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Warcraft 3 - Beyond the Frozen Throne

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
10.04.2004
23.06.2004
5
37.656
 
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10.04.2004 6.984
 
Warcraft 3 - Beyond the Frozen throne



Vorwort: Als ich "Warcraft 3 - Frozen throne" gespielt hatte, fiel mir sofort auf, dass die "Guten" noch immer viele mächtige Feinde haben, die es zu bekämpfen gilt: Kil'jaeden, Arthas, die ganzen Untoten, eventuell diese dunklen Götter, die die Titanen bei der Erschaffung der Welt besiegten (Warcraft 3 Handbuch - Geschichte der Brennenden Legion)... und die guten Völker selbst haben schon so sehr an Stärke eingebüßt. Da kam mir die Idee, zwei Bösewichter gegeneinander antreten zu lassen.

Ich will diese Fanfic nicht kommerziell vermarkten und besitze keinerlei Rechte an den Figuren oder der Geschichte von "Warcraft 3".

Viel Spaß.



Kapitel 1: Widerstand



Früher war ihm die Kälte dieses Landes lästig gewesen, manchmal sogar hinderlich. Auch wenn man tot war, spürte man schließlich die Knochen knacken, wenn die Temperaturen ins Bodenlose fielen, und das durchaus im wörtlichen Sinne. Dieses Land war wirklich von allen Göttern verlassen. Nein, das stimmte nicht ganz. Der Lichkönig Arthas lächelte kalt. Jetzt hatte Northrend einen neuen Gott.

Die neugeformte Einheit des Lichkönigs Ner'zhul und seines Todesritters Prinz Arthas von Lordaeron war besser ausgefallen, als sich der junge Untote es erträumt hatte. Obwohl er keine Sekunde lang an der Wichtigkeit seiner Mission gezweifelt hatte, hatte er doch Angst gehabt. Angst, dass sein Wesen völlig ausgelöscht werden würde, wenn er die ungeheuer mächtige Seele des Lichkönigs in sich aufnahm. Angst, dass alles, was er war, diesem Wesen weichen musste, das sein Meister geworden war.

Aber Prinz... nein, König Arthas gab es noch immer. Lediglich seine Fähigkeiten waren enorm gestiegen. Hatte er früher Untote nur in kläglich geringer Zahl und zeitlich begrenzt erschaffen können, schaffte er dies jetzt mühelos auf Dauer. Seine unheilige Aura als Todesritter, welche seine Untertanen stärkte, war nun ungleich stärker und der Todesmantel vermochte nun viele seiner Leute zugleich zu heilen oder Lebende in Massen dahinzuraffen. Ja, Arthas "lebte" noch immer, auch wenn die Stimme, die ihn früher durch sein Schwert Frostmourne geleitet hatte, nun direkt in seinem Kopf zu ihm sprach. Der Lichkönig war in ihm, aber er verdrängte Arthas' Denken nicht. So als wollte er sehen, was Arthas aus seinen neuen Fähigkeiten machte. Nun, er würde seinen Meister nicht enttäuschen.

Nachdenklich sah Arthas auf und wandte eine der neuen Fähigkeiten an, die ihm die Verschmelzung mit seinem Gott ermöglicht hatte: die Kommunikation. So dumm sich das auch anhörte. Natürlich hatte er sich früher mit seinen Gefährten wie Kel'thuzad oder der ehemaligen Hochelfin Sylvanas Windrunner über wenige Meilen geistig beraten können, aber nun stand ihm die Möglichkeit offen, jeden einzelnen seiner Untertanen, sei es der niedrigste Ghul oder Kel'thuzad selbst, überall auf der Welt zu erreichen.

"Hör meine Worte, mein Diener", wandte er sich an ein mächtiges Bewusstsein unten im fernen Lordaeron. Er spürte, wie dieses unterschwellig Angst verspürte, auch wenn es sich nichts zuschulden hatte kommen lassen. Das gefiel ihm. "Hör die Befehle des Lichkönigs!"

"Was kann ich für Euch tun, Meister?", kam Kel'thuzads leicht bebende Stimme über den Äther zurück.

"Sag mir, Kel'thuzad, wieso spüre ich noch immer lebende Menschen in deinem Einflussgebiet?" Die Stimme des Lichkönigs klang immer kalt, aber diesmal schien seinen Untertan über all die Meilen hinweg ein eisiger Hauch davon zu streifen. "Hast du dafür eine Erklärung?"

"Herr, das sind nur wenige Bauern und kleine, versprengte Truppen von Soldaten der ehemaligen Armee, die sich in den Bergen verstecken", versuchte der Lich hastig zu erklären. "Dieser armselige Haufen kann uns nicht gefährlich werden. Ich werde mich der Sache sofort annehmen, Herr!"

"Tu das", empfahl ihm der Lichkönig. "Und sieh dich vor! Die Lebenden sind nicht so leicht zu berechnen wie die Toten, Kel'thuzad. Es mag sein, dass dir noch eine Überraschung bevorsteht. Geh keine vermeidbaren Risiken ein, um deinetwillen."

Hätte der Lich noch eine Kehle gehabt, er hätte mit Sicherheit geschluckt. "Ja, Herr. Aber das ist momentan nicht so einfach. Wenn ich die gesamte Armee zum Durchkämmen der Berge schicke, mache ich das Reich verwundbar gegenüber Windrunner..."

"Ah, die Dunkle Jägerin!" Arthas knurrte und seine Augen flammten auf. "Zum zweiten Mal schon behindert sie unser Vorwärtskommen. Allmählich verliere ich wirklich die Geduld mit ihr."

