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Back to Puckworld

von Drachini
GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
Canard Thunderbeak Duke L'Orange Nosedive Flashblade Wildwing Flashblade
08.07.2004
07.02.2005
2
5.107
 
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08.07.2004 2.710
 
VIEL SPAß!!!!!

Cim


I. Kein Fair-play

Ein einzelner Lichtkreis bewegte sich in geschwungenen Linien über das Eis, während sich die sanften Töne einer zarten Melodie unter das Dach der Halle hinauf wanden, wieder abfielen und von neuem aufstiegen. Im Mittelpunkt des Kreises glitt eine junge  Frau auf zwei silbern glänzenden Kufen fast geräuschlos über das Eis. Ihr Lauf war langsam, beschwingt wie die Melodie und ebenso nachdenklich. Mit halb geschlossenen Augen schwebte sie geradezu dahin, drehte Pirouetten, wand ihren Körper und ihre Arme zum Klang der Melodie, begann dann sich zu drehen, immer schneller und schneller, bis sie schließlich stoppte und zusammengekauert im Lichtkreis hockte. Die Musik schwieg, angespanntes Schweigen breitete sich in der Halle aus, dann erstarb auch das Licht.
Im nächsten Moment flammten Hunderte von kleineren Strahlern auf, verwandelten das Eis in eine bunte Farbenwelt und verwischten für einen Moment die Position der Läuferin. In der nächsten Sekunde ertönte Musik, lauter, drängender, schneller. Sie kreiselte durch die Halle und hatte einen so treibenden Rhythmus, dass keiner der fast zehntausend Zuschauer alle Glieder ruhig halten konnte. Der große Scheinwerfer war wieder angesprungen und verfolgte die junge Frau in rasantem Tempo über das Eis, als würde er sie jagen. Doch sie lachte, sprang in die Luft vollführte weitere Drehungen und dass alles im Takt der Musik.
Weitere Eiskunstläufer tauchten auf, schienen ungeordnet über das Eis zu gleiten, aber dennoch steckte ein Choreographie dahinter, die dem Zuschauer jedoch zunächst verborgen blieb. Schnell fanden sich Paare, alle in rot gekleidet, außer der Läuferin vom Beginn und deren Partner. Beide erstrahlten in schillerndem Weiß. Immer wilder wurden die Tänze, immer treibender die Musik, bis alles mit einem Schlag aufhörte. Die Tänzer fielen auf das Eis und das einzige Licht, was verblieb, färbte das Eis in ein dunkles Blau.
Grüne Lichtflecke huschten hier und da über die Fläche und die Tänzer, verharrten und huschten dann weiter, bis dahin, wo keiner sie mehr sehen konnte. Es wurde ganz dunkel, leises Klirren verriet den eiligen Abzug der Tänzer vom Eis, dann glühte langsam ein düster-blaues Licht auf, in welchem eine andere Tänzerin stand. Sie war ganz in durchscheinende, schwarze Seidentücher gehüllt, die sich nun, da sie vorwärts glitt, sanft im Fahrtwind bewegten.
Eine dunkle, melancholische Melodie erhob sich zu ihrem Tanz. Eine Melodie, die man erst wahrnahm, wenn man gezielt darauf achtete oder wenn sie laut genug wurde. Die Läuferin verstand es ihre Arme und ihren Körper so zu bewegen, dass die Tücher um sie herum wirkten, als führten sie ein Eigenleben. Sie wanden sich, flatterten auf und fielen zusammen, schienen hier zu Flügeln und da zu Schlangen zu werden. Doch langsam verebbte die Melodie, die Tänzerin drehte sich leicht in der Mitte der Eisfläche und blieb dann stehen - beide Arme um ihren Körper geschlungen, mit geschlossenen Augen.
Nach einem schier endlos langen Schweigen kam ein Murmeln auf, es schwoll an, wurde zu reden und lachen. Dann stürmten alle Beteiligten der Show auf das Eis. Jeder war entweder in grün, gelb oder weiß gekleidet, aber auch drei weitere Eistänzerinnen in Schwarz waren dabei. In einem unüberblickbaren Gewusel fuhren sie durcheinander, umeinander herum, lachten, sangen. Schließlich erkannten die Zuschauer langsam, dass sich die Farben sortierten, dass Licht wurde beißend hell, sodass man nichts, was auf dem Eis geschah, sehen konnte, doch dann flammten die normalen Scheinwerfer auf und die erstaunten Augen der Zehntausend erblickten ein Logo aus Menschen: Das Logo der Mighty Ducks.
Jubel und stürmender Applaus füllte von einer Sekunde auf die nächste die Halle. Zwanzigtausend Hände klatschten gegeneinander und brachten tosenden Lärm, als die Fans erkannten, dass die grandiose Vorshow nun dennoch vorbei war und das erste Spiel nahte: die Anaheim Mighty Ducks vs. den Brooklyn Hellrats. Die Halle tobte noch immer, als ein Sprecher auf das Eis trat und Aufmerksamkeit heischend die Hände hob. Langsam beruhigte sich die tobende Menge und der Mann begann: "Es ist mir eine Freude, euch heute Abend diese Spiel ankündigen zu dürfen!" Wieder brachen Jubelstürme los.
Als der Lärm abebbte, redete der Mann weiter: "Ich werde euch nicht länger auf die Folter spannen und bitte euch nur um Eines!" Schweigen. "Begrüßt die Brooklyn Hellrats!" Aus den Gängen zu den Umkleiden kam die Mannschaft aus Brooklyn und wurde mit begeisterten Rufen, Applaus und Jubel begrüßt. Der Kommentator stellte nacheinander die Spieler vor und gab ebenfalls einen Kommentar zu den Stärken jedes einzelnen, dann hob er wieder die Hände, um die jubelnde Masse zur Ruhe zu bringen. Doch diese wusste, was als nächstes kam und es hielt keinen auf den Sitzen.
"Und nun, worauf ihr alle gewartet habt, begrüßt den Captain der Mighty Ducks! Wildwing!" Er schrie Wildwings Namen so laut, dass sich seine Stimme fast überschlug, aber sie ging trotz Mikro im Geschrei der Leute unter. Wildwing kam aus der Umkleide, winkte mit seinem Schläger den Fans zu und musterte dann die Gegner seines Teams. Der Ansager rief derweil die anderen Mighty Ducks herein: Duke, Mallery, Nosedive, Tanya und Grin. Alle wurden ebenso lautstark empfangen wie Wildwing, dann betrat der Schiedsrichter das Feld und sofort wandelte sich der Jubel in laute Buhrufe um.
Doch nichtsdestotrotz nahmen die Teams Aufstellung, der Schiedsrichter pfiff an und schon zischte die Scheibe über das Eis...

