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Shadowrun

von Jack
GeschichteAbenteuer / P18 / Gen
18.08.2004
18.08.2004
15
36.220
 
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END

Kikuyo war bis in die Fingerspitzen geladen. Haß und Schmerz übertönten alles Andere. Haß auf die Welt, die nicht mehr die Ihre war, und Schmerz über den Verlust von Angus. Er war tot.
Seit dem Moment, in dem er ihr seinen Arm entrissen hatte, war die Welt nicht mehr die Selbe, sie war nicht mehr die Selbe. Kälte war ihr ständiger Begleiter, und das Leben eine Last.
Während sie durch die dunklen Straßen streifte, hoffte sie schon fast, daß jemand so dumm war ihr in die Quere zu kommen. Sie hatte keine Angst mehr, es war ihr egal ob sie starb oder lebte.
Ihre Augen waren schwarz umrandet und funkelten angriffslustig, die Lippen eine Mischung aus einem tiefen Rot- Ton und Schwarz. Ihre gesamte Garderobe bestand zu 60% aus Metall, der Rest war tiefschwarzes Leder, die Haare durch zwei funkelnde Stahldornen zurückgehalten, und doch eine unbändige Flut die ihr schmales, blasses Gesicht einrahmte. Ihre Hände steckten in feinen Lederhandschuhen, auf jedem Fingerknöchel war eine kleine Metallplatte eingelassen. Um beide Handgelenke wanden sich Lederriemen auf denen scharfe Dornen prangten, ein Nietenhalsband was um ihren Hals lag komplettierte das Bild noch... und natürlich die Kette mit dem Falkenanhänger, dessen Namen sie in den Schatten angenommen hatte.
Es hatte sich herumgesprochen, der Engel war gefallen, der Falke jagte jetzt allein... grausamer und brutaler als zuvor.
Auf ihrem Weg durch die Gassen machte sie einen Abstecher ins Hell. Der Türsteher runzelte die Stirn als sie auf einmal lautlos aus den Schatten der Nacht ins Licht trat, funkelnd wie ein Stern, und doch so düster wie der Tod.
Sie machte aus ihrem Schmerz keinen Hehl, war er ihr doch längst ein ständiger Begleiter. Er sagte keinen Ton, und ließ sie ohne nach Waffen zu suchen durch. Wenn sie töten wollte, so tat sie das, ob mit oder ohne Waffe. Wie ein Hai bewegte sie sich durch die Menge, die wie Wasser vor ihr zurück wich. Es war alles wie immer, voll, verraucht und stickig.
Trotz ihres Zustandes hatte sie nicht vor sich zu betrinken, darum bestellte sie sich ein Wasser und achtete peinlich genau darauf was der Barkeeper ihr eingoß.
Sie hatte ihm mal den Kiefer gebrochen, seit dem war Jonny sehr vorsichtig wenn sie im Hell auftauchte. Sie hatte das Glas gerade abgesetzt als mit lautem Krachen eine Billardkugel zu ihren Füßen landete. Es war die schwarze 8.
"Hey du, Schlitzauge, bring mir die Kugel !"
Artig bückte Kikuyo sich nach der Kugel, was von lauten Pfiffen dokumentiert wurde. Anstatt sie jedoch zurück zu geben balancierte sie die Kugel geschickt auf ihrem Handrücken und sah den Sprecher herausfordernd an.
Der Mann war mindestens 1,90m und offensichtlich passte es ihm nicht, daß er sich vor seinen Kumpanen durch ihr Verhalten lächerlich machte.
"Was ist Reisfresser, verstehst du mich nicht? Bring- Mir- die- verdammte- Kugel !!"
Als Kikuyo sich nicht rührte und ihn einfach nur anstarrte streckte der Kerl die Hand aus, und sein Kumpel gab ihm die Dartpfeile, mit denen er bis eben noch auf die Scheibe geworfen hatte.
Er warf die Pfeile mit bedacht, doch sie rührte sich keinen Millimeter.
Alle 9 Pfeile steckten kurz darauf neben ihr im Tresen. Angestachelt durch seine Chummers kam er nun auf sie zu.
Die in der Umgebung stehenden machten sich rasch aus dem Staub, da sie ahnten was passieren würde. Die schwarze 8 pendelte immer noch auf ihrem Handrücken hin und her, und mit einer groben Geste schleuderte er sie weg.
"Was ist, bist du schwachsinnig?" Ohne zu antworten starrte sie ihn an.
"Brad!", rief einer seiner Kumpanen
"ich glaube die brauch einfach nur jemanden der es ihr mal ordentlich besorgt!", lautes Gelächter folgte der Bemerkung, und auch Brad grinste.
Ihre Stimme schnitt wie eine Schwertklinge durch den Lärm, scharf und kalt.
"Nun Brad, ich erlaube dir zu gehen, wenn du dich entschuldigt hast."
