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Alles begann mit einer Entdeckung

GeschichteHumor / P6 / Gen
Legolas
26.05.2004
26.05.2004
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26.05.2004 2.065
 
Gelangweilt schlenderte eine kleine Gestalt durch die Gärten des Königshauses von Düsterwald. Es war niemand geringeres als der kleine Legolas, für den mal wieder niemand Zeit hatte. Also hatte der Junge beschlossen, eine kleine Abenteuerreise in die Privatgärten seines Vaters zu unternehmen. Zwar kannte er hier schon jeden Winkel und jedweges Versteck, doch für einen jungen Elben war gerade der Frühling eine sehr interessante Jahreszeit. Überall reckten die Blumen ihre Köpfchen der wärmenden Sonne entgegen und der Gesang der Vögel begleitete ihn.

Hier und da blieb der junge Elb stehen und pflückte einige Blumen, mit denen er seiner Naneth eine Freude machen wollte. Sie schimpfte immer, wenn er ihr eine Blume aus den schön hergerichteten Beeten schenken wollte, aber gegen Blumen der Natur hatte sie bestimmt nichts. Doch bisher war die Suche recht erfolglos, denn die meisten Pflanzen waren noch nicht richtig erblüht oder gefielen Legolas nicht. Und was ihm nicht gefiel, das mochte seine Naneth bestimmt auch nicht.

Enttäuscht blieb Legolas stehen und blickte auf die Blüten in seiner Hand hinab. Es war selbst für den kleinen Elb unschwer zu erkennen, dass die Blumen sich nach Wasser sehnten und wohl bald ihre Köpfe hängen lassen würden. Etwas hilflos sah sich Legolas um, denn schließlich wollte er seiner Naneth eine Freude machen. Große blaue Augen suchten die nähere Umgebung ab und blieben an einem Baum mit besonders großen Blättern hängen. Noch einmal besah sich der junge Elb die beiden Blümchen in seiner Hand und blickte dann in die Krone des Baumes. Eine Idee keimte in dem abenteuerlichen kleinen Köpflein auf und Sekunden später ließ Legolas die Blumen zu Boden fallen.

Beim Anblick der Blätter war ihm nämlich die Idee gekommen, dass er seiner Naneth ein Blatt schenken könnte, auf das er dann mit Farbe einen Handabdruck machen könnte. Darüber würde sie sich bestimmt mehr freuen, als über halb verdurstete Blumen.
Mit einem komischen Gefühl im Bauch blickte der kleine Elb den Baum hinauf und wusste nicht so recht, wie er an die größten Blätter kommen sollte. Aber er war ja schließlich ein Krieger und Krieger kannten weder Angst noch Bedenken.

Also setzte er das kleine gelbe Plüschlämmchen unter dem Baum ab. "Du tust schön aufpassen Rondi und wenn jemand kommt, dann guckst Du böse wie ein Balrog." Legolas sah das kleine Lämmchen noch einmal an und machte sich dann daran, auf den Baum zu klettern.
Dies war schwerer, als gedacht, denn seine kleinen Händchen fanden oftmals keinen Halt an der rauen Borke. Doch aufgeben wollte er nicht, schließlich wollte er ja seiner Naneth eine Freude machen. Stück für Stück wagte sich der kleine "Krieger" weiter hinauf und schaffte es schließlich, sich auf einen Ast zu setzen.

Völlig außer Atem saß er nun da und fühlte sich wie ein echter Krieger. "Ada wäre bestimmt stolz auf mich." Mit diesem Gedanken suchte er nach einem passenden Blatt und wollte gerade eines abmachen, als ein Geräusch seine Aufmerksamkeit forderte. Leises Piepsen drang an sein Ohr und neugierig wie er nun mal war, robbte er auf dem breiten Ast dem Geräusch entgegen.

Sekunden später hellte sich sein Gesicht auf, denn direkt vor ihm hatte eine Vogelfamilie ihr Nest errichtet. Voller Begeisterung beobachtete der Elbenjunge die winzigen Vögel, die scheinbar nach Nahrung schrieen, ihre Köpfchen reckten. Erst dann fielen ihm die Eier auf, die ebenfalls noch in dem Nest lagen. Jetzt war seine Neugier erst recht geweckt, denn eines der Eier schien sich zu bewegen. Mit großen Augen betrachtete er das weiße Etwas, an dem plötzlich Risse entstanden. Vergessen waren die kleinen, schreienden Vögel, für ihn war nur noch das sich bewegende Ei von Bedeutung.

