelne Träne rollte über seine Wange, löste sich von seiner Haut und verschwand im Stoff des Pullovers.
Er zuckte zusammen, als ihn jemand auf die Schulter tippte. Verwirrt wandte Jay sich um und blickte in das gewaschene, rasierte Gesicht eines älteren Arztes, der etwas angewidert auf ihn herabblickte, da Jay immer noch Reste von dem Erbrochenen seines Freundes auf seiner Kleidung hatte, die wohl auch nicht allzu bald verschwinden würden. Er ignorierte den Blick, er war so etwas gewöhnt. "Sie dürfen nicht länger hier bleiben. Das ist kein Asylantenheim. Ihr Freund kommt in die Leichenhalle. Ist es für sie in Ordnung, wenn wir seine Leiche für Studentenlehrgänge benutzen?" Jay merkte sofort, dass das keine Frage war. Er nickte langsam. "Ja...", murmelte er und wischte sich flüchtig über das Gesicht, "es ist gut, wenn andere von ihm lernen können. Lehren hat ihm Spaß gemacht, er war früher Lehrer an einem Internat." Der Arzt hob missbilligend eine Augenbraue und antwortete mit monotoner, schon fast gelangweilten Stimme: "Wie interessant. Dürfte ich Sie jetzt bitten zu gehen?!" Jay nickte langsam und setzte sich in Bewegung.
Es dauerte nicht lange, bis er das Krankenhaus verlassen hatte. Er atmete schon fast erleichtert aus. Er hasste Krankenhäuser über alles, und zwar mit Recht! Er war schon einmal hier gewesen, als seine Eltern wegen einem Autounfall gestorben waren. Er schloss wieder zitternd die Augen. Erst meine Eltern und jetzt Mick...Ich will nie wieder ein Krankenhaus sehen!' Er ermahnte sich, weiterzugehen, da ihn schon einige Leute schräg ansahen.
Jay schüttelte langsam den Kopf. Er war sehr müde. Wo soll ich denn heute schlafen, wenn Mick nicht da ist und auf mich aufpasst?!' Seine Schritte führten ihn automatisch zu dem Viertel, in dem Mick und er in der letzten Zeit herumgegangen waren. Er trottete ohne seine Umgebung zu beachten über die Straße. Wäre ein Auto gekommen, hätte man ihn einfach überfahren können. Ein lauter Pfiff, holte Jay aus seinen Gedanken und ließ ihn herumfahren. Ein junger, braunhaariger Mann stand in ein paar Metern Entfernung und musterte ihn grinsend.
"Du bist genau der, den ich suche! Komm mal her! Ich habe einen Job für dich!" Jay legte den Kopf schief und näherte sich dem Fremden zögernd. "We...welchen Job?" Der Mann grinste weiter, legte einen Arm um Jays Schultern, als er ihn erreicht hatte und erzählte ihn von seinem Angebot. Er hieß Thomas und arbeitete in dieser Gegend als Zuhälter.

Brian schlenderte die dunkle, schlecht beleuchtete Straße entlang. Er sah auf den zerknitterten Zettel herab, den ihm ein junger Mann aufgeschrieben hatte und auf dem die Adresse des Hotels stand, vor dem er sich gerade befand. Brian nickte leicht. Danach hatte er gesucht. Er blickte sich um, suchte nach der Person, von der er gehört hatte. In einer dunklen Ecke entdeckte er den jungen, blonden Mann. Er wurde fast von einem großen, muskulösen Mann verdeckte, der an seinem Hals zu knabbern schien. Brian trat an die beiden heran und schob den Freier einfach zur Seite. Der Junge sah ihn verwundert und vollkommen verdattert an. "Was?!", fauchte der gestörte Freier und hob eine Faust. Brian ignorierte die erhobene Hand und stopfte fünfzig Dollar in die Brusttasche des ungewaschenen Hemdes des Mannes. "Kauf dir jemanden, der teurer ist und nicht so nach billigem Parfum riecht, Bursche!" Der Mann blinzelte verwirrt, wandte sich dann aber um und verschwand in einer Gasse um wahrscheinlich das zu tun, was Brian vorgeschlagen hatte.