"Könnt ihr sie nicht übernehmen, Herr?", fragte Kel'thuzad nervös. "Damit würdet ihr ein großes Problem für uns aus dem Weg schaffen."

"Das könnte ich", gab Arthas zu. "Aber diese dreckige Hochelfe hat sich mir einmal zu oft widersetzt. Ich will sie und ihre Helfershelfer ein für alle mal beseitigt haben, Kel'thuzad! Sie soll mir nie mehr Schwierigkeiten bereiten!" Ner'zhuls tadelnde Stimme in seinem Kopf besänftigte Arthas' Wut. Bedächtig sprach er weiter: "Schicke Patrouillen aus, mein Diener. Beseitige erst die übriggebliebenen Menschen, ohne dir eine Blöße gegenüber Sylvanas zu geben. Danach werde ich dir Anweisungen in Bezug auf das Elfenweib geben."

"Ja, Meister", antwortete der Lich unterwürfig. "Ich verstehe. Ich werde sofort die Patrouillen zusammenstellen."

Damit unterbrach Arthas den Kontakt und lauschte der Stimme Ner'zhuls, die ihn für seinen Umgang mit Kel'thuzad lobte. So sehr er in der Vergangenheit auch seine Treue bewiesen hatte, ihm musste klar sein, dass Arthas und der Lichkönig nun eins waren. Damit änderte sich ihr Verhältnis etwas, aber damit würde der Lich schon zurechtkommen. Bis dahin musste sich Arthas überlegen, was er mit seinen anderen Feinden, den geflohenen Menschen, den Orks und vor allem den Nachtelfen machen würde.

Was wäre wohl am besten? Sollte er einen Frontalangriff wagen, obwohl das Bündnis der drei Völker neu und stark war? Er hatte eine große Armee, das stimmte... nicht einmal der Halb-Dämon Illidan hatte ihm widerstehen können. Aber einen Drei-Fronten-Krieg zu führen war sehr riskant. Oder sollte er einfach abwarten, bis kleinliche Konflikte und Intrigen zwischen den drei Völkern das Band trennten? Andererseits würden die Nachtelfen mit der Gesundung ihres Lebensbaumes wieder erstarken und alle drei würden sich mit jedem Jahr vermehren, während die Zahl der Untoten gleich bleiben würde.

Schwierig. Arthas setzte sich bequem hin. Diese Frage verdiente sorgfältige Überlegungen. Also dachte das mächtigste Wesen dieser Welt nach, wie es gegen seine Feinde vorgehen sollte.



"Vangis! Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du nicht draußen herumstreunen sollst?"

Der junge Mann, dem diese Worte galten, duckte sich unter ihrem scharfen Klang. Er seufzte bitterlich und ging schnell in die dunkle Höhle hinein, die nun seit einigen Monaten sein Zuhause war.

"Aber Mutter, ich kann doch nicht einfach hier warten, bis die Untoten hier hereinmarschieren", versuchte er die brünette Frau in den mittleren Lebensjahren zu beruhigen, die ihn unheilvoll anfunkelte. "Ich weiß ja, dass du dir Sorgen um mich machst, aber wir müssen nun mal auskundschaften, ob wir hier noch sicher sind."

Einen Augenblick lang schien die erboste Frau zu überlegen, aber anscheinend konnte sie nichts Falsches an seinen Worten finden. Schließlich machte sie einen raschen Schritt auf ihn zu und umarmte ihn.

"Dann geh wenigstens das nächste Mal nicht weg, ohne mir Bescheid zu sagen", murmelte sie leise. "Weißt du, welche Sorgen ich mir um dich gemacht habe?"

Der junge Mann grinste kurz. "Wirst du dir etwa keine Sorgen mehr machen, wenn du weißt, dass ich Untote ausspionieren gehe? Gut, gut", wehrte er rasch ab, als seine Mutter ihn warnend ansah, "ich verspreche dir, ich gebe dir das nächste Mal Bescheid. Aber jetzt was anderes: Was gibt's zu essen? Ich habe einen Bärenhunger!"

"Das hast du doch immer", gab seine Mutter widerstrebend lächelnd zurück. Ihr Sohn hatte es einfach an sich, dass sich in seiner Nähe alle besser fühlten, schon seit Kindesbeinen an. "Aber du weißt ja, die Lebensmittel sind knapp. Lange werden wir damit nicht mehr auskommen. Wir müssen irgendwoher neue beschaffen."

"Ja, nur woher?", entgegnete Vangis, während er sich neben die Kochstelle setzte, an der die guten zwei Dutzend Leute, die mit ihnen diese ehemalige Bärenhöhle bewohnten, gemeinsam kochten. Dankbar nahm er eine kleine Schüssel Suppe entgegen. "Die Untoten haben die fruchtbaren Länder fest im Griff. Wenn wir was zu essen wollen, dann müssten wir sie erst von dort vertreiben."

"Komm bloß nicht auf dumme Gedanken, Vangis", warnte ihn seine Mutter, während sie ihm beim Essen zusah. "Ich weiß, dass du den Tod deines Vaters rächen willst, aber unsere paar Männer können diese Bestien nicht angreifen. Wir sind viel zu wenige."

"Aber was hältst du davon, dass vor ein paar Monaten die Untoten angeblich untereinander gekämpft haben?", widersprach ihr Sohn leidenschaftlich. "Angeblich haben die untoten Elfen, die Arthas ermordet hat, rebelliert und die anderen Untoten angegriffen. Wenn sie diesen Konflikt weiterhin aufrechterhalten, könnten wir das ausnutzen."

