Wo die Liebe hinfällt

von Lady Kate
GeschichteRomanze / P6
17.04.2004
17.04.2004
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Ich war gerade wieder in L.A. und auf dem Weg zu meinem Lieblingsclub, dem Flash'. Er war ziemlich versteckt und ein echter Geheimtipp. Früher hatte ich öfters mal dort Platten aufgelegt, jetzt suchte ich ihn nur auf um zu entspannen, von dem ganzen Tourstress. Manchmal gab es im Club auch Konzerte von irgendwelchen Untergrundbands. Dort angekommen ging ich vor bei an der Schlange, direkt zum Türsteher, und betrachte dabei die Plakate der Band, die heute Abend spielen würde. Ich begrüßte den Türsteher, Pet, mit einem Handschlag, da ich ihn privat kannte.  "Na Joe, wieder in der Stadt?" fragte er mich. Ich lächelte und nickte dann. "Wäre ich sonst hier?" Ich guckte mit einem fragenden Blick durch die Gegend, bis ich wieder zu Pet sah. Der lachte nur und meinte: "Geh schon rein, ich muss hier weiter machen!" Ich nickte verstehend und wollte dann ein paar Dollars aus der Hosentasche ziehen, als Pet abwehrend die Hände hob. "Hey der Eintritt für Freunde ist frei!" "Danke man, ich bin eh
pleite!" und klopfte ihm auf die Schulter. Er lachte noch einmal auf, dann verabschiedete ich mich und trat ein. Kaum war die Tür hinter mir geschlossen, hörte ich anstatt dem Verkehrslärm eine Stimme. Das musste wohl die Band sein. Leider verstand ich sie noch nicht so gut, da ich erst den Flur entlang gehen musste. Die Stimme wurde immer lauter, und als ich eintrat, war alles ruhig, man hörte nur dieser zauberhafte Stimme und eine Gitarre.  Ich blieb an der Tür sehen, und blickte das Mädchen an, die in der Mitte des Raumes auf einen Hocker saß, auf der Gitarre spielte und dazu sang. Es war ein langsames und trauriges Lied, dass nur sie begleitete; der Rest der Band hatte gerade wohl Pause. Sie sang das Lied mit so viel Energie und Gefühl, dass man einfach nur zu sehen konnte. Und so stand ich ganz erstarrt da, bis sie fertig war. Ich applaudierte laut mit den anderen mit, Pfiff sogar einmal, als ich mich an einen freien Tisch setzte. Ich bestellte mir ein Bier bei der Kellnerin und
widmete mich wieder der Band, die Eternal Flame' hieß, so weit man den Plakaten glauben schenken konnte. "Das war ein von mir selbst geschriebener Songs. Jetzt kommen ein paar gecoverte aktuelle Hits ich hoffe sie gefallen euch." Dann setzte die Band ein, und nach einem Intro fing sie wieder an zu singen. Ich kannte das Lied nicht, aber ich hätte stundenlang hier sitzen, und ihrer Stimme zu hören können. Es war lange her, das ich von etwas so gefesselt war, und dazu kam noch dass mich selten etwas so interessierte. Ich hatte das Gefühl sie schon ewig zu kennen und betrachtete sie von oben bis unten. Sie hatte hochgesteckte blonde Haare, und grüne Augen, die sie ab und zu schloss um ihrer Stimme noch mehr Ausdruck zu geben. Fast wie bei Chaz, nur, er schrie. Ich gedachte einem Morgen als ich ihn auf weckte, und er mich halber zu Tode brüllte, weil er noch pennen wollte, und ich ihn so erschreckt hatte. Eigentlich war ich das ja von ihm gewöhnt, aber da war es besonders Schlimm. Nicht
die Worte, die Lautstärke.
Plötzlich hörte ich :

"Memories consume
Like opening the wound
I'm picking me apart again
You all assume
I'm safe here in my room
(Unless I try to start again)"
(Copyright by Linkin Park)

Sie coverten doch tatsächlich Breaking the Habit', aber wie! So was hatte ich noch nie gehört. Das war eigentlich viel besser als unsere Version. Okay, sie war ohne Streicher, und mir, also DJ, dass machte wahrscheinlich schon was aus. Ich konnte nur sprachlos lauschen. Nachdem das Lied zu Ende war, ging die Kellnerin, die mir eben das Bier gebracht hatte, zu ihr auf die Bühne und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Daraufhin lief sie, so weit ich es bei dem schwachem Licht erkennen konnte rot an, und schaute sich im Publikum um. Ihr Blick blieb an mir hängen, und ihre Augen weiteten sich. Sie hatte mich also erkannt. Ich konnte nicht anders, grinste sie an und winkte ihr. Das geschah alles in binnen von Sekunden so dass sich ihre weit aufgerissenen Augen wieder normalisierten' und sie so tat als sei nichts passiert. Ich hin gegen konnte nur weiterhin grinsen.
