The Tale of the Three

von Silfir
GeschichteRomanze / P12
Belldandy Keiichi Morisato Mara Peorth Senbai Sentaro Skuld Urd
31.05.2004
31.05.2004
11
41611
 
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
The Tale of the Three

(Die Geschichte des Baumes... Halt, nein, das ist falsch)

Dies ist eine Fanfiction zur Comicserie "Oh! My Goddess" von Kosuke Fujishima. Sie setzt nach Band 13 ein, aus Band 14 sind außerdem die Kapitel über Noble Scarlet relevant. (Ich weiß, das passt nicht so ganz zusammen.)

Achtung: Daraus ergibt sich, dass Charaktere, die erst später auftreten, nicht in diese Geschichte übernommen werden. Beispielsweise wird Welsper aus Band 16 keinerlei Erwähnung finden, ja, seine Existenz könnte sogar vollständig widerlegt werden. Desweiteren könnten eventuellen Auslegungen der Oh! My Goddess-Welt aus späteren Bänden hier ganz und gar widersprochen werden; so sind die Götter in dieser Fanfiction entgegen Band 21 NICHT unsterblich. (Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie das mit den "Reisenden in der Ewigkeit" funktionieren soll. Aber lassen wir das Thema einfach liegen.) Keiichis Eltern werden ebenfalls auftreten und, soviel kann ich sagen, sie unterscheiden sich recht deutlich von ihren Gegenstücken in Band 23.

Diese Geschichte ist reine Fiktion. Ähnlichkeiten mit wirklich existierenden Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Kapitel I: Aus Versehen!

Keiichi fiel es immer noch schwer, sich zu sammeln. Das war doch nur aus Versehen gewesen! Und es tat ihm ja auch leid! Aber trotzdem fühlte er sich schuldig. So schuldig, dass er nicht in der Lage war, sich bei Belldandy zu entschuldigen. Aber das musste er doch tun! Warum fühlte er sich nur so schuldig, obwohl er das wirklich nicht mit Absicht gemacht hatte? Warum?
Wir sind wohl etwas zu spät eingestiegen, wie? Kann sein, was? Deswegen drehen wir die Uhr besser etwas zurück. Mein Fehler...
"Sehr lecker, Belldandy! Ich würde ja jetzt sagen: Selten so gut gegessen', aber das geht nach all den Jahren mit dir wohl nicht mehr.", stellte Keiichi fest.
"Danke, Keiichi.", lächelte Belldandy ihm zu.
"Immer das Gleiche.", murmelte ihre kleine Schwester Skuld. "Dem fallen auch keine neuen Komplimente mehr ein." Sie sagte das leise, da sie Belldandy nicht beleidigen wollte.
Urd hatte sie trotzdem gehört. Und sie gab ihr in ihrem tiefsten Inneren Recht. Es passierte einfach nichts mehr. Bei den beiden entwickelte es sich nicht. Jedes Essen lief seit einiger Zeit immer gleich ab, und nicht nur jedes Essen, auch jeder Tag. Es war gewissermaßen langweilig geworden, und das war es eigentlich, was Gift für Urd war (Die Vorstellung, dass es einem mit drei Göttinnen langweilig werden könnte, ist zugegebenermaßen nicht leicht). Zum Glück (?) würde sich das bald ändern.
"Eine ferngesteuerte Ratte, Euer Fröhlichkeit?", fragte Senbei, der Flaschengeist, etwas enttäuscht.
"Ja! Teuflisch, nicht wahr?", grinste Mara wie wahnsinnig. In der Hand hielt sie eine Fernsteuerung mit einem analogen Steuerknüppel und einigen Knöpfen, vor ihr auf dem Boden lag eine Ratte mit einer kleinen Antenne statt eines Schwanzes.
"Was wollen Sie mit einer Ratte, Euer Rätselhaftigkeit?"
Mara schaute ihn missbilligend an. "Willst du meine Pläne in Frage stellen?"
"Natürlich nicht, Euer Unfehlbarkeit."
"Gut.", sagte Mara und fing wieder an wie verrückt zu grinsen.
"Nur gewusst hätte ich sie gerne, Euer Weisheit.", warf Senbei ein.
"Wart's doch ab, Flasche.", blaffte ihn Mara an, erhob sich in die Lüfte und schlug die Richtung zum Tempel ein.
