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Friedhofsgefluester

von Gabi
GeschichteHumor / P6 / Gen
19.04.2004
23.04.2004
1
3.611
 
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19.04.2004 3.611
 
Friedhofsgeflüster      verfasst: Gabriela Horn, 04.2004


Ja sie haben richtig gehört, es geht in der Geschichte um einen Friedhof. Zugegeben das klingt auf den ersten Blick nicht gerade spannend, aber die hier die lässt ihnen das Blut in den Adern gefrieren ......

Nun ich muss zugeben, dass es unüblich ist eine Abkürzung über einen Friedhof zu nehmen, bitte halten sie mich nicht für verrückt, aber das ist so üblich bei uns.
Er bildet eine direkte Verbindung von dem Plattenbauaragement "Königshufen" mit der Altstadt. Der Friedhof, er ersetzt bei uns das, was in Großstädten die U-Bahn ausmacht. Na, was könnte das sein? Richtig! Zeitersparnis und Blasen an den Zehen, weil man keinen großen Bogen latschen muss (was die Alternative ist, die nur von Unwissenden in betracht gezogen wird).
Der Friedhof unterteilt sich in den Nikolaifriedhof (der älteste Teil und in der Altstadt gelegen) und in den ... tja wie der andere heißt weiß ich gar nicht, is' ja auch egal.
Na und da ich in der Altstadt arbeite, gehe ich des Öfteren hier lang.

Es ist der Abend des 31.03.2004, ich komme von Arbeit und will nach Hause. Da ich ein Mensch bin, der die Kürze und Effektivität liebt, nehme ich natürlich die Abkürzung, was sich im Nachhinein als fataler Fehler herausstellt.

Ich trotte um 18.27 Uhr durch das Friedhofstor am Nikolaifriedhof, ganz vertieft in SMS schreiben. Was weniger an meinen Eifer liegt ständig diese kleinen Tasten zu drücken und ein Gefühl von "wichtig sein" zu haben, sondern ehern daran das ich mich ständig verschreibe und noch mal von vorn anfangen muss.
Langsam kämpfe ich mich den Berg hinauf (wenn man sich jetzt umdrehen würde hätte man einen wunderschönen Blick über die Altstadt...naja genau genommen nicht, man sieht nur ein paar Dächer, Bäume und die Gräber nicht zu vergessen).
Mensch da ist man ganz schön aus der Puste, und ich bin erst 22, was soll in dreißig Jahren werden!
Mist, schon wieder vertippt, dieses sch.... Handy!
Endlich geschafft. SMS gesendet.
Ich steuere auf den Ausgang zu, noch eine letzte Kurve und....was zu Teufel ist denn das, wieso ist das Tor zu (das ist doch ein schlechter Scherz, oder?)?
Das darf einfach nicht wahr sein, meine Chefin hat mich erst vor zwei Tagen gewarnt, dass der Friedhof irgendwann dicht gemacht wird. Wieso muss so was eigentlich immer mir passieren.

Ich renne zurück zum Nikolaifriedhof in der Hoffnung, das dort noch offen ist (wäre zwar ein Umweg für mich, aber besser noch als eingeschlossen). Aber die Hoffnung zerplatzt, wie eine Seifenblase, da war das Tor natürlich auch schon zu. ..... UND NUN????

Wie wäre es an der Kirche zu klopfen? Pfarrer haben schließlich nie Feierabend, so wird es doch im Fernsehen immer gezeigt. Bei unseren Geistlichen scheint das aber nicht zu stimmen. Auf mein Klopfen wird nicht geöffnet. Ich hätte mich auch theatralisch gegen die Tür werfen können, hätte mir aber nur 'ne kaputte Schulter eingebrockt, worauf ich in meiner Situation gut verzichten konnte.
Beim Umdrehen bemerke ich doch ein Schild und nun raten sie mal was drauf stand. Genau, die Öffnungszeiten : 01.11. - 31.03.  6.30- 18 Uhr, 01.04.- 31.10.  6.30-21 Uhr.
Na toll, war ja klar. Wieso war den das Tor noch 18.27 Uhr auf, wer hat da geschlafen? Was ist mit der deutschen Pünktlichkeit, wo sind die alten Tugenden???? Wer hat mich hier eingeschlossen?????
Stellen sie sich vor, da war noch ein zweites Schild, auf dem stand: "Privatgelände, betreten auf eigene Gefahr". Na, was soll ich denn davon halten, freundlicher kann ein Empfang doch nicht gestaltet sein, obwohl es ein unfreiwilliger war, was ich betonen möchte.

