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Liber Studiorum

von melvin
GeschichteLiebesgeschichte / P12 Slash
Captain Jack Sparrow Will Turner
09.04.2004
20.04.2004
6
18.711
2
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
09.04.2004 2.655
 
Titel: Liber Studiorum
Kapitel 1/6
Genre: AU; Slash
Pairing: Jack/Will
Rating: PG-13
Zusammenfassung: 'Ein Pirat würde sicher ein gutes Modell hergeben', denkt sich der junge Künstler Will Turner..
Autor: Kalvin bzw. K.M.
E-Mail: melvin_m@gmx.de
Rechte: An den Charakteren liegen bei Disney.. Am Plot mehr oder weniger bei mir. Die "Akt"-Szene habe ich aus "Besser geht's nicht" geklaut. W.T. gab's wirklich, ich habe ihn für diese Geschichte mal so nen 200-Jahre-Sprung machen lassen. Der betreffende Künstler möge mir verzeihen! Ich liebe seine Werke..
Notes: Mich haben eine Szene aus "Besser geht's nicht" (Künstler: "Ich suche ein hübsches Gesicht. Du da." Stricher: *selbstgefällig_durch_Haare_streich* "Brad Pitt. Hä-hä-hä." Autor: "NEIINN! J. Depp!") und ein Vortrag über Romantik zu dieser FF inspiriert.. Ich bin kein Kunstexperte sondern nur eine arme, kunstuninteressierte Schülerin und habe deshalb detaillierte Bildbeschreibungen ausgelassen - trotzdem entschuldige ich mich für gewisse Ungereimtheiten in Bezug auf Romantik, Naturrealismus und Impressionismus.. Oder was auch immer der Typ gemalt hat. Weist mich aber trotzdem auf Fehler hin, dann überarbeite ich es nochmal.. Ach ja, habe Will (wenn er nicht tatsächlich so hieß) und seinen Vater etwas umbenannt.
Kritik und Verbesserungsvorschläge erwünscht, Flames unerwünscht, erste FF. Sagt bitte was dazu!
Danksagungen: Vielen, lieben Dank an meine Beta-Readerinnen Sailanis bzw. Glorloth und Maria!
Information: Ich habe die Story fertig, aber die letzten 3 Kapitel sind noch nicht durch die Beta. Habe sie übrigens parallel auf fanfiction.net veröffentlicht, also nicht wundern!



_-_-_-_-Kapitel 1-_-_-_-_



"Mörder! Piraten! Schmort in der Hölle!"

Genervt schloss er die schmerzenden Augen und vergrub sein Gesicht in den gefesselten Händen. Das Poltern der Kutschenräder kam nun in längeren Abständen, sie musste wahrscheinlich langsamer fahren, um durch die aufgebrachten Menschen noch hindurch finden zu können.

"Frauendiebe! Hängt den Bastard gleich hier auf!"

Irgendetwas, vermutlich ein Ei, schlug gegen die Wand der Kutsche hinter ihm und gab ein platschendes Geräusch von sich. Er konnte froh sein, dass sie ihnen zumindest eine geschlossene Kutsche gewährt haben - das aber vermutlich nur, um die Seife für ein nach einer solchen Fahrt in einer Kutsche ohne Verdeck sicherlich angebrachtes säuberndes Bad zu sparen. Jack blickte auf und sah sich ein weiteres Mal in der Kutsche um. Es war sinnlos, das wusste er, denn die teilweise todesfürchtigen, teilweise gelangweilten Gesichter würden sich auch nach dem fünften Betrachten nicht geändert haben. Er hörte, wie ein weiteres Ei an die Kutschenwand schlug und dort zerbrach. Bis auf ihn saßen in der Kutsche noch vier weitere Männer, alle mehr oder weniger stark mit Narben oder noch frischen Wunden übersäht, tätowiert und in Lumpen gekleidet. Die Kutsche war speziell für Gefängnisse gemacht, mit einfachen, schmutzigen Holzbänken, aus billigem, aber starken Holz und ohne irgendwelche Gravuren oder
Verzierungen. Im vorderen Teil der Kutsche saß ein ängstlich blickender schwarzer Junge, vielleicht sechzehn Jahre alt, der sich nervös in der Kutsche umsah. Jack fragte sich, ob er ebenfalls als Pirat gefangengenommen wurde, oder ob er irgendeinem Bauern vielleicht ein paar Bananen für seine hungernde Sklavenfamilie gestohlen hatte - doch er verwarf den Gedanken gleich wieder. Es interessierte ihn nicht sonderlich.