Seine Mutter seufzte. "Vangis, das haben wir doch schon so oft besprochen..."

In diesem Moment wurden sie unterbrochen, als ein Warnruf halblaut durch die Höhle schallte.

"Die Untoten! Die Untoten kommen!"

Vangis' Mutter riss die Augen auf. "Die Untoten?", rief sie ungläubig. "Wie ist denn das möglich? Ich dachte, du hättest die Gegend ausgekundschaftet!?"

"Habe ich auch", wehrte sich der junge Mann, trank die Suppe mit einem Zug leer, stellte die Schüssel ab und stand dann auf. "Aber was heißt das schon? Wir kennen uns in den Bergen nicht so gut aus und es gibt hier viele Schluchten, in denen man jemanden übersehen kann. Hab keine Angst, Mutter. Wahrscheinlich finden sie uns hier gar nicht. Ich gehe mal zum Kommandanten und frage ihn aus."

"Das ist doch nur wieder ein Vorwand für dich, um gegen diese Monster zu kämpfen, mein Sohn", wandte seine Mutter ein, obwohl sie wusste, dass es seine Pflicht war, den Verteidigern der Höhle zu helfen. "Sei vorsichtig. Es sind schon zu viele gestorben, Vangis. Es bräche mir das Herz, dich plötzlich als Untoten wiederzusehen." Damit sah sie ihn mit solcher Qual in den Augen an, dass er darauf nichts Schlagfertiges erwidern konnte. Statt dessen fuhr er ihr durchs Haar und lächelte sie ermutigend an.

"Mir passiert schon nichts. Ich passe auf mich auf, versprochen. Aber nur, wenn du mir bis dahin noch einen Schluck Suppe reservierst."

Damit ließ er sie stehen und ging mit großen Schritten zu dem Kommandanten hin, einem altgedienten Kämpfer, der mit seiner Gruppe General Garithos' Streitkräften angehört hatte und erst vor ein paar Wochen zu ihnen gestoßen war. Von ihm wusste Vangis, dass sich diese Elfe namens... Dylbanas? Cylranas? Mindstunner? Jedenfalls hatte sich diese untote Elfin gegen die anderen Untoten gestellt, angeblich, weil Arthas sie und ihre Schwestern versklavt hatte. Außerdem hatte der Kommandant die täglichen Kundschafter angeordnet. Er nahm diese Verteidigung sehr ernst. Und das aus gutem Grund.

"Entschuldigt, Kommandant", wandte sich Vangis leise an den hochgewachsenen, aber hageren Mann. "Wie viele Untote sind da draußen?"

Der Mann blinzelte kurz, erinnerte sich dann aber wieder. "Ah, Vangis, du bist es", gab er ebenso leise zurück. "Es sieht nicht sehr gut aus, mein Junge. Da draußen sind etwa acht Ghule, die von zwei Totenbeschwörern geführt werden. Wir sind nur zu fünft, mit dir und den anderen beiden Jungen zu sechst, aber ihr habt keine Rüstung."

Vangis presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen. "Das heißt, Ihr meint, wir haben fast keine Chance. Aber werden sie uns hier überhaupt finden?"

"Ich weiß es nicht", gab der Kommandant zu. "Aber ich glaube, sie wurden hier heraufgeschickt, um uns zu suchen, und deshalb werden sie die Höhle früher oder später finden." Er warf einen Blick zu den Frauen und Kleinkindern zurück, die sie mitgebracht hatten. "Wenn sie uns hier drin finden, dann wird keiner hier überleben."

"Aber wenn wir sie draußen angreifen, könnte es sein, dass sie die Frauen nicht finden, meint ihr?", vervollständigte Vangis den Satz. "Wie viel Zeit haben wir noch zu entscheiden?"

"Eigentlich gar keine", erwiderte der Soldat knapp. "Wenn wir die Untoten weit genug von hier angreifen wollen, dass sie die Höhle nicht entdecken, dann müssen wir jetzt sofort los."

"Worauf warten wir dann noch, Kommandant?", fragte Vangis. Dann erkannte er, was er gesagt hatte und zog beschämt den Kopf ein. "Tut mir Leid, ich weiß nicht was über mich gekommen ist. Natürlich gebt Ihr hier die Befehle."

Der ältere Mann musterte ihn mit einem undeutbaren Blick. "Ja, das ist wahr. Aber wenn du da bist, frage ich mich manchmal, ob es wirklich so ist. Du hast etwas Seltsames an dir, Junge... etwas Großes." Er seufzte und straffte sich. "Aber darüber können wir uns später Gedanken machen, falls es dann noch ein Später gibt. Hol die beiden anderen Miliz-Jungen, dann gehen wir."

Nachdenklich ging Vangis zu den anderen beiden Jungen in der Höhle, einer etwas älter als er, der andere zwei Jahre jünger. Was hatte der Kommandant nur gemeint? Es war wirklich so, dass andere Menschen ihn sehr oft um Entscheidungen baten. Aber das war doch nichts Besonderes, oder? Davon müsste er doch wissen, dachte er sich, während er aus der Höhle hinaustrat und sein Schwert zog. Es war eine vernachlässigte Waffe. Sein Vater hatte sein Milizschwert bei seinem Abschied aus der Armee bekommen und seitdem nur noch einmal angerührt, nämlich beim Angriff der Untoten, als er gestorben war. Vangis hatte es an sich genommen und mit einigen anderen Jungen die Kadaver so lange aufgehalten, bis die Frauen und Kinder in Sicherheit gewesen waren. Der junge Mann schüttelte die Tagträume ab. Jetzt war nicht die Zeit dafür.

