Die Fetzen ihrer Erinnerung

von Mara
GeschichteRomanze / P6
Colonel D. M. Lydecker Max Guevara Zack
12.04.2004
12.04.2004
4
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Titel: Die Fetzen ihrer Erinnerung
Teil: 1/?
Autor: Mara
Email: kargmin@yahoo.de
Spoiler: Das letzte Gefecht/ Die zweite Flucht
Rating: PG
Zusammenfassung: Fortsetzung zu " Der stumme Pakt". Lydecker hat Ria in seine Krallen gekriegt und versucht ihr Gedächtnis zu manipulieren
Pairing: Ria/Mace, Lydecker
Kategorie Au
Disclaimer: Also, Ria und Mace gehören mir, der Rest von DA aber leider nicht
A/N: Nach etlichen PC-Abstürzen, kämpfen mit der Tastatur  und anderen Widrigkeiten- blablabla, habe ich es jedenfalls endlich geschafft, eine Fortsetzung zu "Der stumme Pakt" zu schreiben.
Ach ja, und bitte, bitte Feedback. Buht mich meinetwegen aus, schickt faule Tomaten per Email, nur gibt bitte eine Rückmeldung!

Die Fetzen ihrer Erinnerung.

Ausgebrannte Ruinen und ein Haufen Schutt war alles, was von der einstigen Militäreinrichtung übrig geblieben war. Immer noch hing stechender Brandgeruch über den Ort, den man einst Manticore nannte. Unmittelbar nach dem verheerenden Feuer war das Gebäude menschenleer. Militär und Medien hatten noch keine Zeit gefunden, den Ort des Unglücks zu erreichen.
Er hatte also noch genug Zeit, das zu finden, was er hoffte....oder fürchtete.
Die Hitze der noch glühenden Brandnestern in den Gebäuden machten seinen genetisch veränderten Körper nichts aus. Zielstrebig untersuchte der Mann jeden Raum in dem einstigen Krankenhaustrakt. Erst als er sich der ehemaligen psychologischen Abteilung näherte, wurden seine Schritte stockender.

Als sich das Hubschraubergeräusch näherte, hatte er das Gebäude schon wieder verlassen. Schneller als ein normaler Mensch, spurtete er durch die ehemalige Sicherheitszone um Manticore und verschwand im Wald. Erst Meilen später, als selbst er ausser Atem geriet, verschnaufte er an einen Baum.
Dann öffnete er langsam das rußbedeckte Buch, das er aus dem Gebäude mitgenommen hatte.
Seine Finger trugen den Ruß des Deckels auf die von Feuer unversehrten Seiten, den der Mann vergebends mit seinen Hemdsärmel  zu entfernen versuchte.
Schließlich gab er auf und konzentrierte sich auf die Worte, die vor Monaten von einem jungen Mädchen aufgeschrieben worden waren:


1.Eintrag

Dr. Lydecker weiß viel über mich. Denn alles was ich über mein Leben weiß, habe ich von ihm erfahren. Meinen Namen, meine Herkunft, einfach alles.
Wie meine Eltern bei dem Feuer in unserem Haus umkamen. Wie ich entkam und auf eigene Faust versuchte mein Leben zu meistern. Und wie ich irgendwie zwei Verbrechern in die Quere kam, die daraufhin versuchten, mich umzubringen. Nur Dr. Lydeckers Eingreifen war es zu verdanken, der als alter Freund meines Vaters zufällig nach mir sehen wollte, dass ich ihren Mordversuch überlebte. Wenn auch nur knapp. Bevor er eingreifen konnte, wurde ich von einer Kugel am Kopf verwundet.
Und verlor dadurch meine Vergangenheit.

Ich weiß nicht, warum ich dies aufschreibe, eigentlich weiß ich gar nichts über mich, ausser den Fakten, die Dr. Lydecker mir mitteilte. Aber was für ein Mensch ich war, welche Persönlichkeit ich habe bzw. hatte - das konnte er  mir nicht sagen. Er meinte, dass letzte Mal, wo er mich gesehen hätte, wäre ich so klein gewesen, das ausser  der Tendenz zum lauten Schreien kein Charakterzug erkennbar gewesen wäre. Meine Wünsche und Ängste kennt er  ebensowenig wie ich selber. Er meinte, der beste Weg, mich wieder zu erinnern, wäre alles aufzuschreiben, was ich erlebe. Oder träume. Um es dann mit ihm zu besprechen und möglicherweise so Fortschritte zu machen.
Fortschritte, pah - trotz der vielen Wochen, die seit meinen Aufwachen vergangen sind, erinnere ich mich nur an das, was seitdem geschah. Selbst Dr. Lydecker wird langsam ungeduldig. Dabei ist es nicht sein Leben, das in der Versenkung verschwand.