Als die Show dann zu Ende war, und die eigentliche Disko begann, setzte ich mich an die Bar und bestellte mir einen Whiskey. Als ihn dann bekam und mich zur Seite drehte, blickte mich zwei grüne Smaragde an. "Hi!", meinte ich dann grinsend. "Hallo", meinte sie dann auch. Ich nahm einen schluck und stellte das Glas dann zurück auf die Theke, als sie anfing zu reden. "Ich wollte mich entschuldigen, dass ich euren Song gecovert hab. Das war doch nicht so schlimm, oder?" Sie sah mich fragend und mit hochgezogenen Augenbrauen an. "Doch, war es, ich werde gleich meinen Rechtsanwalt anrufen, der der beste der Stadt ist, und er wird auf Millionenhöhe verklagen, sodass ihr in den Knast müsst." Das sagte ich alles Tod ernst, und als sie geschockte die Augen weit aufriss fing ich an zu lachen. Sie piekte mich in die Seite und lachte auch. "Joe", sagte ich und streckte meine Hand aus. Sie griff zu und meinte "Naomi." "Aber jetzt mal im ernst: Ich denke eure Version war weit aus besser als unsere,
und ihr hättet bestimmt damit auch viel mehr Erfolg." Dies sagte ich ebenfalls todernst, den dieses mal war es auch so gemeint. "Wenn die Jungs dich mal hören würden, die wären ebenso sprachlos." Naomi schüttelte den Kopf. "Danke, für dein Kompliment, aber ich weiß nicht ob das so gut wäre, wenn die andere das hören." "Hey Kleine, wie wär's mit uns zwei?" fragte sie auf einmal ein schmieriger Typ von der Seite. Sie verdrehte genervt die Augen. "Lass mich in Ruhe Wichser!" und zeigte ihm den Mittelfinger. Knurrend lief er davon, und als sie sich mir wieder zu gewendet hatte, sprengte mein Gesicht ein fettes Grinsen. "Verehrer?" fragte ich, konnte mein Lachen gerade noch zurück halten. Sie konnte nur wiederum mit den Augen rollen. "Hör bloß auf! Ich darf dich doch duzen?" "Hast du schon Bekanntschaft mit meinem Anwalt gemacht?" fragte ich wiederum, diesmal aber grinsend. "Haha!" , meinte sie, jetzt zur Theke gedreht, mit dem Getränk in der Hand das sie sich mittlerweile bestellt hatte,
und übte anscheinend ihre Lieblingsbeschäftigung aus: Augenrollen. Ich konnte nur grinsen und trank meinen Whiskey aus. "Wo habt ihr euer nächstes Konzert?" fragte ich sie. Anscheinend hätte sie sich beinahe verschluckt, denn ich musste ihr auf den Rücken klopfen bis sie wieder zu Atem kam. "Du willst doch nicht etwa kommen?" Ich zuckte grinsend mit den Schultern. "Wieso nicht? Ich muss doch schließlich wissen, wer welche Songs von uns covert!" Das wurde das beste Gespräch, bis spät in die Nacht, dass ich seit langem hatte.  

Ich besuchte noch mehrer Konzerte, und nach jedem unterhielten wir uns bis in die Nacht. Den anderen hatte ich noch nichts von Naomi erzählt, Naomi hatte mich zum Stillschweigen beordnet.
Mit jedem Treffen spürte ich mehr und mehr, wie ich mich in sie Verliebte. Wenn ich wollte, würde ich es abstellen, denn ich wollte unsere Freundschaft nicht kaputt machen.
Ich erfuhr, dass sie von zu Hause weggelaufen war, weil ihre Mutter sie auf ein Internat schicken wollte, als sie 16 war. Damals ist sie dann bei ihrem Freund untergekommen, mit dem sie dann auch später die Band gegründet hatte. Er war der Gitarrist, und inzwischen waren sie nicht mehr zusammen, schon als sie um die 17 war, aber sie blieben gute Freunde, bis jetzt, wo sie 26 waren. Ihren Abschluss hatte sie nach geholt, und jetzt saßen wir in einem Café und unterhielten uns mal wieder. Naomi hatte später noch ein Konzert, und deswegen wollte sie sich mit ihrer Band hier treffen, um dann später mit ihnen zusammen zum Club zu gehen.