Für einen Moment wurde es still, nur um kurz darauf einen Schwall von Gelächter und Hohn nach sich zu ziehen. Brad schlug unvermittelt zu, doch sie war viel zu schnell. Noch während sich seine Muskeln zum Schlag spannten ließ sie sich auf die rechte Seite fallen, stütze sich mit der rechten Hand ab und ihre Beine schnellten in die Höhe.
Sie brach ihm mit dem Tritt den Arm, doch das reichte noch nicht. Mit der Kraft des selben Tritts, nicht gemindert durch den Aufprall auf den Arm donnerte ihr schwerer mit Nieten beschlagener Stiefel gegen seine Kehle, ihr anderer Fuß war leicht angewinkelt, und nicht so hoch wie der Rechte an seiner Kehle. Sie zog ihn noch ein Stück näher an den Körper und trat mit ganzer Kraft zu, direkt zwischen seine Beine.
Der Tritt schleuderte ihn meterweit auf die Tanzfläche, wo er tot liegenblieb. Er war noch nicht gefallen, da stand sie schon wieder auf den Füßen, so als wäre nichts passiert, so als hätte sie sich nie bewegt. Keiner hatte sehen können was passiert war, es hatte keine Sekunde gedauert, für das unmodifizierte menschliche Auge zu schnell.
Ihr Blick wanderte zu seinen Chummern, vorallem zu denen die noch vom Spiel einen Billardque in der Hand hielten, doch es war totenstill, niemand regte sich und nur die Musik lief weiter als wäre nichts passiert.
"Na? Will es mir noch jemand besorgen? Keiner? Schade!"
Ohne Hast trank sie ihr Wasser aus und verließ, provokativ langsam, ungehindert das Hell. Als sie zurück in die Dunkelheit der Gassen ging spürte sie ein vertrautes Gefühl, ein Kribbeln im Nacken was sie stets vor Gefahr warnte.
Wut kam in ihr auf, wer war so dumm, das zu versuchen?! Sie würde es gleich wissen. Ihr Verfolger gab sich keine große Mühe unbemerkt zu bleiben, und als sie um eine Ecke bog lauerte sie ihm auf. Ihr Faust sauste auf sein Gesicht zu, und sein Kopf ruckte nach hinten.
Bei ihrem Schlag fiel ihm etwas aus der Hand, was er gerade hatte ziehen wollen, und als sie auf den Boden sah, erkannte sie die Polizeimarke.
Gelassen hob sie die Marke auf, während er sich die blutende Nase hielt. Sie hatte zu seinen Gunsten davon abgesehen mit voller Kraft zu zu schlagen, sonst wäre ihm das Genick gebrochen, und Tote redeten in den seltensten Fällen.
Sie warf einen Blick auf die Marke.
"Nicht ihr Tag heute, was Officer... Kelley?!"
Komischerweise wurde das Kribbeln in ihrem Nacken immer aufdringlicher, und sie fragte sich wieso. Er hatte sich jetzt ein Taschentuch auf die Nase gepreßt, was sich von seinem Blut rasch rot färbte.
"Nein, ich glaube den schlechten Tag haben sie heute... Kikuyo!"
Sie lachte.
"Toll, sie wissen meinen Namen... und, was kann ich für sie tun, Kelley?"
"Ich verhafte sie wegen Mordes an mindestens acht Personen und..."
"Oh, wow, wow... langsam Kelley. Sie sind allein, was wollen sie tun? Mich zu Tode langweilen?"
Die Blutung hatte aufgehört, und er nahm das Tuch weg.
"Nein, ich weiß wer sie sind, ich weiß was sie sind, und ich werde es sein, der sie in die Todeszelle bringt!"
"Wozu die Mühe? Wenn sie mich kennen, müßten sie doch wissen, daß sie nicht der Erste Cop sein werden, der auf mein Konto geht... was Kelley? Haben sie Lust zu sterben? Wollen sie das?" Ausdruckslos sah er sie an,
"zugegeben, ich habe sie mir etwas anders vorgestellt... aber egal. Sie werden sterben, können sie damit umgehen?"
Sie lachte trocken "wenn sie eine Ahnung hätten, wie egal es mir ist ob ich lebe oder sterbe... können sie das auch von sich behaupten?"
Er wich ein paar Schritte von ihr zurück, und das Gefühl der Bedrohung wuchs ins unermeßliche. "ZUGRIFF".
In der Dunkelheit blitzen rote Ziellaser auf, alle auf sie gerichtet. Sie grinste,
"gut gemacht Kelley, sie haben mich".
Er zog seine Waffe und kam langsam näher "nehmen sie die Hände hoch!"
Kikuyo tat was er sagte, wenn er schoß konnte sie der Kugel ausweichen, und ob nun mit Händen oder ohne, sie konnte ihn ganz leicht töten. Zwar würde sie dann von mindestens 30 Kugeln durchsiebt werden, aber es hatte dann wenigstens ein Ende. Endlich ein Ende.