Meine erste Erinnerung war die, wie ich hier im Krankenzimmer aufwachte.(Ein reichlich komisches Krankenzimmer übrigens. Ich weiß nicht warum, aber irgend etwas erscheint mir in diesem Raum nicht so, wie ich es von einen Krankenzimmer gewohnt sein müsste. Das Bett mit Eisengestell, die vielen Apparate, die weißen Wände, das vergitterte Fenster- aber ohne vergleichbare Erfahrung kann ich mein diffuses Gefühl nur sehr schwer einordnen.)
Aber ich soll ja meine Erlebnisse aufschreiben, und meine Gefühle mit Lydecker besprechen, anstelle mit diesem Tagebuch.

Also - ich hatte beim Aufwachen schlimme Kopfschmerzen. Beim Öffnen der Augen sah ich zuerst nur alles verschwommen und hatte Probleme, mich zu bewegen. Die weiße Bettdecke schien mich niederzudrücken.
Nach einer endlosen Zeit, so schien es, wurde endlich jemand auf mich aufmerksam. Eine Krankenschwester erschien, die, als sie mich wach fand, einen Arzt holte.
"Miss?" er beugte sich über mich
"Wer sind Sie?" die Worte kamen nur schwer aus meinen trockenen Mund.
"Doktor Donald Lydecker, ich bin Ihr behandelnder Arzt. Es ist schön, dass Sie endlich bei Bewußtsein sind, Miss Braschaw!"
"Wer..?"
Da begann es. Zum ersten Mal wurde mir klar, dass ich nicht mehr wußte, wer ich bin.