Naomi beschwerte sich gerade bei mir über ihre vielen Verehrer die sie hatte, und dass ihr Gitarrist und Ex, Gary, sie im Moment dauernd anbaggern würde. Ich konnte nur grinsen. Sie war aber auch zu niedlich, wenn sogar ich mich in sie verknallte. Es brodelte aber auch etwas Eifersucht in mir. Ich könnte (fast) jedes Mädchen haben, und hatte auch schon öfters mit dem einem oder anderem Model geflirtet, aber eine Freundin hatte ich seit langem nicht mehr, ungefähr seit dem wir als Linkin Park bekannt sind, denn jetzt weiß man nie so genau, ob sie einen wollten, weil man reich und berühmt waren, oder es wirklich ernst mit einem meinten. Aber Naomi war ganz anders als die Groupies'. Sie öffnete sich ganz anderen Leuten, und verstellte sich nicht, um mir zu gefallen. Sie sagte ihre Meinung und stand für sie ein. Sie hatte auch ihren eigenen Klamottenstyle, wenn andere sie fragten, warum sie das trug, meinte sie: "Weil es gerade zu meiner Stimmung passt. Außerdem muss ich damit rum
laufen, und nicht du."
Aber für sie war ich wahrscheinlich nur ein guter Freund, so wie für viele andere, ein Spaßvogel. Manchmal hatte ich es satt, immer so tun zu müssen. Niemand traute mir zu, dass ich etwas ernst meinte, oder über ernste Themen reden konnte. Ich war schon immer für die Witze zum auflockern der Stimmung zu ständig,  auch wenn es mir selber dreckig ging. Aber das merkte keiner, da ich, wie gesagt, ja immer Witze reißen musste. Okay, wenn ich mit Naomi, den Jungs oder im Interview manchmal auf ernste Themen angesprochen wurde, benahm ich mich dementsprechend, aber meinen Ruf wurde ich nie los.
Gerade ging die Cafétür auf, und Gary kam mit den anderen herein. Naomi saß mit dem Rücken zur Tür, deswegen zeigte ich mit dem Kopf in ihre Richtung, worauf sie sich um drehte. Als die anderen 4 uns gesichtet hatten kamen sie zu uns an den Tisch. "Ach, macht unsere kleine Naomi wieder mit dem Chinesen rum?" Ich bin Koreaner, dachte ich in Gedanken mürrisch. Ich blickte mich suchend um. "Wo ist er denn, ich sehe ihn nicht!?" und guckt Gary fragend aus meinen großen Hundeauge an. Naomi kichere hinter vorgehaltener Hand, sie wusste ja, dass ich Koreaner bin.
"Alter, deine Witze waren auch schon mal besser!" meinte Gary, der sich bestimmt gerade obercool fand. "Bitte sags mir, ich kann ihn wirklich nicht sehen!" "Na du!" platze jetzt John, der hinter Gary stand, raus. Wow, der kann reden, dachte ich, dass macht der sonst nie...
Ich deutete mit dem Zeigerfinger auf mich. "Ich bin Chinese?" "Wow, schlau Maier!" meinte Gary herablassend. Ich wandte mich an  Naomi. "Bin ich Chinese?" Sie lachte jetzt laut auf und meinte dann Lachtränen aus dem Gesicht wischend: "nein, bist du nicht." Wenigstens konnte ich sie zum lachen bringen...
"Ich bin kein Chinese", meinte ich dann grinsend zu Gary, "Ich bin Koreaner." Die anderen drei lachten daraufhin über Gary, dessen Wangen sich vor Zorn leicht rosa färbten. So was würde uns von LP nicht passieren. Wenn einer aus der Band fertig, oder von anderen so richtig bloßgestellt wurde, lachte wir nicht über ihn, sondern verteidigten ihn. Gary sah schnell auf die Uhr und meinte dann zischend zu Naomi: "Wir müssen los." Sie guckte ebenfalls auf die Uhr, und innerlich betete ich, dass sie noch ein bisschen bleiben konnte. "Stimmt", meinte sie, und meine Hoffnungen verfielen zu Staub. Sie trank noch eben ihre Tasse aus, und wollte in ihrer Handtasche nach Geld suchen, als ich meinte "Brauchst du nicht." Legte dann 20$ auf den Tisch und stand auf. Naomi ebenfalls. "Sorry, dass ich schon weg muss", meinte sie, und man konnte ihrem Gesicht ablesen, dass sie es ernst meinte. "Nicht so schlimm, aber wir sehen uns erst in etwa einem Monat wieder." "Wieso denn das?" fragte sie
erschrocken. "Wir gehen für einen Monat auf Tour." Innerlich verfluchte ich die Tour, aber es war nicht zu ändern. Außerdem konnte ich da sehen wie ernst ich es mit ihr meinte. Oh", brachte sie nur hervor, und umarmte mich dann zum Abschied einmal extra lange. Ich sog tief den Duft ihrer Haare ein, frisch gewaschen, wahrscheinlich mit Pfirsichshampoo. Doch schneller als ich es eigentlich wollte lösten wir uns, und vor dem Café verabschiedeten wir uns noch mal, mit dem versprechen zu telefonieren, sie ging mit den 4 Jungs in die eine Richtung, ich in die Andere. Ich musste wieder zu geben, dass ich leicht eifersüchtig auf die Jungs war. Sie konnten immer bei Naomi sein, ohne dass es auffällig war. Wenn ich mir aber vorstelle, wie Gary sie eben angeguckt hat... Ich hoffe nur, dass Naomi nicht wieder mit ihm zusammen kommt, während ich weg bin. Jeder, nur nicht er.. zwar würde auch jeder andere mein Herz in einen Scherbenhaufen verwandeln, aber bei jedem war sie besser dran, als bei
Gary.