Er erhob sich ein Stück, um aus der vergitterten Öffnung, die vermutlich ein Fenster darstellen sollte, einen Blick auf die Straße werfen zu können, wich jedoch sofort wieder zurück, als ihm ein fauler Apfel knapp vor der Stirn vorbeiflog. Mit einem platschenden Geräusch zerbrach er an der ihm gegenüberliegenden Kutschenwand. Jack ließ sich wieder zurück auf die Holzbank sinken. Wie viele von den Gefangenen in der Kutsche wohl in den Augen des Gouverneurs ebenfalls so schwere Verbrechen begangen hatten, dass sie vermutlich gleich im Morgengrauen gehängt werden würden? Und wie viele von ihnen wohl im letzten Moment entkommen würden? Jack lachte leise. Es war sicherlich schon das dritte oder vierte Mal, dass er zu Tode verurteilt wurde, und bisher konnte er immer entkommen. Wie die Geschichte wohl dieses Mal für ihn ausgehen würde?

Das Stimmengewirr und die Rufe von draußen wurden leiser, und das dumpfe Klatschen gegen die Kutschenwände hörte auf. Jack vermutete, dass sie nun auf das prunkvolle Verwaltungshaus der Insel zufahren würden und soeben das Tor passiert und die aufgewühlte Menschenmenge hinter sich gelassen hatten. Er stellte sich vor, wie die Kutsche durch eine kleine, mit ordentlichst eingepflanzten Palmen und Sträuchern übersäte Parkanlage fahren würde, vermutlich mit einem Brunnen, der dem Rest des Gebäudes an Protz nicht nachstand.

Die Kutsche hielt und die Wachen an der Kutschentür standen auf und entriegelten diese. Weitere mit Musketen bewaffnete Soldaten betraten die Kutsche, nahmen die Gefangenen grob an den Fesseln um die Handgelenke und stießen sie nacheinander heraus. Der Soldat, der Jack zugeteilt war, zerrte ihn hoch, machte einen Schritt hinter ihn und stieß ihm sein Gewehr in den Rücken. "Raus aus der Kutsche", knurrte er. "Immer mit der Ruhe", murmelte Jack, hielt die gefesselten Hände flach nach vorn, als würde er etwas abwehren, und trat grinsend nach draußen.


_-_-_-_


"Jack Sparrow, wie ich vermute." Der Mann in der typischen Amtskleidung eines Gouverneurs blickte dem Piraten prüfend in die Augen. Jack stand in seiner üblichen Kleidung vor ihm: Das lange, weiße Hemd, die blaue Weste, die weite, dunkle Hose, und das rote Tuch, das seine mit unzähligen Steinen und Schmuckstücken behangenen Haare umdeckte. Jack grinste. "Sehr erfreut." Er tat so, als würde er sich verbeugen, und stellte sich dann mit gespielt ernster Miene vor dem Gouverneur auf. Dieser sah ihn aus seinem verzierten Lederstuhl heraus zweifelnd an und wandte sich dann wieder dem Bericht in seinem Händen zu. "Fünfzehn gekaperte Schiffe in den letzten sechs Monaten. Drei überfallene Kolonialdörfer in der Karibik. Eine Crew, die direkt aus Englands bestbewachten Gefängnissen stammen könnte. Und Ihr selbst seid schon aus mehreren dieser ausgebrochen oder wurdet befreit." Er blickte wieder auf zu dem nun noch breiter grinsenden Piraten. "Ihr habt das Dorf von letzter Woche vergessen.
Vorzügliche Frauen, wahrhaftig." Der Gouverneur seufzte genervt und wandte sich an den Soldaten zu seiner Rechten. "Führt ihn ab. Im Morgengrauen wird er gehängt. Und lasst ihn nicht so leicht davonkommen wie die von Port Greenford." Jack verneigte sich ein weiteres Mal und ließ sich dann von dem Soldaten zu dem Gefängnis bringen.