"Also los", sagte der Kommandant nur. Nichts weiter. Vor ein paar Wochen noch hätte diese Wortknappheit Vangis enttäuscht, aber inzwischen wusste er, dass der Mann den Soldaten nichts mehr sagen musste. Sie wussten bereits alles, was nötig war. Also marschierten sie stumm vor sich hin, bis der Kommandant den Befehl zum Anhalten gab.

Mit Zeichen gab er ihnen zu verstehen, dass er Untote gesehen hatte und sofort duckten sich die Soldaten hinter Felsen. Vangis presste die Lippen zusammen. Es war ihm zwar klar, dass sie sich keinen ehrenvollen Angriff leisten konnten, aber ein Überfall hinterrücks missfiel ihm trotzdem. Das machte sie nicht besser als die Geißel selbst. Dennoch wartete er ruhig, bis er die schlurfenden Schritte und das geifernde Gebrabbel der Ghuls hörte. Seine Hand begann zu zittern, als ihm plötzlich wieder der Tod seines Vaters unter den Krallen dieser abscheulichen Kreaturen in den Sinn kam. Einige Sekunden lang hielt er den Zorn noch mühsam zurück, aber als er den Arm des Kommandanten hoch zucken sah, war er schon hinter dem Felsen hervor, bevor der ältere Mann den Angriffsbefehl schreien konnte.

Viele Schlachten in den Geschichten der Welt waren durch Überraschung gewonnen worden und auch hier wirkte sie sich wunschgemäß aus. Da sich die Soldaten immer auf einen Ghul konzentrierten, während Vangis und die anderen zwei Jungen einfach wild auf die restlichen eindroschen, waren schon einige von ihnen endgültig tot, bevor sie sich einige Meter zurückziehen und sich formieren konnten. Dann rückten sie ebenfalls vereint gegen die Soldaten vor, die sie als die gefährlichen Gegner erkannt hatten. Von da an war der Kampf nur noch ein Gemetzel, in dem nur das Überleben zählte. Vangis hatte Tränen in den Augen, während er wie wild auf einen Ghul eindrosch, ihm Wunde um Wunde zufügte, deshalb bekam er nicht mit, dass seine zwei Freunde und die meisten Soldaten fielen. Als der Kommandant dem letzten Ghul schließlich den Gnadenhieb verpasste, lebten nur noch er, Vangis und ein weiterer Soldat, der allerdings schon wankte. Vangis keuchte. Er hatte gewusst, dass Krieg ein schmutziges
Geschäft war, aber das hier...

"Na, Junge?", keuchte der Kommandant mühsam. "Noch auf den Beinen? Beachtlich. Aber jetzt sollten wir sehen..."

Der Rest blieb ihm im Hals stecken, als sich hinter dem anderen Soldaten plötzlich ein Skelett erhob und ihn aufspießte. Der Mann blieb einen Moment lang stocksteif stehen, dann sackte er seufzend zusammen. Die Totenbeschwörer! Vangis sah sich wild um. Tatsächlich, da standen die beiden und murmelten dunkle Beschwörungen. Noch vier weitere Skelette standen auf und wankten auf ihn und den Kommandanten zu.

"Junge!", rief der Mann laut. "Wir müssen die Totenbeschwörer angreifen! Wenn wir sie besiegen können, dann fallen die Skelette nach kurzer Zeit zusammen! Los!"

Vangis glaubte zwar nicht, dass sie große Chancen hatten, aber er kehrte den Skeletten, die wütend fauchten, den Rücken und rannte wie der Kommandant auf die Totenbeschwörer zu, die erschrocken ihre Stäbe hoben. In einem fairen Kampf hätten sie keine Chancen gehabt, denn ein ungerüsteter Mann mit Stab war schlecht dran gegen einen gerüsteten Schwertkämpfer. Aber die Skelette schlurften immer näher und Vangis erkannte, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen würden. Wie wild hieb er auf den Bärtigen ein, der sich verzweifelt vor ihm wehrte, doch als ein Schwertstreich den Kommandanten von hinten traf und in die Knie sinken ließ, brodelte Zorn über diese Ungerechtigkeit hoch.

"Genug!", schrie er und deutete mit der Hand auf den Kommandanten. Was dann geschah, konnte er selbst nicht glauben. Um den Mann stieg gleißendes Licht auf, das die Untoten zurückweichen ließ und alle herum blendete. Als es verschwand, stand der alte Soldat wieder auf. Er hatte keinen Kratzer mehr am Leib. Obwohl er so überrascht war wie Vangis auch, zögerte er nicht. Er versetzte dem Totenbeschwörer vor ihm den finalen Schwertstreich und wandte sich sofort den Skeletten zu.

"Los!", brüllte er Vangis zu. "Erledige den zweiten! Und dann lauf, ich decke deinen Rückzug! Mach schon!"

Vangis wollte etwas erwidern, aber in diesem Moment hob der Totenbeschwörer den Arm und zwei weitere Skelette erwachten zu unheiligem Leben. Der junge Mann verlor keine Zeit und tötete den Kultanhänger mit einem gezielten Schwerthieb. Doch es war hoffnungslos. Sie standen zu zweit acht Skeletten gegenüber und hatten keinen Platz, um zu fliehen. Aber bevor er starb, das schwor Vangis sich, würde er noch einige von ihnen tilgen.