Wissen sie was mir gerade eingefallen ist? Nein, wie den auch, sie können ja nicht Gedanken lesen, oder?
Eine Sage. Meine Stadt strotzt nur so von Sagen, aber es gibt eine die mit dem Friedhof zu tun hat, genau da wo ich jetzt stehe.
Es war zur mittelalterlichen Zeit, als ein junger Knecht wegen Diebstahl verurteilt werden sollte, das hohe Gericht versammelte sich. Um die Schuldfrage zu klären, wurden ihm Daumenschrauben angelegt, man wollte die Wahrheit hören (natürlich nur die, die dem hohen Gericht in den Kram passt, nämlich schuldig!). Doch der Knecht sagte er sei unschuldig (Daumenschrauben sind halt auch nicht mehr das, was sie mal sein sollten) und was machte das Gericht, es verklagte den armen Kerl zum Tode (der Henker war schon startklar und holte sein "Werkzeug" raus).
Der Knecht bat um einen letzten Wunsch, er wollte das Grab seiner Eltern besuchen, die hier begraben sind und so geschah es auch. Am Grabe kniete er nieder und grub ein Lindenbäumchen aus. Welches er verkehrt herum  wieder in die Erde steckte, die Blätter in die Erde und die Wurzeln in die Luft und sagte:  "Wenn dieses Bäumchen Blätter trägt, so bin ich unschuldig gerichtet worden." Es dauerte nicht lang und es sprossen aus den Wurzeln Blätter.
Tja, was sagt uns das, es hat sich nicht viel verändert zu früher, auch heute ist die Justiz wie das Baukastenprinzip, was nicht passt wird passend gemacht.
Also, wenn sie sich gruseln wollen kommen sie nach Görlitz, wir haben hier solche Geschichten en Maas und bringen sie gleich die ganze Familie mit!

Wenn ich ehrlich bin hilft mir das nicht grad weiter, ich will ja raus hier.....

Nun denken sie wir haben nur Kirchen auf unserem Friedhof? Nö, es stehen noch zwei weitere Gebäude da. Wunderschöner Backstein, ein Besuch lohnt sich also.
Clever wie ich bin, geh' ich zu diesen Gebäuden, vielleicht ist ja jemand mit 'nem Schlüssel da (Vielleicht der Pfarrer, der nicht in der Kirche war?).
Ich entschiede mich spontan für das rechts gelegene Haus. Als ich nah genug dran war konnte ich auch sehen was das für eine Einrichtung war, die Stadtverwaltung (auf dem Friedhof????). Ich nähere mich der Tür und sehe einen Zettel prangern auf dem steht: "Mittwoch geschlossen". Nun raten sie mal welcher Tag ist. Sie liegen goldrichtig: Mittwoch!
Das kann doch kein Zufall sein.
Nur um alles auszuschließen rüttle ich an dem Tor, was in die Freiheit führt, vielleicht hat ja jemand vergessen es abzuschließen. Ne, das is' bombenfest. Drüberklettern geht auch nicht, ich bin bloß 1.50 m groß, das  Tor aber gut und gerne 2 m und keine Möglichkeit zum hochklettern!
O.K. da war ja noch ein Gebäude, vielleicht ist da der Pfarrer zu Hause (stellen sie sich die Anzeige in der Zeitung vor:  "Alter Backsteinbau in idyllisch ruhiger Lage im Grünen, zum Ortskern 2 Minuten und keine lärmenden Nachbarn", das wär' der Renner auf dem Immobilienmarkt).
Ich finde keinen Hinweis was dass für ein Haus ist, nur eine Klingel ohne Namen. Ich drück da einfach mal drauf, vielleicht ist da jemand.
Die Klingel klingelt, 1 mal, 2 mal, 3 mal. O.k. hier ist keiner.
Ich will mir grad' schon die nächste Tür zum klingeln suchen, da höre ich ein Geräusch. So schnell ich kann, renne ich die paar Stufen runter auf den Weg.
Zu meiner Überraschung biegt ein Auto um die Ecke, es fährt auf mich zu, wird langsamer und hält neben mir.
Ein älterer Herr mit Brille und weißem Haar schaut mich an.
Ein Pfarrer im Leichenwagen! Ein dunkelgrüner Leichenwagen, die Fenster dunkelbeige verhangen.
Ob der 'ne Leiche hinten drin hat????
Er grüßt mich und fragt ob ich wisse wo man hier raus kommt (mal ehrlich, würde ich sonst hier rumstehen, an Türen klingeln und klopfen, wenn ich weiß wie man aus der Nummer wieder raus kommt?). Ich teile ihm mit das ich  ebenfalls eingeschlossen sei und verzweifelt den Ausgang suche. Wer jetzt denkt er bietet mir seine Hilfe an, tja, der liegt falsch. Er startet seinen Motor, lässt mich stehen und biegt nach rechts ab.
"Netter Pfarrer", erst ist keiner da wenn man einen braucht und kommt er dann endlich, lässt er einem im Regen stehen. Was sind das für Geistliche, predigen von Nächstenliebe und lieben gar nicht den Nächsten. Sollte die Kirche nicht ein Vorbild sein????