Mit einem Seufzen wandte er sich wieder dem jungen, zierlichen Stricher zu, der ihn nur staunend musterte. "Was...was soll das?! Du hast mir grad meinen Kunden verscheucht!" Brian grinste breit und drückte dem Mann ebenfalls einen fünfzig Dollarschein in die Hand, der ihn daraufhin mit offenem Mund anstarrte. "Wenn du ruhig bist, mit mir ein Bier trinkst und mir zuhörst, kriegst du noch mehr." Der junge Mann schloss den Mund und nickte. Wie ein Schoßhund folgte er Brian in eine nahe gelegene Kneipe.
"Ich habe einen Job für dich. Jay, nicht wahr?!" Jay nickte und fragte leise: "Wer bist du und um welchen Job handelt es sich?" Brian grinste wieder. "Ich bin Brian Blacksmith. Es geht um meinen Bruder..."
Nachdem Brian mit seiner Erklärung fertig war, nannte er die Bezahlung für diesen Job. Jay überlegte kurz. "Ich bin nicht ganz einverstanden, aber...ich brauche das Geld dringend...Ok, ich mache mit! Wann soll ich denn anfangen?" Brian lächelte verschmitzt. "Du kommst gleich mit. Du wirst in einem kleineren Zimmer bei uns wohnen. Ist das in Ordnung?" Jay nickte heftig. "Das ist mehr als in Ordnung!" Brian hob verwundert eine Augenbraue, als er das fröhliche Lächeln auf Jays Gesicht sah. Er fragte sich zum ersten Mal, wie alt der Kleine wohl sei. Er wollte nicht nachgrübeln und fragte seinen Gegenüber einfach. "Ich bin achtzehn. Wieso, mach mein Alter Schwierigkeiten?!" Jays Stimme hörte sich sofort etwas unsicher an. Brian schüttelte beruhigend den Kopf. "Nein, das ist gut so. Ich schlage vor, wir gehen jetzt, Jay." Der Junge nickte, stand auf und wollte sein Bier bezahlen. Brian schüttelte den Kopf und bezahlte für ihn und sich. Nebeneinander verließen sie die Kneipe und nach einiger Zeit das schlechte Viertel, in dem Jay nun seit mehr als vier Jahren lebte.

"Wie ist dein Bruder denn eigentlich so?", wollte Jay unsicher wissen. Darf ich das überhaupt fragen?!' Brian grinste wie immer. "Er ist steif, als hätte er einen Besen verschluckt, wenn es um Geschäfte geht. Manchmal habe ich das Gefühl, sein Verhalten bei der Arbeit wirkt sich langsam auch auf seine Freizeit aus, deshalb habe ich dich ja engagiert. Du sollst ihn lockerer machen." Brian zwinkerte und Jay lief etwas rot an. Er konnte sich noch nicht richtig an den Gedanken gewöhnen. "Aha...und wie ist er sonst noch so?" Brian legte den Kopf schief. "Freundlich, gute Manieren, fürsorglich, hilfsbereit und ziemlich temperamentvoll! Unsere Mutter war schließlich Spanierin. Er hat das Temperament und ihre Haarfarbe geerbt. Ich komme eher nach unserem Vater. Humorvoll, intelligent und einfach wunderbar." Jay lachte leise. "Und so bescheiden, nicht wahr?!" Brian lachte laut auf. "Genau so ist es! Ah, da ist Keith!" Brian winkte seinem Bruder über die Köpfe der Leute im Speisesaal des Hotels. Keith Blacksmith entdeckte ihn sofort und ging auf sie zu, wobei er auf dem Weg den einen oder anderen Gast grüßte und kurze Worte mit ihm wechselte. Jay lief sofort rot an, als er den Mann erblickte.
Keith war das genaue Gegenteil von ihm selbst. Er war groß, muskulös, hatte breite Schultern, schwarze Haare, dunkle Augen und ein markantes, sehr männliches Gesicht. Gott, sieht der gut aus!', seufzte Jay in Gedanken. "Na?! Scheint so, als würde er dir gefallen! Vielleicht solltest du mich dafür bezahlen, dass du Zeit mit ihm verbringen darfst!", lachte Brian und stieß ihn freundschaftlich mit dem Ellbogen in die Rippen. Jay wurde noch röter. Brian lachte leise.
