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Ad Vitam Aeternam

GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Kurtis Trent Lara Croft
10.04.2004
31.12.2008
15
37.711
 
Alle Kapitel
52 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
10.04.2004 984
 
Disclaimer: Ich leihe mir nur die Tomb Raider-Charaktere für kurze Zeit zum Spielen aus. Das hindert mich aber trotzdem nicht daran, mir sie zum Geburtstag/Weihnachten/Ostern zu wünschen. :B Mir gehört nur die Story.

Wichtige Anmerkung zum Verständnis der Handlung: Ich stütze mich auf die Vorgeschehnisse der Tomb Raider-Spiele und nicht auf die Filme. Demzufolge existiert hier auch kein Hillary, Bryce, Alex West und Terry Sheridan und auch keine Ereignisse, die dort stattgefunden haben. Laras Vater trägt also nicht den Namen Richard, sondern ist bekannt als Henshingly.
Die Beschreibung des Anwesens kommt aus Tomb Raider 3, wo Lara allein mit ihrem Butler Jeeves Winston lebt. Auf Zip und Alister habe ich verzichtet: Lara ist ein großes Mädchen und ist auf so viel Hilfe gar nicht angewiesen – aus den Teilen 1-6 war das mehr als deutlich! Außerdem bekommt sie während der Story ausreichend Unterstützung aus verschiedenen Quellen, hehe.
– was ich aber aus TR:Legend bruchstückhaft übernommen habe, ist das sogenannte Abenteuer um Excalibur etc., das Lara vielleicht zwar als aufreibend, dennoch aber nicht wirklich als totalen Nervenkitzel empfunden hatte. Den Magnethaken wird sie ab und zu aber trotzdem benutzen
Genug gefaselt, … ich wünsch euch viel Spaß! – eure Chrissy



 

01. Isla Beata, Dominikanische Republik.

Der Tempel war dunkel, geheimnisvoll, bedrohlich. Nur einige rare, blasse Sonnenstrahlen fielen durch winzige Spalten der hohen Decke ins Innere, erhellten die winzigen Staubpartikel und erzeugten die Illusion eines sanften nebelartigen Films. Die drückende Luft kratzte die Lungen der britischen Archäologin, erstickte sie fast. Die mulmigen Gefühle und Erinnerungen an Ägypten, die sie durch ihre jüngsten Abenteuer in Bolivien und Ghana verdrängt geglaubt hatte, stiegen allmählich wieder auf und verstärkten sich von Minute zu Minute.  Vorsichtig bewältigte Lara Croft mit einer Magnesiumfackel das Labyrinth, gewahr, dass eine falsche Bewegung jede Sekunde einen tödlichen Mechanismus auslösen könnte. Dennoch war sie fest entschlossen, ihr Ziel zu erreichen - eine wertvoller Reliquie winkte im Herzen dieses versteckten Tempels, eine ungefähr zwanzig Zentimeter große goldene Statuette eines arawakischen Schutzgeistes.

Vor ihr befanden sich drei Stufen, die in einen endlos scheinenden, engen Tunnel führten. Allein die Tatsache, dass die porösen Wände eindeutig zu viele Vertiefungen und Löcher aufwiesen, hielt sie davon ab, sofort ins Dunkle hinabzusteigen. Undefinierbare Knochen und Skelette lagen in wenigen Metern Entfernung auf dem Boden, von dem kräftigen gelborangenen Licht der Fackel unnatürlich, ja fast schon grotesk, hervorgehoben. Lara ging in die Hocke, hob etwas Sand auf und ließ es sanft aus ihrer Handfläche rieseln: ein simples Ritual, welches ihr ein alter griechischer Freund ans Herz gelegt hatte und dazu diente, Gedanken zu sammeln, zu fokussieren und zu analysieren – sobald das letzte Sandkorn auf dem Boden gelandet war, war die Bedenkzeit vorbei und die Entscheidung musste gefällt werden. Die Archäologin verharrte einige Momente in dieser Position, um die Konstruktion einer möglichen Falle abschätzen zu können.

