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Hilfe für Rain Island

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
09.04.2004
09.04.2004
2
13.505
 
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Dieses Kapitel
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09.04.2004 7.212
 
Hilfe für Rain Island - Folge 2: Erstens kommt es anders...



So, versuchen wir mal Kapitel 2. Bis jetzt ist ja noch nicht wirklich viel passiert, aber das wird sich schon noch ändern... wenn ich in nächster Zeit überhaupt zum Schreiben komme. Mal sehen. Über Kommis freu ich mich jederzeit und dass One piece nicht mir gehört, sollte eigentlich allen Fans bekannt sein.



"Ein Mörder?" Ruffy machte große Augen. "Echt?"

"Wer wurde denn ermordet?", fragte Zorro, seine Hand noch immer locker am Schwertgriff.

"Der Sohn unseres Bürgermeisters", antwortete die Frau noch immer in gerechtem Zorn. "Er war gerade fünfzehn Jahre alt und dieser Bastard hat ihn einfach aufgeschlitzt!"

Zorros Augenbraue zuckte. "Aufgeschlitzt?", fragte er in scheinbar neutralem, in Wahrheit jedoch tödlich angespanntem Tonfall. Konnte es vielleicht sein...? Aber nein. ER würde sich nie zu einem Mord an einem hilflosen Kind herablassen.

"Woher weiß man, wer den Mord begangen hat?", wollte Nico Robin wissen. "Wurde der Verdächtige bei der Tat ertappt?"

"Ertappt?" Die Frau schnappte abfällig nach Luft. "Nein! Aber er ist derjenige, der sofort nach dem Verbrechen aus der Stadt geflüchtet ist! Außerdem konnte man es ihm schon ansehen, dass er gefährlich ist, als er in die Stadt kam. Dieser wilde Blick, dieses verwahrloste Aussehen..." Die Frau schauderte kurz. "Nun, nicht jeder kann so anständig sein wie ihr und ich, denke ich mal."

Nico Robin entschlüpfte ein kurzes Husten, das verdächtig nach etwas anderem klang und selbst Zorros Lippen verzogen sich etwas nach oben. Erstaunlicherweise jedoch fing Ruffy diesmal nicht zu lachen an noch behauptete er, dass sie Piraten wären, wie die beiden es beinahe erwartet hatten. Statt dessen war sein Gesicht wie aus Stein gemeißelt.

"Wurde der Junge von vorne oder von hinten ermordet?", fragte er mit emotionsfreiem Ton.

"Wie bitte?" Die Frau schien entrüstet und stemmte die Arme in die Seiten. "Was macht das schon für einen Unterschied? Willst du etwa sagen, wenn er von vorne ermordet wurde...?"

"Bitte nehmen Sie es ihm nicht übel", versuchte Nico die Wogen zu glätten und lächelte der Frau entschuldigend zu. "Mein Freund ist manchmal etwas direkt. Aber könnten Sie es uns trotzdem sagen? Er nimmt es immer sehr persönlich, wenn sich jemand seinem Gegner nicht von Angesicht zu Angesicht stellt."

Die Frau war anscheinend nicht überzeugt, denn sie beäugte das Trio noch einmal scharf, dann allerdings erwiderte sie: "Von hinten! Dieser feige Hund hat den Jungen von hinten erstochen, wahrscheinlich als dieser vor ihm flüchten wollte!" Sie seufzte. "Und er war so ein guter Junge. Wisst ihr, seine Eltern haben außer ihm keine Kinder und..."

"ARRRRRGH, DAS REICHT!"

Die Frau, Zorro und Nico zuckten zusammen und einige der Leute drehten sich überrascht um. Die beiden Crewmitglieder starrten Ruffy alarmiert an. Was hatte er denn nun wieder vor? Der Junge war nahe am Ausrasten, das konnte man ihm ansehen. Ruffy, das hatte Zorro schon vor langer Zeit gelernt, gehörte zu den Personen, die äußerlich immer ruhiger wurden, je wütender sie waren. Und momentan starrte der Gummimann mit eiskalten Augen völlig bewegungslos zu den Bergen. Der Schwertkämpfer ahnte Übles...

"Zorro, Nico", sagte Ruffy plötzlich wieder leiser. "Wir gehen da rauf."

"Wie bitte?"

"Sag mal, hast du mir nicht zugehört?", ereiferte sich die Frau nach einer angemessenen Schrecksekunde. "Da oben versteckt sich ein skrupelloser Mörder, der sich nicht am Alter seiner Opfer stört! Glaubst du im Ernst, der verschont euch, nur weil ihr noch jung seid?"

"Ach, wissen Sie, Ruffy hat sich noch nie an der Skrupellosigkeit seiner Gegner gestört", murmelte Zorro halblaut, während er an Arlong, Don Creek und Sir Crocodile zurückdachte.

"Bist du dir wirklich sicher, Ruffy?", wollte Nico wissen, aber als sie keine Antwort bekam, seufzte sie und wandte sich an die Frau: "Weiß man, ob der Kerl Waffen hat?"

"Ihr wollt es tatsächlich versuchen, nicht wahr?", presste die Frau wütend über so viel Tollkühnheit hervor. "Ihr wollt ihn wirklich suchen? Das ist kein Kinderspaziergang! Was glaubt ihr, warum wir noch niemanden dort hinauf geschickt haben? Weil wir auf die Marine warten! Wir können hier lediglich warten und ihn daran hindern, auf einem Schiff zu fliehen, aber jeder, der dort hinaufgeht, riskiert sein Leben!" Sie machte verärgert eine abwehrende Bewegung. "Aber es ist euer Leben, das ihr aufs Spiel setzt. Ja, vermutlich hat er die Waffe, mit der er den armen Kiruzo getötet hat."

