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The Tale of the Three

von Silfir
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Belldandy Keiichi Morisato Mara Peorth Senbai Sentaro Skuld Urd
31.05.2004
31.05.2004
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31.05.2004 3.531
 
Kapitel X - Der Tag davor

Über die darauffolgende Nacht breiten wir besser den Mantel des Schweigens. Keiichi und Belldandy konnten mit ihrem flauen Gefühl im Magen natürlich so gut wie gar nicht schlafen, und auch alle anderen, Mara selbstverständlich eingeschlossen, fieberten mit den beiden mit. Es war also vor allem eine lange Nacht, in der keiner zur Ruhe kam.
Am darauffolgenden Morgen standen sich Belldandy und Keiichi noch einmal kurz vor ihrem Abschied gegenüber.
Beide wollten etwas sagen, doch es fiel ihnen einfach nichts ein. Schließlich und endlich ließen sie die einfachste Sprache sprechen, indem sie sich einen langen, langen Abschiedskuss gaben. Dann ging Belldandy schnell, bevor sie es sich noch anders überlegen konnte.
Eine Viertelstunde später saß Keiichi also verloren am Tisch. (Jaja, eine Viertelstunde. Ich sagte doch: ein langer, langer Abschiedskuss.) Da öffnete Urd vorsichtig die Zimmertür. Es knarrte leise, doch Keiichi hörte nichts.
"Ähm... Keiichi?"
Keiichi schaute sich erschrocken um. "Ach, du bist es nur, Urd." Er atmete tief aus.
"Natürlich. Wer sonst?", grinste Urd.
"Ach, ich weiß nicht... Ich weiß gar nichts mehr... Ich weiß nur, dass ich Belldandy vermisse."
"Sie ist doch erst kaum fünf Minuten weg."
"Echt? Kam mir vor wie eine Ewigkeit... Ach jee..." Keiichi schüttelte den Kopf.
"Auf diese Weise wirst du mindestens einhundert Ewigkeiten durchstehen müssen; es sei denn, du suchst dir irgendetwas zum Zeitvertreib. Du könntest ja ein Buch lesen oder so..."
"Wäre eine Idee...", murmelte Keiichi und stand mühsam auf. Langsam schlurfte er zum Bücherregal rüber. Dort nahm er sich irgendein Buch heraus und setzte sich wieder hin. Dann begann er zu lesen.
Nach einer Minute warf er das Buch beiseite und legte seinen Kopf in seine Hände. "Ich kann nicht mehr lesen, wenn ich Belldandy so sehr vermisse!"
Urd schaute ihn teils amüsiert, teils besorgt an. "Ähm, Keiichi, du hast das Buch verkehrtrum gehalten.", stellte sie fest.
"Was? Oh, ich Ochse!", rief er aus.
Urd fühlte, dass sie etwas tun musste. "Sag mal, Keiichi, angenommen, alles ginge gut aus, sprich Belldandy dürfte für immer bei dir bleiben, würdest du dann eventuell darüber nachdenken, eure Beziehung etwas... naja, legitimer zu gestalten, wenn du verstehst, was ich meine?"
"Nein.", antwortete Keiichi.
"Nicht?", fragte Urd erstaunt.
"Auf keinen Fall würde ich darüber nachdenken. Ich würde es sofort tun, ohne darüber nachzudenken! Ja, ich würde ihr wirklich einen Antrag machen, wenn du das meinst!"
"Na also, dachte ich mir doch. Und was wäre, wenn du das sofort tun würdest? Also, wenn du sie morgen abend schon wiedersiehst?"
"Ohne Ring?"
"Wie, ohne Ring?"
"Einen Antrag ohne Ring?"
"Besorg dir einen Ring, Döskopp!"
"Ja, wie? Ich krieg das Geld doch nie im Leben bis morgen zusammen!"
"Doch!"
"Und wie?"
