Die Opéra Populaire - Ein Irrenhaus

von Beerchen
GeschichteParodie / P6
Carlotta Giudicelli Christine Daaé Confidante Erik - das Phantom der Oper Meg Giry Monsieur André Monsieur Firmin Monsieur Reyer Ubaldo Piangi Vicomte Raoul de Chagny
24.07.2004
24.07.2004
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Disclaimer: Keine der Personen gehören mir, mir gehört nur die ...ähm...kann man das Geschichte nennen? ;-)

- Chaos im Büro -


Die Sonne brach an diesem Tag gerade das erste mal durch die Wolken, als Gilles André, seines Zeichens Operndirektor und so etwas wie der künstlerische Leiter der Opéra Populaire in Paris in seinem Büro saß und angestrengt meditierte.

Voluminöse "Ommmm's" erfüllten den Raum, ansonsten herrschte eine herrliche Stille. André war der Meinung, dass er sich diese Stille auch verdient hatte, nachdem er gestern abend auf einer Feier wohl doch etwas zu tief ins Glas geschaut hatte. Er überlegte kurz, ob das für ihn von Nachteil sein konnte, aber schließlich war kein Mensch unfehlbar und außerdem passierte ihm das nicht ständig.

Als ob eine höhere Macht ein Zeichen gegeben hätte, wurde die Tür des Direktionsbüros aufgerissen und Monsieur Firmin, der zweite Direktor dieser Oper und Kollege von André, stürmte geräuschvoll schnaufend herein. André verdrehte die Augen - das war wohl die Ruhe vor dem Sturm gewesen.

Sofort drückte ihm Firmin ein rosarotes Briefkuvert in die Hand, ohne ihm auch nur einen guten Morgen zu wünschen oder darauf zu achten, dass Gilles sich gerade höchst konzentrierte und sich in Trance befand. Das war ja nunmal wieder sehr typisch für diesen Realisten, der sich das Geld und das Verdienen des Geldes zu seinem einzigen Lebensinhalt gemacht hatte.

André seufzte und beschloss, die anstehenden Yoga-Übungen lieber auf die Mittagspause zu verschieben, wenn er heute überhaupt zu einer Mittagspause kommen würde.

Er starrte das Kuvert an. "Was ist das?" Von Firmin kam nur ein gemurmeltes : "Mach es auf, dann bist du vielleicht klüger."

Als André das Kuvert öffnete, vernahm er einen leichten Parfümgeruch, er dachte aber nicht weiter über diese Tatsache nach, sondern widmete sich gespannt dem Brief :

Mein lieber André,

Ich möchte Sie ja nun wirklich nicht stören, aber da ich auf meine vorherigen, sehnlichen Bitten keine Antwort erhalten habe, schreibe ich Ihnen nun noch einmal. Können Sie sich vorstellen, wie einsam ich bin, da ich gezwungen bin, im finsteren und sehr feuchten, wenn nicht zu sagen nassen Keller dieser wunderschönen Oper zu wohnen?
Nein, ich möchte kein Mitleid von Ihnen, ganz im Gegenteil! Ich habe Sie schon seit dem Tag, als Monsieur Lefèvre Sie und Ihren Kollegen als neue Eigentümer der Oper vorstellte, beobachtet und Sie scheinen mir mit jedem Tag graziöser, hübscher und begehrlicher.
Ja André, ich kann Ihnen nicht oft genug versichern, wie sehr ich Sie liebe und wie gerne ich Sie bei mir hätte! Was würden Sie denn von einem Rendezvous auf dem Dach der Oper halten? Wir könnten uns an der Hand halten, die Sterne betrachten und zärtliche Worte austauschen... Ich bitte Sie, erhören Sie mich !!!!!

In Liebe, PdO


André wandte resigniert den Blick von diesem Brief ab und drehte sich zu Firmin um, der wieder einmal ein schwarzes Briefkuvert in der Hand hielt, auf dem mit roter Schrift 'Monsieur Firmin' stand.

Es wurde ihm in letzter Zeit einfach zuviel. Er begab sich zum Schreibtisch, stopfte den Brief achtlos in eine Schublade, in der schon ein Dutzend dieser rosaroten Kuverts lagen und sah die restliche Post durch. Da ansonsten nur Rechnungen angekommen waren, legte er sie für seinen Kollegen zur Seite, die finanziellen Angelegenheiten waren Firmins Sache.

Dieser hatte gerade das schwarze Kuvert geöffnet und las nun überhaupt nicht überrascht, den Brief, den er erhalten hatte.

Monsieur Firmin!

Das ist nun die letzte Warnung!!

Ich ersuche Sie erneut, endlich ihre erbärmlichen Finger von ihrem Kollegen zu lassen, sie müssen ihre Gespräche nicht damit bereichern, indem Sie ihn dauernd am Arm fassen oder ähnliches! Ich sehe es mir auch nicht mehr lange an, dass sie in der Mittagspause mit ihm essen gehen, Sie haben eine Frau, die Zuhause auf Sie wartet!! Sollten Sie nicht aufhören, sich an ihren Kollegen heranzumachen, wird Ihnen ein unvorstellbares Unglück passieren!!!!

