Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Asharra´s Geschichte

von Kyrillia
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
12.04.2004
10.05.2004
6
7.952
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
12.04.2004 2.423
 
Prolog


Als Ich die Oberwelt das erste mal bei Tageslicht betrat, regnete es in Strömen.
Sehnsüchtig blickte ich zurück zu dem mannshohen Loch im Gestein, das den Eingang zu den geliebten unterirdischen Höhlen meiner Sippe bildete, doch meine Tante hatte mir bereits den Rücken zugedreht und stimmte den Verbergungszauber an, welcher den Eingang vor feindlichen Blicken schützte.
Ich seufzte, rückte meine Tasche zurecht und machte mich auf den Weg.

Doch von Anfang an.
Hexen sind sehr traditionsbewusst.
Daher merkte Ich recht schnell, dass Ich anders war als meine Schwestern. Ich überragte die meisten von Ihnen um gut einen halben Kopf, doch das allein liess mich noch nicht aus der Masse hervorstechen. Obwohl von schlanker Gestalt, erschien mein Körper kompakter und kräftiger als die ätherisch durchscheinenden zarten Gestalten der Anderen und meine Haut war dunkler als die Ihrige, nicht von jenem schimmerndem Silbergrau, welches an Mondlicht in einer lauen Sommernacht denken liess.
Meine Haut erinnerte mehr an dunkles Zinn.
Wo meine Schwestern lange spitze Eckzähne, ansonsten aber ein normales Gebiss vorweisen konnten, besass ich einen ganzen Mund voller scharfer Reisszähne, die bei meiner Sippe eher gemischte Gefühle hervorriefen. Daher hatte ich mir angewöhnt, nur sparsam und dezent zu lächeln. Keine idealen Vorraussetzungen um sich heimisch zu fühlen.
Lediglich meine Augen, von tiefem Violett, entsprachen so sehr der Tradition, dass sich selbst die ärgsten Zweifler von meiner Sippenzugehörigkeit überzeugen liessen.
Von meinen magischen Fähigkeiten jedoch liessen Sie sich nicht so einfach überzeugen.
Obwohl stets eine mustergültige Novizin, konnte ich meine Kräfte auch noch nach Jahren nicht richtig beherrschen. Von mir ausgesprochenen Flüche und Verwünschungen erzeugten mit an Boßhaftigkeit erinnernder Hartnäckigkeit magische Rückstösse, die von den Wänden der Höhle mit blitzartiger Geschwindigkeit reflektierten und arglose Cousinen und Tanten trafen, die das Pech hatten, just in dem Moment vorbeizugehen.
Meine Beschwörungen riefen stets das pure Chaos hervor, das sich meist nur mit Hilfe einiger der stärksten Hexen bezwingen liess und meine Heilzauber hatten bereits etliche meiner Schwestern beinah diverse Körperteile gekostet.
Die einzige Disziplin, die ich zu meinem Stolz fast meisterlich beherrschte, war das Brauen von Zaubertränken, Salben, Pulvern und Elixieren jediglicher Art. Selbst die schwierigsten Rezepte glitten mühelos von meiner Hand und mein Leben hätte wohl recht angenehm verlaufen können, hätte man mir gestattet, mich nur auf diesen Aspekt der Magie zu konzentrieren.
Die Tradition jedoch, verlangte, wenn schon nicht Perfektion, dann zumindest eine rege Beteiligung an sämtlichen Facetten der vielschichtigen Hexenkünste, was mich rasch mit einem weiteren Problem konfrontierte, den Blutopfern.