"Das war eine unfaire Anspielung auf meine Herkunft! Ich werde mich bei der Flaschenrechtskommission der ONKO beschweren, Euer Fiesheit!", beschwerte sich Senbei und flog hinterher.
Schweigen herrschte am Tisch, an dem die vier aßen. Es gab eben nichts zu bereden. Es WAR langweilig. Eigentlich nicht gerade die richtige Grundlage für eine Geschichte wie diese hier, aber das würde sich ja wie gesagt bald ändern.
Keiichi stand auf. "Ich muss gehen. Die Uni ruft."
Belldandy stand ebenfalls auf. "Ich mache dir etwas zu essen.", schlug sie vor, ging in die Küche und kam mit einer Bentobox wieder heraus.
"Danke, Belldandy. Du bist wunderbar.", rief Keiichi erfreut und ging auf sie zu. Dann ging es Schlag auf Schlag.
Keiichi trat auf etwas und rutschte aus. "Uargh!", rief er. Unter sich sah er den überaus harten Boden, auf dem er gleich überaus schmerzhaft aufschlagen würde. Erschrocken wirbelte er mit seinen Armen hilflos in der Luft, bis er etwas zu fassen bekam. Mit aller Kraft stützte er sich daran ab. Keiichi kam langsam wieder ins Gleichgewicht, doch da tat es ein seltsames Geräusch - Riiiitsch - und als Keiichi verwundert aufsah, merkte er, was er da angerichtet hatte.
"Das war überaus genial, Euer Teuflischkeit.", sagte Senbei anerkennend.
"Sag' ich doch.", grinste Mara. "Ja! Einmal im Leben hat einer meiner Pläne funktioniert!"
"Das ist doch noch nicht endgültig, Euer Voreiligkeit!", warf Senbei ein.
"Vertrau mir, Flasche.", grinste Mara ihm zu und schaute wieder zurück ins Zimmer, in dem das Desaster passiert war.
Betretenes Schweigen. Eine kurze Beschreibung dessen, was gerade geschehen ist: Maras ferngesteuerte Ratte wurde von dieser genau unter Keiichis Fuß manövriert - wie sie das vorher geübt hatte! - wodurch Keiichi ausrutschte; mit dem Gesicht noch vorne fiel. Keiichi hatte dann wie beschrieben mit den Händen nach einem Halt gesucht (Keiichi behauptete später immer, das wäre eine "reine Reflexhandlung" gewesen, was Skuld ihm nie abnahm), diesen an Belldandys Kragen, welche bestürzt zu ihm gelaufen war, gefunden und so seinen Fall verhindert. Leider war Belldandys Bluse dabei zerrissen worden, und so stand sie nun sehr betreten vor Keiichi, der ihren Blick erwiderte, mit einer zerrissenen Bluse, die freien Blick auf ihren BH gewährte. (Ups.)
Urd freute sich insgeheim aus zwei Gründen: Endlich passierte mal etwas und außerdem hatte Keiichi es endlich gewagt, etwas zu tun... Aber ihre Freude zu zeigen, war nicht angeraten, so wie Skuld dreinschaute...
"B- Belldandy...", stotterte Keiichi. Belldandy verdeckte ihre Brust mit den Händen und verließ schweigend und zügig das Zimmer. Ihre Augen schimmerten dabei wässrig...
Skuld war wie vom Donner gerührt, als Belldandy jedoch das Zimmer verlassen hatte, fing sie sich wieder - und war wütend bis zum Anschlag. "DUUUUU... DU PERVERSER!", schrie sie und stattete Keiichi mit dem entsprechenden Gesichtszug im Gesicht aus.
Keiichi ignorierte sie. Er war von der Umwelt nicht mehr beeinflussbar in diesem Moment.
"Wie kannst du es wagen, mich zu ignorieren?", brüllte Skuld ihn an. Keine Antwort.
"He! Sag was zu deiner Verteidigung!" Skulds Aufforderung verhallte in der Stille des Tempels.
"Sag mal, bin ich Luft, oder was?", wollte Skuld genervt wissen. Fehlanzeige. Nicht einmal ihr Gigaphon hatte etwas genutzt.