PdO


Der gesamte Text des Briefes war mit roter Tinte auf schwarzes Papier geschrieben worden, aber Firmin lies sich davon schon lange nicht mehr ängstigen, er zuckte ebenfalls resigniert mit den Schultern und legte den Brief zu dem Dutzend anderen schwarzen Kuverts, die er schon erhalten hatte.

Wenigstens stellte dieser Verrückte, seitdem er seine Liebe zu André gestanden hatte, keine so hohen Gehaltsforderungen mehr.

André wollte sich gerade zu Firmin umwenden, um die Lage mit ihm zu besprechen, als sie eifriges Tippeln von Ballettschühchen hörten und kurz drauf Meg Giry in das Direktionsbüro eilte.

Die Wangen des schüchternen Mädchens hatten sich gerötet und ihre blonden Haare waren etwas zerzaust, sodass man ahnen konnte, dass sie es sehr eilig gehabt hatte, hierher zu kommen.

"Monsieur André, Monsieur Firmin!", platze sie heraus, " Ich muss dringend mit Ihnen sprechen!" "Worum geht es denn?", wollte Firmin genervt wissen.

" Nun, zuerst einmal braucht das ganze Ballett neue Kostüme und vor allem neue Ballettschuhe, sehen Sie sich das doch mal an, die sind schon ganz zertanzt, das ist ja eine Zumutung!"

Bei diesen Worten hielt sie den beiden Direktoren einen ihrer zarten Füße entgegen, die in Ballettschuhen steckten. Weder André noch Firmin konnten irgend etwas ungewöhnliches an den Schuhen entdecken, aber sie hatten keine Möglichkeit das kundzutun, denn sofort plapperte Meg weiter.

"Dann möchte ich mich noch über ein paar Kollegen beschweren, die Bühnenarbeiter und die Sänger machen sich nämlich von jeher über unser Gangart lustig und nennen uns 'tolpatschige Enten'! Das ist doch wirklich unverschämt, finden Sie nicht?"

André begann Kopfschmerzen zu bekommen und massierte sich die Schläfen. Dabei hatte der Tag doch so geruhsam angefangen!

Doch schon öffnete sich die Tür ein drittes mal und Christine Daaé kam mit ihrem Verlobten, Raoul de Chagny herein.

Mademoiselle Daaé stürzte sofort auf André zu und meinte :" Monsieur André, es geht das Gerücht um, dass Carlotta ihre Gesangskarriere beenden will und mit einem Wandertheater durchs Land ziehen möchte! Ich hatte mir gedacht, dann können wir es doch gleich regeln, dass ich von nun an die Primadonna dieser Oper bin, oder nicht?"

Christine klimperte mit ihren langen, schwarzen Wimpern, um es André leichter zu machen, dem Vorschlag zuzustimmen.

Dieser kam aber wieder nicht dazu, etwas zu sagen, da auf einmal die gehässige Stimme Raouls ertönte :" Also wenn du in deinen Kostümen auch deinen seltsamen Geschmack von Mode ausdrücken möchtest, würde ich dir raten, im Chor zu bleiben, da fällt man mit einem hässlichen und total aus der Mode gekommenen Kleid wenigstens nicht so sehr auf!" Christine warf ihrem Verlobten einen wütenden Blick zu und in diesem Moment schien sich Meg plötzlich an etwas zu erinnern.

Sie huschte zu Christine hinüber und begann mit prahlerischem Unterton in der Stimme zu reden :" Du glaubst ja gar nicht, wer mich gestern, als ich alleine in der Garderobe der Ballettmädchen war, angesprochen hat! Eine geheimnisvolle Stimme stellte sich mir als 'Engel des Tanzes' vor, ich glaube sie kam aus der Ecke, wo unsere Ballettrequisiten aufbewahrt werden!"

Christine war von dieser Neuigkeit ganz und gar nicht erfreut. "Du dumme Nachmacherin!", zischte sie das jüngere Mädchen an. " Mich hat aber zuerst ein Engel der Muse besucht, du willst dich ja nur wichtig machen, ich würde mich nicht wundern, wenn das wieder eines deiner Hirngespinste wäre !"

Meg begann fast zu weinen, als Christine sich dann auch noch zu den Direktoren umdrehte und meinte :" Sie müssen nämlich wissen, das arme Ding sieht manchmal Sachen, die überhaupt nicht existieren! Vielleicht sollte sie sich einmal in ärztliche Behandlung begeben..."

"Das wäre auch für mich eine gute Idee ", murmelte Raoul halblaut vor sich hin, " Vielleicht kann mir der Arzt ja erklären, weshalb ich mich mit dieser egoistischen Person verlobt habe, das war sicher in einem Zustand der geistigen Umnachtung."

***
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