Gerade als er angreifen wollte, geschah etwas anderes. Eine Feuerwelle raste über die Skelette hinweg, setzte die Hälfte von ihnen in Brand und ließ zwei von ihnen zusammenbrechen. Gleich darauf landete ein schwerer Körper hinter den Untoten und ein weiteres von ihnen knickte unter einem schweren Hieb ein. Vangis war von dieser Situation völlig überfordert, der Kommandant nicht. Er verteidigte sich die letzten Sekunden, in denen der Unbekannte die Skelette ablenkte, bis sie zusammenbrachen und der dunkle Zauber vorüber war. Dann sank der ältere Mann ächzend zu Boden und das brach den Bann. Sofort war Vangis bei ihm.

"Kommandant!", rief er besorgt. "Wie geht es Euch?"

Der Mann konnte nicht antworten, aber der fremde Helfer konnte es. "Er lebt, junger Mann. Und zwar dank dir. Lass ihn erst mal zu Atem kommen und steh auf."

Jetzt erst erinnerte sich Vangis an ihren Helfer und sah auf. Seine Augen weiteten sich, denn ein solches Geschöpf hatte er noch nie gesehen. Es sah ein bisschen aus wie ein Bär, aber keiner, wie er bei ihnen in Lordaeron gelebt hatte. Er war weiß-schwarz gemustert, ging auf zwei Beinen und hatte eine weite Kutte an. Weiters trug er einen seltsamen Stohhut auf dem Kopf und hatte offenbar ein Bierfaß umgeschnallt. In den Augen des Wesens glitzerte der Schalk.

"Wer...", krächzte Vangis, dann riss er sich zusammen und stand auf. "Ich... ich danke Euch, mein Herr, wer auch immer Ihr seid. Ohne Euch wären wir verloren gewesen."

"Ah, kein Problem, junger Freund", sprach der Bär mit tiefer, angenehmer Stimme. "Duz mich ruhig, immerhin haben wir gemeinsam gekämpft. Mein Name ist Beertac Alefoot, und ich bin Pandaren-Braumeister." Er zwinkerte. "Das ist natürlich nur mein Künstlername, aber den anderen könntet ihr nicht aussprechen. Ihr habt ja selbst ganz ordentlich unter diesen Teufeln gewütet. Ich hab mich gefragt, ob ich überhaupt eingreifen soll, wegen deiner Macht und so..."

"Macht?" Das alles war noch etwas viel für Vangis, er erinnerte sich kaum noch an den Kampf. "Was meint Ih... meinst du?"

"Er meint das Heilige Licht, Vangis."

Wie auf Kommando sahen die beiden den Kommandanten an, der nun langsam aufstand. Er hatte einige Wunden davongetragen, aber er würde überleben. Und er sah nicht so schlecht aus wie zu dem Zeitpunkt, da dieses seltsame Leuchten ihn umhüllt hatte. Vangis riss die Augen auf. Das erst gekommen war, als er die Hand ausgestreckt hatte...

"Nein!", stieß er hervor. "Nur Paladine können das Heilige Licht nutzen!"

"Das ist richtig", antwortete der Kommandant ruhig. "Es besteht kein Zweifel daran, dass du Paladinkräfte besitzt, mein Junge." Er kniete nieder. "Ich fühle mich geehrt, den letzten Paladin von Lordaeron zu kennen."

Es war ein wahrhaft glorreicher Moment. Vangis war viel zu perplex, als dass er ein Wort hervorgebracht hätte, aber er spürte, dass der Augenblick, in dem dieser stolze Krieger vor ihm niederkniete, ein sehr bedeutsamer war, den man nicht entweihen durfte. Der Pandaren-Braumeister tat es trotzdem.

"Das ist ja alles recht rührend", meinte er gutgelaunt. "Aber sollten wir nicht langsam zu euren Freunden zurück? Wisst ihr, ich könnte eine Mahlzeit vertragen, außerdem müsst ihr wieder zu Kräften kommen, nicht wahr? Wo wir grade davon sprechen..." Er griff nach hinten. "Was haltet ihr von einem Bier?"



"Nein! Zum letzten Mal!" Die Augen des Orks funkelten wütend und er umklammerte seinen Kriegshammer mit furchtbarer Kraft. "Geht mir endlich aus den Augen, Boraul Shadestep, sonst lasse ich Euch aus Durotar hinausjagen!"

Hinter seiner furchteinflößenden Maske zuckte der alte Troll zusammen, aber seine Augen brannten vor Wut. Trotzig wich er einen Schritt zurück und verneigte sich schließlich widerstrebend. "Wie Ihr meint, Kriegshäuptling Thrall. Ihr werdet schon sehen, dass ich Recht habe. Bald."

Der Hammer traf eine Mauer, die daraufhin erbebte. "Hinaus!", brüllte Thrall. "Hinaus aus meinem Lager, Schattenjäger!"

Thrall atmete immer noch heftig ein und aus, nachdem sich der alte Troll aus dem Lager verzogen hatte. Einige Orks und andere Wesen, die Durotar, die Heimat der Horde, bewohnten, sahen interessiert oder furchtsam in Richtung des Kriegshäuptlings, aber die meisten scherten sich nicht drum. In einer Gesellschaft wie dieser waren Reibereien an der Tagesordnung, da war es kein Wunder, wenn der Gründer dieser Nation auch mal ausrastete.

"Dieser Idiot", murmelte Thrall. "Als wenn wir nicht schon genug Ärger gehabt hätten!"