"Gut", gab Ruffy bekannt und sah die Frau an, die unwillkürlich einen Schritt zurück machte, als sie seinem Blick begegnete. "Es würde mir gar nicht gefallen, einen Unbewaffneten zu töten, auch wenn er ein Mörder ist."

"Und ich hatte gehofft, einmal nicht in Schwierigkeiten zu kommen", seufzte Zorro und tätschelte seine drei Schwerter. "Nun, vielleicht ist der Kerl wenigstens eine Herausforderung. Wenn er ein Schwertkämpfer ist, überlässt du ihn mir, ist das klar, Ruffy?"

"Wo müssen wir langgehen, damit wir ihn finden?", erkundigte sich Nico bei der Frau, die anscheinend immer noch nicht glauben konnte, was sie da hörte.

"Da lang", meinte diese und zeigte hinter die wütende Menge. "Aber ihr rennt in euren sicheren Tod."

"Oh, das denke ich nicht", entgegnete diese beruhigend lächelnd. "Wir haben noch vieles zu erledigen, bevor wir es uns erlauben können zu sterben. Machen Sie sich keine Sorgen um uns."

"Nico!" rief Ruffy, der mit Zorro bereits weitergegangen war. "Kommst du endlich? Wir müssen diesen Hund noch schnappen, bevor sich die anderen Sorgen machen!"

"Das ist doch verrückt!", erdreiste sich die Frau ein letztes Mal, obwohl sie bereits einzusehen begann, dass es sinnlos war. "Er wird euch töten, ohne mit der Wimper zu zucken! Dieser Mann ist ein Verrückter, versteht ihr nicht?"

"Keine Sorge", entgegnete Nico grinsend. "Diesmal bekommt er es mit jemandem zu tun, der noch viel verrückter ist als er." Damit winkte sie der fassungslosen Frau zu und ging den Jungs nach, die bereits am Ende auf sie warteten. Vielleicht wurde es hier ja doch nicht so langweilig, wie sie gedacht hatte.



"Aaah, das tut gut", nuschelte Chopper glücklich, während er gleichzeitig sein Getränk schlürfte. "Das hab ich jetzt gebraucht."

"Schon gut", meinte Nami, die ihn missbilligend ansah. "Mir wär's nur lieber, du würdest nicht so schlürfen. Ein paar Leute schauen schon. Du benimmst dich wie Ruffy!"

"Echt?", fragte Chopper so erschrocken, dass Nami lachen musste.

"Na ja, nicht ganz", gab sie immer noch schmunzelnd zu. "Aber allein schon die Vorstellung ist abschreckend, nicht wahr?"

"Kann man wohl sagen", murmelte der kleine Elch und schob seinen Drink weit von sich. Er schauderte, wenn er daran dachte, wie sich sein Käpt'n jedesmal aufführte, wenn Sanji aus der Kombüse kam und das Essen verkündete. "Nein, soweit darf es auf keinen Fall kommen. Doc Kuleha würde mich umbringen, wenn sie herausfände, dass ich mich so aufführe."

"Nun ja, das würde sie auch aus geringeren Gründen", bemerkte Nami, während sie sich an die unkonventionelle Ärztin zurückerinnerte, die sie auf Drum kennen gelernt hatten. "Wenn ich mich richtig entsinne."

"Na ja, sie hatte dann und wann ihre kleinen Launen", untertrieb Chopper hemmungslos, weil er das Gefühl hatte, seine Lehrmeisterin verteidigen zu müssen. "Aber sie war ja nicht wirklich schlecht."

"Sagt ja auch keiner", stimmte Nami zu und trank kurz. Dann grinste sie. "Auf jeden Fall nicht in ihrer Nähe."

"Jetzt hör auf, über sie zu lästern!", brauste der kleine Elch auf. "Mach dich nicht über sie lustig! Immerhin hat sie dir das Leben gerettet, falls du dich nicht mehr erinnern kannst!"

"Hehe, ist ja schon gut, Chopper", wehrte Nami ihn gelinde beunruhigt ab. "Ich mein's ja gar nicht so, sie ist eine tolle Frau, vielleicht ein bisschen geldgierig..."

"Als wenn DU ihr in dieser Sache einen Vorwurf machen könntest!"

"... aber sie hat ein gutes Herz", beendete die Meisterdiebin ungerührt ihren Satz, während sie einen weiteren Schluck nahm. Dieses Getränk war gar nicht so schlecht, vielleicht sollte sie Sanji auffordern, ein paar Flaschen hier einzukaufen. "Nun, bist du fertig? So langsam sollten wir uns wohl wieder auf den Weg machen. Die anderen warten vielleicht schon auf uns."

"Ja, wahrscheinlich hast du Recht", meinte Chopper und warf einen gequälten Blick zu den Paketen, die sie neben sich aufgestapelt hatten. "Also auf geht's."

"Nun zieh doch kein solches Gesicht", schimpfte Nami und stand auf. "Die paar Kleinigkeiten..."

Im nächsten Moment flogen ihre und die Köpfe aller Leute im Cafè herum, als sie den Schuss hörten. Einen Augenblick lang starrten sie sich erschrocken an, dann wechselte Chopper in seine Elchform und rannte in Richtung des Geräuschs davon. Nami blickte unschlüssig zwischen ihren Paketen und dem davonlaufenden Elch hin und her, dann murmelte sie einen Fluch, zog ihre Klimataktstöcke, die Lysop ihr gebastelt hatte, aus dem Gummiband an ihrem linken Bein heraus und rannte ebenfalls los.