_-_-_-_


Er wurde in eine durch und durch schmutzige Zelle gebracht, mit großen Gitterstäben und einem einzigen, riesigen Schloss. Das einzige, was den Raum erhellte, war das Licht der klaren, karibischen Nachmittagssonne, das durch die vergitterten Fenster in den als Gefängnis dienenden Keller fiel. Zu seinem Bedauern gab es auch keine Fackelhalterungen an der Wand, was die Nacht, die er hier verbringen sollte, ziemlich finster werden lassen konnte.

Als er in die Zelle trat, wirbelte sofort der Staub auf und ließ das Licht wie Säulen erscheinen, die schräg in den Raum einfielen. Er hatte die Zelle für sich, die anderen Gefangenen waren in denen rechts von ihm, weiter hinten im Gewölbe eingesperrt. Vermutlich meinten die Wärter, ihn besonders gut bewachen zu können, wenn er sich so nahe wie möglich am Ausgang befand. Die Gittertür fiel scheppernd ins Schloss und der Soldat, der ihn hergebracht hatte, drehte den Schlüssel noch zweimal um, bevor er ihn abzog. Dann ging er auf die schwere Eichenholztür in dem Durchgang zu seiner Rechten zu.

"Bekomme ich etwa keine Henkersmahlzeit?", rief Jack. Der Soldat ließ die Tür krachend hinter sich zufallen. "Dann eben nicht.", murmelte er. Er streckte seine mittlerweile freien Arme aus, ließ sich auf den Haufen Stroh in der hinteren, rechten Ecke der Zelle fallen und sah sich noch einmal in seinem Gefängnistrakt um. Der Gang umfasste vier Zellen, von denen nun jede belegt war. In den anderen waren jeweils drei oder mehr Gefangene. Vermutlich ließen sie nur Jack den besonderen Vorzug, allein in einer Zelle zu sein. So hatte er immerhin seine Ruhe, sagte er sich und schlief ein.


_-_-_-_



Er hatte nicht lange geruht, als ihn das Knarren der schweren Gefängnistür aufwachen ließ. Müde rieb er sich den Schlaf aus den Augen und schlug sie auf. Irgendjemand hatte das Gefängnis betreten, und Jack versuchte aus den Augenwinkeln heraus zu erkennen, wer. Ein Soldat. Und ein recht junger Mann, in Adelskleidung, Umhang und mit einem beigen, mit einer seltsamen, vermutlich teuren Feder verzierten Hut, der sein Gesicht überdeckte.
Er diskutierte wild gestikulierend mit dem Soldaten, doch Jack verstand nicht, über was. Sie gingen an seiner Zelle vorbei. Der Mann warf, während er diskutierte, immer wieder einen Blick zu den einzelnen Gefangenen und wandte sich dann wieder dem Soldaten zu. Als sie am Ende der Zellenreihe angekommen waren, gingen sie dort durch eine weitere Öffnung im Gewölbe, die, wie Jack vermutete, zu weiteren Gefängniszellen führte.

Sobald sie weg waren, begannen die Gefangenen plötzlich, wild durcheinander zu reden. Diese Reaktion erregte Jacks Aufmerksamkeit doch ein wenig. Er kroch zu dem ihm nächsten Gefangenen hinüber, stützte sich an den Gitterstäben, die die Zellen trennten auf und sah hindurch.
"Wer war das?", fragte er. Der Mann, der Kleidung und dem fehlenden rechten Auge nach zu urteilen ein Pirat, drehte sein Gesicht in Jacks Richtung. Er musterte ihn kurz und schien seine Frage dann eine Antwort wert zu halten.
"Irgendein Künstler. Er sucht hier manchmal nach Modellen." Jack zog die Augenbrauen hoch. "Modelle.", sagte er. "Was für Modelle?" - "Keine Ahnung. Piraten vielleicht. Oder welche, die wissen, dass sie in ein paar Stunden sterben." Der Pirat wischte sich mit dem Ärmel über die Nase und sah dann wieder grimmig zu Jack.
"Mach dir keine Hoffnungen, Bürschchen, mehr als zwei Tage hat er das Leben eines Piraten bisher nicht verlängert." Er grinste. "Aber du siehst ja, wie wild die meisten hier darauf sind, ihr Bild für die Nachwelt zu erhalten."