Jetzt waren wir schon etwa 2 1/2 Wochen am touren, und ich vermisst Naomi schrecklich. Ihre Art zu Lachen, oder wie sie guckte wenn sie mir etwas erzählte. Gestern hatten wir noch mit einander telefoniert, und jetzt vermisste ich schon den Klang ihrer Stimme. Ich versuchte mich zwanghaft davon abzuhalten den Hörer des Telefons zu greifen und ihre Nummer zu wählen. Die Wand die sich mir gegenüber befand war auf einmal sehr interessant, dass schien auch Rob zu bemerken, denn er fragte: "Hey, Joe, alles okay?" Ich merkte, dass ich angesprochen war, und fuhr erschrocken und kopfschüttelnd auf. "Ne, alles in Ordnung." Schön wär's, ich verreck gleich. Ich stand auf, ging zu meiner Koje, und zog den Vorhang zu. Das hieß in der allgemeinen Busregel: "Lasst mich in ruhe!" Ich setzte meine Kopfhörer auf und versuchte mich mit Weezer abzulenken. Es klappte nicht wirklich. Ich versank in Tagträumerei, und malte mir aus, wie es wohl wäre, mit Naomi zusammen zu sein.
Dann suchte ich irgendwelche Argumente, die ich auflisten würde, wenn man mich fragt, warum man mit mir zusammen sein sollte. Leider fand ich nicht viele. Ich konnte nur so viel sagen: Ich bin treu, lustig, hilfsbereit, klein und fett. Wobei man die beiden letzteren nicht wirklich als Argument zählen konnte. Ich stand auf, ging ins Bad und stellte mich vor den Spiegel. Dort betrachtete ich mich von oben bis unten. Ich hatte lange nicht so einen super Body wie Mike, okay, er hatte auch einen kleinen Bauch, aber Chaz, Rob und die anderen hatten ein markeloses Aussehen. Nur ich fiel da durch; wenn man LP nicht wirklich kannte, konnte ich auch als Bodygarde durchgehen, so dick, wie ich war. Ich seufzte innerlich, zog das T-Shirt wieder richtig runter, das ich eben etwas hoch gehoben hatte, und machte die Tür auf. Wer würde schon so ein kleines nichts wie mich mögen?
Ich spürte einen Gegendruck auf der anderen Seite der Tür, die jetzt schepperte, und etwas ging krachend zu Boden. Upps, dachte ich nur noch. Dann zwängte ich mich durch den Spalt, durch welchen ich gerade so durchpasst (ich bin auch ein dickes Kind!). Als ich sie schloss, konnte ich nicht anders als zu lachen, als ich dort Rob auf den Boden liegen sah, der beim fallen wohl Mike mitgerissen hatte, auf welchem er jetzt lag. Beide guckte mit jetzt böse an, als dann aber auch noch Phi Phi dazu kam, der bei dem Anblick auch lachen musste, stimmten sie in unserem Gelächter mit ein. Ich reichte Rob die Hand, noch immer grinsend. "Sorry, man!" und wollte ihn hoch ziehen, doch er zog mich zu sich runter, nutzte den Schwung aber um selber auf zu stehen. Jetzt war ich wohl derjenige auf dem Boden. Lachend rappelte ich mich auf. Die Jungs waren wirklich das allerbester Mittel gegen Liebeskummer.