Sie bekam weiterhin keine Antwort von Keiichi. Nur Urd legte ihre Hände auf ihre Schultern und flüsterte ihr ins Ohr. "Lass es. Er hat schon genug damit zu tun, sich sich selbst gegenüber zu verteidigen." Sie packte fest zu.
"Au, du tust mir weh!"
"Mir ist fast das Trommelfell geplatzt. Mach das NIE wieder.", flüsterte Urd ihr eindringlich zu. "Kapiert?"
"Jaaaaautsch!"
Keiichi verließ, immer noch in Schockzustand, das Wohnzimmer, um sich in sein eigenes zurückzuziehen.
Kaum war er verschwunden, gab Skuld ihrer Verwunderung Ausdruck. "Ich frage mich immer noch, wie der Kerl denn den Mut aufgebracht hat, das zu tun!"
"Das war keine Absicht von ihm, du Stümper. Und ich glaube, Belldandy weiß das sogar. Was war da noch?", sinnierte Urd. "Da war noch etwas anderes." Dann schaute sie erstaunt zu Boden. "Was ist denn das?" Sie hob das... Ding auf, dass sie auf dem Boden gefunden hatte, und zeigte es Skuld. "Weißt du, was das ist bzw. war, bevor Keiichi auf es draufgetreten ist?"
Skuld untersuchte es und überlegte. Dann fiel ihr etwas ein. "Jetzt! Ich habe einmal ein Buch gelesen, in dem beschrieben wird, wie man anhand der Umrisse überfahrener Tiere erkennen kann, was für eins es ist. Ich glaube, das hier war mal eine Ratte!"
"Buäh! Echt, solche Bücher liest du?" Urd betrachtete die Ex-Ratte argwöhnisch. "Die Antenne gehört dazu?"
"Äh... nein.", stelle Skuld lakonisch fest.
"Dachte ich mir. Das ist keine Ratte. Ich denke, das ist relativ auffällig... Aber ich habe das Ding da vorher nicht dort rumliegen sehen..."
"Das muss eine Art ferngesteuerte Ratte gewesen sein!", rief Skuld. "Das würde die Antenne erklären... und den unglücklichen Zufall... Wobei es eben..."
"...kein Zufall war, genau.", beendete Urd Skulds Satz. "Jemand hat diesen Vorfall geplant und wollte somit Keiichi einer Art Rufmord aussetzen, der evtl. Belldandys Rückkehr in den Himmel zur Folge gehabt hätte... Zum Glück haben wir das rechtzeitig herausgefunden." Urd rümpfte die Nase. "Ich glaube auch nicht, dass der Plan wirklich funktioniert hätte..."
Währenddessen, draußen...
"Was habt ihr, Euer Traurigkeit?", fragte Senbei.
Mara heulte vor sich hin. "Sie hat gerade im Handumdrehen den Plan durchschaut, an dem ich tagelang gearbeitet habe... Ist das deprimierääänd...!"
Wieder im Tempel...
"Das müssen wir Belldandy und Keiichi unbedingt sagen!", rief Skuld und stand auf. Doch Urd hielt sie fest.
"Da hast du schon Recht, Skuld, aber nicht jetzt. Im Augenblick müssen sie mit dem ins Reine kommen, was sie bewegt. Und ich weiß nicht, was sie bewegt." Sie überlegte. "Auf alle Fälle weiß Belldandy, dass Keiichi das nicht mit Absicht gemacht hat. Und Keiichi weiß das auch. Da ist aber noch mehr. Die Erkenntnis, dass es sich um Sabotage gehandelt hat, hilft ihnen nicht weiter! Darauf wette ich."
"Was war denn da deiner Meinung nach sonst noch?", fragte Skuld.
"Keine Ahnung.", gab Urd zu.
"Au, toll.", murmelte Skuld.
"Was soll dieser Ton?", fragte Urd pikiert.
"Gar nichts, Urd. Gar nichts.", beschwichtigte Skuld.

Ja, so ist das gewesen. Nun ist erklärt, warum Keiichi in seinem Zimmer saß und sich bittere Vorwürfe machte. (An die Uni war heute natürlich nicht zu denken.)