Zaghaft streckte er eine Hand danach aus, als es plötzlich durchbrochen wurde und sich ein Köpflein der Freiheit entgegen reckte. Er war davon so sehr fasziniert, dass er sein eigenes Abenteuer völlig vergaß. In seinem Kopf formte sich eine neue Idee und er erinnerte sich daran, dass er jeden Morgen ein Frühstücksei aß. Tränchen sammelten sich in seinen Augen, als ihm klar wurde, dass Babyvögel aus Eiern schlüpften. Zwei Gedanken wuchsen heran und schließlich beschloss er, nie wieder ein Ei zu essen. Aber er wollte schon immer ein echtes Haustier haben und gegen einen kleinen Vogel würde bestimmt niemand etwas haben.

So schnell es ging kletterte der kleine Elb von dem Baum und schnappte sich sein Plüschlämmchen. "Bald bist Du nicht mehr alleine Rondi...dann haben wir einen neuen Freund." Mit diesen Worten machte sich Legolas auf den Weg in die Küche. Da würde man ihm bestimmt ein Ei geben.

Wie gewöhnlich, wenn Gäste am Hofe Thranduils waren, herrschte dort Aufregung und Hektik. Niemand wollte Legolas so richtig wahrnehmen, der verloren zwischen all den Dienerinnen und Köchen stand. Etwas hilflos sah er sich um und entdeckte schließlich Menalea, die Kartoffeln schälte. Die Köchin hatte meistens ein Einsehen mit ihm, wenn das Abendessen mal wieder nicht geschmeckt hatte und er mit Hunger durch die Gänge streifte. Zaghaft zog der kleine Elb an ihrer Schürze und sah sie aus großen blauen Augen an.

"Legolas, wie schön euch hier zu sehen. Hat das Mittagessen nicht geschmeckt? Leider habe ich keine Zeit, aber ich könnte euch eine Banane anbieten." Die Köchin wollte gerade nach der Obstschale greifen, als Legolas erneut an ihrer Schürze zog. "Mea....kann ich bitte....hm....ein Ei bekommen?" Irritiert sah die Elbin den jungen Prinzen an und zog schließlich eine Augenbraue hoch. "Wozu braucht das Prinzlein denn ein Ei?" Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie seinen verzweifelten Gesichtsausdruck sah. "Ich ich....." Fieberhaft überlegte der junge Elb, was er als Begründung vorbringen konnte, aber es war schon nicht mehr nötig.

Menalea hatte Mitleid mit dem Jungen, reichte ihm ein gesprenkeltes Ei und wurde mit einem strahlenden Lachen belohnt. "Passt aber auf Legolas. Lasst es nicht fallen, sonst geht es kaputt." Legolas nickte auf diese Bemerkung heftig und tapste strahlend mit dem Ei in der Hand davon. Ganz vorsichtig hielt er es fest und beeilte sich, damit in seine Gemächer zu kommen.
Dort legte er das kleine Ei auf sein Bett und kletterte ebenfalls mit Rondi in der Hand auf die weiche Matratze. "Schau Rondi...das ist unser neuer Freund. Wie nennen wir ihn denn? Hm...Du meinst wir sollen ihn Cely nennen? Eine gute Idee. Jetzt muss das kleine Vögelein nur noch kommen. Aber dazu müssen wir das Ei ganz warm halten, sonst friert das Vögelchen und mag gar nicht aus seinem Häuschen rauskommen."

Voller Begeisterung kletterte der kleine Elb wieder von seinem Bett und zog aus dem Schrank eine alte Tunika sowie eine Decke vor. Schwer bepackt und beinahe von jedweger Sicht behindert, tapste er zurück zu seinem Bett und hob die Decke etwas an. "Damit das Vögelchen auch noch ein wenig schlafen kann, soll das Licht nicht stören. Du kannst auch nur schlafen wenn es Dunkel ist Rondi." Legolas strahlte sein Plüschlämmchen an kniete sich vor sein Bett. Geschickt baute er mit seiner Tunika und der Decke ein kleines Nest für das gesprenkelte Ei, dass immer noch in der Obhut seines Lämmchens war.