Ich war jetzt seit zwei Tagen wieder zu Hause, und heute Abend war ich mit ihr verabredet. Ich betrachtete mich beim hinausgehen kurz im Spiegel, der im Flur hing. Haare waren symmetrisch, aber leicht verstrubbelt, so dass sie nicht zu ordentlich wirkten. Ich nahm meine Schlüssel von der Kommode, ging nach draußen und zog die Tür hinter mir zu. Tief sog ich die frische Abendluft in meine Lungen ein, bis ich dann weiter zum Wagen ging um einzusteigen.
Während der Fahrt hörte ich unser erstes Album, Hybrid Theory, an. Manchmal dachte ich, wie erbärmlich, du hörst dir die Musik deiner eigenen Band an, aber es gab mir das Gefühl, dass ich nicht alleine war. Dieser Eindruck verstärkte sich vor allem, als ich With you' hörte. Sie waren mit mir.
Dort angekommen stieg ich schließlich aus, schloss ab und marschierte zum Eingang. Diesen Club hatte ich noch nicht so of besucht, und ich musste mich doch tatsächlich anstellen. Kaum zu glauben, für mich als Star. Ich grinste in mich hinein. Naomi hatte mir zwar angeboten, einen Backstagepass für mich zu hinterlassen, aber ich hatte dankend abgelehnt. Ich konnte mich ja mal anstellen. Da schließlich jede Schlange mal ein Ende hatte, kam ich doch hinein.
Das Konzert hatte schon angefangen, und Naomi sah an diesem Abend mal wieder wunderschön aus. Ich stand weiter hinten, und hatte kaum Hoffnungen, dass sie mich hinten in der Dunkelheit sah, aber wie durch ein Wunder sah sie bei einem Instrumentalsolo suchend durch den Raum. Vielleicht hatte sie aber auch nach jemand anderem gesucht. Ich ging, nicht ohne ab und zu zu Naomi zu gucken, zur Bar und setzte mich dort mit eine Getränk in der Hand auf einen der Stühle. Dort versuchte ich mir jede Kontur und Bewegung von ihr in das Gehirn ein zu brennen. Während der Tour sind mehrere Bilder von ihr entstanden, welche die Jungs nicht entdeckt hatten. Sonst hätte es bestimmt unnötige Fragen gegeben. Im Moment lagen sie alle bei mir im Wohnzimmer, auf sämtlichen Sitzmöglichkeiten verstreut, damit ich das beste auswählen und es zu einem Wettbewerb schicken konnte. Würden die Jungs also auf einen plötzliche Besuch vorbei kommen, wäre ich nicht gewappnet. Ich seufzte kurz auf.
"Das nächste Lied für einen guten Freund von mir, das ich geschrieben hab, als er mir sagte, er müsse für eine etwas längere Zeit fort. Es heißt That Kind of Love'." Mhm... ein guter Freund? Wer das wohl war. Sie hatte mir alle wichtigen Personen in ihrem Leben mal aufgezählt, und das waren wenige gewesen, eigentlich nur die Band. Dieser jemand musste ihr wirklich viel bedeuten.
Jetzt spielte sie wieder nur auf  ihrer Gitarre, während die Band auf ihren Einsatz wartete.

Who would sell their soul for love?
Or waste one tear on compromise
Should be easy enough
To know a heartache in disguise
But the heart rules the mind
And the going gets rough
Pride takes the fall
When you find that kind of love

I can't help feeling like a fool
Since I lost that place inside
Where my heart knew its way
And my soul was ever wise
Once innocence was lost
There was not faith enough
Still my heart held on
When it found that kind of love

Though beauty is rare enough
Still we trust
Somehow we'll find it there
With no guarantee
It seems to me
At least it should be fair

But if it's only tears and pain
Isn't it still worth the cost
Like some sweet saving grace
Or a river we must cross
If we don't understand
What this life is made of
We learn the truth
When we find that kind of love
Cause when innocence is lost
There is not faith enough
We learn the truth
When we find that kind of love

(Copyright by Alison Krauss)

