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...und die Hoffnung stirbt zuletzt

von Gil-Estel
GeschichteDrama / P6 / Gen
20.05.2004
20.05.2004
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Besondere Grüße gehen diesmal an Joanne Delany, die mich angespornt hat. Danke, sonst wäre ich wohl niemals fertig geworden *g*
Nicht zu vergessen Mirenithil. Ebenfalls liebe Grüße!

Der Titel der Geschichte passt irgendwie nicht so dazu, aber das ist mein Lieblingssatz und er musste einfach rein *g*
Die Liedtexte stammen von Evanescence "My Immortal" und Laith Al-Deen "All das Leben" und "Augen".
So, das war's von meiner Seite, nun viel Spaß beim Lesen.



...und die Hoffnung stirbt zuletzt


Manchmal kann ich nicht denken,

und plötzlich steh ich mittendrin,

geglaubt, ich könnte es lenken,

mit meinem Kopf, mit meinem Sinn.

Alles anders als ich dachte, bricht es plötzlich ein.

Weder vorsichtig noch sachte, lässt es mich allein.


Elanor atmete tief die warme Luft des Frühlings ein und lehnte sich entspannt an einen hohen Baum. Lächelnd lauschte das junge Hobbitmädchen den wunderschönen Stimmen der Vögel.
Sie liebte die Natur wie kein anderer und jede freie Minute verbrachte Elanor auf den Wiesen und Wäldern ihrer Heimat.
"Das hast du von deinem Vater", pflegte ihre Mutter zu sagen, "Er liebt die Natur genau wie du."
Sam war damals Gärtner im Auenland gewesen und erfreute sich an jeder Blume die erblühte, an jedem Baum der Früchte trug und an dem Duft der Natur der so rein war wie nichts anderes.
Sam hatte seiner Tochter all die Geschichten über den tapferen Herrn Frodo und dem Einen Ring erzählt. Elanor beneidete ihren Vater um die Abenteuer die er erlebt hatte, aber dies würde sie niemals vor ihm zugeben.
"Abenteuer? Nein, das war kein Abenteuer. Die Fahrt war gefährlich und hätte uns beinahe das Leben gekostet, Elanor. Wir haben durch den Ringkrieg vieles verloren und doch einiges gewonnen." Mit diesen Worten gab Sam seiner Tochter das Tagebuch, das er während seiner Fahrt geschrieben hatte. Elanor strich gedankenverloren über den ledernen Einband des Werkes.
Aufzeichnungen einer Schicksalshaften Fahrt.
Nun hatte sie das Buch fast ausgelesen, nur die letzten Seiten fehlten ihr noch. Jetzt verstand sie ihren Vater. Wie viel Schmerzen hatten sie alle ertragen und wie viele Qualen hatten sie auf sich genommen, um die Welt in der sie lebte zu retten.
Doch als alles verloren schien, wandelte sich die Hoffnungslosigkeit in Mut, Stärke und Willen. Das Band der ewigen Freundschaft erreichte ihr Ziel und siegte über die Dunkelheit. Die Sonne bekam ihre Kraft zurück und schickte ihre wärmenden Strahlen hinaus in die gequälte Welt Mittelerdes.
Elanor wandte ihren Blick vom Blau des Himmels ab und schlug das Buch dort auf, wo sie gestern aufgehört hatte zu lesen.


