Totgeglaubt

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Elrond Erestor Galadriel Gandalf Glorfindel OC (Own Character)
06.07.2004
19.09.2019
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Hinweis: Diejenigen Kapitel, die bereits hochgeladen waren, werden gerade korrigiert und auch inhaltlich gibt es eine kleine Anpassung, um den die Geschichte ein wenig mehr "Canon" werden zu lassen. Die Kapitel, die noch fehlten, sind bereits gut vorangeschritten, womit die Geschichte endlich nach so langer Zeit sein Ende finden wird.



Prolog


- Gondolin im Jahr 510 E.Z. -


Das schier Unmögliche war tatsächlich geschehen. Um Mitternacht hatten die Gondolindrim ihre geliebte Stadt mit silbernen und bunten Lampen beleuchtet und schweigend hatten sie seit dem auf den Mauern ihrer Stadt gestanden, den Blick gen Osten gewandt und den Aufgang der Sommersonne erwartet. Es war Tarnin Austa, das Fest der Pforten des Sommers und bei Tagesanbruch hätten sie die Sonne mit freudigen Chören begrüßt. Doch während die Bewohner Gondolins den Aufgang der Sonne erwarteten, war von Norden her das schreckliche Heer Morgoths in das schöne Tal Tumladen eingefallen. Unbemerkt durchquerte das Böse, das sonst so friedliche Tal und da die Zinnen, die einen Blick über das gesamte Tal boten, nur schwach besetzt waren, konnten sich die dunklen Kreaturen an die prächtige Elbenstadt heran bewegen. Nur wenige Soldaten taten an jenem Morgen ihren Dienst, die Wachritte entlang des Waldes waren nicht angesetzt worden und so bemerkten die Elben die Armee Morgoths erst, als diese am Rand der ausgedehnten Äcker und Felder den Wald verließ. Sofort schlugen die Wachen Alarm und Turgon berief eine letzte Ratssitzung an als die Sonne sich zu erheben begann. Die Mehrheit der Herren der Häuser Gondolins, allen voran Glorfindel und Ecthelion rieten dem König dringlichst das dunkle Heer noch vor den Toren der Stadt anzugreifen. Doch am Ende folgte Turgon dem Rat seiner Schwester Sohn und wartete den Angriff ab. Selbst Morwen hatte den Hohen König der Noldor nicht überzeugen können, mit seinem gewaltigen Heer aus Gondolin zu ziehen und im Tal für die Befreiung Tumladens zu kämpfen.

Die meisten der Gondolindrim wunderten sich über den Angriff, war doch der Weg, der in die verborgene Stadt führte, nur wenigen bekannt. Zumindest hatten sie dies gedacht gehabt. Es war allgemein bekannt, das König Turgon nur sehr wenigen Gondolindrim erlaubt hatte, das Reich zu verlassen und jene, die den geheimen Pfad in das Tal Tumladen gefunden hatten, hatten das Reich nicht wieder verlassen dürfen. Mit diesem Wissen hatten sich stets in Sicherheit geglaubt und jenen, die hatten reisen dürfen bedingungslos vertraut. Nur zwei Elben war es jemals gestattet worden, das Tal zu verlassen, um Beleriand zu erkunden und den Kontakt zu den befreundeten Elbenreichen zu wahren. Jene Elben waren Mitglieder der höchsten Häuser Gondolins und genossen das Vertrauen des Königs und ganz Gondolins. Wie sehr sie sich doch in jenen einen Elben, der ihr geliebtes Lothengriol verraten hatte, getäuscht hatten. Doch nun eilten die Soldaten Gondolins zu den Waffen und mit ihnen auch alle Bewohner, die kampffähig waren, denn die Arme des Dunklen Feindes der Welt war groß und mächtig und kam mit viel verdorbenen Ungetier. Alle wollten sie die schönste aller Elbenstädte der Sterblichen Lande bis zum Letzten verteidigen. Die Mitglieder der edlen Familie wussten, wer sie verraten hatte, hatte doch Prinzessin Idril, die Tochter ihres Königs, diesen Verrat vorausgesehen: Maeglin, der Herr des Hauses des Maulwurfs. Die Herren der Häuser Gondolins erhielten ihre letzten Befehle von König Turgon, ehe sie die Soldaten ihrer Häuser und die Gondolindrim in den Kampf führten, stets hoffend zu obsiegen.