"Wer auch immer dieser blöde Schütze ist", grollte sie, während sie an erschrockenen Leuten vorbeirannte, "für meine Sachen wird er aufkommen - sonst hat er ein Problem!"



"Mann, wann kommen die endlich zurück?", meckerte Lysop, während er lustlos auf die Silhouette der Stadt starrte. Momentan hatte er einfach keine Lust zu basteln, die Stadt war öde und bis zum Essen dauerte es noch eine Weile, wie Sanji lautstark verkündet hatte, als der Lügenpirat eine Frage riskiert hatte. Was also tun? Wenn die anderen endlich zurückkämen, dann könnten sie wenigstens auslaufen und diese öde Insel für immer hinter sich lassen.

"Wüsste ich auch gern", meinte Sanji, der soeben aus der Kombüse getreten war. Das Essen war jetzt nahezu fertig, er brauchte es nur noch ein paar Minuten auf dem Herd lassen und aufzutischen. Aber da ohnehin keiner da war... "Wenn sie nicht bald kommen, wird das Essen wieder kalt."

"Nun, diese Aussicht dürfte zumindest Ruffy schnell wieder hierher treiben", stellte Lysop fest und sah prüfend zu den kleinen Gassen hin. Nein, noch immer nichts, auch keine bekannten Stimmen. "Meinst du, wir können ohne sie anfangen, wenn sie noch länger wegbleiben?"

"Nix da!", entgegnete der Koch und sah Lysop warnend an. "Hier wird nicht aufgetischt, bevor Nami und Nico wieder an Bord sind. Die beiden sollen hier keinesfalls darben."

Lysop verdrehte die Augen zum Himmel. "Aber bei uns hast du nichts dagegen, wenn wir uns mit kalten Resten begnügen müssen, nicht wahr?", brummte er, rückte aber vorsichtshalber einen Meter weit vom Koch weg. "Egal, ich will ja nur wissen, was die so lange in der Stadt hält. Sieht ja weiß Gott nicht so interessant aus..."

Der Schuss, obwohl hier am Meer schon von zahlreichen Geräuschen überlagert, ließ die beiden jedoch schnell verstummen. Wer von so vielen Leuten gejagt wurde wie sie, der musste früher oder später ein Gehör für Gefährliches entwickeln.

"Verdammt!", rief Sanji und biss auf seine Zigarette. "Das kam doch aus der Stadt, oder?"

"Bin mir nicht sicher", entgegnete Lysop, der inzwischen bereits seine Weitsichtbrille justierte. "Für mich hörte es sich noch weiter weg an, irgendwo da aus den Bergen..."

"Aus den Bergen?" Sanji zündete sich einen neuen Glimmstengel an und inhalierte beruhigt. "Na, dann sind unsere Hohlköpfe wohl kaum in Gefahr."

"Wenn du dich da nur nicht irrst!", erwiderte Lysop. "Ich hab da oben grade Ruffy gesehen! Und anscheinend prügelt er sich mit jemandem!"

"Oh nein", stöhnte der Koch und schlug sich an die Stirn. "Kann er nicht einmal jedem Streit aus dem Weg gehen? Jetzt ist das Essen wieder im Eimer." Damit sprang er über Bord, landete sanft auf dem Kai und rannte los. "Los, Lysop, nicht so lahm", rief er nach hinten. "Wir müssen verhindern, dass ihnen was passiert! Immerhin war Nico bei Ruffy!"

"Kannst du eigentlich nicht mal an was anderes denken?"



"Wo ist der Kerl bloß?", fragte Ruffy und sah sich ratlos um. "Sie sagten doch, er wäre in diese Richtung geflohen."

"Das heißt aber nicht, dass er hier auf weiter Flur auf uns warten wird", knurrte Zorro, der neben ihm herging. Sie hatten einen Pfad gefunden, der auf den ersten höheren Hügel hinaufführte, bisher aber niemanden gefunden. Da der Weg so schmal war, dass nur zwei nebeneinander gehen konnten, marschierte Nico hinter den beiden, scheinbar gelangweilt, in Wirklichkeit jedoch angespannt. "Denkst du wirklich, jemand, der Kinder von hinten tötet, würde sich dir zu einem fairen Kampf stellen?"

"Egal, jedenfalls knöpf' ich mir den Kerl vor", meinte Ruffy und lockerte sein Handgelenk. "Der wird bereuen, dass er's ausgerechnet mit uns zu tun bekommt."

"Ihr solltet lieber auf die Umgebung achten", empfahl ihnen Nico mit ihrem aufreizend gelassenen Tonfall. "Vielleicht werden wir bereits beobachtet."

"Na und?", fragte Zorro verächtlich. "Ich glaub kaum, dass dieser Mörder eine echte Gefahr für uns ist. Nicht bei den Gegnern, mit denen wir's schon zu tun hatten."

"Genau. Stärker als Sir Crocodile kann er ja wohl kaum sein." Ruffy ließ beide Fäuste zusammenkrachen. "Soll ich mal nach ihm rufen?"

"Lass das!", zischte Nico und warf ihm einen warnenden Blick zu. "Vielleicht hat er uns ja noch gar nicht entdeckt, auch wenn ich mir das kaum vorstellen kann. Er muss ja nur einen Weg bewachen. Vielleicht hat er uns bereits im Visier."

Zorro blieb stehen. "Was hat es denn dann für einen Sinn, wenn wir ihm hier perfekte Zielscheiben bieten?", fragte er, misstrauisch um sich spähend. "Sollten wir nicht lieber einen anderen Weg wählen?"

