Dernière Aube

von Samamy
GeschichteRomanze / P6
20.05.2004
20.05.2004
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Ein Lächeln liegt auf deinen Lippen. Es ist schwach, aber ich kann es ganz genau durch meine tief grünen Augen erkennen.
Wie kannst du mir das nur antuen? Ich sitze hier, in der letzten Reihe, beinahe allein in der großen, weißen Kirche.
Unsere Freunde schauen euch dort von der weißen Bank in der zweiten Reihe gerührt an, und auf Scimmias Gesicht sehe ich deutlich eine Träne.
Er wischt sie sich sofort weg.
Wahrscheinlich soll niemand erfahren, dass ausgerechnet er wegen dir und Danoi weinte.

Wahrscheinlich würden mir auch vor Rührung die Tränen in die Augen kommen, wenn ich nicht so traurig wäre. Oder bin ich wütend? Entteuscht?
Ich weiß nicht, wie ich mich fühle.
Ich hatte soetwas noch nicht gefühlt, aber ich weiß, dass das, was ich fühle, allein nur wegen dir ist.

Ich nehme garnicht richtig wahr, wie sich Tony vorne erhebt und sich neben mich setzt. Erst als er seine schwere Hand auf meine Schulter legt, erwache ich aus meiner Trance.
Erschrocken drehe ich mein Oberkörper zu ihn. Sofort fällt mir sein roter Zylinder auf.

Er merkt, das mein Lächeln nicht echt ist und fragt leise was mit mir sei.
Ich schüttel den Kopf und mache ihn mit einer Handbewegung klar, dass ich mich gut fühle, dann schaue ich wieder zu dir und Danoi.

Ihr schaut euch an, und ich spüre Tonys Blick in meinem Gesicht.
Es macht mich nervös, aber ich darf mir nichts anmerken lassen. Ich soll mich darüber freuen, dass Danoi deine Gefühle endlich erwiedert.

Ich erinnere mich; du kamst so oft zu mir und erzähltest mir von deinem Kummer, den du wegen Danoi hattest.

Sandey, du hast offen gezeigt, wie sehr du dieses Mädchen liebst, und sie war eiskalt zu dir.
Mir wäre es sicherlich auch so ergangen.

Ich senke meinen Blick. Ich kann dich nicht länger ansehen, dein Glück, welches du hast.
Du liebst Danoi, und sie liebt auch dich, das macht dich glücklich.
Ich schaue kurz zu Scimmia. Auch er freut sich, er freut sich für euch.

Julien sehe ich heute zum ersten mal, dass er seine schwarzen Locken nicht hinter seinem Kopf zusammen gebunden hat.
Er hält sein Gesicht versteckt.

Bestimmt ist er auch gerührt von der Hochzeit, die schon vorher gesehen war, seit du Danoi das erste mal gesehen hast.
Ihr beide passt gut zusammen, das perfekte Paar.
Es war eine Frage der Zeit bis Danoi auch dich lieben lernt.

Ich kann mich einfach nicht mehr zurück halten. Ich versuche schon die ganze Zeit, seit ich in der Kirche sitze, meine immer wieder aufkommenden Tränen zu schlucken, doch es klappt nicht.
Ich bin traurig. Ich bin traurig, dass ihr euch gefunden habt, Sandey und Danoi.

Swana lächelt. Sie ist auch glücklich. Für sie gibt es keinen Grund, unglücklich zu sein.
Einzigst ich fühle mich wie ausgenuzt. So dreckig. Ich bin traurig, weil du mich so hintergangen hast, Sandey.

Ich kann nicht wütend auf dich sein, aber ich bin traurig wegen dir.
Ich spüre, wie sich eine Träne ihren Weg über meine Wange bahnt und schmecke sie, als sie über meine Lippen rollt, und von meiner Kinn auf meine Hand tropft, welche ruhig auf meinem Knie liegt.

Schnell will ich sie heben um die Tränenspur zu verwischen, damit mich niemand weinen sieht.
Doch mehr Tränen sammeln sich in meinen Augen, als der Priester nun zum Ende seiner Rede kommt, und ihr kurz vor eurer Traung steht.
Ich bin so traurig, aber du siehst es nicht.

"Willst du, Sandey, die hier anwesende Danoi zu deiner rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen, sie lieben und sie ehren, in guten wie in schlechten Tagen, bis das der Tod euch scheidet, so antworte nun mit Ja!"

Meine Hand zittert, und schnell umfasse ich sie mit meiner anderen. Tony neben mir hat sich zurück gelehnt und seine Hände auf seinen Schoß gefaltet.
Bei der Bewegung drehe ich mich zu ihn um.
Er lächelt nur und fragt leise kaum verständlich: "Warum weinst du?"