Die Stadtmauern waren stark und uneinnehmbar, wenn sie voll besetzt waren, doch die Tore und Türme waren, an jenem Festtag nur schwach besetzt gewesen und so konnte das Dunkle Heer rasch in die Stadt eindringen, nachdem das nördliche Tor durch eine gewaltige Angriffswelle mit Feuerdrachen zerstört worden war. Tapfer und furchtlos verteidigten die Gondolindrim ihre Stadt gegen das Heer Morgoths, welches aus Orkhorden, Balrogs, Wölfen und Drachen bestand. Eine wahre Übermacht hatten die Elben gegen sich, doch sie wollten sich nicht ergeben. Obschon das Haus des Hammers des Zorns bereits vernichtet und Duilin gefallen war, hatten sie Hoffnung, denn noch war der Platz des Königspalastes fern für das dunkle Heer. Niemals würden sie kampflos zulassen, dass Gondolin, das Ebenbild Tirions in den Sterblichen Landen, dem Feind zum Opfer fallen würde. Sie würden diese Stadt bis zum letzten Tropfen Blut verteidigen. Trotz ihres Kampfwillens, vermochten die Elben nicht zu verhindern, dass die Horden Morgoths mehr und mehr von Gondolin einnahmen, ein Platz um den anderen, ein Stadtteil um das andere, fiel in ihre Hände. So mussten sie nach langem Kampf die ersten Stellungen aufgeben, um ihre Position andernorts zu stärken. Nur so konnten sie die Bevölkerung schützen, die sich versteckt hielt und ihr eine sichere Flucht ermöglichen.

Viele von ihnen hatten mit ansehen müssen, wie der Hohe Herr Ecthelion, bei Sonnenuntergang im Kampf mit einem Balrog, auf dem Platz des Königs, gefallen war. Groß war die Wehklage des Hauses der Quelle und auch all der anderen, die im Kampf den Verlust von Freunden und Verwandten betrauerten. Doch zugleich wuchs mit jedem Gefallenen in den Überlebenden der Groll auf diese Kreaturen der Dunkelheit. Und der Groll wurde zu Hass, zu schier unermesslichen Hass auf diesen Dunklen Valar und seinen Kindern der Finsternis und der Wille zu kämpfen wuchs, wie eins die Türme dieser Stadt. Fluchend zogen sie in den Kampf und ließen ihren Schmerz freien Lauf. Sie kämpften wie Besessene und wären Menschen Zeuge dieser Schlacht, dieses Gemetzels geworden, so hätte sich der Ruf der Elben als unbarmherzige, kalte und brutale Krieger gemehrt und man wäre ihnen in späteren Zeitaltern mit noch mehr Furcht begegnet.

Dennoch konnten die Elben ihr geliebtes Lothengriol kaum halten, immer näher rückte der Feind und immer mehr Teile der Stadt fielen in die Hände der Finsternis. Ein Wehklagen durchlief die Reihen der Soldaten, als die Gärten der Goldenen Blume von Orks überrannt wurden. Ein stechender Schmerz durchfuhr auch Glorfindel bei dem Anblick, wie diese Trampeltiere, die einst Elben gewesen sein sollten, über die Blume seines Hauses stapften, sie zerdrückten und knickten, bis sie abgestorben waren. Durch die dunkle Macht, die die Orks umgab, hatte diese zarte Blume schnell all ihren Glanz und ihren Lebenshauch verloren. So wie einst die zwei Bäume, so war nun diese Blume aus den Gärten Valinors verdorrt und tot. Diese Blume war nicht nur die Blume seines Hauses gewesen, es war die Blume der Stadt, die seine Familie einst aus den Gärten Irmos erhalten hatte und die ihm anvertraut worden war. Er war so stolz gewesen, als der Valar Irmo selbst, ihm diese Blume in die Hand gelegt hatte. Damals hatte er geschworen, sie zu hüten, wie sein Leben und nun, war sie vor seinen eigenen Augen gestorben, er hatte sein Versprechen nicht halten können, weil Morgoth dieses Reich hatte vernichten wollen.

Glorfindel schickte ein Stoßgebet an Irmo, um für sein Versagen, Vergebung zu erlangen. Währenddessen eilte Gwindor, einer der Offiziere aus dem Haues der Harfe, gerade auf den Hauptmann zu, um sich über die Lage zu informieren, doch Glorfindel bekam in diesem Moment ein ganz anderes Problem: ein Balrog, der seine Männer zu attackieren begann und ihn somit von dem schmerzlichen Bild ablenkte, welche die Stadt nun bot. Gwindor, anders als sein Herr Salgant, focht mit den Elben des Hauses der Harfe tapfer und gemeinsam bekämpften sie die Bestie.

