Eine kleine Geschichte...

von Miki
GeschichteRomanze / P6
16.06.2004
17.06.2004
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Eine kleine Geschichte......

Nervös nahm ich den Hörer von der Gabel.
"Bitte lieber Gott, lass es besetzt sein.", betete ich leise vor mich hin. Leider schien mir in himmlischen Sphären aber niemand zu zuhören. Warum hatte ich Nikki nur versprochen bei ihm anzurufen?

Ich musste in diesem Moment geistig umnachtet gewesen sein. Okay, ich hatte ihr zwar wochenlang mit ihm in den Ohren gelegen, aber als meine beste Freundin musste sie das doch noch verkraften können. Ja, er war toll. Doch was würde er dazu sagen, wenn ich einfach bei ihm anrief? Er, Marc Sanders, ein erfolgreicher und gutaussehender Schriftsteller. Ich, Alexandra Schmitt, Kinderbuchillustratorin und kein bisschen beeindruckend.

Zum ersten Mal hatte ich ihn auf der Party von einem Verleger getroffen. Getroffen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ich hatte ihn dort zum ersten Mal gesehen. Im Laufe des Abends hatte ich mich wie Amors Nadelkissen gefühlt, durchstochen von seinen Pfeilen.

Nun ja, und jetzt wollte/sollte ich ihn anrufen.
Mit zittrigen Fingern wählte ich die Nummer. Das Läuten klang unwahrscheinlich laut in meinen Ohren. Plötzlich meldete sich eine markante, männliche Stimme am anderen Ende der Leitung. Ich hörte nur sein unvergleichliches "Hallo" schon knalle ich den Hörer auf. Wie ein Tier im Käfig lief ich auf und ab. Ich wusste zwar, dass ich mich kindisch benahm, aber wenn ich ihn sah oder wie in diesem Fall auch nur hörte, hatte ich das Gefühl, dass Schmetterlinge in meinem Bauch ein neues Flugmanöver einstudierten. Und scheinbar wurden sie bei jedem Mal experimentierfreudiger. Einen dreifachen Salto hatten sie auf jeden Fall schon gemeistert. Ich kam mir wie ein verfluchter Teenager vor.  Ehrlich gestanden, befand ich mich hart an der Grenze zur absoluten Selbsterniedrigung.

Aber auch der nächste Versuch brachte dasselbe Ergebnis. Die Schmetterlinge führten inzwischen einen 'Krieg der Sterne' in meinem Magen auf. Ich atmete tief durch und erinnerte mich an einen Spruch von meiner Oma:
"Das Leben ist wie eine Autobahn, Alex. Du fährst immer geradeaus." Das klingt richtig philosophisch, oder? Sie kennen aber den Rest noch nicht: "Nimm dir aber einen Mann mit. Die sind nützlich um die Reifen zu wechseln und gelegentlich versüßen sie einem die Fahrt!" Ach Oma, wenn du deine erbärmliche Enkelin sehen könntest. Du würdest dich im Grab umdrehen. Und erst Nikki.... Sie würde mich wahrscheinlich strangulieren, wenn ich nicht endlich mit ihm sprach. Sie war letztes Mal schon fast mit einem Löffel auf mich losgegangen.
Okay, ich würde noch einen Versuch unternehmen. Ich drückte auf Wahlwiederholung. "Hallo!" Inzwischen klang er etwas gereizt. War aber durchaus verständlich. Wenn man so oft belästigt wurde... Ich holte tief Luft und: "Guten Morgen. Hier ist Alexandra Schmitt. Erinnern Sie sich noch an mich?"
 
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