"Warum kann ich es ihr nicht sagen, dass... Ist es wirklich so? Habe ich das wirklich aus Versehen getan? Eigentlich schon! Eigentlich..." Keiichi zweifelte an sich selbst. An seiner Aufrichtigkeit, an seiner Ehrlichkeit, an seiner Willensstärke. Willensstärke. Genau. Das Stichwort. Keiichi stand entschlossen, zum Äußersten entschlossen auf und verließ sein Zimmer in Richtung von Belldandys Zimmer. Bevor ihn sein neu gewonnener Mut wieder verlassen konnte, klopfte er an die Tür. Klopf, klopf.
Es gab keine Antwort. "Belldandy?", rief Keiichi. Wollte sie gerade mit niemandem ein Wort reden oder nur mit ihm nicht...? Das kann doch nicht das Ende gewesen sein!
Langsam öffnete Belldandy die Tür. Sie hatte sich inzwischen umgezogen, und ihr Gesicht war um die Augen rum ziemlich rot. "Komm rein.", bat sie ihn leise.
Keiichi betrat Belldandys Zimmer mit gemischten Gefühlen. Belldandy sah nicht so aus, als hätte ihr das nichts ausgemacht. Das wird vielleicht nicht einfach werden. Aber nun gibt es kein Zurück mehr. "Belldandy... Ich wollte dir nur sagen... Es war keine Absicht!"
"Das weiß ich, Keiichi.", sagte Belldandy nur.
Keiichi war jetzt schon aus der Fassung geraten. "Warum... Deine Augen, Belldandy... Du hast geweint, oder? Warum? Bin ich daran schuld? Sag es mir!"
"Ob du daran schuld bist?" Belldandy dachte nach. "Du bist nicht daran schuld... Du bist aber wohl auch nicht unschuldig."
Pause. Irgendwie hatte Keiichi das Gefühl, dass irgendjemand gerade nicht sehr logisch dachte. "Wie?"
"Kann es sein, dass du es wolltest und aus Versehen gemacht hast? Du hast es aus Versehen mit Absicht getan, unbewusst, oder?"
Keiichi kam nicht so ganz mit. "Du meinst, dass ich etwas in dieser Richtung gewollt habe?"
Belldandy schaute ihn eindringlich an. "Sei doch ehrlich! Ich weiß, dass du mich liebst. Und ich liebe dich auch. Mein Herz gehört dir... Aber mein Körper sträubt sich irgendwie noch. Verzeih mir, Keiichi, aber ich bin unfähig, diesen letzten Schritt zu tun."
"Ja. Ich auch. Du musst mir glauben, Belldandy - als ich mich an deinem Kragen festhielt, ihn zerriss und dich so sah, wie ich dich noch nie gesehen habe, da... Lass es mich so sagen: selbst wenn ich deine ausdrückliche Erlaubnis dazu hätte, ich wäre nicht in der Lage, es selbst zu wiederholen. In meiner eigenen Vorstellungskraft vielleicht, aber in Wirklichkeit würde ich es nie tun."
Belldandy lief unruhig auf und ab, blieb abrupt stehen und wandte sich wieder Keiichi zu. "Kennst du die Geschichte der Kugeln?"
"Nein."
"Ganz früher gab es noch keine Menschen, sondern nur ganze, vollkommene Kugeln. Eines Tages wurden diese Kugeln getrennt. Seitdem wandern die Hälften der Kugeln durch die Welt und suchen nach ihrer anderen Hälfte, um sich letztendlich wieder vereinigen zu können." Belldandy seufzte. "Ich vermute, dass wir beide eine solche Kugel bilden, aber ich kann mir nicht sicher sein. Vielleicht gibt es da draußen jemanden, der mehr zu dir passt, vielleicht gibt es das auch für mich. Und das macht mich so unsicher, glaube ich."
Keiichi wusste nicht, was er sagen sollte. "Ja..." Er schwieg. Belldandy schwieg auch. Dann erhob sich wieder Keiichis Stimme: "Ein irdischer Philosoph hat mal gesagt, es gäbe vier Arten der Liebe. Zuallererst die geistige Liebe. Dass man gleiche Interessen hat, dass man sich gut versteht, dass man auf der gleichen Wellenlänge ist, das ist geistige Liebe, auch als Freundschaft bekannt. Dann gibt es zweitens die leidenschaftliche Liebe. Das Gefühl, dass man immer beim anderen sein muss. Das Gefühl, das sich einstellt, wenn man sich in der Gegenwart des anderen befindet. Das ist bei allen verschieden. Es ist das, was man allgemein als Liebe bezeichnet. Es gibt dann noch die aufopferungsvolle Liebe. Die Bereitschaft, sein eigenes Wohl zum Wohle des anderen zu riskieren. Dass man die Schmerzen des anderen so empfindet, als wären es die eigenen. Und..." Keiichi schluckte. "es gibt eben noch, und das kann ich einfach nicht leugnen, eine vierte Art."
