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Das vierte Zeitalter

von Mykena
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Aragorn Elrond Faramir Gandalf Gimli Haldir Legolas
09.04.2004
09.04.2004
6
18.438
 
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09.04.2004 1.931
 
Mein erster Versuch, mich in die Riege der Geschichtenschreiber einzureihen und zugleich auch ein mörderisches Unterfangen. Vier Kapitel sind bereits geschrieben, die ich hier nach und nach präsentieren werde (immer schön Zeit zum Setzen und Verdauen lassen) und zahlreiche Kapitel sollen folgen und nehmen langsam Gestalt an. Auch wenn nicht immer alles allen gefallen dürfte, schlimm wäre es wohl auch eher, wenn es so wäre, hoffe ich doch, einige (wenige?) damit erfreuen zu können.

Disclaimer: einige der Figuren gehören Tolkien und dafür bin ich ihm dankbar, einige gehören jedoch mir allein (sie sind mein, mein Schatz). Auch die Orte der Handlung und vieles vom geschichtlichen Hintergrund ist Tolkien entnommen. Die Handlung selbst allerdings ist meinem Hirn entsprungen.

Inhalt: Eine Fortsetzung, die dort anfängt, wo der Ringkrieg aufhört. Alte und neue Personen werden uns begegnen und verloren geglaubte kehren zurück. Die Handlung springt an viele Orte, zu verschiedenen Personen und blickt gelegentlich zurück auf vergangene Ereignisse. Ich hoffe, man kann sie dennoch nachvollziehen.

Warnung: Fans von Arwen sollten besser nicht weiterlesen, oder das erste Kapitel überspringen. Sorry, aber ich brauchte einfach etwas Dramatik.


Das vierte Zeitalter


(Prolog)

Glorreich begann das Zeitalter der Menschen.
Elessar, der neue König von Gondor setzte alles daran,
die Menschenvölker in Frieden zu vereinen.
Die Völker der Haradrim im Süden und auch die wilden Völker im Osten,
die der kriegerische Atem Saurons nicht mehr vergiftete,
schlossen sich dem wieder erstarkten Königreich Gondor an.
Allianzen wurden geschmiedet und der Arm Elessars reichte bald an alle Grenzen Mittelerdes heran.
Mordor war erkaltet, der Schicksalsberg hatte in seinem letzten Aufbäumen
die Überreste des dunklen Herrschers in ein undurchdringbares, schwarzes Grab eingeschlossen.

Doch der Herrschaft des dunklen Herrschers sollte eine noch dunklere folgen.
Die Vernichtung des einen Ringes beendete auch das Bündnis der drei letzten Ringe der Macht.
Und das Siegel, welches so viele Jahre durch die Macht der Ringe gehalten wurde, zerbrach.
Der Verbannung entronnen, kehrte nun der mächtigste und finsterste Herrscher zurück nach Mittelerde.
Keiner kannte die Bedrohung die nun wieder in die Höhlen der alten, zerstörten Festung Angband zurückkehrte.
Die alten Lieder wurden schon lange nicht mehr gesungen, der Name war nicht mehr bekannt.
Doch Schöpfung setzte er einst Zerstörung entgegen und Dunkelheit schluckte alles Licht.
Schönheit ließ er an Feuer und Fels zerbrechen und wo Leben war,
versengte er es mit seinem vor Hass und Neid brennendem Atem.
Er, der gekommen war um sein schicksalhaftes Werk zu vollenden, hatte seine alte Kraft noch nicht wiedergewonnen.
Seine Dämonen schlummerten noch in den Tiefen unter Angband, die Festung war noch in tausend Einzelteile zerschlagen
und die Überreste in alle Winde verstreut.
Doch sie sollte bald wieder aufgebaut werden und eine Armee sollte geschaffen werden,
alles bisher gewesene an Größe und Grausamkeit übertreffend.
Noch wußte niemand welche Gefahr Mittelerde zu vernichten drohte,
noch regierte der neue König in Eintracht und Frieden.
Und nur manchmal kroch der giftige Atem aus den Höhlen von Angband
und wohin auch immer dieser Atem reichte, folgten Zerstörung, Schmerz und Leid.
Bald sollte er auch das Haus des Königs erreichen.