Nun ja, der dunkelgrüne Leichenwagen entzieht sich meinen Blick und ich bin wieder ganz allein, nur noch in der Ferne ist das Brummen des Motors zu hören.

Unverdrossen gehe ich weiter, was hätte ich schon für eine Wahl gehabt. Aber es steht ja nicht ganz so schlecht, ich muss schließlich nicht verhungern. Sie müssen wissen, ich habe immer eine Kleinigkeit bei mir, falls mich der Hunger übermannt, tja und diese Kleinigkeit ist .... Schokolade. Ja genau richtig gehört SCHOKOLADE.
Ich bitte sie, andere haben in ihren Taschen so unnützes Zeug wie Taschentücher, wobei man auf die getrost verzichten kann. Vertrauen sie mir, ich sage ihnen niemand lässt sie schniefend stehen, wenn sie höflich um ein Taschentuch bitten. Warum? Ganz einfach. Es will keiner, ich wiederhole keiner dieses widerliche Geräusch hören, das sie dann permanent machen! Wenn sie dann noch ihr schönstes Lächeln mit dem unwiderstehlichen Dackelblick kombinieren gehen sie auf Nummer sicher. Und tada! Schon haben sie ein Taschentuch, der allerfeinsten Sorte.
Glauben sie mir, der Trick funktioniert, ich praktiziere ihn seit 22 Jahren. Also lassen sie die Taschentücher getrost draußen! Schaffen sie Platz für wichtige Dinge, wie ESSEN!

Ja, Essen hat mich schon aus so manch einer Situation gerettet. Denken sie mal an die langen Wartezeiten der Ämter, machen sie was sinnvolles, essen sie. Oder der Theaterbesuch der kein Ende zu nehmen scheint (Ich habe mal in der Aufführung vom "Der Freischütz" einen Apfel gegessen, aus Hungergründen, ich fand es sehr passend - nur die Leute vor mir haben sich umgedreht, vielleicht hab ich zu laut geschmatzt.).
Es ist natürlich praktischer kleine Essenvorräte in der Tasche zu horten, hier meine Vorschläge: Kekse (hervorragend geeignet sind Vitalkekse = sehr gesund), kleines Obst wie Apfel und Bananen (beliebig erweiterbar), Schokolade, Nüsse, trockenes Toastbrot, Bonbons, Schweinsohren (die Dinger vom Bäcker), Plunderherzen (aber die zermatschen etwas und sehen dann aus wie verunfallt), Brötchen, Pizzastücke und Kuchen.
Glauben sie mir ich hatte alles (nicht auf einmal) schon mal in der Tasche, in einer Damenhandtasche wohl gemerkt, keine Reisetasche!
Es ist alles eine Frage der Organisation, bzw. des Stapelns.

Verhungern war also ausgeschlossen! Puh!

Ich muss schon sagen es ist schön ruhig hier, man hört nichts, kein Straßenlärm, keine Straßenbahn quietschen, keine schreienden Kinder. Man kann die Seele richtig baumeln lassen und Tiere beobachten. Wie, sie glauben mir nicht! Es stimmt! Ich habe schon Eichhörnchen gesehen, so ein rotes, nicht eines von den braunen Dingern. Planen sie das unbedingt mit ein bei einem Besuch meiner Stadt. Eichhörnchenfütterung auf dem Friedhof! Vergessen sie auf keinen Fall die Nüsse!!!
Natürlich gibt es auch Tauben, Amseln, Rotkehlchen, Blaumeisen und Katzen (bis jetzt erst ein Exemplar gesichtet, eine rötlich getigerte).

Mal nebenbei bemerkt, gibt es eigentlich eine Friedhofsnothotline? Wenn ja, wie lautet die Nummer?