"Welche?", wollte Belldandy wissen.
Keiichi druckste ein wenig herum. "Die... Es ist... Na ja, es ist einfach die körperliche Liebe. Das Verlangen, die Lust und so weiter." Keiichi schaute Belldandy an. "Belldandy, ich liebe dich. Und zwar auf jeden Fall auf die ersten drei Arten. Was die Vierte angeht... bin ich mir einfach nicht sicher."
"Mir geht es genauso, Keiichi. Du sprichst mir aus dem Herzen.", stellte Belldandy seufzend fest. "Wir brauchen wohl einfach noch Zeit. Es hat schon lange gedauert, und vielleicht wird es noch lange dauern." Belldandy schaute traurig. "Die Frage ist nur... Bleibt uns diese Zeit noch?"
"Was- Was meinst du damit?", fragte Keiichi verwundert.
"Es werden noch sehr schwere Zeiten auf uns beide zukommen, Keiichi. Das weiß ich, leider. Ich wünschte, es wäre anders." Belldandy legte ihren Kopf in die Hände.
Keiichi legte seine Hand auf ihre Schulter. "Ich habe dir doch gerade gesagt, dass ich dich von ganzem Herzen liebe. Das heißt, selbst wenn diese schweren Zeiten kommen, kannst du dir sicher sein, dass ich bei dir sein werde, solange du mich brauchst, genauso wie..."
"...ich bei dir sein werde, solange du mich brauchst." Belldandy umarmte Keiichi. "Danke!"
Keiichi antwortete nicht, sondern genoss dieses Gefühl, Belldandy ganz nah bei sich zu haben. So nah, wie ihm und ihr recht war. Ja, diese schweren Zeiten waren ihm egal, solange Belldandy bei ihm war. Da war er sich ganz sicher.

Skuld saß im Garten und lenkte sich ab. Besser gesagt, sie versuchte es. Was fiel diesem Kerl eigentlich ein? Zerreißt Belldandys Kleidung und hat den Mumm, noch bei ihr anzuklopfen? Was verschwendet sie ihre Zeit mit diesem Idioten! Ich hasse ihn!'
"He, Skuld, ich glaube, die Kette ist etwas lose. Du kannst das doch so gut, könntest du..."
"UWAAAAAAAH!", schrie Skuld erschrocken. Sentaro zuckte zusammen und konnte nur mit Mühe seinen Fall verhindern. "Tu - Das - Nie - Wieder!", sagte sie schwer atmend.
"Ups, s-sorry...", stotterte Sentaro zitternd, doch kurz darauf beruhigte er sich wieder. "Also, das mit der Bremse..."
"Ging's denn nicht um die lose Kette?", fragte Skuld grinsend.
"Wie? Ach so. Also, könntest du die Kette..."
"Sentaro, jedes Mal, wenn du mich besuchst, hast du ENTWEDER einen neuen Trick gelernt ODER aber - weil dir seit neuestem keine Tricks mehr einfallen - mit deinem Fahrrad ist was nicht in Ordnung. Machst du es etwa mit Absicht kaputt, damit du eine Ausrede hast, mich zu besuchen?" Sie grinste erneut, als sie Sentaros belämmertes Gesicht bemerkte. "Was hast du denn auf dem Herzen?" Dieses Wort brachte sie jetzt selbst in die Bredouille: Nun bemerkte sie plötzlich, dass ihr eigenes Herz wie wahnsinnig klopfte. Diese nervende Krankheit verfolgte sie nun schon eine ganze Weile. Kurioserweise traten die Symptome nur in Erscheinung, wenn Sentaro in der Nähe war. Seltsam. Sehr seltsam...
"Tja, nun, äh... Ich habe eine andere Bitte an dich... Sie ist etwas größer, aber ich fände es total nett, wenn du..."