"Was ist denn so lustig, Brian?!" Brian schüttelte kichernd den Kopf und klopfte seinem Bruder, der es mittlerweile bis zu ihnen geschafft hatte, auf die Schulter. "Mein kleiner Freund hier ist nur so witzig! Darf ich vorstellen, Keith das ist Jay, Jay das ist Keith." Keith und Jay schüttelten sich die Hände, wobei Keith ihn warm anlächelte. "Ich habe ihn eingestellt und ihm eine der kleinen Zimmer zur Verfügung gestellt, essen kann er ja in der Küche." Keiths Lächeln gefror von einer Sekunde auf die nächste und machte einem vollkommen verwirrten und teils auch fassungslosen Blick Platz. "Wie bitte?! Warum das denn?! Wir haben genug Personal!" Brian verzog das Gesicht. "Ich dachte, er könnte vielleicht die Zimmer saubermachen..." "Das macht die Putzfrau schon! Wir können uns einen weiteren Angestellten nicht leisten! Das neue Hotel zwei Straßen weiter ist eine ziemliche Konkurrenz geworden. Wir müssen die Preise etwas senken, sonst schmieren wir gegen die ab. Wir können die Preise aber nicht senken, wenn wir nicht genug Geld haben!" Brian tätschelte Keiths Kopf und zog ihn ins lächerliche. "Beruhige dich, Brüderchen. Wir haben noch Geld von Vater übrig. Er hat mir auch versichert, dass er uns bald ein wenig unter die Arme greift." Keiths Wut war deutlich zu sehen. Jay kam sich ein wenig überflüssig vor und wich einen kleinen Schritt zurück. "Ich will Vaters Hilfe aber nicht! Ich..." Brian unterbrach ihn: "Ich will Vaters Hilfe aber! Erinnere dich daran, dass mir das Hotel auch zur Hälfte gehört!" Keith presste seine Lippen wütend aufeinander und rauschte einfach an ihnen vorbei in die Küche, wo er ein paar der Köche anschnauzte, dass sie sich etwas mehr anstrengen müssten.
Brian drehte sich zu ihm um. "Siehst du", seufzte er und grinste ihn schief an, "ich habe dir ja gesagt, dass er total steif und stur ist, wenn es um die Arbeit geht. Außerdem ist er ein totaler Workaholic. Das wird schwer für dich." Jay nickte langsam und überlegte sich schon einmal einen Plan. "Ja, das wird es wohl..."

Jay war von seinem Zimmer begeistert. Es faste ein großes, helles Bett, einen Schrank, den man wohl extra für ihn dort hineingestellt hatte, und einen kleinen weißen Tisch mit einem dazugehörigen Stuhl aus Holz. Jay hatte sich sofort auf das breite Bett geschmissen und ein wenig gedöst.
Jay lächelte. Normalerweise müsste ich jetzt arbeiten...', dachte er glücklich. Er seufzte auf und legte seine Hände auf seinen viel zu dünnen Bauch. Er driftete fast in Schlaf über, als ihn ein Knurren, das aus seinem Bauch kam, aufhorchen ließ. "Och neee...", murrte er und richtete sich auf. Ein Blick auf den Wecker auf dem Nachttisch neben ihm, der wohl zur Ausstattung jedes Zimmers gehörte, sagte ihm, dass es bereits halb eins war. Er verzog das Gesicht. Ob ich jetzt aber noch etwas zu essen finde...?' Er erhob sich, verließ sein Zimmer und fuhr mit dem Aufzug zum Erdgeschoss hinunter.
Leise tapste er durch die Gänge, durchquerte den Speisesaal und betrat die große Küche. Er staunte nicht schlecht, als er die vielen Töpfe, Pfannen und anderen Kochutensilien sah. Sein Blick huschte zu dem großen Kühlschrank, der in die Wand eingelassen war, damit er nicht zuviel Platz verbrauchte. Zögernd öffnete er eine der Türen und steckte den Kopf in den Kühlschrank. Er griff sich zwei Eier und eine Tüte Milch, dann nahm er sich eine kleine Pfanne und einen Schieber. Neugierig blickte er in jeden Schrank und suchte Teller, Geschirr und Gläser. Er hatte gerade alles gefunden, als ihm der unangenehme Geruch von Verbranntem in die Nase stieg. Frustriert sah er, dass seine Spiegeleier angebrannt waren. "So ein Mist...", murmelte er und tat sich alles auf seinen Teller. Mit Leidensmiene versuchte er einen Bissen.