„Wo sind die Verstärkungstruppen?“, fragte Glorfindel, schon vor geraumer Zeit hatte er um Verstärkung für diesen Teil der Stadt, de Archiven des Wissens, gebeten. Er würde bis zum letzten Mann kämpfen, denn er wusste, dass sich in den Archiven Morwen aufhalten musste, war sie doch die Oberste Archivarin des Königs und wenn ihr ein Leid zugefügt würde, würde er sich dies bis zum Ende aller Tage und darüber hinaus nicht verzeihen können.

Der Herr des Hauses der Goldenen Blume wirkte trotz der, bereits seit dem Morgen andauernden Kämpfe noch immer so strahlend, als hätte er sich gerade erst für den Kampf gerüstet. Sein goldbestickter Mantel schien eins mit seinem ebenso goldenen Haar zu sein. Seine Rüstung glänzte beinahe so, als hätte er sie gerade erst angelegt. Wären da nicht die Blutspuren der Orks und Wölfe, die die strahlende Sonne seines Schildes befleckten, man hätte wahrlich nicht geglaubt, dass Glorfindel von Gondolin seit Sonnenaufgang ohne Unterlass auf seinem Schlachtfeld stand.

Gwindor, der nun neben dem Hauptmann zu kämpfen begann, bewunderte Glorfindel zu tiefst, auch wenn er ihm noch nie persönlich begegnet war, so verehrte er ihn. „Ich weiß nichts von Verstärkungstruppen, mein Herr Glorfindel. Doch nachdem mein eigentlicher Herr Salgant sich in seinem Haus verbarrikadierte und sich weigerte seine Truppen in die Schlacht zur Errettung unserer Stadt zu führen, habe ich beschlossen, die Männer des Hauses der Harfe, die bereit waren mir zu folgen, an die Seite der übrigen getreuen Häuser zu führen. Wir werden eure Befehle befolgen bis in den Tod, wenn es das Schicksal so will.“

Glorfindel traute seinen Ohren nicht, Salgant, dieser schwammige Herr des Hauses der Harfe, der mehr aus Feigheit, als aus Mut bestand, hatte Gondolin, hatte damit Turgon verraten. „Nun gut Gwindor, dann seien die tapferen Männer des Hauses der Harfe, Männer meines Hauses, folgt mir und ihr seid frei aus der Schande die Salgant über euer Haus brachte.“ Er konnte es nicht fassen, er musste hören wie ein Elbenfürst sich feige einschloss, er musste mit ansehen, wie seine geliebte Stadt nach und nach dem Erdboden gleich gemacht wurde. Er wünschte sich, dass dies alles nicht geschah, es sollte wieder so sein wie früher, dann könnte er in fünf Monaten in seinem Garten, unter einem Dach aus der Goldene Blume, den Bund mit seiner Liebsten eingehen – in Frieden. Doch jäh wurde er wieder in die Realität zurückgeholt, als die Feuerpeitsche des Balrogs um die Soldaten seines Hauses zischte ihn selbst nur knapp verfehlte und stattdessen seinen Mantel leicht versengte.

„Ich verfluche Morgoth und all seine Geschöpfe.“, zischte er dem Balrog entgegen und schickte einen erneuten Pfeilhagel auf das Ungeheuer vor ihm. Dieser zuckte aber nur kurz und holte, begleitet von einem grollenden und markerschütternden Gebrüll, erneut mit seiner Peitsche aus und versuchte den Herrn des Hauses der Goldenen Blume zu treffen. Nur knapp entging Glorfindel dem Peitschenhieb, dieser teuflischen Kreatur Morgoths, die unter all seinen Geschöpfen wohl das Schlimmste war, das jemals in den Dienst des Schwarzen Valar getreten war um Arda allein dessen Willen zu unterwerfen.

Plötzlich jedoch schrie der Balrog schmerzlich auf, mehrere Pfeile mussten ihn an einer empfindlichen Stelle getroffen haben, denn er wich nun endlich ein ganzes Stück zurück. Wenig später prasselte ein neuer Pfeilhagel auf dieses Ungetüm ein und zwang diese Ausgeburt der Finsternis sich weiter zurückzuziehen. Glorfindel sah sich nach der Quelle der unverhofften Rettung um und entdeckte etwas oberhalb seiner eigenen Stellung, eine Gruppe junger Elben unter dem Kommando seiner Verlobten. Morwen war erst vor wenigen Minuten mit den jungen Elben, die erst vor wenigen Jahren ihren 100. Empfängnistag begangen haben konnten, auf das Schlachtfeld gezogen, denn genau das war Gondolin seit diesem Morgen.