2.Eintrag

"Es bringt nichts" ,verzweifelt sprang ich auf, und ging an die vergitterten Fenster. Nur der von Wolken bedeckte Himmel und ein Stückchen Wald waren zu erkennen.
"Ich kann mich einfach nicht erinnern."
"Miss Braschaw..." "Nennen Sie mich nicht so" fuhr ich ihn wütend an. Immer noch, trotz all meiner Versuche, blieb mein Gedächtnis ein Buch mit sieben Siegeln. Ausserdem hatte ich seit Ewigkeiten ausser Lydecker nur die Wache vor der Tür gesehen, die mir regelmäßig Essen brachte. Auch wenn ich mich nicht an ein anderes Leben erinnerte, das ewige Eingesperrt sein und rieb mich total auf.  "Der Name sagt mir nichts" warf ich Lydecker entgegen. "Wer sagt, dass Sie diesen Namen nicht einfach erfunden haben?"  "Lisa..." versuchte er mich zu beruhigen. "Ich verstehe ja, ja, dass Sie ausser sich sind, aber meinen Sie nicht auch , dass Paranoia nicht der rechte Weg ist, um Ihre Gedächtnislücken aufzufüllen?"
"Verzeihen Sie." Ich zwang mich zur Ruhe. Lydecker hatte soviel Geduld mit mir bewiesen und es war wirklich unfair, alles an ihm auszulassen.
"Es ist nur so frustrierend.."
"Schon gut"
Er kam zu mir und legte eine Hand auf meine Schulter" Immerhin haben Sie Ihr Gedächtnis ja nur teilweise verloren. Sie erkennen Ihr Umfeld, wissen also, das ein Tisch auch Tisch heißt, und beherrschen Sprache und Schrift..." " Aber das was ich bin, meine Erinnerung, mein ganzes Leben.." "...wird alles wieder kommen. Nur keine Sorge, es braucht alles seine Zeit. " Er wandte sich leicht ab. "Auch wenn es einfacher für uns wäre, die Leute zu finden, die Ihnen das angetan haben, wenn Sie in der Lage wären, uns zu helfen." Grimmig biss ich meine Zähne zusammen. "Glauben Sie mir, ich will sie auch finden, aber momentan ist die Leinwand in meinen Kopf immer noch so weiß wie Schnee."
SCHNEE. Ich schwankte. Der Doktor stützte mich. "Schnee"
"Lisa, alles in Ordnung? Haben Sie sich an etwas erinnert?"
"Ich weiß nicht..." Unsicher sah ich ihn an.
"Es war nur so `ne Art Aufblitzen. Heißt das, meine Erinnerung kehrt zurück?" Vor Aufregung wurde mir erneut schwindelig.
"Hm..." er griff nach einem Stift." Kommt drauf an. Was hatten Sie denn für ein Aufblitzen?"
"Nichts Konkretes" zögernd versuchte ich das Bild, was mir verschwommen durch den Kopf geflutscht war, zu beschreiben. "Da waren Bäume- wie die da draussen" Ich wies auf den Wald "Voller Schnee!"
"Fällt Ihnen ansonsten noch was ein? Irgendein Indiz,  wann das war, wo oder wer bei Ihnen war?"
Verwirrt schüttelte ich den Kopf.
"Okay, gehen wir es langsam an! Was trugen Sie?"
"Keine Ahnung"
"War es hell oder dunkel?"
"Es war.. dunkel... nein, es wurde gerade hell."
"Morgens also." Eifrig schrieb er auf.
"War jemand bei Ihnen?" "Weiß nicht - könnte sein." Langsam hatte ich das Bild wieder Irgendwie funktionierten Lydeckers Fragen wie der Schärfenregler bei einen Fernseher . Je mehr er fragte, desto klarer wurde das Bild. Fernseher? Sollte sich mein Erinnerungsvermögen nun endlich wieder aus dem Grabe erheben? Bevor ich mich mit diesen neuen Bild beschäftigen konnte, holten Lydeckers Fragen mich zurück.
"Wer war es?"
"Bitte?"
"Lisa , Sie hatten gerade gesagt, jemand wäre bei Ihnen gewesen."
"Ja, es war.."    aus irgendeinen Grund sträubte sich was in mir, weiter zusprechen. Lydecker  bemerkte dies, und ermunterte mich sanft.
"Keine Sorge, Lisa sagen Sie es nur."
Zögernd sah ich ihn an. "Ich glaube , da war ein Gesicht."
"Ein Gesicht?" fragte Lydecker beiläufig.
"Wie sah es aus?" Ich zuckte die Achseln. Mein Kopf tat weh, und langsam drohte jenes Schneebild wieder zu schwinden, egal wie krampfhaft ich auch versuchte es festzuhalten.
"Männlich, weiblich, alt oder jung?" forschte er weiter.
"Es... war eher das Gesicht eines Kindes, eines Jungen." brachte ich schließlich trotz des Kloßes in meinen Hals hervor. Was war nur los mit mir? Endlich eine Erinnerung  und ich zögerte , sie Lydecker mitzuteilen. Als ob ich fast Angst  hätte, er könnte -  irgend etwas damit machen.
"Sind Sie sicher?" "Ich weiß es nicht." verwirrt drückte ich die Knöchel gegen meine Augen , als könnte ich damit meine Kopfschmerzen zurückhalten. "Es verschwimmt alles - ich kann es nicht erfassen."
Lydecker ließ verständnisvoll den Stift sinken. "Schon gut Lisa. Es ist immerhin ein Fortschritt."
"Heißt das.." hoffnungsvoll sah ich ihn an.
"Wir wollen nichts überstürzen," wiegelte er ab. "Wir haben Zeit."
"Was ist mit den beiden Männern, die..." ich stockte wieder "mich überfallen haben? Wenn Sie die fassen, könnten Sie dann nicht irgendwelche Anhaltspunkte liefern, die mir mein Gedächtnis wiedergeben?"
"Tut mir leid, nein. Einer der beiden ist immer noch auf der Flucht, und der andere ist anscheinend so gut konditioniert worden, dass er immer noch schweigt."
"Der andere..?" erstaunt sah ich Lydecker an. "Sagten Sie nicht, beide wären noch nicht gefaßt worden?".
"Ursprünglich, ja. Aber mittlerweile konnten wir einen der beiden ergreifen. Ich hatte es Ihnen nur nicht mitgeteilt, weil ich Sie nicht beunruhigen wollte."
"Vielleicht .." brachte ich hervor, nachdem ich diese Nachricht verdaut hatte, "könnte ich ihn sehen. Sein Anblick könnte mir vielleicht helfen..." "Nein Lisa" schlug Lydecker meine Bitte entschieden ab. "Sein Anblick könnte nur, wenn er überhaupt etwas bewirkt, das Trauma wieder hervorrufen, das Sie durch die Schußverletzung am Hinterkopf erlitten haben."
Unwillkürlich berührte ich bei seinen Worten die kahle Stelle an meinen Kopf, wo die Narbe sich noch befand.
"Es ist besser, wenn Sie hier in kontrollierter Umgebung langsam wieder zu Kräften kommen. Und solange einer der Beiden immer noch draussen herum läuft..., glauben Sie mir, hier sind Sie am sichersten."
Oh ja. Eingesperrt in diesem Karnickelstall. So lange, bis der Kerl da draussen gefasst wird oder ich mein Leben wiederfinde. Wann immer das sein wird.

                                                                      Ende Teil 1
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