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Eine Kurzgeschichte

von Lapis
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / MaleSlash
28.04.2004
28.04.2004
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Eine Kurzgeschichte

Mark lehnte sich locker an das Schließfach.[1]

"Los komm schon, tu mir den Gefallen und komm mit!"

Bittend sah er Gabriel an, der gerade an seinem Fach herumhantierte.

"Ich weiß nicht. Du weißt doch, dass ich solche Partys nicht mag. Außerdem kenn ich gar keinen von den Leuten."

"Ich werd aber jemanden brauchen, der auf mich aufpasst, sonst trink ich wieder zu viel", sagte Mark mit einem kleinen Augenzwinkern und setzte fort: "Und außerdem brauch ich jemanden, mit dem ich mich auch normal unterhalten kann. Leider muss ich auf diese Party, ich konnte mich nicht rausreden. Bitte komm mit!"

Der schwarzhaarige Junge verdrehte entnervt die Augen.

"Na schön. Ich weiß, ich werde es hinterher bereuen, aber ich komm mit."

"Yeah! Super Kumpel, bist echt der Beste!"

Mark sah aus, als würde er Gabriel gleich um den Hals fallen und dieser sah nicht so aus, als würde er etwas dagegen haben.

Mit einem Blick auf die Uhr stellte Mark fest: "Shit, gleich die Vorlesung beim Studentenschreck! Als ich das letzte Mal zu spät kam, hat der Arsch mich die ganze Zeit über ausgequetscht über so einen dämlich Fall von Anno dazumal und ich war natürlich kein Stück vorbereitet. Ich wette, er gehört zu den Dozenten, die mit sadistischer Vorliebe ihre Studenten durch die Prüfungen rasseln lassen. Na ja, kann man nix machen, wir sehn uns später. In der Mensa, wie immer, oder Gabe?"

"Klar. Viel Spaß noch und Hals- und Beinbruch!"

Aufmunternd sah Gabe ihn an, ehe er in die entgegengesetzte Richtung entschwand.

Mark war keine zwei Meter gekommen und wollte gerade um die Ecke biegen, als er beinahe mit Vivian zusammen stieß.

Innerlich stöhnte er auf, ließ sich aber nichts anmerken.

"Hi Viv! Sorry, aber ich hab's eilig."

"He, Mark, nicht so schnell! Ich wollte so wieso noch mit dir reden, dauert nur eine Minute, ehrlich."

"Na gut, aber mach schnell!"

"Ja doch. Hast du nächstes Wochenende Zeit? Ich bin doch mit ein paar anderen in eine WG gezogen und wir wollten eine kleine Einweihungsparty machen. Ich würde mich freuen, wenn du kommen würdest."

"Nein."

Fast schon schockiert über diese knappe - und ernstgemeinte - Antwort sah die junge Studentin den honigblonden Jungen an.

"Nicht mal eine Stunde? Du kannst meinetwegen auch deinen komischen Freund mitbringen. Wie heißt er noch... ach ja, Gabriel. Sonst lässt du dir doch auch keine Party entgehen!"

"Sag mal, verstehst du das Wörtchen Nein nicht? Ich bin dir keine Erklärung schuldig, aber wenn du's wissen willst, der Tag ist schon seit zwei Wochen verplant und zwar geh ich mit Gabriel weg."

"Pah, ständig hängst du mit diesem Typen rum, kein Wunder, dass keines der Mädchen mit dir Ausgehen will, wenn du solche Freunde hast. Was ist an dem denn so toll, das du ständig mit ihm durch die Gegend rennst?"

"Sag mal, kann es sein, dass du was gegen Gabe hast? Es kann dir doch egal sein, mit wem ich abhänge. Und außerdem ist mir Gabe zigmal lieber als irgendeine Labertussi, die außer Mode und solchem Zeug nix im Kopf hat. Und wage es auch nur ein schlechtes Wort über Gabriel in meiner Gegenwart zu verlieren und ich werde dir mal zeigen, was ich mir sonst für die Wettkämpfe aufhebe. Wir verstehen uns? Gabe ist weder komisch, noch irgend so ein Typ, klar?"

"Das würdest du niemals tun! Du würdest niemals ein Mädchen schlagen!", behauptete Vivian voller Überzeugung.

"Ach nein? Warum sollte ich es nicht tun? Du bedeutest mir nicht die Bohne und ich halte meine Versprechen immer. Bin schließlich ein lieber Kerl."

"Wo bist du bitteschön ein lieber Kerl, wenn du mich so Bedrohst? Komm schon, schieß ihn für diesen Samstag in den Wind und komm zu der Party. Nur dieses eine Mal."

"Sag mal, hast du was auf den Ohren? Ich würde nicht mal zu dieser Party gehen, wenn es die letzte der ganzen Weltgeschichte wäre und ich an diesem Tag nix zu tun hätte. Aus dem ganz einfachen Grund: ich habe keine Lust. Und soll ich dir mal einen guten Tipp geben? Nimm das nächste mal weniger von diesem aufdringlichen Parfüm, damit schlägst du sogar Leute in die Flucht, die nen Schnupfen haben! Is ja echt übel!"

