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Treibgut der besonderen Art

von Sephi
GeschichteHumor / P12
Anamaria Captain Jack Sparrow Gibbs
09.04.2004
09.04.2004
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1. Treibgut voraus!

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Seit den frühsten Morgenstunden stand Jack Sparrow, Captain des Piratenschiffes Black Pearl, bei weitesgehend strahlendem Sonnenschein nun schon am Ruder und lotste sein Boot durch die glasklaren Gewässer der Karibik. Viel war nicht passiert, um ganz ehrlich zu sein, gar nichts und dementsprechend war ihm auch zumute. Gelangweilt lehnte er sich über das Steuerrad und blickte über Deck, wo ein Teil seiner Crew gerade damit beschäftigt war, es zu putzen. Ein jämmerlicher Anblick, besonders wenn man beachtet, dass es sich dabei um Piraten handeln sollte. Wirklich furcherregend und abschreckend wirkte das nicht auf ihren Captain. Jack seufzte.

So würde das noch wochenlang weitergehen, dachte er. Immer und immer wieder würden sie aus Langeweile das Deck schrubben. Dieser Gedanke deprimierte und erschütterte den Vollblutpiraten sichtlich, nichts lieber wünschte er sich als vielleicht ein kleines Schiffchen zu kapern oder wiedermal einem verfluchten und verräterischem Barbossa in den Arsch zu treten...

Was war das nur für eine Welt, in der sich ein berüchtigter Pirat wie er nur so dermaßen langweilen konnte?

Gerade als er, von den regelmäßigen Wogen der Wellen, fast am Steuer eingenickt wäre, schreckte Jack gerade noch einmal hoch, als ein Mitglied seiner Crew, das vorne am Bug stand, nach ihm rief.

"Captain! Treibgut voraus!"

Normalerweise wäre es ihm egal gewesen, er konnte sich ja nicht um jeden Mist kümmern, aber da gerade eh nichts angesagt war, konnte er sein geheiligtes Steuer ja für einen kurzen Moment allein lassen und sehen was Sache war.

Sofort eilte er zu ihm nach vorne, sprang auf die Rehling und hielt sich an einem der Taue fest. Schließlich musste er sich ein Stück nach vorne lehnen, um das genannte Treibgut zu sichten. Von weitem konnte er nicht mehr als ein treibendes Fass erkennen, doch da die Black Pearl diesem immer näher kam, erkannte man bald, dass da noch mehr war.

Als sie auf gleicher Höhe waren, sah Jack, wie vermutlich jeder seiner Crew, dass das Fass nur wie eine Boje benutzt wurde. Eine Frau in ihren jüngeren Jahren lehnte ohnmächtig darauf. Abgesehen von ihren Armen, die das Fass umschlangen, ihrem Kopf mit den schulterlangen blonden Haaren und ihren Schultern war ihr ganzer Körper im eiskalten Wasser.

"Holt sie sofort an Bord!", rief ein weiter Mann und löste ein weitesgehend unwichtiges Tau, mit dem sich jemand nach unten abseilen konnte und die Frau bergen konnte. Dieser Jemand war Jack, der reflexartig das Tau ergriff und sich zu ihr herunter bemühte.

Er brachte sie problemlos an Deck und legte ihren durchnässten Körper auf seinen Schoss. Noch immer rührte sie sich nicht und Jack befürchtete, dass sie es auch nie wieder tun würde. Mittlerweile hatte sich die gesamte Mannschaft um ihn versammelt und sah im gespannt zu. Reflexartig, und ohne auf die anderen zu achten, langte Jack nach dem Mund der Frau, legte sie vollends auf den Holzboden, beugte sich über sie und versuchte es mit Mund-zu-Mund-Beatmung.