"Wenn du einen anderen kennst..."

"Ach, mir reicht's!", schimpfte Ruffy und ballte die Fäuste. "Nico, könntest du nicht wieder Augen an meinem Arm wachsen lassen? Dann könnten wir den Kerl vielleicht entdecken."

"Das ist aber ziemlich gefährlich", wandte die ehemalige Baroque-Agentin ein. "Wenn dieser Mann uns jetzt schon im Visier hat, könnte er einen von uns anschießen, wenn er diese Aktion sieht."

"Sie hat Recht, Ruffy", wandte auch Zorro ein. "Das Risiko sollten wir nicht eingehen."

"Ich will den Kerl aber schnappen!", entgegnete der Gummimann wütend. "Außerdem ist es schon spät und ich will das Abendessen nicht verpassen! Los, wir machen's so, wie ich gesagt habe!"

"Auf deine Verantwortung, Boss", resignierte Nico und kreuzte ihre Hände vor der Brust. "Fleur des Yeux!", befahl sie, worauf an Ruffys Arm mehrere Augen sprossen.

"Cool!", bekräftigte der grinsend. "Dann bin ich jetzt dran. GUM GUM ..." Er streckte seinen Arm weit hinter sich, wobei er den schimpfenden Zorro beinahe getroffen hätte und ließ ihn gleich darauf zurück und in die Höhe schnellen. "... FERNROHR!"

Ein, zwei Sekunden lang geschah gar nichts. Dann jedoch folgten die Ereignisse sofort aufeinander. Nico öffnete die Augen und sagte: "Ich sehe ihn!" Gleich darauf traf eine Kugel Ruffys Arm prallte, ihn dehnte und wieder zurückgefeuert wurde. Darauf folgten zwei Schreie, einer von einem Felsen in der Nähe, der andere von Nico, die mit einer Hand eins ihrer Augen abgedeckt hatte.

"Na warte, jetzt hab ich dich!", brüllte Ruffy und rannte auf den Felsen zu. "GUM GUM PISTOLE!"

In der Zwischenzeit hatte sich Zorro Nico zugewandt und sah sie mit undeutbarem Ausdruck in den Augen an. "Ist es schlimm?", fragte er schließlich.

"Nein, nein, geht schon wieder", beruhigte ihn die junge Frau und nahm die Hand vom Gesicht. Sie versuchte zu lächeln, aber es wirkte nicht ganz echt.

"Das ist deine Schwäche, nicht wahr?", bohrte Zorro weiter. "Deine Teufelsfrucht ist unglaublich mächtig... aber einen Teil der Schmerzen, die deine gewachsenen Körperteile einstecken müssen, spürst du auch."

"Gut erkannt", presste Nico zwischen den Zähnen hervor. Sie schien wütend zu sein, dass er dieses Geheimnis erraten hatte. Sie machte eine unwirsche Handbewegung. "Wieso hilfst du Ruffy nicht?"

"Ich glaube kaum, dass er Hilfe braucht", entgegnete der Schwertkämpfer. "Es ist ziemlich still, hörst du nicht? Wahrscheinlich hat er den Kerl bereits erledigt."

"Schön, dann sollten wir ihn jetzt verhören!", blaffte ihn Nico an und drängte sich an ihm vorbei. "Vielleicht erfahren wir dann, warum man ihn für einen Mörder hält."

Zorros Augenbraue zuckte. "Hält?", wiederholte er. "Wieso hält?"

Nico drehte sich genervt um. "Weil es mir seltsam vorkommt, dass jemand, der uns so gut im Schussfeld hatte wie dieser Mann, erst auf uns schießt, als Ruffy seine Teufelskräfte zeigt - und dann auch nur in den Arm schießt und nicht auf den Kopf. Die Sache war doch ohnehin schon sehr seltsam, als die Frau uns einen gefährlich aussehenden Typen beschrieb. Wenn ich einen Mord begehen will, dann will ich so unauffällig wie möglich sein."

"Da hast du mehr Erfahrung als ich", witzelte Zorro, wurde aber gleich darauf wieder ernst. "Nun, wahrscheinlich wurde der Typ von dem Jungen überrascht. Kann ja sein, dass er ihn nicht töten wollte."

"Eben wegen wahrscheinlich und vielleicht sollten wir ihn befragen", bemerkte Nico und ging schnellen Schrittes auf den Felsen zu, hinter dem Ruffy bereits wieder laut zu reden begonnen hatte. "Und zwar möglichst bevor unser Käpt'n den Mann völlig zusammenschlägt. Ruffy, lass ihn in Ruhe!"

Der Gummijunge hatte den am Boden liegenden Mann offenbar wüst beschimpft und war ziemlich perplex, dass er jetzt unterbrochen wurde, aber Nico gönnte ihm nicht die Zeit eine Frage zu stellen. Sie schnitt ihm mit einer Geste das Wort ab und rief: "Ich will ihn befragen. Geh von ihm weg."

Ruffy, der bis dahin bedrohlich über dem Mann aufgeragt hatte, schien wie hin- und hergerissen zu sein. "Wieso?", fragte er.

"Lass sie einfach machen, Ruffy", schaltete sich nun auch Zorro ein, der lässig am Felsen lehnte und den Fremden musterte. "Sie weiß schon, was sie tut. Wenn nichts Gescheites rauskommt, kannst du den Kerl immer noch in den Boden rammen."