Langsam senkt sich die Sonne, die roten Strahlen blitzen durch die Bäume und hinterlassen auf dem Weg seltsame Schatten. Ich sollte mich langsam beeilen, sonst muss ich hier noch übernachten.
Was wäre wohl die passende Schlafgelegenheit? Eine Bank? Ein Grabstein? Eine Gruft? Letzteres können sie schon streichen, da hab ich keinen Schlüssel!
Aber ich will ja mein Glück nicht allzu sehr herausfordern. Klar, ich wär' in bester Gesellschaft so zwischen den tausenden Toten, ohne Licht, mit dünnen Klamotten und mit nur einem Stück Schokolade.
Ein Plan muss her, aber schnell!

Ha, ich hab's, die Mauer, ich klettere einfach über die Mauer. Mmmhhh - Drüberklettern wird nicht, wissen sie noch wie groß ich bin? Noch mal zur Erinnerung 1.50 m, die Mauer bis 2.50 m, ich müsste also 1 m hochspringen. Wer von ihnen schafft das? Außerdem weiß man nie was auf der anderen Seite ist.
Aber Moment mal, es gibt in der Mauer ab und zu "Löcher", da sind meist ganz große Kreuze drin, vielleicht kann ich mich dort durchquetschen, ich bin ja schlank (trotz des Essensvorrats in der Tasche!).
Es war ein so schöner Plan, aber man hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht, überall da wo ein Loch war ist gleich dahinter ein Maschendrahtzaun. Selbst der Schmalste kann sich nicht durch ein Löchchen von 2,5 x 2, 5 cm durchzwängen.

Ich laufe an der  Mauer entlang, mein Blick fest auf diese gerichtet, noch hoffend auf das Loch. Da gelang ich an ein Tor (was auch zu ist, es ist richtig fest zu, auch heftiges rütteln bringt da nichts).
Ich vernehme ein Brummeln hinter meinen Rücken, daraufhin dreh ich mich um. Etwas abseits entdecke ich etwas.....es......ist..... Raten sie! Kommen sie, beweisen sie Phantasie! Ah, ich seh' schon, ist nicht so leicht in dem Fall. Na gut, weil sie es sind verrate ich es.
Der dunkelgrüne Leichenwagen!
Langsam fährt er vorbei. Er sieht ziemlich verzweifelt aus, so wie ich.
Anscheinend hat es der Pfarrer nicht geschafft mit seinem Mobil die Mauer zu durchbrechen. Da hätte er auch so gut wie keine Chance gehabt, die ist gut und gerne 30 cm dick und aus massivem Stein, solide gebaut (nicht so wie heute, wo alles husch husch geht).

Lageplanbesprechung. Gut, die Aussicht jemanden um Hilfe zu bitten gleich null, möglicher Kandidat hat sich abgesetzt, das Tor zu hoch, die "Löcher" der Mauer hermetisch mit Maschendrahtzaun versiegelt.

Ich werde wohl doch hier übernachten müssen.
Aber, nein halt, es gibt eine letzte Möglichkeit, dies erkenne ich unmittelbar wo ich davor stehe. Es ist die einzigste (ich weiß, dass es das Wort nicht wirklich gibt) Möglichkeit zu entkommen. Ich muss über das Tor gelangen, was zur Strasse führt.
Es ist das gleiche Problem wie bei den anderen Toren auch, ich zu klein, Tor zu groß, doch diesmal gibt es Hoffnung.
Das Tor hat nicht nur einfache Stäbe, nein, zur Zierde sind pyramidenartige Verstrebungen angebracht. Hurra, das gibt mir Kraft. Die gemeinen Spitzen auf dem Tor bzw. auf den Verstrebungen nicht, die machen eher Angst.
Aber was soll's, ich nehme all meinen Mut zusammen, schultere meine Damenhandtasche und steige auf das Tor.
Langsam aber behände steig ich Pyramidenstufe für Pyramidenstufe hoch. Dabei bohren sich die fiesen Spitzen in meine Schuhe. Na Gott sei dank, hab ich nicht die Absatzschuhe an, die sind noch viel dünner, wahrscheinlich hätte ich dann ein Loch im Fuß.
Ich sag ihnen, es muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie ich da am Tor klebe, ein Meter in der Luft, wie ein Käfer kurz vorm Absturz.
Meine größte Sorge gilt aber nicht der Umsetzung der Flucht, sondern ehern das mich einer beobachten könnte, damit für irre erklärt und mir die Polizei auf den Hals hetzt.