1. Schatten über Minas Tirith

Aragorn atmete schwer. Er sah Arwen, seine geliebte Königin in einem Bett aus weißen Rosenblüten liegen. Plötzlich zogen dunkle Wolken auf. Etwas drückte ihm die Kehle zu und er sah mit Schrecken, wie sich das Weiß der Blüten rot färbte. Immer mehr, immer intensiver, bis schließlich alles in einem roten Fluß zu ertrinken drohte. Ein Schmerz durchfuhr seine Brust. Mit einem Schrei schreckte er hoch.

' Ein Traum. Nur ein Traum' dachte er bei sich.

Doch eben noch erleichtert, durchfuhr ihn plötzlich ein Gefühl der Beklemmung. Er sprang aus dem Bett und warf sich in der Eile die Tunika über. In einem Gefühl panischer Angst rannte er zu den Gemächern der Königin, mit einem lauten Knall flog die Tür auf.
Da lag sie, völlig lebendig und schaute ihn, vom Lärm geweckt, mit einem verstörten Blinzeln an.

"Aragorn, was....?"

Er fühlte deutlich, wie der Knoten in seiner Brust sich aufzulösen begann.

' Ein Traum, tatsächlich nur ein Traum.'

Jetzt tat es ihm fast leid, dass er sie geweckt hatte, schließlich brauchte sie Ruhe. In zwei Monaten würde sie ein Kind zur Welt bringen, sein Kind. Zärtlich betrachtete er sie.

'Sie ist noch schöner, noch anmutiger, seit sie das Kind unter ihrem Herzen trägt.'

"Entschuldige" sagte er "ich wollte dich nicht wecken. Es ist nur...."

Mit einem ernsten Blick sah Arwen zu ihm auf.
"Aragorn, es ist alles in Ordnung mit uns. Welche Gefahr sollte uns denn auch drohen?" sie lächelte nun, "wirst du den Waldläufer jemals ablegen können? Immer in Sorge. Immer rast- und ruhelos. Immer wachsam?"

Er kniete sich vor ihr Bett und nahm ihre Hand in die seine: "Undomiel, steht es denn nur einem Waldläufer zu um die seinen besorgt zu sein?" Er küßte sie auf die Stirn. "Aber dennoch werde ich euch nicht weiter stören, Gute Nacht, meine Königin!"

Auf dem Weg zu seinem Schlafgemach, strömten die Gedanken auf ihn ein:

'Den Waldläufer ablegen? Manchmal würde ich lieber den König ablegen.'

Er seufzte unmerklich. Diese großen kalten Hallen von Minas Tirith behagten ihm überhaupt nicht und manchmal fühlte er sich wie ein Gefangener an diesem Ort. Seine größte Herausforderung war nun die Diplomatie, Verträge wurden ausgehandelt und unterzeichnet, Empfänge und die Verwaltung des Reiches waren seine neuen Aufgaben.

'Meine Hand würde lieber das Schwert als den Stift führen.'  Er atmete tief ein.

Doch es war nun mal der ihm vorbestimmte Weg und zu bewußt war ihm seine Bestimmung als König, zu tief sein Ehr- und Pflichtgefühl, als dass er irgendwelchen Neigungen nachgegangen wäre.

Aragorn war in seinem Schlafgemach angelangt und legte sich, mit einem Anflug von Traurigkeit in den Augen wieder ins Bett.

'Was bedeuten nur diese furchtbaren Träume, hoffentlich kehren sie diese Nacht nicht wieder.'

Er schlief schnell ein, die Alpträume sollten vorerst nicht wiederkehren, doch bald sollten sie ihn mit furchtbarer Gewissheit einholen.