"Tja!" Urd schaute ihn selbstbewusst an.
"Und?", fragte Keiichi, als längere Zeit nichts kam.
"...Nun, das werden wir noch herausfinden.", beschloss Urd. BOING.
"Nicht verzagen, Banpai fragen!", rief Skuld grinsend. Sie hatte sich mitten in der Diskussion eingefunden und zog nun eine Fernbedienung hervor.
"Nein! Bitte nicht! Lass den Kürbiskopf aus dem Spiel!", schrie Urd sie an.
"Kür-bis-kopf?!?!" BOOOM!
"Das büßt du, kleine Göre!", rief Urd wütend. ZAPP!
Keiichi schlich sich langsam aus dem Zimmer und schloss die Tür. Hinter ihm tobte ein Streit von ungeheuren Ausmaßen. "Ojemine, das kann noch was werden." Er sinnte nach. "Trotzdem... Das mit dem Ring hat was." Mit schnellen Schritten, wie man es ihm in seinem vorherigen Zustand nie zugetraut hätte, lief er auf das Telefon zu. BIP-BIP-BIP-BIP-BIP-BIP-BIP-BIP-TUUUT-TUUUT-KLICK.
"Ja, Morisato?"
"Morisato hier. Hallo Mutti...", lachte Keiichi.
"Hallo, Kleiner... Ähm, Belldandy, ist sie schon weg? Ich meine, diese dumme Geschichte..."
"Ja."
"Das tut mir leid."
"Mutti, sie kommt morgen abend auf jeden Fall zurück. Und weißt du, ich liebe sie wirklich. Und wenn alles gutgeht, dann will ich ihr einen Antrag machen, mit allem Drum und Dran und Ring, weißt du.", erzählte Keiichi.
"Bravo!", rief seine Mutter. "Aber... Ähm... wenn es schiefgeht? Ich weiß, damit rechnest du gar nicht, aber, angenommen es käme so, was würdest du dann tun...?"
Keiichi schwieg. "Ihr den Ring trotzdem geben... Damit sie sich für immer an mich erinnert..."
"Keiichi... ich weiß nicht... Angenommen, ihr würdet euch wirklich nie wieder sehen. Was dann? Wäre es dann nicht besser für sie, dich zu vergessen?"
"Wenn sie mich vergessen wollte - und das könnte ich verstehen! - dann soll sie den Ring wieder ablegen. Aber ich könnte sie nicht vergessen, Mutter."
"Das sagst du so, Keiichi... Aber vermutlich würdest du es dennoch tun... Menschen sind so."
"Meinst du? Das glaube ich nicht.", antwortete Keiichi felsenfest überzeugt.
"Gut, wenn du das meinst, dann natürlich nicht." Keiichis Mutter überlegte. "Du hast recht. Ich denke wirklich, du solltest ihr den Ring auf alle Fälle geben. Aber, Söhnchen... Ein Ring bedeutet finanziellen Aufwand..."
Keiichi seufzte. "Das weiß ich, Mutti. Und wenn ich ehrlich bin... das ist der Grund, aus dem ich angerufen habe. Was soll ich tun?"
"Deine Familie anpumpen?! ... Da hast du genau das Richtige getan. Zufällig habe ich hier etwas geeignetes... Ein Familienerbstück, das an alle erstgeborenen Söhne weitergegeben wird. Der Tradition gemäß soll dies ihren Verlobungsring darstellen. Tja, es ist wohl an der Zeit, dass ich das Ding auskrame. Auch auf die Gefahr hin, dass die Reihe unterbrochen werden sollte..."
"Wie soll ich dir nur danken?"
"Ersten brauchst du das nicht und zweitens zwingt mich die Tradition dazu. Das Problem ist nur, dass du ihn erstmal kriegen musst. Immerhin ist es zwischen hier und Nekomi ein ganz schönes Stück!"