"Na, Kochen kannst du schon einmal nicht...", knurrte jemand hinter Jay. Er fuhr erschrocken herum. Keith Blacksmith stand vor ihm und schaute mit hochgezogener Augenbraue auf ihn herunter. Jay fing an zu stammeln, dass er nur Hunger gehabt und nichts Böses beabsichtigt hätte. Keith machte eine wegwerfende Handbewegung. "Interessiert mich nicht. Du kannst dir jederzeit etwas zu Essen machen, gehe aber das nächste Mal bitte an den kleinen Kühlschrank neben dem Herd. Der hier ist nämlich für die Gäste." Jay nickte artig. Sein Gegenüber musste leicht lächeln. "Brian hat schon Recht, du bist ein ganz lieber. Ich habe gerade eben mit ihm gesprochen und ich habe immer noch keine Ahnung, wo ich dich einsetzen kann." Jay senkte den Blick. "Ich kann Kellnern. Im Bedienen bin ich schon immer gut gewesen." Keith räusperte sich, als fühle er sich plötzlich unwohl. Jay blickte auf und bemerkte, dass Keith leicht rot geworden war. "Das...hat Brian mir auch erzählt..." Jay nickte leicht. "Es ist auch sehr nett von euch, dass ihr mich aufnehmt. Aber, wenn ich euch nicht helfen kann, dann schmeißt mich einfach raus, ja?! Ich komme mir schäbig vor, wenn ich nichts tun kann."
Keith lächelte. "Das geht schon in Ordnung. Ich finde es sehr gut, dass Brian dich aufgelesen hat. Du musst wohl eine...ziemlich schlimme Zeit hinter dir haben..." Jay nickte lächelnd und ließ sich auf einem Stuhl nieder. "Ja..." Keith legte ihm zögernd eine Hand auf die Schulter. "Du brauchst dir jetzt keine Sorgen mehr zu machen. Wir passen auf dich auf, so gut wir können!" Jay nickte lächelnd. Er hatte das Gefühl, dass er sich an Keith gewöhnen würde. Er war anscheinend ein sehr liebenswürdiger Mensch.
Keith verabschiedete sich wieder und er konnte in Ruhe seine angebrannten Spiegeleier essen und Milch trinken. Dann schlich er sich wieder nach oben und schlief tief und fest ein.

Jay fuhr sich müde durch die Augen und stützte sich auf dem Tisch ab. "Ist schon dämlich, das frühe Aufstehen, nicht wahr?!" Keith grinste ihn an und blätterte eine Seite der Einkaufslisten durch. Jay nickte leicht und ließ sich auf einen der bequemen Stühle fallen. Er schloss die Augen, öffnete sie aber nach einem Moment wieder, da ihm klar wurde, dass er sie vielleicht nach einiger Zeit nicht mehr aufmachen könnte. Er war wirklich verdammt müde. Sein Blick fuhr durch die schöne Eingangshalle, in der sie auf den Sesseln saßen, wo sich Gäste, die gerade angekommen waren, hinsetzen konnten. Es war alles aus hellem Holz und man sah fast in jeder Ecke schöne, frische Blumen in weißen Vasen. Er seufzte. Die ganze, eigentlich unpersönliche Eingangshalle strömte angenehme, vertraute Wärme aus. Er lächelte leicht, als sein Blick auf sich selbst fiel. Er hatte von Brian, der wohl die Personalbekleidung organisierte, eine dunkelblaue Hose und ein Hemd bekommen. Es waren die schönsten Sachen, die er je anhatte.
Sein Blick huschte zu seinen neuen Schuhen, über den Boden zu den Keiths Füßen. Der junge Hotelbesitzer saß ihm gegenüber in einem ordentlichen Anzug mit roter Krawatte und studierte konzentriert die Einkaufsliste für die Woche. Jay lächelte amüsiert. Keith gab ab und zu ein paar zufriedene oder unzufriedene Knurrgeräusche und Seufzer von sich, während er kritisch und auch etwas missgelaunt die Stirn runzelte. Er nimmt seine Arbeit wirklich sehr ernst...Ich kann Brian schon verstehen, dass er mich zum Auflockern bestellt hat, aber so ganz kann ich mir das nicht vorstellen, wie ich ihn auflockern soll...Na ja, das Übliche, aber da wird er sich jawohl nicht drauf einlassen, solange wir nicht verheiratet sind.' Jay grinste vor sich hin. Oh ja...Keith ist der Typ für's heiraten, der nichts tut, was nicht rechtens ist.' Er schüttelte leise lachend den Kopf. Solche Kerle hatte er auch schon ein paar Mal gehabt, Leute die Gefallen hatten, an dem was sie gerade taten, sich aber im Stillen bei jeder Bewegung verfluchten, weil es ja anstößig war. Jay seufzte leise. Er wollte jetzt nicht wieder an die dunklen, erschreckenden Stunden seiner Vergangenheit denken.