"Was? Vorgestern hast du noch gesagt, es würde gut riechen!"

"Viv, deine Minute hast du schon längst überzogen und damals hattest du weniger von diesem Zeug aufgetragen. Und vergiss es, mich im laufe der Woche für diese Party überreden zu wollen. Das würde eh nicht klappen. Weißt du übrigens, worüber sich die Jungs im Sportclub in der Umkleide und unter der Dusche reden?[2]"

"Nein weiß ich nicht, aber ich glaube, du wirst es mir gleich sagen."

"Sie meinen, wenn wir nen Typen, der absoluter überzeugter Hetero ist, einen Tag mit euch zusammenstecken, würde er seine Meinung schneller ändern als du das Alphabet aufsagen kannst. Einer der Jungs meinte sogar, ihr wärt einer der besten Argumente, warum schwul sein um einiges besser ist. Und weißt du was, ich stimme völlig mit ihm überein! Und jetzt muss ich mich verabschieden, die Sprechzeit ist vorbei! Tschüss und mach`s gut!"

Mark ging einfach um sie herum.

Es dauerte einen Moment, bis Vivian die Sprache wieder fand, herumwirbelte und ihm hinterher schrie: "Mark Talmohn, du bist ein riesengroßes Arschloch und der größte Idiot, den die Welt je gesehen hat! Du hast weder Taktgefühl noch Anstand!"

Ohne sich nach ihr umzudrehen oder auf die anderen Studenten zu achten die um sie herum waren rief er zurück: "Und weißt du was, Viv, du solltest Nonne werden, weil du eh keinen findest, mit deinem Verhalten und Aussehen! Bei dir würde nicht mal jemand für ne Milliarde einen hochkriegen! Außerdem, du weißt doch: du musst ein Schwein sein auf dieser Welt!! [3]"

Dann bog er um die nächste Ecke, pfiff fröhlich etwas vor sich hin und ignorierte die Flüche und Verwünschungen, die dass Mädchen ihm hinterher schickte.

/Weiber.../



~~ooO@Ooo~~


"Das Essen hier wird auch immer schlechter!"

"Mann, Gabe, zieh nicht so ein Gesicht. Wir sind jetzt schon fast drei Jahre an dieser Uni und was hab ich dir nach dem ersten Tag gesagt? Häh? Genau, dass du hier im Laufe des Studiums bestimmt etliche Kilos abnimmst, weil du das Essen in der Mensa eh nicht essen kannst.[4] Hab ich dir zu viel versprochen?"

"Nein. Los, lass uns zum Mäc um die Ecke gehen, das ist ja nicht zum aushalten!"

"Äh, ich bin Sportler und ich gehe generell nicht zu Mäc. Willst du dir ne Lebensmittelvergiftung zulegen. Ohne mich! Komm, ich lad dich auf ne Pizza ein, mein Alter hat gestern wieder was springen lassen."

"Dazu sag ich nicht nein."

Schleunigst verließen sie das Universitätsgelände.

Auf dem Weg zur U-Bahn bemerkte Gabe so ganz beiläufig und unabsichtlich: "Du hattest ne kleine Meinungsverschiedenheit mit Vivian, hab ich gehört."

Mark grinste.

"So kann man das auch ausdrücken. Ich kann die Lady nicht leiden, schon allein deswegen nicht, weil sie ständig daran rummäkelt, was für Freunde ich habe. Solche Leute sind bei mir auf der roten Liste ganz weit oben, direkt nach dem Bundeskanzler, den Dozenten und meinem Alten. Ich habe versucht, ihr auf die nette Art und Weise klar zu machen, dass sie mich nicht die Bohne interessiert, aber so hat sie es halt nicht in hier leeres Köpfchen rein bekommen. Da musste ich halt deutlicher werden und ich denke mal, sie hat's geschnallt. Ich hoffe es für sie, denn meine Geduld mit ihr ist langsam nicht mehr vorhanden."

"So schlimm?"

"Schlimmer!", stöhnte Mark und suchte am Fahrplan nach der nächsten Bahn. "Seid drei Jahren rennt sie mir hinterher, ich weiß so langsam nicht mehr, was ich noch tun soll, damit sie mich endlich in Ruhe lässt. Deutlicher kann ich's ja bald nicht mehr machen, oder?"

"Was hast du denn gegen sie? Ich meine, sie sieht nicht gerade so schlecht aus und die meisten sagen sie sei auch nett und so. Und ich glaube, sie ist voll in dich verschossen."

"Sie ist eingebildet. Außerdem meint sie, mit der Kohle von ihrem Daddy könnte sie alles bekommen. Ihre Freunde sind mindestens genau so eingebildet und oberflächlich und wenn ich sie nur von weitem sehe könnte ich kotzen. Und ihr größter Fehler: sie ist weiblich!"

Die Bahn fuhr ein, aber Gabriel blieb wie festgewachsen stehen.

"Das hast du mir nie gesagt!"

"Höh? Was hab ich dir nie gesagt? Los doch, oder willst du ewig auf die nächste warten?"