"Ich fürchte, Ihr habt einen Fehler gemacht, Kriegshäuptling", erklang plötzlich eine tiefe Stimme neben ihm. "Ihr hättet ihn gleich töten sollen."

Thall wendete den Wolf, auf dem er saß und sah seinem Gegenüber ernst ins Gesicht. "Ausgerechnet Ihr redet vom Töten, Rexxar?", fragte er den Bestienmeister, der ihn vor ein paar Monaten aufgesucht und sich als unschätzbare Hilfe erwiesen hatte. Diesem Mann, den Thrall zu einem seiner persönlichen Berater gemacht hatte, war es zu verdanken, dass sich die verbleibenden Menschen und Orks auf Kalimdor nicht gegenseitig ausgelöscht hatten, so wie es ihre Vorfahren jahrzehntelang getan hatten. Thrall und die ganze Horde verdankte dem Bestienmeister sehr viel.

"Wo Ihr doch immer sagt, das Leben wäre heilig?"

Das Gesicht des Halb-Orks blieb unbewegt, während er sich dem Kriegshäuptling näherte. "Selbst ich zögere nicht, ein Tier zu töten, wenn es toll wird", erklärte er dem jungen Ork. "Und dieser Schattenjäger ist schon mehr als toll, Thrall. Er ist besessen von seiner Idee. Vielleicht meint er es ja gut, wahrscheinlich sogar, aber er könnte uns gewaltigen Ärger machen, wenn er wirklich dazu imstande ist, was er behauptet."

Thrall schnaubte, während ein Peon an ihm vorbeischlüpfte, um das Loch zu reparieren, das Thralls Hammer in der Mauer hinterlassen hatte. Er besah sich das Loch. Offenbar hatte ihn der Besuch des Schattenjägers mehr gereizt, als er selbst mitbekommen hatte.

"Wenn ich jeden, der mir in meinem Leben einen verrückten Vorschlag unterbreitet hat, getötet hätte, dann wären die Hälfte meiner Männer hier nicht mehr am Leben. Selbst heute noch kommt jeden Monat ein Anführer zu mir, der die Menschen angreifen will. Und ich muss es jedem einzelnen in den Schädel hämmern, dass wir größere Sorgen haben als die Menschen."

"Aber diese Anführer habt Ihr unter Kontrolle, Kriegshäuptling", belehrte ihn der Bestienmeister und streichelte den Falken, der auf seiner Schulter hockte. "Ihr könnt sie jederzeit aufhalten, wenn sie durchdrehen. Dieser verrückte Troll jedoch ist jetzt irgendwo da draußen in der Wildnis."

Thrall machte ein besorgtes Gesicht, während er ein bisschen zur Seite rückte, um dem Peon mehr Platz zum Arbeiten zu Schaffen. Hatte die Horde denn nicht schon genug erduldet? Musste so ein Fanatiker auch noch glauben, Dämonen herbeirufen zu müssen, um den Lichkönig zu vernichten? Und dabei fragte sich dieser Irre keine Sekunde lang, was passierte, wenn tatsächlich einer der beiden gewann. Vielleicht hätte er ihn das fragen sollen.

"Glaubt Ihr etwa wirklich, dass er die Macht hat, seinen Plan durchzuführen, Rexxar?", wollte Thrall wissen. "So weit ich weiß, benötigt man mächtige Beschwörungen, um einen Dämonenlord wie Kil'jaeden hierher zu rufen, so wie es dieser Idiot tun will. Als Archimonde in diese Welt gerufen wurde, soll es äußerst knapp zugegangen sein. Die Untoten wären beinahe von der Allianz überwältigt worden, so lange brauchten sie."

Der Bestienmeister zuckte mit der leeren Schulter. Mit der anderen wäre es auch nicht ratsam gewesen. Immerhin besaß ein Falke scharfe Krallen. "Ich weiß es nicht, Thrall. Ich bin kein Zauberer." Schon bei diesem Gedanken müsste er schmunzeln. Es gab wirklich kaum etwas, das Rexxar weniger war als ein Magier. "Das müsstet Ihr Eure Menschenfreundin Jaina fragen, nicht mich. Aber dieser Irre hält die Beschwörung Kil'jaedens für die einzige Möglichkeit, den Lichkönig zu vernichten und ich vermute, dass ihm dazu jedes Mittel recht ist. Falls er die nötige Macht tatsächlich besitzt, dann müsst Ihr ihn unbedingt daran hindern."

"An sich gefiele mir der Gedanke ja nicht einmal so schlecht", verkündete Thrall böse grinsend. "Ein Ungeheuer, das ein anderes vernichtet. Kil'jaeden gegen den Lichkönig... das wäre wahrscheinlich der Kampf des Jahrhunderts. Davon würden wir sicher noch generationenlang an den Feuern singen." Er schüttelte bedauernd den Kopf. "Aber Dämonen kann man nun mal nicht vertrauen. Wir sollten das eigentlich am Allerbesten wissen. So weit darf es nicht kommen, Rexxar, Ihr habt Recht." Thrall straffte sich. "Nehmt Euch so viele Leute, wie Ihr braucht und durchkämmt die Umgebung. Wenn Ihr den Schattenjäger findet, dann bringt ihn hierher, damit wir aus ihm herausbekommen, wo er seine Macht hernehmen will. Ich schicke inzwischen Boten zu Cairne, Jaina und Furion Stormrage. Vielleicht wissen sie, woher man solche Macht bekommen könnte."

Rexxar nickte. "Eine weise Entscheidung, Kriegshäuptling." Er zeigte sein Raubtiergebiss. "Ich begann mich ohnehin schon zu langweilen."