Keith hob den Blick. "Geht's dir nicht gut? Du siehst etwas blass aus." Jay lächelte leicht. "Nein, es geht schon..." Der Hotelbesitzer nickte und wandte sich wieder seiner Liste zu. In dem Moment betrat ein etwas älterer Mann begleitet von einem jüngeren, blonden Mann die Eingangshalle. Jay blieb das Herz stehen. Nein...Verdammt, nein! Nicht jetzt!' Jay drückte sich in seinen Sessel und spürte wie ihm das ganze Blut aus dem Kopf wich. Jetzt war er bestimmt blass. Der Blick des älteren Mannes huschte durch die Eingangshalle und blieb für einen Moment an seinem Gesicht hängen, dann ging er einfach zu einem der Aufzüge, gefolgt von diesem blonden Mann. Ein leichtes Beben ging durch Jays Körper. Scheiße...Warum ausgerechnet heute?! Warum ausgerechnet, dann, wenn ich mir ein neues Leben aufbaue?!" Keith hob seinen Blick wieder. "Was ist los?! Jetzt bist du aber bleich wie eine Wand!" Er beugte sich leicht nach vorne und musterte ihn mit gerunzelter Stirn. "Du siehst aus, als ob du einen Geist gesehen hättest..." Er ist wohl eher der Teufel in Person...', schoss es Jay durch den Kopf. "Es...Es ist nichts...Ich denke ich hab mich noch nicht an die frühe Aufstehzeit gewöhnt...Ich habe vielleicht etwas Kreislaufprobleme oder so..." Keith schüttelte den Kopf. "In deinem Alter kriegt man keine Kreislaufprobleme mehr nur vom frühen Aufstehen. Was ist los?" Jay schüttelte den Kopf. "Nichts...Ich...Was wolltest du mir denn eben eigentlich sagen?!" Keith lehnte sich mit gerunzelter Stirn im Sessel zurück. "Warum lenkst du vom Thema ab?" Jay lächelte zittrig und winkte ab. "Weil es sich nicht lohnt drüber zu reden, Keith. Was wolltest du mir sagen?"
Keith seufzte. "Ok, Jay...Was willst du hier machen? Entweder einkaufen, kellnern oder bei der Dekoration helfen? Wir haben heute Abend eine Hochzeitsgesellschaft, die im großen Saal feiert. Wir bräuchten noch jemanden, der sich um die Dekoration kümmert." Jay legte den Kopf schief. "Was...was machst du denn?" Er schluckte leicht. Das war eine beschissene Frage, aber er musste bei ihm sein um ihn näher zu kommen. Keith machte ein verwundertes Gesicht. "Wie...? Ich rechne die ungefähren Kosten für die Einkäufe aus, überlege, ob man etwas streichen kann und helfe dann beim Kellnern. Wieso fragst du?" Jay winkte ab. "Ach, ich habe nur keine Lust mit jemandem zusammenzuarbeiten, den ich nicht so gut kenne. Ich denke, ich helfe auch beim Kellnern." Keith nickte. "Ok. Dann musst du ins Büro gehen, zu Brian, der gibt dir dann die Klamotten dafür." Jay legte den Kopf schief. "Und wo ist das Büro?" Keith zeigte zu einer Tür neben den Aufzügen mit der Aufschrift *Privat*. Jay nickte.
"Gut, danke. Soll ich jetzt direkt gehen?" Keith nickte. "Die meisten Leute kommen erst so gegen neun zum Frühstück, deshalb hast du noch Zeit, dir Sachen auszusuchen, die dir richtig passen." Jay nickte lächelnd. "Gut, dann gehe ich jetzt." Keith nickte ihm zu und beobachte stirnrunzelnd, wie er ihm hinterher sah. Ein leichtes Lächeln legte sich auf sein Gesicht. Ein engagierter, junger Mann...', dachte er.