Ich schrubbte gerade an einem besonders hartnäckigen Fleck, einer Mischung aus eingebranntem Blut und Eingeweiden, vor dem Altar und betrachtete missmutig die Überreste der Opferziege, die sich über den gesamten Raum verteilt in einem bizarr anmutendem Muster in Boden und Wände gebrannt hatte. Ich selbst sah nicht viel besser aus, da es meine ungeschickte Hand gewesen war, die das Ritual verdorben hatte. Eigentlich hätte das Blut der Ziege durch einen fachgerecht durchgeführten Skalpellzauber in den dafür vorgesehenen Behälter fliessen sollen. Eigentlich. Tatsächlich aber explodierte das arme Tier unter nicht unerheblicher Geräuschentwicklung und nun kniete ich also hier auf dem Steinboden und musste die Sauerei aufwischen.
Im Nebenraum konnte ich die Stimmen meiner Mutter, der Priesterin und unserer vielgeehrten Oberhexe in hitziger Diskussion verfolgen.
" Sieh es doch ein, Cassandra, deine Tochter ist nicht für die Sippe geschaffen, ihr fehlt es am richtigen Glauben und am richtigen Talent !" , das war die Stimme Ellenas, unserer obersten Priesterin, die mich stets mit Missbilligung in ihrem eh schon säuerlichem Blick betrachtete.
"Eines Tages sprengt sie uns noch alle in die Luft, sie kann nicht bei uns bleiben ! "
"Was soll ich denn tun, meine eigenen Tochter verbannen ? Wie soll sie denn da oben überleben, Ellena ? ", meine Mutter begann sich langsam in Rage zu reden.
" Du hast noch Elthia und die bringt dir keine Schande, im Gegensatz zu Asharra. Bei Shoras Blut, Cassandra, was findest du an diesem Wechselbalg ? Wenn ich nicht selbst bei ihrer Geburt dabeigewesen wäre, würde ich...."
Weiter kam sie nicht , denn dem Geräusch nach schien ihr meine Mutter eine saftige Ohrfeige verpasst zu haben.
An diesem Punkt wäre wahrscheinlich ein für Hexen nicht unüblicher Kampf ausgebrochen, wenn Oberhexe Zelandona nicht dazwischengetreten wäre.
"Wir reden später darüber", war alles, was sie dazu zu sagen hatte. Es folgte ein Rascheln von Roben und meine Mutter und die beiden Anderen entfernten sich in einem wütenden Abgang.

Stille senkte sich wieder und allmählich fingen meine Knie an zu schmerzen, als ich meine eintönige Arbeit wieder aufnahm. Verbissen schrubbend fragte ich mich, wie wohl meine Strafe aussehen würde. Zelandona war mir und meiner Mutter zugetan, also hielt ich eine endgültige Verbannung für unwahrscheinlich.
Andererseits konnte Ellena in ihrem Zorn sehr hartnäckig sein und unser Verhältnis hatte von Anfang an unter keinem guten Stern getanden.
Als ich den Altarraum verliess, war ich müde und dreckverkrustet, ich hatte Hunger , aber die allgemeine Abendmahlzeit war bereits seit Stunden vorbei. Also ging ich direkt zu Bett.