Langsam - Mark kam es vor wie in Zeitlupe - setzte Gabe sich in Bewegung.

Die U-Bahn war so leer, dass sie fast das ganze Abteil für sich hatten; nur zwei Omas saßen am anderen Ende.

"Du hast mir nie gesagt, dass du schwul bist!"

Interessiert betrachtete Mark die Umgebung aus dem U-Bahnwagen heraus, die wirklich sehenswert war - man sah nämlich nichts, außer eventuell mal die Wände des Tunnels oder die Lichter entgegenkommender Bahnen.

"Hab ich nicht? Na ja, jetzt weißt du es ja."

Gabe stieß ihm unsanft in die Seite.

"Ich find das nicht okay! Wir sind seit - mal überlegen - seit der fünften Klasse also seit knapp 11 Jahren befreundet und du erzählst mir jetzt erst so nebenbei, dass du auf Kerle stehst? Und ich dachte, ich würde dich kennen..."

Im letzten Satz schwang Enttäuschung mit.

Etwas verlegen sah Mark, Zyniker, Optimist und Sunnyboy ihn an.

"Tut mir leid. Ich hatte mir schon seit Jahren vorgenommen, es dir zu sagen. Aber ich wollte auf eine passende Gelegenheit warten. Und dann hab ich festgestellt, dass eigentlich nie die passende Gelegenheit für so was ist. Und irgendwie hatte ich auch ein bisschen Panik, dass du mich deswegen nicht mehr so siehst wie früher. Findest du das jetzt schlimm oder ekelhaft oder so?"

"Nö. Ich bin nämlich auch schwul."

"Häh? Und dann beschwerst du dich, dass ich nichts gesagt habe? Warum hast du die Klappe nicht aufgemacht?"

"Tja, aus so ziemlich den selben Gründen, die du gerade angeschnitten hast. Also sind wir Quitt, sozusagen."

"Dann hatte der Typ also doch recht!"

Fragend sah Gabriel Mark an.

"Welcher Typ?"

"Na, der Marcel. Der hat vor nem Jahr oder so eher zufällig in der Umkleide die Bemerkung fallen lassen, warum ich mich mit dir schwulen Ratte abgeben würde."

"Und was hast du gesagt?", wollte Gabriel wissen.

Mark zuckte mit den Schultern und betrachtete seine Turnschuhe.

"Nich viel. Meine Antwort bestand aus einem gezielten Tritt in die - na, du weißt schon - und dann hab ich nur gemeint, er solle nicht solche rassistischen Bezeichnungen verwenden."

"Mensch, wenn du mir jetzt auch noch erzählst, dass du dich in mich verknallt hast, dann spring ich aus meinem Schlafzimmerfenster!", murmelte Mark vor sich hin; mehr für sich selbst als für Gabe bestimmt.

Gabe sah nur zur Seite und wurde rot.

"Tief fällst du dann ja zum Glück nicht", hauchte er mehr als dass er sprach.

"Was?"

Ruckartig drehte Mark seinen Kopf zu Gabe und sah in dessen mittlerweile puterroten Gesicht.

Leicht verlegen senkte Gabe den Blick.

"Ich weiß. Es ist total bescheuert, sich in seinen besten Kumpel zu vergucken, aber ich hab's mir nicht ausgesucht. Aber keine Panik, deswegen wird sich doch jetzt nichts zwischen unserer Freundschaft ändern, oder?"

Fast flehentlich sah er auf, blickte in Marks tannengrüne Augen, die einen undeutbaren Ausdruck innehatten.

"Oh doch. Und zwar gewaltig!"

Damit zog er den anderen an sich und küsste ihn.

Gabe hatte schon zu einer Erwiderung ansetzen wollen und sein Mund war leicht geöffnet, eine Einladung, die Mark nie im Leben ausgeschlagen hätte.

Sanft umspielten sich ihre Zungen, erkundeten die Mundhöhle des anderen, kämpften um die Führung oder stupsten sich nur zaghaft an.

Als sie sich schließlich voneinander lösten flüsterte Mark: "Und jetzt schwänzen wir die Vorlesungen und gehen zu mir. Ich hab Sturmfrei und dann tu ich das mit dir, wovon ich schon seit weiß der Kuckuck wie vielen Jahren träume!"


*****

[1] Hab keine Ahnung, ob es an ner Uni so was gibt, ich war noch nie in einer... Bei mir gibt's die halt, Punkt um. Beschwerden werden nicht beachtet^.^

[2] Ich hab keine Ahnung, was Jungs in der Gemeinschaftsdusche oder in der Umkleide quatschen, aber was soll's?? Glauben wir halt mal ein paar der existierenden Klischees...^^

[3] Ihr kennt doch sicher das Lied, oder? Ich glaub, es ist von den Prinzen, bin mir aber nicht ganz sicher...^_^

[4] Wie schon erwähnt, bin kein Student und hab keine Ahnung von, aber ich geh jetzt einfach mal von dem, was sie bei uns in der Kanine Essen nennen aus.

(c) Lapis - 19.11.2002
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