"Hm... Ich glaube, es wäre angeraten, dass du Vater aus dem Wohnzimmer vertreibst, den Fernseher anstellst und nicht erschrickst, egal was passiert.", murmelte Keiichi, legte auf und schlich langsam auf die Wohnzimmertür zu, hinter der es blitzte und krachte.
"Bleib stehen, du flachbrüstige Denkmaschine! Und lass Kürbiskopf gefälligst aus dem Spiel!"
Keiichi machte entschlossen die Tür auf.
"Halt bloß die Klappe, wahnsinnige alkoholsüchtige Kräuterhexe!"
"WIE hast du mich gerade genannt, du Taschenrechner auf Beinen?"
"IST HIER BALD MAL RUHE?!!", brüllte Keiichi und erntete verdutzte Blicke.
Totenstille. "Na also! Urd, du musst einen kleinen Botendienst erledigen! Meine Mutter hat etwas für mich, und du sollst es holen!"
"He, seit wann hast du über mich zu bestimmen?!", fuhr Urd ihn an.
"Du willst mir also nicht diesen kleinen Gefallen tun?", fragte Keiichi leise und schaute Urd mit großen und enttäuschten Augen an.
"Doch, aber nicht in dem Ton!"
"Na gut, entschuldige, Urd. Aber na sowas! Was ist denn nur in diesem Zimmer passiert! So ein Durcheinander! Weiß einer von euch ganz zufällig, wie das passiert ist?", fragte Keiichi aufgeregt.
Skuld lächelte etwas gequält. "Urd, geh nur. Ich räume hier auf.", murmelte sie.
Urd wollte sich sowieso schon aus dem Staub machen, also kam ihr das gerade recht. "Bis gleich!"
Wenig später war sie wieder zurück. "Wow... Ein hübscher Ring...", murmelte sie ergriffen. "Der sieht wahnsinnig teuer aus..."
"Hat Mutter dir erzählt, was es mit diesem Ring auf sich hat?"
"Äh... Nein."
"Er ist ein Erbstück. Alle Erstgeborenen des Clans Morisato sollen diesen Ring als ihren Verlobungsring verwenden. Seltsam, dass Mutter mir das nicht schon früher erzählt hat."
"Noch seltsamer, dass sie ihn dir überhaupt überlassen hat. Es ist ja alles andere als sicher, dass du mit Belldandy die Ahnenreihe Morisato fortsetzen könntest... Äh... was rede ich da? Ich meine, dass du den Ring jemals wiedersiehst, wenn du ihn Belldandy erst einmal gegeben hast."
Skuld und Keiichi hoben die Augenbrauen hoch. "Ahnenreihe fortsetzen...?"
"Vergesst einfach, was ich gesagt habe, okay?"
Skuld schaute Keiichi an und hob erneut die Augenbraue hoch. "Der...? Eine Ahnenreihe fortsetzen...?"
"Ich weiß, was du denkst, Skuld, aber für sowas ist in dieser Geschichte kein Platz. Es ist nicht auszuschließen, dass sie von Minderjährigen gelesen wird!"
"Ich bin auch minderjährig.", erwiderte Skuld.
"Du bist ein Kind?", fragte Keiichi erstaunt nach.
"Natürlich nicht.", entrüstete sich Skuld.
"Also bist du auch nicht minderjährig.", stellte Keiichi fest.
"So hab ich's noch gar nicht gesehen.", murmelte Skuld.

Drehen wir die Uhr nochmal um zwanzig Minuten zurück, als Belldandy sich von Keiichi verabschiedete und anschließend in ihrem Spiegel verschwand. Sofort stieg Belldandy aus einem anderen Spiegel. (Da Belldandy nur in einer nulldimensionalen Zwischenwelt verweilt, ist die Zeit, die sie benötigt, um von einem Ort zum andern zu reisen, unendlich klein.)