"Worum geht's denn?", fragte Skuld ungeduldig.
"Ähm... Tja, ich erzähl's dir mal einfach. Also, ich habe einen Onkel, der in China wohnt, und der kommt so einmal im Jahr zu Besuch. Und heute ist er gekommen. Und er hat gesagt, wie groß ich geworden bin und so, und mich dann gefragt, ob ich schon eine Freundin hätte. Ich hab dann ein wenig gestottert, weil ich nicht so ganz realisiert habe, was er damit meinte, und nicht wusste, ob ich jetzt sage: Ja, Skuld heißt sie' oder ob ich sage Nein, nicht wirklich' und ohne, dass ich etwas Bestimmtes gesagt hätte, hat er mir grinsend auf die Schulter geklopft und mir gratuliert. Und jetzt stecke ich in der Tinte. Wenn ich ihm sage, dass es sich da um ein Missverständnis handelt, glaubt er mir nicht oder ist vielleicht beleidigt oder hält mich für einen Volltrottel, und das will ich eigentlich nicht. Aber das Happigste kommt noch. Er hat dann vorgeschlagen, dass ich meine Freundin doch zum Abendessen mitbringen solle, und meine Eltern haben gesagt, die Idee fänden sie sehr gut. Wenn ich jetzt bis morgen Abend keine Freundin auftreibe, habe ich ein Problem."
"Bin ich etwa nicht deine Freundin?", fragte Skuld erst mal beleidigt.
"Natürlich bist du das, Skuld. Du bist zwar meine Freundin, aber nicht meine Freundin. Verstehst du?"
"Ach so, klar, deine Freundin bin ich natürlich nicht."
"Aber du bist die einzige, die ich fragen kann. Wie gesagt, also..."
"Du meinst, kurz gesagt, als deine Freundin sollte ich aus Freundschaft den Part als deine Freundin übernehmen, richtig?"
"Bis nächste Woche. Bis er wieder nach China fliegt, meine ich."
Sie war damit schon einverstanden (Das war ja nun wirklich kein Problem, kicher), aber Skuld bemerkte etwas, was sie gelinde gesagt beunruhigte. Sie ging ganz nah an Sentaro heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
"Was?", fragte Sentaro aufgeregt. Er hatte nicht verstanden, was Skuld zu ihm gesagt hatte, aber ihr Atem verursachte so ein seltsames Gefühl...
"Ich fragte: Wie sieht dein Onkel aus?", wiederholte Skuld etwas lauter.
"Also, er sieht mir unglaublich ähnlich, sagt meine Mutter immer. Ich habe Fotos von ihm gesehen, auf denen er in meinem Alter war. Ich habe wirklich gedacht, ich wäre das. Wieso?"
Das habe ich befürchtet, dachte Skuld. "Sorry, Sentaro.", flüsterte sie ihm zu. Noch bevor Sentaro Hä?' oder so etwas in der Richtung sagen konnte, hatte Skuld bereits mit ihren Händen seinen Kopf ganz nah zu ihrem genähert, und bevor Sentaro Finger weg!' sagen konnte, ihre Lippen auf seine gedrückt.
Wumms. Das war nicht das exakte Geräusch, aber so hätte es lauten können, wenn ein Herz solche Geräusche machen könnte.
Sentaros Gefühle spielten Achterbahn. Was tut sie denn da? Warum? Wieso so plötzlich? Will sie nur üben oder meint sie es ernst oder wie oder was? Was? Ist? In? Sie? Gefahren?
Dann ließ Skuld ihn wieder los. Bevor Sentaro etwas sagen konnte, hob sie entschuldigend die Hände. "Ich habe aus den Augenwinkeln deinen Onkel gesehen, wie er dich beobachtet hat. Da musste ich natürlich alles tun, um ihn dazu zu bringen, zufrieden wieder abzuziehen, verstehst du? Jetzt ist er weg. Jetzt darfst du mir eine reinhauen.", sagte sie und hielt ihm ihre Backe hin.
"Nein, nein, ist nicht nötig." Sentaro fand es immer noch schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. "Du hast halt schon angefangen, mir den Gefallen zu tun. Aber he - War es wirklich notwendig, es so zu übertreiben? Jetzt hält er mich wahrscheinlich auch noch für frühreif, und wenn wir Pech haben, fängt er an, sehr indiskrete Fragen zu stellen."
