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sen bain - so schön

von Camlost
GeschichteDrama / P12 / MaleSlash
Aragorn Legolas
09.05.2004
12.05.2004
1
1.801
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09.05.2004 1.801
 
Disclaimer: Aragorn und Legolas gehören natürlich nicht mir... *seufz*. Obwohl ich habe mir schon manchmal gedacht, dass Mister Tolkien sie eigentlich mir hätte vermachen können.



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~~  Sen Bain  ~~

( so schön )

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Aragorn musste schlucken, als er zu dem Elben hinunter sah, der auf dem Boden sass. Sein Kopf war vorne über gebeugt und er schnitzte einen Pfeil aus einem Stück Holz. So wunderschön, dachte Aragorn. So wunderschön, so stolz, so edel.

Blonde Haare flossen um perfekte Züge, wie flüssiges Gold. Die letzten Sonnenstrahlen wurden von der schimmernden Mähne aufgesogen und widergespiegelt. Perfekte Züge waren auf seinem Gesicht und die Augen, tiefer als jeder See es je hätte sein können.

Der Elb schien die Augen, die auf ihm ruhten endlich zu bemerken und sein Kopf erhob sich mit einem sanften Ruck, ein Lächeln erschien auf den perfekt geschwungenen Lippen, als er Aragorn entdeckte.

Aragorn lächelte zurück und blickte in diese Augen, versank in den unermesslichen Tiefen dieser Orbe. Ihre Farbe war nicht festzustellen, sie waren grün und blau und doch glänzten sie heller als jeder Stern es jemals könnte. Sie hatten die unergründliche Farbe des Meeres. Und widerspiegelten die tiefe, liebvolle und gute Seele dieses unglaublichen Geschöpfes.

"Ma cenich, Estel (was schaust du so Estel)?"  Legolas hob die Brauen und trotzdem er langsam aufstand, löste er seine Augen nicht von Aragorn.

Die schmale, schlanke Figur des Elben war in einen der grauen und schweren Mäntel von Lothlórien gehüllt. Und obwohl man kein Stück des eleganten Körpers unter dem grauen Stoff sehen konnte, erkannte man die Kraft und Eleganz in den Bewegungen des Prinzen.

Aragorn lächelte als er Legolas Worte hörte. Er liebte die Stimme des Bogenschützen. Sie war so sanft, sogar wenn er wütend war. Und der Elb war nicht einmal wütend.

Seine Stimme klang wie Glocken, wie das Gezwitscher der Vögel, die den Tag eröffneten, es klang als ob jemand dem prasselnden Frühlingsregen eine neue Form gegeben hatte und sie diesem Zauberwesen als Stimme geliehen hatte.

"Cenin'ce (ich schaue dich an), Legolas." Legolas lachte auf und Aragorns Herz machte einen schmerzhaften Sprung. "Milin lalaith lîn (ich liebe dein Lachen)," flüsterte Aragorn leise und blickte noch immer auf Legolas, der sich inzwischen abgewandt hatte.

Abrupt hielt Legolas in seiner Bewegung inne, drehte sich langsam wieder um. Und Aragorns Herz zog sich noch weiter zusammen, als er wieder in das Gesicht seines liebsten Freundes sah. So wundervoll, so elegant, "sen bain (so schön)."

In einem Herzschlag war der wundersame Elb an seiner Seite und völlig überraschend langten Legolas schmale Hände nach ihm. Sie legten sich an seine beiden Wangen, umfassten sein Gesicht.

"Sag nicht so etwas Aragorn. Sag nichts mehr." Die Stimme des Elben klang niedergeschlagen, seine grün-blauen Augen trugen auf einmal einen Schimmer dieser endlosen Traurigkeit des unendlichen Lebens. Legolas' Hände zitterten leicht an seinem Gesicht, "Aragorn, du darfst nicht so sprechen."

Aragorn legte seine eigenen Hände über die von Legolas und lächelte. Die Traurigkeit und der angedeutete Schmerz in den grossen Augen bedrückten ihn mehr, als irgendetwas anderes es je hätte tun können. "Iston, erethurin er, iston (ich weiss, wunderschöner, ich weiss)."

Legolas' Gesicht nahm einen zärtlichen Ausdruck an. Seine Augen wurden weicher und die Sorge wurde von Liebe und Vertrauen übermannt, "oh Aragorn," wisperte seine Stimme, die nach Sommer klang. "Oh Aragorn, amma'ên (warum wir)?"

Aragorn konnte nicht antworten. Sein Herz war zu klein um diese Last zu tragen. Die Liebe drohte ihn zu ersticken, die Schönheit des Elben seinen Atem zu lähmen. Er bewegte sich nicht sondern blickte bloss in die grossen Augen und sah zu, wie eine silbrige Träne über die blassen Wangen rollte und über das schmale Kinn tropfte

Langsam lies der Königssohn eine von Legolas Händen los, die sich wie kühler Marmor an seinen Wangen anfühlten und fing eine weitere Träne auf, die unter den nun geschlossenen, schwarzen Wimpern hervor glitt.

"Amma mallach (warum weinst du) ?," wisperte er, "godîn men (wir sind zusammen)."

Diese wundersamen Augen öffneten sich wieder und ein Blick in das Himmelsreich war zu erhaschen, das leichte Lächeln, das sich auf diesem Gottesgleichen Gesicht ausbreitete, war trotzdem traurig. "Nuin(deswegen), Aragorn."

Sein Herz blieb für einen Moment lang stehen, "Mîlich cen (ich liebe dich)."

Die Sonne umfloss den Elben und wie ein Heiligenschein schimmerte das Gold auf den geflochtenen Haaren. Ein Engel schien von den hohen Hallen auf die Erde hinunter gestiegen zu sein, dachte der Sohn von Gondor, als sich dieses wunderbare Geschöpf zu ihm vorbeugte.