Sie hatte aus ihrem Versteck im südlichen Teil des Archiv-Viertels flüchten müssen, nachdem sich Orks genähert hatten und sie hatte mit ansehen müssen, wie diese Bestien wehrlose Elbinnen und ihre Kinder, die sich noch in Sicherheit bringen wollten, brutal abgeschlachtet und ausgeweidet hatten. Nur durch Zufall hatte sie sich, auf den Weg in ein sichereres Versteck, in einem Gang verirrt, von wo aus sie die Stadt erblicken konnte. Sie hatte mit ansehen müssen, wie Turgon, der König von Gondolin und der Hohe König der Noldor, erschlagen worden war. Wut und Zorn stieg in ihr auf, doch auch Sorge und Angst um Glorfindel. So beschloss sie, in die Schlacht zu ziehen und rief nach weiteren Freiwilligen für den Kampf, als sie im Versteck von Idril ankam. Sie hatte der Prinzessin vom Verlust ihres Vaters berichtet und ihr geraten, sich für die endgültige Flucht mit den Überlebenden vorzubereiten und kampfbereite junge Elben hatte sie danach zur Schlacht geführt. Sie waren nur eine kleine Gruppe von zwanzig Elben, die zunächst eine Gruppe von Orks, die sich hinter dem Rücken der kämpfenden Truppen, an die Soldaten anschleichen wollten, ins Jenseits befördert hatten und nun auch in die Schlacht um ihre Heimat kämpften und dies keine Minute zu früh.

In diesem Moment war er unendlich froh darüber, dass sie so hervorragend mit elbischen Waffen jeglicher Art umgehen konnte. Auch wenn er sie lieber irgendwo in Sicherheit wissen würde, war er doch erleichtert, dass sie jetzt hier war und das Heer Gondolins unterstützte und vor allem, dass es ihr gut ging. Er lächelte ihr dankend zu, ein wahrlich bizarres Bild in einer solchen Schlacht, bevor er mit seinem Trupp eine weitere Gruppe Angreifer, die sich vor dem Balrog gestellt hatte, zur Strecke brachte. Danach schickte er gemeinsam mit Morwens Einheit und den Männern des Hauses der Quelle, des Hauses der Harfe und seinen eigenen Soldaten dieses Ungetüm ins Jenseits.

Tuor, der in der Nähe von Glorfindel kämpfte, ließ für einen Moment, seinen Blick über die eigenen Truppen gleiten und entdeckte auf der Stadtmauer drei Gestalten. Er konnte nicht erkennen, wer es war, dafür waren seine menschlichen Augen nicht scharf genug, doch was er sah, zeigte ihm, das zwei der Flüchtenden nicht freiwillig mitgingen. Ahnend wer die Flüchtenden waren, eilte er zur Stadtmauer. Er schlich sich nach oben und dann erkannte er die Elben sofort.

Idril, hatte auf dem Weg weitere Überlebende zu finden, mit ihrem Sohn ihr bisheriges Versteck verlassen und war unglücklicherweise Maeglin in die Arme gelaufen. Sie wehrte sich gegen ihn, bespuckte ihn und wollte sich schützend vor Earendil stellen. Sie verabscheute ihn, wusste sie doch, dass er für diese Schlacht mitverantwortlich war.

„Maeglin“, zischte Tuor kalt. Dieser Verräter hatte es gewagt, seine Gemahlin und seinen Sohn entführen zu wollen. Er war Schuld, dass er seinen König, seinen Schwiegervater und Freund verloren hatte und er war Schuld, dass Gondolin kurz vor dem Untergang stand. All seine Wut auf diesen … diesen …, er konnte nicht einmal ausdrücken, was er für diesen Elb, der sein eigenes Volk verraten hatte, empfand, kam nun zum Vorschein und entlud sich wie ein Vulkan.

„Bleib stehen und gib sie frei.“, fauchte er Maeglin entgegen. Dieser drehte sich zu ihm um und blickte ihn mit eisigen Augen an. Idril, hielt ängstlich ihren schluchzenden Sohn schützend in ihren Armen. Sie fürchtete sich vor ihren Cousin und auch sie empfand nur noch Hass für ihren Vetter, der ihre Heimat, ihr Volk und ihre Familie so schändlich verraten hatte und so mitverantwortlich für den Tod vieler, zu vieler unschuldiger und tapferer Elben geworden war.

„Nein, sie gehört mir.“, Maeglins Stimme klang voller Hohn über Tuor. War dieser doch nur ein sterblicher Mensch und in seinen Augen in keiner Weise würdig im Bund mit Idril, einer Elbin aus höchstem Hause der Noldor, dem Hause Fingolfin, zu leben. Doch Tuor ließ sich dies nicht gefallen, denn er war stolz und konnte es auch sein, hatte er doch immer treu im Dienste Turgons gehandelt und außerdem war selbst Ulmo, ein Valar, ihm wohlgesonnen und hatte ihm den Weg nach Gondolin gewiesen. Er forderte Maeglin zu einem Kampf auf Leben und Tod heraus. Der Sieg sollte darüber entscheiden, wer würdig war zu leben.

Wenig später kämpften die beiden gegeneinander. Es war ein harter und schwerer Kampf, denn niemand wollte nachgeben. Laut klirrend fielen die Schwerter aufeinander, Funken schlugen aus und beide vergaßen alles um sich, nur ein Ziel vor Augen habend: einen Sieg, der mit dem Tod des jeweils anderen enden würde. Ein Tod auf alle Zeit für Tuor oder aber das qualvolle Warten in den kalten Hallen von Mandos auf ein Urteil, für Maeglin. Nach einiger Zeit jedoch gewann Tuor die Oberhand, doch Maeglin wollte nicht aufgeben, seiner Meinung nach gehörte Idril ihm, ihm allein. Er wollte sie haben, schon immer hatte er sie begehrt, doch wurde er nie von ihr erhört. Nur hatte er eines vergessen, Idril liebte ihn nicht und würde es niemals.

Schon vor langer Zeit hatte die Tochter vorausgesehen, das Maeglin Gondolin verraten würde und nun hatte er es wirklich getan. Ein letztes Mal zog sich alle Wut Tuors in ihm zusammen und mit einem letzten kräftigen Hieb stürzte er den Feind von der Stadtmauer und in den Tod. So fand auch Maeglin den Tod an derselben Stelle, wie eins sein Vater vor langer Zeit und genau so wie dieser es seinem Sohn prophezeit hatte. Dreimal schlug er an den Felsen der Mauer auf, ehe er am Boden zerschmettert den Tod und den etwas anderen Weg in den Westen fand. Nun lag das Schicksal Maeglins in den Händen von Mandos, nun war es an den Valar zu entscheiden, was aus ihm werden sollte.

Nachdem Tuor hinter Maeglin her geschaut hatte, schloss er seine geliebte Gemahlin und seinen Sohn in seine Arme. Er strich zärtlich über den dunklen Haarschopf Earendils, um ihn zu beruhigen. „Idril, ich sage es nur ungern, aber wir können die Stadt nicht mehr lange halten. Die Soldaten kämpfen erbittert, wollen nicht weichen, doch der Feind ist in der Überzahl. Ecthelion, dein Vater und so viele unserer Freunde sind gefallen und mit ihnen viele des Sternenvolkes, zu viele und es werden mehr, mit jeder Stunde die wir hier kämpfen. Mandos wird bald nicht mehr wissen, wohin mit ihnen. In einem kleinen Saal hier in der Nähe, verschanzen sich die letzten Überlebenden und die letzten Krieger versammeln sich um Glorfindel, der die Führung derer übernommen hat, die ihren Herren im Kampf verloren haben. Idril, wir müssen fliehen.“ Dies waren die schwersten Worte, die er jemals hatte sagen müssen, denn er wusste, wie stolz seine Gemahlin auf das Reich ihres Vaters war, dessen Erbe sie nun war und das so lange verborgen vor den Augen des Schwarzen Valar existiert hatte und gediehen war, doch nun war das stolze Ebenbild Tirions nur noch ein rauchendes Trümmerfeld. Was ehemals strahlender Marmor war, war nun geschwärzt vom Feuer der Drachen und Balrogs, dem Blut der Orks und auch blutbefleckt von den gefallenen Elben Gondolins, die nicht einmal ein anständiges und ehrenvolles Begräbnis erhalten würden. Er frage sich, wie viele Elben, in diesem Kampf noch den Tod finden würden, doch er wusste, solange Glorfindel, der Goldene, erbittert kämpfte, würden es auch alle anderen.

Idril sah ihn an, als würde sie durch ihn hindurchschauen und blickte auf die Stadt, auf ihre Stadt, hinunter. Sie sah auf einem der großen Plätze Glorfindel und seine Männer, wie sie kämpften, obwohl sie schon längst am Rande ihrer Kräfte angelangt waren. Sie erkannte sogar Morwen, die an seiner Seite kämpfte. Sie sah die vielen jungen Elben, die ihr Leben noch vor sich hatten und nicht nach hundert Jahren, kaum erwachsen, bereits Mandos gegenüber treten sollten. Tränen schwammen in ihren Augen , Tränen der Trauer, der Wut, des Zorns. Sie wollte ihr Volk retten, sie musste es retten, den sie war nun Königin von Gondolin und sie würde ihrem Vetter Gil-galad mitteilen, dass es nun an ihm war, Hohe König der Noldor zu sein.

„Tuor, du kennst den Weg.“, ihre Stimme klang unglaublich stark in diesem Augenblick, in dem sie die Gewissheit hatte, dass Gondolin für immer verloren war. Tapfer schluckte sie die Tränen herunter, die sich bis eben noch den Weg über ihre Wangen bahnen wollten. Tuor schloss seine Gemahlin und seinen Sohn in die Arme, dann schickte er sie fort, die anderen zu holen und zum Geheimpfad zu führen. Er selber eilte wieder zu den wenigen die noch immer tapfer kämpften. Sie hatten sich um Glorfindel und Morwen gescharrt und versuchten zu retten, was zu retten war. Er sah die beiden und wusste, sie würden ihr Leben für dieses Stückchen Land geben, doch er sah auch in ihren Augen, dass sie sich eingestehen mussten, was sie nicht wahr haben wollten: Gondolin war dem Untergang geweiht.

„Glorfindel, wir müssen hier weg. Wir können Gondolin nicht länger halten. Bei einer günstigen Gelegenheit folgt mir.“

Glorfindel weigerte sich, er wollte gerade mit Tuor diskutieren, obwohl er die Sinnlosigkeit ihres Kampfes sah, wollte er nicht aufgeben. Er war zu stolz, um sich von diesen Kreaturen des Bösen besiegen zu lassen. Als ihm jedoch klar wurde, dass sich in der Nähe die letzten überlebenden Gondolindrim verschanzten und unter diesen Umständen, keine sichere Flucht für sie möglich war, gab er nach, wenn auch widerwillig und nur auf Befehl.

„Das ist ein Befehl, im Namen unserer Königin.“, Tuors Stimme klang unmissverständlich. Er blickte Morwen an und nickte ihr zu, Wenig später ebbte der Angriff etwas ab, das war die Gelegenheit, für die letzten Kämpfer zu fliehen. Sie eilten, geführt von Tuor zu einem geheimen Tunnel, wo sie auf Idril, Earendil und einige wenig hundert Gondolindrim stießen. Glorfindel sah die wenigen Überlebenden, es konnte kaum mehr als fünfhundert sein und verfluchte innerlich, wie schon so oft in den letzten Stunden, erneut das Böse, das durch Morgoth Arda vergiftete. Er konnte es nicht glauben, sie mussten tatsächlich fliehen. Obwohl sie tapfer gekämpft hatten, konnten sie ihre Heimat nicht beschützen, der Feind war zu übermächtig und nun wurden die letzten Überlebenden in die Flucht getrieben. Sie mussten ihre geliebte Stadt verlassen, nach der Flucht über die Helcaraxe, war die ein weiteres tragisches Schicksal in ihrer aller Leben. Für ihn wurde ein schrecklicher Albtraum wahr, nie wieder würde er in den Gärten Gondolins mit Morwen spazieren können. Er würde niemals seinen Kindern die Schönheit dieser Stadt zeigen können. Den einzigen Lichtblick er Hoffnung bot ihm die Gewissheit, dass auch Morwen überleben würde, so konnten sie wenigstens an einem anderen Ort zusammenleben und in ihrer neuen Heimat die Goldene Blume seines Hauses pflanzen, denn die Samen trugen beide immer bei sich, seit sie einander versprochen hatten, den Bund einzugehen.

Er hätte sie früher fortschicken sollen, doch wie alle Gondolindrim, wäre sie mit Sicherheit nicht gegangen, zu sehr liebte sie dieses Stückchen Beleriand. Sie hätte darauf bestanden an seiner Seite zu bleiben, bis zum bitteren Ende. Morwen hatte in den letzten Stunden von Gondolin tapfer und ausdauernd gekämpft und damit wieder einmal bewiesen, wie sehr ihr das Wohl anderer wichtig war, wichtiger als ihr eigenes. Doch nun musste auch sie fliehen, genauso verzweifelt darüber wie Glorfindel und alle anderen die überlebt hatten.

Sie mussten sich beeilen, denn der Feind war ihnen noch immer dicht auf der Spur und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ihre Fährte aufgenommen hätten. Alle liefen um ihr Leben, viele noch immer kampfbereit, jederzeit in der Lage den Feind niederzustrecken, sollte er ihnen erneut den Weg versperren. Gerade hatten sie die Cirith Thoronath, einen engen und gefährlichen Pass, erreicht, als unerwartet eine Horde Orks, angeführt von einem Balrog, hinter ihnen auftauchte und auch die letzten Elben Gondolins zu töten.