Kapitel 1


Und keine zwei Wochen später stand ich hier im Regen, nicht verbannt, aber auf unbestimmte Zeit zu meiner Tante Milikka entsand, um wie es offiziell hiess, meine Kenntnisse in der Kräuterkunde auf oberirdisch wachsende Kräuter auszudehnen, meiner Tante zur Hand zu gehen und ganz allgemein praktische Erfahrungen zu sammeln.
Ellena hatte triumphiert, denn in ihren Augen gab es keine schlimmere Strafe für mich, nur die Tatsache, dass ich eines Tages zurückkehren könnte, war ihr ein Dorn im Auge.  
Meine Mutter hatte sich überraschend leicht mit diesem Sieg ihrer ärgsten Rivalin abgefunden, hatte mir allerdings noch einige Talismane und Glücksbringer zugesteckt, mich ermahnt und mich einen heiligen Eid schwören lassen, mich nicht mit Menschen in Allgemeinen und Menschenmännern im Besonderen einzulassen. Ich hatte zwar nichts gegen Menschenmänner, musste aber zugeben, dass die Wenigen, die ich bis dato zu Gesicht bekommen hatte, einer Frau meiner Grösse und Statur nur wenig entgegenzusetzen hatten, ausserdem waren sie arrogant gewesen.
Als ich so durch den Regen stapfte und über Männer sinnierte, sah ich ein weiteres Problem am Horizont heraufziehen. Die schon vielfach erwähnte Tradition der Hexen bestand zwecks Arterhaltung darauf, dass jede Hexe im Idealfall 3-4, zumindest aber eine Tochter in die Welt setzte. Leider mangelte es unserem Volke nun aber an einem männlichen Gegenpart. Es gab keine Hexer, und schien auch nie welche gegeben zu haben.
Ich musste an meine ältere Schwester Elthia denken, die schon eine Fehlgeburt hatte und nun erneut schwanger war.
Ich glaube, ich muss nun kurz erklären, wie die Partnersuche bei Hexen im Allgemeinen funktioniert. Wir verehren Shora, die Urgöttin der Unterwelt, Schutzherrin unserer Sippe.
Ihr zu Ehren feiern wir jeden Vollmond ein Fest in der Oberwelt, an einem sakralen Platz, der in einem uns heiligen Steinkreis steht. Es ist ein lautes Fest mit Gesang und Tanz zur Trommel. In einem grossen Kessel kochen wir einen betörenden Zaubertrank und es gibt frisches Wild, noch roh und blutig.
Und jedesmal lockt unser Gesang und der Feuerschein Reisende und Wanderer an. Wenn eine meiner Schwestern Gefallen an Einem findet, so zieht sie ihn den Kreis der Tanzenden und später ziehen sie sich zurück um "die Göttin zu ehren".
Bei diesem Teil des Festes hielt ich mich meist zurück, denn ich sah nur selten welche, die mir gefielen.
Die Tatsache jedoch, dass Tante Milikka fünf Töchter ihr Eigen nennen konnte, stimmte mich zuversichtlich.
Tante Milikka war die jüngste Schwester meiner Mutter und galt als sonderlich. Sie war bereits Jahre vor meiner Geburt auf die Oberfläche gezogen und das freiwillig ! Ellena tratschte überall herum, sie hätte sich in einen Sterblichen verliebt und wäre ihm nach oben gefolgt. Sie erbaute ihre Hütte in einem abseits gelegenen toten Wald, denn die Elben lieben uns nicht und die Menschen fürchten uns.
Der Wald selber war von Zauber durchdrungen, denn in ihm befand sich einer der Eingänge zu unseren Höhlen, die geheim waren und unbekannt unter den Völkern Mittelerdes.
So kam es also, dass Reisende, die den Wald betraten, schwermütig wurden und keine Zeit mehr empfanden, denn sie schien sich bis zur Unerträglichkeit zu dehnen. Gruppen neigten dazu sich rasch aufzulösen und sie irrten tagelang auf der Suche nach ihren Gefährten durch das düstere Dickicht.
Seltsame Geräusche drangen von Überall und Nirgendwo her an das Ohr und liessen sich doch nicht orten, stickig war die Luft und kein Sonnenstrahl drang durch die Bäume, obwohl sie kein Laub zu tragen schienen.
Es gab kein Wild, das man hätte jagen können, doch wuchsen Früchte an niedrigen Büschen, die seltsam an Form und Farbe waren und dem unvorsichtigem Esser wilde Tagträume bescherten, die ihn noch tiefer in den Wald ohne Widerkehr lockten.
Da ich jedoch die Zauber kannte, die meine Tante gesponnen hatte, fand ich mühelos den Weg  bis hinein ins Herz des alten Waldes, zum Hause Milikkas das von wuchernden Beeten und einem niedrigen Zaun, ganz aus bleichen Knochen, umgeben war.