Hup Hup Hup KRACH! Belldandy schaute sich verwundert um. Sie war doch tatsächlich noch auf der Erde? Große Augen starrten sie an. Sie war aus einem jener Spiegel erschienen, die es an unübersichtlichen Kreuzungen gibt, damit man um die Ecke sehen kann. Mit hochrotem Kopf verschwand sie wieder.
Dann hatte sie es endlich geschafft. Dachte sie... Sie war zwar in einer himmlischen Toilette gelandet, wie es ihr Ziel war, doch sie erkannte schnell, dass es sich wieder einmal um eine Herrentoilette handelte. Warum ihr das immer passieren musste...! Schnell verließ sie diese Räumlichkeiten und versuchte sich zu beruhigen.
Sie hatte ein ziemliches Glück, dass eine alte Freundin des Weges kam. "Belldandy? Du hier?", rief sie erfreut.
"Oh, Peorth, hallo.", antwortete Belldandy nur.
"Du bist also schon da...", stellte Peorth fest. "Nun... Ähm... Wie geht es dir?"
"Mir?" Belldandy lächelte schwach. "Ich müsste lügen, wenn ich sagte, es ginge mir bestens..." Eine Träne rann aus ihrem Auge, doch sie nahm sich zusammen. "Kann ich dich zum Tee einladen?", fragte sie mit einem Lächeln auf den Lippen, doch es war wirklich nicht sonderlich überzeugend, wenn man wie Peorth wusste, wie mies es ihr ging.
"Ja, gerne." Peorth wollte Belldandy ungern allein lassen. Vielleicht ließ sich ja in Bezug auf morgen etwas regeln...
Wenig später waren die beiden an Belldandys Wohnung angekommen... glaubte Belldandy zumindest. "Wir sind falsch, Belldandy."
"Woher weißt du das?", wollte diese verwundert wissen.
"Das ist meine Wohnung."
"Oh. Wie dumm von mir...", murmelte Belldandy und schlurfte langsam und vollkommen weggetreten weiter.
Peorth nahm Belldandy bei der Hand und zog sie mit sich, zielsicher auf Belldandys Wohnung zu. Belldandy versuchte die Tür zu öffnen und drehte den Schlüssel...
"Andersrum.", murmelte Peorth leicht genervt.
"Oh.", murmelte Belldandy, und kurz darauf war die Tür geöffnet.
Peorth war kein Dummkopf. Sie hatte gemerkt, dass sich Belldandy niemals elender gefühlt hatte. Dass sie an nichts anderes mehr denken konnte als an Keiichi. Als Belldandy wenig später mit dem Tee ankam und Peorth ihn trank, war sie sich endgültig sicher. Sie verzog das Gesicht. Sie versuchte sich noch zusammenzureißen, doch Belldandy war noch nicht so weggetreten, dass sie es nicht gemerkt hätte.
"Peorth? Stimmt was mit dem Tee nicht?" Belldandy nahm ihr die Tasse aus der Hand und probierte. Dann verzog auch sie das Gesicht. "Entschuldigung, Peorth. Ich verstehe nicht, wie mir das passieren konnte, ich..." Belldandy wollte aufstehen und sich in die Küche begeben, doch Peorth hielt sie fest.
"Lass nur, lass nur. Ist schon in Ordnung." Sie drückte Belldandy sanft wieder auf den Boden.
"Ich will dir keine Mühe machen, Peorth. Geh nur, wenn ich dir lästig bin...", bat Belldandy.
"Nein, bist du nicht.", stellte Peorth fest. "Aber wenn ich gehen soll... Willst du, dass ich gehe?"
Belldandy überlegte kurz. "Nein..."
"Dann werde ich bleiben.", stellte Peorth fest.
Die beiden saßen sich ein Weilchen still gegenüber. Dann stand Belldandy auf und ging aufgelöst umher. "Oh, hoffentlich geht es Keiichi gut. Ob er was zum Essen findet? Oh je, es ist ja kaum noch was da. Ich muss eink... nein, nein, ich bin ja gar nicht mehr... außerdem ist ja Samstag, oh weh..."