"Ich glaube, dass das alles reine Zeitverschwendung war. Die Leute wollen Eishockey sehen und keine Eisshow." Die Frau, die dies sagte, klang halb wütend halb verdrießlich. Es war diejenige, die in der Show das schwarze Kostüm getragen hatte. In diesem Moment schälte sie sich aus dem hautengen Body, an den die schwarzen Tücher genäht waren, um zu duschen. Eine der Frauen zuckte mit den Schultern. "Mach dir nichts draus, Cim, wir haben unser Geld und das ist doch was, oder?" Cim blickte zu ihr hoch. "Ist das alles, was dich interessiert? Das Geld? Ich würde lieber für weniger Geld vor einem Publikum auftreten, dass meine Arbeit zu schätzen weiß und dass die Show nicht als Vorgeplänkel ansieht.", erwiderte sie kühl. Die Andere zuckte nur wieder mit den Schultern und fuhr fort sich den Glitter aus den Haaren zu kämmen.
Cim stand auf und ging in den Duschraum. Eine der Brausen fand sie unbesetzt und drehte heißes Wasser auf. Es prasselte auf ihren Körper nieder und tat nach all der Anstrengung und der Kälte des Eises gut. Nachdem sie sich eingeseift und wieder abgespült hatte, ging sie zurück in die Umkleide und zog sich ihre Sachen an. Von draußen drang der Jubel der Zuschauer an ihr Ohr. Wenn sie nur ebenso laut gewesen wären, als ihr Show endete, aber da waren sie wohl nur froh, dass nun endlich das Spiel begann.
Die meisten des Showteams waren schon weg und Cim saß zusammen mit einer ihrer engeren Freundinnen in der Umkleide. "Was ist? Wollen wir dem Spiel noch etwas zusehen?", fragte Cim die andere. Diese schüttelte den Kopf. "Sorry, aber ich muss nach Hause.", damit stand sie auf und schnappte sich ihr Tasche. "Bis Montag.", sagte sie noch, dann war auch sie verschwunden und Cim blieb allein.
Endlich konnte sie aufatmen und diese Verkleidung ablegen, zumindest für einen Moment. Sie schloss die Augen und berührte mit zwei Fingern leicht ihre Schläfe. Ein grelles Leuchten trat unter ihren Fingern hervor, breitete sich aus und folgte der Linie ihres Körpers bis zu ihren Füßen, da erstarb es. Aus den feinen, menschlichen Zügen waren die einer Ente von Packworld geworden. Cims schmalem, zierlichen Schnabel entwich ein erleichtertes Seufzen. Warum konnte sie nicht wie die Mighty Ducks in ihrer wahren Gestalt leben? Sie stand auf und trat vor den Spiegel.
Die linke Hälfte ihres Gesichtes wurde von einer goldenen Halbmaske verdeckt, deren linkes Auge rot leuchtete. Ihr Gesicht und ihr Körper war von schimmerndem schwarz-grauen Gefieder bedeckt und ihr rechtes Auge glänzte stechend grün. Ihr Schnabel hatte ganz entgegen ihrer Art ebenfalls eine dunkle Farbe und Cims Finger strichen leicht über eine Kerbe, die sich quer über den oberen Teil ihres Schnabels erstreckte.
Mit müden Handgriffen band sie ihr blauschwarzes Haar locker im Nacken zusammen, dann bereitete sie sich darauf vor wieder in ihr Gefängnis zurück zu kehren, denn nichts anderes war diese menschliche Hülle für sie. Mit einem Seufzer legte sie die Finger an die Maske und das Leuchten erschien von neuem. Als sie die Augen wieder öffnete, schaute sie eine Fremde aus den Tiefen des Spiegels an. Alles, was noch an ihre wahre Gestalt erinnerte, waren die dunklen Haare und die grünen Augen.
Cim wandte sich ab und stopfte ihre Sachen in ihre Tasche. Die Schlittschuhe hängte sie sich über die Schulter, dann verließ sie die Umkleide. Das erste Drittel des Spiels war noch in vollem Gange und die Menge tobte, weil Mallery und Nosedive einen Angriff auf das Tor der Hellrats starteten. Cim trat an die Bande und beobachtete das Spiel, ohne es wirklich wahrzunehmen. Sie beneidete ihre Artgenossen, die sich frei und ohne Angst unter den Menschen bewegen konnten und auch noch Respekt und Anerkennung von ihnen ernteten.
Sie dachte an ihre erste Begegnung mit Menschen und ein heftiges, fast panisches Zittern bemächtigte sich ihres Körpers. Ihre Muskeln verkrampften sich und mit einem Mal fühlte sie sich unwohl unter all den Menschen. Erinnerungen stiegen in ihr auf. Erinnerungen, die nur Schmerzen und Leid bedeuteten. Erinnerungen an Augen voller Hass, an Gewalt und Ablehnung. Unwillkürlich huschte ihre Hand zu ihrem Gesicht, aber da war kein Schnabel, dessen Kerbe sie befühlten konnte und diese ernüchternde Erkenntnis riss sie aus der Welt des Vergangenen. In dieser Form war sie sicher.
Von plötzlicher Müdigkeit überwältigt, machte sie Kehrt und verließ die Eishalle, gerade als die Menge tobend aufsprang. Rufe der Bestürzung wurden laut, Pfiffe ertönten, Tumult brach los.