Schmale Handgelenke, voller Kraft zogen ihn näher an Legolas heran und noch bevor sich ihre Lippen trafen, konnte Aragorn den süssen Geruch riechen. Honig und Blumen.

Seidige Lippen trafen die seinen und Wärme durchflutete sein ganzes Wesen. Tränen traten in seine Augen und wie von selbst schlossen sie sich. Er wurde von dem schlanken Elben näher gezogen und liess seine Zunge in den anderen Mund gleiten, wo er willkommen aufgenommen wurde.

Der Geschmack von Honig nun auf seiner Zunge, der Geschmack von frischer Minze, der Geschmack von Legolas.

Für einen Moment klammerten sich seine Hände um die langen Finger, die noch immer auf seinen Wangen ruhten und lösten sich dann wieder. Gleichzeitig, indem sich der Elbenkörper wieder von ihm entfernte. Das Gold nun noch verstärkt, silbrige Flüsse unter geschlossenen Augen.

"Oh Aragorn," ein Wispern wie ein Windhauch, "Mîlich ce'sî (ich liebe dich auch)."

Die Meeresgrünen Augen waren noch geschlossen und die langen, schwarzen Wimpern hoben sich gegen die Haut ab, die die Farbe von Porzellan hatte. Die silbrigen Tränen glitzerten in der warmen Sonne. Langsam lösten sich die Hände von Aragorns Wangen.

Der Mann blickte voll stummer Ehrfurcht auf das Gesicht des Elben, sein Mund war noch immer leicht geöffnet, nun zeichnete sich ein leichtes Röten auf seinen Wangen ab. Doch als sich diese Augen öffneten konnte er nirgendwo anders hinsehen.

Hineingezogen in den Strudel. Jahrhunderte, sogar Jahrtausende schwammen voll Schmerz in diesen Tiefen. Blau und Grün und Liebe, stärker als alles zog den Königssohn wieder in seinen Bann.

"Ha'aen vain (es wäre so schön)..."

Für den Bruchteil einer Sekunde blickten sich die beiden Königssöhne noch an, dann mit dem Lufthauch sprang der Elb hoch und in einem Flattern seines Umhanges in den Schatten der Bäume verschwunden. "Ich übernehme die erste Wache!"

Aragorn sah noch immer auf die Stelle, wo vor einer Sekunde noch das geliebte Gesicht gewesen war, der Schmerz in seinem Herzen fast zu stark, um erträglich zu sein. Hätte er gekonnt, wäre er aufgesprungen und hätte schluchzend nach Legolas gerufen.

Aber er konnte nicht. Es stand das ganze Königreich auf dem Spiel.

Alles war so unsicher und die Hand die ihm versprochen war, war keineswegs die, die er sich gewünscht hätte. Die Hand, die vor einem Augenblick noch als kühlender, fester Pol auf seiner Haut gelegen hatte.

"Aragorn?"

Der Mann sah auf und merkte erst jetzt, dass Gimli, der Zwerg in ihr Lager trat. Bestimmt hatte der Elb ihn schon von weitem gehört.

Die Stimme des Zwerges war so anders im Gegensatz zu dem Elben. Die fliesende, sanfte Stimme gegen das raue und freundliche Brummen und doch brachte das Grollen des Zwerges nicht diesen Schmerz in ihm hoch.

Jedoch auch nicht diese Freude.

Diese unendliche, unerfüllbare Liebe.

Die Sonne stand schon tief über dem Horizont und doch wusste Aragorn, dass er Legolas heute nicht mehr sehen würde. Sein Herz sehnte sich schon nach den wenigen Augenblicken wieder nach den graziösen Bewegungen, seine Seele schmerzte für das Gefühl des Balsams, das er fühlte, wenn Legolas sprach.

"Lostach, si'uren (schlaf jetzt, mein Herz)."

Aragorns Augen schlossen sich, als er die leise Stimme im Wind hörte. Endlich senkte er seinen Blick auf den Boden und er wusste, dass Legolas über ihn wachen würde, egal, was geschehen würde. Egal wie lange.

Er würde ihn bewachen, bis der letzte Atemzug von seinen Lippen gewichen war und die Mauern seines Körpers einfallen würden.

Oh Legolas. Überirdische Schönheit, unirdischer Schmerz.

Eine Seele so tief und bodenlos wie das Universum, so gut wie der Duft einer Rose und klar wie das Quellwasser.

Aragorn legte sich auf das duftende Gras nieder, der letzte Sonnenstrahl in seinem Gesicht. Die Tränen versiegten nicht und trotzdem fand ein Lächeln den Weg auf seine Züge.

Ein schweres Seufzen entrang sich seiner Kehle. Er schloss die Augen und musste trotz dem Schmerz in seiner Brust an seinen geliebten Elben denken. Seine Augen stiegen vor ihm auf, seine anmutigen Bewegungen. Sein Schmerz.

Legolas' Bild tanzte vor seinem geistigen Auge und er lächelte. Weinte, presste die Hände an sein Herzen und lächelte tief in sich hinein.

Legolas' perfektes Bild. Legolas, perfekt.



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nun?

Was denken die kritischen Geister über die kleine Ausgeburt meiner Phantasie?

Das ist bloss so ein kleines Gebilde, das mir mal so in die Fingerspitzen gefahren ist und ich musste es unbedingt aufschreiben. Bitte sagt mir, was ihr denkt!

Ich weiss, es passiert nichts, es ist nicht viel los in meinem kleinen Geschichtlein, aber vielleicht gefällt es ja doch jemandem?

Wäre echt schön zu wissen, wer das hier gelesen hat...



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