Wow... das war echt der Hammer vor allem der Teil mit 'Though beauty is rare enough' gefiel mir. Ich musste ihr in der nächsten Zeit unbedingt einen Plattenvertrag machen. Danach kam noch ein Song, und dann war das Konzert aus. Als die Band von der Bühne ging, wurden sie jubelnd empfangen. Sie kämpften sich zur Bar durch, wo sie sich erst mal alle auf einen Hocker hockten, und etwas zu trinken beorderten. Ich hatte mich mit den Rücken die ganze Zeit immer so gedreht, dass sie mich nicht entdecken konnten. Die ganze Zeit grinste ich so dämlich vor mich hin, da ich sie gleich erschrecken wollte. Plötzlich spürte ich etwas spitzes in der Seite, und quiekt erschrocken auf, danach drehte ich mich zur  Seite um zu gucken was es war. "Oh Entschuldigung, dass war.." sie starrte mich an. Anscheinend hatte sie mir aus versehen den Ellbogen in die Seite gerammt. "Joe!" rief sie aus, und umarmte mich. Ich drückte sie kurz und ließ sie dann los. "Konnte ja nur er sein, wer quiekt den sonst so wie
ein Schwein?" fragte jetzt Gary hinter Naomi. Diese verdrehte nur genervt die Augen und drehte sich zu ihm um. "Halt die Klappe Gary!" Dieser guckte mich nur missbilligend an, bis er sich sein Glas schnappte, und mit diesem in der tanzenden Menge verschwand, die anderen drei folgten ihm. "Wie geht's dir?" fragte sie mich jetzt aus ihren leuchtenden grünen Seen. "Prima, und der Dame selbst?" fragt ich Spitzbüberisch grinsend. "Könnte nicht klagen, außer das Gary die ganze Zeit behauptet wir wären zusammen. Wenn er so weiter macht, suche ich mir 'ne andere Band." "Och nö, ich will euch doch unter Plattenvertrag nehmen!" sagte ich leicht schmollend, doch innerlich machte ich einen kleinen Freudensprung. Sie war nicht mit ihm zusammen! Das war einen Whiskey wert. "Einen Whiskey bitte!" rief ich dem Barkeeper zu. Dieser nickte nur verstehend und machte sich an die Arbeit. "Musst du immer Whiskey trinken?" "Hä, wieso?" "Na, weil du immer einen trinkst, wenn wir uns treffen. Bis du
Alkoholiker?" Ich schaute sie bedeppert an. Wieso sollte ich deswegen gleich Alkoholiker sein? Ich trank als erstes nun mal einen Whiskey, dann ein Bier. Warum ich mir das angewöhnt hatte, wusste ich selber nicht, aber es nun mal so. Außerdem hatte ich mir den jetzt für meine kleine Feier' bestellt. Dann lachte sie los. "Dein Gesichtsausdruck war einfach göttlich. War doch nur Spaß. Aber willst du uns wirklich unter Vertrag nehmen?" "Warum nicht, gut genug seit ihr alle mal. Nur, falls du wirklich die Band wechseln willst, mach das davor, okay?" ich grinse, und trank dann einen Schluck aus meinem jetzt vorhandenem Whiskey. "Wie lange bist du schon hier?" fragte sie über den Rand ihres Glases, an welchem sie gerade nippte, hinweg. "Ungefähr die Hälfte des Konzis hab ich verpasst, aber du hast wunderbar gesungen." Meinte ich dann. "Hast du dann das vorletzte Lied auch gehör." "Klar", meinte ich. Jetzt gleich sagt sie mir bestimmt, für welchen Kerl, mit dem sie gerade zusammen war, sie
es geschrieben hatte. "Das Lied war für dich." Jetzt war ich sprachlos. "Danke", stotterte ich gerade so zusammen.
Wir redeten den ganzen Abend lang, bis ein betrunkener Gary auftauchte. "Hey, Babe, wie wär's mit uns heute Abend?" "Gary, lass mich in ruhe, du hast getrunken!" meinte sie genervt. Er wollte eine Hand auf ihre Schulter legen aber sie wischte sie weg. "Man, du Hure, lass dich gehen!" Ich atmete tief durch. Er versuchte weiter sie zu begrabschen und betatschen, als ich ausrastete. Erst nannte er sie Hure, und dann will er sich auch noch an sie vergreifen. Ich holte aus und schlug zu. So fest hatte ich glaub ich noch nie zu geschlagen, selbst in meiner Schulzeit nicht. Er ging zu Boden und ich wollte mich schon weiter auf ihn stürzen, als Naomi mich zurück hielt. "Lass ihn er ist es nicht wert." Das sah sogar ich ein, und so ließ ich mich von Naomi wegziehen. Einen letzten Blick erhaschte ich noch auf ihn, und zu meiner Befriedigung blutete er aus der Nase. Hoffentlich war sie gebrochen.