Reflexartig wische ich mir noch einmal durch mein Gesicht, wobei ich meine Hand loslassen muss, und er sieht wie enorm mein Körper zittert.
Tony beugt sich wieder vor und nimmt ganz sanft meine Hand.

Sie sieht richtig klein aus, in jenen von Tony. "Du zitterst ja auch!"
Vorsichtig lasse ich meine Hand wieder aus Tonys gleiten und drehe mich wieder zu dir und Danoi.

Du hast noch immer nichts gesagt, und nun erkenne ich, dass auch deine Hand zittert. Warum? Wovor hast du Angst?

Du lässt die zart aussehnden Hände Danois los und senkst deinen Blick.
Langsam schüttelst du den Kopf.



***Flashback***

Ich spielte gerade mit Julien und Scimmia Karten, als Sandey und Danoi aufgeret ins Zimmer kamen, Hand in Hand und strahlend vor dem Tisch stehen blieben.

Ich ahnte schon schlimmstes, aber ich wollte es hören, bevor ich schloss, also wartete ich mit wild klopfendem Herzen ab, was ihr sagen würdet. Nun kam auch der bullige Mann von Tony die Treppe von unten hinauf und sah gespannt zu uns herüber.

Aber ich schenkte ihn keine Beachtung. Einzigst in meinem Blickfeld stand jetzt Sandey, mit seinem blond schimmernden Haar.
Er hatte keine Zigarette im Mund, woraus ich schloss, dass es sehr ernst sein musste, was er mit zu teilen hatte.

Er sah in die Runde, und als sein Blick auf meinem Gesicht hängen blieb, verschwand sein Lächeln und das Strahlen aus seinen Augen.
Seine sowieso schon blasse Haut wurde gar bleich und seine Mundwinkel fielen.

"Wir werden heiraten!" Kam es aus Danois Mund.
Ich sah Sandey an, dann schloss ich seuftzend meine Augen, legte meine Karten auf den Tisch und stand auf.

Ohne irgendwelche Worte zu sagen verließ ich den Raum durch jene Tür, durch welche sie gekommen waren, und ging hinaus an Deck.

Die frische Luft würde mir gut tun, hatte ich gedacht, doch anstatt von frischer Seeluft roch ich nur Fisch, Salz und Möwen.

***Flashback***

Du setzt deinen Fuß auf die unterste Stufe des Altars und setzt dich zu Danois Füßen, welche unter einem wunderschönen Hochzeitskleid verborgen sind.
"Entschuldigung", sagst du leise, und nimmst aus deiner inneren Jaket Tasche eine Zigarette, und steckst sie dir in den Mund.

Nun suchst du in deinen anderen Taschen nach deinen Streichhölzern, aber du findest sie nicht.
Nach einer geringen Zeit nimmst du die Zigarette wieder aus deinen Mund.

Danoi sieht geschockt zu dir hinunter, als du sagst: "Tut mir leid Danoi! Ich kann nicht!"

Augenblicklich schmeisst sie den Blumenstrauß aus roten und blauen Rosen und lila farbenden Veillchen zu deinen Füßen auf den Boden, sie hebt ihr Kleid an und läuft dann über den blauen Samt Teppich, über welchen sie eben in die Kirche kam, zurück zur großen Eingangstür und verschwindet.

Alle unsere Freunde auf der Bank in der zweiten Reihe schauen verwirrt zu dir hinüber, und auch Tony ist so überrascht, dass er sich nicht mehr um mich sorgt.
Du schaust auf zu mir.
Auf deinem Gesicht liegt derselbe Schein, wie als du verkündetest, dass du Danoi heiratetn wirst.

Du stehst auf, wirfst die Zigarette auf den blauen Teppich und sagst : "Dernière aube... puor Danoi!"

***Flashback***

Ich stand an der Reling unserers Schiffes und sah hinaus aufs dunkle Meer, auf welchem sich glitzernd das Licht des Mondes spiegelte.
Ich hörte Sandeys Schritte hinter mir und sah in meinem Augenwinkel, wie er sich ebenfalls über die Reling lehnte.
Er zog noch einmal von seiner Zigarette, bevor er den Rest ins Meer schnippste.
Der Stummel wurde von einer kleinen Welle in die Dunkelheit getrieben.

"Dernière aube pour moi?" Fragte ich vorsichtig, die Antwort eigentlich schon wissend. Er drehte sich um, sah in den Himmel und blies den Qualm gen Dunkelheit. "Es sieht so aus!"
"Du liebst sie sehr?!" Ich wusste es schon.
Sandey nickte, er drehte sich wieder zu mir um und sagte: "Ich würde sterben für sie!"
Ich nickte verstehend. "Dernière aube pour moi!" Sagte ich noch einmal und sah zu Sandey!

***Flashback***
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