Kapitel 2


Der Anführer der Uruk-hai knurrte ärgerlich.
Seit Tagen nun verfolgten sie den Waldläufer, hetzten ihn, liessen ihm keine Ruhe und doch konnten sie ihn nicht einholen, aber sein Vorsprung schmolz dahin, seine Fährte wurde mit der Zeit deutlicher, denn in seiner Panik wurde er unvorsichtig.
Und fast schon hatten sie ihn erreicht und eingekesselt, wild vor Kampfeslust und rasend in dem Bestreben, ihm den kleinen Schatz abzunehmen, wegen dessen man sie ausgeschickt hatte, und ihn dann zu zerreissen, vorher sich vielleicht noch ein wenig Spass mit ihm zu gönnen , aber dann in seinen blutigen Eingeweiden zu wühlen.
Als ob ein schwächlicher Mensch den kämpfenden Uruk-hai entkommen könnte !
Acht lange Tage hatten sie ihn verfolgt, bei Tag und Nacht, und kaum eine Pause eingelegt und nun war dieser dreckige Waldläufer, dieser kleine schmierige Bastard, in den vor ihm bedrohlich aufragenden Wald gelaufen.
Das war vor zwei Tagen gewesen.
Sie hatten erst gezögert, den Wald zu betreten, alle ihre Sinne schienen sich dagegen zu sträuben, doch ihr Anführer hatte sie hineingetrieben, unwillens die so nahe Beute doch noch entkommen zu lassen. Zu dreissig Mann hatten sie diesen verfluchten Wald betreten und nun waren sie nur noch zu zweit.
Alle Anderen schienen vom Wald wie verschluckt worden zu sein, ihre Fährte verlor sich bereits nach wenigen Schritten und seltsamerweise waren keine Spuren im Dickicht zu erkennen, noch nicht einmal ein geknickter Zweig.
Auch vom Waldläufer konten sie weder Spur noch Witterung aufnehmen, doch das war momentan Mauhurs geringste Sorge. Den ersten Tag lang waren sie im Bestreben, einen Weg aus dem Wald zu finden, immerzu nur im Kreis gelaufen. Danach hatten sie ihre Taktik geändert und versucht, den Wald zu durchqueren. Der zweite Tag war mit monotonem Wandern angefüllt gewesen und in seiner Erinnerung nur noch schleierhaft zu ergreifen.
Die Suche nach Essbarem hatten sie bereits aufgegeben, denn es zeigte sich noch nicht einmal der Schatten eines Tieres und die Früchte, die in Bodennähe wuchsen, verströmten einen sonderbaren Geruch, der ihnen Unbehagen bereitete.
Norgak trottete missmutig hinter ihm her und brummelte vor sich hin.
Mauhur seufzte innerlich, von allen ihrer 29 standhaften und mutigen Krieger musste  ausgerechnet Norgak an seinen Fersen kleben, hätte den nicht auch der Wald verschlucken können ? Norgak neigte dazu, in äusserst un-orkischer Natur über die Ungerechtigkeit der Welt zu lamentieren und sich dabei gern in langatmigen Monologen zu ergehen, ausserdem neigte er dazu, sich zu wiederholen.
Sein derzeitiger Stein des Anstosses war die Tatsache, dass es keine weiblichen Uruk-hai auf dieser Welt gab und er widmete sich diesem Thema mit Feuereifer. Anlass dazu, war der Anblick einer menschlichen Hochzeitsgesellschaft, als sich ihre Gruppe auf der Spur dieses verdammten Waldläufers befand. Normalerweise wäre so eine Gruppe argloser und unbewaffneter Menschen ein gefundenes Fressen für sie gewesen, doch hatte man ihnen unnötige Kämpfe verboten, sehr zum Verdruss Aller.
Also blieb ihnen nichts anderes übrig, als abseits der Strasse im Geheimen zu warten bis die Gesellschaft vorbei gezogen war. Norgak war einer der Späher gewesen und der Anblick junger Menschen, besonders aber junger lachender Frauen mit ganzen Heerscharen kleiner Kinder schien nicht gerade zu seiner guten Laune beigetragen zu haben.
Aus Menschenfrauen machte er sich nicht viel, denn sie waren ihm zu klein, zu dünn und zu zimperlich. Ausserdem, betonte er, rochen sie eigenartig. Elben waren ihm zuwider und Zwergenfrauen hielten wir alle für ein Gerücht. Trotzdem beharrte Norgak stur darauf, dass auch er gern heiraten würde und ihm daher eine anständige Frau zustünde.
Bei dem blossen Gedanken an das arme Weib, das nicht nur auf Jahre hinaus Norgaks egozentrische Persönlichkeit ertragen, sondern auch noch Nacht für Nacht das Bett mit ihm teilen müsste, schauderte es Mauhur.
Um den scheinbar endlosen Redefluss seines Kampfgefährten zu beenden, beschleunigte er seinen Schritt und tauchte noch tiefer in den düsteren Wald hinein.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast