An Dich.

GeschichteRomanze / P6
24.06.2004
24.06.2004
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An Dich.

Ich glaubte es zu kennen, dieses Gefühl, von dem jeder spricht. "Der Sinn unseres Lebens", wie manche sagen. Ich habe danach gesucht, lange schon, habe so oft geglaubt, es gefunden zu haben und wurde doch enttäuscht. Es dauerte nicht lange, und dann war es vorbei, hatte die Sehnsucht ihr Ende gefunden und einer unbefriedigenden Unruhe Platz gemacht. So oft schon.
Wer sagt mir, dass ich es jetzt gefunden habe? Wer sagt mir, dass du es bist, den ich immer neben mir haben möchte? Niemand.
Auch du kannst mir das nicht sagen. Und das ist gut so.
"Wenn du es fühlst, weißt du es einfach", hat mir mal jemand gesagt. Ich habe darüber gelacht, weil ich schon so oft falsch gewusst hatte.

Neulich fühlte ich plötzlich, und wusste, was sie damit gemeint hatte.
Es ist Angst. Angst vor dir, vor deinem Wissen und Nichtwissen. Angst vor deinen Entscheidungen.
Es ist Schmerz. Schmerz, wenn du etwas weißt und mir vorhältst, es nicht zu wissen. Schmerz, wenn du etwas nicht weißt und unwissend und naiv drauflos schneidest mit deinen Worten. Schmerz, wenn du Entscheidungen triffst und unbewusst deine Macht austestest. Schmerz, weil es dich gibt, weil du einfach da bist und mich gefangen hältst.
Es ist Trauer, wegen dem, was du glaubst zu wissen, was du denkst, und weil ich nicht stark genug bin, dir zu sagen, dass du Unrecht hast.
Und es ist Unsicherheit. Die Ungewissheit, wie lange es andauert, wie lange ich es halten kann, wie lange DU es halten kannst, dieses Gefühl.
Alles das ist dieses Gefühl.

Ich bin niederträchtig, weil ich nachtragend bin, weil ich dir einiges insgeheim nicht verzeihen kann, mich an dir räche dafür, was du gesagt hast, obwohl du es nur gut gemeint hast. Weil ich dir unwissend und doch unbewusst absichtlich Dinge erzähle, die dich eifersüchtig machen. Weil ich zu stolz bin, dir zu zeigen, wenn ich verletzt bin, und stattdessen mit Trotz reagiere. Weil ich nicht will, dass du siehst, wenn ich weine.
Und dann tut es mir leid.
Und dann kommt da wieder Angst. Angst, dass es dir irgendwann reicht, dass du genug haben könntest von mir, von dem, was ich erzähle. Angst, nie wieder das fühlen zu dürfen, was mich ergreift, wenn du da bist, ganz nah bei mir. Wenn du redest, erzählst oder einfach nur still bist und mich ansiehst.
Denn es ist auch das, was dazu gehört. Es ist Freude darüber, weil es dich gibt, weil du mich anscheinend so nimmst wie ich bin, weil ich ich sein kann. Weil wir Spaß haben, uns kindlich und naiv benehmen können, wenn wir allein sind. Weil du das bist, was mir bis jetzt fehlte.
Und diese Freude übertrifft alles. Für den Moment und oft auch dauerhaft.

Liebe ist kein einzelnes Gefühl, es ist eine Mischung aus allem und so gegensätzlich, dass man scheitern muss, wenn man sie analysieren wollte. Und das habe ich mit dir gelernt und lerne es noch immer. Ich danke dir dafür. Und ich danke dir dafür, dass du es mit mir aushältst.

Ohne dich bin ich nur halb. Neben dir verblasst jeder Spaß, den ich mit anderen habe. Mit dir möchte ich alt werden.
Ich danke dir, für dein Verständnis, deine Zuneigung, deine Zärtlichkeit. Dafür, dass du bei mir bist und ich bei dir sein darf. Dafür, dass du einfach da bist.

Verzeih mir die Fehler, die ich gemacht habe und noch machen werde, die Entscheidungen, die ich treffe, und meine Gefühlsduselei, die mich dazu brachte, das hier zu schreiben.
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