Als wir dann draußen waren entstand die erst wirklich bedrückende Pause zwischen uns. Ich hatte mir innerlich immer wieder gewünscht, dass uns so etwas nie passieren würde, aber es schien unausweichlich gewesen zu sein. "Danke.." sagte sie dann. Wortlos nahm ich sie in den Arm, wo sie sich an meiner Jacke, die ich mir übergezogen hatte, festklammerte. Nach so ein zwei Minuten ließ ich sie los. "Alles okay? Soll ich dich nach Hause fahren?" "Kann ich bei dir pennen? Ich möchte heute Abend nicht so gerne alleine sein" "Okay", meinte ich dann, und brachte sie zu meine Wagen. Ich machte ihn mit Fernsteuerung auf, und so setzten wir uns in den Wagen, ich startete den Motor und fuhr los. Die ganze Zeit schwiegen wir, nur ab und zu guckte ich in ihre Richtung, aber ihr Blick war immer Gedanken verloren aus dem Fenster gerichtet. Als wir dann angekommen waren, schloss ich die Tür auf, als es mich wie ein Blitz durch zuckte: Im Wohnzimmer lagen noch immer die Zeichnungen! Kaum war die Tür
offen, streifte ich schnell meine Schuhe ab, warf sie in die nächste Ecke, meine Jacke schmiss ich noch in Richtung Kleiderständer und düste Richtung Wohnzimmer. Ich konnte Naomis fragende Blicke direkt hinter meinem Rücken spüren, aber darauf konnte ich gerade nicht Rücksicht nehmen. Auf Socken rutschte ich auf dem glatten Flur entlang, und als der Bogen zum Wohnzimmer erschien, rutschte ich kurz einen Moment lang auf der gleichen Stelle hin und her, bis ich im Wohnzimmer verschwunden war. Das letzte was ich hörte, war ein Kichern von Naomi. Ich rannte durchs ganze Zimmer, und sammelte alle ein, als ich ihre Schritte näher kommen hörte. Schwitzend blickte ich mich um. Wo konnte ich die jetzt hintun? Ich rannte zum großen Wohnzimmerschrank und stopfte sie in eine Schublade, die ich gerade rechtzeitig zu machte; als Naomi den Raum betrat. "Was war den so dringend?" fragte sie noch immer kichernd, als ihr ein Zettel auf dem Boden auf fiel. Oh nein! Dachte ich. Das Bild ist mir
tatsächlich aus der Hand gerutscht! Ich rannte schnell zu ihr hin, als sie es sich gerade genauer betrachten wollte. Sie wollte schon danach greifen, aber ich war schneller, und versteckte es hinter meinem Rücken. "Das war ich, oder?" fragte sie mich grinsend, aber auch fragend. "Nein", antwortete ich. Oho... "Doch, ganz bestimmt. Lass mal sehen." Ich versuchte meine Nervosität zu überspielen, in dem ich sie angrinste. "Nein." "Bitte, bitte, bitte!" Sie setzte ihren Honigkuchenpferdtraurigguckblick auf, so dass ich dann schließlich doch aufgab, und ihr das Bild unter die Nase hielt. "Wow, dass ist echt gut! Und das hast du gezeichnet?" fragte sie mich aus erstaunt guckenden Augen. "Ne, bei Ebay ersteigert!" antwortete ich ihr frech. Als Antwort bekam ich ein pieken. "Hey!" antwortete ich daraufhin gespielt empört. Schnell brachte ich das Bild dann in einer anderen Schublade im Arbeitszimmer unter. Als ich zurück kam, hatte sie sich anscheinend um gesehen, und stand jetzt vor der
großen, gläsernen Terrassentür, die in den Garten führte, und sah hinaus. "Willst du noch etwas frische Luft schnappen?" fragte ich sie dann. Sie nickte, und so ging ich zurück in den Flur, um ihre und meine Schuhe und Jacke zu holen. Draußen setzten wir uns dann auf die gerade für uns zwei ausreichende Hollywoodschaukel. Wer am meisten Platz verbrauchte muss ich ja nicht erwähnen. Nervös, da ich noch nie so nah neben ihr gesessen hatte (die Schaukel war wie gesagt etwas eng'), guckte ich den klaren Himmel, auf dem die Sterne wie Diamanten funkelten, und der Mond wie ein großer runder Schweizerkäse aussah. "Guck dir mal den Himmel an!" forderte ich Naomi dann auf. Sie tat es, dabei kuschelte sie sich etwas an mir, wobei mir ein Schauer über den rücken lief. "Ist dir kalt?" fragte ich dann. "Ein bisschen...", meinte sie dann. Vorsichtig lege ich dann einen Arm um sie, und wartete ihre Reaktion luftanhaltend ab. Sie kuschelte sich noch mehr an mich, so dass ich beruhigt auf atmetete.
