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Diamond

von Frenzes
GeschichteAllgemein / P12
03.05.2004
03.05.2004
26
16.810
 
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03.05.2004 995
 
Kapitel Eins

Es war wieder ein Tag wie jeder andere... Moment, nein, Stop! Ich hasse diese Friede-Freude-Eierkuchen Ansagen. Entschuldigung, aber das muss noch mal gemacht werden! Also, zweiter Versuch:
Diama!, schrie es durch das Haus.
Diama, das bin ich. Und die, die da geschrieen hatte, das war meine Mutter. Meine große, schlanke, wunderschöne, blonde, blauäugige, ... Mutter. Sie war von allen aus meiner Familie, wenn man das so nennen konnte, die, die mich am meisten herum kommandierte. Das war nie anders. Na gut, doch. Als mein Vater noch gelebt hatte, da waren wir, Mama, Papa, meine Schwester Annette und ich eine glückliche Familie. Doch als Papa dann starb und Mama einen neuen Freund bekam, der gleich seine Zwillingssöhne Michael und Marc mitbrachte, da veränderte sich alles. Annette und ich mussten uns ein Zimmer teilen, weil Michael und Marc meins bekamen. Außerdem könnten Annette und ich so ziemlich allein den Haushalt schmeißen. Denn Mama und ihr Freund, der außerdem Richard hieß, gingen jeden Abend aus und tagsüber waren sie auch nie da. Keine Ahnung, wo sie dann hin verschwanden. Und Michael und Marc, die beiden, die waren zum Glück auf einer Ganztagsschule. Die beiden kamen erst um siebzehn Uhr wieder heim.
Diama!, brüllte es noch mal durch das Haus. Komm her, du Miststück!
Ich hoffte innerlich, das sie nicht betrunken war. Denn seit Richard da war, trank Mama jeden Morgen gleich eine Flasche Bier.
Langsam kam ich runter. Mein schwarzes Haar hing in mein Gesicht, da ich kein Haargummi gefunden hatte, um sie mir zu einem Pferdeschwanz zu binden. Wahrscheinlich hatten Michael und Marc die letzten kaputt gemacht.
Diama!, brüllte Mama mich an, als ich in die Küche kam. Was hast du da oben so lang gemacht?! Sie gab mir eine schallende Ohrfeige. Doch die spürte ich kaum. Mein Körper war von den vielen Schlägen schon völlig taub. Setzt dich an den Tisch und iss!, brüllte Mama weiter.
Ich setzte mich an den Tisch, wo auch schon Annette saß. Sie versuchte mich anzulächeln, aber wir beide hatten schon längst verlernt wie das ging. Ich sah sie traurig an. Sie sah zurück. Annette hatte graue Augen. Genau wie ich. Früher hatten wir beide strahlend blaue Augen. Doch durch den Schmerz, die Demut, die Ängste hatten unsere Augen jegliche Farbe verloren.
Wir werden für zwei Wochen weg reisen!, teilte uns Mama im energischem Ton mit. Michael und Marc sind während dieser Zeit bei Freunden. Ihr habt das Haus für euch. Aber wehe euch, irgendetwas passiert damit, wenn wir nicht da sind! Eilig nickten Annette und ich. Gut. Ich gehe mit Richard die Sachen holen. Wir fahren gleich los. Bis dann.
Sie ging hoch. Kurz darauf kam sie mit Richard und zwei Koffern wieder. Wortlos nahmen beide ihre Jacken und gingen noch wortloser aus dem Haus.
Annette und ich sahen uns glücklich an. Sie sind weg..., flüsterten wir beide gleichzeitig.
Michael und Marc waren schon längst in der Schule. Denn ich hatte erst zur zweiten Stunde Schule und Annette musste zu ihrem Job in der Bäckerei auch erst um neun Uhr da sein.
Okay, komm!, rief Annette und sprang auf.
Ich sprang mit ihr auf. Schnell schmissen wir unsere Müslischalen in das Waschbecken. Dann nahmen wir unsere Jacken und ich meinen Schulranzen. Schon stürmten wir raus.
Willst du das echt mit durchziehen?, fragte Annette mich, als wir den Weg entlang gingen. Schließlich hast du ja keinen Schulabschluss und bist erst fünfzehn!
Ja und? Dann mach ich halt in Finnland die Schule fertig!, erwiderte ich. Hauptsache wir kommen von diesen ... diesen ... diesen Bestien weg! Außerdem steh ich das allein niemals durch! Nix da! Wir ziehen das durch. Wir fahren noch heute weg. Sobald ich aus der Schule komme und du Aus hast!
Okay!, rief Annette glücklich und ich sah ein kleines aufblitzen in ihren Augen. Schlag ein, Diamond!
Ich schlug meine Hand in Annettes. Ach ja, und Diamond, das war mein Spitzname. Annette hatte ihn mir früher gegeben, weil meine Augen damals wie Diamanten geglänzt hatten. Und nur Annette nannte mich Diamond. Wahrscheinlich hätten mich meine Freunde auch so genannt. Aber ich hatte ja keine.
Wir kamen an der Bäckerei an. Bis heute Nachmittag!, sagte Annette und umarmte mich. Ich umarmte sie zurück.
Dann lief Annette in die Bäckerei. Ich sah ihr hinter her. Es war eigentlich eine Verschwendung, das Annette in einer solch kleinen, unbedeutenden Bäckerei arbeiten musste. Den sie hatte ein Abitur. Und das sogar mit 1, 7! Aber Mama und Richard hatten sie nicht studieren lassen wollen.
Ich seufzte, schüttelte den Kopf und ging weiter. Unterwegs traf ich die Oberzicke Lisa und ihre Gruppe von Tussis.
Ui, die wandelnde Gruft ist wieder unterwegs!, zog mich Lisa auf.
Es stimmte. Ich sah manchmal echt aus wie so ein Gruftie. Ich zog immer schwarze Sachen an und lief meistens mit gesenktem Kopf herum. Aber es war mir egal, was die anderen von mir dachten. Ich war ich. Und ich würde ich bleiben!
Also zeigte ich Lisa nur meinen schönsten Finger, den in der Mitte, und ging dann wortlos weiter.
Nach einiger Zeit erreichte ich meine Schule. Ich ging hinein und lief in den zweiten Stock, wo mein Klassenzimmer war. Ich betrat es und ging wortlos bis zu meinem Platz in der letzten Reihe. Ich saß allein an einem zweier Platz und das war gut so.
Jedenfalls würde jetzt gleich wieder einer dieser langweiligen Schulstunden beginnen...
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