Jay stieß lächelnd die Tür zur Küche auf und legte das Tablett mit leeren, dreckigen Tellern auf den Tisch am Eingang, wo der Spüljunge, sie zur Spülmaschine bringen würde. Er seufzte und lehnte sich kurz an die Wand um zu verschnaufen. "Ganz schön anstrengend am Anfang, was?!", lachte ihn ein braunhaariger Mann an, der sich neben ihn gestellt hatte. Jay nickte lächelnd. "Oh ja...Ich wusste gar nicht, dass das so schwer ist." Der Mann zuckte mit den Achseln. "Man muss nur schnell und geschickt sein. Das ist alles." Jay nickte und antwortete: "Und immer höflich sein. Ich glaube, bevor ich schlafen gehe, muss ich mir erst einmal mein Lächeln abschrauben!" Sein Kollege lachte laut und nickte. "Das stimmt! Du gefällst mir gut! Ich bin Tom, wie heißt du?!" "Jay. Bist du schon lange hier?" Tom nickte. "Ja, schon eine ganze Weile, ich arbeite hier schon, seit das Hotel fertig ist." Jay nickte anerkennend. "Das ist cool. Wie viel Geld kriegst du im Monat?" Tom sah ihn verwundert an. "Das müsstest du doch wissen, jeder kriegt hier das Gleiche, außer die, die Überstunden machen." Jay lächelte und senkte den Blick. "Ich wohne hier kostenlos in einem der kleineren Hotelzimmer und darf mich am Kühlschrank bedienen, deshalb kriege ich kein Geld. Brian hat mich von der Straße aufgelesen." Er hob vorsichtig den Blick, wusste nicht, wie Tom darauf reagieren würde. Doch der lächelte nur sanft. "Das ist nett von ihm. Brian war schon immer ein netter Kerl." "Keith nicht?" Tom lachte amüsiert. "Doch, Keith auch, aber der konzentriert sich so sehr auf die Arbeit, dass er von seiner Umgebung nicht viel mitbekommt."
"Ist das so?!" Tom und Jay zuckten zusammen und blickten hoch in Keiths Gesicht. Er musste sich angeschlichen haben. Er hatte eine Augenbraue hochgezogen und sah Tom fast schon etwas fragend an. Tom fing an zu stottern. Keith unterbrach ihn. "Ich habe ja nichts dagegen, dass ihr zwischendurch einen kleinen Plausch führt, aber konzentriert euch das nächste Mal nicht so auf eurer Gespräch, dass ihr nicht viel von eurer Umgebung mitbekommt, Leute." Tom lief bis zu den Haarwurzeln rot an, als er seine eigenen Worte hörte.    
Jay grinste leicht. "Und du, Jay, grins nicht so, sonst kommst du wieder auf die Straße." Erschrocken und entsetzt riss Jay seine Augen auf. Alles Blut wisch aus seinem Gesicht. "Das..." Keiths gespielt strenges Gesicht wurde sofort erschrocken. "Entschuldigung, Jay...das...das ist mir so herausgerutscht. Ich..." Jay fasste sich sofort wieder. Er schüttelte den Kopf. "Schon ok, Keith...Du hast es nicht ernst gemeint...Außerdem hast du Recht. Ich sollte mich mehr anstrengen, damit ich meine Schulden angemessen begleichen kann. Es ist dein Recht mich raus zu werfen, wenn ich nicht vernünftig arbeite." Keith wollte etwas erwidern, aber Jay schob sich schon wieder an ihm vorbei und verschwand im Esssaal. Tom legte den Kopf schief und betrachtete seinen Chef, der über sich entsetzt da stand und starr auf einen der dreckigen Teller blickte. "Das war ziemlich dämlich von Ihnen, Mr. Blacksmith, wenn ich das so sagen darf...", bemerkte er leise und schob sich ebenfalls an ihm vorbei.
Keith stöhnte entnervt auf und stützte sich auf den Tisch vor ihm. So eine verfickte Scheiße! Ich und mein beschissenes, loses Mundwerk!' Er atmete tief ein, richtete sich auf und strich seine Kleidung glatt, dann nahm er sich einen der kleinen Blöcke, die vor ihm in einem Regal lagen und machte sich an die Arbeit, seinen Gästen damit zu schmeicheln, dass sie vom Hotelbesitzer persönlich bedient wurden.