"Die Sterne sehen heute Nacht wunderschön aus." Sagte sie. Ich betrachtete ihr Gesicht, dass verträumt gen den Himmel gerichtet war. Plötzlich fragte sie. "Woraus glaubst du bestehen die Sterne?" Ich verzog nachdenklich die Stirn, und guckte dann in den Himmel. Ja, woraus bestanden sie denn? "Ich weiß es nicht", sagt ich dann, und guckte sie wieder an. Sie guckte mich ebenfalls an, und im Licht des Mondes glänzten ihre Augen wieder wie Smaragde. Ich atmete tief durch. "Aber deine Augen sehen im Mondlicht tausendmal schöner aus, und kein Wiederrede!" Sie lächelte mich nur süß an, und ich verlor mich in dem endlosen Grün ihrer Augen. Bis sie dann eine Hand hob und meinen Kopf ganz nah an ihren zog. Ich spürte ihren warmen Atem auf meiner Haut, und schaute weiterhin in ihre atemberaubenden Augen, als ich ihre Lippen auf meinen spürte. Erst tastend und ganz langsam, suchten ich ihren Mund, bis es ein glückliches Feuer in mir entfachte, und der Rest kam von ganz alleine.

Irgendetwas kitzelte mich an der Nase, sodass ich aufwachte. Schnell schloss ich aber wieder meine Augen, als mir das grelle Licht entgegen schien. Man! Wieso musste ich auch das Bett so ins Zimmer stellen, dass die Sonne durch die, ebenfalls aus Glas bestehende, Tür,  beim Sonnen Aufgang, direkt auf das Bett strahlte? Als sich meine Augen an die Helligkeit gewöhnt hatten, sah ich vorsichtig und hoffend umher. Auf meiner Brust befand sich ein schlafender, blonder Wuschelkopf. Ich schloss meine Augen und öffnete sie wieder. Er war noch immer da. Es war alles wirklich nicht alles ein Traum gewesen. Noch nie war ich so glücklich wie an diesem Tag. Ich sah mich kurz im Zimmer um, wo überall unsere Klamotten verteilt waren, dann wieder auf Naomi. Sie sah schlafend noch viel süßer aus, als wenn sie wach war. Ich sah ihr eine Zeit lang zu, aber da ich leider ein sehr aktiver Mensch war, meldete sich mein Stoffwechsel zu Wort. Ich versuchte sie so sanft wie möglich von mir zu schieben, um
meinen Engel ja nicht zu wecken, suchte dann meine Shorts, du eine neue aus dem Schrank, damit ich gleich duschen konnte. Ich legte auch ein paar Sachen für Naomi raus, falls sie was anderes anziehen wollte. Ich wollte gerade die Tür zu machen als eine verschlafend Stimme fragt: "Wo willst du hin?" Ich steckt meinen Kopf wieder ins Zimmer, und mir guckte eine Naomi mit wirrem Haar und verschlafenen Augen entgegen. "Ich geh eben duschen, bin gleich wieder da, schlaf noch ein bisschen." Das schien sie auch zu machen, denn sie kuschelte sich wieder die Decke. Dann schloss ich die Tür und machte mich auf dem Weg zur Dusche. An den verschlafenden Blick konnte ich mich sehr gut gewöhnen.
Während ich so friedlich unter der Dusch stand, und das Wasser auf mich herabprasselnd ließ, öffnete sich die Tür, und leise Schritte gingen an der Duschekabine, die Milchscheiben hatte, vorbei zum Waschbecken. Als ich fertig war, schlang ich mir das Handtusch, was oben am Rand hing, um die Hüften und trat hinaus. Naomi stand jetzt wach vorm Spiegel und versuchte ihre Haare mit meinem Kamm in Ordnung zu kriegen, was ihr schon recht gut gelungen war. Sie trug das T-Shirt und die Shorts die ich ihr rausgelegt hatte. Mit der Zeit hatte ich nämlich erfahren, dass sie auch auf Baggys und so stand. Die Hose, die ich ihr hingelegt hatte , hatte sie aber nicht angezogen. Auch nicht so schlimm dann konnte ich noch eine Weile ihre schönen Beine angucken. Ich stellte mich hinter sie, und legte meinen Kopf auf ihre Schulter, mit meinem Armen umschlang ich ihren sexy Bauch und guckte ihre Augen in unserem Spiegelbild an. Sie lehnte ihren Kopf an meinen, und ihre Hände auf meine, und guckte mich
ebenfalls an.
"Ich liebe dich." Sagte ich dann. Ich drehte meinen Kopf zu ihr, und sie guckte mir in die Augen, als sie sagte "Ich dich auch." Dann küssten wir uns, und ich dachte noch, dass wir uns später bestimmt noch mal anziehen müssen, als ich mit ihr, in Richtung Schlafzimmer verschwand.
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