"Halt, halt, halt, Belldandy. Man wird doch wohl noch einen Tag ohne dich auskommen können da unten, oder?", versuchte Peorth Belldandy zu beruhigen.
"Ja, aber... Ich mache mir trotzdem Sorgen! Hoffentlich geht es ihm wirklich gut... und er vermisst mich nicht so sehr..."
"So wie du ihn?"
"Ja, nein, äh..."
"Belldandy, sei ehrlich! Sag mir, was dich bedrückt!"
Belldandy sank wieder auf den Boden. Ein paar Tränen fielen ihr aus den Augen, und dann konnte sie nicht mehr an sich halten. "Ich vermisse ihn! Ich bin kaum eine halbe Stunde weg von ihm, und schon halte ich es nicht mehr aus! Warum kann ich nicht einfach bei ihm bleiben? Warum lässt man mich so zappeln?" Belldandy schüttelte wild den Kopf. Peorth staunte. Hatte Belldandy sich in ihrem Leben jemals über irgendetwas beklagt? Ihr musste es wirklich hundsmiserabel gehen. "Ich kann es einfach nicht. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, ohne ihn zu leben. Bin ich so erbärmlich, Peorth?"
"Erbärmlich? Nein.", erwiderte Peorth. "Es ist... wie soll ich sagen... Ich zerberste vor Mitleid... und vor Wut."
"Wut?", fragte Belldandy erstaunt. Es herrschte Stille für einen Moment.
"Wut! Auf diese Ignoranten, die drauf und dran sind, dich und Keiichi für immer zu trennen, ohne genau zu wissen, warum! Ich bin wütend, Belldandy!"
"Das ist aber nicht gut, Peorth...", murmelte Belldandy.
Peorth stand ruckartig auf. "Sag mal, bist du nicht wütend auf die? Sie zerstören dein Leben, und zwar mit einer solchen Fahrlässigkeit, dass es bereits schon an Vorsätzlichkeit grenzt! Ich kenne dich ganz genau, Belldandy. Ich weiß, du würdest nie irgendjemandem was vorwerfen. Du glaubst, jeder hätte seine guten Gründe und so... aber niemand ist so vollkommen."
"Vielleicht bin ich es nicht, weil ich Keiichi liebe...?"
"Fang auf keinen Fall an, an dir und deinen Gefühlen zu zweifeln, Belldandy. Ich weiß, wie du immer tust, aber dieses Mal trifft dich keinerlei Schuld. Dieses Mal kannst und musst du alles von dir wegstoßen. Du liebst ihn. Dafür musst du dich nicht entschuldigen, und daran darfst du auch nicht zweifeln!"
"Das hatte ich nie vor."
"Dann ist es ja gut."
"Ich mache allen Schwierigkeiten...", murmelte Belldandy.
"Wann begreifst du es endlich?! Nicht du bist es, die Schwierigkeiten macht! Das ist, als ob sich ein Fisch dafür entschuldigt, dass er im Wasser leben muss! Du hast keinen Einfluss darauf, wen du liebst. Es liegt an allen anderen, darauf Rücksicht zu nehmen, dass du ihn liebst, dass du ihn von ganzem Herzen liebst, dass du nur mit ihm zusammenleben willst und nichts anderes!"
"Meinst du?"
"Auf - jeden - Fall!", antwortete Peorth felsenfest und schlug mit der Faust auf den Tisch.
Stille herrschte erneut. Peorth hätte nie geahnt, was sich in ihr für eine Wut aufgestaut hatte. Jetzt war sie raus, doch... eigentlich war Belldandy die letzte Person, vor der sie das hatte tun wollen...
Doch Belldandy lächelte. "Du hast Recht, Peorth. Du hast einfach nur Recht."