Der am Boden liegende Mann krümmte sich, als er diese Worte hörte und hob beide Arme vor das Gesicht. Er hatte nicht gerade viel Kleidung an, eigentlich nur eine kurze, wettergegerbte Hose und einen Gürtel, an dem einige Gegenstände baumelten. Seine Haut war nicht so bronzefarben, wie man es von einem Eingeborenen erwartete, aber er war trotzdem brauner als selbst Nico. Außerdem waren sein Oberkörper und beide Arme mit Tattoos verziert, die immer wieder ein Zeichen aufwiesen: ein starrendes Auge. Alles in allem wirkte der Kerl zwar nicht allzu zivilisiert, aber wie ein gefährlicher Mörder sah er auch nicht aus.

"Schön", meinte Nico und ging vor dem Mann in die Hocke. "Ich möchte dir jetzt ein paar Fragen stellen - und es wäre in deinem eigenen Interesse, dass du sie wahrheitsgemäß beantwortest. Ansonsten überlasse ich nämlich meinem Boss..." Bei diesen Worten zeigte sie auf Ruffy. "... wieder die Ermittlungen, verstanden?"

Der Mann nahm die Hände vom Gesicht weg und nickte langsam.

"Gut. Also, als erstes: Bist du der, den sie in der Stadt dort unten suchen?"

"Ich war es nicht", stieß der Mann hervor und wich etwas zurück. "Ich habe den Jungen nicht ermordet!"

"Davon habe ich noch gar nichts gesagt", erwiderte Nico ruhig. "Aber wenn du schon davon sprichst: Wieso bist du aus der Stadt geflüchtet, wenn du nicht der Schuldige warst?"

Zunächst schwieg der Mann, aber nach einem Blick auf Ruffy gab er seinen Widerstand auf. "Weil ich den echten Mörder gesehen habe", gab er zu. "Ich hab gesehen, wie er den Jungen aufgeschlitzt hat und als er dessen Taschen durchwühlte, hab ich ihn von hinten niedergeschlagen. Danach wollte ich den Burschen zunächst den Leuten überlassen, aber am Schluss habe ich ihn geschnappt und bin hier herauf geflüchtet."

"Wieso?", unterbrach ihn Zorro. "Damit hast du dich doch nur verdächtig gemacht."

"Ach?" Der Mann schnaubte. "Und du denkst, die Leute hätten mir geglaubt, wenn ich ihnen gesagt hätte, wie es war? Der Kerl, den ich ausgeschaltet habe, war zwar auch ein Fremder und ist vermutlich ein Pirat, aber immerhin ist er zivilisiert." Er spie das Wort nahezu aus. "Sein Wort wäre gegen meins gestanden. Was glaubt ihr wohl, wem sie geglaubt hätten?"

"Gutes Argument", gab Zorro zu.

"Hmmm", machte Nico. "Wenn der Kerl den Jungen aufschlitzt hat, wie du sagst, warum hast du dann sein Schwert oder auch sein Messer nicht bei dir? Ich nehme an, das kleine, verzierte Ding, das du da an deinem Gürtel trägst, gehört dir und sonst hast du nur deine Pistole mit. Wo ist die Waffe des Mannes?"

"Er hatte keine Waffe", entgegnete der Mann leise und sah weg. "Ich glaube, er hat Teufelskräfte benutzt, um den Jungen zu töten."

"Was, Teufelskräfte?", wiederholte Ruffy.

"Ja." Der am Boden Liegende schauderte anscheinend bei der Erinnerung. "Ich kam um die Ecke, als ich sah, wie der Junge gerade weglaufen wollte. Der Kerl hob die Hände und... und plötzlich schoss etwas Sichelförmiges aus seiner Hand auf den Jungen zu. Es durchbohrte ihn und warf ihn an die Wand. Als ihn dieser Mistkerl auch noch ausrauben wollte, hab ich mich angeschlichen und ihn niedergeschlagen."

"Hört sich für mich nach einem normalen Wurfstern an", meinte Zorro. "Manche Kopfgeldjäger verwenden die Dinger. Sieht mir nicht nach Teufelskräften aus."

Der Mann schnaubte abermals. "Denkst du. Ich habe mir natürlich angesehen, was den Jungen getötet hat. Der Mörder hatte das Ding schon herausgezogen, wahrscheinlich, um kein Beweismittel zurückzulassen. Es war ein Stück seines Fingernagels, aber so hart wie Eisen und rasiermesserscharf! Damit hat er den Jungen getötet!"

Nico pfiff leise. "Wenn deine Geschichte stimmt, dann hattest du Glück, dass er dich nicht bemerkt hat", urteilte sie. "Aber hast du Beweise dafür?"

"Beweise?", echote der Mann. "Na ja, ich kann euch den Typen zeigen, den ich gefangen habe. Das Stück Fingernagel hab ich auch noch in der kleinen Höhle, in der ich mich verkrochen hab. Aber dazu müsstet ihr mit mir mitkommen."

"Wir gehen erst mal nirgendwohin", entschied Ruffy und verschränkte die Hände vor der Brust. "Nicht, bevor wir nicht sicher sind, dass du irgendwelche Komplizen hast."

"Das kann ich euch aber nicht beweisen", entgegnete der Mann mutlos. "Ihr werdet mir schon vertrauen müssen, wenn ihr euch von meiner Unschuld überzeugen wollt. Entweder das oder ihr übergebt mich dem Mob da unten in der Stadt." Auf die fragenden Blicke ergänzte er: "Ich hab mich nahe an die Stadt rangeschlichen, so dass ich hören konnte, was sie sagten. Wenn ich geahnt hätte, dass sie derart reagieren, wäre ich an Bord irgendeines Schiffes gegangen. Aber ich dachte, das würde man annehmen. Dummerweise hab ich wohl eine Blutspur in die Berge hinauf gelegt."