„Die werden wohl nie aufgeben.“, zischte Glorfindel sarkastisch und schickte sich an, mit seinen Männern die Orks in die Hölle zu schicken. Während die Adler und einige Soldaten sich über die Orks hermachten, bereitete sich Glorfindel auf einen größeren Kampf vor. Einen Kampf, wie ihn sein bester Freund Ecthelion am Vortag geführt hatte. Die Flüchtenden, geschützt durch eine große Einheit Soldaten, rannten nun noch schneller um ihr Leben, nur Morwen wollte nicht, denn sie sah, wie sich ihr Liebster zum Kampf bereits machte und sie ahnte was er vor hatte und wollte bleiben.

„Morwen flieh! Bitte geh mit Königin Idril und Tuor.“, schrie Glorfindel ihr zu, der sich dem Balrog entgegenstellte.

„Glorfindel, nein. Ich verlasse dich nicht, niemals.“, in ihrer Stimme klang die absolute Verzweiflung mit und Glorfindel wusste, dass sie ihn niemals verlassen würde. Wieder einmal war ein Moment der schmerzlicher nicht sein konnte, in dem sich unendliche Liebe zeigte. Warum musste dies nur alles geschehen, warum gerade jetzt und warum so? Dies waren seine Gedanken, die Glorfindel seit dem Angriff auf Gondolin immer wieder heimgesucht hatten und ihn einfach nicht in Ruhe ließen. Doch dieses Mal würde er sie nicht hier haben wollen, dieses Mal würde er sie fortschicken, egal wie sehr sie sich widersetzen würde. Auf keinen Fall durfte sie sterben. Ein letztes Mal, berührte er ihr Gesicht, streichelte zärtlich über ihre Wange und hauchte einen letzten zarten Kuss auf ihre bebenden Lippen.

Eindringlich sprach er auf sie ein, es klang beinah wie ein Befehl: „Morwen, ich will, dass du fliehst. Ich will dich in Sicherheit wissen und komme später nach.“, beruhigte Glorfindel seine Liebste und schicke sie, Morwens Stirn zum Abschied küssend, mit den anderen mit, fort von dem nun nahenden Kampf und er ahnte, es würde sein letzter Kampf werden, denn er hatte miterlebt, wie sein Freund Ecthelion in die Hallen von Mandos gezogen war, nachdem dieser den Balrog im Alleingang getötet hatte. Nur Sekunden später begann tatsächlich sein eigener Kampf gegen den Balrog, der sein Balrog werden würde, so wie Gothmog Ecthelions Balrog gewesen war. Er kämpfte lange und gab nicht auf, niemals würde er es zulassen, dass dieses Ungeheuer seinem Volk etwas antun würde. Stundenlang kämpfte er gegen dieses Scheusal aus Feuer. Er wollte sich rächen für den Untergang Gondolins und für die vielen Toten unter denen auch viele seiner Freunde waren und was für ihn noch schlimmer wog, auch seine Familie, sein Bruder und seine Schwester und deren Gefährten und Nachkommen, hatte er nicht retten können. Er war nun der Letzte seines Hauses und er würde allen anderen folgen, sobald dieser Kampf vorüber war, seine Wunden schmerzten und er spürte, dass sie tief waren in sein Fleisch schnitten. Er wollte Rache für den Verrat an Gondolin und seinen Bewohnern. Doch irgendwann fühlte er seine Kraft schwinden und sah nur noch einen Ausweg. Er trieb den Balrog weiter an den Abgrund, bis dieser in die Kluft stürzte, aber mit dem Balrog stürzte auch er, denn dieser Diener Morgoths griff mit seiner Peitsche nach ihm und riss Glorfindel mit sich in die Tiefe der Schlucht, wo sein Körper zerschellte und seine Seele die Reise in die Unsterblichen Lande antrat.

Sein Volk und die, die er liebte zu schützen, stürzte er in den Tod. Dieses Mal hatte er Wort gehalten, er hatte verhindert, dass dieses Ungeheuer den Gondolindrim Schaden zufügen würde, auch wenn er dabei sein Leben opfern musste. Alles hatte seinen Preis und er war bereit, den seinen zu zahlen. Glorfindel, der Herr des Hauses der Goldenen Blume von Gondolin, war im Kampf gegen einen Diener des Schwarzen Valar gefallen.