Jay hatte sich wieder gefasst. Er hatte sich, nachdem er die Küche verlassen hatte, zwar kurz an die Wand lehnen müssen, aber er hatte dann sofort weitergearbeitet. Er mochte das Gefühl nicht, an einem seidenen Faden zu hängen, durch einen kleinen Fehler wieder alles zu zerstören, was er sich aufgebaut hatte, und er glaubte, das könnte ihm passieren. Ich sollte mehr tun, weniger Essen. Ich brauche soviel Luxus nicht, es reicht mir ja schon. Im Gegensatz zu meinem alten Leben am Strich ist das hier ein Paradies! Ich sollte wirklich mehr arbeiten.' Er kam von einem Tisch zum anderen nahm höflich lächelnd Bestellungen oder Sonderwünsche auf. Er half einem kleinen Mädchen in einen Hochstuhl, bekam dafür ein Küsschen und von der Mutter ein dankbares Lächeln, half Tom Pommes aufzusammeln, die ihm vom Teller gerutscht waren und beantwortete die Fragen eines Journalisten, ob der Job schwierig war, was er als Anfänger zum Leidwesen des Mannes nicht gut beantworten konnte. Nach einer halben Stunde musste er sich schon leicht schwitzend an die Wand lehnen. Er betrachtete alles eingehend und mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Oh ja, das war viel besser als der Strich!
Das kleine Mädchen von eben winkte ihm strahlend zu und er winkte leise lachend zurück. Bis ihm ein Mann, der hinter der Familie saß, in die Augen stach. Nein!' Jay riss seine Augen erschrocken auf und machte sich instinktiv etwas kleiner. Er fing an am ganzen Körper zu zittern, kalter Schweiß brach aus. Er schauderte entsetzt, als er bemerkte, dass der ihm wohlbekannte Mann, den er nie wieder in seinem Leben vergessen würde, sich ihm zuwandte und ihm ein gemeines, breites Grinsen zeigte. Jay trat den Rücken an die Wand gepresst in die Küche ein und ließ den Mann dabei nicht aus den Augen. Ein leiser Schrei ertönte und er stieß gegen etwas hartes, verlor das Gleichgewicht, als ihm etwas die Beine wegzog und prallte hart auf einem anderen Körper auf. Erschrocken richtete er sich auf und blickte hinter sich.
"Keith, bist du in Ordnung?! Hast du dir wehgetan?!" Jay beugte sich zutiefst erschrocken über seinen Chef, der über und über mit Spaghetti auf dem Boden lag und ihn wütend ansah. Jay schossen die Tränen in die Augen. Ich mach alles falsch! Er wird mich wieder zurückschicken! Ich muss wieder zurück!' Schon fast panisch half er Keith sich aufzusetzen. "Ist dir etwas passiert, Keith?!" Der Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. "Es ist schon in Ordnung, aber du solltest verdammt noch mal aufpassen! Jetzt müssen die Gäste länger auf ihre Spaghetti warten! Verdammte Scheiße!" "Ent...Entschuldige! Ich...Ich habe dich nicht gesehen!" "Das war ja auch klar, wenn du rückwärts durch die Türe kommst! Was hast du dir dabei gedacht?! So ein Unsinn!" Jay holte zitternd Luft ihm lief eine kleine Träne die Wange hinab. Ihm war wirklich nach Heulen zu Mute, aber er hielt sich dennoch zurück. Er hatte sein ganzes Leben lang nicht für solche Missgeschicke geweint und er würde jetzt auch nicht damit anfangen! Entschlossen wischte er sich die Träne ab und sah zu, wie Keith aufstand und wütend auf ihn hinab blickte. "Wisch das auf! Ich werde dem Mann sagen, dass er sich noch etwas gedulden muss." Das Knurren ging Jay durch Mark und Bein. Artig nickend machte er sich an die Arbeit. Keith ging an ihm vorbei. Er folgte ihm mit Blicken und erstarrte, als er bei dem Mann aus seiner Vergangenheit stehen blieb und kurze, erklärende Worte mit ihm sprach. Jay bebte am ganzen Körper. So ein Mist...' Jay hatte alle Nudeln wieder auf den Teller befördert und wollte gerade zum Tisch zum Ablegen des dreckigen Geschirrs gehen, als er auf der restlichen Spaghettisoße ausrutschte und nach vorne fiel. Natürlich landete der ganze Mist vor Keiths Füßen, der ihn rot vor Zorn musterte und wohl gerade wieder zurückgekommen war.
"T'schuldigung...", sagte er leise. Er hockte auf dem Boden und traute sich nicht zu seinem Chef hinaufzublicken. Anstatt, dass Keith ihn im Eingang und vor aller Augen ins Gesicht trat, packte er ihn an den Schultern, zog ihn hoch und schob ihn in den großen Abstellraum. Zornig schloss er die Türe mit einem Knallen und baute sich vor ihm auf.
