Carpe Diem!

von Lexana
GeschichteAllgemein / P18
Clark Kent Cloe Sullivan Lana Lang Lex Luthor Pete Ross
18.06.2004
20.06.2004
7
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Chloe stand vor ihrem Spiegel und zupfte an ihren Haaren herum. Nur wenige Sekunden später wuschelte sie sich mit beiden Händen durch das Haar, betrachtete sich nochmals genauer und nickte dann zufrieden.
Lana beäugte die Situation kritisch und zog die linke Augenbraue hoch, als Chloe zufrieden zum Schrank wanderte, um sich umzuziehen.
"Ich kenne diesen Blick!", erklang ihre Stimme, während sie im Schrank nach etwas suchte und Lana fragte sich ernsthaft, wie sie gesehen haben konnte, was für ein Gesicht sie zog. Immerhin stand sie mit dem Rücken zu ihr.
"So guckst du immer, wenn etwas nicht in deine perfekte Welt passen will", ergänzte Chloe und zog einen pfirsichfarbenen Pullover aus dem obersten Schrankfach.
"Meine perfekte Welt?" Überrascht und auch ein wenig gekränkt legte die junge Brünette den Kopf schief und versuchte am Rücken ihrer Freundin zu erkennen, wie sie das gemeint hatte.
Chloe streifte sich den Pullover in aller Seelenruhe über den Kopf, wuschelte sich nochmals durch das Haar und schritt dann an Lana vorbei zum Spiegel, um sich ein letztes Mal zu begutachten.
"Du bist derart auf Perfektion aus, dass du nicht ein Mal spontan sein kannst."
"Ich bin spontan!", protestierte sie und erntete einen Blick von Chloe, der Bände sprach.
"Spontan? Für dich besteht Spontanität also daraus, sich perfekt auf die Kleidung abgestimmten Lippenstift aufzutragen, jeden einzelne Strähne deines ach so perfekten Haares in die richtige Position zu kämen und mit den perfekt zur Kleidung abgestimmten Schuhen das Haus so pünktlich zu verlassen, um jeden Morgen exakt zur gleichen Zeit im Talon aufzuschlagen? Wow, das nenn ich echt spontan!"
Lana sah Chloe mit großen Augen an, so dass es der Blondine fast schon wieder leid tat, dass sie etwas gesagt hatte. Aber in letzter Zeit ging ihr diese perfekte Fassade hinter der sich Lana Lang versteckte, mächtig auf den Geist.
Sicher hatte Lana ihre Probleme damit, dass Chloe immer mehr Aufmerksamkeit seitens Clark erhielt. Eine Tatsache, derer Chloe sich zwar bewusst war, aber die sie noch immer nicht so ganz glauben konnte. Aber war das ein Grund noch verklemmter und noch penibler zu werden?
Sie schüttelte kurz den Kopf und sah dann ihre Freundin an, die sie immer noch fassungslos anzusehen schien.
"Hör zu Lana, ich weiß, dass meine Worte nicht unbedingt nett sind, aber ich kann einfach nicht mehr mit ansehen, wie du dich immer mehr hinter einer Fassade von Perfektion verkriechst und dabei vergisst, wie es ist zu leben. Niemand wartet auf eine Puppe oder die perfekte Lana. Du musst mehr aus dir herausgehen."
"Ich bin keine Puppe!", zischte ihre Freundin bedrohlich und zog die Augenbrauen zusammen.
Chloe schien einen wunden Punkt getroffen zu haben und fühlte sich trotz der misslichen Situation zufrieden.
"Nein? Dann beweiss es uns doch! Sei spontan. Tu etwas, was du sonst nie tun würdest!", forderte sie Chloe heraus und legte den Kopf schief.
Lana presste die Lippen zusammen und fuhr sich wild durch ihr Haar, was anschließend zerzaust über ihre Schultern hing.
"Ein Anfang", kommentierte Chloe den abwartenden Blick.
Entschlossen und wütend drehte die junge Brünette auf dem Absatz um und verließ das Zimmer.
Doch noch während sie die Treppe hinunter lief, strich sie sich über die Haare, um alles wieder in Ordnung zu bringen. Chloe mochte sagen, was sie wollte, aber sie würde nicht derartig verunstaltet auf die Strasse gehen, zudem hatte sie nicht mit einer der Anschuldigungen Recht.
Sie konnte spontan sein. Sie wollte nur nicht.
Als sie die Stufen der Veranda hinunter lief, um den Weg zum Talon einzuschlagen, hörte sie Chloes Stimme aus dem ersten Stock: "Das hab ich gesehen!"
Lana fuhr sich ohne einen Blick zurück nochmals durch ihr Haar, um es zu glätten und entfernte sich zügigen Schrittes vom Haus.