Nach dem Kampf bargen die Adler den toten Körper des Helden aus der Schlacht und Morwen, die mit hatte ansehen müssen, wie er den Tod gefunden hatte, bestattete ihn zusammen mit Tuor, Galdor und einer Hand voll Soldaten, die geblieben waren, um die Orks aufzuhalten und ebenfalls überlebt hatten. Als letzte Erinnerung nahm Morwen das Banner seiner Familie, welches er verborgen unter seiner Rüstung trug, an sich, streute ihrerseits die getrockneten Blütenblätter der Blume seines Hauses auf sein Grab und ein paar wenige Samen dieser prachtvollen Blume. Ein leises Klagelied hallte in der Schlucht wieder, ehrte den Helden des Ersten Zeitalters und sollte den Schmerz der Trauernden lindern. Unter einem Hügel aus Stein ruhte seine lebloser Körper und darauf spross saftiges Grün und die Blume Gondolins, solange Beleriand existierte. Morwen hatte Abschied genommen von ihm und von ihrem Leben, das nun leer und ohne Sinn war.

Glorfindels Seele kehrte ein in die Hallen von Mandos, wo sie geheilt und gereinigt wurden von fast allen Qualen und Schmerzen. Von Manwe mit einem neuen Leib ausgestattet, der eine Kopie seines vorherigen Körpers war, wandelte er in den Unsterblichen Landen, nicht wissend, ob Morwen überlebt, ob sie wirklich geflohen war oder ob sie später doch noch den Tod gefunden hatte.

Morwen in tiefer Trauer, wanderte von nun an in den Sterblichen Landen umher. Ein letztes Mal kehrte sie nach Gondolin zurück, wanderte in den verlassenen Ruinen umher und barg einige wenige Stücke aus dem Hause Glorfindels und eine Schatulle mit Haarschmuck, die ihr Vater vor ihrer Geburt für sie gefertigt hatte. Den Dolch den ihr Vater einst ihrer Mutter gelassen und den Morwen ihrem Liebsten geschenkt hatte, das von Glorfindels Hand geschrieben Buch voller Poesie, welches das Feuer wie durch ein Wunder überstanden hatte und in einer dunklen Ecke versteckt, gedieh die letzte der Goldenen Blumen Gondolins. Vorsichtig versetzten sie die unglückliche Elbin die zarte Pflanze und barg sie in einer Truhe mit durchbrochenen Deckel. Die Blume Lóriens gedieh, auch wenn sie nicht mehr wachsen wollte, so lebte sie und vermochte Morwen ein wenig Halt in diesen schweren Stunden zu geben. Sie hatte sie in die Fallas getragen, wo sie die Truhe mit der Blume Earendil überließ, der sie später seinen Söhnen hinterlassen hatte und Elrond sollte eines Tages die Pflanze nach Imladris tragen.

Die Jahre gingen an ihr vorüber, wie die Zeit an einem stummen Stein. Für sie gab es nichts in dieser Welt, was ihr Leben lebenswerter machen konnte. Zu Anfang war sie Idril und Tuor gefolgt, doch sie fand kein Glück mehr. Viele Male hatte sie gehofft einfach zu schwinden, um Glorfindel in die Hallen von Mandos folgen zu können, doch nicht einmal dies wurde ihr gestattet. Sie fühlte sich dazu verdammt in dieser Welt zu wandeln und ein Leben ohne Sinn und Inhalt zu führen. Selbst die Aufgaben, die man ihr übertrag, halfen ihr über den Schmerz über seinen Verlust nicht hinweg.

Vierzig Jahre nach Glorfindels Tod, zog Morwen mit dem Heer von Valinor in die Große Schlacht um erneut gegen jenes Böses zu kämpfen, welches ihr Leben auf alle Zeit zerstört hatte. Es war eine grausame Schlacht, fast alle Elben, die aus Aman gekommen waren, das Böse zu bekämpfen, ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld, welches das Ende des Ersten Zeitalters besiegelte. Warum mussten die Valar anderes mit ihr im Sinn haben? Am Ende wurde Beleriand zertrümmert und versank in den Wellen des Belegaer. Damit war auch Gondolin für immer verloren und die letzte Ruhestätte Glorfindels in der Tiefe der See und für Morwen unerreichbar.

Die Elben zogen nach Lindon, dem letzten Stück Beleriands bis zur Ered Luin und später weiter in den Osten, wo neue Reiche gegründet wurden. Nach der Schlacht verließ Morwen jedoch ihr Volk und wanderte von nun an allein durch Mittelerde und ward nur noch sehr selten gesehen. Die Völker, deren Weg sie kreuzte, erzählten sich Gerüchte, über die traurige Elbin mit den schwarzen Haaren. Gerüchte, die mit den Jahrhunderten zu Legenden wurden, doch allein die Valar wussten stets wo sie war und wahrten ihr Geheimnis, denn es würde der Tag kommen, an dem sie wieder vereint sein sollte mit dem Sternenvolk.
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