"Das war doch jetzt extra oder?! Wie kann es sein, dass man so dämlich ist wie du, bitte schön?! Es kann doch nicht so schwer sein, als Kellner zu arbeiten! Selbst ich komme damit klar!" Da Keith immer weiter auf ihn zutrat und wild gestikulierte, wich Jay ängstlich an die Wand zurück und hatte nun ernsthafte Probleme seine Tränen zurückzuhalten. "Das war wirklich eine Scheißidee von Brian, dich einzustellen, wenn du noch nicht einmal vernünftig Kellnern kannst! Himmel noch mal, hör auf zu heulen! Gott, hätte dich Brian doch da gelassen, wo du warst, verdammt!" Jay zitterte am ganzen Körper, er hatte den Kopf gesenkt und weinte stumm. Er biss sich extra auf die Lippen um ja keinen einzelnen Ton verlauten zu lassen. "Es tut mir so leid...Ich dachte nur..." Überlass das Denken Leuten, die kultiviert sind und eine vernünftige Schulausbildung hinter sich haben, Jay!', sagte er sich selbst im Stillen. "Es tut mir wirklich leid...", hauchte er und ballte seine Hände Fäusten um sie am Zittern zu hindern. Eine Hand legte sich auf sein Kinn und hob es an. Mit schon etwas geröteten Augen musste er Keith ins Gesicht sehen.
Seine Miene hatte sich schlagartig verändert, als er realisiert hatte, was er Jay da an den Kopf geschmissen hatte. "Nein, Jay...", flüsterte er sanft. "Es...", fing Jay wieder an. Keith beugte sich vor und drückte seine Lippen leicht auf Jays, der bei der plötzlichen Berührung erstarrte und in seinem Satz unterbrochen wurde. Keith richtete sich wieder auf und sah entschuldigend auf ihn herunter. "Nein, Jay", wiederholte er leise, "mir tut es Leid. Ich bin wütend geworden, als ich nicht hätte wütend werden sollen. Es tut mir sehr leid, dass ich solche scheußlichen Dinge gesagt und dir Angst gemacht habe. Verzeih mir, bitte." Jay schaute etwas verwirrt zu ihm auf, die Tränen waren immer noch nicht versiegt. "Aber..." Keith legte einen Finger auf seinen Mund, sodass er wieder unterbrochen wurde. "Sag nichts, Jay. Ich bin schließlich dein Chef und deinem Chef darfst du nicht widersprechen." Keith zwinkerte ihn leicht lächelnd zu und Jay erwiderte das Lächeln zaghaft. Er nickte dankbar und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
Keith trat einen Schritt zurück und musterte ihn. "Du solltest dir etwas anderes anziehen, dein Hemd ist voller Soße, oder am Besten machst du für heute Schluss. In zwei Stunden hättest du eh Feierabend." Jay schüttelte den Kopf, strahlte aber dankbar. "Nein, es ist schon gut. Es macht Spaß." Keith nickte lächelnd. "Dann komm." Jay folgte ihm und sie traten in die Küche. Tom stand am Eingang zum Saal und betrachtete sie neugierig. "Ist etwas passiert?! Joe, der Koch, meinte Sie, Mr. Blacksmith, würden gerade Jay heruntermachen!" Jay grinste leicht, während Keith leicht rot anlief. "Ich mache niemanden runter!", herrschte er nun doch wieder etwas gereizt, sodass Tom sich schnell wieder im Saal verzog.
Jay blickte an sich hinunter. "Was mache ich denn jetzt mit dem Hemd? Ich habe ja keines zum Ersatz." Keith winkte ab. "Dann mach eben so weiter, die Leute können nicht immer nur das Gelbe vom Ei bei uns sehen. Das geht halt auch nicht. Du solltest dem Mann seine Spaghetti bringen." Jay erstarrte. "W...Was?!" Keith hielt ihm einen Teller Spaghetti unter die Nase, die er gerade von einem der Köche bekommen hatte. "Hier, gib das dem Mann an Tisch 8. Das ist der Mann, von dem mir der Teller heruntergefallen ist." Jay wurde von einer Sekunde auf die nächste bleich wie eine Wand.
"Das...Das kann ich nicht tun..." Keith runzelte die Stirn. "Warum das denn nicht?" "Ich...Ich kenne den Mann von früher..." Keith zuckte mit den Schultern. "Ich kenne ihn auch von früher. Er ist halt der ehemalige Bürgermeister. Ja und?! So ein Prominenter ist er auch nicht." Jay resignierte. "O...Ok...Gibt's her." Keith musterte ihn mit gerunzelter Stirn, sagte aber nichts über sein Verhalten.
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