Der Stürmer der Hellrats hatte den Puck an sich gerissen und war unaufhaltsam auf dem Weg zu Wildwings Tor. Kurz nach der Mittellinie hielt Nosedive ihn auf. Er rempelte den Hellrat an und riss die Scheibe an sich. Sofort stürmte er in die Gegenrichtung und spielte den Puck um einen weiteren Hellrat zu Mallery, die er aus den Augenwinkeln ausmachen konnte. Das Tor kam zum Greifen nah, aber da war wieder der Stürmer der Hellrats. Er hatte Nosedive und Mallery überholt und griff Ersteren nun von vorne an.
Nosedive machte sich konzentriert auf eine heftige Kollision bereit, so entging ihm, wie der Hellrat den Griff seines Schlägers drehte. Nosedive erkannte das kalte Blitzen des Metalls erst, als es zu spät war. Er und der Hellrat kollidierten und scharfer Schmerz durchzuckte den Mighty Duck. Mit einem Ruck riss sich der Hellrat los, schnappte sich die Scheibe und fuhr wieder in den gegnerischen Raum. Nosedive presste sich die Hand mit dem dicken Handschuh auf die Taille und versuchte ihm zu folgen. Auf halbem Weg zum Tor seines Teams musste er schließlich doch aufgeben und brach zusammen.