Dann ging er an Thrall vorbei, um seine Leute um sich zu scharren. Thrall sah ihm nach. Er war bei weitem nicht so ruhig, wie der Bestienmeister glaubte. Viele große Anführer spürten es, wenn eine neue Gefahr heranbrauste, auch er. Und dass er nicht wusste, was es war, machte es nicht gerade besser. Neben ihm stellte der Peon seine Arbeit fertig, besah zufrieden sein Flickwerk und machte sich dann auf die Suche nach der nächsten zertrümmerten Mauer. Er fand bestimmt eine. Gewiss hatten sich heute schon viele Mitglieder der Horde Übungskämpfe geliefert, und dabei blieb die Umgebung selten heil. Nun, wenigstens blieb ihnen so keine Zeit für Sorgen.

Der Kriegshäuptling umfasste seinen Hammer fester. "Ich nicht", murmelte er verspätet eine Antwort auf Rexxars Ausspruch. "Ich hätte nichts gegen ein bisschen Ruhe einzuwenden. Aber es soll wohl nicht sein."



Viele Meilen entfernt von Durotar schreckte Tyrande Whisperwind, die Anführerin der Nachtelfen von ihrem Lager hoch. Ihre hellen Augen glühten und sie sah sich wild um. Nirgends in der Siedlung war etwas Verdächtiges zu bemerken. Die meisten Druiden beschäftigten sich bereits wieder mit dem Smaragdgrünen Traum und ihre Elfenschwestern ruhten ebenfalls bis zum Anbeginn der Nacht. Und dennoch, irgendetwas hatte sie geweckt.

"Was ist mit dir, meine Liebste?", fragte Furion Stormrage, der geistige Führer ihres Volkes und ihr Geliebter besorgt. "Was soll dieser gehetzte Blick?"

"Ich... für einen Moment dachte ich, ich hätte Archimondes Lachen gehört, Furion. Oder eines, das genau so grausam ist." Sie sah den Erzdruiden an. Trotz der Angst sah ihr Gesicht absolut anbetungswürdig aus. "Ist es etwa möglich, dass noch immer Dämonen auf Kalimdor wandeln, Furion?"

"Mach dir keine Sorgen, Tyrande", beruhigte sie Furion und zog sie näher an sich. Zum ersten Mal seit zehntausend Jahren hatten er und Tyrande einmal etwas Zeit für sich. Erst sein langer Schlaf, dann der Überfall der Legion und schließlich die Jagd nach seinem Bruder Illidan, die damit endete, dass Jaina Proudmore, die Anführerin der Menschen auf Kalimdor, ihnen die Nachricht überbrachte, dass Illidan von Arthas, dem Feldherren der Untoten, getötet worden war. "Du hast viel durchgemacht und brauchst Ruhe. Ich würde es spüren, wenn diese verderbten Wesen wieder in unsere Nähe kämen, glaube mir."

"Wahrscheinlich hast du Recht", murmelte die Nachtelfin und bettete ihr Haupt an Furions Brust. Dennoch ließ ihre Anspannung nicht nach, das spürte der Druide. Ihre Nerven hatten sehr gelitten in den letzten Jahrtausenden und die Monate, in denen er wach war, waren die schlimmsten gewesen. Manchmal wünschte er sich, er hätte er ihr all dieses Leid ersparen können. Aber diese Macht besaß er nicht. Niemand auf der Welt besaß sie. Er seufzte.

"Wenn es dich beruhigt, können wir ja einen Boten zu Kriegshäuptling Thrall oder Jaina Proudmore senden", schlug er vor und fuhr ihr sanft durchs Haar. Zufrieden registrierte er, dass sie die Augen schloss und leicht lächelte. Sie hatte in ihrer unvorstellbar langen Lebensspanne nichts von ihrer Schönheit verloren. "Vor allem die Zauberin könnte wissen, ob in der Welt etwas Beunruhigendes vorgefallen ist."

"Ich weiß nicht, Furion", widersprach Tyrande leicht abwesend. "Ich glaube, wir sollten Jaina im Moment nicht stören. Ist dir nicht aufgefallen, dass sie leidet? Man hat es ihr deutlich angesehen, als sie uns die Nachricht von Illidans Tod überbrachte. Es ist, als hätte sie etwas Unersetzliches in ihrem Leben verloren. Ich glaube, sie braucht Zeit, um mit diesem Verlust fertig zu werden."

"Vielleicht hat es etwas mit ihrem Volk zu tun?", vermutete Furion. "Es macht ihr sicher schwer zu schaffen, dass sie den anderen Menschen in Lordaeron nicht helfen kann." Sein Gesicht verhärtete sich. "Jedenfalls bin ich mir sicher, dass sie nicht wegen Illidan trauert."

Tyrande seufzte. "Kannst du deinen Hass gegen ihn nicht endlich begraben, Liebster?", bat sie. "Ich leugne nicht, dass er zahllose Leben auf dem Gewissen hat, aber er ließ nichts unversucht, um mich zu retten. Außerdem versuchte er zweimal, den Lichkönig, der all unser Leid in letzter Zeit zu verantworten hat, zu zerstören. Sollten wir ihm nicht wenigstens im Tod mit Achtung begegnen?"

"Vielleicht hast du Recht", gab der Erzdruide widerstrebend zu. "Es ist ja nicht wirklich so, dass ich ihn hasse. In letzter Zeit habe ich sogar begonnen, ihn zu verstehen, auch wenn ich seine Sucht nach Magie nicht nachvollziehen will."