Jack lächelte und zog sich in seine Zelle zurück. Diese Geschichte hatte seine Aufmerksamkeit geweckt. Modelle also? Ein Künstler? Er erkannte die Gelegenheit, auf die er gewartet hatte, die Chance, dem Galgen ein weiteres Mal zu entkommen. Er musste sie nur ergreifen und richtig zu nutzen wissen.
Nur kurze Zeit später kamen der Soldat und der Künstler zurück in seinen Gefängnisabschnitt. Jack stand auf. Seine Hände ergriffen die Gitterstäbe und er sah zu den beiden Gestalten hinüber. Missbilligend bemerkte er, dass auch die anderen Gefangenen den Künstler als sichere Fluchtmöglichkeit betrachteten und keine Gelegenheit ausließen, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Jedoch nahm dieser deren Zurufe und Bitten scheinbar nicht war, sondern betrachtete den entsprechenden Gefangenen nur kurz und wandte sich dann prüfend den nächsten zu.

Jacks Zelle war die letzte in der Reihe. Der Künstler blieb vor der Zelle stehen, der Soldat jedoch ging bereits auf die Gefängnistür zu.
"Wartet", rief der noch recht junge Mann. Der Gefängniswärter drehte sich mit fragendem Blick zu ihm um.
"Was ist mit dem?", fragte der Künstler und seine Hände machten eine Geste in Jacks Richtung. "Unmöglich", antwortete der Wärter. "Er wird gleich morgen früh gehängt." Unbeeindruckt von den Worten des Wärters trat der Künstler näher an die Zelle heran. Jack zuckte mit den Schultern, sah zu Boden und machte ein gespielt betroffenes Gesicht. Dann sah er auf und lächelte.
"Wie ist dein Name?", fragte er Jack. Der Wärter trat auf den Mann zu und drehte ihn an der Schulter zu ihm um.
"Ich sagte, dieser hier ist VÖLLIG ausgeschlossen.", sagte er wütend. "Kommt mit." Als der Künstler das Gefängnis mit dem Soldaten verließ, warf er noch einen Blick zurück in die Zelle. "Captain Jack Sparrow!", rief Jack grinsend.


_-_-_-_


Einige Stunden später lag Jack auf dem Strohlager und fragte sich, ob der Künstler noch einmal zurückkommen würde. Er begann, sich zu sorgen, ob er diesmal wirklich wieder so leicht entkommen konnte, wie er gehofft hatte. Oder ob seine Mannschaft rechtzeitig herausgefunden hatte, auf welcher Insel er gefangen gehalten wurde. Oder ob sie überhaupt noch am Leben war.

Es begann zu dämmern, als die schwere Gefängnistür ein weiteres Mal aufsprang. Jack hielt die Augen geschlossen. Er hörte Schritte, von mehr als einem Paar Füße. Dann ein metallisches Geräusch, und dann wieder Schritte. 'Die fangen hier aber früh an, ihre Verurteilten abzuführen.', dachte er sich, und stellte sich weiter schlafend. Eine Hand griff ihn fest an der Schulter. Jack öffnete die Augen, und sah, wie erwartet einen Soldaten vor sich. "Ich bekomme also wirklich keine Henkersmahlzeit?", fragte er in einem Anflug von Galgenhumor. "Noch nicht", antwortete der Soldat und zog ihn grob hoch. Vor der Zelle standen noch zwei weitere Soldaten. Er wurde auf den Gang hinausgestoßen, von ihnen an den Händen gefesselt und aus dem Gefängnis heraus gebracht.
"Ich würde dich am liebsten gleich hier aufhängen", knurrte der Soldat, der ihn geweckt hatte, "aber der Junge da hat zuviel Einfluss auf meine Anstellung hier." Er stieß Jack in eine offene Tür rechts von ihnen hinein. Jack stolperte, fing sich jedoch wieder. Er stand in der Mitte eine kleinen Büros, mit zwei hohen, nach Osten hin gerichteten Fenstern. Das noch schwache, graue Sonnenlicht fiel in den Raum, sonst wurde er von drei Kerzen auf einem verzierten, hohen Kerzenständer in flackerndes Licht getaucht. Ein hölzerner Schreibtisch stand vor den Fenstern, mit einem mit grünem Stoff überzogenen, an den Tisch herangestellten Sessel. Auf der linken Seite des Raumes waren eine weitere Tür und ein großer Schrank. An ihn gelehnt stand der junge Künstler und betrachtete Jack mit einem verspielten Lächeln.
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