Vom Lärm der Leute alarmiert, stellte Cim ihre Tasche ab und eilte zurück zur Bande. Die Hellrats hatten sich bei ihrem Tor zusammengerottet und blickten missmutig auf den Kreis in der Mitte des Eises. Dort standen die Mighty Ducks um einen von ihnen, der auf dem Boden lag.
Noch bevor sie anfing darüber nachzudenken, war Cim schon losgerannt. Auf Packworld hatte sie in einem Krankenhaus gearbeitet. Wenn einer hier die Anatomie einer Ente kannte, dann war sie das. Cim rannte auf den Eingang zum Eis zu und sprang über die, hier tiefere, Bande. Sicher landete sie auf den Füßen und schlidderte hinüber zu den Spielern.
"Lasst mich durch, ich bin Ärztin.", der Satz kam ihr so leicht über die Lippen, dass sie selbst kurz überrascht war. Nosedive war es, den sie auf dem Eis liegend vorfand. Sein Trikot begann sich an der Taille bereits rot zu färben, aber vom Mannschaftsarzt war nichts zu sehen. "Habt ihr keinen Mannschaftsarzt?", fragte Cim deshalb und kniete neben Nosedive nieder. "Der hat sich ausgerechnet heute entschuldigen lassen.", erwiderte Wildwing, dem die Sorge um seinen Bruder anzusehen war.
"Dann holt mir den Sani-Koffer und eine Iso-Liege.", orderte Cim, während sie Nosedives Puls checkte und seine Lider nach oben zog. Koffer und Liege wurden ihr gebracht und man legte Nosedive vorsichtig auf das weiche, warme Polster. Cim checkte Reflexe und Blutdruck, schnitt dann das Trikot auf und entblößte eine hässliche Wunde. "Was ist denn um Himmelswillen passiert?", fragte sie geschockt, drückte aber zugleich eine Kompresse auf die Wunde, um die Blutung etwas zu stillen.
"Er muss erst mal hier weg. Die Leute rasten aus.", erinnerte Duke alle daran, dass sie sich ja noch immer mitten auf dem Spielfeld befanden. Schnell wurde die Trage angehoben und in das Sanitätszimmer gebracht. Cim machte sich daran, die Wunde abzutasten und tatsächlich fanden ihre Finger einen Fremdkörper. Nosedive stöhnte bei jeder ihrer Berührungen schmerzvoll auf, also zog Cim eine Spritze mit einem starken Schmerzmittel auf. Wildwing beobachtete sie skeptisch und fragte bevor sie Nosedive die Nadel in den Arm stach: "Du weißt auch sicher die richtige Dosis? Ich meine, wir sind anders..."
Cim sah ihn kurz an, dann meinte sie: "Ich weiß so einiges.", und stach zu. Nosedive entspannte sich nach kurzer zeit und fiel in einen tiefen Schlaf. Cim zog sich sterile Handschuhe an und entfernte mit geübten Handgriffen den Fremdkörper. Für die kleine OP jagte sie die Ducks aus dem kleinen Zimmer. Mit den flinken Händen einer Ärztin, die in einem Krieg viele Leute zusammengeflickt hat, nähte sie die Wunde zu und legte einen sauberen Verband an.
Nosedive blinzelte bereits wieder müde in das grelle Licht des Arztzimmers. Cim half ihm sich vorsichtig aufzusetzen, da er über Schwindel klagte. Wildwing stand bereits wieder im Raum und beobachtete die junge Frau, wie sie Nosedives untere Lider herabzog und sogar die Schnabelränder checkte, ganz so, als hätte sie auf Packworld Medizin studiert. Eher aus Gewohnheit, denn aus Misstrauen, aktivierte Wildwing die Röntgenfunktion seiner Maske und starrte perplex hindurch.
Ihr Körper schien normal menschlich zu sein, aber ihr Kopf zeigte den gravierenden Unterschied: vor seinen Augen erschien deutlich ein zierlicher Schnabel am Schädel. Schnell blickte er zu Boden und auch hier erkannte er die typischen Füße seiner Art. Kein Zweifel, aber dieses Mädchen stammte von Packworld und sie hatte sich verdammt gut getarnt.  

Wird fortgesetzt!
Ciao Drachini
 
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