"Wie, sehr indiskret?"
"Eben diese Art von indiskret."
"Ach so... Hoppla..."
"Und da ist noch ein anderes Problem...", sagte Sentaro nach einigem Zögern.
"Welches?", fragte Skuld.
"Dummerweise... war das mein erster... Kuss."
"Oh. Das war nicht meine Absicht." Skuld grinste verlegen. "Soll ich dir was sagen? Meiner auch."
"Macht nichts. Es ist nicht so, dass das direkt ein Problem wäre..." Sentaro schaute lächelnd und ein wenig gedankenverloren in den Himmel. "Ich habe mir halt gedacht, dass ich mir den für diejenige aufsparen wollte, die ich auch wirklich gern habe."
"Hast du mich nicht gern?", wollte Skuld beleidigt wissen.
"Doch, Skuld, natürlich. Ich habe dich gern. Aber ich habe dich nicht gern."
"Du drückst dich schon wieder so deutlich aus.", beschwerte sich Skuld lachend. "Wie schaffst du es eigentlich, so kursiv zu reden?"
"Keine Ahnung. Ich kann es halt irgendwie."

"MORISATO!"
Oh, nein, dachte Keiichi. Nicht die schon wieder.
"Wo bist du gestern gewesen, hä?", fragte der Hüne mit Namen Tamiya und drückte Keiichi mit seinen Fäusten gegen die Wand.
"Daheim.", murmelte Keiichi. "Hatte was zu regeln."
"Mit deinen drei Frauen im Hause, wie? Du unerträglicher Frauenheld!", rief Tamiya und drückte fester.
"Und dann ist die eine auch noch die Königin! Du hast für unseren Geschmack einen zu guten Geschmack!", knurrte Ootaki ihm entgegen.
"Wrdt r mch btt lslssn?", presste Keiichi hervor.
"Sagt mal, ist das etwa Respekt vor dem von der Gründerpräsidentin höchstselbst akzeptierten Präsidenten des Motorclubs, dessen Aufsichtsratsvorsitzende ihr vollkommen unverdient zu sein vorgebt?"
"Was?", fragten die beiden Riesen gleichzeitig.
"Finger weg, ihr Vollidioten!", drückte Chihiro sich etwas einfacher aus.
Das wirkte. Die beiden Hünen ließen von Keiichi ab, der gierig nach Luft schnappend zu Boden sank. "Wir wollten nicht...", fingen sie gleichzeitig an.
"Ich wäre euch jetzt sehr verbunden, wenn ihr diesen Platz, an dem ihr rein gar nichts mehr bedürft zu tun, unverzüglich verlassen würdet."
"Äh..."
"Verschwindet."
"Oh. Natürlich, o Präsidentin.", sagten die beiden gleichzeitig und entfernten sich eilig. Sie stellten ein fleischgewordenes Sprichwort dar, indem sie mit ihren überwältigenden Füßen den auf dem Boden liegenden Staub aufwirbelten und auf diese Weise nach wenigen Sekunden nicht mehr zu sehen waren.
"Na also. Man braucht ihnen nur ein wenig gut zuzureden, und schon hat man Ruhe. Und? Läuft alles soweit?"
"Na ja. Es geht schon wieder.", murmelte Keiichi und renkte einige Knochen wieder ein. "Danke."
"Keine Ursache. Keiichi." Chihiro legte ihre Hände auf Keiichis Schultern. Sie atmete tief durch. "Als Präsident des Nekomi-Motor-Clubs ist es deine heilige Pflicht, mir nun dein Ohr zu leihen. Unter der Amtszeit der beiden..." Sie nickte in die Richtung, in die Tamiya und Ootaki verschwunden waren. "...Trottel da wurde leider eine uralte Tradition sträflichst vernachlässigt."
"Uralte Tradition? Beim Motor-Club? Ist das nicht etwas übertrieben?", fragte Keiichi vorsichtig.
"Schweig.", sagte Chihiro scharf. "Das ist irrelevant. Hast du schon vom SGMR gehört?"
"Äh..." Keiichi gab zu, dass er schon davon gehört hatte. Irgendein ziemlich zwielichtiges Rennen, von dem das Gerücht umging, es ginge dort nicht ganz mit legalen Mitteln zu. Einzige Bedingung: man muss mit dem Motorrad eine Strecke zwischen zwei Punkten zurücklegen, egal wie und auf welcher Strecke. Man muss nur im Ziel dasselbe Motorrad unter den Füßen haben wie am Start. Im Sinne des Rennens darf man mit seinen Kontrahenten so ziemlich alles anstellen. Das ist allerdings nicht mit dem Gesetz vereinbar, deswegen kämpfen Polizisten regelmäßig gegen das Stattfinden. Keiichi schwante Übles.
"Einerlei. Mein Traum ist es immer gewesen, dass unser Motor-Club eines Tages dieses Rennen gewinnen kann. Aber seit meinem Abgang wurde über dieses Thema nie richtig diskutiert, richtig?"
"Tja, das kann ich nicht leugnen..."
"Diese zwei feigen Trantüten!"
Keiichi rief sich das Bild von Tamiya und Ootaki wieder ins Gedächtnis. Feige...? Trantüten...?
"Auf jeden Fall musst du dem ein Ende bereiten. Führe den Motor-Club zum Sieg im härtesten Rennen Japans! Die ganze Welt schaut auf dich!", rief Chihiro.
He, Welt? Schau weg. "Na ja... Das Rennen ist SEHR hart und überaus gefährlich... Ich weiß nicht, ob irgendjemand in unserem Club dazu ber..."
"Ich wusste, dass du mir zustimmen würdest! Und ich wusste, dass du den Mut und den Ehrgeiz besitzt, unser Siegermotorrad ins Ziel zu führen! Keiichi, ich bin stolz auf dich! Und der Rest der Welt ist es auch."
"Aber, äh..."
"Ja, Keiichi, du wirst es schaffen! Morgen findet eine von der Gründerpräsidentin einberufene Sitzung statt! Ich verlasse mich darauf, dass alle anwesend sein werden, um unsere höchst heilige Mission mit Freuden zu vernehmen!", rief Chihiro, machte kehrt und schwebte in euphorischer Stimmung von dannen...
Und ließ einen total überrumpelten Keiichi zurück. "Ich bin verdammt.", murmelte er und sank theatralisch auf die Knie.

"Also, Vater, Mutter, Masaki, das, äh, ist Skuld.", stotterte Sentaro.
"Es freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen.", sagte Skuld und verbeugte sich.
"Die Freude ist ganz meinerseits.", antwortete Sentaros Vater.
"Das Essen ist bereits fertig. Setzt euch doch.", sagte Sentaros Mutter und zeigte einladend auf den Tisch, der wirklich mit allerlei gar lieblichen Speisen angefüllt war. (Mist! Ich muss mir den Chihiro-Stil wieder abgewöhnen!)
Skuld wartete kurz ab, wo Sentaro wohl Platz nehmen würde, und setzte sich auf den Platz neben ihm. Sie verschuf sich einen Überblick über das Angebot und war angenehm überrascht. Belldandys Essen hatte ihre Ansprüche mächtig hochgeschraubt, was das Essen betraf, aber das hier schien ihren Ansprüchen voll und ganz zu genügen.
Am Tisch herrschte gespanntes Schweigen. Zwischen Skuld und Sentaros Verwandten lag eine ziemliche Distanz, die Sentaro überaus beunruhigte.
"Vorzüglich!", rief Skuld aus. Was sie hier aß, war nicht unbedingt besser als Belldandys Essen, aber es war ABWECHSLUNG. Jahre hatte sie mit Belldandys Essen verbracht. Auch wenn es Belldandy gut verstand, ihr Essen so schmackhaft zu machen, dass es nie fade wurde, und das größte Repertoire an Kochrezepten überhaupt besaß, es gibt eben Dinge, die jeder Koch anders macht.
"Dankesehr.", lächelte Sentaros Mutter ihr zu.
Skuld schaute sich unauffällig um. Sentaros Eltern, mit einer unübersehbaren Neugier im Gesichtsausdruck, und Sentaros Onkel Masaki, der sie und Sentaro mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck bedachte, als könnte er irgendetwas nicht glauben. Skuld gefiel dieses Misstrauen nicht. Sie hatte schließlich einiges zu verbergen...
Review schreiben