Zu gut konnte sie sich an die Pfeile in Peru erinnern, die prompt herausschossen, sobald man eine bestimmte Trittfläche berührte. Eine andere Möglichkeit bot sich in Form einer Stachelwand, die einen Passierenden entweder von der Decke oder aus den Seiten überraschen und sofort aufspießen würde. Lara richtete ihren Blick nach oben. Direkt über der ersten Fliese befand sich ein großes, von Schlingpflanzen bedecktes Loch in der Decke, das sich bei genauerer Betrachtung als das Ende einer Rampe herausstellte. Ein großes Objekt, vielleicht ein rollender Steinbrocken, konnte problemlos durch diese Öffnung fallen und den Durchgang versperren. Allmählich wurde die Magnesiumfackel schwächer. Lara warf sie weit in den Tunnel hinein und ihre Überlegungen wurden sofort bestätigt: Kaum hatte die Fackel den Boden berührt, schossen zwei mit Stacheln versehrte Scheiben aus den Seiten hinaus, stießen aneinander und zogen sich blitzschnell wieder zurück. Sie wartete auf das donnernde Poltern von oben, doch nichts geschah. Lara atmete durch.


Es musste einen Weg durch den Tunnel geben. Die Britin trat zurück und tastete Wände und Decke nach weiteren auffälligen Öffnungen, Hebeln oder Druckstellen ab, doch leider vergebens. Sie kehrte zur dreistufigen Treppe zurück, entzündete eine weitere Fackel und ließ ihren Blick die Deckenkonstruktion streifen. Wie ein zähes Geflecht von Wurzeln übernetzten Jahrzehnte alte Schlingpflanzen die die niedrige Decke hinter der großen Öffnung. Lara klemmte den hellen Magnesiumstab zwischen ihre Zähne und riss einige Sprossen heraus, um die Struktur der Decke auszumachen. Erst jetzt fiel ihr ein doch recht auffälliger Wuchs des dichten Pflanzennetzes auf – die vertrockneten Ranken hatten sich um eine meterlange Längsstange gewunden, die vermutlich bis ans Ende des Tunnels reichte. Unsicher, ob das Gerüst ihr Gewicht aushalten würde, versuchte die Abenteurerin es zunächst mit ihrem Magnethaken. Sie hakte ihn fest und zog kräftig daran. Die Stange hielt.

Also gut. Hangeln.

Die Britin befestigte die Fackel an ihrem Gürtel, schätzte die Entfernung zur ersten gefährlichen Trittfläche ab, nahm Anlauf und krallte sich an der umwachsenen Stange fest. Tatsächlich hielt sie ihr Gewicht. Langsam hangelte sie sich an der Stange entlang. Ein Ende dieses gefährlichen Tunnels war nicht in Sicht und allmählich verloren ihre trainierten Arme an Kraft. Sofort umklammerte sie die Stange mit den Beinen und zog sich weiter in die Dunkelheit hinein.

Schließlich erreichte sie das ersehnte Ende und schwang sich lautlos und elegant in den angrenzenden Saal. Kaum war sie aufgekommen, begann sich der Boden unter ihren Füßen zu lösen. Ohne zu überlegen, hechtete sie tief gebeugt los. Konzentriert sprintete sie um die Ecke und sah eine noch recht vitale lianenartige Kletterpflanze einige Meter vor ihr von der Decke herunterhängen.

Spring!

Im letzten Augenblick sprang Lara ab und ergriff das Tau. Es riss nicht. Erleichtert atmete sie auf. Unter ihr waren die Fliesen bereits komplett eingestürzt und deckten einen dunklen Abgrund auf, der durch die ohnehin schlechten Lichtverhältnisse noch tiefer erschien. Neugierig, was sich unter ihr befand, entzündete sie umständlich eine weitere Fackel und ließ sie herunterfallen. Das kräftige Gelborange des Lichtes entfernte sich immer weiter, bis es schließlich verschwand. Sie hing über dem Nichts.

So weit, so gut. Was jetzt?

Die Liane gab nach.
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