"Meinst du?", fragte Peorth erstaunt.
"Danke.", sagte Belldandy aus tiefstem Herzen.

Keiichi schlief. Endlich. Den ganzen Tag war er nur dagesessen und hatte an nichts gedacht außer an Belldandy. Er hatte sich die ganze Vorgeschichte ins Gedächtnis gerufen, und es irgendwie geschafft, jeden Augenblick, in dem sie sich nahe waren, zu rekonstruieren. Und je mehr er das tat, desto mehr liebte er sie. Sie war einfach perfekt, anders konnte er es nicht beschreiben. Es war, als ob außer ihr niemand anderes in Frage käme. Doch nun... konnten sie zusammenbleiben?
Keiichi waren über diese Gedanken die Augen zugefallen...
Urd schaute vorsichtig in den Raum und nickte verständig. Das war es, was Keiichi brauchte. Ruhe. Jeder Versuch, ihn aufzuheitern, war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Urd war nur froh, dass er zu Schlaf gefunden hatte. Sie trat in den Flur, schloss die Tür und erschrak. "Peorth? Was machst du denn hier?"
"Ich wollte nur wissen, wie es Keiichi geht."
"Mies."
"Belldandy auch."
"Hast du sie getroffen?"
"Ich bin eigentlich in ihrer Wohnung. Sie hat mir ihr Herz ausgeschüttet, mir alles über Keiichi erzählt, was ich wissen wollte oder auch nicht wissen wollte. Jedes einzelne hinterletzte Detail ihrer Beziehung... Nicht, dass es nicht stellenweise interessant gewesen wäre, aber..." Peorth schüttelte den Kopf und winkte ab. "Wie auch immer, jetzt schläft sie, und das ist gut so. Sie muss sich ausruhen, denn es dürfte ihr noch eine ziemliche Strapaze bevorstehen."
Urd nickte bedächtig. Dann schaute sie Peorth tief in die Augen. "Peorth, ich habe eine Frage. Du musst nicht antworten, wenn du nicht willst. Als du zum ersten Mal die Nachricht bekamst, dass Belldandy und Keiichi eventuell getrennt werden würden, hast du da, wenn auch nur ganz kurz, daran gedacht, die Situation auszunutzen...?"
Peorth lächelte. "Natürlich. Aber als ich gerade eben Belldandy mit eigenen Augen gesehen habe, habe ich eins begriffen: Ich bin ohne Chance. So verloren wie Belldandy ohne Keiichi und Keiichi ohne Belldandy sind, kann ihre Liebe nur größer sein als alles, was ich je aufbieten könnte. Immerhin kann ich ohne Keiichi leben, im Gegensatz zu Belldandy."
"Belldandy kann nicht ohne Keiichi leben?"
"Sie ist gewissermaßen..." Peorth lachte ob dieser ausgefallenen Beschreibung. "Sie ist ein Keiichi-Junkie! Ohne Keiichi kann sie nicht mehr leben. Ohne ihn ist sie kein Ganzes mehr. Sie ist dann nicht mehr Belldandy."
"Genauso wie Keiichi ohne Belldandy nicht mehr Keiichi ist."
"Genau! Die beiden haben durch ihre große Liebe gewissermaßen einen Teil des anderen in sich aufgenommen. Vom ökonomischen Standpunkt aus gesehen... Sie hat immerhin eine Massenkarambolage verursacht, weil sie aus dem falschen Spiegel gestiegen ist, hast du das mitbekommen? Es wäre mit Belldandy gar nichts mehr anzufangen, wenn sie von Keiichi getrennt würde!"
"Umgekehrt ist es genauso."
"Richtig!" Peorth schüttelte den Kopf. "Je mehr ich darüber nachdenke, desto weniger kann ich mir etwas anderes als ein gutes Ende vorstellen. Denn das schlechte Ende... wäre unvorstellbar grausam... für beide."
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