"Wirklich nicht besonders schlau", kommentierte Nico. Sie dachte einen Moment nach. "Wieso bist du in dieser Kleinstadt?"

Der Mann zuckte mit den Schultern. "Ich gehe mal hierhin, mal dorthin", meinte er ausweichend. "Seit man mich von meiner Insel verbannt hat, hab ich kein Zuhause mehr."

"Tja, was machen wir jetzt?", fragte Nico, als sie wieder aufstand. "Wie du gesagt hast, könnten wir dich den Leuten übergeben oder dir bis in deine Höhle folgen, für die es keine Garantie gibt und uns in Gefahr begeben. Was sollten wir tun?"

Der Mann antwortete nicht und sah zu Boden.

"Was meinst du, Käpt'n?", wandte sich Nico an Ruffy. "Was sollen wir tun?"

"Hmmm", machte dieser nachdenklich. "Du glaubst, er könnte noch Komplizen haben, die auf uns warten?" Als Nico nickte, hellte sich sein Gesicht auf. "Dann gehen wir. Er war zwar schwach, aber vielleicht sind ja seine Freunde stärker."

"Du Hirni", rief Zorro und gab ihm eine Kopfnuss. "Wenn er die Wahrheit sagt, hat er keine Komplizen! Außerdem geht's hier nicht um Spaß, sondern um Leben und Tod... seins oder unsere." Er sah den Mann kalt an. "Ich halte nichts von Lynchjustiz, also bin ich dafür, dass wir den Kerl begleiten. Ich denke, wenn wir vorsichtig sind, können wir auch mit seinen eventuell vorhandenen Spießgesellen fertig werden. Aber wenn du uns reinzulegen versuchst, Bursche, dann..." Er bleckte seine Zähne und ließ sein Kitetsu aus der Scheide gleiten. "... lernst du meine Schwerter kennen. Aus nächster Nähe."

"Hat er jetzt Freunde oder hat er keine?", fragte Ruffy verwirrt. "Ach, egal. Ich bin jedenfalls dafür, dass wir ihm folgen."

"Wenn es dafür nicht schon zu spät ist", murmelte Nico. Als alle Köpfe zu ihr herumflogen, legte sie die Hand ans Ohr. "Hört ihr nichts? Mir ist so, als würden Stimmen vom Weg heraufkommen."

Augenblicklich erstarben alle Geräusche, als alle gespannt lauschten.

"Verdammt, du hast Recht", fluchte Zorro und biss die Zähne zusammen. "Die Leute kommen rauf, um ihn da zu suchen!"

"Nein!", schrie dieser und erhob sich schwankend. Ruffy schien ihm doch mehr zugesetzt zu haben, als man ihm ansah. "Die dürfen mich nicht kriegen! Ich bin unschuldig!"

Noch bevor Zorro sein Schwert ziehen konnte, hatte er sich umgedreht und lief den Weg hinauf. Als Ruffy wieder eine seiner Attacken ausführen wollte, legte ihm Nico die Hand auf den Arm und schüttelte den Kopf. Dann kreuzte sie wieder die Hände vor der Brust.

"DEUX FLEURS!"

Plötzlich schoss aus dem linken Arm des Flüchtigen eine Hand und hielt die rechte fest. Gleichzeitig geschah dasselbe bei den Füßen, sodass der Mann stolperte und hinfiel.

"Cool", kommentierte Ruffy grinsend und ging zu dem Mann hin. "Du wirst schön dableiben", sagte er zu ihm. "Schließlich willst du doch deine Unschuld beweisen, oder?"

"Verdammt", stieß der Mann mit Angst in den Augen hervor. "Habt ihr etwa alle Teufelskräfte?"

"Nicht alle", entgegnete Zorro, der ebenfalls hinzutrat. "Aber wie willst du seine Unschuld beweisen, Ruffy? Er sagte doch selbst, dass er nur in seiner Höhle Beweise hat und da herauf kommt ein wütender Mob. Ich bin mir nicht sicher, ob uns die überhaupt zuhören werden."

"Ach? Und wenn wir sagen, dass wir ihn mit rauf nehmen, um uns seine Beweise anzusehen und ihn dann wieder runterbringen?"

"Ich denke kaum, dass das funktioniert", verkündete Nico behutsam. "Immerhin sind wir hier auch Fremde. Die werden uns nicht mehr trauen als ihm."

"Aber wir können ihn auch nicht diesen Leuten überlassen... zumindest nicht, solange er keine Gelegenheit hatte sich zu verteidigen", ergänzte Zorro und kratzte sich am Kopf. "Jetzt stecken wir in der Zwickmühle... wieder mal."

"Wir sollten uns jetzt schnell klar werden, was wir tun wollen", empfahl Nico, die immer noch den Mann festhielt. "Da kommen schon die ersten Leute."

"Zorro, bewach den Mann", entschied Ruffy und stellte sich vor den Verfolgten. "Nico braucht vielleicht gleich ihre Hände."

"In Ordnung, Boss", meinte Zorro, zog sein Schwert und hielt es dem Mann an die Kehle. Gleich danach ließ Nico ihre Körperteile an ihm verschwinden und drehte sich zur Menge um. "Ich hoffe nur, du weißt, was du tust, Ruffy."

"Wird schon schief gehen."

"DAS wollte ich nicht hören!"