***


Clark und Pete saßen an einem der Tische im Talon und tranken Eiskaffee. Ihre Unterhaltung schien sehr fröhlich zu sein und einmal mehr schielte Lana hinüber zu dem Tisch und versuchte das Gefühl loszuwerden, dass sie nicht mehr dazu gehörte.
Lange hatte sie mit Whitney eine sehr schöne Beziehung geführt. Eigentlich wusste sie auch nicht genau, warum das ganze in die Brüche gegangen war. Wegen Clark? Nicht wirklich, da hatten mehr Faktoren mitgespielt. Aber Clark war kein unerheblicher Teil gewesen. Sie mochte ihn schon lange und dass er sich jetzt mit Chloe einließ war nicht ganz unerheblich ihr Verdienst. Sie hatte ihm zugesprochen, obwohl sie selber Gefühle für ihn gehabt hatte... immer noch hatte. Doch damals hatte es noch Whitney in ihrem Leben gegeben. Und weil, dieser Teil ihres Lebens jetzt abgeschlossen war, sah die Situation jetzt etwas anders aus.
Mit einem lauten Poltern stieß sie einen Gegenstand hinter sich um, als sie sich umdrehte. Fast reflexartig streckte sie die Hände aus, um ihn aufzufangen, doch die Karaffe, gefüllt mit klebrigem Traubensaft ging zwischen ihren Füßen zu Bruch.
"Verdammt", fluchend griff sie nach einem Lappen und ging in die Knie, um die Scherben zu beseitigen, als eine vertraute Stimme über den Tresen hinweg nach ihrem Befinden fragte.
"Ist alles in Ordnung?"
Ohne hinauf zu sehen, begann sie die Scherben einzusammeln und im herangezogenen Mülleimer zu entsorgen.
"Ich habe nur nicht aufgepasst", antwortete sie fast beiläufig Clark und verfluchte sich dafür, dass sie so unachtsam gewesen war.
"Wirklich alles in Ordnung?" Seine Stimme hatte einen ruhigeren, ja fast beruhigenden Ton angenommen. Doch genau das brachte sie noch mehr in Rage.
Sie hievte sich hoch, ließ das Handtuch auf den Tresen klatschen und sah Clark Kent direkt in die Augen.
"Bin ich spontan?"
Clark blinzelte überrascht und sah sie ohne eine Antwort an.
"Clark, bin ich spontan?"
"Äh...", er betrachtete das Handtuch und dann wieder ihr Gesicht. Offensichtlich wusste er nicht, was er ihr antworten sollte.
"Na toll!", erwiderte sie trocken und schnappte sich frustriert wieder das Handtuch. "Scheinbar ist jeder in Smallville der Ansicht, ich sei verklemmt und nicht in der Lage mal etwas spontanes zu tun."
"Aber ich hab doch gar nichts...", versuchte Clark sich zu retten, doch sie ignorierte seinen recht hilflosen Versuch, sich aus der Sache zu winden und kehrte ihm wieder den Rücken zu.
Pete und Clark sahen sich an und der junge Dunkelhäutige versuchte zu erkennen, was eigentlich vor sich ging. Clark zuckte nur mit den Schultern und verzog das Gesicht.
Was war eigentlich mit Lana los? So kannte er sie überhaupt nicht.
"Lana..."
"Clark, lass mich einfach in Ruhe, ja? Ich habe zu tun." Mit diesen Worten bückte sie sich wieder und begann den Saft vom Boden aufzuwischen.
Sie war so wütend, so unendliche wütend.
Aber sie war weniger wütend auf ihre Freunde, vielmehr auf sich selbst.
Wie hatte je der Eindruck entstehen können, sie sei langweilig. Denn auf nichts anderes lief es doch hinaus. Sie war die Perfektionistin, Langweilerin und die Puppe. Bezeichnungen, die ihr ganz und gar nicht schmeichelten.
Insgeheim wünschte sie sich in Grund und Boden.
Und plötzlich fragte sie sich, ob sie schon immer so gewesen war, nur dass ihr nie jemand wirklich die Wahrheit gesagt hatte.
Musste sie etwa Chloe noch dankbar sein?
Lana schloss kurz die Augen und atmete tief durch. Es war an der Zeit, sich wieder zu beruhigen und sich bei Clark zu entschuldigen, der ja nun wirklich nichts dafür konnte, wie sie sich fühlte. Diesmal jedenfalls.
Doch als sie sich von ihrer Position erhob, war Clark nicht mehr da.
Auf dem Tisch, an dem er und Pete gesessen hatten, lag Geld für die Eiskaffee, aber die beiden Jungs waren verschwunden.
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