Aragorn saß an einem großen Schreibtisch aus Eichenholz und bearbeitete gerade ein Bittgesuch aus dem Süden des Reiches. Eine Flut hatte in mehreren Dörfern die Ernte vernichtet und sie baten um Hilfe. In letzter Zeit häuften sich derartige Gesuche. Noch konnte Gondor helfen, noch waren die Lebensmittelspeicher voll und die Felder reich an Erträgen. Er unterzeichnete gerade die Antwort für die Gesandten, als tumultartiger Lärm auf den Gängen ihn aufschreckte. Kaum hatte er die Tür geöffnet, lief ihm auch schon die Amme seiner Frau in die Arme:
"Mein Herr... die Königin.... die Wehen.... es ist soweit."
"Ich komme" sagte er nur kurz und eilte zu den Gemächern seiner Frau. Ihm war nicht ganz wohl bei der Sache, obwohl die letzten Monate der Schwangerschaft völlig problemlos verlaufen waren und die Träume nicht mehr wiedergekehrt sind.

'Wenn doch wenigstens Gandalf hier wäre.'

Unruhig lief der König vor den Gemächern auf und ab. Jede Bewegung, jeder Laut von drinnen ließ ihn zusammenfahren. Zofen eilten über die Flure, Tücher wurden gebracht und Ärzte verschwanden tuschelnd in den Räumen.

'Dieses Warten ist schlimmer als alle Feinde gegen die ich je gekämpft habe.'

Er hielt inne und versuchte dem Stimmengewirr etwas zu entnehmen. Irrte er sich oder wurde es drinnen lauter, unruhiger:
"Schnell holt den König" rief eine Stimme von drinnen.
Aragorn wartete natürlich nicht bis er geholt wurde, er stürmte in die Gemächer seiner Frau.

"Was..."
Der Anblick ließ ihn stocken, kreidebleich wurde sein Gesicht. Blut, überall Blut....

'Die Träume, o Valar, die Träume.'

Aus der Ferne hörte er eine Stimme, nur bruchstückhaft: "Mein König.....Schwierigkeiten.....das Kind lag quer......so viel Blut verloren....nichts mehr tun....für beide."

Der König hörte sich selbst sagen "Laßt mich allein" und während er immer noch wie versteinert auf das blutüberströmte Bett blickte, entfernten sich mit leisem Geflüster alle Bediensteten und Ärzte aus dem Zimmer. Als sie Tür ins Schloß fiel, zuckte Aragorn leicht zusammen.

'Das kann nicht wahr sein! Das darf nicht wahr sein! Auf dich habe ich Zeit meines Lebens gewartet. Für dich habe ich die Prophezeiung erfüllt. Du kannst mich jetzt nicht allein lassen.'
"Hörst du nicht, du darfst mich nicht verlassen, du darfst es nicht!"

"Du darfst es nicht!"
Ein letztes Mal noch sagte er es, leise nun, mit einem Flehen in der Stimme und Tränen schossen ihn dabei in die Augen.
Überwältigt vom Schmerz brach er am Bett der Königin zusammen. Viele Stunden kniete er neben seiner toten Frau. Seinen Kopf hatte er an den ihren gelegt. Jeder Bewegungsfähigkeit und jeglichen Zeitgefühls beraubt, verbrachte er so noch die ganze Nacht bei ihr.

Erst als der Morgen schon dämmerte, erhob er sich. Dass seine Glieder völlig steif waren, bemerkte er nicht einmal. Mit traurigem Blick beugte er sich noch einmal über das, was ihn bisher am wertvollsten war. Er konnte noch immer nicht begreifen, dass das Licht des Abendsterns nun für immer erloschen sein sollte. Das Licht, welches ihm geleuchtet, ihm Wärme gespendet und den Weg gezeigt hatte, all die langen Jahre hindurch und all die dunklen, kalten und trostlosen Zeiten hindurch.

"Undomiel, für dich bin ich diesen Weg gegangen und für dich werde ich ihn weitergehen, wenn es mir auch sehr schwer fallen wird."
Zärtlich beugte er sich über sie uns strich ihr eine Strähne ihres schwarzen Haares aus dem Gesicht
"navaer, Arwen!" (Leb wohl, Arwen!).

Der König verließ die Gemächer, um sie nie wieder zu betreten und lange Zeit wehten schwarze Fahnen im ganzen Königreich und lange Zeit sah keiner mehr ein Lächeln in des Königs Gesicht.
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