I'm so tired of being here

Suppressed by all my childish fears

And if you have to leave

Cause your presence still lingers here

And it won't leave me alone


These wounds won't seem to heal

This pain is just to real

There's just too much that time cannot erase


Hoffnung gibt es immer, sagt man. Doch wenn man sich von einander entfernt, wenn alles zerbricht, ist dann nicht alles verloren? Geliebte Menschen gehen und kehren nicht zurück. Der Schmerz sitzt zu tief, als dass man ihn überwinden könnte. Zu tief, als dass man ihn vergessen könnte. Die Welt zerbricht, siehst du es nicht? Aber ja. Doch weshalb unternimmt niemand etwas? Sind wir feige? Oder einfach schwach? Hilflos? Sind wir nicht auch ein Volk, das überlebt hat? Unser aller Aufgabe ist es, die Welt zu beschützen und sie so zu bewahren wie sie ist. Eines Tages wird unsere Heimat keine Kraft mehr besitzen, unsere Fehler gut zu machen. Auch sie wird schwächer. Und erst dann werden wir unsere Schuld eingestehen, Tränen vergießen. Tränen für eine sterbende Welt, die wir zwar geliebt haben, aber nicht bewahren konnten. Die Trauer wird uns überfluten, Tränen des Schmerzes werden fließen und irgendwann werden wir diese Welt für immer verlassen. Doch bis es soweit ist, müssen wir unser Umfeld mit all den Lebewesen erhalten. Deshalb sind wir hierher gekommen, das ist unser Schicksal.
All die Geschöpfe Mittelerdes stehen sich in Angst und Hass gegenüber. Liebe bedeutet nichts mehr, die Herzen sind voll von Zorn und Feindseligkeit. Man kann es in ihren Augen sehen, denn die eigene Hilflosigkeit spiegelt sich darin, fesselt mich und lässt mich nicht mehr los.

When you cried I'd wipe away all of your tears
When you`d scream I'd fight away all of your fears
I help your hand through all of this years
But you still have
All of me

Die Schatten des Lebens senken sich über unsere Welt. Nichts ist mehr wie es war, die Dinge ändern sich. Wir blicken in eine ungewisse Zukunft und viele von uns werden sie nicht erleben. Doch richte deinen Blick nach vorne, lass die Vergangenheit ruhen. Ja, die Wunden der Ferne schmerzen und doch lebst du weiter. Ich aber sehe die Qual in deinen Augen, sehe wie die Schmerzen deinen Körper lähmen. Du hast deine Kraft verloren. Die Kraft, über das zu lachen, was dir Angst macht.
Ich sehe wie du leidest und wie sich unsere Wege trennen. Dein Kummer macht mich traurig und doch versuche ich dieses Gefühl beiseite zu schieben. Denn du sollst nicht sehen, dass Tränen in meinen Augen stehen, wie mich eine unendliche Traurigkeit übermannt, wenn ich dich nur ansehe.
Ich wünschte, ich könnte das Leid von dir nehmen. Alles würde ich geben, könnte ich dich nur ein letztes Mal noch lachen sehen. Ein glückliches Lachen, aus alten Zeiten, befreiend und heilend.
Und auch wenn du lachst, spiegeln sich die Schmerzen wider die du erlitten hast und noch immer erleidest.
Doch hast auch nicht du ein Recht darauf, glücklich zu werden? Hast du nicht schon genug erduldet?

Du hast eine Entscheidung getroffen, ich habe es schon gewusst, als wir wieder Zuhause waren. Du solltest die Chance bekommen, wieder glücklich zu werden.
Du bist so zart wie Glas und ich habe mir geschworen dich zu beschützen, damit du niemals zerbrichst. Ich sollte dich vor allem Bösen bewahren und doch ist es mir nicht gelungen. Hat es schließlich nicht überhand genommen?
Nun hast du mich also verlassen. Doch ich will nicht traurig sein, denn ich freue mich für dich. Dein Herz ist jetzt frei und unsterblich.
Oft denke ich zurück an die friedlichen Tage, an denen wir gemeinsam durch das Auenland gestreift sind. Wie sehr mir das fehlt. Wie sehr du mir fehlst. Doch ich bin frohen Mutes, denn eines Tages werden wir uns wieder sehen. Vielleicht sogar schon früher als erwartet. Und bis dahin halte ich dich hier in meinem Herzen und bewahre meine Erinnerungen. Denn nichts ist so stark wie eine ewige Freundschaft, die uns in Gedanken verbindet und unsere Herzen vereinigt.
Nichts heilt eine verwundete Seele mehr, als die Hoffnung die tief in dir erblüht und dich wieder erstrahlen lässt.
Als du gegangen bist, hast du mir etwas geschenkt, das ich für immer in meinem Herzen und meiner Seele behalten möchte. Du hast gelächelt.
Ein frohes, ungezwungenes Lächeln hast du mir gewährt. Und in diesem Augenblick wusste ich, dass ich dich gehen lassen würde. Denn ich wollte, dass du endlich wieder glücklich sein kannst, frei von Angst und Schmerz.
Und ich warte auf den Tag an dem wir uns wieder sehen, mein Freund, mein Bruder.
Denn die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich bin bei dir, jetzt, hier, immer

Ich bin bei dir, jetzt, hier, immer

Halt ich zu dir



Ende.
 
 
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