Plötzlich wandte seine Geliebte ihm ihr Gesicht zu und lächelte ihn schelmisch an. So hatte er sie lange, sehr lange Zeit nicht mehr gesehen. "Womöglich hatten du und Illidan mehr Dinge gemeinsam, als du dachtest, mein Liebster", vermutete sie frech. "Womöglich sinnst du darüber nach, ob der Hass auf ihn nicht in Wahrheit Angst war, mich an ihn zu verlieren."

Furion zog ein empörtes Gesicht, was Tyrande mit einem spöttischen Lachen kommentierte.

"Angst? Ich? Pah!", murmelte er, während die Priesterin neben ihm weiterkicherte.

Zum Glück wurde dieser peinliche Moment durch ein Klopfen an der Tür unterbrochen. Als Tyrande ihre Anwesenheit verkündete, meldete sich die Stimme einer Jägerin.

"Priesterin, soeben ist ein Bote von Kriegshäuptling Thrall im Lager eingetroffen", drang die Stimme dumpf durch das Holz. "Er bittet, Euch und Meister Stormrage sprechen zu dürfen. Es wäre äußerst dringend."

"Wir kommen sofort. Sorgt dafür, dass er sich erfrischen kann."

Nach diesen Worten drehte sich Tyrande zu Furion um und schnitt eine Grimasse. "Wie es scheint, Liebster", sagte sie sarkastisch, "war das Schicksal schneller als wir. Offenbar werden wir wie schon einmal von den Ereignissen einfach überrollt."

"Hoffen wir nur, dass nicht dieselben Folgen daraus entstehen", erwiderte der Druide ernst. Dann stand er auf.

Tyrande dachte an das Lachen, das sie wahrgenommen hatte. Sie schauderte. Nein, momentan mochten keine Dämonen auf Kalimdor ihr Unwesen treiben... aber niemand von ihnen wusste, was die Zukunft brachte. Sie durften nicht nachlässig werden, weil sie einen der höchsten Dämonenlords geschlagen hatten. Der Rest der Legion wartete immer noch, und er würde jede Gelegenheit nutzen, um diese Welt zu verheeren. Und auch der Lichkönig war sehr gefährlich. Sie durften nicht weich werden. Nicht jetzt. Vielleicht niemals.



An einem Ort, den kein Sterblicher jemals betreten hatte, ohne dafür mit dem Leben zu bezahlen, öffnete ein ungeheuer großes Wesen die Augen. Die Haut des Dämons war blutrot und seine Muskeln vermochten Felsen ohne große Anstrengung zu zerschmettern. Außerdem stand er in Flammen, schon seit Tausenden von Jahren. Und jetzt grinste er.

"Garenas!", rief der Dämon.

Daraufhin materialisierte sich ein Schreckenslord an seiner Seite und neigte den Kopf. Er wirkte neben dem gewaltigen Äußeren des anderen Dämons klein, obwohl er die meisten Sterblichen überragt hätte. "Ja, Meister?", fragte er unterwürfig. "Was wünscht Ihr?"

"Ich habe es gesehen, Garenas", entgegnete der riesige Dämon mit grimmiger Befriedigung. "Es gibt vielleicht eine Möglichkeit, den Lichkönig zu vernichten und seine Welt zu übernehmen!"

"Eine Möglichkeit, Meister?" Der Schreckenslord horchte auf. Seit Monaten brütete sein Herr schon über dieser Frage. "Welche?"

"Das wirst du schon bald erfahren", entgegnete ihm Kil'jaeden, sein Meister und höchster Anführer der Brennenden Legion seit Sargeras' und Archimondes Niederlage. "Noch ist es zu früh, als dass wir uns der Hilfe jenes Sterblichen, der uns Eintritt gewähren wird, endgültig sicher sein könnten. Aber die Dinge stehen sehr gut... und sollte er es nicht schaffen, finde ich einen anderen, der seinen Platz einnimmt." Kil'jaeden blickte in die düstere Leere hinaus. "Ja, bald werde ich Ner'zhul für seine Frechheit zerschmettern und dann gehört seine Welt und seine Macht mir! Und du, Garenas, wirst bei diesem Feldzug mein Feldherr sein!"

Garenas neigte abermals den Kopf. "Ich fühle mich geehrt, Meister. Soll ich unsere Truppen zusammenrufen?"

"Nein, noch nicht." Kil'jaeden runzelte die Stirn. "Ich rufe dich, wenn es soweit ist. Bereite dich bis dahin auf deine Aufgabe vor." Der Schreckenslord verschwand, aber Kil'jaedens Blick verweilte an diesem Zeitpunkt auf jener weit entfernten Welt, in der sein Feind auf ihn wartete.

"Bald, Ner'zhul", versprach er. "Bald."



Ende Kapitel 1



Wird Vangis, der junge Paladin, gegen die unzähligen Untoten in Lordaeron bestehen können? Wird Kriegshäuptling Thrall den Schattenjäger Boraul Shadestep von seinem wahnsinnigen Vorhaben abbringen können? Was wird Arthas gegen die Bedrohung durch die Dämonen unternehmen? Wie werden die Nachtelfen darauf reagieren? Und wird Kil'jaeden tatsächlich die Welt von Warcraft III betreten wie Archimonde vor ihm? Lest Kapitel 2!



P.S.: Was haltet ihr davon? Schreibt mir ruhig eure Meinung, ob Kommentar oder E-mail (g.girlinger@aon.at)!
 
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