Sekunden später rannte der kleine Wirbelwind hinaus auf den Balkon und kletterte über das Geländer, um in dem angrenzenden Garten noch weiches Moos zu holen. Das legte er ebenfalls in das Nestchen, schließlich sollte es das Ei ja bequem haben.

Es dauerte noch eine Weile, bevor Legolas mit dem neuen Zuhause für sein Haustier zufrieden war. Da er aus eigener Erfahrung wusste, dass Babys und kleine Kinder gerne spielten, legte er auch noch eines seiner Plüschtiere in das Nest. Endlich war Legolas zufrieden und hob behutsam das Ei in sein neues Zuhause. "Schlaf gut kleiner Cely", flüsterte der junge Prinz und deckte das Ei mit seinem Lieblingsschal zu. Jetzt noch das Bettlaken zurecht rücken und das Ei hatte unter dem Bett auch noch Ruhe vor der störenden Sonne.

Zufrieden mit sich selbst und ganz glücklich über seinen neuen Freund beschloss Legolas, ein Bild für seine Naneth zu malen, denn er hatte ja weder Blumen noch einen Handabdruck auf einem Blatt für sie.
Ganz bei der Sache war der kleine Elbenprinz jedoch nicht, musste er doch ständig unter das Bett gucken. So vergingen die Stunden bis zum Abendessen. Als es schließlich an der Tür klopfte, hatte Legolas sein Bild fertig und lief strahlend zur Tür.

Doch anders als erwartet, war es nicht seine Naneth, sondern Cámion. "Legolas, es ist Zeit für das Abendessen. Deine Eltern sowie die Gäste erwarten Dich schon." Der Berater Thranduils wartete geduldig, bis Legolas sein Plüschlämmchen sowie das Bild geholt hatte und begleitete ihn dann in den großen Saal. Dort wartete man nur noch auf Legolas, der wie ein Wirbelwind auf seine Naneth und seinen Adar zustürmte und beide fröhlich begrüßte. "Naneth....ich hab ein Bild für Dich gemalt und ich muss Dir unbedingt etwas erzählen." Aufgeregt zupfte der junge Elb an dem Kleid seiner Naneth, die ihn milde lächelnd ansah und dann das Bild betrachtete. Es zeigte einen Elben, einen Baum und viele Punkte am Himmel, die wohl Vögel darstellen sollten. "Wie schön mein Kleiner. Vielen Dank. Aber das mit dem Erzählen müssen wir später machen, denn das Abendessen ist schon angerichtet. Nicht traurig sein." Sanft hauchte die Königin ihrem Sohn einen Kuss auf die Stirn und hob ihn auf seinen Platz.

Während die Erwachsenen über Staatsgeschäfte redeten, war für den kleinen Legolas das Essen langweilig und so dauerte es nicht lange, bis er an der Tunika seines Adars zupfte. "Ada Ada....bitte darf ich aufstehen und nach Cely sehen?" Der König sah seinen Sohn lächelnd an und kam keinen Augenblick auf die Idee, zu fragen, wer Cely ist. Thranduil strich über das blonde Haar und nickte zum Zeichen seines Einverständnisses. Das wurde von Legolas mit einem Schmatz auf die Backe belohnt und schon war das blonde Königskind aus dem großen Saal verschwunden.

Natürlich führte ihn sein Weg in seine Gemächer, wo er sofort nach dem Ei sah. Doch weder waren Risse in der glatten Oberfläche, noch saß ein kleiner Vogel darin. "Ich glaube Cely will noch nicht rauskommen", sagte er zu seinem Plüschlämmchen und rannte in das angrenzende Badezimmer. Von dort brachte er eine kleine Schüssel Wasser sowie ein Tuch mit. Ganz vorsichtig wusch er das Ei mit dem warmen Wasser ab, trocknete es ab und legte es wieder zurück in das wärmende Nest.
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