So ich bin nun hoch genug für meine kurzen Beine, wie kommt man auf die andere Seite?
Umständlich werfe ich ein Bein rüber. Aaaaahhhh und schon spüre ich wie sich eine Spitze in den A..... rammt (glauben sie mir, nicht grad angenehm).
Es ist also kein Platz zum Verweilen um die schöne Aussicht zu genießen, die man zweifellos hat in 2m Höhe.
Das andere Bein noch nachziehen.......und.......auf der Seite der Freiheit. HURRA!!!
Ach verdammt, jetzt hänge ich an so 'ner scheiß Spitze fest.....meine Jacke hat sich verhakt....Moment ich muss mich vom Haken befreien (Kommt davon das Sprichwort "wie ein Fisch am Haken hängen"?)
Voller Freude über die gewonnene Freiheit springe ich vom Tor und lande auf beiden Füßen.
FREI!!!

So schnell mich meine schmerzenden Füße tragen können (zum Teil sind sie durch die Spitzen demoliert, zum Teil weil ich über eine Stunde herumgelatscht bin) marschiere ich nach Hause.
Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich einen Radfahrer der die Strasse lang fährt. Er schaut mich verwirrt an und schüttelt den Kopf (vielleicht hat der mich am Tor kleben sehen), was die Jugend heutzutage alles macht......

Ich kann ihnen sagen ich war so froh, dass ich das überlebt habe, es hätte ja sonsterwas passieren können. Bedenken sie mal die vielen Erlebnisse von Buffy (sie wissen schon, die Blonde die sich mit Vampiren auf Friedhöfen prügelt). Ich kann nicht behaupten, dass ich so ausgerüstet bin wie sie (verprügelungstechnisch). Was hätte ich tun sollen, wenn eine Schar von Blutsaugern auf mich zu kommt? Zweifelsohne wäre schreien sinnlos gewesen, mich hätte keiner gehört, außer......der Pfarrer mit dem dunkelgrünen Leichenwagen, der vielleicht.
Ob der es eigentlich raus geschafft hat wollen sie wissen? Ne, keine Ahnung, wie denn auch, der hat mich ja nicht mitgenommen.......böser Pfarrer!

Es ist schon eigenartig, ich habe nie einen Gedanken verschwendet die Polizei zu rufen, ich hatte doch mein Handy mit (was mich auch erst in diese Lage gebracht hat!). Vielleicht hätten die 'nen Schlüssel besessen, es heißt doch immer "die Polizei dein Freund und Helfer", wobei wenn die das genauso ernst nehmen wie der Pfarrer mit der Nächstenliebe, ich glaube ich würde immer noch fest sitzen.
Aber dank meines Genies konnte ich mich befreien! (Ich will nicht das Gegenteil hören!!!!)

Sie denken ich meide nun den Friedhof? Nein, da liegen sie falsch, ich kenn doch jetzt die Öffnungszeiten (ich glaub ich werde die nie wieder vergessen) und eine Fluchtmöglichkeit, also was soll mir da noch passieren???


Zu guter letzt noch ein paar Dinge.
Zu aller erst möchte ich  sie warnen, machen sie das auf gar keinen Fall nach!!! Wenn sie über 50 sind und jahrelang kein Sport getrieben haben, lassen sie das lieber. Für diesen "Extremsport" muss man gut gedehnt, körperlich fit und gelenkig sein. Ich weiß der Nervenkitzel ist schon groß und verlockend, aber was machen sie wenn sie von dem Tor einfach nicht mehr runterkommen? Wer soll ihre Schreie hören?
Also, lassen sie es besser!

Wenn sie auf Nervenkitzel stehen, dann gebe ich ihnen folgenden Tipp. Versuchen sie mal den "Grünen Graben" zu überqueren.
Für Ortsunkundige: So heißt die Straße zwischen der Haltestelle "Jägerkaserne" und dem Kaisertrutz, also einfach in die Bahn einsteigen und wenn die freundliche Dame aus dem Lautsprecher die Haltestelle ansagt, steigen sie aus. Sie werden schon sehen hier ist der Verkehr ständig im Fluss. Nervenkitzel pur!
Und der Spaß kann beginnen!
Wie gesagt, versuchen sie die Straße zu überqueren, welche Richtung spielt dabei keine Rolle. Wichtig ist nur das sie 1. heil auf die andere Seite gelangen und 2. so schnell wie möglich. Sie können auch einen Wettkampf starten, z.B. Frauen gegen Männer.

Als letztes möchte ich bemerken das alles was sie gelesen haben der Wahrheit entspricht, ich habe es so erlebt. Es ist eine wahre Geschichte.
Tja, das Leben schreibt die seltsamsten Geschichten und wir sind mittendrin.

Machen sie's gut und halten sie sich von Friedhöfen fern, die gleich schließen!
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