Schon nach einigen Versuchen merkte der Captain, dass sich langsam wieder Leben in ihr regte. Zwangartig begann sie zu prusten und zu husten, sodass er sofort von ihr ablassen musste, um nicht das was Wasser zu schlucken, das sie gerade ausspuckte. Sie wandte sich herum auf den Bauch und kniete sich auf alle Viere, woraufhin sofort eine Decke angereicht und sie darin eingewickelt wurde. Jack half der sichtlich erschöpften Frau auf die Beine und blickte ihr erwartungsvoll in ihre Augen, so weit es ging, da ihr einige triefende Strähnen ihrer Haare ins Gesicht hingen. Anfangs atmete sie noch schwer und tief, was sich jedoch nach kurzem wieder legte. Nun war sie endlich im Stande zu sprechen.

Noch einmal hustete sie, dann fing sie mit einem sarkastisch klingendem Unterton an: "Schade, es wurde gerade richtig gemütlich auf dem Fass und im arschkaltem Wasser, trotzdem danke..."

"Wer bist du?", fragte Jack und versuchte ihr "Treibgut" zu stützen, indem er ihre Schulter hielt. Sie atmete und hustete noch einmal kurz, dann versuchte sie zu antworten.

"Julia Morgan ist mein Name, war Captain der Deep Blue."

"Ein Weib als Captain?", fragte jemand stirnrunzelnd, doch Jack achtete nicht auf ihn und fuhr mit seinem Verhör fort.

"Was ist passiert?"

"Wir hatten eine Auseinadersetzung mit dem Feind, mein Schiff schlug Leck und sank."

"Was ist mit der Crew?"

"Crew? ICH war die Crew!"

"Was?", fragte Jack ungläubig. "Du hast das Schiff allein gesteuert?"

"Aye, ein Schiff von 20 Fuss ist leichter zu bewältigen als man glauben mag."

Ein Seufzer ging durch die Reihen, doch ihr Captain hatte immer noch Fragen an ihren Gast.

"Und wer war der Feind? Treibt er sich noch irgendwo hier rum? Sprecht!"

"Danger John, der wohl größten Hammerhai der Karibik, und der gefährlichste. Ob er noch hier ist weiß ich nicht, aber ich hoffe es nicht für ihn, denn mein Schiff werde ich aufs Grausamste rächen," lachte Julia durchtrieben. Jack runzelte die Stirn.

"Und wer seit ihr? Und hat dieses Bötchen auch einen Namen?", fuhr sie fort. Der Captain zog sich seine Jacke zurecht und fing hoch erhobenen Hauptes an zu sprechen.

"Meine Wenigkeit ist der berüchtigte Captain Jack Sparrow, klar soweit? Diese Leute sind meine Crew und wir befinden uns hier auf der Black Pearl."

"Jack Sparrow?", sie fing erneut an kichern. "Etwa der Jack Sparrow, dessen Mannschaft die Meuterei angefangen hat und ihn danach auf einer einsamen Insel ausgesetzt hat?"

Innerlich schoss ihm wieder der berühmte Gedanke von "Captain Jack Sparrow" durch den Kopf, was sie, seiner Meinung nach mit voller Absicht, übergangen hatte.

Etwas gekränkt lächelte er künstlich und blinzelte sie an. "Genau der."

Darauf begann sie noch mehr zu lachen, was ihn auch noch mehr kränkte. Seine Langeweile hatte in schlechte Laune gewechselt, die Julia nun noch anfachte durch ihren Sarkasmus. Aus einem unergründlichem Gefühl heraus wollte er es ihr heimzahlen, dass sie sich über ihn lustig gemacht hat.

"Wir wissen nicht, ob sie ein Feind ist oder ob sie noch eine Crew hat. Deshalb schlage ich vor, dass wir sie zum vorläufigem Gewahrsam in den Käfig stecken."

"Lass dich von mir nicht aufhalten, Jack," grinste sie und ließ sich bedingungslos abführen. Er hingegen blieb an Ort und Stelle und atmete einmal tief durch. Der Teil der Mannschaft, der noch um ihn herum stand, blickte ihn erwartungsvoll an. Jack bemerkte dies und sah ihnen auf gleiche Weise entgegen.

"Was guckt ihr so? Macht euch wieder an die Arbeit!"
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