Inzwischen war bereits eine ansehnliche Menge zusammengekommen. Die ersten Leute waren stehen geblieben, weil sie den am Boden liegenden Mann erspäht hatten, der hinter Ruffy lag. Einige andere schoben zwar noch lautstark rufend nach, aber langsam kam die Menge zum Stillstand.

"Wer bist du, Junge?", schrie eine Stimme aus dem Mob. "Gehörst du zu diesem Mörder?"

"Nö", antwortete Ruffy genauso laut. "Wir sind nur heraufgekommen, weil wir mit ihm kämpfen wollten. War aber nicht der Rede wert."

Gemurmel entstand in der Menge und einige blickten Ruffy respektvoll an. "Gut", rief eine andere Stimme über die anderen hinweg. "Dann gib uns den Mistkerl heraus, damit er bekommt, was er verdient!"

Ruffy grinste kurz und zog seinen Strohhut ins Gesicht. "Nein", schrie er zurück.

Wieder entstand Gemurmel, diesmal allerdings unwillig. "Was soll das?", rief die Stimme wieder. "Der Kerl hat einen Mord begangen! Er verdient das Schafott!"

"Er behauptet, dass er unschuldig ist", erklärte Nico laut. "Er sagt, er habe den wahren Schuldigen in einer Höhle auf diesem Berg versteckt. Er möchte, dass wir mitkommen und uns selbst davon überzeugen."

"Das ist doch lächerlich", warf eine andere Stimme, diesmal weiblich, ein. "Damit will er doch nur Zeit schinden, damit er fliehen..."

"Nico-Schätzchen? Bist du das?"

Gleich darauf zwängte sich ein blonder Junge im Smoking durch die Menge. Als sein Herzchenblick auf Nico fiel, schmolz Sanji wie üblich dahin. "Ah, ich wusste doch, dass ich deine melodische Stimme wiedererkannt habe, meine Schöne", säuselte er.

"Sanji?", fragte Ruffy und lachte. "Was machst du denn hier? Und wo sind die anderen?"

"Wir sind hier", entgegnete eine gelinde verärgerte weibliche Stimme und gleich darauf drängte sich Nami ebenfalls durch die Menge, gefolgt von Lysop und Chopper. "Wieso musst du uns eigentlich immer in Schwierigkeiten bringen, Ruffy?"

"Mach ich doch nicht mit Absicht. Aber der Kerl behauptet nun mal unschuldig zu sein."

"Wieso musstest du ihn überhaupt jagen?", fragte Lysop nervös. "Hattest du nichts Besseres zu tun?"

"Nö."

"Moment mal", erschallte plötzlich wieder eine Stimme aus der Menge. Sie zitterte leicht. "Ruffy? Bist du etwa... Strohhut-Ruffy der Pirat?" Gleich nach dieser Frage ging ein Ruck durch die Menge und mehrere Leute hoben ihre improvisierten Waffen. Alle Blicke waren auf Ruffy gerichtet, der wiederum grinste und die Hand zum Gruß an den Hut hob.

"Ja, das bin ich."

"Ruffy, bist du verrückt?", zischte ihm Nico zu. "Wieso musstest du das sagen? Jetzt glauben sie uns bestimmt kein Wort mehr!"

"Ich hab's ja gewusst, dass dieser Tag kein gutes Ende nimmt", seufzte Zorro und zog ein zweites Schwert.

Auch die anderen fühlten sich offenbar in der Nähe der Menge nicht mehr sehr wohl, denn sie gingen rasch zu Ruffys Gruppe hinüber. Alle von ihnen hatten ihre Waffen gezogen, sofern sie welche hatten. Angespannter konnte die Lage wohl kaum noch sein. Überall in der Menge wurde getuschelt. Man hörte Worte wie "100 Millionen" und "gemeingefährlich" umherirren.

"Na toll", murmelte Chopper, der einen Rumbleball aus seiner Tasche zog. "Und ich dachte schon, ich hätte das Schwerste an diesem Tag hinter mir."

"Halt den Mund, Chopper", erwiderte Nami bissig, ohne die Menge aus den Augen zu lassen. Sie hatte ihre Klimataktstöcke kampfbereit erhoben, ebenso wie Nico ihre Hände in Kampfposition gebracht hatte. Die Augen der Attentäterin glänzten eisig, ebenso die von Zorro und Sanji. Lysop war die Angst deutlich anzusehen, aber seine Schleuder zitterte nicht. Ruffy selbst wartete einfach mit einem gelassenen Grinsen ab.

"Was verlangst du für den Mörder, Strohhut-Ruffy?", fragte eine nervöse Stimme aus der Menge. "Willst du freien Abzug? Den kannst du haben, obwohl die Marine inzwischen wohl ganz in der Nähe ist. Wir wollen nur ihn."

"Ihr kriegt ihn aber nicht", entgegnete Ruffy, während seine Freunde scharf Luft einsogen. "Jedenfalls nicht, bevor er uns die Höhle gezeigt hat. Wenn er uns reinlegen will, dann bringen wir ihn wieder zu euch runter, einverstanden?"

"Und wer sagt uns, dass er und ihr keine Kumpane seid?", wollte eine weitere Stimme wissen. "Vielleicht wollt ihr ja nur alle hier abhauen!"

"Leute, jetzt mal ganz ehrlich", schaltete sich Sanji in das Gespräch ein. "Da ihr schon von Ruffy gehört habt, dürfte euch klar sein, dass sein Kopfgeld 100 Millionen Berry beträgt. Glaubt ihr wirklich, er wäre noch hier, wenn er wirklich fliehen wollte?"