Sie lächelte kalt als er ihr zaghaft die Handschellen anlegte, und als er dicht neben ihr stand ruckte ihr Kopf nach vorne, und sie knurrte bösartig. Mit einem Aufschrei sprang er zurück
"Na Kelley, haben sie die Hosen voll?"
Die Scharfschützen schienen was von ihrer Arbeit zu verstehen, denn keiner hatte einen nervösen Finger gehabt, sie stand noch. Die Gasse füllte sich nun mit Cops. Einer schlug ihr von hinten einen Betäubungsschlagstock ins Kreuz, doch sie war gegen Schmerz resistent -- bis zu einem Gewissen Grad, und das galt auch nur für den körperlichen Schmerz.
Ihre Seele war ausgeblutet und tot. Vier weitere Male krachte der Stock mit voller Wucht in ihr Kreuz, sie biß sich auf die Lippe bis sie blutete. Sie wollte unter keinen Umständen schreien. Endlich nach dem vierten Schlag sackte sie zusammen.
Als sie erwachte lag sie in einer Zelle, die Hände auf dem Rücken gefesselt. Hochsicherheitshandschellen die ihr nicht mal erlaubten ihre Finger zu bewegen, und die wie ein schwerer Block an ihr zogen. Durch die Gewichtsverlagerung hatte sie Mühe sich zu bewegen, ihr Kreuz schmerzte höllisch, jeder Atemzug brannte wie Feuer. Sie blickte offen in die Kamera in ihrer Zelle "Kelley? Ich bin wach, wenn es ihnen Spaß macht können sie mich jetzt weiter quälen, noch habe ich nämlich keine gebrochenen Knochen!", obwohl sie sich da nicht sicher war, so wie ihr Rücken schmerzte.
Nach wenigen Minuten öffnete sich eine Tür, und Officer Kelley betrat den Raum. Gitter trennten sie von ihm, und sie lag immer noch auf dem Boden. Mit den Händen in den Taschen sah er auf sie herunter. "Das Gericht hat entschieden, sie werden in zwei Tagen hingerichtet."
Seine Stimme klang nicht schadenfroh, sie war ausdruckslos,... fast etwas traurig.
"Das ist unfair" sagte sie leise.
"Was, daß sie hingerichtet werden? Das hätten sie doch wissen müssen, die Beweise sind eindeutig!" Sie lachte leise "Nein, das meine ich nicht. Ich wollte bei meiner Verhandlung eigentlich dabei sein.." "Was?" sie hörte deutlich die Überraschung in seiner Stimme "sie wollten dabei sein?".
"Ich hatte schon immer gern etwas mitzureden.." Sie hörte wie er sich einen Stuhl ran zog und sich setzte "Warum?"
"Warum ich das getan habe? Wollen sie das wissen?"
"Ja"
"Tja, so bin ich eben"
"Tut es ihnen Leid?"
"Nein". Sie brauchte nicht hinzusehen um zu wissen, daß er gedankenverloren nickte. "Wie?"
"Was ?" fragte er überrascht, da sie ihn aus seinen Grübeleien riß.
"Wie werden sie es machen?"
"Der Stuhl".
"Wie nett, ich darf dabei sitzen... haben sie gehört, daß gerade Magie begabte Personen über acht Minuten brauchen bis sie auf diesem Ding endlich verrecken?"
"Ja, ich habe davon gehört..."
"Sie werden eine Gelegenheit haben es zu überprüfen... wissen sie, was mich wundert? Das ich nicht so lange warten muß..."
"Sie wurden als zu gefährlich eingestuft... wollen sie einen Priester?"
"Nein, ich glaube nicht..."
"Nicht? Ich dachte immer, der Glaube ist es der Menschen wie sie hervorbringt, Menschen mit ihren Fähigkeiten... ich habe gesehen was sie im Hell getan haben... oder besser, ich habe nur das Resultat dessen gesehen was sie dort getan haben..."
"Ich glaube nicht, an nichts!" leise fügte sie hinzu "an nichts mehr, nicht mehr"
"Nun ja, wenn sie etwas brauchen sagen sie bescheid, ich werde sehen was ich für sie tun kann..."
"Ja, ich hätte da eine Sache..."
Er war aufgestanden und wollte gehen, hielt bei ihren Worten jedoch inne "Was?"
"Bitte sagen sie mir... vor einiger Zeit... der Mord an Jefrey Jones und Marie van Pelt... vor dem Hotel, es ist jemand vom Dach gestürzt und ich möchte wissen, was mit ihm passiert ist..."
Es herrschte Schweigen, dann antwortete er endlich "ich weiß leider nicht was sie meinen, wir haben niemanden gefunden... oder besser gesagt nichts, bei dem Sturz... aber ich werde für sie gerne noch mal in den Akten nachsehen..."
Als er ging und die Tür sich hinter ihm geschlossen hatte verlosch das Licht und sie lag allein in der Dunkelheit.
Nichts, ....er sagte sie hätten nichts gefunden....
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