Das trug nicht gerade zur allgemeinen Beruhigung der Lage bei. Nami gab dem Koch einen Rippenstoß und senkte ihre Waffen. "Hört mal, wir wollen hier keinen Ärger. Wenn dieser Kerl wirklich schuldig ist, dann liefern wir ihn auch aus. Ihr könnt ja meinetwegen zu dieser... Höhle mitkommen."

"Dort oben ist nicht mehr genug Platz für alle", antwortete ein Mann aus der ersten Reihe. "Und wenn nur wenige mitgehen, habt ihr leichtes Spiel mit uns."

"Das ist doch jetzt auch nicht anders", bemerkte Zorro wohlweislich so leise, dass niemand es hörte.

"Ihr müsst euch entscheiden", rief Ruffy und verschränkte die Arme. "Entweder kommen ein paar von euch mit oder ihr wartet, bis wir euch den Kerl oder den wahren Mörder bringen. Wir gehen jetzt jedenfalls rauf und ihr könnt uns nicht davon abhalten."

Einige Momente lang war wieder hektisches Gemurmel zu hören, dann wandten sich die hinteren Reihen zum Gehen. Nach und nach verschwanden die Leute wieder den Berg hinunter.

"Das wird euch noch Leid tun, Strohhut-Bande", rief ein Mann, der noch weiter vorn stand. "Die Marine wird euch und euren Freund schon da runterholen, ihr werdet schon sehen! Und dann wird nicht nur er sterben, sondern ihr auch!"

Damit verschwanden sie. Die Anspannung zwischen den Freunden wich langsam und sie ließen ihre Waffen sinken. Lediglich Zorros Schwert lag immer noch an der Kehle des Mannes.

"Da hast du uns ja was Schönes eingebrockt, Ruffy", beklagte sich Lysop noch immer ganz zittrig auf den Knien.

"Wieso? Ist doch alles gutgegangen."

"Von wegen alles gutgegangen", schnaubte Nami. "Wieder eine Stadt, in der wir uns nicht mehr sehen lassen können! Ich dachte, du würdest diese beiden Kindsköpfe aus Schwierigkeiten heraushalten können, Nico."

"Kindsköpfe?", fragte Zorro, aber er wurde ignoriert.

Nico zuckte mit den Schultern. "Hättet ihr Ruffy etwas auszureden versucht, das er sich fest vorgenommen hat? Außerdem schien der Kerl hier zu Anfang wirklich ein übler Bursche zu sein."

Alle Augenpaare wandten sich dem Mann zu, der noch immer stumm auf dem Boden lag und sich nicht zu rühren wagte.

"Wie heißt er überhaupt?", brach Chopper schließlich das Schweigen.

"Das haben wir ihn noch überhaupt nicht gefragt", erkannte Ruffy.

"Cabbog", murmelte der Gefangene schnell. "Ich heiße... Cabbog."

Sanji sah noch einmal zur Menge zurück. "Tja, da wir wegen dir jetzt ziemlich in der Klemme stecken, solltest du uns mal zu dieser berühmten Höhle führen, Cabbog."

"Wenn wir den Leuten den echten Schuldigen nicht bringen", überlegte Lysop laut, "dann werden sie ganz schön sauer auf uns sein - egal, ob wir Cabbog jetzt ausliefern oder nicht."

"So weit sind wir noch nicht", unterbrach Zorro die Gespräche. "Als erstes müssen wir überlegen, ob wir jetzt schnell auf unser Schiff zurückgehen und abhauen, bevor die Marine hier ankommt... oder ob wir das riskieren und uns diese blöde Höhle ansehen."

"Also, ich bin für Abhauen", rief Nami resolut. "Wäre nett, wenn wir einmal ohne Kampf von einer Insel wegkönnten!"

"Der Meinung bin ich auch", pflichtete ihr Nico bei. "Dennoch ist das die Entscheidung des Käpt'ns, oder, Ruffy?"

"Stimmt", ergänzte dieser fröhlich. "Und ich bin dafür, dass wir uns diese Höhle ansehen. Mit der Marine werden wir schon fertig." Damit streckte er Cabbog die Hand hin. Dieser zögerte zunächst, ließ sich jedoch von Ruffy aufhelfen, als dieser ihn angrinste.

"Muss das sein, Ruffy?", fragte Chopper gequält. "Müssen wir die Marine unbedingt wieder auf unsere Spur bringen?"

"Das sind sie ohnehin schon, weil ihnen die Leute von uns erzählen werden", seufzte Sanji und warf seinen Zigarettenstummel weg. "Schön, dann besuchen wir eben diese Höhle." Er sah den Berg hinauf. "Ich hoffe nur, dass sie diesen ganzen Ärger auch wert ist. Geh voran, Cabbog. Und ich warne dich, versuch keine faulen Tricks." Er ließ seinen Blick über die Mitglieder des Teams schweifen. "Du weißt ja jetzt, mit wem du es zu tun hast."

Cabbog sah alle schweigend an, dann nickte er und setzte sich in Trab. Die Strohhut-Bande folgte ihm und besiegelte damit ihr nächstes Abenteuer.



Und in der nächsten Folge von "One piece":

In der Höhle von Cabbog finden die Freunde tatsächlich einen gefesselten Piraten, der Sanjis Lehrmeister Rotfuß-Jeff von früher kennt. Cabbog bittet Ruffy, ihn auf seinem Schiff mitzunehmen, da er zurück zu seiner Heimat will, die von Sir Crocodile einst verwüstet wurde. Plötzlich tauchen jedoch Schwierigkeiten in Gestalt der Marine auf. Werden die Freunde Cabbog mitnehmen? Dies alles erfahrt ihr in der nächsten Folge von "One piece"!
 
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